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Veröffentlicht am 01­.01.2018

2.-4. November 2018 in Nürnberg

Wir sind Kirche-Tagung und 42. öffentliche Bundesversammlung

        

> Pressemitteilung zum Abschluss     > Medien-Echo     > Foto-Strecke

Die 42. Wir sind Kirche-Bundesversammlung mit mehr als 80 Teilnehmenden aus ganz Deutschland und von der österreichischen Plattform Wir sind Kirche tagte vom 2. bis 4. November 2018 im Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) der Erzdiözese Bamberg. Nach der Begrüßung durch Susanne Ludewig vom Wir sind Kirche-Bundesteam stellte der stellvertretender Akademiedirektor des CPH, Claudio Ettl in seinerm Grußwort die Namensgeberin des Hauses vor, die sich als katholische Ordensfrau in der Zeit der Reformation wirkmächtig für Glaubens- und Gewissensfreiheit eingesetzt hatte.

„Unfehlbar daneben – Ohne Frauen keine Zukunft!“

Mit dem Tagungsthema „Unfehlbar daneben – Ohne Frauen keine Zukunft!“ setzte Wir sind Kirche einen Kontrapunkt zur Aussage des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Luis F. Ladaria. Dieser hatte im Mai 2018 erneut versucht, die Unmöglichkeit der Weihe von Frauen zu Priesterinnen als unveränderliche Lehre der Kirche zu definieren, wie dies schon Papst Johannes Paul II. 1994 in „Ordinatio sacerdotalis“ versucht hatte.
(> Wir sind Kirche zum Nein des Vatikan zur Priesterweihe von Frauen)
Wie aktuell das schon vor langer Zeit festgelegte Thema war, zeigte das große Medien-Interesse auch schon vor Beginn der Tagung.

Am Freitagabend appellierte die Nürnbergerin Renate Schmidt, ehemalige Bundestagsvizepräsidentin und eine der Vorkämpferinnen für die Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland, anhand ihrer eigenen Biografie an die Frauen, sich mit ihren eigenen Qualitäten in das politische und kirchliche Leben einzubringen und damit auch Strukturen zu verändern. Danach stellten sich Dr. Claus Petersen von der ökumenischen Initiative Reich Gottes - jetzt! und Claudia Mönius, die nach sexualisierter Gewalterfahrung wieder zum Glauben gefunden hat (ihr Buch: Feuer der Sehnsucht Spiritualität einfach leben) der Diskussion.

Dr. Christiane Florin, Journalistin und Autorin des Buches „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ (> Link zum Buch), ermutigte am Samstagvormittag sehr eindringlich, sich beharrlich nicht nur für die gleiche Würde, sondern auch für die gleichen Rechte von Frauen einzusetzen. Dazu sollten sich die kirchlichen Gruppen noch stärker untereinander vernetzen und auch mit „weltlichen Feministinnen“ verbünden. Die grundsätzliche Trennung von Kirche und Staat dürfe nicht dazu führen, dass die Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften „Sonderwelten“ bilden. Dies habe sich auch bei der jüngsten MHG-Studie zur sexualisierten Gewalt innerhalb der katholischen Kirche wieder sehr deutlich gezeigt.
> Impulsreferat "Weiberaufstand - Wie geht das?" von Christiane Florin (PDF 16 Seiten)   
> Video-Datei (Dropbox 1,7 GB)      > Audio-Datei (Dropbox 1 GB)
Die nächsten Lesungen von Christiane Florin aus ihrem Buch "Weiberaufstand" > hier

Mit einer Straßenaktion „Schluss mit der Männerkirche – Glaubwürdig nur mit Frauen und Männern“ am Samstagmittag in der Nürnberger Fußgängerzone machte Wir sind Kirche auf die Forderung nach der Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern bis hin zum Papstamt anschaulich aufmerksam.

Die "Nacharbeit" zu dem sehr ermutigenden Referat von Christiane Florin erfolgte am Nachmittag in verschiedenen Gesprächskreisen:

  • „Kirchenblüte“ - Vorstellung der bereits vor Langem von der Initiative Maria von Magdala entwickelten Kirchenbildern, mit Angelika Fromm, Gründerin der Wir sind Kirche-Aktion "Lila Stola"
  • „Auf die Frauen hören“ - Vorstellung und Einüben der neuen Aktion listeningtowomen.org mit Dr. Martha Heizer von der österreichischen Plattform Wir sind Kirche
  • Vorführung des Dokumentarfilms „Ida Raming - Zur Priesterin berufen“ von Gerhard Stahl in Anwesenheit von Dr. Ida Raming
  • „Die Frauenfrage im Schulalltag – interreligiöse und interkulturelle Wertevermittlung konkret“ mit Susanne Lederer, Gymnasiallehrerin in Nürnberg

