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Veröffentlicht am 30­.06.2013

30.6.2013 Christ in der Gegenwart 26/2013

Was bringt der Dialog?

Auf den Dialogprozess soll nun die Erneuerung im Bistum Rottenburg-Stuttgart folgen. Österreichs Bischöfe und Laien treffen sich zum Zukunftsforum, und verschiedene Pfarrerinitiativen wollen ein gut (neu)übersetztes Messbuch. Eine Diakonenweihe für Frauen hält Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart nicht für ausgeschlossen. Allerdings ist "die Zeit noch nicht reif". Zum Ende eines zweijährigen Dialogprozesses im Bistum meinte Fürst, dass Überlegungen seines Vorgängers, Kardinal Walter Kasper, und des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, ein vom männlichen Diakonat verschiedenes, eigenständiges Diakoninnenamt einzuführen (vgl. CIG Nr. 18, S. 187) keinen Fortschritt bringen: "Das ist nicht Fisch noch Fleisch. Wenn, dann müssen wir schon springen."

Mehrere Reformgruppen bedauerten, dass sich Fürst nicht für Veränderungen beim Pflichtzölibat für Priester einsetzen wolle und sich auch bei anderen "heißen Eisen" reserviert zeigte. Für den Sprecher der "Aktionsgemeinschaft Rottenburg", eines Zusammenschlusses von 160 Priestern, Diakonen und einigen Laien, Klaus Kempter ist "der Dialogprozess nicht die adäquate Antwort auf den Reformstau". Der Dialog werde seit vierzig Jahren geführt. Die Bischöfe müssten sich entscheiden, ob sie Reformen wollen oder weiter mit dem Hinweis auf die römische Zentrale erklären, sie könnten nichts verändern. Dann braucht es aber - so Kempters persönliche Meinung - einen Vermittlungsausschuss, der den Frauen und Männern erklärt, warum die Bischöfe an den überkommenen Verhältnissen festhalten.

"Betrüblich" findet es der Rottenburger Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn, dass gewisse Weiterentwicklungen kaum anerkannt werden. Bei den vierhundert einzelnen Dialog-Veranstaltungen mit mehr als 12000 Beteiligten sei eine neue Gesprächskultur entstanden, die jetzt in eine Phase der Erneuerung überführt werde. Mit dem Projekt "Gemeinde" soll die Qualität pastoraler Arbeit vor Ort gesteigert werden, Wenn sich auf regionaler Ebene die Verantwortlichen über das austauschen, was gut läuft, können sie voneinander lernen. Auch die Priester sollen entlastet wer- .ien, Fürst will seine kirchenrechtlichen Spielräume so stark wie möglich ausnutzen. Im Kanon 517,2 des kirchlichen Gesetzbuchs heißt es: "Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Seelsorge leitet." Das könnte bedeuten, dass die Größe des Pfarrverbundes nicht der Zahl der Priester angepasst wird, sondern dass die Gemeinde vor Ort die Vollmacht erhält, die sie braucht, um Heimat für das Volk Gottes zu sein.

Ein weiteres Erneuerungs- Projekt führt laut Warmbrunn in diese Richtung: Die Engagierten in den kleinen Gemeinschaften sollten finanziell und geistlich besser gefördert werden. Eine Million Euro sind im Bistumshaushalt für die Förderung des Ehrenamts bereitgestellt. Anstatt unter Ausschluss der Pfarröffentlichkeit damit beauftragt zu werden, solchen Gemeinschaften verantwortlich vorzustehen, sollten die entsprechenden Personen offiziell und im Gottesdienst beauftragt werden.

Die Herausforderungen der Zeit wollen auch die österreichischen Bischöfe "im Lichte des Evangeliums und im Gespräch mit der säkularen Gesellschaft" reflektieren. Deshalb laden sie zu einem zweijährigen "Zukunftsforum" ein, das am 22. September 2014 mit einem Fest des Glaubens beginnen soll. Zu den vier halbjährlich nacheinander geplanten thematischen Schwerpunkten "Familie und Beziehung", "Bildung und Arbeit", "Kirche und Gesellschaft" sowie "Gerechtigkeit und Ökologie" sind ausdrücklich Personen, die Kirche und Glauben kritisch gegenüberstehen, eingeladen. Auch kircheninterne Kritiker wie "Wir sind Kirche" oder die "Pfarrer- und Laieninitiative" sollen sich einbringen. Die Laienvertretung "Katholische Aktion Österreich" wird den Prozess moderieren. Für Präsidentin Gerda Schaffelhofer steht fest: "wir brauchen ein neues Pfingsten, ein neues Verstehen. Dies wird nur möglich sein, wenn wir den Dialog mit allen Menschen suchen und ihre Anliegen zu unseren machen."

Für eine Sprache in der Liturgie, "die heutigen Menschen hilft, den Dialog mit Gott zu führen und so aktiv an der Liturgie teilzunehmen", hat sich die "Pfarrer-Initiative Deutschland" ausgesprochen. Im Herbst könnte eine neue Messbuch-Übersetzung beschlossen werden, die muttersprachlich eher sperrig ist, weil sie sich zu eng an den lateinischen Wortlaut hält (vgl. CIG Nr. 14, S. 143). In einem Brief schreiben die Seelsorger den Bischöfen: "Unsere Liturgie krankt nicht daran, dass ihr Buchstabe zu weit weg wäre vom lateinischen Original. Das Gegenteil ist der Fall: Sie ist oft weit weg von Sprache und Empfinden der Menschen und zu wenig poetisch und inspirierend." sun

Zuletzt geändert am 16­.07.2013

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