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Veröffentlicht am 06­.11.2026

6.11.2026 - katholisch.de

"Wir sind Kirche" beklagt "Stillstand" bei Dialog über Kirchenreform

Bonn - Die Initiative "Wir sind Kirche" trifft sich zu ihrer Bundesversammlung. Zum Auftakt ging es um den Fortgang des Reformprozesses in Deutschland.

Mehr Elan in der Debatte über Reformen in der katholischen Kirche wünscht sich die Initiative "Wir sind Kirche". Bei der Bundesversammlung am Freitag in Bonn beklagte die ehemalige Vizepräsidentin des katholischen Laien-Dachverbandes ZdK, Claudia Lücking-Michel, das Schweigen aus dem Vatikan auf die Vorstöße aus Deutschland.

Konkret verwies Lücking-Michel auf die Synodalkonferenz, in die deutschen Bischöfen und das ZdK ihre Beratungen über die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland verstetigen wollen. Sie sei "sehr enttäuscht", dass man "so gar nichts Offizielles" zur Anerkennung der Satzung des Gremiums aus Rom höre, sagte Lücking-Michel.

Keine "Beschäftigungstherapie"

Sie wolle nicht, dass die Kritiker des Reformdialogs Recht behielten, die den vorangegangenen Synodalen Weg als "Beschäftigungstherapie für Laien" bezeichnet hätten. Weil es aktuell kein neues Synodales Gremium gebe, falle alles zurück auf die Gemeinsame Konferenz aus Deutscher Bischofskonferenz und ZdK. Das aus zehn Bischöfen und zehn ZdK-Mitgliedern bestehende Gremium tagte ebenfalls am Freitag in Bonn – und das zum 100. Mal.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Heiner Wilmer sowie ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp äußerten am Rande der Gemeinsamen Konferenz die Hoffnung, bald eine Rückmeldung aus Rom zu erhalten zur Anerkennung des Satzungsentwurfs für die Synodalkonferenz.

Lücking-Michel sprach sich unterdessen dafür aus, den Dialog über Reformen gegebenenfalls unter einem anderen Namen fortzusetzen. Hier könne die Gemeinsame Konferenz ein Zeichen für einen Fortgang der auf dem Synodalen Weg begonnenen Debatten setzen.

Zum neuen Nuntius Hubertus van Megen hat die Initiative bereits Kontakt.

Die Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" widmet sich bis Sonntag dem Thema "Macht und Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Gleichberechtigung". Vertreter der Initiative kritisierten zum Auftakt Papst Leo XIV. Dieser habe zuletzt das Thema sexueller Missbrauch verharmlost, indem er von Einzelschicksalen gesprochen habe. Der frühere Bischofskonferenz-Vorsitzende Georg Bätzing und sein Nachfolger Wilmer hätten dagegen mehrfach ein systemisches Versagen der Kirche betont.

Positiv würdigte "Wir sind Kirche" die Positionierungen der Deutschen Bischofskonferenz und einzelner Bischöfe gegen Rechtsextremismus. Kritisch dagegen äußerte sich die ehemalige ZdK-Vizepräsidentin Lücking-Michel zum Stand der Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche: "Welcher Organisation soll man denn einen Einsatz für Demokratie und Gleichberechtigung abnehmen, wenn sie mehr als der Hälfte ihrer Mitglieder keine gleichberechtigte Stellung zugesteht?"

Kontakt zu neuem Nuntius

Erfreut zeigte sich "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner über den neuen Papstbotschafter Hubertus van Megen. Nach einer Woche habe dieser bereits auf das Begrüßungsschreiben der Initiative geantwortet, um einen Termin zu vereinbaren: "Wir sind sehr gespannt. Vielleicht brauchen wir mehr Drähte, die unsere Anliegen in Rom verständlich machen."

Das unlängst veröffentlichte vatikanische Dokument "Venite ad me" würdigte "Wir sind Kirche"-Vertreterin Sigrid Grabmeier als grundsätzlich positiv. Allerdings spiegle die Analyse der Glaubensbehörde in Rom eine "immer noch sehr traditionelle Glaubenslehre" wider, die fast alles ausblende, was neuere Theologie anzubieten habe. "Für viele gibt es keinen Grund, das weiterzutragen, was sie selber nicht mehr glauben können", bilanzierte Grabmeier.

"Wir sind Kirche" ist eine Vereinigung, die auf Veränderungen in der katholischen Kirche drängt. In mittlerweile rund 30 Ländern engagieren sich Mitglieder unter anderem für mehr Gleichberechtigung, eine neue Sexualmoral und eine stärkere Beteiligung von Laien.

Zuletzt geändert am 06­.11.2026