Aktuelles
 

Info 27. März 2014


Wann tritt Gerhard Ludwig Müller von seinem Amt als Präfekt der Glaubenskongregation zurück?

Gerhard Ludwig Müller war als Bischof von Regensburg schon bald nach Amtsantritt bei den Gläubigen seines Bistums und weit darüber hinaus sehr umstritten. Durch die Unterstützung seines Förderers, dem späteren Papst Benedikt XVI., wurde er nicht nur als Bischof gehalten, sondern sogar zum Präfekten der Glaubenskongregation befördert. Sein Verhalten in Sachen des jetzt von Papst Franziskus zum Rücktritt gezwungenen Limburger Bischofs Franz-Peter van-Elst hat dem Ansehen der Kirche und seiner persönlichen Glaubwürdigkeit schwer geschadet. In seiner, noch vor wenigen Tagen erfolgten Äußerung von "Menschenjagd" und "Medienkampagne" und die Andeutungen auf die Nazizeit hat er wieder einmal ein Maß an Einseitigkeit und Haltlosigkeit bewiesen, die ihn nicht weiter tragbar erscheinen lassen auf einem Posten, bei dem die Anforderungen auch an persönliche Glaubwürdigkeit besonders hoch sind.

Hinzu kommt, dass er durch sein Verhalten als einer der engsten Mitarbeiter des Papstes über genaue Kenntnis der Vorgänge hätte verfügen können. Er hat sich zum wiederholten Mal in offenem Widerspruch zu Papst Franziskus geäußert und müsste konsequenterweise dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Gerhard Ludwig Müller, an dem Kritik oder andere als seine Meinungen abprallen, sieht seine Aufgabe offensichtlich als Kirchenpolitiker vorkonziliarer Zeiten.

In diesem Zusammenhang empfehlen wir den Artikel des Salzburger Fundamentaltheologen Gregor Maria Hoff "Ein Kardinal eskaliert" in "Christ & Welt" Nr. 13/2014, den wir unter "Aufgelesen" veröffentlichen.

Info 2. März 2014

Pfarrer Dr. Helmut Schüller spricht doch
am 11.03.14 in Regensburg


Nachdem Bischof Rudolf Voderholzer über seinen Generalvikar ein Auftrittsverbot für Dr. Helmut Schüller hat verhängen lassen, kann dieser doch am geplanten Termin in einer evangelischen Gemeinde in Regensburg reden, wie der Aktionskreis Regensburg (AKR - 50 Jahre Pipeline) heute mitteilte. Öffentlicher Vortrag "Katholische Kirche - deine Zukunft?" mit Diskussion findet am Dienstag, 11. März, 19.30 Uhr in der Kirche St. Oswald, Am Weißgerbergraben 1, Regensburg statt. Eintritt frei! Kostenbeitrag erwünscht!

Näheres zum Referenten ist in unserer "Info 26. Februar 2014" zu finden. In Ergänzung dazu machen wir darauf aufmerksam, dass der jetzige Kardinal Gerhard Ludwig Müller und "oberster Glaubenshüter" und früherer Bischof von Regensburg zur Überraschung vieler das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eingeladen hatte, den diesjährigen Katholikentag "Mit Christus Brücken bauen" in Regensburg stattfinden zu lassen. Sein Nachfolger, Bischof Rudolf Voderholzer, sprach im vorigen Jahr im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Katholikentag von "Christen bauen Brücken, keine Mauern!" Diese Aussage und die Ausgrenzung des früheren Wiener Generalvikars und jetzigen Orts- und Hochschulpfarrers Dr. Helmut Schüller zeigen, wie widersprüchlich mal wieder Reden und Taten sind.

In diesem Zusammenhang weisen wir auf den sehr lesenswerten Artikel "Bischof in dieser Zeit" von Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Mitglied des ZdK, ehemaliger Präsident, hin, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Darin erklärt Meyer, dass viel über Verfahren und Namen bei der Bischofswahl diskutiert wird, aber zu wenig darüber gesprochen wird, welche Voraussetzungen jemand mitbringen sollte, der dieses Amt übernimmt. Einer seiner wichtigen Anforderungen betrifft die Gesprächsbereitschaft. Aus diesem Absatz folgender Auszug: "Es ist wahr, dass Gespräche belasten können, weil sie sinnlos erscheinen. Doch nichts ist verheerender in dieser Gesellschaft und für die Kirche als die Unfähigkeit und der Unwillen zum Gespräch, sei es vertraulich oder öffentlich." Diese Aussage gilt allgemein, insbesondere aber für die Bischöfe in Regensburg und Eichstätt. Wie mehrfach erwähnt, lehnt Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt, Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Reformbewegung "Wir sind Kirche" kategorisch ab.

Info 26. Februar 2014

Redeverbot für Pfarrer Dr. Helmut Schüller in Regensburg

Der Sprecher der österreichischen Pfarrer-Initiative Dr. Helmut Schüller darf keinen Vortrag am 11.03.2014 in einer Regensburger Pfarrgemeinde halten, zu der er vom Aktionskreis Regensburg (AKR) eingeladen war. Generalvikar Michael Fuchs hat der Gemeinde den Auftritt im Pfarrsaal untersagt. Das Gleiche hatten Erzbischof Schick von Bamberg und der Eichstätter Bischof Hanke vor einem Jahr verfügt, mussten Schüllers Auftritt in einer Nürnberger Pfarrgemeinde, die zum Bistum Eichstätt gehört, hinnehmen.

Die Pfarrer-Initiative, der über 300 katholische Priester und Diakone in Österreich angehören, hat einen "Aufruf zum Ungehorsam" gestartet und setzt sich öffentlich u. a. für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt, Freistellung des Zölibats bei Klerikern und die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten ein. Dr. Schüller, ehemaliger Generalvikar in Wien, war im vorigen Jahr mehrere Wochen auf einer Rundreise durch die USA, um über die Ziele dieser Initiative zu informieren und eine internationale Vernetzung anzustreben.

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt ist empört, dass zwar von Dialog in der katholischen Kirche geredet, dieser aber in Wirklichkeit massiv unterdrückt wird. Gerade die Frauenfrage ist die Schicksalsfrage der Kirche und bedarf keiner Zensur. Offensichtlich ist das Umdenken trotz Papst Franziskus in Regensburg oder Eichstätt nicht angekommen.

Vor genau zwei Jahren erklärte der damalige Bischof von Regensburg und jetzige Präfekt der Glaubenskongegration in Rom, G. L. Müller, an Mariä Lichtmess vor Geistlichen und Ordensfrauen, sein sehr begrenztes Verständnis von "Ungehorsam": …"Darum ist es ganz und gar unchristlich und unserem katholischen Glauben diametral entgegengesetzt, wenn in unserem Nachbarland eine von einigen Leuten ins Leben gerufene sog. ‚Pfarrerinitiative' in ihrer Besserwisserei meint, sich in Fragen der Lehre und Pastoral über den Glauben der Kirche stellen zu können. Die Unterstützer schlagen ihre Weiheversprechen in den Wind, wenn sie in ihrer Aktion zum Ungehorsam aufrufen. Der Ungehorsam gegenüber Gott und der Ungehorsam gegenüber der legitimen Leitung - gegen Papst und Bischöfe - ist ein Übel, das Spaltung in die Kirche hineinträgt und unser Grundverständnis zu Gott verfälscht." Fragt sich nur, ob nicht die Jahrzehnte anhaltende Dialog- und Reformverweigerung der Kirchenleitung, wie sie in diesen Tagen durch einen unhaltbaren Dogmatismus wieder vor Augen geführt wird, Schuld an einer Spaltung innerhalb des Kirchenvolks ist, dessen sich der "oberste Glaubenshüter" nicht bewusst zu sein scheint.

In Anbetracht der in diesen Tagen inszenierten Jubelfeiern zur Kardinalserhebung von G. L. Müller, u. a. mit den Bischöfen Mixa und Tebarst-van Elst hat sich unsere Zeichnerin Gedanken gemacht, was Kardinal Müller wohl nach 10 Jahren Regensburg in Rom zu leisten imstande sein könnte.

copyright Annelie Hürter

Info 23. Februar 2014

Kardinal G. L. Müller: Brückenbauer?

Die Pressemitteilung von Radio Vatikan am 22.2.14 über die Kardinalserhebung von Gerhard Ludwig Müller ist mit "Müller, der Brückenbauer" überschrieben. Diese Aussage stammt vom stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle, beim Empfang im Vatikan. In der Pressemitteilung der DBK vom gleichen Tag wird Trelle u. a. mit folgenden Sätzen erwähnt: "Wer Kardinal Müller kenne, wisse um dessen rheinischen Humor, die herzliche Art und seine klare Position, wenn er eine Sache vertrete. … Als Christ und vor allem als Verantwortungsträger in der Kirche gilt es, Brücken zu bauen zwischen Gott und den Menschen - und mitten in die Welt hinein. … Bischof Trelle betonte, dass er es als ein schönes und ermutigendes Zeichen empfinde, dass das Bistum Regensburg, in dem Kardinal Müller viele Jahre segensreich gewirkt habe, als Motto des nächsten Katholikentages das Brückenmotiv gewählt habe: "Mit Christus Brücken bauen". … Du hast ja mehrere Jahre mit Erfolg und großem Einsatz die Ökumenekommission unserer Konferenz geleitet. … ‚Wer Dich erlebt, weiß nicht nur um das Amt des Präfekten der Kongregation, sondern auch um den bischöflichen Hirten.'" Radio Vatikan erwähnt in der Pressemitteilung ebenfalls einige Teilnehmer am Empfang: Kardinäle Meisner und Cordes, Martin Mosebach, Bischöfe Walter Mixa und Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Wer Kardinal G.L. Müller kennt, kann sich über die mehr als wohlwollenden Äußerungen von Bischof Norbert Trelle nur wundern. Hat Bischof Trelle vergessen oder gar nicht mitbekommen, wie der frühere Regensburger Bischof selbstherrlich in seinem Amt wütete und alles andere als Brücken baute. Nur einige Beispiele seien erwähnt: Auflösung der Laienräte, erniedrigender Umgang mit kritischen Laien, Priestern und Professoren (Suspendierung bzw. Lehrentzug), Diffamierung von kritischen Vereinigungen wie Aktionskreis Regensburg oder "Wir sind Kirche" als Kirchengegner, -schädlinge und -feinde, Karrierismus und Dogmatismus.

In einer fast 200-seitigen Dokumentation hat Prof. August Jilek 2004 unter dem Titel "Zurück zu Inquisition und absolutistischer Herrschaft?" eine Dokumentation über Bischof Müllers Wirken vorgelegt. In seinem Vorwort heißt es u.a.: "Es ist stark zu bezweifeln, dass die Diözese Regensburg je zuvor einen Bischof hatte, der in solcher Häufigkeit und solcher Massivität mit Wahrheitswidrigkeiten und haltlosen Anschuldigungen agiert hat wie Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und seine Administration: noch dazu in aller Öffentlichkeit und zum schwer wiegenden Schaden nicht nur, aber gerade auch von Pfarrern der Diözese." … "Der Verfasser würde es begrüßen, wenn Dr. Gerhard Ludwig Müller sich entschließen könnte, die Dokumentation auf ihre Wahrheitsgemäßheit überprüfen zu lassen: durch ein staatliches Gericht, sofern ein solches vielleicht doch auch für ihn als Bischof zumindest eine gewisse Zuständigkeit haben sollte."

Seine Zeit als Bischof von Regensburg war geprägt von Polarisierung und Ausgrenzung, nicht von Integration und Brückenbauen. Gerhard Ludwig Müller hat bisher keine Bereitschaft bzw. Fähigkeit zur Selbstkritik gezeigt. Auch in seinem neuen Amt in Rom zeigt er sich polarisierend und reformresistent.




copyright Annelie Hürter

Info 20. Februar 2014

Willibaldswoche 2014 in Eichstätt ohne "Tag der Frauen"

In diesem Jahr findet im Bistum Eichstätt die Willibaldswoche ohne den "Tag der Frauen" statt. Vom 5. Bis 13. Juli 2014 gibt es u. a. einen "Tag der pastoralen Dienste", einen "Tag der Mitarbeiter/-innen des Bischöflichen Ordinariates", einen "Tag der Ehejubilare" und einen "Tag der Männer". 2013 wurde die Willibaldswoche mit einem "Tag der Frauen" eröffnet. Jetzt war kein Platz für einen "Tag der Frauen" frei oder wollten sich die Frauen bzw. die Bistumsleitung nicht für einen solchen Tag engagieren. Darüber liegt der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt keine Information vor.

Nach der vorjährigen Festwoche hieß es in der Eichstätter Kirchenzeitung vom 14. Juli 2013 u. a.: "Bischof Hanke betonte in seiner Predigt, was er bereits zuvor im Festzelt festgestellt hatte: ‚Es ist wirklich eine falsche Optik, wenn es heißt, Frauen seien nicht willkommen in der Kirche.' Kirche sein erwachse aus der Begegnung der von Gott gegebenen Vielfalt, aus der Begegnung von Amt und Charisma, von Mann und Frau: ‚Gleichmacherei verkürzt'. Kirche sein bedeute Berufung zu umfassender Begegnung, so der Bischof. ‚Bis heute halten Frauen mit ihren Gaben und Charismen die Tür des Glaubens offen, damit Kirche Sphäre der Begegnung zwischen den Menschen sein kann'. Der Bischof dankte den Frauen, die immer wieder Türen der Begegnung mit Gott öffneten und bat: ‚Setzen Sie die lange Reihe der Frauen fort, die sich dafür hingegeben haben, dass in der Kirche Begegnung mit dem Herrn und der Menschen untereinander möglich bleibt, dass Kirche auch heute noch Leuchtkraft entfalten kann.'"



copyright Annelie Hürter
Klerikale Marienverehrung

Am "Tag der Frauen" 6. Juli 2013 hatte die "Wir sind Kirche"-Eichstätt vor dem kurz zuvor verschlossenen Hauptportal des Doms bei einer Mahnwache mit dem Banner "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern!" demonstriert. Siehe unsere "Info 7. Juli 2013" mit Foto! Die Frauen und Männer dieser innerkirchlichen, aber nicht amtskirchlich anerkannten Reformgruppe, überlegen, ob eine Wiederholung dieser Aktion, die in den Medien auf große Beachtung stieß, oder eine andersartige Aktion am "Tag der Männer", 11. Juli 2014, zwischen 17.30 und 18.30 Uhr in Eichstätt stattfinden soll. Interessentinnen und Interessenten werden gebeten, sich bis Ende Juni 2014 unter 0841/33704 oder awhuerter@t-online.de zu melden.

Der Prediger während des Pontifikalamtes am "Tag der Männer" ist der Zisterzienserpater Karl Josef Wallner aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz, der für seine betont traditionsorientierten Ansichten bekannt ist und wie Bischof Hanke wiederholt beim "Forum deutscher Katholiken" aufgetreten ist. Es stellt sich die Frage, wie die Bistumsleitung dem Motto der Willibaldswoche "Aufbrechen im Glauben" gerecht werden will, wenn sie durch einseitige Programmgestaltung und Teilnehmer- bzw. Teilnehmerinnenauswahl verhindert, dass die Vielfalt der Glaubenshaltungen zur Sprache kommt. Wenn Bischof Hanke, wie 2013, das Hauptportal des Doms während der Mahnwache verschließen lässt, dann handelt er nicht nur dem vorjährigen Motto "Glaube öffnet Türen!" zuwider, sondern beweist eine Verschlossenheit gegenüber Reformen, die erschreckend ist. Sie steht in krassem Gegensatz zu Papst Franziskus, der sehr offen erheblichen Reformbedarf in der Kirche sieht und benennt.

Info 3. Februar 2014

Fest Mariä Lichtmess bzw. Tag des geweihten Lebens bzw. Darstellung des Herren oder in
Eichstätt: Darstellung der Herren am 2.2.14


Am Sonntag feierte Bischof Gregor Maria Hanke im schwach besetzten Eichstätter Dom zusammen mit einem Bischofskollegen, Mitgliedern des Domkapitels, römisch-katholischen und orthodoxen Priestern, Alumnen des Priesterseminars und des Collegium Orientale sowie Frauen und Männern in den vorderen Bankreihen in einem Pontifikalamt das Fest Mariä Lichtmess, das auch als Fest "Darstellung des Herrn" bezeichnet wird.

Bei der Feier wurde die heutige kirchliche Realität in der über 1000jährigen Geschichte dieser Bischofsstadt deutlich. An diesem Sonntag präsentierten sich ausschließlich Männer in einem feierlichen Einzug bzw. Auszug und während des Gottesdienstes um den Altar herum. In den vorderen Bänken waren Ordensschwestern und Laien anwesend. Für nicht mit den lokalen Verhältnissen vertraute Besucher konnte der Eindruck entstehen, dass es weniger um die Darstellung des Herrn als vielmehr um eine Darstellung der Herren ginge. Die Zahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, einschließlich der Ordensfrauen, in den Bankreihen war nicht viel größer als die der Männer im Altarraum.

Die geschilderte kirchliche Realität ist das Ergebnis einseitigen und rückwärtsgewandten bischöflichen Denkens und Handelns. Das betont ausgeprägte Eichstätter männerbündische, klerikale und frauenverachtende kirchliche Verhalten wirkt auf immer mehr Katholikinnen und Katholiken abstoßend. Wer wundert sich, dass sich die Menschen immer weniger mit dieser Art Gemeinschaft identifizieren wollen?

Info 30. Januar 2014

Ist der Zölibat für Priester im Bistum Eichstätt ein Problem oder nicht?

Jetzt steht wieder der "Tag des geweihten Lebens" im Bistum an. Am 2. Februar sollen die Gläubigen wieder um geistliche Berufe beten. Die seit Jahren verstärkten Anstrengungen um mehr Priesternachwuchs haben nichts daran geändert, dass immer weniger Menschen sich unter den derzeitigen Bedingungen zum Priester berufen fühlen. Die Bedingungen des Zwangszölibats und der Ausschluss von Frauen werden neben weiteren strukturellen Problemen nicht mehr akzeptiert, da helfen noch so viele Gebetsanstrengungen nichts. Priester und die Mehrheit der Gläubigen können sich immer weniger mit der reformunwilligen Kirche identifizieren. Was machen Bischof Hanke und die übrigen Verantwortlichen der Bistumsleitung?

Am 1. Februar 2014 übernimmt Vasile Vulpe als Pfarrvikar die Pfarrei St. Rupert in Nürnberg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kein Problem, ist er doch 2009 von der orthodoxen Moldauischen Metropolkirche zur römisch-katholischen Kirche übergetreten, ähnlich wie vor wenigen Jahren ein Familienvater als Pfarrer von der evangelischen Kirche zur römisch-katholischen Kirche übergetreten ist und als Seelsorger im Bistum Eichstätt eingesetzt wird.

Das Priesterseminar in Eichstätt, übrigens das älteste in Deutschland, feiert in diesem Jahr sein 450-jähriges Bestehen. Derzeit befinden sich 14 Alumnen aus dem Bistum Eichstätt, 4 aus weiteren deutschen Bistümern und 11 aus Ländern, wie Tschechien, Nigeria und Ruanda. Regens Wölfle hofft, dass die derzeitige Krise Vorbote eines neuen Aufschwungs ist. Er ist stolz auf die Tradition und erklärt: "Es ist immens, was hier an Idealismus, Kraft und Arbeit eingeflossen ist. … Am Beispiel des Seminars sehen wir, dass es immer eine Zukunft gibt."

Am 6. Und 7. Februar 2014 kommt Bischof Hanke zur Visitation nach Ingolstadt. Er nennt diesen Pflichtbesuch "Pastoralbesuch". Er will die Sorgen und Nöte der Gläubigen verstehen und mit ihnen und den Seelsorgern in einen Dialog treten. Es fragt sich, welche Gläubige er noch antrifft und was er unter Dialog versteht?

Vertreterinnen und Vertretern der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt verweigert er seit Jahren den Dialog. Er will sich nicht mit kritischen Gläubigen auseinandersetzen.

Es ist offensichtlich, dass die Verantwortlichen des Bistums Eichstätt entweder die Krise im Bistum nicht sehen wollen oder nicht sehen können. Sie erkennen die Zeichen der Zeit nicht und betreiben für die kasernierte Priesterausbildung einen finanziellen Aufwand, der im Verhältnis zu der Verantwortung für die Armen in dieser Welt nicht zu rechtfertigen ist. Das Wort des Papstes von der "armen Kirche für die Armen" ist in Eichstätt nicht angekommen. Ob diejenigen, die dem Bischof bei seinen Visitationen begegnen, das auch so sehen und vor allem ihm auch sagen, ist abzuwarten. Zu befürchten ist, dass überwiegend Jasager zurückbleiben, weil die Mehrheit der Gläubigen resigniert hat. Die Höhe der Wahlbeteiligung bei den anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen wird Aufschluss geben über das kirchliche Engagement vor Ort in den Pfarreien. Die Briefwahlmöglichkeit müsste zu einer stärkeren Beteiligung führen. Allerdings müssen sie sich im Klaren sein, dass sie bisher keine echten Mitwirkungs- und Mitentscheidungsrechte in der Kirche haben. Diese liegt ausschließlich bei den "geweihten Häuptern", denen es angeblich nicht um Macht geht!

Info 26. Januar 2014

Eichstätter Bistumsleitung und ihr Weltbild

Während die "Wir sind Kirche"-Eichstätt seit zwei Monaten auf die Beantwortung ihrer 12 Fragen wartet, erwecken Bischof und Domkapitel in Sachen Weltbild-Verlagsgruppe den Eindruck verantwortungsvollen sozialen Handelns. Dabei lassen sie sich von der ca. 20 Mitglieder starken Eichstätter Bistumsgruppe des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) durch eine Pressemitteilung der Pressestelle des Bistums vom 23.01.2014 unterstützen. In dieser heißt es u. a., dass der BKU bei Weltbild "insbesondere die Führungskräfte und das Management in der Verantwortung" sehen, "da offensichtlich in der Vergangenheit wichtige Strategie- und Geschäftsmodelländerungen nicht konsequent entwickelt und vorangetrieben worden sind." Offensichtlich ist diesen Mitgliedern des BKU-Eichstätt, Unternehmer und leitende Angestellte, mit ihrem Präses Domkapitular Prälat Dr. iur. Can., Lic. iur Christoph Kühn, nicht bewusst, welche Verantwortung die Kirche als Kapitaleigner im Aufsichtsrat dieses Unternehmens hat und diese nicht einfach auf die Geschäftsführung und die leitenden Angestellten abschieben kann. Wir empfehlen den für die Pressemitteilung verantwortlichen BKU-Leuten das Interview in DIE ZEIT vom 16.01.2014 mit ihrer Bundesvorsitzenden Marie-Luise Dött "Der Sinn fürs Ökonomische fehlt" durchzulesen. Dort finden sich Sätze, wie "Wir beim BKU haben das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Dieser orientiert sich am Gebot der Transparenz - diese ist bei der Kirche aktuell nicht ausreichend gegeben. Dann am Gebot der Wahrhaftigkeit, also alles realitätsgetreu und umfassend darzustellen - bei der Kirche gewinnt man den Eindruck, es werden nur Teilaspekte präsentiert. …. Die Kirche braucht keine Schattenhaushalte. …. Offenbar gibt es auch ein Kontrolldefizit. Mancherorts sitzt der Generalvikar zugleich im Domkapitel - und kontrolliert sich selbst. …. In den Bistümern muss es unabhängige Aufsichtsgremien geben, die die Finanzverantwortlichen kontrollieren und deren Mitglieder nicht durch den Bischof allein berufen werden. Nur dann ist eine unabhängige Kontrolle möglich. In unserer Kirche trägt der Bischof immer die Letztverantwortung. Doch es ist zu überlegen, ob er die Verantwortung in wirtschaftlichen Fragen nicht viel stärker delegieren sollte, sodass geistliche und wirtschaftliche Aufgaben institutionell noch stärker getrennt würden. Die mit Finanzen befassten Personen sollten in diesen Fragen entsprechend qualifiziert sein und zudem Berufserfahrung haben. Sie müssen vor allen Dingen Rückgrat haben, schwierige Fragen offen zu thematisieren." Frage: Sollen das Externe sein, die vielleicht Katholiken sind, aber nicht Kleriker? Antwort Frau Dött: "Ja."

In diesem Zusammenhang sind die kritischen Äußerungen zum Verhalten der Bischöfe bei der Weltbild-Verlagsgruppe zu erwähnen. In einer KNA-Meldung vom 22.01.2014 spricht der Geschäftsführer des katholischen St. Benno-Verlags in Leipzig von einer Mitschuld der Kirche an der Insolvenz. Er habe Fachleute im Weltbild-Aufsichtsrat vermisst, "die sich die Zeit nähmen, Perspektiven und Zahlen zu hinterfragen. Er kenne keinen Priester, der über einschlägige Unternehmer-Erfahrung verfüge". Allerdings hätte auch der gesunde Menschenverstand an vielen Stellen genügt. - Der Unternehmensberater und frühere Benediktiner Anselm Bilgri kritisiert den Rückzug der Bischöfe und forderte mehr unternehmerischen Mut. - Der Trigema-Chef, Katholik und Eigentümer des schwäbischen Textilunternehmens, Wolfgang Grupp, äußerte, dass der Rückzug der Bischöfe bei Weltbild bedeute, dass sich die Gesellschafter aus der Verantwortung stehlen und die Schäden den Steuer- und Beitragszahlern der Sozialversicherung aufbürden. Die Probleme in diesem Unternehmen reichten weit zurück, ließen sich aber unternehmerisch lösen.

Gestern wurde bekannt, dass die Bistümer München und Augsburg mit zusammen 35 Millionen € versuchen, die Weltbild-Verlagsgruppe fortzuführen. Allerdings erwarte das Bistum Augsburg, dass sich die übrigen Bistümer an dem Betrag von 15 Millionen € beteiligen werden.

Info 19. Januar 2014

Wie glaubwürdig ist die Rede des Eichstätter Bischofs von "Verantwortung" für die Weltbild-Mitarbeiter, die Pastoral und die Caritas beim Neujahrsempfang des Diözesanrats am 18.01.2014?

In der Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 18.01.2014 "Bischof Hanke: Verantwortung für die Weltbild-Mitarbeiter" wird viel von Verantwortung für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Weltbild-Verlagsgruppe und für die Pastoral und Caritas des Bistums geredet. Es wird der Anschein erweckt, als wären der Bischof, seine Kollegen und der von ihm und seinem Finanzdirektor geleitete Diözesansteuerausschuss ihrer Verantwortung bisher voll gerecht geworden. Der Neujahrsempfang des Diözesanrates bildete das Forum, sich freundlich unkritisch zu begegnen, sich seiner gegenseitigen Wertschätzung zu versichern. Man war unter sich, machte in Ökumene und hatte als Gast den früheren Bischof von Augsburg und Eichstätt Walter Mixa eingeladen. So, als wäre nichts passiert, präsentierte sich dieser in der ersten Reihe.
Die Pressemitteilung verschleiert ebenso wie die angebliche Transparenz in Sachen Bistumsfinanzen, dass die Eichstätter Bistumsleitung die Karten nicht offen auf den Tisch legt. Dann müsste sie als Miteigentümerin in dem Aufsichtsgremium der Weltbild-Verlagsgruppe zu ihrer Verantwortung einer verfehlten Geschäftspolitik stehen. Bis heute hat sie in diesem Zusammenhang die in unserer Info vom 28.11.2013 und dem Schreiben vom 01.12.2013 an Bischof Hanke gestellten Fragen nicht beantwortet, außer dass "sich das Engagement des Bistums Eichstätt für Weltbild seit den 60er Jahren entwickelt hat". Die Schuld für die Unternehmenskrise liegt nicht bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Weltbild-Verlagsgruppe oder veränderten Marktbedingungen, sondern einzig und allein bei der Geschäftsführung und vor allem bei dem Aufsichtsrat, der aus Vertretern der beteiligten Bistümer besteht. Die wiederum als Kleriker nicht über die notwendige fachliche Qualifikation verfügen. Das zeigt z. B. die Tatsache, dass trotz Seelsorgermangel bisher immer einem Kleriker die Aufgabe des Finanzdirektors übertragen worden ist.
Welches Kapital des Bistums steckt in allen Bereichen? Dabei denken wir z. B. an Wertpapiervermögen, Unternehmensbeteiligungen, kirchlichen Stiftungen, land- und forstwirtschaftliches Vermögen, Immobilien (häufig erworben durch Erbschaft und Ankauf!), Wohnungsbaugesellschaften usw, gleichgültig ob das direkt oder indirekt zum Bistum gehört, z. B. bischöflicher Stuhl, Priesterseminar u. a.! Die Kirche im Bistum Eichstätt wird von vielen Menschen als sehr reich empfunden. Solange sich die Bistumsleitung einer völligen Transparenz verweigert, müssen die Gläubigen vermuten, dass hier bewusst verschleiert wird.
Wir erwarten in absehbarer Zeit die genaue Beantwortung unserer 12 konkreten Fragen, wie Sie von uns in unserer Info 28.11.2013 gestellt sind.

Info 17. Januar 2014

Bistum Bamberg verhängt in der Zölibatsdiskussion mit und um Pfarrer Dr. Stefan Hartmann Sprechverbot

Der Bamberger Generalvikar Georg Kestel hat gegenüber dem Pfarrer von Oberhaid, Dr. Stefan Hartmann ein Sprechverbot erteilt, sich über das Thema Zölibat und andere damit zusammenhängenden Themen öffentlich zu äußern. In einem Schreiben hält er dem Priester "Vereinnahmung" von Papst, Kardinalstaatssekretär und Erzbischof sowie die Nichtbeachtung des Konzildekretes Nr. 16 "Presbyterium ordinis" vor und "verursache für die kirchliche Gemeinschaft Schaden und Verwirrung".
Hartmann ist Vater einer erwachsenen Tochter, die sich 2008 bei ihm gemeldet hatte. In verschiedenen Fernsehauftritten äußerte sich der Pfarrer zu seiner schweren Schuld, die Beziehung zu der Tochter und ihrer inzwischen verstorbenen Mutter verdrängt zu haben. Beide habe er in Stich gelassen, wenn er auch den Unterhaltsverpflichtungen gegenüber seiner Tochter nachgekommen sei. Mit 27 Jahren sei ihm vor der Priesterweihe die Tragweite der Zölibatsverpflichtung nicht bewusst gewesen. Er hält den Zwangszölibat für "Anachronismus, der vielen Menschen und der Kirche schadet" und hofft auf Änderungen durch Papst Franziskus. Damit steht er nicht allein in unserer Kirche, in der über 80 % der Gläubigen die Freiwilligkeit und nicht den Zwang zum Zölibat für Priester wollen. Die bisherige Kirchenleitung habe trotz der Reformbedürftigkeit eine Änderung des Kirchenrechts abgelehnt. "Wir sind Kirche"-Eichstätt weist darauf hin, dass die mit Rom unierten Ostkirchen den Zölibatszwang, wie in der römisch-katholischen Kirche nicht kennen. Überdies werde konvertierten, ehemals evangelischen Pfarrern, die verheiratet sind, ebenfalls die Verpflichtung des Zölibats erlassen.
Die formale Aufrechterhaltung des Zölibats führt dazu, dass viele Priester sich der zölibatären Verpflichtung in eheähnlichen Lebensverhältnissen entziehen und einen Scheinzölibat leben. Darüber sind viele Bischöfe informiert. Sie wissen auch um die damit verbundenen Probleme der Unglaubwürdigkeit, der starken psychischen Belastung für Priester, deren Partnerinnen und Kindern. Darüber hinaus stellt die Verpflichtung zum Zölibat ein erhebliches Hindernis für junge Menschen dar, sich unter diesen Umständen für den Beruf des Priesters zu entscheiden. Der quantitative und qualitative Priestermangel, vor allem wegen des Zölibatzwangs, ist unübersehbar.
"Schaden und Verwirrung für die kirchliche Gemeinschaft" stiftet nicht Pfarrer Hartmann durch seine Äußerungen zum Thema Zölibat, sondern der Maulkorberlass des Generalvikars. Es wird höchste Zeit, dass Generalvikar Kestel sich nicht an wenigen Ewiggestrigen orientiert, sondern mit Erzbischof Schick und dem Papst die Zeichen der Zeit und den Mut von Pfarrer Hartmann, der zu den konservativeren Geistlichen gehört, erkennt.

Info 14. Januar 2014

Kann der zum Kardinal ernannte G. L. Müller der Ermahnung des Papstes zur Demut folgen?

Papst Franziskus hat laut Pressemitteilung Radio Vatikan vom 13.01.2014 alle neu ernannten Kardinäle, zu denen auch der frühere Bischof von Regensburg und jetzige Präfekt der Glaubenskongregation G. L. Müller gehört, in einem auf den 12.01.2014 Schreiben zu Demut ermahnt. Wörtlich heißt es u. a.:
"Die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde. Sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen."
Es scheint, als habe Papst Franziskus diesen Satz insbesondere Gerhard Ludwig Müller gewidmet. Sein beispielloses Karrierestreben, verbunden mit seinem selbstherrlichen Amtsverständnis in der Rolle des Bischofs von Regensburg und der vollkommen überzogene Hang zur Selbstdarstellung und sein Umgang mit Laien und Priestern, ist weithin im Kirchenvolk inner- und außerhalb seines früheren Bistums unvergessen.

