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Veröffentlicht am 24­.03.2020

Leonardo Boff

Coronavirus: Reaktion und Vergeltung von Gaia?

Original: Coronavirus: ¿reacción y represalia de Gaia?
http://www.servicioskoinonia.org/boff/articulo.php?num=973

17. März 2020  

Alles ist mit allem verbunden: Das ist heute im kollektiven Bewusstsein aller, die sich für eine ganzheitliche Ökologie  einsetzen, viele Wissenschaftler und auch Papst Franziskus in der Enzyklika über das gemeinsame Haus. Alle Wesen des Universums und der Erde, auch wir Menschen, sind eingebunden in ein Netz von Verbindungen in alle Richtungen. Es ist so, dass nichts völlig losgelöst existieren kann.

Die Urölker haben das immer gewusst, so wie es der Katzike Seattel schon 1856 ausgedrückt hat: „Die Erde gehört nicht dem Menschen. Der Mensch gehört der Erde. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie verbindet. Was die Erde verletzt, verletzt auch ihre Töchter und Söhne. Es ist nicht der Mensch, der das Muster des Lebens gestrickt hat: Er ist nur ein Faden in diesem Gewebe. Was er dem Gewebe antut, das tut er sich selbst an.“ Also, wenn wir die Erde verletzten, verletzten wir uns selbst und wenn wir uns selbst verletzten verletzen wir die Erde

Ist es nicht das was auch die Weltraumfahrer von ihren Raumschiffen oder vom Mond aus gesehen haben: Erde und Menschheit sind eins und einzig. Der Mensch ist Erde. Adam in der Bibel bedeutet Tochter und Sohn der fruchtbaren Erde. Das ist jetzt in unserem Bewußtsein dass wir untrennbar miteinander verbunden sind, Menschheit und Erde.

Aber leider gilt auch was Papst Franziskus sagt: „Nie zuvor haben wir unser gemeinsames Haus so sehr verletzt wie in den letzten Jahrhunderten“ Die Gier nach mehr Reichtum ist so verheerend, dass uns die Wissenschaftler von einem neuen Zeitalter sprechen, dem Anthropozen. Die Bedrohung allen Lebens ist so groß, dass jedes Jahr mehr als tausend Arten von lebendigen Wesen aussterben. Man könnte schon sagen, dass es zu einem Necrozen wird, das Zeitalter des  Massenmords. Mensch und Erde gehören zusammen, und das Sterben geschieht nicht nur so massiv in der Natur, sondern auch in der Menschheit selbst. Millionen sterben an Hunger und Durst; sind Opfer von Kriegen und sozialer Gewalt überall in der Welt. Und wir lassen das einfach nur geschehen.

James Lovelock hat die Theorie von der Erde als Superorganismus geprägt der sich selbst reguliert. Einem Buch gibt er den Titel „Rache der Erde“ Ich meine auch, dass die Epidemien der letzten Jahre, erzeugt von Viren wie Chikungunya, Dengue, Zica, Sars, Ebola, Sarampión und jetzt Corona, die allgemeine Degeneration der menschlichen Beziehungen, die unendlich große Ungleichheit und das Fehlen von einem Minimum an Solidarität, dass das alles die Mutter Erde verletzt und das fällt dann auf uns selbst zurück.

Ich würde nicht von „Rache“ sprechen, denn sie, die Große Mutter, rächt sich nicht, sondern sie wird selber krank  wie es sich zeigt in den Wirbelstürmen, dem Abschmelzen des Polareises, den Dürreperioden  und den Überschwemmungen  und sie kommt an ihre Grenzen, weil wir anscheinend nichts dazulernen. So kommt es dann zu den genannten Epidemien.

Das erinnert mich  an das  was Théodore Monod, ein großer zeitgenössischer Naturphilosoph in seinem Buch „Und wenn das menschliche Abenteuer scheiterte“ (Paris, Grasset 2000 S. 246) wie ein Testament hinterlässt: „Wir sind fähig uns äußerst gefühllos und verrückt zu benehmen: Zur Zeit ist alles befürchten, wirklich alles, sogar die Auslöschung der Menschheit.  Das wäre der gerechte Preis für unseren Irrsinn und  unsere Grausamkeiten“ .  Das heißt aber nicht, dass die Regierungen der Welt die Hände in den Schoss legen sollen. Sie müssen den Coronavirus bekämpfen,  die Bevölkerung schützen und die Suche nach einer Impfung unterstützen, auch wenn das beim ständige Mutieren des Virus nicht einfach ist. Es stimmt, dass es neben einem wirtschaftlichen und finanziellen Desaster auch eine menschliche Tragödie mit unzähligen Toten geben kann.

Die Erde wird sich auch nicht mit  kleinen Gegenleistungen zufrieden geben. Sie verlangt viel mehr: Respekt vor ihren eigenen Gesetzen, Zyklen und ihren Grenzen. Sie verlangt von uns, nachhaltiger zu handeln. Wir dürfen uns als Töchter und Söhne der Mutter Erde betrachten aber mehr noch: Wir können fühlen wie sie  fühlt, denkt, liebt, verehrt und schützt. So wie für uns selber müssen wir auch für sie sorgen, denn die Erde braucht uns nicht. Wir brauchen die Erde. Es kann geschehen, dass sie uns nicht mehr haben will und dass sie dann ohne uns ihren Lauf im Weltall beendet, weil wir ihre bisherige Ökologie vernichtet haben. 

Wir sind Geschöpfe mit Bewußtsein und weil wir das Leben lieben, könnten wir unser Geschick noch wenden.

Die göttliche Geistkraft möge uns in diesem Vorhaben bestärken.

 

Übersetzung ins Deutsche: Anne und Rudi Eichenlaub, Freiburg

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Zuletzt geändert am 24­.03.2020

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