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Veröffentlicht am 29­.10.2010

22.-24. Oktober 2010 in Essen

28. öffentliche Bundesversammlung "Die Stunde des Gottesvolkes"

Wege aus der Sackgasse angesichts von Priestermangel, Pfarreienfusionen und Gemeindesterben



Mit dem „Essener Hahnenschrei“ (Wortlaut siehe unten) / (als PDF) rief die 28. Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche an diesem Wochenende in der Stadt Essen die Gläubigen angesichts der Neustrukturierung der Seelsorge in den deutschen Bistümern auf: „Lasst euch nicht bevormunden, sondern tut selbstbewusst das, was ihr als richtig, was ihr als christlich erkannt habt! Priester und Bischof sind nicht die Herren der Gemeinde, sondern eure Diener.“ Der Legende nach hat der Weckruf des Wachsamen Hähnchens die Stadt Essen einst vor dem Untergang bewahrt. Heute ist das Bistum Essen wohl das am radikalsten umgestaltete Bistum in Deutschland; aber auch in allen anderen Bistümern werden von den Bischöfen immer größere Pfarreien gebildet, so dass die Kirche immer mehr die Nähe zu den Menschen verliert.



Fish-Pool-Diskussion mit Edgar Utsch, Prof. Dr. Norbert Mette, Magnus Lux (Moderation), Stefan Bölts und Margret Pernhorst

Die ReferentInnen des Hauptpodiums – Prof. Dr. Norbert Mette (Pastoraltheologe), Margret Pernhorst (bis vor Kurzem Sprecherin des Diözesankomitees Münster), Edgar Utsch (Gemeinderatsvorsitzender in Gelsenkirchen) und Stefan Bölts (evangelisches Netzwerk Kirchenreform), – sprachen sich für eine theologische Konzeption von Gemeinde aus statt des oberflächlichen und kurzfristigen Reagierens auf die immer geringer werdende Zahl der zum Zölibat verpflichteten Priester.



Dr. Christel Darmstadt: Wie aus 276 Pfarreien 43 gemacht werden...

Am Freitagabend gab die Kunsthistorikerin Dr. Christel Darmstadt von der Bürgeraktion „Rettet Bochumer Kirchen“ ein erschreckendes Bild von der Situation im Bistum Essen, in dem es bereits vor der Umstrukturierung die bundesweit geringste Zahl an Kirchen bezogen auf die Zahl der Gläubigen gab. Aus 272 Gemeinden mit insgesamt rd. 350 liturgisch genutzten Kirchengebäuden seien 43 Großpfarreien gemacht worden. In den letzten vier Jahren wurden 96 Kirchen - die nach Ansicht des Bistums Essen nicht mehr benötigt werden - profaniert, stillgelegt, verkauft oder umgewidmet. Sechs Kirchen davon wurden bereits abgerissen, nach Auskunft eines Bistumsvertreters sind derzeit 20 Abbrüche einkalkuliert. Die Schließung von Kirchen und die Zwangsfusionen zu neuen Pfarreien erfolgten trotz heftiger Proteste der Gemeindemitglieder. Die zahlreichen konstruktiven Rettungsvorschläge der Gemeindeangehörigen wurden nicht diskutiert, geschweige denn angenommen. Ob dieser Vorgänge ist die Zahl der GottesdienstbesucherInnen im Bistum Essen, die vor der „Strukturmaßnahme“ im bundesdeutschen Durchschnitt lag, lt. Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 2008 auf 9,7 Prozent gefallen und liegt damit an der letzten Stelle aller Bistümer Deutschlands. (korrigierte Fassung dieses Absatzes)

Die Bundesversammlung begrüßte die Dialoginitiative, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zum Abschluss der Herbstvollversammlung am 26. September 2010 in Fulda angekündigt hat. Die KirchenVolksBewegung erwartet aber vom Vorsitzenden der DBK und allen deutschen Diözesanbischöfen, dass dieser seit Langem überfällige Dialog ohne Denkverbote und ergebnisoffen gestaltet wird. Der Intention des Zweiten Vatikanischen Konzils gemäß muss das ganze „Volk Gottes“ einbezogen werden.



Die mit mehr als 100 Teilnehmenden sehr gut besuchte dreitägige Bundesversammlung ging am Sonntag mit der Gottesdienstfeier in der gastgebenden alt-katholischen Friedenskirche, in deren Gemeinderäumen die KirchenVolksBewegung zu Gast war, zu Ende. Die nächste Bundesversammlung zum Thema „Menschenrechte in der Kirche“ wird vom 25.-27. März 2011 in Fulda stattfinden.