Info 7 Januar 2014

"Christen bauen Brücken, keine Mauern!" - Bischof Rudolf Voderholzer zum nächsten Katholikentag im Mai in Regensburg

Rudolf Voderholzer ist als Bischof von Regensburg der Nachfolger von Gerhard Ludwig Müller. Dieser hatte zur Überraschung vieler das Zentralkomitee (ZdK) als Veranstalterin des diesjährigen Katholikentags nach Regensburg eingeladen. Dies, obschon Müller wenige Jahre vorher in einem selten autoritären Amtsstil diesem Laiengremium finanzielle Mittel verweigerte, weil dieses höchste Laiengremium in Deutschland gegen das eigenmächtige Vorgehen des Bischofs durch die Auflösung gewählter Laiengremien (Diözesanrat, Pfarrgemeinderäte), die Suspendierung kritischer Laien, Pfarrern und Theologen sowie die Diffamierung von innerkirchlichen Reformgruppen, wie "Aktionskreis Regensburg" und "Wir sind Kirche" als Kirchengegner und -feinde protestiert und Verhaltensänderungen gefordert hatte. Müller erwies sich als Mauerbauer und nicht als Brückenbauer. Mit großem Unverständnis wurde Müllers Ernennung durch Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der Glaubenskongregation in Rom bei den meisten Gläubigen empfunden. Hatte er sich in Rom durch seinen rigiden Amtsstil für dieses ranghohe Amt empfohlen?

Bischof Voderholzer sprach im Mai vorigen Jahres im Hinblick auf das Motto des Katholikentags bei einer Predigt im Raum Landshut von "Christen bauen Brücken, keine Mauern!" Dazu hat sich unsere Zeichnerin ein paar Gedanken gemacht:



Sie erwartet die volle kirchliche Akzeptanz und Sorge um z. B. Alleinerziehende, Homosexuelle, wiederverheiratete Geschiedene, unverheiratete und verheiratete Priester und Priesterinnen sowie die Gleichstellung von Laien und Klerikern.

Bisher merken die ChristInnen zwar sehr deutlich, dass Papst Franziskus viele dieser Mauern um diese Gruppen von Gläubigen einreißen will, dass aber gerade der jetzige Erzbischof Müller und Bischof Voderholzer alles andere als Brücken bauen, sondern die baufälligen Mauern eines erschreckenden Dogmatismus festigen wollen. Jüngstes Beispiel sind die Stellungnahmen beider zur Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene.

Es ist zu hoffen, dass die TeilnehmerInnen des Katholikentags im Mai d. J. sich klar zum Motto von Bischof Voderholzer "Christen bauen Brücken, keine Mauern!" im Sinne des "sensus fidelium" äußern werden. Es wird Zeit, dass Bischöfe wie Voderholzer und Müller sich weniger als Befehlende, sondern mehr als Hörende verstehen, ganz im Sinne von Papst Franziskus.



Info 2. Januar 2014

"sich eine eigene Meinung bilden, statt Meinungen abzulesen" - Bischof Hankes hehre Worte bei der Silvesterpredigt 2013

Nach Mitteilung der bischöflichen Pressestelle vom 31.12.2013 waren die zentralen Themen von Bischof Gregor Maria Hanke bei der Silvesterpredigt der Papstwechsel und die Kontroverse beim Bau des neuen Dienstsitzes auf dem Limburger Domberg.

Während der Eichstätter Bischof Papst Benedikt eine gesunde Selbstdistanz und zugleich starkes Gottvertrauen bescheinigte, warnte er davor, "dass sich bestimmte kirchenpolitische Vorinteressen durch Selektion der Worte des Papstes Franziskus zu bedienen, nicht selten, um einen scharfen Gegensatz zwischen ihm und seinem Vorgänger zu zeichnen. Dadurch zeige sich die‚ hierzulande vorhandene Hörschwäche' gegenüber der Verkündigung von Papst Benedikt." Dieser habe bereits 2006 einen einfachen und glaubwürdigen Lebensstil angemahnt und sei spätestens bei seiner "Freiburger Rede" für eine arme Kirche eingetreten.

Hanke erklärte auch, dass Christen angesichts verschiedener Hypes des letzten Jahres, etwa des "medialen Sturmtiefs" über dem Bischof von Limburg mehr christliche Besonnenheit üben sollten. Wörtlich sagte der Bischof: "Christen, die durch Taufe und Firmung zum Dienst in und an der Welt bestellt sind, sollten Meinungen nicht einfach nur ablesen, sie müssen sich eine eigene Meinung bilden." Darum bemühen sich die Mitglieder der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt. Sie nimmt zu den Aussagen des Bischofs, wie sie durch die Pressemitteilung vom 31.12.2014 veröffentlicht wurden, Stellung:

Es ist erstaunlich, wie Bischof Hanke sich einerseits der Medien bedient, um seine einseitigen und konservativen Ansichten zu verbreiten und andererseits den Medien, wie z. B. der "Frankfurter Allgemeinen" Hypes und Tratsch vorwirft, wenn es um Kritik an Amtsträgern der katholischen Kirche geht. Christen bilden sich schon lange eine eigene Meinung. Das hat Bischof Hanke anscheinend noch nicht bemerkt. Sie bilden sich auch nach bischöflichen Predigten eine eigene Meinung und wollen darüber mit ihrem Bischof sprechen, der aber bisher sich solchen Gesprächen verweigert hat. Vielleicht führen das neue Jahr 2014 und der neue Papst den Eichstätter Bischof zu der Einsicht, in seinem Bistum einmal den Dialog mit kritischen ChristInnen, wie der "Wir sind Kirche"-Gruppe, zu versuchen. Solange dies nicht möglich ist, reden wir nur über- und nicht miteinander.

Was versteht Bischof Hanke unter "bestimmte kirchenpolitische Vorinteressen", die sich durch Selektion der Worte des Papstes bedienen, nicht selten um einen scharfen Gegensatz zwischen ihm und seinem Vorgänger zu zeichnen? Will der Bischof uns vormachen, dass es keinen gewaltigen Unterschied zwischen diesen beiden Amtsträgern gibt? Seit Papst Franziskus haben die Gläubigen wieder Hoffnung auf eine Kirche, die die Zeichen der Zeit erkennt und zu radikalen Reformen bereit ist. Sie können sich mit den Äußerungen des neuen Papstes sehr viel stärker identifizieren und sehen sich in ihren Reformerwartungen erheblich stärker verstanden. Damit haben Bischöfe, wie Hanke, Tebarst van Elst, Mixa, Meisner oder Müller offenbar Probleme. Was Papst Franziskus sagt und wie er es sagt, wirkt glaubwürdig.

In unserer Kirche geht es in erster Linie um Glaubwürdigkeit; darum dass wir alle versuchen, im Sinne Christi zu leben und zu handeln. Wer dazu nicht fähig und willens ist, kann vor allem nicht das Amt eines Bischofs ausüben. Die "Solidarität" rechtskonservativer Amtsträger, wie Bischof Hanke, zu ihrem Limburger Kollegen versucht von dem eigentlichen Problem abzulenken, dass es im Bistum Limburg nicht nur um inakzeptabel hohe Baukosten für eine Bischofsresidenz geht, sondern vor allem um "Lug und Betrug" bei der Verschleierung der tatsächlichen Kosten, wie dem Bischof vom von ihm persönlich bestellten Vermögensverwaltungsrat vorgeworfen wird. Dazu kommen falsche eidesstattlichen Aussagen bei der Verschleierung einer aufwändigen Luxusflugreise zu einem Armenprojekt in Indien und eine selbstherrliche autoritäre Amtsführung. Das Vertrauen in seine Glaubwürdigkeit ist weithin schwer erschüttert, sowohl bei Laien als auch im Klerus. Dazu passt, dass er nicht zu seiner außerordentlichen Letztverantwortung als Bischof steht und auch keine Anzeichen von Reue zeigt. Die ChristInnen im Bistum Limburg haben sich eine eigene Meinung gebildet, auch ohne Medienübertreibung. Sie sind mündige ChristInnen und werden hoffentlich als solche auch bei Papst Franziskus verstanden. Wäre das nicht der Fall, ist der jetzt schon erhebliche Vertrauensschaden für die ganze Kirche nicht absehbar.

Info 8. Dezember 2013

"Wir sind Kirche" beim Tag der Menschenrechte in Ingolstadt

Wie im vorigen Jahr beteiligte sich dieses Jahr auch die "Wir sind Kirche"-Eichstätt mit über 30 Organisationen an einer Informationsbörse zum Tag der Menschenrechte 2013 am 8.12.2013 im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt, veranstaltet von amnesty international Ingolstadt, dem Ingolstädter Kulturamt und dem Stadttheater. Vor genau 65 Jahren, nämlich am 10. Dezember 1948, wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen unterschrieben, die vom Vatikanstaat, einem der letzten Staaten weltweit noch nicht ratifiziert worden ist. Zu Beginn der diesjährigen Veranstaltung gedachten die TeilnehmerInnen des Tags der Menschenrechte in einer Schweigeminute des Todes von Nelson Mandela und seines Engagements für ein Ende der Apartheid in Südafrika. Da wurden manche KatholikInnen an die andauernde Geschlechterapartheid in der katholischen Kirche erinnert, bei der ausschließlich Männer unverändert über den Ausschluss von Frauen von Weiheämtern entscheiden und das als gottgewollt begründen.




Am Infostand der "Wir sind Kirche"-Eichstätt wies die Gruppe in Wort und Schrift auf die Nichteinhaltung von Menschenrechtsstandards in der katholischen Kirche hin, so z. B.: Zweiklassengesellschaft von Klerikern und Laien, Ausschluss der Frauen und Homosexuellen von Weiheämtern, Geheimverfahren der Kirchengerichte (ohne ausreichenden Rechtsbehelf, ohne Öffentlichkeit, ohne persönliche Anhörungen und ohne unabhängige und unparteiische Gerichte), Pflichtzölibat, Dialogverweigerungen der Kirchenleitungen, päpstlicher Zentralismus, kirchliches Arbeitsrecht.

Prof. Dr. Heribert Franz Köck, der sich eingehend mit dem Thema "Menschenrechte in der Kirche" befasst hat, sprach 2009 u. a. davon: "Man könnte der Meinung sein, die Menschenrechte seien nirgends so gut aufgehoben wie in der Kirche, die Kirche sozusagen die gelebte Menschenrechtsgemeinschaft, weshalb eine Diskussion über Menschenrechte in der Kirche keinem praktischen Bedürfnis entspreche und man sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen solle. Man könnte aber auch der Meinung sein, dass es keinen Sinn mache, über Menschenrechte in der Kirche zu sprechen, weil die Amtskirche diese wie andere wichtige innerkirchliche Probleme ohnedies bewusst ignoriere und daher auch nicht bereit sei, in einen Dialog darüber einzutreten, weshalb man auf bessere Zeiten warten müsse. (…)"

Das starke Interesse an den Informationen der "Wir sind Kirche"-Gruppe und die Äußerungen der StandbesucherInnen zeigten, dass viele mit der Amtskirche Unzufriedene mit Papst Franziskus große Hoffnungen verbinden und "bessere Zeiten" in der Kirche erwarten.



Dr. Julia Duchrow, Leiterin des Referats Menschenrechte und Frieden bei "Brot für die Welt" referierte im Mittelpunkt der Veranstaltung über das Thema "Wirtschaft und Menschenrechte - Neue Herausforderungen am Beginn des 21. Jahrhunderts"

Info 6. Dezember 2013

Papst Franziskus äußert sich zum Glaubenssinn des ganzen Gottesvolks

Nach einer KNA-Meldung vom 6. Dezember 2013 hat Papst Franziskus die große Bedeutung des "sensus fidelium" (Glaubenssinn des ganzen Gottesvolks) anlässlich der diesjährigen Vollversammlung der internationalen Theologenkommission im Vatikan betont. In dieser Meldung heißt es u. a.: "Das kirchliche Lehramt muss nach den Worten von Papst Franziskus stets auch die Glaubenspraxis der einfachen Katholiken im Auge haben. Es habe die Pflicht, aufmerksam zu registrieren, was der Heilige Geist den Kirchen durch ‚authentische Ausdrucksformen des Sinns der Gläubigen" kundtue." … "Dies sei für Theologen von ‚größter Bedeutung'" …

"Alle Glieder der Kirche besäßen kraft des Heiligen Geistes eine Art ‚spirituellen Instinkt', den Glaubenssinn. Dieser ermögliche ein ‚Fühlen mit der Kirche' und mache die Gläubigen in ihrer Gesamtheit zu einem ‚Volk von Propheten'. Der Sinn der Gläubigen dürfe allerdings nicht soziologisch im Sinne einer Mehrheitsmeinung missverstanden werden, so Franziskus. Die Theologen rief er zugleich auf, weiter an Kriterien für eine Ermittlung des wahren Glaubenssinns zu arbeiten."…

"Die Kommission berät die vatikanische Glaubenskongregation; deren Präfekt, Kurienerzbischof Gerhad Ludwig Müller, ist zugleich Präsident des Gremiums."


Info 28. November 2013

Bistum Eichstätt und die Verlagsgruppe Weltbild -
Beispiel verfehlter Geschäftspolitik und mangelhafter Information der Kirchenöffentlichkeit


Die Stabstelle Medien und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Eichstätt informiert im Internet über vieles, über Wichtiges und weniger Wichtiges, manchmal auch überhaupt nicht. Dann nämlich, wenn die KirchensteuerzahlerInnen interessiert sind, zu erfahren, was mit ihren Geldern passiert, selbst wenn Bischof und Bistumsleitung darüber nicht informieren wollen.

Es fand sich heute im Wirtschaftsteil des DONAUKURIER eine KNA-Meldung , nach der das Bistum Eichstätt die Mediengruppe Weltbild mit drei Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln finanziert. Der Diözesansteuerausschuss habe nach einer ausgiebigen und teilweise kontroversen Debatte" beschlossen, eine Liquiditätshilfe für den in rote Zahlen gerutschten Weltbild-Konzern zu leisten, wie der Bistumssprecher auf Anfrage berichtete. In der Agenturmeldung heißt es auch: "Übergangsweise stehe das Bistum Eichstätt auch als Gesellschafter zur Verfügung. Das sei aber keine Dauerlösung und gelte nur für den Zeitraum, bis eine neue Eigentümer-Konstellation gefunden sei. Eichstätt war bisher mit einem Gesellschafteranteil von 3,4 Prozent an Weltbild beteiligt."

"Wir sind Kirche"-Eichstätt stellt in diesem Zusammenhang der Bistumsleitung Eichstätt u. a. folgende Fragen:

  • Wieso beteiligt sich das Bistum Eichstätt an einem Medienkonzern, der wie kaum ein anderer durch aggressive Expansion kleinere Verlage verdrängt hat?
  • Seit wann ist das Bistum Eichstätt als Gesellschafter an der Verlagsgruppe Weltbild beteiligt und was war die Motivation für dieses Engagement?
  • Will das Bistum Eichstätt sich von seinem Miteigentumsanteil trennen?
  • Sind die drei Millionen Euro Liquiditätshilfe voraussichtlich abzuschreiben?
  • Welche Beträge sind bisher zum Medienkonzern geflossen und welche zurück?
  • Warum werden erst auf Anfrage der Nachrichtenagentur Informationen gegeben?
  • Worüber wurde im Diözesansteuerausschuss kontrovers diskutiert?
  • Wieso werden für die Finanzspritze eines Wirtschaftsunternehmens Kirchensteuern verwendet und nicht Mittel des Bischöflichen Stuhls?
  • Aus welcher "Kasse" und in welche "Kasse" im Bistum sind bisherige Transaktionen getätigt worden?
  • Dürfen Kirchensteuermittel überhaupt für die Sanierung eines Medienkonzerns verwendet werden?
  • Worunter werden Einnahmen und Ausgaben aus dieser Firmenbeteiligung im Diözesansteuerhaushalt verbucht?
  • Was versteht die Bistumsleitung unter "Transparenz" in Finanzfragen angesichts ihres derzeitigen Verhaltens?
"Wir sind Kirche"-Eichstätt erwartet im Interesse aller Gläubigen, nicht nur der KirchensteuerzahlerInnen, umfassende Information der Bistumsleitung über diese Vorgänge. Bischof und Finanzdirektor sind Vorsitzender bzw. Stellvertreter des Diözesansteuerausschuss und werden sicher kompetent und schnell für Aufklärung sorgen.

Info 27. November 2013

Presse-Erklärung zum Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus "Evangelii Gaudium"

In seinem Apostolischen Schreiben "Gaudium Evangelii" spricht sich Papst Franziskus u.a. für eine grundlegende Reform der römisch-katholischen Kirche aus: für eine Dezentralisierung ihrer hierarchischen Struktur, - für eine Stärkung der nationalen u. regionalen Bischofskonferenzen und ihrer Kompetenzen. Selbst eine Reform des Papstamtes, das den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung mehr entsprechen müsse, wird von ihm angestrebt.
Die Laien in der Kirche sollen mehr Verantwortung übernehmen, und für die Frauen wünscht er sich mehr "Raum in der Kirche", vor allem dort, "wo die wichtigen Entscheidungen fallen".

Alle diese zentralen Zielvorstellungen sind sehr zu begrüßen; sie sind überfällig und schon seit Jahrzehnten von den kirchlichen Reformbewegungen immer wieder vorgetragen worden.
Ein Punkt allerdings dämpft die Zustimmung und Freude über das päpstliche Schreiben ganz erheblich: Papst Franziskus bekräftigt wiederum, "das den Männern vorbehaltene Priestertum" stehe "nicht zur Diskussion" - d.h. an dem Ausschluss der Frau von diesem Amt hält er uneingeschränkt fest. Die Begründungen dafür - der Papst entnimmt sie sämtlich den Schreiben seiner Vorgänger (Johannes Paul II. , Benedikt XVI.) - sind von einer völlig überholten Theologie geprägt: z.B. der Priester vertrete als Mann den "Bräutigam Christus" der Kirche gegenüber, - und die "Gottesmutter Maria" - eine Frau - sei bedeutender als die Bischöfe.

Mit diesen - längst von seriöser theologischer Wissenschaft widerlegten - Argumenten sollen die Frauen beschwichtigt werden und über das schwere Unrecht, das ihnen noch immer - zum Schaden der Kirche - angetan wird, hinweg getröstet werden. Ihre Charismen, ihre von Gott geschenkten Berufungen, gerade auch zum priesterlichen Dienst, die für den Aufbau einer erneuerten, lebendigen Kirche unerlässlich sind, werden weiterhin ignoriert und missachtet. Hier wird deutlich, dass es wiederum ausschließlich Männer sind, die über die Frau verfügen - gegen den Geist Jesu Christi!

Aber auch dieses schwere Unrecht, diese Diskriminierung der Frauen um ihres Geschlechtes willen, wird durch die heilige Geistkraft Gottes und durch Frauen, die sich von ihr entzünden lassen, überwunden werden. Der Ungeist des Patriarchats in der römisch-katholischen Kirche wird und muss untergehen!
Schrittmacherin für diese notwendige Entwicklung ist die internationale Priesterinnenbewegung (RCWP), die sich in mehreren Ländern ausbreitet.

Für die internationale Priesterinnenbewegung RCWP (deutsche Sektion):
Ida Raming, Dr. theol. , Stuttgart, 27. Nov 2013

Prof. Dr. Hermann Häring, 27. 11. 201
In einer ersten Stellungnahme
zum Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium"
gegenüber dem Bayerischen Rundfunk


Ein Papst ruft zu Reformen auf - und das noch mit Freude: "Evangelii Gaudium" heißt die prophetische Lehrschrift, die gestern öffentlich wurde und in der sich Papst Franziskus für Reformen in der Kirche "auf allen Ebenen" ausspricht. Auch für eine Reform des Papstamtes zeigt er sich offen.

- Haben Sie das so erwartet?
Die Grundintention des Schreibens ist nicht neu. Alle genannten Reformpunkte wurden in den vergangenen Monaten angesprochen Überrascht haben mich die Entschiedenheit, der kompakte Elan, mit dem der Papst jetzt ein Reformprogramm umreißt. Er fordert nicht weniger als eine "Umgestaltung" der Kirche in allen ihren Teilen. Er schließt dabei Pfarreien, Diözesen, Bischofsamt und Papstamt ein.

- Sie haben den alten Papst Benedikt stets kritisch gesehen. Seine Angst vor der Moderne als sein größtes Defizit beschrieben. Ist Papst Franziskus da tatsächlich eine andere Hausnummer? Gegen Abtreibung und Frauenpriestertum und für Zölibat ist er ja dennoch......
Ja, Papst Franziskus kritisiert die Moderne, aber er geht konstruktiv auf sie zu, hat keine Angst. Er agiert in der Moderne. Seine Kernforderung ist ja, dass die Kirche auf die Welt, so wie sie heute ist, zugeht. Diese Begegnung mit Menschen und Welt ist geradezu sein Lebenselixier.
Frauenpriestertum, Abtreibung, Zölibat, Homosexualität sind für ihn Teil der alten kirchlichen Lehre. Er lehnt sie aber nicht aus irgendwelchen sexuellen oder anderen Ressentiments oder aus Machtüberlegungen ab. Ich bin davon überzeugt, dass seine letzten Urteile darüber noch nicht gesprochen sind. Hier herrscht noch enormer Diskussionsbedarf, der bis auf die Frage nach einem rechten Schriftverständnis zurückgreift. Wir müssen am Ball bleiben.

- Schlagen da also zwei Herzen in seiner päpstlichen Brust?
Vielleicht noch mehr Herzen, um im Bild zu bleiben. Er ist in Lateinamerika groß geworden und zunächst in der südamerikanischen Problemwelt zu Hause. Das spürt man auch an seinen Aussagen zur Säkularisierung, zur Ökumene und zu Fragen der Interreligiosität, von der wir Europäer auf Dauer sicher noch mehr erwarten. Vielleicht wird er auch manche Position noch korrigieren müssen.
Aber er fügt doch eine wichtige Einschränkung hinzu, die Möglichkeiten des Gesprächs eröffnet: Er glaubt ausdrücklich nicht, man müsse von ihm endgültige Aussagen "zu allen Fragen erwarten [muss], welche die Kirche und die Welt betreffen." Er hält es nicht für angebracht, dass er "die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen." Er spricht von einer heilsamen "Dezentralisierung", in der die verschiedenen Kulturräume der katholischen Kirche ihre eigene Stimme erhalten werden.. Er versteht sich also nicht mehr als der Oberlehrer, sondern ein Gesprächspartner der Bischöfe bzw. der nationalen und kontinentalen Bischofskonferenzen.

- Papst Franziskus gehört dem Jesuitenorden an. Als solcher geißelt er den Kapitalismus, die Gier und den nicht enden wollenden Konsumwahn. Ist das eine "moderne" Botschaft? Antikapitalismus?
Um Kapitalismuskritiker zu werden, muss man nicht Jesuit sein. Für Christen in Lateinamerika und für viele Christen in Europa ist diese Position selbstverständlich und es lässt sich nicht leugnen, dass die modernen Kapital- und Finanzsysteme endlich zu zügeln sind. Das ist ja seit Jahren auch eines unserer großen politischen Themen. Moderne geht's nicht, wenn einem an einer gerechten und versöhnten Menschheitsordnung liegt. Es geht darum, dass alle Wirtschafts- und Finanzsysteme daran zu messen sind, wie viel Menschlichkeit sie ermöglichen.

- Wird er damit Gläubige in der Kirche halten und neue gewinnen?
Global gesehen suchen zumal die armen und die entrechteten Menschen Schutzräume für ihre Nöte und Interessen. Im übrigen interessiert Papst Franziskus nicht die Frage, ob wir neue Kirchenmitglieder gewinnen, sondern was die Kirche für die Menschen tut. Er will lieber eine zerbeulte Kirchengemeinschaft, die sich um Menschen kümmert, als eine glänzende Karosserie, die nur um sich selbst kreist. Wie katastrophal sich ein Kirchenverhalten auswirkt, das nur seine Sicherheit sucht, haben wir ja in den vergangenen Jahren erlebt. Kirche hat glaubwürdig zu sein, indem sie aufhört, um sich selbst zu kreisen, denn die christliche Botschaft will die Welt verändern, menschlicher machen. Aus diesem Prinzip lebt die Spiritualität des Papstes.

- Wenn Franziskus politisch einzuordnen ist, wäre er dann ein Linker?
Ja, wenn man diese Zuordnung nicht parteipolitisch verengt. Im Weltmaßstab gesehen ist er ein Parteigänger der Armen, der in diesem Sinn die Welt verändern will, und die Motivation dazu aus einem tiefen Gottvertrauen schöpft.

- Trotz der genannten politischen Akzente finden sich in diesem Dokument lange Passagen, in denen der Papst über das Studium der Hl. Schrift, über das Hören auf Gottes Wort und über das Gebet spricht. Ist dieser Papst ein frommer Mensch?
Natürlich, Papst Franziskus ist ein zutiefst frommer, von der Sache Gottes bis in die Mitte seines Herzens angerührter Mensch. Als Jesuit hat er es gelernt, Gott - wie Ignatius von Loyola sagte - "in allen Dingen zu suchen und zu finden". Seine ganze innere Dynamik, sein breiter Einsatz für mehr Gerechtigkeit, seine Solidarität mit den Armen und Entrechteten lebt aus einer Spiritualität der Gottesnähe. Vielleicht müssen wir europäische Christen genau diese Verbindung von Frömmigkeit und Politik neu lernen. Für den Papst ist Religion keine Privatangelegenheit, sondern eine zutiefst kultur-, gesellschafts- und friedenspolitische Angelegenheit.

- Wird es gelingen, die angezielten Reformen durchzuführen oder ist in der Weltkirche Widerstand zu erwarten?
Ich erwarte, dass die Impulse des Papstes in den meisten kulturellen Räumen entschieden aufgegriffen werden, vor allem in den Ländern, in denen - oft aus wirtschaftlichen Gründen - Armut, soziale Ungerechtigkeit, ethnischer Unfriede und Unterdrückung herrschen. Aus dem westeuropäischen und nordamerikanischen Raum erwarte ich am meisten Widerstand. Vermutlich wird er nicht direkt, sondern durch zähe Reaktionen, durch theoretische Diskussionen und durch das Unvermögen ausgeübt, von den eigenen Privilegien finanzieller, rechtlicher und kultureller Art Abstand zu nehmen. Spannend wird die Frage werden, wie denn die kurialen Kräfte reagieren, die am meisten zu verlieren haben.

- Was muss nun ganz konkret passieren? Kardinal Marx hat ja den Reformwillen in "Evangelii Gaudium" begrüßt. Aber was können nun die einzelnen Landeskirchen tun, um nicht nur beim Lippenbekenntnis zu bleiben.....
Der Papst hat Türen aufgestoßen. Als erstes muss von unten, d.h. in den Gemeinden eine breite aktive Diskussion über die zahlreichen Vorschläge beginnen. Die Bischöfe müssen sie aufnehmen, denn sie können sich nicht mehr hinter Rom oder hinter abstrakten Glaubenssätzen verstecken.
Zugleich können wir davon ausgehen, dass von oben, d.h. in Rom eine breitangelegte Reform in Gang gesetzt wird (Beginn als Kurienreform).
Wenn diese Anfänge im zähen Brei der Bequemlichkeit erstickt, ist es unsere Aufgabe, wie der Papst es sagt, solange "Krach zu machen" und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, bis sich etwas bewegt. Katholikinnen und Katholiken, die dazu bereit sind, gibt es genug. Reformen sind als unausweichlich geworden.

- Kardinal Marx zeigte sich von Inhalt und Sprache des Apostolischen Schreibens "angerührt". Welchen Eindruck macht das Schreiben auf Sie?
Ich finde dieses Schreiben in seiner Sprache und seinem Ton ganz außerordentlich: Der Papst schreibt einfach, verständlich und sehr unmittelbar. Man spürt hinter allem, was er sagt, eine große und überzeugende spirituelle Tiefe. Er spricht nicht nur von der Freude des Evangeliums, sondern lässt sie auch spüren. Man fühlt direkt: Dieser Papst spricht nicht nur von der Freude des Evangeliums, sondern er erfährt Freude bei seinen seelsorglichen Aufgaben. Es macht ihm offensichtlich Spaß, nicht allein zu sein, auf Menschen zuzugehen und ihnen dort zu begegnen, so wie leben, leiden, sich durch ihr Leben kämpfen und dabei nach Orientierung suchen. Dennoch ist er, wie uns Insider berichten, ein Mensch geblieben, der mit Macht umzugehen und seine Interessen durchzusetzen weiß. Angesichts seiner aktuellen Aufgabe ist das gut so. Gottes Reich hat ja immer auch mit Macht zu tun, weil es immer auch darum geht, Macht von Menschen über Menschen zu brechen, damit eine menschliche und versöhnte Zukunft entstehen kann.


Info 13. November 2013

Schluss mit Dogmatismus -
Erneute Anmaßung von Erzbischof G. L. Müller


Nachdem der sehr behutsame und bedachtsame Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch eine Handreichung über den Umgang der katholischen Kirche in seinem Erzbistum mit wiederverheirateten Geschiedenen herausgebracht hat, rüffelt ihn aus Rom sein Amtskollege Gerhard L. Müller und fordert ihn zur Rücknahme dieser Handreichung auf. Als Hauptgrund für seine ablehnende Haltung erklärt er in einem veröffentlichten Schreiben:

"Diese Position des Lehramts ist wohl begründet: Wiederverheiratete Geschiedene stehen selbst ihrer Zulassung zur Eucharistie im Weg, insofern ihr Lebensstand in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche ist, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht."

Die pastoralen Defizite des früheren Bischofs von Regensburg und jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation sind ein großes Ärgernis. Siehe dazu die Pressemitteilung des Bundesteams von Wir sind Kirche vom 13.11.2013. Müllers "unbarmherzige und unpastorale Haltung" will die nachstehende Zeichnung darstellen.




Es ist zu hoffen, dass nicht nur "Wir sind Kirche" und Kardinal Reinhard Marx von München-Freising, sondern vor allem weltweit Papst Franziskus und alle Bischofskollegen sich nicht von Erzbischof G. L. Müller vorschreiben lassen, wie pastoral in der Sakramentenfrage mit wiederverheirateten Geschiedenen umgegangen wird. Gott sei Dank unterscheidet sich jetzt schon die seelsorgliche Praxis, wie in vielen anderen reformbedürftigen Fragen, von der offiziellen Lehre. Mal sehen, ob das bei der geplanten Befragung vor Ort dokumentiert wird.


Info 12. November 2013

"Wir sind Kirche" informiert am Sonntag, 8. Dezember 2013, beim Tag der Menschenrechte in Ingolstadt

Wie im vorigen Jahr, ist auch dieses Mal die "Wir sind Kirche"-Eichstätt auf der Veranstaltung von Amnesty International, dem Kulturamt der Stadt Ingolstadt und dem Stadttheater Ingolstadt mit einem Infostand als eine der zahlreichen MitveranstalterInnen vertreten. Am Sonntag, 8.12.2013, zwischen 10.30 und 13.30 Uhr wird im Foyer des Stadttheaters in Ingolstadt der Tag der Menschenrechte begangen.

Der Vatikan gehört zu den wenigen Staaten, die die UN-Menschenrechtserklärung immer noch nicht unterschrieben haben. Die katholische Kirche setzt sich zwar häufig für die Beachtung der Menschenrechte in anderen Staaten ein, verstößt aber selbst erheblich gegen Menschenrechte. So verstößt der Zwangszölibat nach Auffassung von "Wir sind Kirche" gegen die freie Wahl des Familienstandes und gegen das Recht auf freie Berufswahl. Dies trifft auch auf den Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern aufgrund ihres Geschlechts. Weiterhin ist die Diskriminierung homosexueller Menschen und das Fehlen rechtsstaatlicher Gerichtsverfahren eine Menschenrechtsverletzung.

Noch im 19. Jahrhundert hatte die Amtskirche grundlegende Menschenrechte, wie Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit oder politischer Mitbestimmung als irrig abgetan. Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt entscheidend davon, ob Menschenrechte beachtet werden oder nicht, zumal diese Rechte säkularer Ausdruck des christlichen Menschenbilds sind.


Info 7. November 2013

Prof. Dr. Christoph Böttigheimer fordert ernsthaften Dialog zwischen Kirchenvolk und Kirchenleitung.

Im Rahmen der Aktionstage "gesellschaft macht geschlecht" hatte der freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) am 6.11.2013 zu einer Podiumsdiskussion in die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt eingeladen. Die StudentInnen hatten für diesen Tag das Thema "Frauen in der Kirche" ausgewählt. Neben dem Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie, Prof. Dr. Christoph Böttigheimer waren Annelie und Walter Hürter als VertreterInnen der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"-Eichstätt vertreten. Die Moderation lag bei Veronika Kopf. Nicht anwesend war ein angefragter Kirchenrechtler als Vertreter der Amtskirche. Offensichtlich war seine Mitwirkung von Seiten der Diözesanleitung nicht gewünscht.



von links: Prof. Böttigheimer, Veronika Kopf, Walter und Annelie Hürter

Prof. Böttigheimer bedauerte den Reformstau in der katholischen Kirche. Er führte das auf den fehlenden Dialog zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk, zwischen Bischöfen und Bischöfen und zwischen Bischöfen und TheologInnen zurück. Viele Veränderungen seien nicht nur möglich, sondern nötig. Alle Fragen müssten sich an Christi Botschaft orientieren, weniger an kirchenrechtlichen und dogmatischen Verfestigungen. Ohne Reformen, bei denen die Zeichen der Zeit erkannt werden, leide die Glaubwürdigkeit der Kirche weiteren Schaden.
Die Kirche müsse menschlicher werden.

Annelie und Walter Hürter berichteten über das vor genau 18 Jahren in Deutschland zu Ende gegangene KirchenVolksBegehren, bei dem innerhalb weniger Wochen allein in Österreich und Deutschland spontan und ohne auf eine bestehende Organisation aufzubauen, über zwei Millionen Gläubige Reformforderungen (geschwisterliche Kirche, volle Gleichberechtigung der Frauen, Freistellung des Zölibats, positive Bewertung der Sexualität, Frohbotschaft statt Drohbotschaft) unterschrieben hatten. Die VertreterInnen der Eichstätter "Wir sind Kirche"-Gruppe erklärten, warum ihnen die volle Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche so wichtig ist. Sie wiesen auf den sehr sehenswerten Film "Jesus und die verschwundenen Frauen", der in der ZDF-Mediathek herunter geladen werden kann. Es gäbe keine überzeugenden theologischen Gründe, die Diskriminierung der Frauen aufzuheben, zumal sie als Apostellinnen und Gemeindeleiterinnen in den ersten Jahrhunderten tätig waren. Neben der Zulassung von Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen forderten sie gleichberechtigte Mitbestimmung in der Leitung der Kirche-.

