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Veröffentlicht am 03­.03.2009

Bischofskonferenz in Hamburg (2)

Übergabe der Petition "Vaticanum2" an die Deutsche Bischofskonferenz in Hamburg

Presseerklärung der Initiatorinnen und Initiatoren der Petition „Für eine uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils“ anlässlich der Veröffentlichung des Zwischenergebnisses bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg

Hamburg, den 3. März 2009

Anlässlich der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg wurde am Nachmittag des 3. März 2009 die Petition »Für eine uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils« an den Sekretär der Bischofskonferenz, P. Dr. Hans Langendörfer SJ übergeben sowie der Zwischenstand der bisher erfolgten Unterzeichnungen veröffentlicht.

Die am 29. Januar 2009 veröffentlichte internationale offene Petition haben bisher weltweit über 36.000 Menschen unterschrieben (Stand: 1. März 2009). Sie unterstützen damit nachdrücklich eine internationale Initiative katholischer Christinnen und Christen aus der Theologie, aus den Gemeinden sowie aus dem haupt- und nebenamtlichen kirchlichen Dienst, deren gemeinsames Anliegen die unverkürzte Umsetzung und Weiterführung der Konzilsbeschlüsse in theologischer Wissenschaft und pastoraler Praxis ist.

Die Unterzeichner der Petition kritisieren, dass mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. nun innerhalb der römisch-katholischen Kirche offen Geist und Buchstabe bedeutender Dokumente des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) abgelehnt werden. Das antimodernistische Traditions- und Wahrheitsverständnis der Priesterbruderschaft, gepaart mit Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit, ist mit dem jüdisch-christlichen Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe nicht vereinbar, ebenso wenig öffentliche persönlich diffamierende Angriffe – nicht nur aus Kreisen der Priesterbruderschaft – auf Unterzeichnende der Petition.

Der durch das Konzil eröffnete Dialog auf Augenhöhe mit den Schwestern und Brüdern anderer christlicher Konfessionen und des jüdischen Glaubens, mit Gläubigen der anderen Weltreligionen und mit allen Menschen guten Willens ist für den Dienst am Nächsten, wie er allen Christen weltweit mit dem Evangelium aufgetragen ist, unverzichtbar. Aus dieser Überzeugung sind die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils entstanden.

Der Rückzug traditionalistischer Kreise innerhalb der katholischen Kirche aus diesem Dialog fügt der Glaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche schweren Schaden zu.

Die Tatsache, dass das ursprünglich zentrale Thema der Frühjahrsvollversammlung der DBK durch die Auseinandersetzungen um den Umgang mit der Priesterbruderschaft in den Hintergrund getreten ist, gibt Anlass zu großer Sorge: Der Studientag der Vollversammlung sollte eigentlich mit dem Thema »Weltwirtschaftskrise« die christliche Verantwortung angesichts einer noch nicht absehbaren Zunahme der Armut weltweit, so auch in Europa und Deutschland, thematisieren. Hier muss die römisch-katholische Kirche vom Auftrag des Evangeliums her in Wort und Tat einmütig und klar Position beziehen – glaubwürdig und authentisch im Dialog mit allen Menschen guten Willens!

In der spirituell erfahrenen und exegetisch begleiteten Rückbesinnung auf die Nachfolge Jesu sowie in der Tradition der franziskanischen Reformbewegung, aus der auch in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie die klare Option für die Armen erwächst (vgl. das Abschlussdokument der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz von Aparecida 2007) wissen wir uns mit dem franziskanisch geprägten Konzilspapst Johannes XXIII. verbunden. Er war seit 1896 Mitglied des Dritten Ordens der Franziskaner. Seine Menschenfreundlichkeit und Weltoffenheit erwuchsen wesentlich aus der Nachfolge Jesu.

Die Zeichnungsphase der Petition läuft bis Gründonnerstag, 9. April 2009. Danach erfolgt die Veröffentlichung der Ergebnisse und eine weitere Intensivierung der international vernetzten inhaltlichen Arbeit zur Rezeption der mit dem Konzil begonnenen Reformen.


Für Rückfragen und Interviews:

Sigrid Grabmeier
Tel. 0991-2979585 oder 0170 8626290
sigrid@grabmeier.net

Christian Weisner
Tel. 08131-260250 oder 0172-5184082
presse@petition-vaticanum2.org

Dr. Lioba Zodrow
drliobazodrow@web.de

Homepage: www.petition-vaticanum2.org

Zuletzt geändert am 07­.03.2009