Petition an den Deutschen Bundestag zur Gleichberechtigung

Mit einer auf dieser Bundesversammlung verabschiedeten Petition an den Deutschen Bundestag zu einer klarstellenden Änderung des Artikel 140 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (GG) will die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche dafür sorgen, dass der Staat seiner Verpflichtung aus Artikel 3 GG zur Förderung und tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern auch in der Kirche nachkommt und das Antidiskriminierungsgesetz nicht zu Gunsten des Selbstbestimmungsrechts der Kirchen weiter unberücksichtigt bleibt. (> Wortlaut der Petition mit Begründung (PDF 4 Seiten)). Damit will Wir sind Kirche die Debatte darüber eröffnen, dass der Staat auf die Beseitigung der bestehenden Nachteile für Frauen durch ihre Diskriminierung innerhalb der katholischen Kirche und auch anderer Religionsgemeinschaften hinwirkt und diese nicht länger duldet. Das Petitionsverfahren wird in Kürze gestartet.
Kontakt: Sigrid Grabmeier, Wir sind Kirche-Bundesteam grabmeier@wir-sind-kirche.de

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche

Die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellten und im September 2018 veröffentlichten MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordens­angehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) wurde an diesem Wochenende immer wieder thematisiert. In den kommenden Wochen und Monaten bis zum weltweiten Krisengipfel der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der Welt vom 21. bis 24. Februar 2019 in Rom wird Wir sind Kirche sehr genau beobachten, was die einzelnen deutschen Bischöfe zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt unternehmen und ob sie gegebenenfalls auch bereit sind, für Fehlverhalten persönlich Verantwortung zu übernehmen.

Start des Strategieprozesses
„Zukunft von Kirche und Zukunft von Wir sind Kirche

Mit dieser Bundesversammlung startete Wir sind Kirche einen Update- und Strategieprozess „Zukunft von Kirche und Zukunft von Wir sind Kirche, der mit den Bundesversammlungen 29. bis 31. März 2019 in Würzburg sowie 18. bis 20. Oktober 2019 in Neustadt an der Weinstraße fortgeführt wird. Als Grundlage dazu legte das Bundesteam einen Bericht über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und einen "Fahrplan" für diesen Prozess vor, zu dem noch um Rückmeldungen und Anregungen gebeten wird.

Am Samstagabend las Bundesteammitglied Günther Doliwa aus eigenen Texten "Liebe ist einfach ... nicht zu fassen" , begleitet an der Harfe von seiner Frau Uli Nix. Am Sonntag ging die Bundesversammlung mit einem Gottesdienst und einer thematischen Stadtführung zu Ende.

Vor Beginn der Bundestagung waren die Sprecher*innen der Wir sind Kirche-Diözesangruppen bereits am Freitagnachmittag im Caritas-Pirckheimer-Haus zum Austausch und zu einem Vernetzungstreffen zusammengekommen.

Grußworte zu diesem Wochenende hatten geschickt: Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken; Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrates der Stadt und Region München; Dr. Monika Tremel, Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde Nürnberg; Dr. Joachim Schneider, Vorsitzender pax christi-Diözesanverband Bamberg; Hans-Willi Büttner vom AEE - Arbeitskreis Evangelische Erneuerung; Koordinationsteam der Gemeindeinitiative München; Colm Holmes aus Irland, Vorsitzender We are Church International.
EInen kurzen Gruß hatten außerdem übersandt: Prof. Dr. Daniel Bogner, Universität Fribourg; Michaela Pilters, ehem. Leiteren der ZDF-Redaktion,
„Kirche und Leben“; Prof. Elmar Klinger, Autor des Buches „Christologie im Feminismus“; P. Johannes SiebnVor    

> Einladungsflyer und Programm mit Anmeldeabschnitt Papier (PDF 2 Seiten)    

> aktualisierter Ablauf der Wir sind Kirche-Tagung und 42. Bundesversammlung (PDF 1 Seite)

 

Foto-Strecke

Caritas Pirckheimer (1467-1532): "Der Glaube und das Gewissen eines Menschen ist nicht zu nötigen"

 

Claudio Ettl, stellvertretender Akademiedirektor, begrüßt die Wir sind Kirche-Versammlung

 

Thomas Kaufhold (rechts) dankt der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Renate Schmidt, die von Magnus Lux moderiert wurde.