Die lebhafte Diskussion unter den vielen jüngeren und älteren ZuhörerInnen bewies, wie sehr das Thema "Frauen in der Kirche" den Menschen auf den Nägeln brennt. Wiederholt äußerten sie sich hoffnungvoll, dass Papst Franziskus die Zeichen der Zeit erkennt und die nötigen Reformen angehen wird.


Info 31. Oktober 2013

"Frauen in der Kirche" - öffentliche Veranstaltung verschiedener studentischer Gruppierungen am 6. November 2013 in Eichstätt.

Auf Einladung verschiedener studentischer Gruppierungen, darunter die Grüne Hochschulgruppe, Juso-Hochschulgruppe, SDS Die Linke Hochschulgruppe und Kreuz u. Queer, findet am Mittwoch, 6. November 2013, 20:15 Uhr, Studihaus/Sportbau, neben Mensa, Ostenstr. 27 in Eichstätt eine Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen in der Kirche" statt, an der u. a. der Eichstätter Fundamentaltheologe Prof. Dr. Christoph Böttigheimer und der Sprecher der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt, Walter Hürter, teilnehmen werden

Prof. Böttigheimer schreibt in seinem 2011 im Herder-Verlag erschienenen Buch "Glaubensnöte" zum Thema "Frauenordination": "Die Praxis der Frauenordination wurde vom kirchlichen Lehramt aufgrund anscheinend biblischer, historischer und dogmatischer Argumente verworfen, ohne dass die Beweisführung indes weder exegetisch noch systematisch-theologisch voll überzeugen könnte."

Mit einem Banner "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern" forderten am 6. Juli 2013 AnhängerInnen der "Wir sind Kirche"-Eichstätt anlässlich des "Tag der Frauen" zu Beginn der Willibaldswoche vor dem Hauptportal des Doms die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern.

Am 4. September 2013 zeigte die "Wir sind Kirche"-Eichstätt in dem mehrfach ausgezeichneten Film "Pink Smoke over the Vatican" die Geschichte der von Rom noch nicht anerkannten Priesterinnen-bewegung, vor allem in den USA. An diesem Tag war nicht nur die amerikanische Filmemacherin Jules Hart anwesend, sondern auch Roy Bourgeois, der vor genau einem Jahr von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der Glaubenskongregation exkommuniziert worden war. Sein "Verbrechen" war und ist die Weigerung, seine Solidarität mit den Priesterinnen zu widerrufen. Nach über 40 Jahren als Ordenspriester sieht sich dazu der Aachener Friedenspreisträger 2005 aus Gewissensgründen nicht in der Lage. Pater Paul Mertes SJ erklärte dazu: "Erschütternd finde ich es, den Begriff ‚große Schande' zu verwenden, um die Unterstützung der Frauenordination durch P. Roy zu verurteilen … eine ‚große Schande' kann ich in nichts von dem erkennen, was P. Roy erzählt.'

Info 28. Oktober 2013

"Wir sind Kirche"-Eichstätt bei 33. Bundesversammlung in Kassel vertreten

An der Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" im katholischen Gemeindezentrum der Kasseler Gemeinde "Sankt Familia" nahmen auch VertreterInnen der Eichstätter Diözesangruppe teil. Neben der Wahl des neuen Bundesteams und einer intensiven Diskussion über die aktuellen Ereignisse im Bistum Limburg und den daraus zu ziehenden Konsequenzen (Mitwirkung und Mitbestimmung aller Gläubigen bei der Bestellung von Bischöfen, Transparenz in allen finanziellen Angelegenheiten, Ernstmachen mit einem Dialog über dringende Reformen) stand das Referat von Frau Prof. Dr. Johanna Rahner "Theologie und Naturwissenschaften - Alter Hut oder neue Feindschaft" im Mittelpunkt der Bundesversammlung.





Professorin Rahner wurde in diesem Jahr als Nachfolgerin von Professor Hilberath auf die Professur für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen berufen.

In ihrem Referat ging es der Theologin vor allem darum, dass die Naturwissenschaften nicht allein die Welt und den Menschen erschöpfend erklären könnten, dass allerdings die Erziehung zur Freiheit im Denken und Handeln zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem naiven Kinderglaube führen muss. Absolute Freiheit sei eine Illusion. Der freie Gott schaffe den freien Menschen als sein Ebenbild. Die Theologie und ihr Maßstab der unantastbaren Würde jedes Menschen bleiben unverzichtbar.

Die TeilnehmerInnen an der Bundesversammlung beendeten ihre Zusammenkunft mit der Teilnahme am sonntäglichen Gemeindegottesdienst der Pfarrei Sankt Familia. Sie waren beeindruckt von der herzlichen Gastfreundschaft des Pfarrers und der sehr lebendigen Gemeinde. Es ist zu hoffen, dass die innerkirchliche Reformbewegung "Wir sind Kirche" endlich bei vielen Amtsträgern in der Kirche als eine Bewegung engagierter und informierter ChristInnen wahrgenommen wird, die für Reformen eintreten. Der "Fall Limburg" sei dabei in seiner Bedeutung für die Reformnotwendigkeit der Kirche nicht zu unterschätzen. Dabei gehe es um ein anderes Kirchesein, weg von Zentralismus und Klerikalismus, um mehr Eigenverantwortung der Gläubigen und ihrer Gemeinden.


Info 21. Oktober 2013

Der Umgang mit Geld und Vermögen im Bistum Eichstätt - Wann legt darüber Bischof Gregor Maria Hanke die Karten vollständig auf den Tisch?

Am 19./20. Oktober 2013 waren im DONAUKURIER drei Artikel überschrieben mit
  • "Bistum legt Kasse offen"
  • "Transparenz tut nicht weh"
  • "4,4 Millionen Euro in der Bischofskasse"
Dies erweckt den wohl beabsichtigten Eindruck von "nicht allzu üppiger Ausstattung" im Vergleich zu anderen Bistümern.

Die Hektik, die Unkenntnis bzw. der beabsichtige Schein völliger Transparenz im Gefolge des offensichtlichen Skandals in Limburg führt auch in Eichstätt zu höchst unbefriedigenden Ergebnissen. Die Gläubigen wollen wissen,
  • wie reich ist die Kirche an Immobilien, Wertpapieren usw,
  • wie hoch sind die Einnahmen an Kirchensteuern, Miet- und Zinserträgen, Zuschüssen, Spenden, Erbschaften usw.
  • wofür wird Geld ausgegeben, Kredite aufgenommen?
Die 4,4 Millionen sind offensichtlich nicht das Vermögen des bischöflichen Stuhls, sondern die Einnahmen daraus. Wenn die Kirche in Eichstätt wirklich Transparenz schaffen will, sind z. B. das Vermögen des bischöflichen Seminars und die Einnahmen und Ausgaben offen zu legen. Was kostet z. B. die Ausbildung des spärlichen Priesternachwuchses? Das Vermögen kirchlicher Stiftungen und deren Einnahmen und Ausgaben sind anzugeben. Was ist mit den Beteiligungen an Unternehmen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts, z. B. bei Wohnungsbaugesellschaften, wie dem St. Gundekarwerk mit über 4.000 Wohnungen? So hatte Bischof Tebarst-van Elst offensichtlich zur Finanzierung seines aufwändigen Bischofshauses Wohnungen aus dem Immobilienbesitz des bischöflichen Stuhls in Limburg an das Bistum Limburg in Millionenhöhe veräußert.

Es ist bezeichnend, dass der Finanzdirektor in Eichstätt von seinem Vorgänger, beide Kleriker und Nichtfachleute, in Sachen Finanzen lange "eingearbeitet" werden musste, als ob es zu viele Priester und zu wenige Finanzfachleute gäbe? Nach langjähriger Kenntnis ist die Unabhängigkeit der Kontrollgremien in Finanzdingen sehr in Frage zu stellen! Es zeigt sich, dass der Limburger Bischof jetzt die Verantwortung für sein Handeln auf weitere Schultern (Generalvikar, Domkapitel, Vermögensverwaltungskommission) verteilt sehen will, die sein besonderes persönliches Vertrauen genossen und immer wieder vor einem Loyalitätskonflikt gestanden haben. Dabei ist hervorzuheben, dass zumindest einige von ihnen nach Bekanntwerden des Problems den Schritt in die Öffentlichkeit wagten.

"Wir sind Kirche"-Eichstätt fordert Bischof Hanke noch einmal auf, schnellstmöglich für vollkommene Transparenz in allen finanz- und vermögensrechtlichen Angelegenheiten im Bistum zu sorgen.

Info 13. Oktober 2013

"Wir sind Kirche"-Eichstätt fordert auch für das Bistum Eichstätt Konsequenzen: Vollkommene Transparenz bei allen Haushalten des Bistums und unabhängiges Kontrollgremium

Nach den Ereignissen im Bistum Limburg fordert die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt von der Bistumsleitung umgehend alle Finanzhaushalte im Bistum offen zu legen. Während der Diözesansteuerausschuss, an seiner Spitze der Bischof als Vorsitzender und sein Finanzdirektor als sein Stellvertreter die Einnahmen und Ausgaben des Haushalts aus Kirchensteuermitteln sehr allgemein veröffentlichen, ist der Haushalt des Diözesanbischofs den Kirchenmitgliedern völlig unbekannt. Sie haben keinen Einblick, geschweige denn eine Mitwirkungs- oder Mitbestimmungsmöglichkeit. Es fehlt ein unabhängiges Kontrollgremium Die Folgen fehlender Transparenz und kirchenöffentlicher Akzeptanz lassen sich derzeit im Bistum Limburg studieren.

Dabei haben die Gläubigen im Bistum Eichstätt Bischof Walter Mixa als einen Kirchenverantwortlichen erlebt, der sich in fürstbischöflicher Manier bei finanz- und vermögensrechtlichen Angelegenheiten verhalten hat. In diesem Zusammenhang ist nicht nur an die ungeheuer hohen Baukosten vor dem Bezug seines Bischofspalastes und die vielen Fahrten nach Rom, die hauptsächlich seiner persönlichen Karriere dienten, zu erinnern.

Bischof Gregor Maria Hanke, selbst in einem prächtigen Bischofspalast residierend, der offiziell als Bischofshaus bezeichnet wird, ist vor genau einem Jahr seinem Limburger Kollegen öffentlich zu Hilfe gekommen. Wörtlich sprach er in einer Pressemitteilung von "Zeichen fehlenden Verständnisses für Aufgabe und Amt des Bischofs" bei den Kritikern! Siehe unsere Info vom 1. September 2012!

Die "Wir sind Kirche"-Eichstätt hofft, dass Papst Franziskus, der eine "arme Kirche für die Armen" fordert und persönlich deutliche Zeichen in diese Richtung setzt, für ein radikales Umdenken, zurück zu den Wurzeln, sorgt. Es ist zu hoffen, dass er sich dabei nicht von seinem Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, beirren lässt, der bei Franz-Peter Tebarst -van Elst, wie häufig in seinen Zeiten als Bischof von Regensburg, Kampagnen der Medien gegen den Limburger Bischof ausmacht und nicht das verantwortungslose Handeln dieses Bischofs sieht. Erzbischof Müller ist zwar "oberster Glaubenshüter", für den aber "Glaubwürdigkeit" ein Fremdwort zu sein scheint. Dabei ist Glaubwürdigkeit der Schlüssel, um glauben zu können. Die "Wir sind Kirche"-Eichstätt hofft weiterhin, dass "Armut, Bescheidenheit und Einfachheit" von der römisch-katholischen Kirche nicht nur im materiellen Sinne, sondern auch im Umgang miteinander gelebt wird. Das betrifft vor allem das Gebiet der Dogmatik und des Kirchenrechts.

Info 7. Oktober 2013

Prof. Dr. Karl Schlemmer gestorben

Der bekannte Liturgiewissenschaftler und Pastoraltheologe Prof. Dr. Karl Schlemmer ist nach schwerer Krankheit am 24. September 2013 im Alter von 76 Jahren in seiner Geburtsstadt Nürnberg gestorben. Seine Beisetzung fand am 1. Oktober 2013 in Nürnberg statt. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt trauert um einen gebildeten, mutigen und unerschrockenen Seelsorger, der nicht nur mehrfach auf "Wir sind Kirche"-Veranstaltungen über Wege aus der Krise der Kirche sprach, sondern auch die Gruppe beratend unterstützte. Dabei spürte man sein starkes persönliches Engagement, seine vielen Kontakte zu Gemeindemitgliedern der Pfarrei und namhaften Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens. Fast 20 Jahre lehrte er als Professor für Liturgiewissenschaft und Pastoraltheologie an der Universität Passau.

Im Gegensatz zu seinem Nachfolger auf dem Passauer Lehrstuhl, Franz-Peter Tebarst-van Elst, war ihm kirchliches Karrierestreben fremd. Darüber äußerte er sich in einem seiner vielen Vorträge bei Priesterexerzitien vor einigen Jahren unter Bezugnahme auf Äußerungen von Kardinal Carlo M. Martini vor Priestern u. a.: "Was diese realistischen und klaren Darlegungen des Kardinals uns ans Herz legen, ist folgendes: Eigentlich sollte für uns vom kirchlichen Bodenpersonal Gott im Zentrum stehen, es geht um seine Sache und nicht um unsere Rechthaberei, um unser Karrierestreben. Nicht uns übersteigertes Ich ist also der Mittelpunkt von allem, sondern wir müssen Gott im Zentrum sehen." Den vollständigen Auszug aus seinem Vortrag "Zum Bedenken für kirchliche Karrieristen" mit den Anmerkungen Kardinal Martinis finden Sie hier!

Es ist ganz offensichtlich, dass Papst Franziskus in Abkehr seiner Vorgänger, vor allem Benedikt XVI. und Johannes Paul II., ebenfalls sehr deutlich diesen Weg verfolgt und kirchlichem Karrierestreben eine Abfuhr erteilt..


Info 5. September 2013

Roy Bourgeois und Jules Hart am 4.09.2013 in Ingolstadt - Wir sind Kirche-VertreterInnen am gleichen Tag in Eichstätt: Ein Kontrast-Programm zum Thema Frauen in der Kirche

Die TeilnehmerInnen der Wir sind Kirche-Eichstätt hatten sich mit zwei sehr gegensätzlichen Terminen zu Frauen in der Kirche wohl zu viel zugemutet. Am Vormittag sahen sie in Anwesenheit der US-amerikanischen Filmemacherin Jules Hart und dem Friedensaktivisten Roy Bourgeois den Film "Rosa Rauch über dem Vatikan", in dem Frauen über ihre Berufung zum priesterlichen Dienst zu Wort kamen. Schnell war im Gespräch nach dem Film allen Teilnehmenden klar, dass nur mit Frauen und Männern im Priesterdienst die Kirche eine Zukunft hat und die Kirche dann nicht nur über Geschlechtergerechtigkeit redet. sondern auch geschlechtergerecht handelt. Eine solche Reform ist aber nicht nur gerecht den Frauen gegenüber, die von Gott berufen sind, sondern notwendig für die bisherige männerdominierte Kirche. Tief beeindruckt von den Worten und seinem unglaublichen Engagement für die Frauenordination zeigten sich die Mitglieder der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt. Einige von ihnen bekundeten ihren Reformwillen im Anschluss an die Veranstaltung mit Transparenten auf dem Rathausplatz in Ingolstadt:



Im Bild links Roy Bourgeois und Jules Hart

Nachmittags nahmen drei Mitglieder der Diözesangruppe ein Gespräch mit der Referentin für die Frauenseelsorge wahr, der schon im Juli d. J. nach der Aktion "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern" in Eichstätt vereinbart worden war. In einem freundlichen Gespräch wurden die Ansichten der Vertreterin der Amtskirche sichtbar, die kein Verständnis dafür aufbrachte, dass Frauen nach Weiheämtern streben und in der Kirche gleichberechtigt wie Männer sich an der Leitung der Kirche beteiligen wollen. Ihre Auffassung, wer den Zölibat nicht leben kann oder will, muss aus dem Priesterdienst ausscheiden, wurde von den GesprächteilnehmerInnen ebenso kritisch aufgenommen wie der allgemiene Hinweis auf eine Vertiefung des Katechismuswissens.



Info 1. September 2013

Einladung nach Ingolstadt zum 4. September 2013 zu Film und Gespräch über die internationale Priesterinnenbewegung

Mit der Forderung "Schluss mit Ausschluss der Frauen" vor dem mittelalterlichen Kreuztor und dem Münster "Zur Schönen unserer lieben Frau" in Ingolstadt lädt die Wir sind Kirche-Eichstätt zum Film "Pink Smoke over the Vatican" (Rosa Rauch über dem Vatikan) und Gespräch mit der mehrfach ausgezeichneten Filmmacherin Jules Hart und Roy Bourgeois nach Ingolstadt ein.

Roy ist Aktivist für Frieden und Menschenrechte und am 4. Oktober 2012 durch Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, dem früheren Bischof von Regensburg und jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation in Rom, nach über 40 Jahren aus Priesteramt und Orden wegen seines Einsatzes für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche entlassen worden. In einer Reaktion darauf erklärte er am 20. November.2012 u. a.: "Als Katholiken bekennen wir uns dazu, dass der Ruf zum Priestertum von Gott kommt, nur von Gott. Wer sind wir, dass wir als Männer sagen, dass der Ruf von Männern echt ist, aber der Ruf Gottes an die Frauen nicht? Der Ausschluss von Frauen vom Priestertum ist ein großes Unrecht gegen die Frauen, gegenüber unserer Kirche und gegenüber unserem liebenden Gott, der sowohl Männer als auch Frauen zum Priestertum ruft. Wo Unrecht herrscht, ist Schweigen die Stimme der Mittäterschaft. Mein Gewissen zwingt mich, mein Schweigen zu brechen und mich gegen die Sünde des Sexismus in meiner Kirche zu wenden. Leider habe ich sehr lange gebraucht, bis ich bereit war, der männlichen Macht und Vorherrschaft in der katholischen Kirche ins Auge zu sehen und ihr entgegenzutreten."

2005 erhielt Pater Roy den Aachener Friedenspreis. 2010 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert.

Filmmatinee und Gespräch am:
Mittwoch, 4. September 2013, 10:30 Uhr,
Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, Ingolstadt

Info 31.August 2013

Ein beispielhafter Fall von Klerikalismus im Bistum Eichstätt

Seit genau einem Jahr ist die Leitung des "Bistumshaus Schloss Hirschberg" vakant. Warum eigentlich?

Bis vor einem Jahr leitete Dr. Martina Eschenweck fast neun Jahre mit großem Erfolg das bistumseigene Bildungszentrum. Schon zwei Jahre vor ihrem Ausscheiden machte ihr die Bistumsleitung in Eichstätt klar, dass langfristig wieder ein Geistlicher als Leiter für das Haus gewünscht und geplant ist. Sie könne als Bildungsreferentin bleiben, so zu sagen die Zweite Geige spielen. Frau Eschenweck, Pastoralreferentin und promovierte Theologin, suchte sich als Pastoralreferentin in der Seelsorge eine neue Stelle und schied vor einem Jahr aus dem Bistum Eichstätt aus.

Ein weiterer Punkt ist augenscheinlich der "hohe Stellenwert" (!), den Bischof und Domkapitel der theologischen Erwachsenenbildung im Bistumshaus an den Tag legen. Wer im Veranstaltungsprogramm für das 2. Halbjahr 2013 nach aktuellen theologischen Themen sucht, sucht vergebens. Der Direktor des Diözesanbildungswerk schreibt zwar im Vorwort zum Halbjahresprogramm, dass "der Christ auf die Zeichen der Zeit zu achten hat, wie es das II. Vatikanische Konzil fordert.", räumt dann kurze Zeit später hilflos ein: "Bedauerlicherweise ist derzeit die Stelle der Studienleitung auf Schloss Hirschberg nicht besetzt. Das theologische Programm wird jedoch hoffentlich im ersten Halbjahr 2014 wieder stärker Berücksichtigung finden können." Ein Kommentar zu dem skandalösen Verhalten der Bistumsleitung erübrigt sich. Die angebotenen Themen entsprechen denen einer Volkshochschule. Von theologischer Auseinandersetzung, die gerade im Bistum Eichstätt so notwendig wäre, keine Spur, und das angesichts des vom Papst ausgerufenen Jahr des Glaubens!

Seit einem Jahr ist die Leitung des "Bistumshaus Hirschberg" nicht besetzt. Offensichtlich sucht die Bistumsleitung schon seit mindestens drei Jahren diese Stelle neu zu besetzen. Man braucht nicht lange raten, warum? Bischof und Domkapitel legen offensichtlich Wert bei dieser Stelle auf einen Mann und zwar auf einen geweihten. Die fachliche Qualifikation ist weniger entscheidend. Die Tatsache, dass bisher noch keiner gefunden wurde, beweist darüber hinaus, dass sich unter diesen Bedingungen schwer ein halbwegs qualifizierter Kandidat finden lässt. Darüber hinaus zeigt es einen beachtlichen Mangel in der Personalpolitik. Der Priesternachwuchs schrumpft. Dem Bistum bzw. den Gemeinden gehen zunehmend die Seelsorger aus. Die Leitung des Bildungshauses, des Finanz- oder auch des Sozialressorts im Bistum sollen trotz gravierenden Mangels an Seelsorgern in den Gemeinden nach wie vor Kleriker übernehmen, obschon deren fachliche Qualifikation bezweifelt wird. Es handelt sich bei dem Finanz- und Sozialbereich um hoch dotierte Domkapitularstellen, die vom bayerischen Staat finanziert wurden und in Zukunft in einem geänderten Verfahren pauschal vergütet werden.

Vor kurzem wurde eine "Arbeitsgruppe Geschlechtergerechtigkeit" installiert. Fragt sich nur, wie ernst es dem Eichstätter Bischof damit ist und wie aufgeschlossen und gerecht er sich zeigt, wenn es um die Berufung von so genannten Laien geht, die in Wirklichkeit keine Laien, sondern häufig hoch qualifizierte Fachleute sind, die das Bistum dringend benötigt. Die Kirche im Bistum Eichstätt braucht in allen Bereichen hoch qualifizierte Fachleute, die mit ihrer Persönlichkeit ihren Aufgabenbereich auch gegenüber dem Bischof verantwortungsvoll vertreten und nicht durch Angepasstheit gegenüber der Bistumsleitung ihrer Verantwortung für die Kirche nicht gerecht werden. Es geht, wie so häufig in der Kirche um den Umgang mit Macht, koste es was es wolle.

Info 27. August 2013

Wir sind Kirche-Eichstätt fordert die strukturellen Ursachen für den sexuellen Missbrauch durch Kleriker aufzuarbeiten und zu lösen.

Nach Auffassung der Wir sind Kirche-Eichstätt ist nach Aufdeckung der ungeheuren sexuellen Missbräuche von Klerikern an Kindern, vor allem an Jungen, einiges geschehen, u. a. Organisatorisches, wie Leitlinien und Verordnungen. Von einer Forschung über die Ursachen dieser Missbräuche durch Kleriker ist die Kirchenleitung noch weit entfernt. Es entsteht der Eindruck, dass sich davor die Bischöfe drücken. Die äußerst umstrittene Kündigung des Forschungsauftrags an das Kriminologische Institut von Prof. Pfeiffer weist darauf hin. Seit Januar 2013 warten die Menschen auf die Fortsetzung der begonnenen Arbeit, die vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz kurzfristig in Aussicht gestellt worden war.

Wunibald Müller, renommierter Theologe und Psychologe, Leiter des kirchlichen Recollectio-Haus in Münsterschwarzach und einer der besten Kenner der Missbrauchsproblematik, hat in den vergangenen Jahren sehr deutlich auf die strukturellen Ursachen hingewiesen, ohne offensichtlich das nötige Gehör bei den Bischöfen zu finden. Seine Sicht der Probleme ist im Internet in einer kürzeren und einer ausführlicheren Fassung nachzulesen.

Müller fordert u. a. die Behandlung von Tabuthemen:

Korrektur der kirchlichen Lehre zur Sexualität
Zulassung von Homosexuellen und Frauen zum Priesterdienst
Sorgfältigere Auswahl der Priesteramtskandidaten
Bewerber und Bewerberinnen für das Priesteramt müssen sexuell reif sein
Angemessene Beteiligung der Frauen an verantwortlichen Stellen
Entkoppelung von Priesteramt und Zölibat
Entklerikalisierung

Diese Zusammenfassung wird durch das Studium der Müllerschen Abhandlungen "Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gesagt!" verständlicher. Sie sollten Anstoß sein zu einem Umdenken bei allen Gläubigen. Nur so ist eine Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche möglich. Der Bischof von Eichstätt sollte die jetzt bekannt gewordenen, wenn auch noch nicht erwiesenen Missbrauchsvorwürfe gegen einen Bistumspriester zum Anlass nehmen, die Ausführungen Wunibald Müllers zu überdenken.

Info 25. August 2013

Polemik statt Argumentation beim Thema Frauenordination!
Gerhard Ludwig Müllers, durch Frauenfeindlichkeit geprägte Karriere zum obersten "Glaubenshüter"


Karl Kardinal Lehmann hat den aus Mainz stammenden Gerhard Ludwig Müller nach seiner Ernennung zum Bischof von Regensburg als einen scharfzüngigen, aber nie verletzenden Mann bezeichnet. Offensichtlich hatte Lehmann den langen Beitrag "Wer hat das letzte Wort? - Ein Strategie und ihre Tücken: Zu der endlosen Forderung nach Einführung der Frauenweihe" von G. L. Müller in "Die Tagespost" 23.03.2002, nicht gelesen. Kurz vor seiner Bischofsernennung polemisierte der damalige Dogmatiker an der LMU-München in einer Weise über die Befürworterinnen und Befürworter der Frauenordination, dass jeder halbwegs um Objektivität Bemühte auch über 10 Jahre nach Erscheinen des Artikels über diesen religiösen Ideologen nur den Kopf schütteln kann. Diese Haltung hat nicht nur seine kirchliche Karriere nicht behindert, sondern befördert. Sie gipfelte in der Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation durch Papst Benedikt XVI. in Rom. In diesem Amt sorgte er am 4. Oktober 2012 für die Entlassung Pater Roy Bourgeois aus dem Priesterdienst (nach über 40 Jahren!) und die Entlassung aus dem Maryknollorden wegen seines Einsatzes für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern. Papst Franziskus sollte sich nicht nur sozial für Armut und Bescheidenheit einsetzen, sondern diese Tugenden auch auf die Entmachtung der Kongregation für die Glaubenslehre (Nachfolgerin der "Römische Inquisition": Bücherindex, Ketzer- und Hexenverfolgung usw.) beziehen.

Hier der Link zum sechsseitigen Beitrag von Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller, Lehrstuhlinhaber für Dogmatik an der Fakultät für katholische Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, der am 24. März 2002 in "Die Tagespost" veröffentlicht wurde. Er zeigt, wie "wissenschaftlich" und "nie verletzend" die Forderung nach Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern von dem damaligen Dogmatiker Müller behandelt worden ist. Es steht zu befürchten, dass G. L. Müller in dieser Zeit nichts dazu gelernt hat. Sein polarisierendes und spalterisches Verhalten als Bischof von Regensburg über fast 10 Jahre verstärken die erheblichen Zweifel an Müllers Befähigung zu einem kirchlichen Amt.


Info 8. August 2013

Wir sind Kirche-Eichstätt im Gespräch mit Roy Bourgeois und Film "Pink Smoke over the Vatican" ("Rosa Rauch über dem Vatikan") am Mittwoch, 04.09.2013, in Ingolstadt

Die Wir sind Kirche-Eichstätt lädt alle Reforminteressierten für 4. September 2013, 10,30 Uhr, in den Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater zum Gespräch mit dem US-amerikanischen Priester (ohne Amt), Friedensaktivist und Gründer der School of the Americas Watch, Roy Bourgeois ein. Nach unserer Aktion "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern!" am 6. Juli 2013 vor dem Hauptportal des Doms freuen wir uns, mit Roy Bourgeois einen Referenten gewonnen zu haben, der in seinem 75-jährigen Leben mit großer Überzeugung nach seinem Gewissen gehandelt hat. Dabei scheute er sich nicht, für seinen Einsatz zugunsten der Frauenordination nach über 40 Jahren als Ordensgeistlicher die Exkommunikation durch den Vatikan in Kauf zu nehmen.

Von 1963 bis 1967 diente Bourgeois als Marineoffizier in Vietnam und trat danach in den Missionsorden Maryknoll ein. 1972 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend arbeitete er sechs Jahre als Missionar in Bolivien. Er wurde wegen seines Engagements gegen den Diktator General Hugo Banzer (Absolvent der School of the Amercas) 1977 verhaftet und ausgewiesen. Nach dem gewaltsamen Tod von Mitschwestern in El Salvador durch Todesschwadronen der Nationalgarde wurde er ein entschiedener Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik in Lateinamerika. 1990 gründete er die School of Americas Watch (SOA Watch) mit dem Ziel der Schließung der Ausbildungsstätte, die mehr als 64000 lateinamerikanische Soldaten und Sicherheitsbeamte in 67 Jahren u.a. in Aufstandsbekämpfung, Verhörtaktiken und Kommandoführung ausbildete. Die Absolventen dieser Schule sind für schlimmste Verbrechen gegen Menschenrechte in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas bekannt. Bourgeois versucht auf verschiedenste Weise unter Mitarbeit zigtausender US-Amerikaner und Kontakten mit südamerikanischen Regierungen eine Schließung der Ausbildungsstätte zu erreichen. Die von ihm gegründete Organisation SOA Watch versteht sich als Graswurzel-Bewegung und ist der Gewaltlosigkeit verpflichtet. 2005 wurde Bourgeois der Aachener Friedenpreis verliehen.

Neben seinem Engagement als Friedensaktivist setzt sich Roy Bourgeois für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern ein. In dieser Mission ist er vom 30. August bis zum 7. September 2013 in Europa unterwegs, zusammen mit der Filmemacherin Jules Hart. Sie zeigen den ca. einstündigen Film "Pink Smoke over the Vatican". Dieser Dokumentarfilm ("Rosa Rauch über dem Vatikan") mit deutschen Untertiteln über leidenschaftliche Katholikinnen, die der Hierarchie ihrer Kirche die Stirn bieten, indem sie sich unerlaubt zu Priesterinnen weihen lassen und darauf bestehen, dass in ihrer Religion auch ihre Stimmen gehört werden. Roy Bourgeois und Jules Hart erklären zu ihrer Europareise: "Mit unserem Besuch wollen wir die Bewegung für volle Rechte der Frauen in der katholischen Kirche unterstützen. Die Frauen bringen uns die Erneuerung der Kirche, die Erneuerung des Priestertums. Genau das braucht die Kirche heute, um wieder lebendig und relevant zu werden."

Info 10. Juli 2013

Bischof Hanke am "Tag der Frauen": "Gleichmacherei verkürzt."

Auch Tage nach der Predigt hallt der so kurze Satz von Bischof Gregor Maria Hanke "Gleichmacherei verkürzt" noch nach, zumal ihm durch die Erwähnung über die Pressestelle noch einmal Bedeutung beigemessen wurde. Der Satz danach heißt: "Erst in der Begegnung steigt der Mensch über sich hinaus."

Es ist offensichtlich, dass der Eichstätter Bischof die Forderung der Frauen nach Gleichberechtigung abwertet indem er "Gleichberechtigung" mit "Gleichmacherei" gleichsetzt. Wie geht dieser Mann mit Frauen um, die mit guten Gründen sich nicht als Menschen 2. Klasse behandeln lassen wollen?

Zuvor äußerte Hanke: "Kirchesein erwächst aus der Begegnung der von Gott gegebenen Vielfalt, aus der Begegnung von Amt und Charisma, von Mann und Frau." Wieso erkennt der Bischof nicht die von Gott gegebene Vielfalt bei Frauen an? Er lässt nur sein traditionelles Frauenbild gelten von Frauen, die bewahren und erdulden sollen. Bezeichnend seine Äußerung bei einer Predigt am Hochfest der hl. Walburga (25.02.2013), "die in ihrem benediktinischen Doppelkloster manche Demütigung gerade von Männern der Klostergemeinde hinnehmen musste. Sie ließ sich nicht auf Widerstreit ein."

Die "Wir sind Kirche"-Eichstätt distanziert sich entschieden von einer solchen Einstellung und fordert den Bischof auf, darüber miteinander zu reden.

Info 9. Juli 2013

"Wir sind Kirche"-Eichstätt begrüßt das Gesprächsangebot der Referentin für Frauenseelsorge Barbara Bagorski zum Thema Frau und Kirche

Offensichtlich hat die Demonstration am 6. Juli 2013 "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern" einen erheblichen Gesprächsbedarf aufgezeigt. Aus diesem Grund greift die "Wir sind Kirche"-Eichstätt die in der Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 8. Juli 2013 gemachte Anregung der Referentin für Frauenseelsorge zu sachlichen Gesprächen über das Thema Frau und Kirche gerne auf.

Frau Barbara Bagorski ist Diplom-Theologin, seit 2004 Vorsitzende des Vereins "Frauenseelsorge in den deutschen Diözesen", der als Trägerverein der Arbeitsstelle Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz fungiert. Seit Herbst 2012 ist Frau Bagorski Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge Bayern, seit 3. Juli 2013 Leiterin der "Arbeitsgruppe Geschlechtergerechtigkeit" im Bistum Eichstätt. Als Sprecherin des Organisationsteams des Tags der Frauen in der Willibaldswoche hatte sie sich gestern in einer Pressemitteilung des Bistums kritisch zur Berichterstattung über die Demonstration der "Wir sind Kirche"-Eichstätt geäußert.

