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August 2011 - Kirche In (Kolumne „Unzensiert“)
Dialog mit dem Papst?


Wenn Papst Benedikt XVI. im September Deutschland besucht, so soll dies auch ein Baustein im fünfjährigen „Dialogprozess“ sein, den die Deutsche Bischofskonferenz letztes Jahr auf dem Höhepunkt der Missbrauchskrise ankündigte. Berlin, Erfurt und Freiburg werden die drei Stationen des dritten Heimatbesuchs des deutschen Papstes sein. Doch wo wird es Gelegenheit zu einem wirklichen Dialog geben?

Bei seiner Rede im Deutschen Bundestag, ein genuiner Ort von Debatte und Dialog, wird es sicher keine Fragestunde geben. Die Einstellung Joseph Ratzingers zu Demokratie und pluraler Gesellschaft, die er als „Diktatur des Relativismus“ diffamiert, ist bekannt. Bleibt zu hoffen, dass der Pontifex – anders als bei der Regensburger Rede – diesmal bezüglich Islam und in der Europadebatte nicht zur Polarisierung sondern zum Brückenbauen beitragen wird. Dass er hier als Staatsoberhaupt und nicht als Kirchenoberhaupt sprechen wird, zeigt die ohnehin nicht unproblematische Doppelrolle des Papstamtes.

Der Besuch im jetzt evangelischen Erfurter Augustinerkloster, in dem Martin Luther vor 500 Jahren katholischer Mönch war, wird spektakuläre Bilder liefern und sicher Eintrag in die Geschichtsbücher finden. Doch wie können 75-Minuten Gespräch und Wortgottesdienst mit den Spitzen der Evangelischen Kirche Deutschlands (zuerst war noch weniger Zeit eingeplant) den seit langem geführten ökumenischen Dialog wirklich voranbringen und konkrete Früchte bringen, z.B. in der Abendmahlsfrage für konfessionsverbindende Ehepaare?

Die letzte Station ist Freiburg, Bistum des um Vermittlung bemühten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Dort soll es Begegnungen mit der Orthodoxie, mit der Jugend und mit engagierten Katholiken und Katholikinnen aus Kirche und Gesellschaft geben. Erzbischof Zollitsch hat schon jetzt alle Teilnehmenden des bischöflichen Gesprächsprozesses eingeladen, der dortigen Rede des Papstes zu lauschen. Aber auch hier wieder kein wirklicher Dialog, kein Zuhören des Papstes.

In der Auftaktveranstaltung des gesamtdeutschen bischöflichen Gesprächsprozesses Anfang Juli in Mannheim scheint der Meinungsaustausch unter den dort Anwesenden auch über die sogenannten „Reizthemen“ in Ansätzen gelungen zu sein. Aber wie wird es weitergehen? Wie kann verhindert werden, dass es nicht auch in Deutschland zur Schubladisierung der Reformanliegen kommt, wie damals beim „Dialog für Österreich“? Dialog ist eines der Grundprinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Kirchenbildes, das das Konzil zur Geltung bringen wollte. Wann endlich gibt Papst Benedikt grünes Licht für wirkliche Dialoge in unserer Kirche?

Christian Weisner
Wir sind Kirche Deutschland
www.wir-sind-kirche.de





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