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20.5.2012 - Sonntag Aktuell
„Widerstand ist in solchen Systemen notwendig“


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Mannheim. Dialog oder Ungehorsam? Beim Alternativprogramm zum Katholikentag in der Johanniskirche im Stadtteil Lindenhof stehen Überlegungen zur Kirchenreform auf der Agenda.

VON YASMIN AKBAL

So sieht also ein Reformzentrum aus, in dem rebellische Worte fallen sollen. Vor der evangelischen Johanniskirche im Mannheimer Stadtteil Lindenhof sitzen Menschen mit und ohne rote Katholikentags-Schals in der Sonne, essen Kuchen, trinken Kaffee und diskutieren. In Zelten stellen sich die Veranstalter vor: Die „Initiative Publik“ verkauft ihre Hefte, das ökumenische Netzwerk „Kirche von unten “ informiert über Aktivitäten und die Initiative „Wir sind Kirche“ bietet Gesprächsrunden an. Doch auch am letzten Tag des von den drei Reformgruppen organisierten Alternativprogramms zum Katholikentag fallen noch einmal viele kritische Stimmen zur katholischen Kirche.

In dem evangelischen Gotteshaus geht plötzlich alles sehr schnell. Besucher strömen ins Innere, versuchen noch schnell einen Sitzplatz zu ergattern, die, die zuletzt kommen, setzen sich einfach auf den Boden. Kamerateams bauen ihre Geräte im Mittelgang auf. Fotografen gehen in Position. Die Podiumsdiskussion „Kirchenreform für Anfänger. Strategien zwischen Dialog und Widerstand“ beginnt. Der Star der Veranstaltung ist sicherlich kein Anfänger mehr. Der katholische Priester Helmut Schüller gründete 2006 die Pfarrer-Initiative Österreich. Der Verein setzt sich vor dem Hintergrund des zunehmenden Priestermangels für Reformen innerhalb der katholischen Kirche ein und fordert unter anderem die Priester-Zulassung für Verheiratete und Frauen. In Österreich gehören der Initiative etwa 400 Priester und damit mehr als zehn Prozent der Geistlichen an. Über 2000 Menschen unterstützen die Initiative. Als er vorgestellt wird, erhält Schüller lang anhaltenden Beifall. Dem Österreicher geht es um die Zukunft der Pfarreien. Viele gingen bereits mit ihren Gemeinden eigenständig Reformwege, erzählt Schüller über die katholischen Priester in Österreich. Nun sollten sie aus den Nischen heraustreten. Beim Dialog mit der Amtskirche hätten sie bisher schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Schüller über seine Initiative. Der Verein rief deshalb im Juni vergangenen Jahres zum Ungehorsam auf.

„Widerstand ist wahrscheinlich in Systemen, wie wir es in der römisch-katholischen Kirche haben, sogar notwendig, weil es keinen geordneten Auseinandersetzungsweg gibt“, sagt der Priester. Auch Laien, die er schlicht Getaufte nennt, will er mehr Kompetenzen übertragen. Wichtig sei, was die Gemeinden wollen, nicht was die Bischöfe wollen. „Es ist langsam Zeit, sich selber wieder etwas zuzutrauen.

„Selbstbewusstsein der Laien stärken“

Der Theologe Hanspeter Heinz rät Priestern, sich gemeinsam zu organisieren, „dann können sie was ändern“. Gegen die Forderungen von einer Vielzahl von Priestern seien dann auch die Erzbischöfe machtlos. Thomas Schüppen, Synodalvertreter der Alt-Katholiken, sieht die Zukunft der Kirche in der Ökumene: „Wenn wir als Christen nicht miteinander feiern können und darauf warten, dass alle theologischen Fragen beantwortet sind, dann wird dieses gemeinsame Mahl erst im himmlischen Jerusalem stattfinden.“

Zum Ausbruch innerhalb der Kirche, nämlich aus Verhaltensmustern, motiviert Helmut Schüller: Weggehen oder austreten hieße, „die Kirche in den Händen derer lassen, in deren Händen wir sie als nicht gut aufgehoben sehen. Es geht darum, sich in der eigenen Kirche für Veränderungen einzusetzen.“ Kritisiert wurde seine Initiative zwar schon heftig von Kirchenvertretern, Sanktionen aus Rom gab es bisher allerdings noch nicht. „Man ist mit Sanktionen vorsichtiger geworden“, sagte Schüller vor wenigen Tagen dem „Mannheimer Morgen“ im Interview. Die Amtskirche sei sich bewusst, „dass viele Anliegen in der Basis verwurzelt sind, Sanktionen würden den Unmut der Personen, die sich mit unserem Aufstand identifizieren hervorrufen.“ Tatsächlich hat der rebellische Priester viele Besucher angelockt. „Weil er für uns mit seiner Initiative einen Hoffnungsschimmer bedeutet hat“, sei sie gekommen, erläutert Hiltrud Schönheit aus München. Auch dass Schüller offen anspreche, was in den Gemeinden geschehe, gefällt der 52-Jährigen. „Dass er das Selbstbewusstsein der Laien stärken will“, lobt Besucher Christoph Heuvelmann aus Kleve an dem österreichischen Priester. „Die Getauften, die sogenannten Laien, sind die Kirche, nicht die Leitung. Und an der kann man was ändern“, lautet sein persönliches Fazit.





Helmut Schüller

Der Österreicher wurde am 24. Dezember 1952 in Wien geboren.

Von 1991 bis 1995 war Schüller Präsident der Caritas Österreich und von 1995 bis 1999 Generalvikar von Wien.

2006 gründete Schüller mit Kollegen die Pfarrer- Initiative Österreich. Auch in Deutschland gibt es inzwischen einen Ableger des Vereins.

Im Juni 2011 veröffentlichte die Initiative den „Aufruf zum Ungehorsam“, in dem sie unter anderem die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene fordert und Frauen und Verheiratete zum Priesteramt zulassen möchte.
Zurzeit arbeitet Helmut Schüller als Pfarrer im österreichischen Probstdorf.

Informationen unter www.pfarrer-initiative.at.





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