Nach Auffassung der Gruppe sind Frauen immer weniger bereit, sich in der Kirche zu engagieren, weil ihnen die gleichen Rechte wie Männern verweigert werden. Viele jüngere und ältere Frauen geben sich bei der Ausübung von Ehrenämtern nicht mehr mit freundlichen Worten des Pfarrers oder Bischofs zufrieden, sondern wollen genauso wie Männer ihre Berufung leben und auch an Entscheidungen mitwirken und mitbestimmen. - Bischof Hanke erklärte am Tag der Frauen u. a.: "Kirchesein erwächst aus der Begegnung der von Gott gegebenen Vielfalt, aus der Begegnung von Amt und Charisma, von Mann und Frau." … "Gleichmacherei verkürzt." In diesem Zusammenhang von "Gleichmacherei" zu reden, kennzeichnet ein Frauenbild, das weitgehend nicht dem der meisten Frauen entspricht. Die Vielfalt der Berufungen ist weitaus größer, als es der Bischof wahrhaben will. Den Informationen der bischöflichen Pressestelle in Wort und Schrift ist zu entnehmen, dass der Tag der Frauen vor allem der Pflege eines herkömmlichen, wenig zeitgemäßen Frauenbildes diente.

"Wir sind Kirche"-Eichstätt, sie hat viele ehemalige und noch aktive Ehrenamtliche in ihren Reihen, ist mit dem ehemaligen Wiener Weihbischof Helmut Krätzl der Auffassung, dass die Frauenfrage die Schicksalsfrage der Kirche ist. Sie freut sich auf fruchtbare Gespräche mit Barbara Bagorski und bittet um Gesprächseinladung.

Kontakt: "Wir sind Kirche"-Eichstätt, Humboldtstr. 3, 85049 Ingolstadt, T 0841/33704,
awhuerter@t-online.de
www.wir-sind-kirche.de/eichstaett

Info 7. Juli 2013

Mahnwache "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern" am 6.07.2013: Bischof Hanke verweigert nicht nur das Gespräch mit "Wir sind Kirche"-Eichstätt. Er lässt vorübergehend das Hauptportal des Doms schließen.

Am gestrigen Tag, dem "Tag der Frauen", eröffnete Bischof Gregor Maria Hanke die Willibaldswoche 2013 in einem Festzelt. Das Motto der Festwoche: "Glaube öffnet Türen" Bei seiner Ansprache vor den eingeladenen Frauen erklärte der Bischof u. a.: "Es ist wirklich eine falsche Optik, wenn es heißt, Frauen seien nicht willkommen in der Kirche. Im Gegenteil: Frauen haben eine große Geschichte in der Kirche." Vermutlich galt diese Bemerkung der geplanten Mahnwache der "Wir sind Kirche"-Eichstätt vor dem Hauptportal des Doms, in der ein Ende der Frauendiskriminierung in der Kirche gefordert wurde. Die von den Vertreterinnen und Vertretern der "Wir sind Kirche"-Eichstätt verwendete Forderung "Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern!" zielte auf die Zulassung von Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen. Ca. 40 Jahre zuvor hatte die "Würzburger Synode" mit den Stimmen der deutschen Bischöfe für die Zulassung von Diakoninnen votiert. Dieses Votum verschwand allerdings in einer der vielen vatikanischen Schubladen und wird bis heute ignoriert.

Foto: Eva Chloupek, DONAUKURIER


Kurz vor Beginn der Mahnwache standen Besucherinnen und Besucher des Doms plötzlich vor verschlossenem Hauptportal. Auf Nachfrage erklärte ein junger Mann mit der Armbinde "Kirchendienst", dass eine Demonstration stattfinde, die im EICHSTÄTTER KURIER vor wenigen Tagen mit "Demo vor dem Dom" angekündigt worden sei und daher das Tor verschlossen wurde. Gleichzeitig hatte die Bistumsleitung dafür gesorgt, dass die ca. 200 Teilnehmerinnen am Tag der Frauen im Kirchenzug nicht durch das Hauptportal, sondern durch einen Seiteneingang den Dom betreten konnten.

Hatte Bischof Hanke schon beim letzten Hochfest der Diözesanpatronin Walburga sein Frauenbild ("…hl. Walburga, die in ihrem benediktinischen Doppelkloster manche Demütigung gerade von Männern der Klostergemeinde hinnehmen musste. Sie ließ sich nicht auf Widerstreit ein. Walburga kämpfte gegen nichts und niemanden, sondern nur für Christus." - Ist es da verwunderlich, dass der Eichstätter Bischof mit kritischen, selbstbewussten und fordernden Frauen und Männern Probleme hat und das Hauptportal des Doms und sich selbst einem Dialog mit diesen "unbequemen" Gläubigen verschließt? In diesem Zusammenhang interessant ist die KNA-Meldung vom 3. Juli 2013, in der Papst Franziskus mit folgenden Worten zitiert wird: "Wir sind alle gleich. Und wenn einer sagt: ‚Herr Papst, Sie haben doch nicht den gleichen Rang wie wir', dann sage ich: "Doch, den habe ich. Ich bin einer von Euch."

Am 3. Juli 2013 gab das Bistum Eichstätt die Errichtung einer Arbeitsgruppe Geschlechtergerechtigkeit bekannt, die von den deutschen Bischöfen formulierten "Ziele für das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche" konkretisieren soll. Hauptanliegen sei "eine gegenseitige Bereicherung in der in der Zusammenarbeit von Frauen und Männern, Priester und Laien im Dienst und Leben der Kirche". Anstatt Geschlechtergerechtigkeit bei Weiheämtern anzustreben, begegnet man u. a. Sätzen wie "Für ein gelingendes Miteinander von Männern und Frauen ist die Annahme der in den biblischen Schöpfungstexten grundgelegten Geschlechterdifferenz, d. h. die Achtung des eigenen Mann- bzw. Frauseins bei gleicher unveräußerlicher Würde grundlegend.".
Die "Wir sind Kirche"-Eichstätt sieht in solchen Äußerungen den Versuch der Bistumsleitung, von dem unwürdigen Umgang mit Frauen abzulenken, die sich als Diakoninnen und Priesterinnen von Gott berufen fühlen und denen die Amtskirche die Zulassung verweigert. Es stellt sich die Frage: Wann erkennen das auch bisher weniger kritische Frauen? Es ist eine ungeheure Anmaßung, dass die Päpste, vor allem der letzten Jahrhunderte, Jesus Christus unterstellen: Nur Männer könnten gültig geweiht werden, weil es Gottes Wille sei. Im Umkehrschluss heißt das: Frauen seien von Jesus Christus ausdrücklich von der Weihe zur Diakonin oder Priesterin ausgeschlossen worden!



Info 6. Juni 2013

Schluss mit Ausschluss der Frauen von Weiheämtern!

Wenn am 6. Juli 2013 Anhängerinnen und Anhänger der "Wir sind Kirche"-Eichstätt für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern in der katholischen Kirche vor dem Eichstätter Dom demonstrieren, werden sie auch Fragebögen und fotografische Abbildungen zu diesem Thema verteilen. Auf einem Foto der Hl. Walburga von Heidenheim, Patronin der Diözese Eichstätt,
befindet sich die Aufschrift: "Schluss mit dem Ausschluss der Frauen von Weiheämtern! Heilige Walburga, bitte für uns! www.wir-sind-kirche.de/eichstaett, Statue 15. Jh., Hauptportal Dom zu Eichstätt"

Walburga war Missionarin, Äbtissin des Doppelklosters (Frauen und Männer) Heidenheim am Hahnenkamm und eine bedeutende Heilige, Schwester des Hl. Willibald und Hl. Wunibald. Sie wurde vor 1.300 Jahren in England geboren und starb 779 in Heidenheim.

Wenn es auch viele Katholikinnen und Katholiken gibt, die die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche fordern, so existieren bei manchen Gläubigen Vorbehalte, Frauen den Zugang zur Diakonin, Priesterin oder Bischöfin zu ermöglichen. Wie sich in diesen Fällen zeigt, hängt dies weniger mit rationalen Gründen zusammen. Es zeigt sich fehlendes Wissen über den bisher von der Amtskirche vertretenen Standpunkt hinaus. Aus diesem Grund werden bei der Aktion am 6. Juli 2013 Fragebögen verteilt, die zum Gespräch und zur Wissensvertiefung herausfordern können. Hier die Fragen:

Fragen zur Aktion
"Schluss mit dem Ausschluss der Frauen vom Priesteramt"


1. Wie begründen Päpste und Bischöfe den Ausschluss der Frauen von Weiheämtern?

2. Gab es in der frühen Kirche Apostellinnen und Gemeindeleiterinnen?

3. Hat Paulus Phoebe, Prisca, Thekla, Junia u. a. als Diakoninnen mit der Befugnis zu predigen, lehren und leiten eingesetzt?

4. Halten Sie die Tatsache, dass Christus als seine Apostel 12 Männer bestimmte, für zeitbedingt oder als bewussten Ausschluss von Frauen?

5. Hat Christus die Weiheämter in der katholischen Kirche eingesetzt?

6. Erinnert Sie die lang erfolgte Nichtzulassung von Ministrantinnen an die Nichtzulassung von Diakoninnen und Priesterinnen?


7. Halten Sie Frauen als Seelsorgerinnen ungeeignet für ein Weiheamt?

8. Wenn ja, warum?

9. Wer waren die ersten ZeugInnen der Auferstehung?

10. Wer neigt mehr zur Machtausübung in der Kirche, Frauen oder Männer?

11. Was ändert sich, wenn Frauen Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen werden?

12. Hat die "Würzburger Synode" vor fast 40 Jahren für Diakoninnen votiert?


"Wir sind Kirche"-Eichstätt, Humboldtstr. 3, 85049 Ingolstadt,
www.wir-sind-kirche.de/eichstaett



Auszüge aus der Predigt von Bischof Hanke am Hochfest der Diözesanpatronin hl. Walburga, 25 Februar 2013:

"Als Kirche können wir es uns nicht leisten, unsere Kräfte fortwährend durch innerkirchliche Diskussionen zu binden und der Welt das Zeugnis unseres Gottesglaubens schuldig zu bleiben."

"In Krisen der Kirchengeschichte waren es immer wieder Frauen, die Wege in die Zukunft anstießen."

"Es ist oft das Charisma, das sich in Krisenzeiten als Brücke des HL. Geistes für die Zukunft der Kirche erweist. Weil die Frauen den Dienst der Wegweisung nicht über das sakramentale Amt einbringen, können sie das Charisma in umso größerer Freiheit leben: nämlich die Berufung aller Glieder der Kirche zur Heiligkeit."

"Die Laien können nicht einfach als verlängerter Arm des Klerus begriffen werden, der Klerus nicht als Zentrum der Kirche; das sakramentale Dienstamt ist keine Rechtfertigung subjektivistischer Machtansprüche. Über der Vielfalt im Leibe Christi steht die Berufung aller zur Heiligkeit. Wird dieser wichtige Aspekt der Kirchenkonstitution übersehen, verlieren wir unsere Berufung und Sendung aus den Augen und kämpfen stattdessen um ‚Anrechte' und Macht. Vernachlässigt die Kirche die übergreifende Berufung zur Heiligkeit, schwankt sie zwischen Klerikalismus einerseits und einer Kirche von unten andererseits, welche sich am Ende damit begnügt, Abbild der Gesellschaft zu sein."

"Wegweisende Frauen ließen sich weder von klerikalen Eitelkeiten und Versagen noch von Schmeicheleien gesellschaftlicher Trends beeindrucken. Unbeirrt gingen sie den Weg der Jüngerschaft, der Intimität mit Christus. Der Liebe zu Christus nichts vorziehen: Unter diesem Wort der Benediktsregel stand auch das Leben der hl. Walburga, die in ihrem benediktinischen Doppelkloster manche Demütigung gerade von Männern der Klostergemeinde hinnehmen musste. Sie ließ sich nicht auf Widerstreit ein. Walburgs kämpfte gegen nichts und niemanden, sondern nur für Christus."

"Heilige Walburgs, bitte für uns!"

"Möge uns allen die hl. Walburga in dieser Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit Wegweiserin sein für jene Berufung, die an alle in der Kirche ergeht und die uns über unsere Grenzen hinaus einigen kann, die Berufung zur Heiligkeit, der Berufung zur Intimität mit Christus, auf dass Christus in uns immer mehr Gestalt annimmt."

Quelle: Pressestelle Bistum Eichstätt, Bischof G. M. Hanke OSB. Im Wortlaut


Info 25. Mai 2013

Einladung zur Aktion "Glaube öffnet Türen" der
"Wir sind Kirche-Eichstätt" zum Frauentag in Eichstätt

anlässlich der Willibaldswoche
am Samstag, 6. Juli 2013, 16,30 bis 17,00 Uhr
vor dem Hauptportal des Doms

Wir glauben, dass Frauen von Gott zu Priesterinnen berufen sind!
Wir fordern ein Ende der Frauendiskriminierung in der Kirche!
"Türen öffnen - Frauen als Botschafterinnen des Glaubens!"


"Glaube öffnet Türen" ist das Motto der Willibaldswoche 2013 im Bistum Eichstätt. Nur schöne Worte? Bischof Gregor Maria Hanke spricht in diesem Zusammenhang vom Bistumspatron Willibald, einem "Beispiel, wie der Glaube neue Perspektiven eröffnen kann".

Zur Eröffnung der Willibaldswoche wird am 6. Juli 2013 der "Tag der Frauen" gefeiert. Nach der feierlichen Eröffnung durch Bischof Hanke im Festzelt spricht die Schönstätter Marienschwester Dr. M. Nurit Stosiek über "Türen öffnen - Frauen als Botschafterinnen des Glaubens". Anschließend geben vier Frauen unterschiedlichen Alters persönliche Statements "Was mir im Glauben wichtig ist". Um 17 Uhr feiert der Bischof mit den Frauen ein Pontifikalamt im Dom.

Es ist anzunehmen, dass an diesem Tag die Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche nicht zur Sprache kommt, nämlich die Nichtzulassung von Frauen als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen. Daher sieht es die "Wir sind Kirche"-Eichstätt als ihre Verpflichtung an, mit einer eigenen Aktion "Glaube öffnet Türen" an diesem Tag und an diesem Ort auf die immer noch "verschlossenen Türen" für Frauen in der Kirche hinzuweisen. Die ausschließlich von Männern geleitete Kirche verweigert Frauen ohne bibeltheologische Begründung die Weihe zur Diakonin, Priesterin oder Bischöfin.

Öffnet der Glaube wirklich Türen in unserer Kirche, wenn Männer von Gott berufenen Frauen die Türen in der Kirche verschlossen halten? Wie sieht unsere Kirche aus, wenn Frauen und Männer sich die Leitungsmacht in der Kirche teilen und entsprechend ihrer unterschiedlichen Charismen pastoral arbeiten?

Wir sind davon überzeugt, dass die Kirche glaubwürdiger und menschenfreundlicher wird, sich stärker an der Botschaft Christi orientiert und die Zeichen der Zeit (Aggiornamento) besser erkennt! Machen Sie mit bei unserer halbstündigen Aktion! Wir bitten um baldige Anmeldung per Telefon oder Email. Mitfahrgelegenheit ab Ingolstadt besteht um 15,30 Uhr!

Eichstätt, den 29. Mai 2013

"Wir sind Kirche"-Eichstätt
c/o Walter Hürter, Humboldtstr. 3, 85049 Ingolstadt, T 0841/33704
awhuerter@t-online.de,
www.wir-sind-kirche.de/eichstaett

Übrigens: Vor über 1200 Jahren war Walburga, Schwester des Willibald und Wunibald, Äbtissin eines mächtigen Männer- und Frauenklosters (Doppelkloster in Heidenheim)! Wäre das auch heute möglich? - Die von Paulus erwähnte Apostelin Junia wurde im 13. Jahrhundert. zum Apostel Junias "umgetauft", weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte! - Der frühere Wiener Weihbischof Helmut Krätzl erkannte schon vor vielen Jahren die Frauenfrage als Schicksalsfrage der Kirche!

Info 5. Mai 2013

Presse-Erklärung der deutschen Sektion "Römisch-katholische Priesterinnen" zum Streit um Diakonat für Frauen

"Zollitsch will Frauen als Diakone zulassen" - das berichtet die Sächsische Zeitung in ihrer "online"-Ausgabe vom 28.04.13.
Zum Abschluss der viertägigen Diözesanversammlung in Freiburg (Br.), auf der Reformvorschläge auf verschiedenen Gebieten verabschiedet wurden, rief der Erzbischof dazu auf, "die Reformdebatte in der katholischen Kirche fortzuführen".
"Wir wollen hier in Deutschland den Spielraum, den wir haben, nutzen und Veränderungen anstoßen", sagte Zollitsch, "der Diakonat der Frau sei kein Tabu". Einschränkend meinte er jedoch, "dies aber auf der Grundlage der Lehre der katholischen Kirche", was bedeute, dass das Priesteramt weiter den Männern vorbehalten bleibe. Für Frauen werde es ein ‚spezielles Amt als Diakoninnen' geben, - anscheinend also doch kein gleichrangiges Diakoninnenamt!?

Trotz dieser fundamentalen Einschränkung gab es gegen den Reformvorschlag von Erzbischof Zollitsch sogleich heftigen Widerspruch von Seiten des neuen Regensburger Bischofs Voderholzer. Er erklärte: Genauso wie das Priester- und Bischofsamt gehöre der Diakonat untrennbar zum Weihesakrament. Dieses Sakrament sei gemäß der biblisch begründeten Tradition der Kirche Männern vorbehalten.

Offensichtlich scheut sich keiner dieser hohen Amtsträger, das Prinzip:
"... den Männern vorbehalten" zu verwenden, obwohl es dem Geist Jesu Christi diametral widerspricht! Denn "in Christus" gilt auf Grund von Glauben und Taufe "nicht .... männlich und weiblich" (Gal 3,28). Wann endlich wird diese christliche Botschaft in ihrer Bedeutung anerkannt und auch in den kirchlichen Strukturen (Ämterordnungen etc.) verwirklicht!?

Wir, Mitglieder der internationalen Bewegung "Römisch-Katholische Priesterinnen" (RCWP), haben - übrigens in Übereinstimmung mit dem Report der Päpstlichen Bibelkommission von 1976 - längst nachgewiesen, dass sich der Ausschluss der Frauen von Diakonat und Priesteramt vom NT her nicht begründen lässt und auf unhaltbaren theologischen Argumenten basiert. Dem entsprechend haben wir gehandelt und sind unserer von Gott gegebenen Berufung zum diakonalen und priesterlichen Dienst gefolgt.
"Veritas vincit - die Wahrheit wird siegen" - auch im Hinblick auf Diakonat und Priesteramt für Frauen!

Für die deutsche Sektion der internationalen Priesterinnenbewegung (RCWP) -
Ida Raming, Dr. theol., Stuttgart, 03.05.2013


Info 29. April 2013

Schwester Karoline Mayer vollendet morgen ihr 70. Lebensjahr

Zwei Tage vor Vollendung ihres 70. Lebensjahrs folgte Schwester Karoline einer Einladung zum Vortrag mit Diskussion durch die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt, der Straßenambulanz St. Franziskus und der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt. Sie gehört zu den bemerkenswerten Persönlichkeiten aus dem Bistum Eichstätt. Sie lebt seit 45 Jahren in Chile, davon mehr als 40 Jahre mit den Armen und Benachteiligten in den Slums der Hauptstadt. Häufig wird sie als Mutter Theresa der Anden bezeichnet.



Geprägt vom Konzil und der Theologie der Befreiung sieht sie die persönliche Verpflichtung, in Gemeinschaft mit und für die Armen zu leben und zu arbeiten. Sie sprach wiederholt davon, dass wir Kirche sind und alle, selbstverständlich auch Papst und Kleriker, der Gemeinschaft dienen müssen. Schwester Karoline äußerte sich sehr kritisch über die Betonung der Hierarchie und beklagte, dass z. B. der heutige Kardinal Sodano von 1977 bis 1988 als Nuntius verheerend für die Kirche in Chile gewirkt hat. Ebenso kritisch sieht Schwester Karoline die Ernennung von sechs Bischöfen für Bolivien, die alle aus dem Ausland kommen. Josef Kardinal Ratzinger habe schon als Professor in Regensburg und langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation nicht den Kern der katholischen Befreiungstheologie verstanden. Bei ihrer Arbeit für die Armen und Benachteiligten hat sie häufig bei ihren zuständigen Bischöfen Verständnis und Unterstützung erfahren.

Schwester Karoline setzt große Hoffnung auf Papst Franziskus, der durch seine Einstellung und Erfahrung mit den Armen weg vom bisherigen Pomp zu den notwendigen Reformen verhelfen kann. Sie ist davon überzeugt, dass kein Weg daran vorbeiführt, Frauen und Verheiratete zum Priesterdienst zuzulassen. Ansonsten habe die Kirche keine Zukunft. Sie forderte, dass die ChristInnen als Getaufte aufstehen und sich ihrer Würde und Verantwortung bewusst werden.

Die zahlreichen Zuhörer/innen waren beeindruckt von den authentischen und glaubwürdigen Äußerungen der Referentin, die sich noch einige Wochen in Deutschland aufhält, um zahlreiche Termine bei ihren Unterstützerkreisen und beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg wahrzunehmen.

Wer die Arbeit von Schwester Karoline Mayer in Südamerika unterstützen will, kann an Cristo Vive Europa
Kto. 9670068
BLZ 721 916 00
Hallertauer Volksbank
spenden. Für eine steuerlich abzugsfähige Bescheinigung wird die Angabe der Adresse auf dem Überweisungsformular benötigt.

Info 23. April 2013

Sr. Florence Deacon OSF setzt große Hoffnung
auf Papst Franziskus


Die Franziskanerin und Präsidentin des Dachverbands der amerikanischen Ordensoberinnen (LCWR) Sr. Florence Deacon OSF




setzte bei ihrem Vortrag am 22.04.2013 in der Aula der Hochschule für Philosophie "Franziskus, erneuere unsere Kirche!" große Hoffnung auf den neuen Papst, dass dieser mehr Verständnis für die Haltung und Arbeit der US-amerikanischen Ordensfrauen aufbringe als das bisher von der Kirchenleitung geschehen sei. Die Frauen versuchen, durch Glauben und Handeln Gottes Geist vor allem in der Zuwendung zu den Armen und Ausgegrenzten zu verkünden. Der von ihr geführte Dachverband der Ordensoberinnen trägt seit Jahren einen Konflikt mit Bischöfen und Kurie aus, in dem er sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzt, radikale feministische Positionen sowie keine eindeutige amtskirchliche Haltung zu Fragen der Frauenordination, Abtreibung und Homosexualität öffentlich zu vertreten. Sr. Deacon erklärte, dass die Ordensfrauen Wert darauf legen, hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, um ihr Verhandlungsziel nicht durch verzerrende Darstellungen in der Presse zu gefährden. Sie ist zuversichtlich, dass Papst Franziskus durch seine persönliche Erfahrung als Bischof mit den Armen ihre Arbeit unterstützen werde.

Mitglieder der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt waren beeindruckt von der Ausstrahlung der Rednerin und ihren Äußerungen, die von der Arbeit einer äußerst glaubwürdigen Kirche zeugten. Sie zeigten mit den vielen anderen Zuhörerinnen und Zuhörern starke Zeichen der Solidarität.
Ein ausführlicher Kommentar erschien am 19. April 2013 im "NATIONAL CATHOLIC REPORTER", der unter dem Titel "Vatikan und LCWR nähern sich kritischem Punkt - Gehen die Wege auseinander?", der hier gelesen werden kann.

Info 22. April 2013

Bischof Hanke scheint das Wort "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg. 5,29) nicht zu kennen.

Der den Dialog mit kirchenkritischen Gruppierungen, wie "Wir sind Kirche", nach wie vor verweigernde Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke weihte am 20.04.2013 drei Priester für die Diözese Eichstätt, von denen zwei aus anderen Bistümern stammen. In seiner Predigt sprach er u. a. davon: "Einheit wächst aus leeren Händen, die im Dienst der größeren Liebe des Herrn stehen". Dies würde sichtbar in der Haltung der Besitzlosigkeit, der Ehelosigkeit und Machtlosigkeit, wie es in der Pressemitteilung des Bistums vom 20.04.2013 heißt. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt fragt sich angesichts dieser Äußerungen, wie denn die Realität in unserer Kirche aussieht. Nimmt z. B. ein Bischof nicht "sein" Bistum in Besitz und übt er nicht Macht aus, die durchaus nicht immer christlichen Grundsätzen gerecht wird?

Wer wundert sich, dass Bischof Hanke im weiteren Verlauf seiner Predigt auf die Haltung des Gehorsams zu sprechen kommt, "bei der Verkündigung, die nicht eigenen Anliegen und Thesen, sondern dem Auftrag und Geist der Kirche zu dienen hat". In seiner Pressemitteilung heißt es: "Ungehorsam in der Kirche hieße die Antwort auf die Frage des Herrn zu verweigern: Liebst du mich mehr als diese." Damit spielt der Bischof offensichtlich auf die aus Sorge um die Kirche sich immer stärker äußernden Priestergruppen an, deren Mitglieder aus persönlichen Gewissensgründen in wenigen Bereichen Bischöfen den Gehorsam verweigern. Sie berufen sich auf das Wort aus der Apostelgeschichte: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Eichstätter Bischof gehört zu den Bischöfen, die bewusst oder unbewusst Kritik an der Kirchenleitung und Aufforderung zum Ungehorsam gegen ungerechtfertigte Bestimmungen der Institution gleichsetzen mit Ungehorsam gegenüber Gott. Dem muss mit Entschiedenheit widersprochen werden.

Bischof Hanke sollte sich einmal Gedanken darüber machen, inwieweit sein betont angepasstes Verhalten in der Hierarchie problematisch ist, ebenso wie die Angepasstheit "seiner Umgebung", die Mitglieder des Domkapitels und vieler Priester und Laien. Zur Mündigkeit der Christen gehört notwendigerweise die Bereitschaft zum Dialog, zur Auseinandersetzung "auf Augenhöhe". Daran fehlt es im Bistum Eichstätt erheblich. Dafür ist der Bischof in erster Linie verantwortlich. Der Nachwuchsmangel bei Priestern ist nur ein Indiz dafür. Da helfen noch so aufwändige Bemühungen bei der Berufung und Ausbildung von Priestern nicht. Die Gehorsamserwartungen des Bischofs und die damit verbundene Einschränkung der persönlichen Freiheit führen zu einer negativen Auslese von Priestern. Die mündigen und Reformen verlangenden Gläubigen verlieren zunehmend die Hoffnung auf die Reformwilligkeit und Reformfähigkeit der Kirchenleitung und emigrieren innerlich bzw. äußerlich.

Info 20. April 2013

Einladung zum Vortrag "Über 40 Jahre Leben mit den Armen" am 28. April 2013, 19 Uhr, Haus der Katholischen Stadtkirche in Ingolstadt, Hieronymusgasse 3

Schwester Karoline Mayer, aus Pietenfeld bei Eichstätt stammend, lebt seit über 40 Jahren in Südamerika Kirche, wie sie Papst Franziskus unmittelbar nach seiner Wahl gefordert hat. Zu ihrer Arbeit in den Slums sagt Schwester Karoline: "Ich habe gelernt, von den Nöten der Leute auszugehen, und dass die Hilfe nicht für die Leute, sondern zusammen mit ihnen erfolgen muss, in dem Maß, in dem sie sie mittragen können." Stark geprägt durch das II. Vatikanische Konzil und die Theologie der Befreiung hat Schwester Karoline mit außergewöhnlichem Engagement, hoher Glaubwürdigkeit und seltener Tatkraft ein christliches Lebenswerk mit weltweiter Anerkennung geschaffen.
Foto: cristo vivo

Zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt und der Straßenambulanz St. Franziskus lädt die
"Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt herzlich zum Vortrag mit Diskussion ein.

Info 12. April 2013

"Franziskus, erneuere unsere Kirche!" - Ordensfrauen in den USA und ihr unbedingter Einsatz für die Armen - Einladung zum Vortrag von Sr. Florence Deacon, OSF am 22. April 2013 in München

Auf Einladung von "Wir sind Kirche" spricht am Montag, 22. April 2013, 19 - 21 Uhr, in der Aula der Hochschule für Philosophie, Kaulbachstr. 31 a, 80539 München (U3/U6 "Universität") die Präsidentin von LWCR (Dachorganisation katholischer Ordensfrauen in den USA) über o. g. Thema. Es besteht Mitfahrgelegenheit ab Ingolstadt per Bayernticket. Interessierte melden sich bitte unter 0841/33704 bzw. per Mail awhuerter@t-online.de .

Der LWCR vertritt 80 % der ca. 57.000 Ordensfrauen in den USA. An diesem Wochenende nehmen Vertreterinnen dieses Verbandes in Luzern den Preis der "Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche" (siehe hier) entgegen. Die Dachorganisation wehrt sich seit 2008 gegen Vorwürfe der römischen Kurie, sie vertrete radikale feministische Positionen, wie die Einstellung zur Frauenordination in der katholischen Kirche, zur Abtreibung oder zu Fragen der Homosexualität, die mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar seien. Dem widersprechen die Ordensfrauen entschieden und bezeichnen die Behandlung durch Rom als substanzlos und verletzend. Nähere Informationen im nachfolgenden Bericht über Schwester Florence Deacon!

Info 10. April 2013

Papst Franziskus und die Frauenfrage

Als am 9. März 2013 im Rahmen des Internationalen Frauentages die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt über Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche und die damit verbundene Diskriminierung informierte,

Karl Graml informiert seit Jahren über die Notwendigkeit, Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche zu beseitigen und zu allen Diensten zuzulassen.

ahnte noch keiner, dass wenige Tage (13. März 2013) später Papst Franziskus gewählt werden würde. In den ersten vier Wochen hat der neue Papst Zeichen in Wort und Tat gesetzt, die Hoffnung auf Reformen machen. Unmittelbar vor seiner Wahl war er in einer Rede vor der Kardinalsversammlung über die "kirchliche Selbstbezogenheit" und den "theologischen Narzissmus" scharf ins Gericht gegangen. Er fordert eine "arme Kirche für die Armen". Sein schlichtes Auftreten direkt nach der Papstwahl und in Folge, besonders eindrucksvoll die Fußwaschung von männlichen und weiblichen jugendlichen Strafgefangenen, haben weltweit tiefen Eindruck hinterlassen. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt erwartet vom neuen Papst, der bisher als theologisch konservativ beschrieben worden ist, dass er endlich die "Frauenfrage" als Schicksalsfrage der Kirche begreift und ebenfalls klare Zeichen der Zeit setzt. Die katholische Kirche braucht sehr bald nicht nur Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche, sondern auch die aktive Mitwirkung von Frauen in der Führung der Kirche in allen Bereichen. Dazu gehört die Zulassung von Frauen als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen.

Info 28. Februar 2013

Zum Leserbrief „Priester brauchen heute viel Mut“ – DK 28.02.2013

Frau Ingrid M. Reiß erweckt in ihrem Beitrag den Eindruck, als ob die evangelischen Kirchen ein Kirchenbild von "Kirche light" praktizieren und "Wir sind Kirche" ähnliches fordere. Sie warnt die Reformbewegung vor Realitätsverlust und erklärt, dass deren ständig wiederholten Ratschläge zur Rettung der katholischen Kirche unwirksam seien. Es gehe um die "unverkürzte Lehre Christi", die ein "Stachel im Fleisch eines jeden Menschen "sei und daher nicht gewünscht wäre.

Diese Äußerungen und die über den Mangel an Pfarrernachwuchs beweisen ein nicht unerhebliches Maß an Unkenntnis. "Wir sind Kirche" geht es um Reformen für eine glaubwürdigere Kirche, die die Zeichen der Zeit im 21. Jahrhundert erkennt und sich stärker als bisher an den Aussagen der Bibel orientiert. Dazu passt keine Organisation mit feudalen Strukturen, die ausschließlich männlich geführt wird, Kleriker aufs Podest hebt und das Kirchenvolk, insbesondere die Frauen, zum Fußvolk degradiert. Wo erkennt sie als ausgebildete Psychologin bei dem kirchlichen Machtapparat die Beachtung "der unverkürzten Lehre Christi"? Der Zwangszölibat zum Beispiel verhindert nicht nur bei vielen Menschen den Zugang zum Priesterdienst, sondern führt bei vielen Priestern zu Belastungen in der Einsamkeit oder in der Wahrung des Zölibatsanscheins. Das fehlende weibliche Element in der Kirchenleitung und als Priesterinnen hat zu einer Kirchengemeinschaft geführt, die einseitig männlich dominiert ist und nicht oder kaum berücksichtigt, wie Frauen sehen, hören, fühlen, denken und handeln. Die katholische Kirche braucht mehr Wahrhaftigkeit, weniger Zentralismus und stärkere Orientierung an den geistigen und materiellen Bedürfnissen der Menschen im Sinne der Botschaft Christi.

Immer weniger Pfarrer können sich mit der Kirchenpolitik der letzten Jahrzehnte identifizieren. Wer wundert sich, dass geeignete Bewerber und Bewerberinnen einfach wegbleiben und die weniger Geeigneten (bis auf Ausnahmen!) zum Zuge kommen. Eindeutig sind die Ansprüche an die persönliche Befähigung von Priesteramtskandidaten, nicht erst seit Bischof Mixa, reduziert worden. In den evangelischen Kirchen liegt nach Jahren zu vieler Anwärterinnen und Anwärter auf Pfarrerstellen ein Nachwuchsmangel darin begründet, dass diese nicht oder nur befristet und zu verschlechterten Konditionen ein Angebot erhalten habe, was auf unsere Kirche nicht zutrifft..

Es wird nie ein perfekte Kirche geben, aber die evangelischen Kirchen erscheinen in vielen Bereichen nicht nur zeitgemäßer, sondern auch glaubwürdiger als die katholische Kirche .Wichtig wäre, darüber in unserer Kirche zu reden, auch zu streiten und zu verändern. Es ist schon erstaunlich, wie Konservative sich als "letzte Glaubensstarke" sehen und Reformerinnen und Reformern die Glaubensstärke absprechen.


