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April 2012 - Theologisch-praktische Quartalschrift
Innerkirchlicher Protest – sinnlos oder notwendig?
von Ulrich Ruh
Theologisch-praktische Quartalschrift
ThPQ 160 (2012), 151–158
> Volltext (PDF)
Kirchengeschichte ist Konfliktgeschichte, innerkirchliche Protestbewegungen hat es immer wieder gegeben, sie sind ein unvermeidlicher Bestandteil von (notwendigen) Veränderungsprozessen. Ulrich Ruh, Chefredakteur der Herder Korrespondenz, macht dies an historischen Beispielen deutlich und skizziert die vielfältigen Initiativen vergangener Jahrzehnte, die eine umfassende Reform der Kirche verlang(t)en, in ihrem Kontext. Die zahlreichen gegenwärtigen Protestbewegungen sind „Bestandteile der verschiedenen Phasen und Spielarten der Auseinandersetzung um die Umsetzung des Zweiten Vatikanums“, ihre Wurzeln sieht der Autor darin, dass das Konzil keine wirklich grundlegenden strukturellen Änderungen implementieren konnte.
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Schon wenige Jahre nach der „Kölner
Erklärung“ kam es zuerst in Österreich und
dann auch in Deutschland zum „Kirchenvolks-
Begehren“, das wesentlich weitere
Kreise zog und auch von vornherein nicht
als Protestaktion einer einzelnen Gruppe
angelegt war. In Österreich wurden rund
eine halbe Million Unterschriften für das
„Kirchenvolks-Begehren“ gesammelt, was
etwa acht Prozent der Katholiken im Land
entspricht; in Deutschland unterschrieben
etwa 1,5 Millionen Katholiken den entsprechenden
Text. Dass in Österreich eine
weit stärkere Mobilisierung gelang, hat damit
zu tun, dass Vorgänge um österreichische
Bischöfe der unmittelbare Auslöser
waren, nicht zuletzt der „Fall Groër“. In
Deutschland fehlte ein entsprechend aktueller
Ansatzpunkt für den Protest. Die Forderungen
des „Kirchenvolks-Begehrens“
sind alles andere als überraschend, vielmehr
nehmen sie Gravamina auf, die seit
der Zäsur Zweites Vatikanum jedenfalls
vielerorts in Europa geläufig sind, von der
Mitsprache der Ortskirchen bei Bischofsernennungen
über die Abschaffung des
Pflichtzölibats bis hin zu Veränderungen
in der katholischen Sexualmoral, etwa in
der Bewertung von Homosexualität.
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