 

Dr. Claus Petersen (rechts) moderiert von Günther Doliwa

 

Nach dem Gespräch mit Claudia Mönius widmet Günther Doliwa ihr ein eigenes Lied.
Dr. Christiane Florin, die Hauptreferentin der Tagung, bei ihrem sehr lebendigen Vortrag am Samstagmorgen

 

 

 

Straßenaktion "Schluss mit der Männerkirche" in der Fußgängerzone vor dem CPH

 

Von vielen genutzte Foto-Wand "Päpstin 2030"

 

Angelika Fromm informiert über die "Kirchenblüte" der Initiative Maria von Magdala

 

Susanne Lederer aus Nürnberg berichtet über interreligiöse und interkulturelle Wertevermittlung in der Schule

 

Dank an Günther Doliwa und seine Frau Uli Nix, die ihn an der Herfe begleitete

 

Ein Teil der über 80 Teilnehmenden beim Gruppenfoto

 

Gottesdienst am Sonntagmorgen u.a. mit Martha und Gert Heizer

 

Sehr kundige Altstadtführung mit Frau Bennewitz

 

 

 

 

Medien-Echos

 

Lese-Tipps zur Tagung und Bundesversammlung

Präfekt der Glaubenskongregation: Priesterweihe für Frauen? Unmöglich!
Schreiben von Luis F. Ladaria, S.I., Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, zum Thema „Zu einigen Zweifeln über den definitiven Charakter der Lehre von Ordinatio sacerdotalis“ im Wortlaut
> kath.net 29.5.2018

Reaktionen zur Aussage von Kardinal Ladaria:

Frauen in der Bewegung Wir sind Kirche – Aktion Lila Stola:
Der Glaubenssinn des Gottesvolkes und die „endgültige“ Lehre    
> Erklärung vom 31. Mai 2018          > als PDF (1 Seite)

Church Reform Leaders Reject Labeling Ban on Women’s Ordination “Definitive”
We Are Church International (WAC-Int’l) strongly rejects Archbishop Luis Ladaria’s claim that the ban on ordaining women to the Catholic priesthood has “definitive character” and “is a truth belonging to the deposit of faith.”
> We are Church press release 31.5.2018

Erklärung der deutschen Sektion der internationalen Priesterinnenbewegung (RCWP)
zum erneuten Nein der Vatikanischen Glaubenskongregation gegen die Frauenordination
> Presseerklärung 1.6.2018

Dorothea Sattler: "Früher war die Argumentation differenzierter"
Der jüngste Beitrag der Glaubenskongregation zur Weihe von Frauen hat die Theologin Dorothea Sattler überrascht. Im Interview kritisiert die Befürworterin der Weihe vor allem die Betonung des Arguments, dass Jesus ein Mann war.
> katholisch.de 2.6.2018

Hermann Häring: Eine tödliche Bedrohung? Zur Diskussion um vermeintlich unfehlbare Aussagen
Spätestens der Brief von Ladaria zeigt: Wir dürfen und wir können nicht mehr widerspruchslos den Un- und Widersinn eines solchen Modells hinnehmen, das alle Kernthemen des Glaubens blockiert. Das totalitär ausgebildete Unfehlbarkeitsdogma lässt keine Verhandlungen und Kompromisse zu.
> Link zum Artikel vom 3.6.2018

Norbert Scholl:
Die Päpstliche Unfehlbarkeit
Warum eine kritische Revision jetzt notwendig ist
> Stimmen der Zeit 7/2018

„Putsch von oben – was ist das für ein Verständnis von Kirche“
Prof. Daniel Bogner, Universität Fribourg, im Interview mit Dr. Christian Florin
> Deutschlandfunk 22.10.2018

Ordensfrauen fordern mehr Mitbestimmung für Frauen in der Kirche Für eine Kultur der Geschlechtergerechtigkeit
> Domradio 25.10.2018

Thomas Migge: Der Männerkirche auf den Wecker fallen
> Deutschlandfunk 26.10.2018

 

Frühere Artikel zum Thema

Landeskomitee der Katholiken in Bayern: Der Kirche ein Gesicht geben – Neue pastorale Ideen für Bayern
> www.landeskomitee.de (9. April 2018)

Habemus feminas. Gleichberechtigung in der Kirche
> Christ in der Gegenwart 11.3.2018

Ökumenischer Kongress „Frauen in kirchlichen Ämtern“- Reformbewegungen in der Ökumene
6.-9. Dezember 2017 an der Universität Osnabrück
> Einladungsflyer, verabschiedete Thesen und Selbstververpflichtung, Berichte

Georg Kraus: Frauenordination. Ein drängendes Desiderat in der katholischen Kirche
> www.stimmen-der-zeit.de 2011 Heft 12

Karl Rahner über die Gleichberechtigung der Theologin
> Süddeutsche Zeitung 13. März 1974 (PDF)

 


 

 

> Wir sind Kirche "Aktion Lila Stola"

 

Zuletzt geändert am 14­.11.2018