Info 26. Februar 2013

Bischof Hanke warnt von innerkirchlichen Diskussionen - Gender-Theorie gefährde Wertekanon der Gesellschaft

Beim Fest der Eichstätter Diözesanpatronin Walburga am 25. Februar 2013 bewies der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke erneut, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkennt. In der Pressemitteilung seiner Pressestelle vom gleichen Tag heißt es u. a.: "Die Kirche kann es sich angesichts gewaltiger Herausforderungen und Umbrüche in der Gesellschaft nicht leisten, die Kräfte durch innerkirchliche Diskussionen zu binden und der Welt das Zeugnis des Gottesglaubens schuldig zu bleiben." Christen sollten sich nicht in der "Beschäftigung mit sich selbst verheddern, sondern nach der ‚Grundfigur des Christseins' suchen. Etwas weiter heißt es: "Weil unter Christen vieles unklar sei, gebe es immer wieder Kontroversen, in die sich Machtansprüche wie auch Angst vor Ohnmacht in der Kirche als Motive untermischen. Das Ergebnis sei der Protest gegen die so genannte Amtskirche, der Aufruf zum Ungehorsam. … Doch die Forderung nach ‚Reform' setze die ‚Form' voraus. Man müsse fragen, ob heute noch klar sei, nach welchem Bild sich Kirche zu formen habe: nach den gesellschaftlichen Trends und Entwicklungen oder nach den Vorgaben der Tradition."

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt sieht in diesen Äußerungen die Haltung eines Amtsträgers, der sowohl beratungsresistent ist, als auch nicht die Notwendigkeit zum Dialog mit Andersdenkenden in der Kirche erkennt. Warum bemüht sich z. B. diese Reformgruppe bisher erfolglos um einen Dialog mit ihrem Bischof? Geschieht das wegen der "Machtansprüche" oder aus "Angst vor Ohnmacht"?

Auch die Meinung des Eichstätter Bischofs zeugt von einer verkürzten und überholten Problematisierung der Genderthematik. Dies beweist einen mangelnden Dialog mit den Frauen in der Kirche, die sich der Frauenbewegung zugehörig fühlen. Die Fachbereichsleiterin für Frauenseelsorge im Erzbistum München und Freising, Wiltrud Huml, wies in einem Aufsatz "Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche" u. a. darauf hin: "Eine Verschleierung der Verschiedenheit der Geschlechter, wie sie die vatikanische Erklärung kritisiert, kann heute - von Ausnahmen abgesehen - weder in der Wissenschaft noch in der Politik noch in der Frauenbewegung festgestellt werden. Im Gegenteil: Fast alle neuen Ansätze gehen von der Verschiedenheit der Geschlechter und der Differenz innerhalb eines Geschlechts aus. (….) Justitia et Pax knüpft an das Schreiben der deutschen Bischöfe von 1981 ‚Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft' an, in dem gefordert wird, dass die Kirche ‚Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und -wirken von Männern und Frauen' sein soll. Der weltweite Einsatz der Kirche für soziale Gerechtigkeit ist nur glaubwürdig, wenn das Kriterium der Geschlechtergerechtigkeit eine durchgängige Perspektive kirchlicher Praxis wird. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist der kritische Blick auf die eigene Gendergeschichte nötig: ‚Denn auch sie hatte in der Vergangenheit großen Anteil an der Ausprägung traditioneller Rollenbilder, die sie im Rückblick oftmals als einseitig und schädlich einschätzen muss. Solche Rollenbilder haben Handlungsmuster begründet und selbstverständlich erscheinen lassen, welche zu großen Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern führten und zum Teil bis heute wirksam sind' Ein genauer Blick auf das Miteinander der Geschlechter in der pastoralen Arbeit zeigt folgendes Paradox: ‚Während ein Großteil derer, die für die konkrete Umsetzung pastoraler Programme an der Basis zuständig sind, aus Frauen besteht, sind die pastoralen Methoden und Inhalte oftmals auf höherer Ebene von Männern erstellt und nach männlichen Wahrnehmungs- und Kommunikationsmustern aufbereitet.'"

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt erwartet von ihrem Bischof ein Überdenken seines, ausschließlich an der Tradition, orientierten Denkens. Dazu kann ein Miteinandersprechen von Bischof und Vertreterinnen und Vertretern der Reformbewegung beitragen.


Info 25. Februar 2013

Epikie - Die vergessene Tugend des Ungehorsams

Auszüge aus einem Artikel von Ursula Baatz, Philosophin und Religionsjournalistin, Seite 9 f. in "brennstoff" Nr. 31, Januar 2013:

"Ungehorsam gilt seit der Antike als Tugend. Wer Gesetze nicht beachtet, weil diese Gesetze unzureichend sind, und stattdessen das Bessere als das gesetzlich Vorgeschriebene tut, der handelt ethisch gut. Denn die ‚Epikie' dient dem individuellen und dem Gemeinwohl, sagt der griechische Philosoph Aristoteles." …

"Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil tauchte die Epikie auch in der Theologie wieder auf - z. B. heißt es in dem moraltheologischen Lexikon des Wiener Theologen Karl Hörmann (1976), ‚jeder ist zu situationsrichtigem Verhalten verpflichtet und berechtigt', gemeint ist dabei nicht das schlaue Umgehen der gesetzlichen Forderung, sondern das Streben nach der Sachrichtigkeit, die manchmal gegenüber der gesetzlichen Forderung das Leichtere, manchmal auch das Schwerere sein kann." Die österreichische Pfarrerinitiative könnte sich mit dem ‚Aufruf zum Ungehorsam' auf diese christliche Tradition berufen.



copyright Annelie Hürter



Allerdings neigen Menschen eher zu Gehorsam als zu Ungehorsam. Das zeigt das Experiment, das der US-amerikanische Psychologe Stanley Milgram 1961 entwarf. Echte Testpersonen mussten auf Anordnung des Versuchsleiters einer (unechten) Versuchsperson, dargestellt von einem Schauspieler, in einem Gedächtnistest (scheinbar) schmerzhafte Elektroschocks verpassen. Rund zwei Drittel der Testpersonen gingen bis zur höchsten Stufe, bei der selbst die (gespielten) Schmerzensschreie verstummten. Rund ein Drittel brach den Versuch allerdings vorzeitig ab. Der Versuch wurde mit ähnlichen Ergebnissen in den letzten Jahren verschiedentlich wiederholt.

Es ist offensichtlich einfacher, zu gehorchen, als ungehorsam zu sein. Wer gehrosam ist, kann sich - wie das Experiment zeigte - auf Anordnungen ausreden; oder auf die Angst vor den Konsequenzen , die von der ‚Autorität' erwartet werden. Viele ‚Gehorsame' waren zwar von Angst und Zweifel gequält, fuhren aber mit der ‚Bestrafung' fort - weil die Autorität dies anordnete. Sie schafften es nicht, ihr persönliches Gefühl, an Unrecht mitzuwirken, in die Handlung der Verweigerung umzusetzen. die ‚Ungehorsamen', die das Experiment abbrachen, konnten dagegen aus den Gefühlen von Angst und Verwirrung, die sie mit den ‚Gehorsamen' teilten, eine eigenständige Motivation gewinnen - und ‚ungehorsam' sein.

Gehorsam setzt, so Milgram, zunächst eine freiwillige Zustimmung zur Unterordnung voraus, die dann als Verpflichtung der Autorität gegenüber erfahren wird. So waren die Versuchspersonen eher bereit, der (gespielten) ‚Testperson' unerträgliche Schmerzen zuzufügen, als die ‚Gefühle' des ‚Versuchsleiters' zu verletzen. Dies wird durch den ‚Konformitätsdruck' von Gruppen unterstützt. Der Psychologe Solomon Asch zeigte dies 1951 in einem Experiment, bei dem die (echte) Versuchsperson die Länge von drei Linien beurteilen sollte, zusammen mit anderen ‚Freiwilligen', die aber (als Teil der Versuchsanordnung ) unrichtige Antworten gaben. Je größer die Gruppe war, desto eher waren die Versuchspersonen geneigt, sich - entgegen der eigenen Wahrnehmung - dem Mehrheitsvotum anzuschließen.

‚Gehorsame' lassen sich von Autoritäten dazu überreden, ihre eigenen Wahrnehmungen und Beurteilungen einer Situation zu ignorieren und stattdessen die Ansichten der Autorität zu übernehmen. Gehorsam lebt auch von ‚überzeugenden Geschichten', die Gehorsam als notwendig erscheinen lassen. Dem dienen Ideologien aller Art - rechte, linke oder neoliberale." ….

"Doch Gehorsam ist kein Schicksal. Die gute Nachricht ist, dass etwa ein Drittel der Probanden des Milgram-Experiments die Versuchsanordnung verweigerten oder den Versuch abbrachen. Wichtig war dafür:
die Unterstützung durch andere - denn auch ‚ungehorsam' ist man leichter in der Gruppe.
kam dazu die Fähigkeit, sich in den Anderen einzufühlen (Empathie) und
moralische Autonomie.
Woraus zu schließen ist: auch Ungehorsam als Tugend, das Bessere als das Gesetz zu tun, braucht Übung - nämlich Einübung in Empathie und moralische Autonomie."

Info 18. Februar 2013

Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik distanziert sich von gloria.tv

Unmittelbar nach Erscheinen unserer Info 17. Februar 2013 hat sich der Eichstätter Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik klar und eindeutig vom Internetportal gloria.tv distanziert. Er habe noch nie bei gloria.tv gepostet. Daher habe der User "alexius" dort "mit seiner Person absolut nichts zu tun". Pytlik weist darauf hin: "Meine letzte Begegnung mit Helmut Schüller war äußerst positiv, nämlich am 30. Juni 2010 in einer gemeinsamen Diskussion im Österreichischen Fernsehen ‚kreuz & quer'. Ich hätte daher auch überhaupt keinen Grund, irgendwas gegen die Person von Helmut Schüller zu posten, und ich war auch bei den Bamberger/Eichstätter Entscheidungsprozessen überhaupt nicht eingebunden oder beteiligt, wie Sie ständig ihren Lesern insinuieren."

Nach dieser Klarstellung nimmt die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt die in der Info 17. Februar 2013 aufgestellte Äußerung "Bei letzterem mischt auch offensichtlich der Mixa-Intimus und Vizeoffizial des Eichstätter Bistums Dr. Alexander Pytlik unter dem Namen ‚alexius' mit." zurück und bittet Herrn Dr. Pytlik um Entschuldigung.

Info 17. Februar 2013

Bildungsveranstaltung "Kirche wohin?" in der Katholischen Kirchengemeinde Menschwerdung Christi, Nürnberg Langwasser u. a. mit Pfarrer Helmut Schüller

Anstelle der von den Bamberger und Eichstätter Bischöfen erzwungenen Absage der Nürnberger Fastenpredigtreihe führt die zum Bistum Eichstätt gehörende Nürnberger Pfarrei Menschwerdung Christi zu den ursprünglich geplanten Terminen Bildungsveranstaltungen unter dem topaktuellen Thema "Kirche wohin?" durch. Jeweils sonntags 17 Uhr im Gemeindesaal werden folgende Einzelthemen behandelt:

17.2. Prof. Dr. Sabine Demel: Unser Pfarrer ist eine Frau! Mehr als nur ein Traum?
24.2. Dr. Helmut Schüller: Wir sind Gottes Volk! Haben Kirchen-Bürger Rechte?
03.3. Pfr.i.R. Ferdinand Rieger: Go and Stop! Begeisterung - Ernüchterung - Ungeduld
10.3. Sr. M. Helmtrud Wendorff CJ: Gott ist parteiisch! Option für die Armen

In einer Presseerklärung vom 15.02.2013 nimmt die Pfarrei u. a. mit folgenden Hinweisen Stellung:

"Die Möglichkeit, die spannenden und auch kontroversen Themen in einer Bildungs- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen des laufenden ‚Dialogprozesses' anzubieten, schien uns wichtig."
"mit der Veranstaltungsreihe der Gemeinde M.C. keine Provokation gegenüber der Absetzung der Fastenpredigtreihe beabsichtigt sei, sondern ein konstruktiver Versuch unternommen werde, Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen, einen Raum anzubieten."
"Es sei nicht das Ziel, sich über ein Verbot hinwegzusetzen. Die Intention sei vielmehr, im Hören und Austauschen sich mit den Fragen und Zeichen der Zeit auseinander zu setzen. Es gehe keineswegs um eine Positionierung gegen die Bischöfe und nicht um Schlagzeilen, sondern um ein ehrliches Ringen und Suchen nach Wegen der Kirche von morgen."
"In dieser Veranstaltungsreihe hat jeder die Möglichkeit, sich seine Meinung zu bilden, seine Position oder Gegenposition zu finden."

Mit Hinweis auf diese Presseerklärung erklärt die Pressestelle des Bistums Eichstätt am 15.02.2013: "Mit Bedauern hat Bischof Gregor Maria Hanke zur Kenntnis genommen, dass die Nürnberger Pfarrei Menschwerdung Christi ihre Veranstaltungsreihe mit den ursprünglich für die Fastenpredigten der Stadtkirche Nürnberg vorgesehenen Referenten durchführt. In einem Gespräch mit Pfarrer Thaddäus Posielek und einer Vertreterin des Pfarrgemeinderates äußerte der Bischof seinen Wunsch, die Reihe in dieser Form abzusetzen oder in einer anderen Form zu gestalten. In dem in einer offenen Atmosphäre geführten Gespräch schlossen sich die Vertreter der Pfarrei dieser Bitte nicht an."

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt begrüßt die von der Gemeinde getroffene Entscheidung als beispielhaft und hoffnungsvoll für die Kirche von Eichstätt. Sie zollt Bischof Hanke Respekt für seine Haltung. Dabei wünscht sie sich für die Zukunft, dass der Eichstätter Bischof sich offensiver und aufgeschlossener aus eigener Einsicht mit Reformthemen auseinander setzt. Das könnte auch bedeuten, dass er sich am 24.02.2013 in der zu seinem Bistum zählenden Pfarrei mit dem ehemaligen Wiener Generalvikar und österreichischen Caritaspräsidenten Helmut Schüller an einen Tisch setzt und sich mit dessen Argumenten auseinander setzt anstatt ihn auszugrenzen.

Abschließend erklärt die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt ihr Entsetzen über die Blogbeiträge auf den Internetportalen vom kath.net und gloria.tv . Bei letzterem mischt auch offensichtlich der Mixa-Intimus und Vizeoffizial des Eichstätter Bistums Dr. Alexander Pytlik unter dem Namen "alexius" mit. Er reagiert mit einem Beitrag am 16.02.2013 "Wer will, kann dem ungehorsamen Pfarrer Thaddäus Posielek ein paar Worte schreiben. Ein kurzer Blick auf die Internetseite http://menschwerdung -christi.de reicht aber aus, um zu erkennen, dass es sich bei diesem Priester eindeutig um eine falsch erkannte Berufung handelt. Trotzdem, wäre es vielleicht eine gute Tat, gerade in der Fastenzeit. (Es folgt die ausführliche Adresse mit Tel/Fax-Nummer und E-Mailadresse!)" - Sein Beitrag folgt auf Äußerungen von

liábchrist: ":…= Kirche von unten, bis zu ganz unten von den Teufelshelfern her …Ja was der grausame Hitler nicht schaffte, schaffen bald andere"
IkCdP: "… Herr Schüller und seine Helfershelfer können meinetwegen im Rathauskeller oder auf Scheunenfesten ihr Gift verspritzen, aber nicht im kirchlichen Bereich. …"
cyprian: "Schüller sollte überhaupt keine Plattform in Räumen der katholischen Kirche bekommen, auch wenn es ‚nur' ein Pfarrsaal ist. Sein Gift wirkt dort genauso wie in der Kirche. …"

Dieser "cyprian" schreibt ein paar Stunden nach "alexius" noch einmal: "Ich habe www.menschwerdung-christi.de, auf die user alexius unten hingewiesen hat, angeklickt und bin schockiert: wenn das eine katholische Kirchengemeinde sein soll, dann bin ich sprachlos! Die ‚maulenden Gläubigen' hören natürlich nicht auf ‚ihren' Bischof Hanke, in dessen Diözese Nürnberg-Langwasser liegt. So weit ist es heute: warum kann der Bischof nicht einfach eine Inszenierung Schüllers verbieten, wenn er weiss, dass es dem Glauben der Menschen nicht einträglich ist?! Jahrelanges Schleifenlassen vonseiten der Diözese Eichstätt hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass sich solche altkatholischen Parallelstrukturen in vielen Gemeinden entwickeln konnten. Diese Nürnberger Gemeinde ist voll in den Klauen von WisiKi!"

Info 4. Februar 2013

Kommentar der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt zu den Antworten des Bamberger Generalvikars zur Absage der Nürnberger Fastenpredigten

Positiv anzumerken ist, dass im Gegensatz zum Eichstätter Generalvikar sein Bamberger Kollege sich um eine Erklärung des von vielen Gläubigen als skandalös empfundenen Predigtverbots in Nürnberg bemüht. (hier) Diese kann allerdings nicht ohne Widerspruch hingenommen werden.

Es trifft nicht zu, dass Dr. Helmut Schüller, Mitbegründer und Sprecher der österreichischen Pfarrer-Initiative primär provoziert, spaltet und nicht zum Fortschritt beiträgt. Die große Mehrheit der Gläubigen vertritt die gleiche Meinung und ist den vielen Seelsorgern in Österreich und in anderen Ländern dankbar, dass nach der jahrzehntelangen Blockade durch Papst und Bischöfe endlich gehandelt wird nach der Devise "Wo Gehorsam missbraucht wird, ist Ungehorsam gefordert!" Der ehemalige Wiener Generalvikar und Präsident der österreichischen Caritas ist im Gegensatz zur derzeitigen Kirchenleitung glaubwürdig und hat das Vertrauen der schweigenden Mehrheit.

Immer mehr Gläubige zweifeln an der Urteilsfähigkeit der Bischöfe, zu entscheiden, was "im Sinne der Kirche ist". Aus der zweiten Antwort wird ersichtlich ("Beide Bischöfe haben sehr klar deutlich gemacht, dass diese Veranstaltung in der geplanten Form nicht in ihrem Sinne ist."), wozu bischöfliche Macht eingesetzt wird. Die Freiheit mündiger Christinnen und Christen wird auf unerträgliche Weise eingeschränkt. Zwar reden Bischöfe von Dialog, meinen damit aber nur die Themen, die sie für richtig halten. Man wundert sich, dass solche Bischöfe noch nicht auf die Idee gekommen sind, auch den Bücherindex wieder einzuführen. Sie halten die Gläubigen für unmündig, dürfen selbst in Predigten ihre unzeitgemäßen kirchenpolitischen Ansichten darlegen. Meint der Generalvikar wirklich, dass von Zensur keine Rede sein kann, wenn Diskussionen oder Meinungen durch die Bischöfe unterdrückt werden?

Seine Äußerung über "selbsternannte ‚Progressive' und ‚Reformer'" zeigt die Verachtung engagierter Reformkatholikinnen und -katholiken. Generalvikar Kestel erwartet Prediger, "die zum ruhigen und sachlichen Nachdenken und zur Gewissenserforschung einladen". Wer bestreitet das denn bei einem Prediger wie Helmut Schüller? Die geplante und verhinderte Predigt von ihm hätten die beiden Bischöfe und die Mitglieder ihrer Domkapitel sich anhören sollen, ruhig und sachlich darüber nachdenken und ihr Gewissen erforschen! Das wären Hoffnungszeichen und vielleicht könnten die von ihnen zu verantworteten "Gräben" zwischen konservativen und progressiven Christinnen und Christen zugeschüttet werden.

Wenn der Generalvikar die Meinung vertritt, "dass gerade in den letzten Jahren noch viel mehr als früher schwierige Fragen (ergebnis-)offen diskutiert werden", sollte er mal wenigstens ein paar Beispiele nennen. Wenn einige wenige Gläubige und nicht viele, wie er behauptet, "verunsichert und irritiert, die sich mit der Frage an uns gewandt hätten: Warum lässt die Kirche das zu?" hätte man Ihnen selbstkritisch sagen können, ja müssen, das zum katholischen Glauben eine Weite und keine Enge gehört. Durch die Einladung zu den Fastenpredigten ist kein Schaden entstanden, wohl aber durch die erzwungene Absage.


Info 4. Februar 2013

Bischof Hanke bestätigte in Nürnberg erneut seine reaktionäre Amtsführung.

Die Auftritte des Eichstätter Bischofs beim "Forum Deutscher Katholiken", die Bestellung des aus dem vatikanischen Dienst ausgeschiedenen Prälat Dr. Christoph Kühn zum Domkapitular in Eichstätt, die Zulassung von Auftritten des wegen seines Fehlverhaltens zum Rücktritt gezwungenen früheren Augsburger Bischofs Walter Mixa, die Weiterbeschäftigung des österreichischen Klerikers Dr. Alexander Pytlik als Vizeoffizial im Bistum Eichstätt und die andauernde Dialogverweigerung gegenüber der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt sind nur einige Beispiele seines kirchenpolitisch reaktionären Verhaltens. Wie diese inzwischen erfahren hat, ist Bischof Hanke hauptverantwortlich für das Verbot einer seit Jahren von der Stadtkirche organisierten viel beachteten Fastenpredigtreihe in Nürnberg, bei der u. a. die Regensburger Kirchenrechtlerin Prof. Sabine Demel und der österreichische Pfarrer und Mitbegründer der Pfarrer-Initiative Dr. Helmut Schüller im Rahmen von Wort-Gottes-Feiern hätten mitwirken sollen.

Es wäre wünschenswert, wenn zeitnah zu den geplanten, aber unter bischöflichem Druck abgesagten Fastenpredigten, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen mit den ReferentInnen, in einem anderen Rahmen in Nürnberg durchgeführt würden. Der Eichstätter Bistumssprecher hatte vor kurzem erklärt, dass in solchen Veranstaltungen die jetzt bei der Fastenpredigtreihe ausgegrenzten ReferentInnen auftreten können. Bei Predigten in einem Gottesdienst müssten die Meinungen der Prediger unwidersprochen hingenommen werden. Es wird sich zeigen, wie es um die Meinungsfreiheit in der Kirche von Bamberg und Eichstätt tatsächlich bestellt ist. Die Predigtverbote in Nürnberg passen nicht dazu.

"Welche Kirche braucht der Mensch?" - Zeitgemäßes und geschlechtergerechtes Dienstamt

Unter diesem Motto findet vom 15. bis 17. März 2013 die 32. öffentliche Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" in Bamberg statt. Die Hauptreferentinnen sind Dr. Ida Raming (Roman Catholic Womenpriests), Angelika Fromm (Diakonatskreis) und Annegret Laakmann (Initiative Maria von Magdala). Nähere Einzelheiten auf der Startseite des Bundesteams. Anmeldungen sind noch möglich! Eine Mitfahrgelegenheit für 2 Personen (nur am Samstag 16.03.!) von Ingolstadt nach Bamberg und zurück ist möglich, nach vorherigem Kontakt unter 0841/33704.


Info 1. Februar 2013

"Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche" - Infostand am 9. März 2013 beim Internationalen Frauentag in Ingolstadt

Am Samstag, 9.03.2013, beteiligt sich, wie in den Vorjahren, die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt an der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Internationalen Frauentag im Foyer des Stadttheaters in Ingolstadt. Von 10 bis 12 Uhr informiert "Wir sind Kirche" über die Berufsverbote für Frauen in der römisch-katholischen Kirche, nämlich der Nichtzulassung von Frauen zum Dienst als Diakonin, Priesterin und Bischöfin. Sie weist darauf hin, dass der Ausschluss von Frauen von diesen Diensten und von der Leitung der Kirche bibeltheologisch nicht begründet ist und verheerende Folgen für die Kirche in der Vergangenheit hatte und noch mehr in Gegenwart und Zukunft der Glaubensgemeinschaft hat. Die Frauenfrage ist die Schicksalsfrage der Kirche, wie es u. a. der emeritierte Wiener Weihbischof DDr. Helmut Krätzl formuliert. Die schwere weltweite Krise der von Männern dominierten Kirche ist nur mit gleichberechtigten Frauen in allen Bereichen, vor allem in Leitungsverantwortung, zu bewältigen.

Vortrag "II. Vatikanisches Konzil aus der Frauenperspektive" am 10. März 2013

Maria Hollering-Hamers (siehe auch "Frauen in der Kirche"), ehemalige stellv. Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in Bayern und langjährige Vorsitzende der Kommission Glaube und Kirche beim KDFB Bayern referiert am 10.03.2013, 15 Uhr, auf Einladung der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt über "II. Vatikanisches Konzil aus der Frauenperspektive" im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, Ingolstadt, (gegenüber dem Stadttheater). Zu diesem Vortrag mit Diskussion sind alle Interessentinnen und Interessenten herzlich eingeladen.

Auf Druck des Eichstätter Bischofs Hanke und seines Bamberger Kollegen Schick wird Fastenpredigtreihe in Nürnberg gestoppt.

Die Nürnberger Stadtkirche wurde, wie heute bekannt wurde, zur Absetzung der geplanten und veröffentlichten Fastenpredigtreihe "Kirche - Konzil - Konsequenzen" in der Frauenkirche gezwungen. Als Begründung werden die geplanten Predigten der katholischen Kirchenrechtlerin Prof. Sabine Demel (Predigtthema "Unser Pfarrer ist eine Frau! Mehr als nur ein Traum?") und des österreichischen Pfarrers Dr. Helmut Schüller, ehemaliger Wiener Generalvikar und Sprecher der österreichischen Pfarrer-Initiative, (Predigtthema "Wir sind Gottes Volk! Haben Kirchen-Bürger Rechte?") genannt. Bisher liegt keine öffentliche Pressemeldung beider Bischöfe vor. In der einer von DIE WELT veröffentlichten dpa-Meldung heißt es u. a.: "Solche politischen Darstellungen von persönlichen Meinungen gehörten nicht in einen Gottesdienst, wo sie unwidersprochen hingenommen werden müssten, sagte ein Eichstätter Bistumssprecher. Dafür gebe es Seminare und Diskussionsveranstaltungen."

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt distanziert sich entschieden vom Verhalten der Bischöfe, die immer noch nicht begreifen können oder wollen, dass Zensur nicht nur ihrer Glaubwürdigkeit schadet. Es ist ein fortdauernder Beweis ihrer Unfähigkeit, Reformnotwendigkeiten zu sehen und entsprechend zu handeln. Die Gläubigen sind erstaunt darüber, dass die Bischöfe so tun, als ob sie die Predigtinhalte kennen und diese als "politische Darstellungen von persönlichen Meinungen" abqualifizieren, die im Gottesdienst unwidersprochen hingenommen werden müssten. Die Bischöfe übersehen, dass es sich bei den Themen der "ausgeladenen" Predigerin bzw. Predigers um keine Einzelmeinung handelt, sondern um Überzeugungen, die von einer überwältigenden Mehrheit des Kirchenvolks geteilt werden. Es ist erschreckend, wie Bischöfe im 21. Jahrhundert mit kirchentreuen und mündigen Christinnen und Christen umspringen. Der Hinweis des Eichstätter Bistumssprechers, dass kirchenpolitische Äußerungen nichts in Predigten zu suchen haben, weil es dafür Seminare und Diskussionsveranstaltungen gebe, ist scheinheilig und falsch. Der Eichstätter Bischof Hanke verweigert nicht nur nach wie vor den Dialog z. B. mit der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt über Reformthemen, sondern sorgt dafür, dass viele kirchliche Bildungseinrichtungen, Gott sei Dank nicht alle, ebenfalls keinen Raum für kontroverse kirchenpolitische Themen geben. Es sei darauf hingewiesen, dass kirchenpolitische Predigten von Bischöfen oder anderen Klerikern von den Gläubigen ebenfalls unwidersprochen hingenommen werden müssen. Im übrigen hatten die Organisatoren der Predigtreihe vergeblich angeboten, nach den Gottesdiensten zu Diskussionen einzuladen.


Info 18. Januar 2013

Erzbischof Robert Zollitsch: "Katholische Laien sind nicht zu selbstbewusst"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gehört zu den wenigen deutschen Bischöfen, die sich um ein Aggiornamento (Heutigwerden), wie es der Konzilspapst Johannes XXIII forderte, bemühen. In diesem Zusammenhang erklärte er u. a. in einem Interview gegenüber dem Bonner "General-Anzeiger" am 21.04.2012: "Gerade wenn ich an das Zweite Vatikanische Konzil und seine Ideale denke, kann ich nicht von Fehlentwicklungen reden, selbst wenn manche über das Ziel hinausschießen." Das gebe es auch auf Seiten des Klerus.

Die Kirche lebe vom Einsatz engagierter Laien. "Das ist sicher ein Umstellungsprozess, weg von der ganz auf Gehorsam angelegten Kirche, in der praktisch allein der Bischof sagte, wo es lang geht."

Leider befindet sich Erzbischof Robert Zollitsch offensichtlich innerhalb der deutschen Bischofskollegen mit seiner Meinung in der Minderheit. Kirchenfürsten wie Kardinal Meisner oder Franz-Peter Tebartz-van Elst verweigern sich einem ernsthaften Dialog mit dem Kirchenvolk. Unsere Zeichnerin versucht bildlich darzustellen, wie einige Hirten sich nicht ihrer Verantwortung stellen, sondern vor den selbstbewussten und mündigen Christinnen und Christen flüchten.

Copyright Annelie Hürter



Info 14. Januar 2013

Pater Klaus Mertes bringt es auf den Punkt

Mit freundlicher Genehmigung der Nordwest-Zeitung, Oldenburg, hier ein Zitat aus einem Interview vom 11.01.2013 mit Pater Klaus Mertes SJ, das die kirchliche Missbrauchsthematik auf den Punkt bringt:

"Ich sehe zwei Schlüsselfragen, an denen sich die Geister scheiden:
Wie viel Image-Verlust ist die Kirche bereit zu zahlen, um der bitteren Wahrheit die Ehre zu geben?
Und wie viele Strukturen ist sie bereit in Frage zu stellen und eventuell zu verändern, wenn sie Konsequenzen aus dem zieht, was sie aus den Opferberichten gehört hat?"

An diesen beiden Fragen des Jesuitenpaters, der in Deutschland das Thema "Missbrauch in der Kirche" öffentlich gemacht hat, ist das Verhalten der katholischen Bischöfe in Deutschland jetzt und in Zukunft zu messen. Die Bereitschaft zu einer solch schonungslosen Aufklärung bzw. Aufarbeitung ist für die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt bisher nicht erkennbar.

Info 11. Januar 2013

Kirchenleitung beschleunigt Vertrauensverlust

Als vor wenigen Jahren Prof. Hemel in einem ordentlichen Verfahren zum Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gewählt und vom zuständigen Bischof Hanke begrüßt, aber noch nicht in seinem Amt bestätigt wurde, sorgten Bischofskollegen, wie Marx, Mixa und Müller dafür, dass Bischof Hanke nach monatelangem Schweigen seine Zustimmung mit den Worten verweigerte, Prof. Hemel habe sein Vertrauen verloren. Das gleiche Spiel sieht die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt gegenüber Prof. Pfeiffer und seinem renommierten Institut.

In Wirklichkeit geht es wieder um Macht, weil die Bischöfe mit allen Mitteln verhindern wollen, dass die Projektgruppe mit unabhängigen Wissenschaftlern, ehemaligen Staatsanwälten und Richtern, als Ursachen für den Missbrauch durch Kleriker an Kindern Strukturprobleme der Kirche aufzeigen könnte. Die Eichstätter "Wir sind Kirche"-Gruppe denkt dabei an die "Anziehung" von Pädophilen durch den Zwangszölibat, Gehorsamszwang für Kleriker, übertriebenen Klerikalismus, überholtes Verständnis von Sexualität, insbesondere von Homosexualität und den Ausschluss von Frauen von der Kirchenleitung und Weiheämtern. In dieser Richtung äußerte sich wiederholt der katholische Theologe, Psychologe und Leiter des kircheneigenen Recollectio-Hauses, Wunibald Müller, ohne dass die Bischöfe aus diesen Erkenntnissen notwendige Konsequenzen gezogen haben. Sie zeigen sich damit nicht reformfähig bzw. reformwillig zum Schaden der Kirche.

Die Bischöfe haben seit Jahren erheblich an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren. Das jetzige Fehlverhalten beschleunigt den Vertrauensverlust, vor allem bei den Gläubigen.

Info 17. Dezember 2012



Copyright Annelie Hürter

"Fürchtet Euch nicht vor Dialog ihr Bischöfe"

Die Engel hier auf diesem Bilde,
sie lachen froh zur Erde hin.
Sie führen irgendwas im Schilde.
Was haben sie in ihrem Sinn?

Die Bischöfe aber sind erschrocken.
Sie klammern aneinander fest.
Der Atem bleibt bei ihnen stocken.
Die Angst gibt ihnen noch den Rest.

Was ist die schlimme Botschaft heute?
Was bringt sie glatt um den Verstand?
Was bringt sie um die armen Leute?
Warum sie drängen an die Wand?

Die Engel wollen Frieden bringen,
drum heißt es "Fürchtet ihr euch nicht",
wollen nicht zum Dialog euch zwingen,
denn der gehört zu Eurer Pflicht.

Wir wollen nur daran erinnern,
dass gute Hirten ihr wollt sein.
Ihr müsst um alle Schaf' euch kümmern
und nicht so bang und feige sein!

Annelie Hürter

"Der Kern, das ist das Evangelium. Aber alles außen herum kann sich verändern."

