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17.11.2006 - Publik-Forum
Träumende Hechte im Karpfenteich


Die Gemeinden sollten nach Gott im Leben der Menschen fragen - eine Herausforderung für »Wir sind Kirche«

VON HARTMUT MEESMANN

Da gibt es den einen, der seinen Pfarrer ganz toll findet, weil der mit einem lebendigen jungen Schaf in den Armen über das »Lamm Gottes« gepredigt hat. Da gibt es die andere, die ein nachdrückliches Plädoyer für den Erhalt der Kirchengemeinden hält, weil diese doch ein hervorragender Ort für Familien und Kinder seien, und die die Gemeinde nur anders haben will, geschwisterlicher und lebendiger. Da gibt es jene, die weiterhin am Idealbild einer Gemeinde festhalten, die alle Menschen erreicht - über die verschiedenen Milieus hinweg, Sinus-Studie hin oder her (Publik-Forum 5/2006). Dann gibt es wieder andere, die enttäuscht sind von ihrer Gemeinde am Ort und nun Gleichgesinnte zusammentrommeln, um eine Personalgemeinde zu gründen. Und dann gibt es die, die mit der Institution Kirche innerlich abgeschlossen haben und nur noch »konstruktiv stören« wollen. Sie alle gehören zur Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche und träumen mehr oder weniger intensiv und hoffnungsvoll von der Gemeinde als »uneingelöster Vision« - so das Generalthema der jüngsten Bundesversammlung in Augsburg.

Ermutigt fühlten sich viele Delegierte der Bistumsgruppen von der Theologin Elke Kreiselmeyer, die in der Schweiz als Gemeindeleiterin arbeitet und dort, in einer Gemeinde mit rund 4000 Katholiken, ganz offiziell taufen, trauen, predigen und beerdigen darf - in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht, wie auch der Augsburger Pastoraltheologe Hanspeter Heinz unterstrich, der zum Hauptvortrag eingeladen war. Die 38-jährige Theologin aus Deutschland war zusammen mit ihrem Mann vor acht Jahren in die Schweiz gegangen, weil sie dort mehr Möglichkeiten hatte, als Theologin zu arbeiten. Chancen, bei den Menschen anzukommen, habe die Kirche nur, wenn sie ihre Einstellung zur Welt und zu den Menschen verändere, fasst die Frau ihre Erfahrungen zusammen. »Wir müssen das Handeln Gottes im Leben der Menschen herausfinden und gemeinsam mit ihnen zur Sprache bringen«, umreißt die optimistisch und tatkräftig auftretende Theologin ihr pastorales Anliegen.

Vielen Wir-sind-Kirche-Leuten spricht die Theologin aus der Seele, als sie beklagt: »Die meisten Laien sind unterfordert, weil ihnen von Priestern und Bischöfen immer wieder Grenzen gesetzt werden.« Ein älterer Delegierter aus Bayern formuliert es so: »Ich habe das Gefühl, dass ich funktionieren soll, aber kreativ darf ich nicht werden.« Die Folge: Der Mann ist frustriert, wenn er an seine eigene Gemeinde und ihren Pfarrer denkt.

Hanspeter Heinz, emeritierter Theologieprofessor und über dreißig Jahre Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), warnte die Kirchenvolksbewegung davor, der Utopie nachzujagen, in der katholischen Kirche seien gravierende Veränderungen möglich: »Ein solcher Glaube ist naiv, solche Utopien machen mutlos.« Der Pastoraltheologe hat selbst entsprechende Erfahrungen machen müssen. Er war maßgeblicher Mitautor des berühmten »Dialogpapiers« des ZdK aus dem Jahr 1991, in dem der fehlende Dialog zwischen »oben« und »unten« beklagt und eingefordert wurde - ohne großen Erfolg. »Die Bischöfe haben damals nicht reagiert«, so Heinz. Dass der Theologe den breit diskutierten und im Jahr 2000 unter Bischof Franz-Xaver Eder beschlossenen Pastoralplan der Diözese Passau für vorbildlich hält, ist gut und schön, nur ist dieser Pastoralplan inzwischen von Nachfolger Wilhelm Schraml wieder kassiert worden. In der katholischen Kirche ist es nun einmal so: Wenn dem Bischof oder dem Pfarrer etwas nicht passt, dann hat er die Macht, dies zu ändern, abzustellen oder zu verbieten. Dagegen begehren die durchweg über fünfzig und sechzig Jahre alten Kirchenvolksbewegten immer noch und immer wieder neu auf -weil sie eine andere Vision von Kirche haben und nicht zu unmündigen Befehlsempfängern degradiert werden wollen.

Hanspeter Heinz empfahl den »Hechten im Karpfenteich«, wie er die Rolle der Wir-sindKirche-Bewegung innerhalb der katholischen Kirche mit einem Bild kennzeichnete, »eigene Gestaltungsmöglichkeiten« zu suchen und durchaus auch »Tabus zu brechen aber bitte sparsam«. Heinz hält die Kirchengemeinde auch weiter für einen wichtigen Ort der Beheimatung in Zeiten zunehmender Anonymität, er hält sie gleichwohl aber nicht mehr für den »Kern der Kirche«. Der Pastoraltheologe hält nichts davon, angesichts leerer werdender Kirchenkassen lediglich zu fragen: Was ist finanzierbar? Gefragt werden müsse vielmehr: Was ist erforderlich? Oberste Maxime müsse sein, die »Lebenswege der Menschen zu erforschen und ihre Sehnsüchte zu kennen« und von dort her in Prozessen »kooperativer Entscheidungsfindung« neue pastorale Prioritäten und Projekte anzustoßen - wobei sich die Laien eben ihre Gestaltungsräume suchen müssten. Von den Menschen her denken - das ist das entscheidende Stichwort. Das erfordert ein Umdenken. Doch dieses Umdenken hat auch in der Kirchenvolksbewegung noch nicht in allen Köpfen eingesetzt. Zu sehr wird teilweise noch von den eigenen Bedürfnissen und von theologisch-dogmatischen Prämissen her gedacht, an denen die Realität dann gemessen wird. Gemeinden der Zukunft aber lassen sich die eigene Tagesordnung konsequent von den Nöten, Bedürfnissen und Wünschen der Menschen am Ort bestimmen - und verknüpfen sie dann mit einem befreienden Gottesglauben.





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