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Veröffentlicht am 01­.03.2016

1.3.2016 - KNA

Mertes zu Missbrauch: Rücktritte auf höchster Ebene fällig

Köln (KNA) Nach Auffassung des Jesuitenpaters Klaus Mertes sind sechs Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Deutschland weitere Rücktritte auf höchster Ebene notwendig. So habe etwa Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, als Verantwortlicher für die Strafverfolgung der Täter ein Glaubwürdigkeitsproblem, sagte Mertes dem Kölner Stadtanzeiger (Dienstagsausgabe) im Interview.

"Welche Konsequenzen hat er aus seinem Versagen als Bischof von Regensburg gezogen, wo er einen übergriffigen Pfarrer wieder zum Dienst zugelassen hat, der sich dann prompt erneut an Kindern vergangen hat?", fragte Mertes. Er spielte damit auf den erneuten seelsorglichen Einsatz eines Priesters an, dessen Strafe nach Ablauf der Bewährungsfrist 2003 aufgehoben worden war. Müller warf nach einer erneuten Verurteilung des Geistlichen 2008 der Justiz unzureichende Information über das Gefährdungspotenzial des Mannes vor.

Mertes sagte, auf höchster Ebene seien "noch einige Rücktritte fällig", und zwar "erstens wegen eklatanten Versagens. Zweitens wegen der Weigerung, sich den Konsequenzen dieses Versagens zu stellen. Und drittens wegen des massiven Glaubwürdigkeitsverlusts, den die Kirche als Ganzes durch das Versagen erlitten hat." Innerhalb der katholischen Kirche fehle es noch immer an der Bereitschaft, sich den System- und Strukturfragen im Zusammenhang mit dem Thema Missbrauch zu stellen, kritisierte der Jesuitenpater.

Dabei gehe es vor allem um die Sexualmoral der Kirche und die Organisation der Machtzuteilung. Letztere sei "nach wie vor männerbündig und von Intransparenz geprägt". Veränderungen seien vor allem im Blick auf Prävention wichtig. Mertes äußerte sich, nachdem in der Nacht zum Montag der Film "Spotlight" über die Aufdeckung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche der USA den Oscar für den besten Film gewonnen hatte.

Zuletzt geändert am 02­.03.2016

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