Kolumne „Unzensiert“ Oktober 2026
Synodale Bischofswahl
Die Rücktrittsgesuche von Kardinal Marx 2021 und Kardinal Woelki 2022 hat Papst Franziskus damals nicht angenommen. Die Münchner und Kölner Erzbischöfe waren und sind weiterhin wohl einfach zu bedeutungsvoll für das gesamte hierarchische Kirchensystem in Deutschland, das ja auch ein wichtiger Financier für den Vatikan und die Weltkirche ist: Too big to fail.
Papst Leo XIV., so scheint es, hat mehr Verständnis für Bischöfe, die sich den vielfältigen und oftmals überfordernden Aufgaben des Bischofsdienstes nicht mehr gewachsen fühlen. Er nahm die Rücktrittsgesuche der Bischöfe von Eichstätt, Speyer und Dresden-Meißen vor Vollendung des 75. Lebensjahres an. Aber wie kann es jetzt weitergehen? Nicht nur angesichts des dramatischen Mangels zölibatärer Priestermänner wird auch die Suche nach leitungsgeeigneten Bischofskandidaten immer schwieriger. Denn rund ein Drittel der Angefragten lehnen eine Ernennung ab, wird vermutet.
Möglich wäre zum Beispiel eine zeitliche Begrenzung, wie sie auch bei der Leitung der Orden seit Jahrhunderten erfolgreich gehandhabt wird. Aber noch wichtiger ist eine qualifizierte Beteiligung des Kirchenvolkes an Bischofsernennungen. Der Synodale Weg in Deutschland hat hierzu einen wegweisenden Handlungstext „Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs“ beschlossen.
Wir brauchen eine synodale Kirchenordnung, die die Gläubigen mitentscheiden lässt, wer ihr Bischof sein soll. Nur der sollte Bischof sein, der das Vertrauen seiner Gläubigen hat. Von Papst Leo dem Großen im fünften Jahrhundert stammt die Regel „Wer allen vorstehen soll, muss von allen gewählt werden.“ Es muss ja kein Wahlkampf wie in der Politik werden. Während derzeit weltweit Demokratien im Rückzug sind und die Tendenz zu autoritär geführten Machtsystemen in erschreckender Weise zunimmt, könnte ein synodal gestaltetes Bischofsauswahlverfahren ein positives Alternativmodell sein, wie Leitung organisiert werden kann.
Welche fatalen Folgen falsche Bischofsbestellungen haben können, hat die 1986 trotz aller Warnungen erfolgte Ernennung von Hans Hermann Groër zum Erzbischof von Wien gezeigt. Charisma und Machtmissbrauch liegen immer sehr nah beieinander. Das Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn hat dann ein ganzes Land in eine tiefe Kirchenkrise geführt, in der 1995 das Kirchenvolksbegehren Wir sind Kirche in Österreich entstanden ist. Die dort formulierten Reformpunkte für eine geschwisterliche Kirche – und dazu gehört auch das Auswahlverfahren der Bischöfe – werden jetzt weltweit auf allen kirchlichen Ebenen thematisiert. Aber es darf nicht nur bei frommen Worten bleiben, sondern der Synodale Prozess in Deutschland und die Weltsynode müssen konkrete zukunftsweisende Beschlüsse fassen und dann auch umsetzen.
Christian Weisner
Wir sind Kirche Deutschland
weisner@wir-sind-kirche.de
Zuletzt geändert am 28.09.2026