Mit diesen Worten hat Dr. Thomas von Mitschke-Collande, auf einer Veranstaltung der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Limburg, der Leserinitiative Publik e.V. und des Kösel-Verlag die Reformmöglichkeiten in der katholischen Kirche beschrieben. Mitschke-Collande ist Autor des vor kurzem im Kösel-Verlag erschienen Buchs "Schafft sich die katholische Kirche ab?". Der Verfasser ist Direktor em. der McKinsey Unternehmensberatung und hat in den vergangenen Jahren mehrere Bistümer und die Deutsche Bischofskonferenz beraten. Kardinal Karl Lehmann verfasste das Vorwort zu seinem Buch. Im Bucheinband heißt es: "Die katholische Kirche befindet sich an einem Wendepunkt. Ihre Mitglieder, viele Geistliche und die große Schar der Gläubigen, vor allem die engagierten und kirchennahen Laien, haben begriffen, dass es so nicht weitergehen kann und darf. Das schweigende, bisher weitgehend loyale Kirchenvolk hat angefangen zu murren, die so genannte Amtskirche gesteht Verbesserungsbedarf ein. Keine Frage, die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen, ist bei vielen vorhanden."

Info 7. Dezember 2012

Wir sind Kirche beim Tag der Menschenrechte am 9. Dezember 2012 in Ingolstadt
Copyright Annelie Hürter

Info 3. Dezember 2012

Tag der Menschenrechte am 9.12.2012 in Ingolstadt: Präsident der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt spricht über "Menschenrechte - eine schlecht getarnte Strategie des Westens?"

Auf der Veranstaltung von amnesty international Ingolstadt, Eichstätt und Pfaffenhofen spricht am Sonntag, 9.12.2012, in der Zeit von 10.30 bis 13.30 Uhr der Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Richard Schenk OP. Sein Thema:
"Menschenrechte - eine schlecht getarnte Strategie des Westens?". Die Veranstaltung wird mit dem Kulturamt der Stadt Ingolstadt und dem Stadttheater Ingolstadt zusammen mit 36 weiteren Gruppierungen im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt durchgeführt.

Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt gehört zu diesen Mitveranstaltern und ist mit einem Infostand "Menschenrechte in der Kirche" vertreten. Dabei wollen die Mitglieder der Reformbewegung unter Bezug auf Ausführungen des österreichischen Völkerrechtlers und Rechtsphilosophen Prof. Dr. Heribert Franz Köck aufzeigen, in welcher Weise Menschenrechte in der Kirche verletzt werden. In seinem Vortrag auf der 29. öffentlichen Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" im März 2011 sprach Köck u. a. davon: "Es muss gezeigt werden, dass der Pflichtzölibat gegen das Recht auf freie Wahl des Familienstandes und gegen das Recht auf freie Berufswahl verstößt, und dass er darum selbst dann sofort abgeschafft werden müsste, wenn wir einen Überfluss an Priester-berufungen hätten. Gleiches gilt für die Zulassung von Frauen zum Priestertum, weil mit der Diskriminierung der Frau ganz grundsätzlich Schluss gemacht werden muss. … Die Diskussion über die Kirchenreform muss daher heute vorrangig eine Diskussion um ‚Menschenrechte in der Kirche' sein, weil mit der Gewährung oder Vorenthaltung dieser Menschenrechte die Kirchenreform und damit die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Welt steht und fällt." - Hier der volle Wortlaut seines Vortrags "Menschenrechte als Korrektiv des kirchlichen Rechts"!

Kölner Diözesanrat fordert in seinen 32 Thesen u. a. Freistellung des Zölibats und Zulassung von Frauen zum Weihesakrament

Nach eingehenden Befragungen und Beratungen hat nach Medienberichten der Kölner Diözesanrat am 29.11.2012 32 Thesen der Öffentlichkeit vorgestellt, über die er mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner in einen Dialog treten will. Christian Linker, der stellvertretende Vorsitzende des Laiengremiums, wird mit den Worten zitiert: "Darüber dürfte unser Bischof not amused sein, aber das muss er aushalten, so wie wir ihn aushalten." Dazu zählen die Freistellung des Zölibats und die Ordination von Frauen. In der Kölnische Rundschau wird er mit dem Hinweis erwähnt, dass das zwar Dinge seien, die in Rom entschieden würden, aber nicht aus dem Papier ausgespart werden sollen. Der Diözesanrat lege Wert darauf, dass die Frauenordination nicht wegen des Priestermangels im Gespräch gehalten werde, sondern "weil wir aufgrund unseres Glaubens der Auffassung sind, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und es nicht richtig sein kann, wie es im Moment in unserer Kirche läuft". "Wir sind nicht die Rebellen, wir sind die Mitte der Kirche".

Info 21. November 2012

Eichstätter Diözesanratsvorsitzender Betriebsblindheit vorgehalten

Bei der Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Eichstätt über den Weg der Kirche - 50 Jahre nach Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils am 18.11.2012 in Kösching, äußerten sich viele Gesprächsteilnehmerinnen und Teilnehmer sehr kritisch zu der momentanen Situation in der Kirche. Sie stünde häufig im Gegensatz zu dem Geist und den Aussagen des vor genau 50 Jahren begonnenen Konzils. Der Klerus höre zu wenig auf die Gläubigen und verweigere den unbedingt notwendigen Dialog. Reformstau sei die Folge, der
sich in vielen Feldern zeige, u. a. im Priestermangel.

Erstaunlich, dass neben dem Vertreter der Petrusbruderschaft auch Christian Gärtner, Vorsitzender des Eichstätter Diözesanrates, die Problemlage anders sah. Er verkündete, wie sein Bischof Hanke,: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir eine Volkskirche sind." Offensichtlich hatte er noch nicht darüber nachgedacht, dass die Zulassungsbedingungen für Priester geändert werden können und müssen. Er tönte in das gleiche Horn, wie die meisten Bischöfe, die nicht die Ursachen für den Priestermangel erkennen können oder wollen. Gärtner betonte die Notwendigkeit größerer Gemeinden und ein stärkeres Engagement der Laien. Aus dem Teilnehmerkreis wurde er nach der lobenden Erwähnung seiner langjährigen Erfahrung im Pfarrgemeinde- und Diözesanrat wegen seiner Betriebsblindheit kritisiert.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie so genannte Laien in Gremien Bischofstreue und Angepasstheit demonstrieren, wo sie Konflikte sehen und auch austragen müssten. Wer wundert sich, dass solche Vertreter des Kirchenvolks zwar vom Dialog mit den Bischöfen reden, auch wenn diese offiziell sich nur auf einen "Gesprächsprozess" einlassen, bei dem sie bestimmen, über was geredet wird.

Info 12. November 2012

Wir sind Kirche-Eichstätt im Gespräch mit Marco Politi

Die Einladung der Eichstätter Diözesangruppe zu einem Gespräch mit einem der besten Vatikanexperten am 11.11.2012 stieß auf großes Interesse. Unmittelbar nach seiner Landung aus Rom sprach der langjährige Korrespondent von La Repubblica über Papst Benedikt XVI. und die Arbeit des Vatikans.

Er legte dar, dass der deutsche Papst zwar ein guter Theologe, Prediger und Intellektueller sei, es aber nicht versteht, sowohl den Vatikan als auch die Weltkirche erfolgreich zu führen. Es habe in den letzten hundert Jahren keinen Papst gegeben, in deren Amtszeit so viele Krisen passiert wären. Ein ausführliches Interview mit Marco Politi veröffentlichte der DONAUKURIER AM 10./11.11.2012 auf Seite 2. (hier zu lesen)


Info 31. Oktober 2012

Empörung über Auftritte von Bischof em. Walter Mixa in Ingolstadt

Während der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke den Dialog mit der Reformgruppe "Wir sind Kirche" anhaltend verweigert und damit versucht, offiziell deren Existenz und Reformforderungen nicht zur Kenntnis zu nehmen, fördert er nach Kräften das Bedürfnis des Bischofs em. Walter Mixa nach öffentlichen Auftritten. Allein im Oktober hatte er zwei große Auftritte in Ingolstadt, über die in Medien berichtet wurde. Im Gegensatz zum Bistum Augsburg, wo nach wie vor ein Auftrittsverbot für den vor zwei Jahren vom Papst zum Rücktritt gezwungenen Bischofs gilt, stellt sich der Eichstätter Bischof offensichtlich hinter diesen äußerst umstrittenen Kirchenmann. Die schweren Vorwürfe der körperlichen Misshandlung von Heimkindern, der Veruntreuung von Stiftungsgeldern, der Trunkenheit am Steuer und des Devisenschmuggels wurden nicht aufgeklärt. In einer "Pfingsterklärung" vom 20.05.2010 von Pfarrern und Laien im Bistum Augsburg heißt es u. a.;
"Rückblickend fragen wir, wie es dazu kommen konnte, dass Dr. Walter Mixa trotz der Warnungen vieler Verantwortungsträger Bischof von Augsburg und zuvor schon Bischof von Eichstätt geworden ist. Wir fragen auch, welche systemimmanenten Faktoren dazu beigetragen haben, dass er sein Amt in einer Weise wahrnehmen konnte, die nun viele Wunden und eine tiefe Spaltung im Bistum hinterlässt."
Dem karriereorientierten Kirchenmann hatte der damalige Diözesanadministrator auf seine Frage, warum er an Stelle von Viktor Dammertz nicht Bischof von Augsburg geworden ist, gesagt: "Weil Du ein Spalter bist!"
In den fast zehn Jahren als Bischof von Eichstätt hat Bischof Mixa auf unerträgliche Weise polarisiert und u. a. der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe vorgehalten, sie stünde mit ihren Reformforderungen nicht mehr auf dem Boden der katholischen Kirche. Die weit verbreitete Bischofshörigkeit, vor allem in großen Teilen des Eichstätter Klerus, ließ keine notwendige Kritik aufkommen.
Es wundert daher nicht, dass der derzeitige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zusammen mit Bischof em. Walter Mixa, dem Dompropst und Generalvikar Isidorf Vollnhals und Domdekan Willibald Harrer das "Jahr des Glaubens" im Bistum Eichstätt eröffnete.



In seiner Predigt sprach Bischof Hanke u. a. davon: "Heute, am 11. Oktober 2012, am 50. Jahrestags der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, beginnen wir dieses Jahr des Glaubens." …."Viele unserer Zeitgenossen wollen und können jedoch nicht durch die Tür des Glaubens an Christus gehen. Sie trauen vielleicht dieser Tür des Glaubens nicht mehr und sie gehen stattdessen durch andere Portale, etwa im Bereich der Esoterik. Erfüllt von Skepsis, Zweifeln, ja Abneigung wenden sich manche gar von der Tür des Glaubens ab. Und nicht wenige interessieren sich überhaupt nicht mehr für diese Tür." … "Die Person und Botschaft Christi sowie die Gemeinschaft der Kirche spielen in der Gestaltung des Lebens keine Rolle. Distanz zum Glauben begegnet uns jedoch nicht nur in der säkularen Gesellschaft, sondern auch in unseren eigenen Reihen, unter uns Getauften, in unseren Pfarreien, in unseren Verbänden, in unseren eigenen Familien, in der Verwandtschaft, im Freundes- und Bekanntenkreis. Zahlreichen Menschen fehlt der innere Zugang. So bleiben sie draußen vor der Tür stehen, auch wenn sie im Laufe des Kirchenjahres gelegentlich noch praktizieren. Viele haben zwar den Taufschein, nicht jedoch die christliche Überzeugung . Was an Restglauben vorhanden ist, gründet nicht selten in einer Auswahl aus dem Glaubensgut der Kirche nach persönlichem Geschmack." … "Ein neues Heidentum sitzt in der Kirche selbst. Viele um uns sind zwar von der Bereitschaft geleitet, Gutes zu tun und für Menschen und Welt Verantwortung zu übernehmen, aber den von der Kirche verkündeten Glauben eignen sie sich nicht mehr einfach an." … "Lassen wir also das Jammern und den Pessimismus über die Lage des Glaubens. Ebenso wenig angesagt ist die Verharmlosung der Glaubenskrise und des Abbruchs der Glaubenspraxis sowie Schönrednerei.." … "Hier liegt vielleicht die große Hürde für den Glauben in unserer Zeit, da uns der Mainstream, der Zeitgeist, veranlasst, unseren Hunger mit vorläufigen, irdischen , vorletzten Gütern zu stillen. Jesus beginnt seine Einladung in die Gottesbeziehung deshalb so gerne bei den Armen und bei jenen am Rand, weil sie nicht mehr viel vom Leben zu erwarten haben. Sie können leichter durchbrechen zur Sehnsucht nach wahrem Leben. Der Erfolgreiche, der Angesehene, der Selbstzufriedene muss oft tief bohren, um seine wahre Bedürftigkeit zu erkennen." … "Der massive Rückgang der Beichtpraxis unter uns Katholiken scheint mir in einer Wechselwirkung mit der Verdunstung des Glaubens in unseren Reihen zu stehen."
In dieser langen Predigt am Beginn des "Jahr des Glaubens" zeigt sich mit keinem Satz eine Reflexion darüber, wie sehr die Amtskirche mit Papst, Bischöfen und Priestern den einzelnen Menschen das Glauben immer schwerer macht, weil die Strukturen und das Handeln der Verantwortlichen immer weniger glaubwürdig sind. Dazu ein weiteres Beispiel: Der 2. Auftritt des unglaubwürdigen Bischofs em. Walter Mixa in diesem Oktober 2012 in Ingolstadt, der dem Artikel "Gekommenen um aufzurichten" im DONAUKURIER vom 22. Oktober 2012, den wir nachfolgend veröffentlichen, zu entnehmen ist.

In dem Bericht heißt Pfarrer Clemens Hergenröder in dem schwach gefüllten Kirchenraum von St. Konrad Bischof Mixa herzlich willkommen und erklärt, dass in den letzten zehn Jahren viel geschehen sei, das das Vertrauen mit Blick auf die Vorwürfe gegen Walter Mixa habe schwinden lassen. "Doch für mich bleiben Sie der Vertreter in Christus, der mich zum Priester geweiht hat." Offensichtlich unter Hinweis auf seine Vergangenheit predigte Mixa über die Begegnung Jesu mit dem jüdischen Zollpächter Zachäus, den er "ein finanziell geprägtes Oberschlitzohr" nannte. "Der Menschensohn ist nicht gekommen, um zu richten, sondern aufzurichten." erklärte Mixa. Am Ende machte Mixa Werbung für sein Buch "Hauptsache katholisch". Aus dem Bericht geht nicht hervor, dass Mixa sein Leben änderte, wie das bei Zachäus berichtet wird. Bei Mixa war bisher von Aufklärung der Vorwürfe, Reue und Wiedergutmachung nichts zu hören. So interessiert sich nicht nur die kirchliche Öffentlichkeit, ob Mixa sich bei den damaligen Waisenhauskindern entschuldigt hat oder den Schaden durch die Veruntreuung der Waisenhausgelder persönlich beglichen hat bzw. als Bischof von Eichstätt durch das Bistum hat regulieren lassen.

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt vertritt die Auffassung, dass der Eichstätter Bischof Hanke zu sehr auf das persönliche Geltungsbedürfnis des äußerst umstrittenen Bischofs Mixa Rücksicht nimmt und nicht darauf, dass dadurch der Glaubwürdigkeit der Kirche von Eichstätt geschadet wird. Schöne Reden helfen nichts; auf die richtigen Taten kommt es, vor allem auch in der Kirche an. Sie versteht die Empörung über die Mixa-Auftritte bei den Gläubigen im Bistum und darüber hinaus, insbesondere bei dem instinktlosen Auftritt Mixas zur feierlichen Eröffnung des "Jahr des Glaubens".


Info 29. Oktober 2012

Konziliare Versammlung "Zeichen der Zeit - Hoffnung und Widerstand" in Ffm.

Über 500 DauerteilnehmerInnen, darunter auch Mitglieder der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt, waren zu der Konziliaren Versammlung, die vom 18. bis 21. Oktober in Frankfurt am Main gekommen, einige auch aus Holland, Schweden, Brasilien, Österreich und Frankreich. Die Versammlung wollte nicht nur an die Aufbrüche der 1960er Jahre erinnern, sondern vor allem in Werkstätten, Aktionen, Gesprächen und Vorträgen die heutigen gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen thematisieren. Was sind die "Zeichen der Zeit" und wie müssen wir uns als Kirche organisieren, damit wir den Herausforderungen des angekündigten Gottesreiches und seiner Gerechtigkeit entsprechen? Organisiert und mitgetragen wurde sie überwiegend von folgenden Gruppen und Institutionen:
     Institut für Theologie und Politik Münster
KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
Leserinitiative Publik
Initiative Ökumene 2017
Verbo Filmes-D, Projekt Konzilsväter
Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu)
Plattform Theologie der Befreiung
Arbeitsgemeinschaft Feminismus und Kirchen e.V.
pax christi, Bistumsstelle Würzburg
Initiative pro concilio, Esslingen
Brasilienkreis St. Heinrich, Marl e.V.
Kairos Europa e.V.
Redaktion des aufbruch
Freckenhorster Kreis
pax christi - Kommission für Globalisierung und soziale Gerechtigkeit
Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in Deutschland (AGP)
Essener Kreis
Schlangenbrut - Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen
Aktionskreis Halle
Initiative Christenrechte in der Kirche
Verein Frauenwürde e.V.
Maria von Magdala - Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche e.V.
Volksverein Mönchengladbach
Projekt: schwul und lesbisch (psk), Gemeinde Maria Hilf Ffm.
Initiative Ordensleute für den Frieden
pax christi - Bistumsstelle Limburg
Lichtblicke der Seele
ChristInnen für den Sozialismus
Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar
CCFMC - Grundkurs zum franziskanisch-missionarischen Charisma Würzburg
Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der politischen Bildung e.V.
Evangelische und Katholische Kirchengemeinden im Gallus
Gemeindemitglieder der Christkönig-Gemeinde Eschborn
Haus am Dom
Herbert Haag-Stiftung
Misereor
Publik Forum
Steyler Missionare und Missionsschwestern  
Die Konziliare Versammlung wurde vor ca. 1.000 TeilnehmerInnen in der Frankfurter Paulskirche mit einem Referat von Prof. Hans Küng eröffnet.



Darin wiederholte er seinen bereits vor Jahrzehnten formulierten Aufruf "Wider die Resignation" und ermutigte zum gemeinsamen Handeln aller Reformgruppen in der Kirche auf. Angesichts seines hohen Lebensalters verabschiedete er sich aus der großen Öffentlichkeit mit seinem Vermächtnis zu Kirchenreformen.

In seiner Rede in der Paulskirche, dem historischen Ort für Freiheit und Demokratie in Deutschland, erklärte einer der letzten Konzilsbischöfe und Mitunterzeichner des so genannten Katakombenpakts, Luigi Bettazzi, dass die Kirche eine Kirche der Armen sein muss.




Die Mitbegründerin von ATTAC Susan George wies auf die menschenverachtenden Zusammenhänge der Finanzwirtschaft in der aktuellen Kapitalismuskrise hin.

In einer Gesprächsrunde zu den Zeichen der Zeit sprachen die Theologinnen Dr. Ida Raming, Dr. Magdalene Bußmann und Dr. Magdalene Holztrattner.

In den nachfolgenden Tagen wurden die Versammlungsthemen in zahlreichen Workshops, Aktionen und Plenarveranstaltungen behandelt. Kees Kok sorgte mit seinem Freund Geert Hendrix (Klavier) mit Liedtexten von Huub Oosterhuis aus "Atem der Lieder" für den musikalischen Teil.



Eine der Pionierinnen der feministischen Theologie, Prof. Dr. Elisabeth Schüssler Fiorenza von der Harvard University in Boston, berichtete u. a. über die Situation US-amerikanischer Ordensfrauen, nachdem die Glaubenskongregation in Rom gegen die Organisation amerikanischer Nonnen (Leadership Conference of Women Religious ‚LCWR') vorgeht, der 80 % der 56.000 amerikanischen Nonnen angehören. Die Kurie wirft der Vereinigung vor, dass die Nonnen zu sehr soziale Belange und zu feministisch-theologisch ausgerichtet seien und zu Verlautbarungen aus Rom zur Sexualethik schweigen. Sie würden nicht die römischen Positionen verteidigen, sondern eigene Wege gehen. Schüssler Fiorenza erläuterte die Notwendigkeit einer radikalfeministischen Theologie. Im Gegensatz zu einer Frauen von bestimmten Funktionen ausschließenden Männerkirche ("Kyriarchat") verlangt sie eine "Ekklesia der Frauen", die "radikaldemokratische Versammlung von all den Frauen und Männern, die ermächtigt und gestärkt durch den Heiligen Geist und inspiriert durch biblische Vision von Gerechtigkeit, Freiheit und Erlösung den Kampf für die Befreiung von kyriarchaler Unterdrückung in Gesellschaft und Religion allen Widerständen zum Trotz fortsetzen."

(links Christine Schaumberger, rechts Elisabeth Schüssler Fiorenza)

Der frühere Wiener Generalvikar, Präsident von Caritas Österreich und jetzige Gemeindepfarrer und Hochschulseelsorger Dr. Helmut Schüller, Initiator und Vorsitzender der österreichischen Pfarrer-Initiative, erläuterte den "Aufruf zum Ungehorsam". Dabei formulierte er: "Ungehorsam wird zur Pflicht, wenn Gehorsam missbraucht wird." - "Gehorsamkeit hat ausgedient, wenn es Rechtsstrukturen gibt."

Zum Abschluss der Konziliaren Versammlung "Zeichen der Zeit - Hoffnung und Widerstand" diskutierten und verabschiedeten alle VersammlungsteilnehmerInnen eine Frankfurter Erklärung "Hoffen und Widerstehen".


Info 12. Oktober 2012

Bischof Hanke und Bischof Mixa eröffnen
am 11.10.2012 "Jahr des Glaubens"


In Anwesenheit des Bischofs em. Walter Mixa eröffnete gestern der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke in Ingolstadt des "Jahr des Glaubens" im Bistum Eichstätt. Statt Pessimismus und Jammern über die Glaubenskrise sollte die Kirche wieder mehr auf die Bereitschaft Einzelner zu Aufbruch und Umkehr setzen, sagte Hanke in seiner Predigt. In einem Radiobeitrag verglich er den Glauben vieler Katholiken mit dem Fahren eines Autos mit angezogener Handbremse. Man brauche sich nicht zu wundern, wenn es stinkt. Der Diözesanratsvorsitzende Gärtner erklärte im selben Radiobeitrag, dass Kirche nicht nur mit den Reizthemen wahrgenommen werden soll.

Die Anwesenheit des wegen seines Fehlverhaltens zum Rücktritt gezwungenen Bischofs em. Walter Mixa sowie die Worte Bischof Hankes als auch die des Diözesanratsvorsitzenden Gärtner zeigen, wie gering das Bewusstsein dafür ist, dass persönlicher Glaube sehr viel mit der Glaubwürdigkeit der kirchlichen Gemeinschaft und ihrer Verantwortlichen zu tun hat. Diese Glaubwürdigkeit ist das große Problem, vor allem auch im Bistum Eichstätt. Statt schöner Worte sollte der Bischof und die anderen Verantwortlichen die Diskrepanz zwischen Glaubensanspruch und kirchlichem Alltag erkennen und reduzieren. Nicht der Lehrer ist der beste, der viel weiß, sondern der, der sein Wissen glaubhaft vermitteln kann.

Info 9. Oktober 2012

Einladung zu "Benedikt XVI. - Ein Pontifikat im Widerstreit"
Zu diesem Thema spricht am Sonntag, 11. November 2012, 15 Uhr, der italienische Journalist Marco Politi im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1. Marco Politi ist einer der bekanntesten und brillantesten Vatikanexperten, der ca. 20 Jahre für die führende italienische Tageszeitung "La Repubblica" aus dem Vatikan berichtete. Er kommt immer wieder in deutschsprachigen Medien, wie Die Zeit, FAZ, ARD, ZDF oder D-Radio zu Wort. Am 23.11.2012 erscheint die deutsche Übersetzung seines Buches "Benedikt XVI. - ein Pontifikat in der Krise".
Der Referent wird berichten: An Papst Benedikt XVI scheiden sich die Geister. Hier der gelehrte und verehrte Theologe mit Sinn für die Schönheit des Glaubens und der Fähigkeit, ihn glaubwürdig und vernünftig zu erklären. Dort der Pontifex, fern von Welt und Moderne, der die Eigengesetzlichkeiten der Kurie und die globalen politischen Umwälzungen anscheinend nicht ausreichend zur Kenntnis nimmt und deshalb eine kirchenpolitische Stagnation herbei führt.
Wir laden alle Interessierten sehr herzlich zu Vortrag und Diskussion ein. Die Veranstaltung endet ca. 17 Uhr.

Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke verweigert weiterhin Gespräche mit der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt
Die Bemühungen, durch Vermittlung des Ingolstädter Dekan Bernhard Oswald zu einem Gespräch mit dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zu kommen, sind gescheitert. Wie wir erfuhren, ist Hanke zwar bereit mit Einzelnen aus unserer Gruppe zu reden, nicht aber mit mehreren Vertretern. Unser Bischof sieht Wir sind Kirche nicht als offiziellen kirchlichen Gesprächspartner. Seine Begründung dazu ist uns nicht bekannt. Dieses Verhalten, 50 Jahre nach Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, zeigt wie wenig der Geist des Konzils, die Zeichen der Zeit zu erkennen, derzeit von Bischof Hanke verstanden wird. Der damals schon an Lebensjahren alte Papst Johannes XXIII. hatte als Programmwort "aggiornamento" (Verheutigung) ausgegeben und sich gegen die "Unglückspropheten" aus den eigenen Reihen gewandt, die in der modernen Welt "nur Untergang und Unheil" zu erkennen glauben und sich benähmen, als hätten sie nichts aus der Geschichte gelernt. Wenn auch nicht wenige engagierte ChristInnen angesichts der "Vergestrigung" in der Kirche resignieren, wird die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt ihren Bischof immer wieder an seine Verpflichtung zu einem Dialog (ohne seine ausgrenzenden Bedingungen) erinnern.


Info 2. Oktober 2012

"Ein Rückblick in die Zukunft
- 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil"


Sehr geehrter Herr Dekan Oswald,

ich danke Ihnen für die Einladung zum Gesprächsabend am 16.10.2012, an dem ich leider nicht teilnehmen kann. Unter den sieben eingeladenen Gesprächspartnern befinden sich sechs Kirchenhauptamtliche, von denen drei Kleriker sind. Ich bedaure, dass unter ihnen nicht ein(e) VertreterIn der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" ist. Genau vor 17 Jahren unterzeichneten allein im deutsprachigen Raum ca. 2 Millionen KatholikInnen das KirchenVolksBegehren, in dem Reformen im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils und der "Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer", so genannte "Würzburger Synode", gefordert werden. Die VertreterInnen von "Wir sind Kirche" erfuhren bisher bei ihren Bemühungen um Realisierung ihrer Forderungen durch Päpste und Bischöfe Ignoranz oder Diskriminierung.

In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Äußerungen von Prof. Heinrich Fries vor 20 (!) Jahren. In der Zwischenzeit sind weitere Rückschritte gegenüber dem Konzil zu verzeichnen, insbesondere auf dem Gebiet der Liturgie und der zunehmenden Tendenz zur Klerikalisierung. Prof. Heinrich Fries schrieb in einem Beitrag "Dreißig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil" u. a.:
"Als das Konzil zu Ende ging, herrschte in der katholischen Kirche fast allgemein Hochstimmung. Die Konzilsbotschaft: Freude und Hoffnung, Hinwendung zur Welt und zum Menschen, Öffnung der Fenster und Türen, war gleichsam die Grundmelodie dieser Tage. Man war glücklich und stolz, dieser Kirche anzugehören und mit ihr in eine neue Zeit zu gehen."…
"Die Anliegen des Konzils wurden in der Gesamtkirche übernommen. So die Bestimmung der Kirche als Volk Gottes, was im Grunde bedeutet: Wir sind, auch als Kirche, das Volk. Papst, Bischöfe und Klerus sind für das Volk da, nicht umgekehrt. …Der Hauptort der Kirche ist nicht die Kurie in Rom, sondern die Kirche am Ort. Aus und in den Ortskirchen besteht die Weltkirche. Zwischen den Ortskirchen soll das Prinzip der Geschwisterlichkeit maßgeblich sein, was lebendigen Austausch, Dialog und Kommunikation einschließt."
"Das Ziel des Konzils hieß Erneuerung der Kirche. Durch die Erneuerung soll der Weg zur Einheit der Christen und der Religion bereitet, also zur Ökumene werden. Es genügt deshalb nicht, die alten Wahrheiten in alten Formen zu wiederholen - es geht darum, das Evangelium als Botschaft der Freude, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit gegenwärtig zu machen und glaubwürdig zu vermitteln. …
Ich bin der Meinung, der Grund für die gegenwärtige Krise der Kirche liegt zum großen Teil auch an der Kirche selbst, zumal an der Kirchenleitung, die in Papst und Kurie gipfelt. Die Kirche nach dem Konzil hat zu wenig das wahr gemacht, eingeholt und verwirklicht, was sie im Konzil proklamiert hat. Dafür genügen folgende Hinweise. Das Bild von der Kirche als Volk Gottes wird heute heftig kritisiert und ist abgelöst worden durch das Bild einer Kirche, die zentral gesteuert wird und die zentrale Entscheidungen für die ganze Welt durchzusetzen sucht. Rechte und Vollmachten des Papstes werden immer weiter ausgebaut. Die Laien werden zurückgedrängt, die Ökumene steht still und erschöpft sich in schönen Worten. Das Recht der Ortskirchen und das Prinzip der Kollegialität der Bischöfe mit dem Papst werden weithin unterlaufen - etwa im Fall der Bischofsernennungen in der ganzen Welt, die ausschließlich in Rom entschieden werden. Einheit der Kirche wird als Einheitlichkeit und Geschlossenheit gepriesen nach dem Motto: Fenster und Türen schließen. Als oberste Tugend werden nicht Glaube, Hoffnung und Liebe gepriesen, sondern der strikte Gehorsam."

Wenn ich daran denke, was und mit welcher Mehrheit der TeilnehmerInnen auf der "Würzburger Synode" in Fortsetzung des Konzils beschlossen worden ist und als Votum (z. B. Diakonat der Frau!) nach Rom und ging und seitdem unbearbeitet in den Schubladen des Vatikans verstaubt, stelle ich ernüchtert fest: Stillstand und Rückschritt bis auf wenige Bereiche, z. B. der Liturgie.

Ich wünsche Ihnen und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Gesprächsabends Freude über das Konzil und Trauer über das geringe Maß an Verwirklichung. In seinem vor fünf Jahren erschienen Buch "Eine Kirche, die Zukunft hat" erklärt der frühere Wiener Weihbischof Helmut Krätzl u. a.: "Wie am Konzil braucht es auch heute den Mut, Neues zu wagen und auf manch Altes - das nicht immer das Bessere gewesen sein muss - zu verzichten. Der Glaubwürdigkeit der Kirche dient nicht der Anschein, sie habe kontinuierlich immer Dasselbe gelehrt, sondern das ehrliche Eingeständnis, auch Fehler gemacht zu haben und zu besserer Einsicht gekommen zu sein. Wenn das Konzil wirklich das Geschenk des Geistes an die Kirche war, dann dürfen wir es nicht als geschichtliches Ereignis ‚verwahren', ‚archivieren', sondern müssen es zu voller Entfaltung bringen und mit der Welt teilen, die uns ja anvertraut worden ist."

Die Ihnen, sehr geehrter Herr Dekan, vorgetragene Bitte um Vermittlung eines Dialogs zwischen Bischof und der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt wiederhole ich in diesem Zusammenhang noch einmal und hoffe, dass die bisher verschlossene Tür nicht nur halbherzig einen Spalt, sondern weit geöffnet wird. Ich bitte Sie um Verständnis, dass wir dieses Schreiben unter "Aktuelles" auf unserer Homepage veröffentlichen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Hürter
"Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt


Info 28. September 2012

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht: Worum geht es den Kirchensteuer-Verweigerern?

Es gibt zwei Gruppen von Gläubigen, die keine Kirchensteuer zahlen wollen. Da sind zum einen diejenigen, denen die Kirche, aus welchem Grund auch immer, nichts mehr bedeutet und die sich das Geld sparen wollen. Zu ihnen gehört der langjährige Professor für Kirchenrecht Hartmut Zapp nicht. Er gehört zu der zweiten Gruppe von Menschen, denen die Kirche viel bedeutet, aber nicht mehr in der Gestalt einer anhaltend Reform verweigernden und überzogen zentralistischen Macht ausübenden Gemeinschaft, die Menschenrechte verletzt und dem Willen seines Stifters immer weniger entspricht. Diese Katholikinnen und Katholiken versuchen der reichen Kirche in Deutschland, deren Bischöfe und Domkapitulare überreichlich vom Staat bezahlt werden, die finanziellen Mittel zu entziehen und so die Bereitschaft zu einer glaubwürdigeren Glaubensgemeinschaft zu erhöhen. Sie wollen christliche Seelsorge und mitbestimmen, was mit ihrem Beitrag geschieht. So zahlen viele Gläubige anstelle einer Kirchensteuer einen freiwilligen Beitrag bzw. Spenden direkt an soziale, auch kirchliche Einrichtungen. Sie wollen auch nicht, dass ihr Geld von "oben" nach "unten", sondern umgekehrt von "unten" nach "oben" verteilt wird.

Prof. Zapp und den zunehmend vielen Gleichgesinnten, ja selbst den Gleichgültigen, kann "die Taufe nicht genommen" werden. Das weiß auch die Kirchenleitung. Sie sollte das staatsrechtliche Urteil nicht als Erfolg feiern, sondern sich endlich mit den Menschen am Rande der Kirche auseinandersetzen, ihnen zuhören und auf sie eingehen. Es geht bei der Kirche nicht in erster Linie um eine Gesellschaft, die Dienstleistungen gewährt oder verweigert. Das wird vor allem dann deutlich, wenn diese zumeist mit ca. 90 %igem staatlichen Finanzierungsanteil angebotenen Sozialdienste (Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuse) als erste in der Kirche dem Rotstift zum Opfer fallen, wenn das Geld knapper wird. Gespart wird in der Regel nicht "oben", sondern "unten" mit dem Hinweis, dass die sozialen Einrichtungen nicht zu den "Kernkompetenzen" der Kirche gehören.

