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Veröffentlicht am 07­.08.2012

7.8.2012 - kathweb.at

Theologe Kruip fordert konkrete Reformen in katholischer Kirche

Deutscher Sozialethiker warnt vor drohendem Rückzug vieler engagierter Katholiken

Berlin (KAP) Der Theologe und Sozialethiker Gerhard Kruip hat vom Dialogprozess in der katholischen Kirche in Deutschland klare Signale für Veränderungen gefordert. "Die Menschen müssen sehen können, dass die Kirche sich bewegt und dass es zeitnah zumindest in manchen Bereichen konkrete Fortschritte geben kann", sagte Kruip am Dienstag in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Sonst drohe ein Rückzug vieler engagierter Katholiken.

Fortschritte hält Kruip vor allem bei der Frage der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten und bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Kirche für notwendig. Für den 14. und 15. September hat die Deutsche Bischofskonferenz rund 300 Teilnehmer zu einer zweiten Dialogveranstaltung zur Zukunft der Kirche nach Hannover eingeladen. Die Auftaktveranstaltung mit rund 300 Bischöfen, Vertretern von Diözesen, Verbänden und Orden fand im Juli 2011 in Mannheim statt.

Kruip hat die Ergebnisse dieser ersten Veranstaltung ausgewertet und eine Zusammenfassung ins Internet gestellt (www.memorandum-freiheit.de/wp-content/uploads/2012/07/Berrang-Kruip-Dokumentation-Mannheim.pdf). Sie gibt Aufschluss über Hoffnungen, Ängste und strittige Punkte der teilnehmenden Kleriker und Laien. Kruip erhofft sich durch die Veröffentlichung einen positiven Impuls für das Nachfolgetreffen.

Der Theologe räumte ein, dass auch in Hannover keine bindenden Entscheidungen getroffen werden könnten. Dennoch dürfe sich das Treffen nicht auf Unverbindlichkeiten und gute Atmosphäre beschränken. "Die in Hannover anwesenden Bischöfe könnten sich beispielsweise konkret verpflichten, sich gegenüber Rom für gezielte Veränderungen einzusetzen. Ein Traum wäre es, wenn sie sich ausdrücklich für eine neue Synode in Deutschland aussprechen würden", sagte er.

Die Hoffnung auf einen Wandel in der katholischen Kirche sei nach dem positiven Auftakt in Mannheim mittlerweile deutlich schwächer geworden, erklärte der Kruip. Ernüchternd habe der Papstbesuch in Deutschland gewirkt, da Benedikt XVI. "jeden positiven Bezug auf den Dialogprozess vermieden" habe.

Kritik am Vatikan

Der Sozialethiker äußerte deutliche Kritik am Vatikan. Die Zentrale der Kirche sei "unbeweglich, auf die eigene Macht bedacht und teilweise fundamentalistisch. Und dadurch entsteht ein riesiger Reformstau". Wenn Rom einen offenen Dialog zulassen würde, "wäre sehr schnell sichtbar, dass auch die Kirchen in Nord- und Südamerika, Afrika oder Asien ganz ähnliche Probleme haben, etwa im Bereich der Sexualethik und der Empfängnisverhütung oder beim Zölibat". Bisher würden schwierige Themen aber immer mit Verweis auf andere Weltregionen hin- und hergeschoben.

Kruip ist auch Mitinitiator des 2011 veröffentlichten und innerkirchlich umstrittenen Theologen-Memorandums "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Die mehr als 300 Theologieprofessoren und Dozenten fordern darin u. a. Mitbestimmung der Gläubigen bei der Besetzung von Ämtern, die Zulassung von Frauen und verheirateten Personen zum Priesteramt und einen "fairen und freien Austausch von Argumenten".

http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/48464.html

Zuletzt geändert am 09­.08.2012

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