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Veröffentlicht am 13­.12.2010

13.12.2010 - KNA

Jesuit Seibel: Würzburger Synode war eine Sternstunde der Kirche

Als "Sternstunde" in der neueren Kirchengeschichte hat der Münchner Jesuit Wolfgang Seibel die Würzburger Synode gewürdigt, die vor 40 Jahren begann und 1975 endete.

München 13.12.2010 (KNA) Als "Sternstunde" in der neueren Kirchengeschichte hat der Münchner Jesuit Wolfgang Seibel die Würzburger Synode gewürdigt, die vor 40 Jahren begann und 1975 endete. Die Bischöfe hätten bei der Versammlung aller westdeutschen Diözesen dasselbe Stimmrecht wie andere Teilnehmer gehabt, sagte Seibel der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zugleich bedauerte der Jesuit, dass diese gemeinsame Form der Entscheidungsfindung, die der Papst damals als Ausnahme vom Kirchenrecht genehmigt habe, nicht stilbildend geworden sei.

"Jeder weiß heute, dass Identifikation durch Mitbeteiligung entsteht", so der 82-jährige Pater. Erfolg haben und Akzeptanz finden könne eine solche Versammlung nur dann, "wenn sie offen diskutieren und auch bindende Beschlüsse fassen kann". Nachfolgeveranstaltungen in einzelnen Diözesen hätten dagegen nur noch den Charakter von Meinungsäußerungen gehabt, "nach denen sich der Bischof richten konnte, wenn er wollte." Seibel war viele Jahre Chefredakteur der "Stimmen der Zeit" und berichtete von der Synode auch für andere Medien, etwa den Bayerischen Rundfunk. Das Gespräch erscheint in der Januar-Ausgabe.

Beeindruckend sei in Würzburg gewesen, "wie viel Sachverstand hier zusammensaß", sagte Seibel. "So etwas sollte man sich heute, angesichts ganz neuer Probleme, eigentlich nicht entgehen lassen." Im Zusammenspiel mit Integrationspersönlichkeiten wie dem damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Julius Döpfner, habe dieser Sachverstand Lagerbildung und "unselige Grabenkämpfe" verhindert. Die Synode habe gezeigt, dass sich jedes auftauchende Problem durch einen tabulosen Dialog erfolgreich behandeln lasse.

Der Jesuit erinnerte daran, dass in den ersten Jahrhunderten der Kirche alle wichtigen Fragen synodal beraten und entschieden worden seien. Die heutige Kirchenführung blende dieses "gute Stück der alten Tradition" aus. Die Scheu der Bischöfe, offene Gespräche zu führen, sei größer geworden, meinte Seibel. Sie würden aber eine Chance verschenken, wenn sie solche Dispute nicht intensivierten.

http://www.kna.de/webnews/kwn09/20101213-BD-1658.53XU-1.html

Zuletzt geändert am 14­.12.2010

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