Info 20. September 2012

Warum arbeitete die Theologische Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt nicht an einer 50-seitigen Handreichung zur Vorbereitung auf den "Eucharistischen Kongress" in Köln (2013) mit?

Im Oktober 2011 erschienen unter dem Titel "Ich bin das Brot des Lebens" auf über 50 Seiten theologische, katechetische und liturgische Handreichungen zur Vorbereitung auf den "Eucharistischen Kongress" in Köln (2013). In seinem Vorwort erwähnt Bischof Hanke, dass es sich um eine "Art Werkbuch, um einen Impulsgeber für den Bischof" handelt. Er schreibt: "Ich bin dankbar für das Engagement der Autoren des vorliegenden Manuale, welche aus ganz unterschiedlichen kirchlichen und pastoralen Handlungsfeldern stammen und die uns durch ihre Arbeitsergebnisse auf dem Weg hin zum Eucharistischen Kongress 2013 anregen, begleiten und ermuntern wollen. Aus Freude und innerer Überzeugung über die eminente Bedeutung des Themas Eucharistie haben sie über längere Zeit zusammen gebetet, fachlich-wissenschaftlich darum gerungen und so viele interessante und wertvolle Aspekte erarbeitet." Offensichtlich gehört die Theologische Fakultät der Eichstätter Katholischen Universität nicht zu den entsprechenden Handlungsfeldern. Keiner der Experten findet sich im achtköpfigen Autorenteam wieder, wohl aber der Kaplan Andreas Süß aus Düsseldorf, der Direktor des Bischöflichen Studium Rudolphinum des Bistums Regensburg Dr. Christoph Binninger, der Bischöfliche Sekretär Domvikar Sebastian Bucher, der Leiter der Personalkammer Bischofsvikar Georg Härteis, der Pfarrer aus Ingolstadt Klaus Meyer, die Gemeindereferentin Veronika Pabst und der Religionslehrer i. K. Udo Pabst aus Gunzenhausen und der Rektor des Collegium Orientale Domkapitular Paul Schmidt. Für die redaktionelle Bearbeitung war DDDr. Markus W.E. Peters, Bischöflicher Referent, zuständig.

Im Vorwort des Bischofs finden sich Formulierungen wie: "In einer Zeit, in der große Abbrüche in der kirchlichen Praxis und zum Teil kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit über die künftige Gestalt und Rolle der Kirche auf eine tiefe Glaubenskrise hinweisen, darf sich die Zielsetzung des Kongresses nicht allein darauf beschränken, die eucharistische Frömmigkeit und Praxis des einzelnen Gläubigen durch Impulse für ein tieferes Verständnis der Messfeier und der Eucharistielehre der Kirche zu verlebendigen sowie eucharistische Andachtsformen zu vertiefen, so sehr wir dieser Schritte für eine Glaubensstärkung bedürfen." - "Wo aber die mit der Feier der Eucharistie verknüpfte Entprivatisierung des Einzelnen, seine Hingabe hinein in die Communio mit Christus nicht wirklich vollzogen wird, wo der Eucharistieglaube schwach oder gar defekt ist und die Herrenmahlfeier unwürdig verläuft, muss es nicht verwundern, wenn Schwierigkeiten und Spaltungen in der Gemeinde auftreten (1 Kor 11) und schließlich auch die gebotene Sorge füreinander, die Caritas in der Gemeinde dem Egoismus weicht."

Bischof Hanke spricht von "Vielfalt in Einheit" bei der Kirche.

Im Bayerischen Rundfunk sprach Bischof Hanke anlässlich seiner Mitwirkung auf dem Kongress "Freude am Glauben" von der "Vielfalt in Einheit". Jeder Getaufte müsse sich fragen: Welche Berufung habe ich?

Im Hinblick auf den Gesprächsprozess der deutschen Bischöfe, der seine "2. Runde" am gleichen Wochenende in Hannover abhielt, während Bischof Hanke sich bei den so genannten Papst- und Kirchentreuen aufhielt, erklärte er, dass beim Gesprächsprozess durch Begegnungen und Kennenlernen alles ausgesprochen werden soll, damit die Bischöfe ein umfassendes Bild davon bekommen, was die Menschen bewegt. Wieso stellt sich Bischof Hanke immer noch nicht einem Dialog mit den sehr unterschiedlich denkenden und fühlenden Menschen in seinem Bistum?

Am 11. Oktober 2012 eröffnet Bischof Hanke "Jahr des Glaubens" für das Bistum Eichstätt in Ingolstadt.

Das von Papst Benedikt XVI. angekündigte Jahr des Glaubens wird am 11.10.2012 in Ingolstadt eröffnet. Der Papst ruft weltweit die Katholiken dazu auf, ihren Glauben durch Konzentration auf Gebet und Gottesdienst zu stärken. In seinem Apostolischen Schreiben "Porta fidei - Tür des Glaubens" wünscht er sich, "dass dieses Jahr in jedem Gläubign das Verlangen wecke, den Glauben vollständig und mit erneuerter Überzeugung, mit Vertrauen und Hoffnung zu bekennen. Es wird eine günstige Gelegenheit sein, um auch die Feier des Glaubens in der Liturgie zu verstärken, besonders in der Eucharistie … Zugleich wünschen wir uns, dass das Zeugnis des Lebens der Gläubigen an Glaubwürdigkeit gewinnt. …"

Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt wünscht sich, dass nicht nur im "Jahr des Glaubens" die GLAUBWÜRDIGKEIT nicht nur der einzelnen Gläubigen, sondern vor allem die Glaubwürdigkeit aller Amtsträger und der kirchlichen Strukturen eine viel größere Rolle spielen als in den letzten Jahrzehnten. 50 Jahre nach Beginn des II. Vatikanischen Konzils orientiert sich die Kirchenpolitik, vor allem die Personalpolitik durch die Ernennung vor allem papsthöriger Bischöfe an einem dem Konzilsgeist widersprechenden römischen Zentralismus.

Pfarrei-Initiative in der Schweiz

Ca. 100 SeelsorgerInnen haben sich nach dem Vorbild der österreichischen Pfarrer-Initiative www.pfarrer-initiative.at in der Schweiz zu einer Pfarrei-Initiative www.pfarrei-intiative.ch zusammengeschlossen. Sie erklären u. a.: "Die gegenwärtige kirchliche Situation ist geprägt von Verhaltensweisen, die oft Regeln sprengen. Wir Seelsorgende wollen deutlich aussprechen, was heute bewährte Praxis ist, damit erkannt werden kann, wo Ausnahmen und Ungehorsam zur Regel geworden sind. Unser Ziel ist es, klar zu benennen, was wir tun, um unser eigenes Handeln selbstkritisch zu reflektieren, ‚im Lichte des Evangeliums zu deuten' und so die solidarische Überzeugung unter den Seelsorgenden zu stärken."

Unter der Überschrift "Was uns selbstverständlich ist" führen sie an, wie sie sich hinsichtlich der Jahrzehnte alten Reformforderungen verhalten.

Thomas von Mitschke-Collande: "Schafft sich die Katholische Kirche ab?"

Dr. Thomas von Mitschke-Collande, früherer Direktor der Unternehmensberatung McKinsey in München und langjähriger Berater der Deutschen Bischofskonferenz und einzelner Bistümer und engagierter Katholik, hat in diesen Tagen ein neues Buch im Kösel-Verlag mit dem Titel "Schafft sich die Katholische Kirche ab?" veröffentlicht. Im Bucheinband heißt es: "Die katholische Kirche befindet sich an einem Wendepunkt. Ihre Mitglieder, viele Geistliche und die große Schar der Gläubigen, vor allem die engagierten Laien, haben begriffen, dass es so nicht weitergehen kann und darf. Das schweigende, bisher weitgehend loyale Kirchenvolk hat angefangen zu murren, die so genannte Amtskirche gesteht Verbesserungsbedarf ein. Keine Frage, die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen, ist bei vielen vorhanden." Kardinal Karl Lehmann hat das Vorwort verfasst.

Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe hatte bei einer Mahnwache am 16.11.2010 "Reformdialog! Wovor habt ihr Bischöfe Angst?" (Siehe Info 16. November 2010!) eine Begegnung mit Dr. Thomas von Mitschke-Collande. Anlässlich des Antrittbesuchs des Münchener Erzbischofs als Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hielt sich von Mitschke-Collande in Eichstätt auf und zeigte lebhaftes Interesse an der Arbeit der Diözesangruppe. Hier ein Interview "Die Kirche erreicht die Menschen nicht mehr!" im "Münchener Merkur" vom 10.09.2012. Darin antwortet er auf die Fragen "Brauchen wir einen friedlichen "Arabischen Frühling" in der Kirche?": Vielleicht ist es notwendig. Wir Laien müssen die Scheu verlieren vor der kirchlichen Obrigkeit, uns aktiv engagieren und Geistliche bestärken, entsprechend dem Evangelium zu handeln. Deswegen bin ich für loyalen, kirchlichen Ungehorsam als Ultima ratio. "Wie sieht der aus?": Dass man, zum Beispiel wenn Wortgottesdienste sonntags verboten sind, sie trotzdem feiert. Dass man nicht alle Verlautbarungen schluckt, sondern sich zur Wehr setzt. Dass Gläubige vor Bischofshäusern protestieren, halte ich für legitim. Widerspruch, wo es angebracht ist, und Liebe zu Papst und Kirche - das geht nicht nur, sondern es gehört zusammen. Gerade das Thema Gehorsam in der Kirche muss neu überdacht werden: Ich führe heute erfolgreich nicht mehr mit dem Argument der Macht, sondern mit der Macht der Argumente.

Info 10. September 2012

Bischof Hanke erklärt sein Bischofspalais zum "Bischofshaus" - Bischof Tebartz-van Elst seine im Bau befindliche Residenz zum "Diözesanes Zentrum St. Nikolaus"
Bischöfe, wie die von Eichstätt und Limburg, geben eine Menge Geld aus, um sich medial beraten zu lassen. So hat Tebartz-van Elst nach dem Ärger in der Bevölkerung seine im Bau befindliche Residenz in "Diözesanes Zentrum St. Nikolaus" umbenannt. Sein Bischofskollege in Eichstätt, der ihm in einem Beitrag in seiner Kirchenzeitung und einer Pressemitteilung (Siehe Info 1.09.2012) ebenso wie der Kölner Erzbischof Meisner zu Hilfe kam und Kritikern dieses aufwändigen Bauvorhabens vorhält, dass es ihnen an dem rechten Verständnis für Aufgabe und Amt eines Bischofs mangele, erklärt sein Bischofspalais zum Bischofshaus. Wie sein nach außen durch hohe Mauern abgeschirmtes "Bischofshaus" aussieht, zeigen die nachfolgenden Fotos nur zum Teil, weil hinter den hohen Mauern noch einmal ein großer Wohntrakt existiert, der von seinem Vorgänger, Bischof Mixa, vor Amtsantritt mit Riesenaufwand umgebaut worden war.



Bischof Hanke beim Kongress "Freude am Glauben"
Wie wenig aufgeschlossen für Reformen der Eichstätter Bischof ist, beweist seine Teilnahme am Kongress "Freude am Glauben", der in dieser Woche von dem erzkonservativen und reaktionären "Forum der Deutschen Katholiken" in Aschaffenburg veranstaltet wird. Das Thema lautet: "Die Kirche - mehr als eine Institution". Der Kongress will u. a. "die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf das richtige Verständnis der Kirche lenken und so das Fundament des katholischen Glaubens festigen. … "Die Christen und gerade die katholische Kirche erfahren in Deutschland und in der Welt ein hohes Maß an Anfeindung und Verfolgung." Ökumenische Aspekte oder eine Erinnerung an das vor genau 50 Jahren eröffnete Reformkonzil sucht man im Kongressprogramm der selbst ernannten Papst- und Kirchentreuen vergebens. Stattdessen feiert man Gottesdienste im lateinischen Ritus.

Der bisher einen Dialog mit der Wir sind Kirche- Diözesangruppe Eichstätt verweigernde Eichstätter Bischof Hanke nimmt sich auf diesem Kongress Zeit, über "Was erwartet sich die Kirche heute von den Laien?" zu referieren und sich mit Jugendlichen zu treffen. Wäre dieses Thema in Verbindung mit dem Thema "Was erwartet sich das Kirchenvolk 50 Jahre nach Beginn des II. Vatikanischen Konzils von dem Dienst ihres Bischofs?" geeignet, endlich in einen offenen Dialog mit der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt zu kommen? Offenbar sucht er nur den Kontakt mit den Menschen, die keine kritischen Fragen an die Kirchenleitung stellen und das Glaubwürdigkeitsproblem unserer Kirche nicht sehen können oder wollen.

Info 1. September 2012

Bischöfe und ihr Amtsverständnis am Beispiel des Limburger und Eichstätter Bischofs

In seiner Pressemitteilung vom 30.08.2012 erklärt Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt "Die erregte Debatte in den Medien über das Bauprojekt des Limburger Diözesanzentrums mit Dienstsitz des Bischofs" als ein "Zeichen fehlenden Verständnisses für Aufgabe und Amt des Bischofs. Ein Bischof brauche neben dem notwendigen Wohnraum die Gelegenheit, Menschen ungestört zu begegnen." An diesem Beispiel zeigen sich nach Auffassung der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt Probleme, die viel mit der Glaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche zu tun haben. Der frühere Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, war einer der wenigen deutschen Bischöfe, der u. a. durch persönliche Bescheidenheit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit überzeugend und glaubwürdig als Bischof wirkte. Seine soziale Einstellung den Menschen gegenüber und seine hervorragenden Predigten machten ihn zu einer weit über die Bistumsgrenzen bekannten Persönlichkeit. Im krassen Gegensatz dazu sein Nachfolger Franz-Peter Tebartz-van Elst! Kaum im Amt, versuchte er sich durch betont romtreue Haltung und aufwändige Amtsführung zu profilieren. Während sein Vorgänger sich mit einem VW-Golf fortbewegte, erschien es Tebarst-van Elst notwendig, einen großen BMW mit wechselnden Kennzeichen anzuschaffen. Karriereorientiert wollte er sich auf Dauer nicht mit einer 2-Zimmer-Wohnung im ehemaligen Priesterseminar begnügen, sondern als VIP (sehr wichtige Person!) eine angemessene Residenz mit eigener Kapelle beziehen. Diese Residenz auf dem Domberg wurde jetzt in "Diözesanes Zentrum St. Nikolaus" benannt, nachdem es deswegen nicht nur im Kirchenvolk, sondern in der Presse, vor allem wegen der Baukosten erhebliches Aufsehen erregt hat. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass sein Eichstätter Kollege in der erwähnten Pressemitteilung vom 30.08.2012 sich solidarisch mit seinem Amtsbruder zeigt und das fehlende Verständnis für Aufgabe und Amt eines Bischofs bei Kritikern bemängelt. Auch Bischof Hanke lebt tatsächlich in einem Bischofspalais, von hohen Mauern umgeben, und versucht durch den Ausdruck "Bischofshaus" davon abzulenken. Waren der frühere Bischof Kamphaus und seine Vorgänger aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht in der Lage, "Menschen ungestört zu begegnen" (Hanke) und "sich geistlich auszutauschen"?

Bischöfe und das "liebe" Geld

Im Bistum Eichstätt, wie in anderen Bistümern, gibt es einen Diözesansteuerausschuss, der über die Verwendung der Kirchensteuereinnahmen entscheidet. Die Öffentlichkeit wird über die Entscheidungen informiert. Damit wird eine gewisse Transparenz hergestellt. Wie aber ist dieses Gremium "Diözesansteuerausschuss" zusammengesetzt und wie wird zentral gesteuert, wer Mitglied wird? Zum einen ist festzustellen, dass der Bischof Vorsitzender dieses Gremiums ist. Stellvertretender Vorsitzender ist der Finanzdirektor des Bistums. Die beiden Hauptverantwortlichen für die finanziellen Ausgaben stehen an der Spitze des Beschluss- und Kontrollgremiums. Sie kontrollieren sich gewissermaßen selbst in Anwesenheit meist ihnen genehmer Katholiken.

Das ist nur eine "Seite der Medaille"! Wohlweislich wird der Eindruck erweckt, dass der vom Diözesansteuerausschuss verabschiedete und kontrollierte Bistumshaushalt alles Finanzielle im Bistum umfasst. Wer aber erfährt etwas über die Einnahmen und Ausgaben des Bischöflichen Stuhls oder über das Vermögen der Kirche, das sich in Stiftungen oder anderen Gesellschaftsformen befindet? Wo können die Gläubigen erfahren, was der Staat an die Bistümer zahlt, z. B. die Vergütungen für Bischöfe (angeblich in Höhe eines Staatssekretärgehaltes) und Domkapitulare einschließlich deren Altersversorgung sowie sonstige Zahlungen? Hier herrscht Schweigen! Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Limburger Bischof durch eine Transaktion (Verkauf eines Immobilienpaketes vom Bischöflichen Stuhl an das Bistum!) einen Millionenbetrag erlöst, der in etwa den Baukosten seiner neuen Residenz von ca. 6 Millionen Euro entspricht. Das Bistum erklärt zu der Frage, wie viel Geld im Bischöflichen Stuhl steckt: "Aus der Rechtsform des Bischöflichen Stuhls als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) ergibt es sich, dass der Bischöfliche Stuhl dazu öffentlich keine Angaben machen muss. Auch das Finanzamt sieht aufgrund dieser Rechtsform keine Veranlassung, sich dieses Vermögen anzusehen. Das tut das Finanzamt auch bei anderen KdöRes nicht."
Das Bistum Limburg weist zwar darauf hin, dass ein Gremium "aus externen und unabhängigen Wirtschaftsfachleuten und Juristen", "die Verwaltung und die ordnungsgemäße Verwendung der Erträge und Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls streng überwacht". Außerdem habe der Limburger Bischof jedes Jahr ein "handelsrechtliche Vollprüfung" durch eine externe und unabhängige Wirtschaftsprüfung bis ins Detail angeordnet. Es heißt dann: "Der Bischof muss jeden Cent, den er aus dem Bischöflichen Stuhl einer Verwendung zuführen möchte, genehmigen lassen." Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich! Fragt sich nur: Wenn das alles so genau kontrolliert wird, warum wird der Haushalt des Bischofs und das Vermögen des Bischöflichen Stuhls dann nicht auch freiwillig offengelegt?

Wie sparsam und sorgsam der Umgang mit Geld ist, zeigen die kürzlich bekannt gewordenen Flugkosten des Bischofs und seines Generalvikars in Höhe von ca. 8.000 €. Beide waren in der Business-Class nach Indien geflogen, um soziale Hilfsprojekte des Bistums zu inspizieren.

Wie häufig, wird als Ursache des derzeitigen Ärgers in der Öffentlichkeit nicht der wirkliche Grund, sondern Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums und Medienkampagnen benannt. Es ist dringend nötig, dass christliches Handeln vor allem an der Spitze der Bistümer spürbar wird. In den Gemeinden wird gespart und in den Bistumsleitungen nicht oder ungleich weniger. Ebenso kürzen Bistümer in der Regel zuerst bei sozialen Einrichtungen, wie Kindergärten oder Altenheimen mit dem Hinweis, dass diese nicht zu den Kernkompetenzen der Kirche gehörten. Dabei werden diese sozialen Einrichtungen zu 80 % oder mehr vom Staat finanziert.

Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt, von der Kirchenleitung immer noch nicht als eine Bewegung innerhalb der Kirche bischöflich anerkannt, wartet auf Gespräche mit dem Eichstätter Bischof, die dieser bisher verweigert hat. Sein Bischofshaus könnte "eine Stätte der Begegnung und des geistlichen Austausches" sein. Dazu bedarf es keinen neuen Diözesanzentrums, sondern des guten Willens, sich mit kritischen Christinnen und Christen auseinander zu setzen, die sich um die Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns sorgen und genauso wie der Bischof verantwortlich dafür fühlen, dass die Kirche Zukunft hat. Der Eichstätter Bischof übersieht die Gefahr, sich zu sehr mit angepassten Menschen zu umgeben. Ohne Bereitschaft zur Begegnung und des ernsthaften Austausches von Argumenten mit unbequemen Menschen geht es nicht.

Info 16. Juli 2012

Katholische Universität Löwen entzieht Bischöfen ihr Stimmrecht
In einer Pressemeldung der Katholischen Presseagentur Österreich kathweb vom 14. Juli 2012 heißt es u. a.: "In Belgien hat die Katholische Universität Löwen (KU Leuven) der katholischen Kirche ihr Stimmrecht im Höchsten Gremium der Universität entzogen. Die fünf bischöflichen Gremienmitglieder sollten künftig nur eine beratende Funktion einnehmen, könnten aber über wissenschaftliche Projekte wie etwa Stammzellenforschung nicht mehr entscheiden, meldeten belgische Medien am Freitag unter Berufung auf die Universitätsleitung. Zu den Mitgliedern des rund 30 Personen umfassenden Gremiums gehört auch der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz, Erzbischof Andre-Josef Leonard von Mecheln-Brüssel. Er ist Großkanzler der KU." … Nach Angaben der Universität betont das neue Leitbild der Hochschule deren Selbständigkeit. Eine unabhängige Verwaltung sei eine wesentliche Voraussetzung für die akademische Freiheit. Anlasse der Initiative waren unter anderem Äußerung von Erzbischof Leonard im Jahr 2010. Der Episkopatsvorsitzende hatte Aids als eine Konsequenz von Fehlverhalten bezeichnet und dabei von einer Form ‚imminenter Gerechtigkeit' gesprochen. An der KU unterzeichneten damals mehr als 100 Lehrkräfte eine Petition, die von Leonard verlangte, als Großkanzler der Hochschule zurückzutreten."

Auf Einladung der WsK-Gruppe Eichstätt kommt Majella Lenzen Anfang 2013 nach Ingolstadt
Die ehemalige Ordensfrau Majella Lenzen, Verfasserin des Buches "Das möge Gott verhüten - Warum ich keine Nonne mehr sein kann" (5. Auflage) kommt Anfang nächsten Jahres auf Einladung der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt zu einem Gesprächsnachmittag nach Ingolstadt. der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. 40 Jahre war Majella Lenzen im Dienst der katholischen Kirche tätig. Sie baute in Tansania ein Krankenhaus auf, wurde Provinzoberin in Simbabwe und versuchte, die Ordensregeln zu erneuern. Deshalb wurde sie in eine von HIV stark betroffene Krisenregion zwangsversetzt. Die Verteilung von Kondomen wurde ihr zum Verhängnis. Sie musste aus dem Orden ausscheiden, ohne dass der zuständige Bischof mit ihr ein Gespräch führte, wie sie es sich gewünscht hatte.
Am 9. Oktober 2012 erscheint ihr neues Buch "Fürchte dich nicht!", ebenfalls im Dumont-Buchverlag. Darin berichtet sie "vom langen Weg einer tiefgläubigen Frau zu sich selbst, von Demütigungen und menschenverachtenden Strukturen innerhalb der Kirche und vom Ringen um Selbstachtung und Selbstbestimmung." Beide Buchveröffentlichungen orientieren sich an der Aussage "Wenn alle schweigen, wird sich nie etwas ändern."

Marco Politi "Joseph Ratzinger: Krise eines Pontifikats"
am 11. November 2012 in Ingolstadt

Ebenfalls auf Einladung der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt spricht am 11. November 2012, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, Ingolstadt, der deutsch-italienische Journalist über das Thema seines in 2012 erschienen Buches "Joseph Ratzinger: Krise eines Pontifikats". Als langjähriger Vatikanexperte, der u.a. 20 Jahre für die italienische Tageszeitung "La Republica" aus dem Vatikan berichtete und das letzte Interview mit Kardinal Joseph Ratzinger unmittelbar vor seiner Papstwahl führte, erklärt wohlwollend die Stärken und Schwächen von Papst Benedikt XVI.. Neben seiner Bewunderung für den Papst als Mann des Wortes zeigt er auf, wie dieser u. a. einsame Entschlüsse fasst und keine offenen Diskussionen fördert und fordert. Politi wird im November auf die aktuelle Situation, z. B. im Hinblick auf die Piusbrüder, eingehen. Schon jetzt sind alle InteressentInnen sehr herzlich eingeladen. Politi spricht hervorragend Deutsch und steht selbstverständlich nach seinem Vortrag für eine Diskussion zur Verfügung.


Info 2. Juli 2012

Sollte die "Kongregation für die Glaubenslehre" mit ihrem neuen Präfekten Müller nicht wieder in "Heilige Inquisition" umbenannt werden?

Jetzt ist es offiziell! Der karriereorientierte und polarisierende Regensburger Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller ist heute zum Präfekten der "Kongregation für die Glaubenslehre" ernannt worden. Mit dieser Ernennung im Rückwärtsgang sollte der Papst auch entsprechend den Namen "Heilige Inquisition" wieder einführen. Dieser Mann an der Spitze einer Institution, die ebenfalls über eine langjährige fragwürdige Tradition verfügt.

Während Prof. Hans Küng von einer katastrophalen Fehlbesetzung spricht und Müller als bornierten Scharfmacher bezeichnet, spricht das Landeskomitee der Katholiken in Bayern von einer Idealbesetzung und erwähnt Müllers "ansteckenden Humor". Von diesem angeblichen Humor hat wohl nur der Vorsitzende des Landeskomitees etwas entdecken können.

Vor genau 10 Jahren veröffentlichte der damalige Dogmatikprofessor Müller in der Tagespost vom 23.03.2002 auf den Seiten 12 - 13 unter der Überschrift "Wer hat das letzte Wort?" seine Ansichten über die Weihe von Frauen als Priesterinnen, die im Inhalt und Ausdruck beispielhaft für eine höchst unwissenschaftliche Arbeit sind, die zudem von einer Lieblosigkeit geprägt ist, die beschämend ist. Dies "qualifizierte" ihn nicht nur zum Bischof, sondern auch als zukünftiger Kardinal auch für eine kirchliche Spitzenposition. In seiner Zeit als Professor für Dogmatik an der katholischen Fakultät der LMU-München bemühte er sich viermal erfolglos um die Stelle des Dekans.

Info 1. Juli 2012

Am 17.06.2012 firmte der em. Bischof Walter Mixa im "Alten Ritus" in Ingolstadt

Offensichtlich mit Billigung des Eichstätter Bischofs führte der em. Bischof Dr. Walter Mixa am 17.06.2012 in Ingolstadt eine Firmung durch. Dies geschah nicht in einer Pfarrei, sondern während einer Messe im "Alten Ritus", die von der Petrusbruderschaft an jedem Sonntag im Canisiuskonvikt gefeiert wird. Mit Unterstützung von Bischof Dr. Gregor Maria Hanke "profilierte" sich der äußerst umstrittene em. Bischof Mixa als erster em. Bischof die Messe im "Alten Ritus" gefeiert zu haben, wie von traditionalistischer Seite berichtet wurde.

Kirchenhistoriker Rudolf Lill zu Papst Benedikt XVI.

In einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" am 6.06.2012 äußerte sich der Kirchenhistoriker Prof. Rudolf Lill kritisch zu der Amtsführung von Papst Benedikt XVI. Der Papst regiere ganz allein und mit einer kleinen reaktionären Clique. Konzilsorientierte Menschen, die eigene Traditionen durchdenken und auf Dialog im weitesten Sinn ausgerichtet waren, seien entfernt worden. Der Papst habe sich mit "gehorsamen Dienern" umgeben. Es bestehe nur noch eine traditionalistische und eine ultrakonservative Richtung. Der Papst konzentriere sich nur auf wenige Themen, "die wie der Einsatz für das Leben, Bioethik und alles, was damit zusammenhängt, dem Papst besonders am Herzen liegt. Die großen Fragen der Welt werden darüber vergessen, und die katholische Kirche ist nicht mehr in der Welt so präsent, wie es sie bis vor 30 Jahren war". "Man beschäftigt sich mit sich selbst, und das ist sowohl das kirchenpolitische wie auch das theologische Problem dieses Pontifikats." Der Kardinalstaatssekretär Bertone und der Papst setzten auf ein völlig einförmiges monolithisches Regiment.

Bischof Hanke wieder beim "Forum Deutscher Katholiken" als Referent und Zelebrant

Der Eichstätter Bischof Hanke tritt Mitte September 2012 sowohl als Zelebrant als auch als Referent bei der sich als rom- und kirchentreu bezeichnenden Organisation in Aschaffenburg auf. Das Thema seines Vortrags lautet: "Was erwartet sich die Kirche von den Laien?". Es ist bemerkenswert, dass Bischof Hanke bisher Gespräche mit der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt verweigert. Diese würde gerne mit ihm u. a. über das Thema "Was die Laien von ihrem Bischof erwarten?" diskutieren. Der Auftritt beim "Forum Deutscher Katholiken" und die Weigerung, mit kritischen Gläubigen seines Bistums zu sprechen, lässt ihn erneut als Anhänger eines vorkonziliaren Kirchenbilds erscheinen.

Prof. Franz-Xaver Kaufmann zum herrschaftlichen Verständnis des Papsttums

Anlässlich der Verleihung des Ehrendoktorats der katholischen Fakultät der Universität Münster am 26.06.2012 hat der bekannte Soziologe Prof. Franz-Xaver Kaufmann über "Was mir das Zweite Vatikanische Konzil bedeutet" referiert, das wir unter "Aufgelesen" veröffentlichen. Hier nur sein Schlusssatz: "Persönlich bin ich zur Überzeugung gelangt, dass das herrschaftliche Verständnis des Papsttums, welches sich seit Gregor VII. und Innozenz III. herausgebildet hat, aber auch das geltende Kirchenrecht prägt, unter heutigen Umständen einer Begegnung mit dem ‚Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs' und seinem Sohn Jesus Christus eher im Wege steht."

Info 10. Juni 2012

Presse-Erklärung

Zehn Jahre Priesterinnenbewegung (RCWP-international) in der röm.-kath. Kirche

Vor 10 Jahren (am 29.06. 2002) ereignete sich die erste öffentliche Ordination von Priesterinnen in der römisch-katholischen Kirche.
Einige der sieben ordinierten Frauen hatten sich bereits seit dem 2. Vatikanischen Konzil in Wort und Schrift für die Frauenordination eingesetzt.
Im Laufe von 10 Jahren ist aus diesem kleinen Anfang (2002) inzwischen eine wachsende internationale Bewegung geworden.
Zur Zeit üben ca. 130 Priesterinnen (darunter einige Kandidatinnen) in verschiedenen Ländern ihren Dienst aus: z.B. in Hauskirchen und in größeren Gemeinden, in Krankenhäusern, in der Altenpflege sowie in Gefängnissen und in der Obdachlosenarbeit. So gestalten sie im Geist Jesu Christi eine gegenläufige frauenfreundliche Tradition innerhalb der erstarrten römisch-katholischen Kirche.

Historischer Hintergrund:
Angesichts wachsender internationaler Bewegung für die Frauenordination in der nachkonziliaren Phase hatte die vatikanische Kirchenleitung bereits 1977 eine Erklärung gegen die Zulassung von Frauen zum Priesteramt veröffentlicht, obwohl dem Report der Päpstlichen Bibelkommission (1976) zufolge das Neue Testament keine Grundlage dafür bietet, Frauen endgültig vom Priesteramt auszuschließen. Dennoch wurde die Frauenordination durch das Apostolische Schreiben Johannes Pauls II. Ordinatio Sacerdotalis (1994) "definitiv" ausgeschlossen.
Die Ablehnung der Frauenordination seitens der vatikanischen Kirchenleitung beruht eindeutig auf theologisch nicht tragfähigen, frauenfeindlichen Gründen; deshalb stößt sie weltweit bei katholischen Frauen und in kirchlichen Reformbewegungen auf zunehmenden Widerstand.

Für die deutsche Sektion der internationalen Bewegung "Roman Catholic Women Priests" (RCWP): Ida Raming, Dr. theol., Stuttgart, Juni 2012

Info 4. Juni 2012

  • Evangelischer Landesbischof für positive Streitkultur in der Kirche
  • Regensburger Bischof G.L. Müller verunglimpft Kirchenreformer
  • Eichstätter Bischof: "Aufbruch im Glauben hängt nicht davon ab, wie viel wir in der Kirche umkrempeln und modernisieren können."
  • Wiener Erzbischof erhält Brief "Ich will ‚exkommuniziert' werden.
In der Zeit um Pfingsten wird kirchliche Realität durch folgende Meldungen erfahrbar:

Evangelischer Landesbischof für positive Streitkultur in der Kirche
Vor ca. 16.000 Christinnen und Christen warb nach einer Mitteilung des Bayerischen Rundfunks der Landesbischof Bedford-Strohm auf dem diesjährigen bayerischen evangelischen Kirchentag für eine positive Streitkultur in der Kirche. Manchmal müsse man um die Wahrheit streiten. Dies müsse aber in Achtung und Liebe zueinander geschehen. Wenn einer anfange, andere abzuwerten oder sie fanatisch zu bekämpfen, gewinne "der Hass die Macht über euch und vergiftet eure Herzen und euren Verstand". Die Kirche stehe oft vor der Frage, ob das Folgen eines Zeitgeists nun ein Verrat am Evangelium wäre, ober ob man das Evangelium verrate, wenn man nichts verändern und nichts dazulernen wolle.