Gottesdienst in der alt-katholischen Friedenskirche, eine der bedeutendsten Jugendstilkirchen in Deutschland, Baujahr 1914-1916.



Einige Teilnehmende beim Stadtrundgang vor der Figur des Wachsamen Hähnchens, das in der Nähe des Münsters steht.

> Einladung, Tagesordnungsvorschlag und Anmeldeformular (PDF)







Essener Hahnenschrei 2010
Der Weckruf des Wachsamen Hähnchens hat einst die Stadt Essen vor dem Untergang bewahrt. Heute ruft es „Die Stunde des Gottesvolkes“ aus.

An alle Christinnen und Christen:
„Ihr seid ein heiliges Volk, eine königliche Priesterschaft“

  • Nehmt das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen wahr und kümmert euch um das, was euch angeht!
    Priester und Bischof sind nicht die Herren der Gemeinde, sondern eure Diener, denn nur einer ist euer Herr: Jesus Christus. Er sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

  • Lasst euch nicht bevormunden, sondern tut selbstbewusst das, was ihr als richtig, was ihr als christlich erkannt habt!
    Seid nicht zaghaft und vertraut dem sensus fidelium, dem Glaubenssinn des Gottesvolkes!

  • Bringt eure Charismen, die Gaben, die ihr von Gott geschenkt bekommen habt, ein, damit Gemeinde lebt! Ihr alle seid der „Leib Christi“, jede und jeder ist wichtig!
    Übernehmt Verantwortung in eurer Gemeinde und in der Leitung eurer Gemeinde!

  • Bildet euch weiter und entwickelt Kreativität!
    Traut euch zu, dass ihr Gottesdienste feiert und selbst leitet, dass ihr die Frohe Botschaft in unserer Zeit verkündet, dass ihr die Liebe Gottes in die Welt hineintragt und dass ihr die Gemeinschaft untereinander fördert!
    „Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, dass es allen leuchtet!“

  • Rückt das Evangelium wieder in die Mitte eures Lebens!
    Nehmt euch der Sorgen und Probleme der Menschen an! Nehmt ernst, was Jesus sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“!
    Gottesdienst ist Menschendienst.

  • Sucht die ökumenische Gemeinschaft, ladet euch gegenseitig zum Mahl ein und lebt glaubwürdig, was Jesus betet: „... dass alle eins seien.“!
    Verschanzt euch nicht, sondern geht auf alle Menschen zu! Schließt eure Kirchen nicht zu, sondern heißt alle willkommen!
    Paulus sagt: „Prüft alles; was gut ist, behaltet!“

  • Seid offen für Neues, füllt aber nicht „neuen Wein in alte Schläuche“!
    Seid nicht ängstlich, sondern macht euch auf den Weg und schaut nach vorn! „Wer die Hand an den Pflug legt und nach hinten schaut, ist meiner nicht wert.“
Habt Visionen, damit Gemeinde bleibt – denn ohne Gemeinden keine Kirche!

Aufruf der 28. Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche Oktober 2010 in Essen angesichts der Neustrukturierung der Seelsorge in den deutschen Bistümern.




Von der 28. Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche (22.-24.2010 in Essen) verabschiedete Anträge:

Antrag zur Dialoginitiative der Deutschen Bischofskonferenz

Die Bundesversammlung begrüßt die Dialoginitiative, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zum Abschluss der Herbstvollversammlung am 26. September 2010 in Fulda angekündigt hat. Die KirchenVolksBewegung erwartet aber, dass dieser seit Langem überfällige Dialog ohne Denkverbote und ergebnisoffen gestaltet wird. Der Intention des Zweiten Vatikanischen Konzils gemäß muss das ganze „Volk Gottes“ einbezogen wird. Das Bundesteam wird die Bereitschaft der KirchenVolksBewegung zur Mitwirkung dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und allen deutschen Diözesanbischöfen mitteilen.


Antrag zur Mitwirkung am 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden

Die Bundesversammlung beauftragt das Bundesteam, eine schnelle Umsetzung der von der Kirchentagsleitung gemachten Zusage zur Beteiligung von Wir sind Kirche an der Projektleitung „Podium Ökumene“ einzufordern und unterstützt nachdrücklich das gemeinsame Bemühen der Reformgruppen, in angemessener Weise im Vorbereitungsprozess und im Programm des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dresden eingebunden zu werden.

Zuletzt geändert am 11­.11.2011

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