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02.06.2017 ­- 13:49
aktuelle Zahlen von Priesterweihen

„Bischöfe, lasst die Gemeinden nicht länger ausbluten!“

Wir sind Kirche zu den desaströsen aktuellen Zahlen von Priesterweihen

Pressemitteilung München, Trier, Paderborn, 2. Juni 2017

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche appelliert zum Pfingstfest an die deutschen Bischöfe, die Gemeinden nicht noch länger ausbluten zu lassen und endlich – so wie Papst Franziskus die Bischöfe ermutigt – konkrete Vorschläge für eine zukunftsfähige Pastoral im Vatikan einzureichen. Allein schon der Blick auf seit Jahren sinkenden Zahlen der Priesterweihen macht die desaströse Situation in Deutschland deutlich. Aber auch aus theologischen Gründen ist in der Kirche dringend eine Wende zu neuen pastoralen Formen und Diensten notwendig, wenn die römisch-katholische Kirche in Deutschland nicht immer kleiner und damit auch bedeutungsloser werden soll.

In den meisten der 27 deutschen Diözesen werden am bevorstehenden Pfingstwochenende, an dem traditionell viele Priesterweihen stattfinden, nur ein bis zwei Kandidaten zu Priestern geweiht. Im Bistum Osnabrück wird erstmals seit mindestens 100 Jahren keine Weihe stattfinden. Selbst die für die Priesterausbildung verantwortlichen Regenten der Priesterseminare sehen das bisherige System am Ende und sprechen davon, dass die Nulllinie erreicht sei.

Zu den Diakon- und Priesterweihen am 3. Juni 2017 unter anderem in Trier und Paderborn werden Wir sind Kirche-Gruppen wie seit vielen Jahren und stellvertretend für eine große Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die Öffnung des diakonalen und priesterlichen Dienstes für Frauen anmahnen.

Für bemerkenswert hält Wir sind Kirche den jüngsten Vorstoß des Münsteraner Dogmatikers Prof. Dr. Michael Seewald, der sich für eine neue Debatte über das Priesteramt für Frauen ausspricht und die bisherigen Gegenargumente nicht für stichhaltig hält. Seewald hält die Weihe von Frauen allerdings für eine „behutsamere Veränderung“ als eine Abschaffung der Zölibatsverpflichtung, die dann auch für Priesterinnen gelten solle.

Dies hält Wir sind Kirche jedoch für problematisch und eine Fortschreibung des klerikalen Systems. Denn es gibt keine biblische Begründung dafür, dass Jesus nur unverheiratete Männer als Priester gewollt hätte. Auch der oft gebrachte Verweis auf die Kirchengeschichte ist nicht überzeugend, denn es gibt in der römisch-katholischen Kirche eine mehr als 1000jährige Tradition ohne den Pflichtzölibat.

Die Eucharistiefeier als Mitte der Gemeinde wird ausgehöhlt

Die Feier der Danksagung, die Eucharistiefeier ist nach katholischer Lehre die Mitte der Gemeinde. Die Bischöfe kommen ihrer Pflicht, sie in den Gemeinden zu gewährleisten, nicht nach. Den Gemeinden mangelnden Glauben und mangelnde Wertschätzung der Eucharistiefeier vorzuwerfen, was dazu führe, dass es keine Priester mehr gebe, verkennt die Situation und dreht sie ins Gegenteil um. Die immer weniger werdenden Priester werden „verheizt“.

Es wird Zeit, dass die Kirchenleitungen den selbstverschuldeten Stillstand erkennen und „vom toten Pferd absteigen“. Nicht wo der Priester ist, ist Kirche, sondern wo die Gemeinde ist. Die Gemeinden gilt es zu stärken, nicht sie durch immer unüberschaubarere monumentale Strukturen zu ersetzen und die Menschen dadurch heimatlos zu machen.

Desaströser Rückgang der Priesterzahlen und Priesterweihen

Seit den 1990er Jahren ist die Zahl der katholischen Geistlichen trotz vieler „Import-Priester“ kontinuierlich gesunken. Während es in den deutschen Bistümern im Jahr 1995 noch 18.663 Welt- und Ordenspriestern gab, waren es im Jahr 2015 nur noch 14.087, ein Rückgang von 25 Prozent. Hinzu kommt die starke Überalterung der Priesterschaft, so dass die in den kommenden Jahren noch dramatischeren Rückgänge schon absehbar sind.

Die bisher auf die Leitung durch einen Priester ausgelegten Pastoralstrukturen haben dazu geführt, dass durch die unsäglichen Zusammenlegungen und Schließungen die Zahl der Pfarreien und Seelsorgestellen von 13.328 im Jahr 1995 auf 10.817 im Jahr 2015 zurückging, ein Rückgang von 19 Prozent, der vor allem in ländlichen und weniger dichten katholischen Gebieten – früher sprach man von Diaspora – zu einem Ausbluten der Gemeinden und einer Abwendung der Kirche von den Menschen führt.

Die nur sehr geringe Zahl der Neupriester reicht keineswegs aus, die immer größer werdenden Lücken auch nur annähernd zu füllen. Laut Zentrum für Berufungspastoral in Freiburg wurden 1995 noch 186 Männer in den deutschen Diözesen geweiht, im Jahr 2016 nur noch 86. Im Jahr 2015 waren es sogar nur 51 in allen deutschen Diözesen zusammen. Auch die Gesamtzahl der Seminaristen sinkt kontinuierlich. Ähnliches ist bei der Priesterausbildung der Deutschen Ordensobernkonferenz gehörenden Gemeinschaften festzustellen.

Pressekontakt Wir sind Kirche-Bundesteam:
Magnus Lux, Tel: 0176-41 70 77 25, E-Mail: lux@wir-sind-kirche.de
Christian Weisner, Tel: 0172-518 40 82, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Wir sind Kirche-Pfingstbrief 2017: „Es ist höchste Zeit!“
www.wir-sind-kirche.de/files/wsk/2017/Eckpunkte%20einer%20Kirchenwende_falt.pdf

Zuletzt geändert am 08.06.2017 ­- 18:17