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Veröffentlicht am 05­.02.2019

vor Krisengipfel in Rom

Wir sind Kirche unterstützt Offenen Brief zur Kirchenwende

Wir sind Kirche-Aufruf vor dem Krisengipfel 21.-24. Februar 2019 in Rom

Pressemitteilung München / Rom, 5. Februar 2019

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche begrüßt und unterstützt den Offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx, in dem neun führende katholische Frauen und Männer eine andere Sexualmoral, die Weihe von Frauen, die Abschaffung des Pflichtzölibats sowie eine echte Gewaltenteilung in der römisch-katholischen Kirche fordern.

Diese grundlegenden Reformen sind auf jeden Fall notwendig, wenn die strukturellen Ursachen von Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und Vertuschung innerhalb der Kirche behoben werden sollen. Bereits das KirchenVolksBegehren im Jahr 1995 sowie viele andere kirchliche Initiativen der vergangenen Jahrzehnte hatten diese Forderungen auf ihrer Agenda.

Wenn Kardinal Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz beim weltweiten Krisengipfel Ende Februar in Rom die notwendigen Reformanliegen mit der Entschlossenheit vertreten soll, wie es die Unter­zeichnenden des Offenen Briefes und die Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken in Deutschland von ihm erwarten, dann bedarf es einer noch viel deutlicheren Unterstützung durch jeden einzelnen Bischof, durch die wissenschaftliche Theologie sowie durch die katholischen Organisationen und Verbände.

Der Krisengipfel in Rom hat allerdings einen systemischen Mangel: Die Verantwortlichen, unter denen möglicherweise auch Täter sind, sitzen über sich selbst zu Gericht. Betroffene Opfer, die sich selbst Überlebende nennen, sind nur indirekt beteiligt. Frauen bleiben bei den Beratungen wieder außen vor. Der Männerbund wird nicht aufgebrochen, wenn dazu auch noch hinter verschlossenen Türen diskutiert wird.

Angesichts des massiven Glaubwürdigkeitsverlusts der katholischen Kirche genügt es nicht mehr, nur an ein paar Stellschrauben zu drehen. Wir brauchen einen Systemwechsel, eine Rückbesinnung auf das, was schon das 2. Vatikanische Konzil zur Sprache gebracht hat: Der „sensus fidelium“, der Glaubenssinn der Gläubigen, muss wieder ernst genommen werden (vgl. Lumen Gentium 74). Es geht nicht nur um organisatorische Maßnahmen oder um eine Vertiefung der Lehre, sondern um eine Weiterentwicklung, wie sie in der Geschichte der Kirche immer wieder stattgefunden hat.

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ruft deshalb auf:

  • Katholikinnen und Katholiken und katholische Organisationen: Bringen Sie durch Briefe und Emails an ihre Bischöfe sowie auch in den Medien und innerhalb der elektronischen Netzwerke die drängenden Reformanliegen mit aller Deutlichkeit zu Gehör!
  • Theologinnen und Theologen: Unterstützen Sie durch Ihre wissenschaftliche Arbeit zusammen mit den modernen Natur‑, Sozial- und Humanwissenschaften die Reformanliegen und zeigen Sie auf, dass diese pastoral geboten und theologisch angemessen sind!
  • Bischöfe: Beenden Sie die Grabenkämpfe innerhalb der Bischofskonferenz und stellen Sie sich einhellig hinter Kardinal Marx, damit er die seit langem dringend erforderlichen Reformanliegen in Rom erfolgreich vertreten kann! Die „Zeichen der Zeit erkennen“ darf nicht länger als „dem Zeitgeist nachrennen“ verunglimpft werden.

Der Offene Brief drückt sehr genau das aus, was auch die große Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken in Deutschland heute denkt und fordert. Von denen, die sich mit der katholischen Kirche überhaupt noch verbunden fühlen, lehnen drei Viertel vor allem das Frauenbild und die kirchliche Sexualmoral ab. Dies ist eines der aufrüttelnden Ergebnisse der am 22. Januar 2019 veröffentlichten Studie „Kirchenmitglied bleiben?“ im Auftrag der katholischen Medien-Dienstleistungsgesellschaft (MDG) und des Erzbistums München-Freising. Da die Daten noch vor dem Erscheinen der MHG-Missbrauchsstudie erhoben wurden, dürfte die Kirchenbindung der Gläubigen heute noch weitaus geringer sein.

Pressekontakt Wir sind Kirche-Bundesteam:
Magnus Lux, Tel: 0176-41707725, lux@wir-sind-kirche.de
Christian Weisner, Tel: 0172-5184082, presse@wir-sind-kirche.de

Zuletzt geändert am 05­.02.2019