Regensburger Bischof verunglimpft weiterhin Kirchenreformer/innen
Hatte Bischof Gerhard Ludwig Müller vor Jahren schon Kirchenreformerinnen und -reformer als "Kirchengegner", ja als "Kirchenfeinde" bezeichnet, sprach er kürzlich im Zusammenhang mit dem Widerstand von Laien gegenüber von Bischof Zdarsa geplanten Strukturveränderungen von "Hetzkampagnen" gegen den Bischof. Die ganze Polemik sei von Ideologen nur vorgeschoben, um die Entsakramentalisierung in der katholischen Kirche voranzutreiben. Nach einem Bericht des "Donaukurier" vom 26.5.2012 erklärte Bischof Müller wörtlich: "Es sind freilich auch dieselben Grüppchen, die dahinter stehen und die sich laut wichtig machen, in bestimmten Medien ihre Kollaborateure haben und dadurch in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, sie würden die Laien vertreten."
Wenige Tage früher erklärte er auf dem Deutschen Katholikentag in Mannheim nach einem Bericht des "DK" vom 21.05.2012 u.a.: "Es ist die Frage, ob die so genannten Reformgruppen wirklich solche sind." diese bekämen nichts zustande und hängten sich an große Veranstaltungen an. Sie seien eine "parasitäre Existenzform". Auf die Frage nach der Notwendigkeit von Reformen erklärte er: "Es ist die Frage, was man darunter versteht. Wenn das die bekannten Themen sind - damit kann man die Kirche nicht erneuern. Es geht nicht darum, dass wir gesellschaftskonform sind, sondern wir müssen evangeliumskonform sein." Außerdem kündigte Bischof Müller an, den Einfluss von Reformgruppen auf dem nächsten Katholikentag 2014 in Regensburg begrenzen zu wollen. Das Gesicht des Treffens, das vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltet wird, müsse stärker von der Einheit der Kirche geprägt sein. Wie Bischof Müller mit ihm nicht ergeben genug handelnden Laiengremien umgeht, hat er vor einigen Jahren durch die Abschaffung der bestehenden Gremien und der Installation ihm genehmer Gremien (z. B. sein Diözesankomitee) exerziert.

Eichstätter Bischof: "Aufbruch im Glauben hängt nicht davon ab, wie viel wir in der Kirche umkrempeln und modernisieren können."
In der Pressemitteilung vom 27.06.2012 wird der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke u. a. mit der Aussage zitiert: "Aufbruch im Glauben hängt nicht davon ab, wie viel wir in der Kirche umkrempeln und modernisieren können. Aufbruch zum Glauben besagt, die Person Christi muss in unserem Leben als gegenwärtig erfahren werden." …"Ohne die Wirklichkeit der Gegenwart Christi wird all unsere Sorge um bessere und moderne Strukturen der Kirche nicht wirklich zum Aufbruch führen."
Bischof Hanke übersieht offensichtlich wieder einmal, wie wichtig neben der Orientierung an Jesus Christus für den Einzelnen, vor allem diese Orientierung für die Kirchenleitenden sein müsste. Sie predigen jedem Einzelnen von Aufbruch und christlicher Orientierung, übersehen aber bewusst oder unbewusst, dass dies mindestens so wichtig ist, wollen sie persönlich und von Amts wegen ihrer Verantwortung als Bischöfe nachkommen. Dazu empfehlen wir einen Beitrag "Kirche und Politik" von Alvaro Riveros-Polanco, den wir unter "Aufgespießt" veröffentlichen. In diesem Beitrag heißt es u. a.: "Wie wir wissen, sind die hierarchischen kirchlichen Strukturen, die wir heute kennen, eine Anpassung an die weltlichen Strukturen des Römischen Reiches und haben sich allmählich entfaltet, seitdem das Christentum als Staatsreligion anerkannt wurde. Die Demokratisierung des politischen Bereiches hat die Kirche nicht vollzogen, auch wenn sie ein hervorragendes Gespür entwickelt hatte, sich mit der jeweiligen Macht zu arrangieren. Dadurch hat sie Sicherheit und Privilegien für die Institution gewonnen. Deswegen ist die Kirche auch ein Stabilitätsfaktor, die von den Eliten benützt wird, den Status quo zu erhalten. Die Zusammenarbeit mit den schlimmsten Diktaturen (z. B. in Europa und Lateinamerika) war für die Autoritäten der Kirche kein Problem. Ihre Strukturen waren sehr ähnlich."

Wiener Erzbischof erhält Brief "Ich will ‚exkommuniziert' werden."
Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn erhielt gestern einen Brief von Dr. Herbert Kohlmaier, einem Gläubigen seiner Erzdiözese, einen ungewöhnlichen Brief mit der Überschrift "Ich will ‚exkommuniziert' werden." Der genaue Wortlaut ist unter "Aufgelesen" auf unserer Website veröffentlicht. Der Verfasser ist 77 Jahre alt, Jurist, Sozialrechtsexperte, ehemaliger Generalsekretär der ÖVP, ehemaliger Volksanwalt der Republik Österreich, ehemaliger Leiter des Österreichischen Familienbunds und Gründer der Reformbewegung "Laieninitiative" in der katholischen Kirche.
Er schreibt u. a.: "Wenn das Kirchengesetzbuch nicht totes Recht und daher völlig unbeachtlich sein soll, muss es entweder mit den Gegebenheiten, also dem ‚Sensus fidelium', in Übereinstimmung gebracht werden oder es müssen alle, die dagegen verstoßen, ais Gründen der Achtung und Wahrung jeder Rechtsordnung zur Verantwortung gezogen werden. … "Durch das von mir angestrebte Modellverfahren könnte einerseits demonstriert werden, dass sich in den Augen der Kirchenleitung alle strafbar (!) machen, die für eine Reform der Kirche eintreten, weil sie bestimmte Glaubensvorschriften nicht mehr akzeptieren können und wollen. Das wäre statt der Verlegenheit und Verlogenheit ratlosen Ignorierens im Sinne anzustrebender Ordnung und Klarheit außerordentlich wichtig! Ebenso würde aber auch sichtbar, dass mit den Methoden kirchenrechtlicher Vorschriften so genannter "Ungehorsam" von so genannten "Laien" nicht zu verhindern ist."
Mit diesem offenen Brief wird der Wiener Kardinal und der Vatikan ähnlich herausgefordert wie durch den "Aufruf zum Ungehorsam" der österreichischen Pfarrerinitiative.

Info 4. Mai 2012

Vatikan verstärkt eigene Machtkonzentration -
Beispiel Caritas International


Jüngstes Beispiel für eine beispiellose Machtkonzentration sind die gestern vom Vatikan bekannt gegebenen neuen Statuten für Caritas Internationalis (CI), der Dachorganisation von 165 nationalen Caritasverbänden. Nachdem im vorigen Jahr sowohl der Sprecher der Generalversammlung von CI Timothy Radcliffe als auch die Generalsekretärin von CI Lesley-Anne Knight ohne Angabe von Gründen nicht weiterhin zugelassen ("nihil obstat") worden sind, wurden jetzt die neuen Statuten veröffentlicht.

Hintergrund dieser vatikanischen Machtkonzentration ist offensichtlich die Forderung nach einem stärkeren katholischen Profil kirchlicher Hilfswerke. Dem Vatikan verlangt danach den Vorrang der Verbreitung des katholischen Glaubens vor der konkreten Hilfe vor Ort. Nicht nur der Präsident und Generalsekretär sondern auch der Schatzmeister von CI bedarf zukünftig der päpstlichen Billigung. Die Finanzaufsicht obliegt zukünftig dem vatikanischen Staatssekretariat und dem Päpstlichen Rat "Cor Unum", um angeblich eine "gewissenhafte und transparente Verwaltung" zu gewährleisten. Jedes Dokument , das Fragen der Glaubenslehre oder Moral betrifft, ist dem Päpstlichen Rat zur Billigung vorzulegen. Alle vertraglichen Regelungen mit Nichtregierungsorganisationen, Regierungen oder staatlichen Stellen bedürfen der Genehmigung durch den Päpstlichen Rat oder das vatikanische Staatssekretariat. Der Päpstliche Rat entsendet in Zukunft eigene Vertreter mit Rederecht zu allen Versammlung von CI bis hin zur regionalen Ebene. Weiterhin wird eine dreiköpfige beratende Kommission für CI etabliert.

CI hat bisher Hilfe für Menschen in Not geleistet, unabhängig von ihrer ethnischen, religiösen, nationalen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit. Der ausdrückliche Auftrag war es, Solidarität und soziale Gerechtigkeit in der Welt zu verbreiten. Die Motivation lag in ihrer christlichen Überzeugung und Tradition, sowie in der kirchlichen Soziallehre.

In der katholischen Soziallehre hat das Subsidiaritätsprinzip, von dem auch Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika "Deus caritas est" 2005 spricht, eine große Bedeutung. Dieses soll die staatlichen Handlungen in der Anerkennung und Unterstützung von gesellschaftlichen Eigeninitiativen charakterisieren, die den bedürftigen Menschen Spontaneität und Nähe bringen. Solche Initiativen - und nicht der alles regelnde Versorgungsstaat - können den Menschen die für sie notwendige liebevolle persönliche Zuwendung geben: "Nicht den alles regelnden und beherrschenden Staat brauchen wir, sondern den Staat, der entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip großzügig die Initiativen anerkennt und unterstützt, die aus den verschiedenen gesellschaftlichen Kräften aufsteigen und Spontaneität mit Hilfe zu den hilfsbedürftigen Menschen verbinden."

Gilt der letzte Satz aus der päpstlichen Enzyklika nicht sinngemäß auch für die Kirche? Wer anstelle des Wortes "Staat" das Wort "Vatikan" verwendet und den Begriff der Subsidiarität zu Ende denkt, kommt zu der Erkenntnis: "Nicht den alles regelnden Vatikan brauchen wir, sondern den Vatikan, der entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip großzügig die Initiativen anerkennt und unterstützt, die aus den verschiedenen kirchlichen Kräften aufsteigen und Spontaneität mit Hilfe zu den hilfsbedürftigen Menschen verbinden!!!"

Es steht zu befürchten, dass viele Bischöfe und Bischofskonferenzen in dem Erlass neuer Statuten für CI ein Vorbild auch auf diözesaner und nationaler Ebene sehen.

Info 27.03.2012

Kirchenreformer treffen Kirchenrenovierer in Hildesheim

Anlässlich der 31. Bundesversammlung von Wir sind Kirche in Hildesheim kam es zu einer ungeplanten Begegnung zwischen dem ehemaligen Hildesheimer Weihbischof Hans-Georg Koitz (Bildmitte mit Helm) und Aktiven der KirchenVolks'Bewegung. Von links; Annelie Hürter, Kirchenkarikaturistin, Dr. Ida Raming, Vorsitzende der intern. Priesterinnenvereinigung, Peter Sutor, Sprecher der WsK-Diözesangruppe Hildesheim und Prof. Dr. Hermann Häring, Hauptreferent bei der Bundesversammlung. Fasziniert von der Offenheit und Herzlichkeit, frei von jeglichen Berührungsängsten, stellte sich der emeritierte Bischof einem Foto. Seinen Schutzhelm hat er nicht wegen der KirchenreforInnen auf, sondern wegen der umfassenden Baurenovierung der Hildesheimer Domkirche!
Wir sind Kirche hofft, dass fast 17 Jahre nach dem KirchenVolksBegehren, das in Deutschland im Bistum Hildesheim gestartet war, endlich unverkrampft, offen, respektvoll und im Geist des II. Vatikanischen Konzils und der Würzburger Synode ein Reformdialog zwischen Kirchenleitenden und Kirchenvolk möglich wird und zu baldigen Reformen führt. Nicht nur Bauwerke, wie der Hildesheimer Dom, bedürfen nach einer gewissen Zeit einer aufwendigen Renovierung, sondern vor allem auch Strukturen, die nicht mehr zeitgemäß sind.

Info 27. Februar 2012

Internationaler Frauentag am 8. März 2012 - Frauen in der katholischen Kirche
Seit einigen Jahren beteiligt sich die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt an der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Internationalen Frauentag in Ingolstadt, die immer an dem ersten Samstag nach dem Frauentag in Foyer des Stadttheaters stattfindet. Die "Wir sind Kirche"-Gruppe ist mit einem Infostand "Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche" vertreten. Immer noch verweigert die Kirchenleitung Frauen den Zugang zu dem Amt einer Diakonin, Priesterin oder Bischöfin mit nicht überzeugenden Gründen. Die nachstehende Zeichnung gibt die derzeitige Situation der Frauen zugespitzt wieder:



Copyright Annelie Hürter

Der frühere Wiener Weihbischof DDr. Helmut Krätzl bezeichnete schon vor Jahren die Frauenfrage als Schicksalsfrage der Kirche. Sie hängt unserer Meinung nach davon ab, ob die Kirchenleitung erkennt, dass nicht nur Gleichberechtigung von Frauen und Männern längst überfällig ist, sondern ob sie den besonderen Fähigkeiten von Frauen als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen Rechnung trägt. Der Auszug vieler Frauen aus der Kirche wird immer spürbarer.

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt freut sich, dass die Eichstätter Universitäts-Professorin Dr. Sabine Bieberstein, Neues Testament und Biblische Didaktik, über "Apostelinnen, Prophetinnen, Diakoninnen - Frauen in den Gemeinden des Paulus" am 8. März 2012 (Weltfrauentag), 19,30 Uhr, Eck-Saal, Bergbräustr. 1, Ingolstadt, auf einer gemeinsamen Veranstaltung von "Katholischer Erwachsenenbildung Ingolstadt" und "Wir sind Kirche" spricht. Die meisten ChristInnen kennen das angebliche Pauluswort: "Die Frau schweige in der Gemeinde!" - Welche Rolle spielten Frauen zur Zeit des Paulus wirklich? Gab es z. B. eine Apostelin Junia, die in Junias umbenannt worden ist, weil Exegeten sich eine Frau als Apostelin lange Zeit nicht vorstellen konnten?

Info 22. Februar 2012

Österreichs Pfarrer-Initiative: auch ein Weg für Deutschland?

Am 6.03.2012 spricht Pater Arno Jungreithmair OSB, Vorstand der Pfarrer-Initiative Österreich und Pfarrer von Kremsmünster und Sattledt um 17 Uhr auf Einladung der "Wir sind Kirche" und "Leserinitiative Publik e.V." im Hansa Haus des KKV Hansa e.V. München, Brienner Str. 39 (Rückgebäude). Mitglieder der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt fahren nach München. Wer an der Veranstaltung teilnehmen will, sollte sich bei Walter Hürter telefonisch unter 0841/33704 oder per mail awhuerter@t-online.de melden, um die Mitfahrmöglichkeit per Bahn zu koordinieren. Die Rückkehr ab München ist zweischen 19 und 20 Uhr geplant.

Vortrag und Diskussion "Mündige Pfarrer für lebendige Gemeinden" - Österreichs Pfarrer-Initiative: auch ein Weg für Deutschland?

Ca. 400 Priester und Diakone sind Mitglied dieser Initiative, ca. 2000 Priester und Diakone sind zur Zeit Unterstützer. Anschließend der "Aufruf zum Ungehorsam". Weitere Informationen entnehmen Sie bitte www.pfarrer-initiative.at

Pfarrer - Initiative

AUFRUF ZUM UNGEHORSAM

Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden:

Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

1 WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

2 WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

3 WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

4 WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

5 WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

6 WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

7 WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011


Info 18. Februar 2012

  • Bistum Eichstätt fördert öffentliche Auftritte für ehemaligen Bischof Walter Mixa!
  • Bischöfe und Schwangerschaftskonfliktberatung: nicht kirchenamtlich, aber in der Kirche!
Bistum Eichstätt fördert öffentliche Auftritte für ehemaligen Bischof Walter Mixa!
Keine zwei Jahre nach seinem von Rom erzwungenen Rücktritt bietet das Bistum Eichstätt dem früheren Eichstätter und Augsburger Bischof Walter Mixa als Prediger bei der Ölbergandacht in Berching den großen Auftritt. Ausgerechnet am Tag nach Aschermittwoch predigt der Kirchenmann, der nicht nur wegen verschiedener Affären, sondern auch wegen seines aufwändigen Lebensstils nach wie vor bei vielen Gläubigen äußerst umstritten ist. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt ist empört, dass der Bischof in Eichstätt offensichtlich das Bemühen Mixas um öffentliche Auftritte fördert. In diesem Zusammenhang sieht sie auch die Werbung eines neuen Buches Walter Mixas durch die bischöfliche Pressestelle vor wenigen Wochen. Bischof emeritus Walter Mixa sollte nicht nur am Beginn der Fastenzeit bescheiden und bußfertig als Ruhestandsgeistlicher in Fünfstetten wirken.

Bischöfe und Schwangerschaftskonfliktberatung: nicht kirchenamtlich, aber in der Kirche
Der ehemalige bayerische Kultusminister und langjährige Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Prof. Dr. Hans Maier, wird am 7. März 2012 um 17 Uhr im Martin-Luther-Saal der ev. Pfarrei Matthäus in Ingolstadt, aus seinem neuen Buch "Böse Jahre, gute Jahre …." lesen und dabei u. a. auf das Verhalten der katholischen Kirche in der Schwangerschaftskonfliktberatung eingehen. In Regensburg und auch in Ingolstadt waren die Veranstalter durch die Bischöfe gezwungen worden, kurzfristig einen neuen Veranstaltungsort außerhalb der Amtskirche zu suchen. Diesen Bischöfen, Gerhard Ludwig Müller und Konrad Zdarsa, ist offensichtlich nicht bewusst, wie sehr sie damit der Glaubwür digkeit der katholischen Kirche schaden. Warum?

Bis auf den Fuldaer Bischof Johannes Dyba waren alle deutschen Bischöfe davon überzeugt, dass die katholische Kirche in der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung mitarbeiten und so abtreibungswillige Frauen beraten, helfen und zur Geburt ihres Kindes ermuntern soll. Nach der gesetzlich vorgeschriebenen ergebnisoffenen Beratung, die vor allem von christlich orientierten Politikern erreicht worden war, ist die Ausstellung eines so genannten Scheins vorgesehen, der auch zum straffreien Abbruch innerhalb der ersten drei Monate berechtigt. Die Ausstellung des Scheins wurde vom Papst und Gegnern dieser Praxis als "Tötungslizenz" angesehen, weshalb der Papst die Bischöfe vor über 10 Jahren gegen deren mehrheitliche Überzeugung gezwungen hat, aus der Schwangerschaftskonfliktberatung auszusteigen. Das Ergebnis: Die Erfahrung vorheriger Jahre im Bistum Fulda ließ befürchten, dass keine Frauen mehr die katholische Schwangerenberatung in Konfliktfällen aufsuchen würden. Während in Fulda keine Schwangeren mehr in die kirchliche Konfliktberatung kamen, konnten in den kirchlichen Beratungsstellen anderer Bistümer jährlich tausende Frauen mit Erfolg zum Leben beraten werden.

Die Amtskirche zog sich mit der Ausstiegsentscheidung aus der Verantwortung, Frauen in Not zu helfen. Sie versuchte mit allen Mitteln, Katholikinnen und Katholiken, an der Fortsetzung dieser Praxis bis zum heutigen Tag zu hindern, weil sie sich mitschuldig machten an der Tötung ungeborenen Lebens. Trotz aller Erschwernisse ließen katholische Gläubige sich nicht durch die Kirchendisziplin an der Fortsetzung der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung hindern. Sie handelten nach ihrem Gewissen und gründeten mit hohem persönlichen Engagement und finanzieller Risikobereitschaft Beratungsvereine, wie "Donum Vitae", "Frauen beraten" und "Frauenwürde". Diese Vereine benötigen nicht nur ideelle, sondern auch finanzielle Unterstützung. Im Raum Ingolstadt/Neuburg wird die Arbeit durch katholische Beraterinnen von dem ökumenischen Verein Frauen beraten (www.frauenberaten-in.de) durchgeführt, der dem Landesverband der ev. Diakonie angeschlossen ist..

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt unterstützt die Fortsetzung der sehr erfolgreichen kirchlichen, wenn auch nicht amtskirchlichen Beratungsarbeit und hat größten Respekt vor dem Engagement der Beraterinnen und ungezählter Unterstützer, wie z. B. Prof. Dr. Hans Maier. Sie bedauert, dass die Amtskirche ihrer eigenen Glaubwürdigkeit schwer geschadet hat.

Info 21. Januar 2012

  • Prof. Dr. Bernhard Sutor über Notwendigkeit kirchlichen Reformdialogs jetzt
  • Werkstatttag in Ingolstadt
  • DDDr. Markus W. E. Peters - Bischofskaplan/Referent von Bischof Hanke

Prof. Dr. Bernhard Sutor über Notwendigkeit kirchlichen Reformdialogs jetzt
In der KIRCHENZEITUNG des Bistums Eichstätt vom 18./25.12.2011 äußert sich Prof. Dr. Bernhard Sutor unter dem Titel "Jetzt einen neuen Aufbruch wagen" über die Notwendigkeit eines kirchlichen Reformdialogs u. a.: "Ich frage aber, bei allem Respekt, was und wer mit der eigenartigen Gegenüberstellung von Strukturen und Glauben gemeint ist. Ich halte sie für eine falsche Alternative; oder verstehe ich sie falsch? Sie scheint mir geeignet, die gegenwärtig in unserer Kirche dringlich zu diskutierenden Fragen zu überdecken, gar beiseite zu schieben." … Am Ende seiner ausführlichen Darlegungen, sie können unter "Aufgelesen" nachgelesen werden, schreibt er: "Ich bin überzeugt, dass wir heute in unserer Kirche noch die personellen Kräfte haben, die bereit sind, sich neu diesen Fragen zu stellen und einen neuen Aufbruch zu wagen, wenn sie denn spüren, dass dieser auch ‚von oben' gewollt ist. Es gibt aber gute Gründe für die Annahme, dass es dafür in zehn oder gar zwanzig Jahren zu spät sein wird. Wir brauchen den Dialogprozess jetzt."

Werkstatttag in Ingolstadt
Am 11.02.2012 sind auch Mitglieder der Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt zu einem Werkstatt-Tag "Kirche im Umbruch - Wie können wir heute und morgen Kirche leben?" eingeladen. Wie kann die Kirche wieder glaubwürdiger und anziehender werden? Die Tagesveranstaltung wird von Pastoralreferent Richard Ulrich und Pfr. Erwin Westermeier moderiert. Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe freut sich über die Einladung und erwartet, dass die Eingeladenen an diesem Tag offen und ohne Tabus ihre Meinung sagen und diskutieren können.
Zweifel bestehen allerdings daran, wie ernst es der Eichstätter Bischof mit einem Dialog meint. Anlass ist nicht nur sein Hirtenwort zur Adventszeit am 20.11.2011, sondern auch die Reaktion auf einen persönlichen Brief an den Bischof von einem besorgten ehemaligen Religionslehrer in unserem Bistum. Dieser hatte darin mit Bezug auf das II. Vatikanische Konzil bedauert, dass Bischof Hanke in seinem Hirtenwort "die Forderung, den ‚Geist der Zeit' zu beachten allein als "Anpassung der Lehre an den Zeitgeschmack" gewertet hat.
Beantwortet wurde dieser Brief durch einen bisher öffentlich unbekannten "Bischofskaplan/Referent des Bischofs" indem es heißt: "der Umkehrschluss, über an den Zeitgeschmack angepasste Strukturen zu einer vermeintlichen ‚Verbesserung' - was auch immer das für jeden einzelnen bedeuten mag - im kirchlichen Leben zu gelangen, ist ein Weg, der ins Leere liefe." …."Dazu können Strukturveränderungen überhaupt nichts leisten."

DDDr. Markus W. E. Peters - Bischofskaplan/Referent des Bischofs
Während bisher alle Personalien (z.B. Versetzungen von Kaplänen oder Pfarrern mit Hinweis auf deren beruflicher Vergangenheit) über die Pressestelle des Bischofs bekannt gegeben worden sind, hat die Öffentlichkeit bisher keine Kenntnis von dem neuen Bischofskaplan/Referent des Bischofs DDDr. Markus W. E. Peters. Recherchen haben ergeben, dass dieser dreifache Doktor 43 Jahre alt ist und am 15.08.2011 als Kaplan und Domvikar in Bistum Vaduz/Lichtenstein ausgeschieden ist. Dort wurde er von dem früher in Chur gescheiterten Bischof , jetzigen Erzbischof Haas, dem vom Vatikan eigens (!) das Erzbistum Vaduz eingerichtet worden ist, 2008 zum Priester geweiht und war dort ca. drei Jahre Kaplan und Domvikar.

Info 18. Januar 2012

  • Vortrag von Prof. Dr. Sabine Bieberstein am 8.03. 2012 in Ingolstadt
  • Infostand "Berufsverbote für Frauen in der Katholischen Kirche" am 10. 03. 2012
  • Matthias Matussek redet unreflektiert über seine kirchlichen Gefühle
  • Prof. Dr. Hans Maier "Böse Jahre, gute Jahre …" am 7.03.2012 in Ingolstadt
  • Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" vom 23. - 25.03.2012
  • Vortrag von Prof. Dr. Sabine Demel am 18.10.2012 in Ingolstadt

Vortrag von Prof. Dr. Sabine Bieberstein am 8.03.2012 in Ingolstadt
Auf Einladung der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt und der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt (KEB) spricht Prof. Dr. Sabine Bieberstein, KU Eichstätt-Ingolstadt über "Apostelinnen, Prophetinnen, Diakoninnen - Frauen in den Gemeinden des Paulus" am 8. März 2012, 19,30 Uhr, Eck-Saal, Canisiuskonvikt, Bergbräustr. 1, Ingolstadt. Die Referentin, Mitunterzeichnerin des Memorandums "Kirche 2011 - Ein notwendiger Aufbruch", lehrt Exegese des Neuen Testamentes und Biblische Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
"Die Frau schweige in der Gemeinde!", lautet ein weithin bekannter Satz aus der neutestamentlichen Briefliteratur. Doch bedeutet ein solcher Satz, dass die Frauen in den ersten Gemeinden wirklich geschwiegen haben? Die Briefe des Paulus zeigen diesbezüglich eine faszinierend andere Wirklichkeit: Als Diakonin oder Vorsteherin übten sie Leitungsfunktionen aus. Als Prophetinnen oder Apostelinnen traten sie als Verkünderinnen in die Öffentlichkeit. Grundlage dieser Praxis ist ein Verständnis des Christseins, das die Begabungen (Charismen) jedes einzelnen Menschen zur Geltung kommen lässt.
Wir laden alle Interessierten sehr herzlich zu der Veranstaltung am Weltfrauentag 2012 ein.

Infostand zum Weltfrauentag am 10. März 2012 in Ingolstadt
Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt beteiligt sich auch dieses Jahr wieder mit einem Infostand "Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche". Ohne bibeltheologische Begründung werden von der Kirchenleitung, die ausschließlich aus Männern besteht, Frauen von der Zulassung als Diakoninnen und Priesterinnen ausgeschlossen. Im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt können alle Interessierten sich von 11 bis 14 Uhr über die berufliche Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche informieren.

Matthias Matussek redet unreflektiert über seine kirchlichen Gefühle
Anlässlich eines Vortrags am heutigen Abend in der Aula der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, zu der die Katholische Hochschulgemeinde und der Lehrstuhl für Journalistik eingeladen haben, ist heute im DONAUKURIER ein Interview "Plädoyer für eine konservative Kirche" erschienen. Darin kritisiert Matussek "die Kirche als deutsche Institution. Sie beschäftige sich "zu sehr mit nebensächlichen, eigentlich glaubensfernen Strukturfragen". Er kritisiert die "Zaghaftigkeit der Bischöfe, eindeutig Position zu beziehen". Ihnen fehle der "Mut, unbequeme Wahrheiten zu sagen". "Es ist nicht besonders mutig, die Abschaffung des Zölibats zu fordern. Das ist sehr zeitgeistig. Ich glaube die Kirche macht es sich zu einfach, wenn sie meint, sie müsse sich dem Mehrheitsgeschmack anpassen."

Weiß Matussek zum Beispiel, dass allein wegen des Zölibats Zigtausende Priester ihr Amt aufgeben mussten und dies weltweit zu einem unübersehbaren Priestermangel führte? Der Priesternachwuchsmangel hängt bis auf Ausnahmen ebenfalls mit dem Zölibat zusammen. Der Anteil von Priestern, die sich an ihr Zölibatsversprechen nicht mehr gebunden fühlen und oft mit Wissen ihrer Bischöfe in eheähnlichen Verhältnissen leben, so lange sie sich nicht "outen", wird nach vorsichtigen Schätzungen mit ca. 30 - 40 % angegeben!

Wie in TV-Talkshows , so redet Matussek auch hier "aus dem Bauch heraus", ohne dass Anzeichen von Nachdenken oder echter Auseinandersetzung mit den Problemen, die wesentlich zu der schweren Glaubwürdigkeitskrise der Kirche geführt haben, zu erkennen sind. Wer, wie die Mitglieder unserer Reformbewegung, seit 16 Jahren beispielsweise die Probleme des Zwangszölibats, der Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen, Ernennung von ungeeigneten Bischöfen und Priestern, der fehlenden Gleichberechtigung von Laien gegenüber Klerikern in wichtigen Leitungsfragen oder die mangelnden Ökumeneanstrengungen, die Pflege eines päpstlichen Personenkults kennt, kann sich nur wundern, dass auch über die bischöfliche Pressestelle ein solch oberflächlich dahin redender Mann eingeladen wird. Matussek bedient sich des Zeitgeistes und prangert Zeitgemäßes in der Kirche als Zeitgeistiges an.

Prof. Dr. Hans Maier "Böse Jahre, gute Jahre …" am 7.03.2012 in Ingolstadt
Das Evangelische Forum Ingolstadt hat den früheren bayerischen Kultusminister und langjährigen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Hans Maier, zur Vorstellung seines Buches "Böse Jahre, gute Jahre …" am 7.03.2012, 19 und 21 Uhr in das Evang. Gemeindehaus St. Matthäus, Martin-Luther-Saal, Schrannenstr. 7 in Ingolstadt eingeladen. Prof. Dr. Maier verzichtet zugunsten des Fördervereins Beratungszentrum für Frauen e.V. auf ein Honorar. Der Eintritt von € 12,-- bzw. € 8,-- (Schüler/Studenten) kommt in voller Höhe dem Förderverein zugute, der auch die Schwangerenberatung "Frauen beraten" unterstützt. "Frauen beraten", Mitglied im Diakonischen Werk Bayern, führt nach dem Ausstieg der katholischen Bischöfe aus der Schwangerenkonfliktberatung, wie "Donum Vitae", auch die Schwangerenkonfliktberatung im staatlichen System durch katholische Beraterinnen in ökumenischer Zusammenarbeit fort.

Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" vom 23. bis 25.03.2012 in Hildesheim
Die 31. öffentliche Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche findet vom 23. bis 25.03.2012 in Hildesheim statt. Mitglieder unserer Diözesangruppe nehmen daran teil. Das Hauptreferat hält Prof. Dr. Hermann Häring, Tübingen, zum Thema "Glaube und Vernunft angesichts von Säkularisierung und Fundamentalismus". Nähere Einzelheiten sind dem Programm auf www.wir-sind-kirche.de zu entnehmen.

Vortrag Prof. Dr. Sabine Demel am 18.10.2012 in Ingolstadt
"Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt und die Katholische Erwachsenenbildung Ingolstadt laden schon jetzt alle Interessierten zu einem Vortrag von Prof. Dr. Sabine Demel, Lehrstuhlinhaberin für Kirchenrecht an der Universität Regensburg und langjähriges Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ein. Thema: "Zwischen Gehorsamspflicht und Recht auf freier Meinungsäußerung - Zum Koordinatensystem katholischen Glaubens".
Dazu schreibt sie: "Mehr Meinungsfreiheit und weniger Gehorsamsanforderungen, mehr Bereitschaft zum Dialog miteinander und weniger Verordnungen von oben, mehr Freiraum in der persönlichen Entfaltung des Christseins und weniger willkürlich anmutende Verbote, mehr Beteiligung des ganzen Gottesvolkes an der Wahrheitsfindung und Wahrheitsverkündigung - das sind klassische Rufe in der katholischen Kirche. Es soll überprüft werden, welche Chance auf Erfolg sie haben, indem deren theologische und rechtliche Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt werden.


Info 6. Dezember 2011

Leserbrief zu "Mein Bischofshaus ist kein Elfenbeinturm",
DK 2.12.2011


Mein Bischofspalais ist eine Trutzburg!

Diese Überschrift über das Interview mit dem Eichstätter Bischof passt besser als seine Aussage "Mein Bischofshaus ist kein Elfenbeinturm", weil darunter der wehrhafte Charakter einer Burg unterstrichen wird, die allen Angriffen "trotzt".

Bischof Hanke erweist sich in diesem Interview, wie auch in seiner fünfjährigen Amtsführung als Reformverweigerer, der bewusst oder unbewusst von dem eigentlichen Problem unserer Kirche, nämlich der Glaubwürdigkeit unserer Glaubensgemeinschaft ablenkt. Warum hat denn die überwältigende Zahl von Gläubigen Probleme mit ihrem Glauben? Es ist weniger der Mangel an Glaubenswissen, als vielmehr die Kluft zwischen Glaubenswissen und ihren Glaubenserfahrungen in einer Kirche, die z. B. Frauen und "Laien" die Gleichberechtigung mit Klerikern abspricht, die alle Machtpositionen exklusiv männlich besetzt hält, die Priestern eine Lebensform (Zölibat) aufzwingt und nicht freistellt, die zentralistisch, wie nie zuvor, geführt wird und den einzelnen Gläubigen und Gemeinden keine Mitwirkung und Mitentscheidung ermöglicht, die erbarmungslos mit wiederverheirateten Geschiedenen umgeht oder die innerkirchliche Reformgruppen, wie "Wir sind Kirche" nicht anerkennt und das Gespräch verweigert, wie wir das seit Jahren mit unserem freundlich erscheinenden Bischof erleben.

Er erklärt, wie viele Bischofskollegen auch, Strukturreformen für Äußerlichkeiten, die nichts mit dem Kern des Glaubens zu tun haben. Er verweigert sie und übersieht, dass diese sehr viel mit einem Gottes- und Menschenbild zu tun haben. In seinem Interview bedauert er z. B., dass die Frauenfrage "zu einer Frage von Macht und Ohnmacht gemacht wird". Wer macht das denn? Diejenigen, die die Weihe von Frauen zu Diakoninnen oder Priesterinnen mit guten theologischen Gründen fordern oder diejenigen (Papst und Bischöfe), die sich die Macht anmaßen, die ohne überzeugende Begründung zu verweigern?

Das Verhalten des Eichstätter Bischofs zeugt von einem hohen Maß an Betriebsblindheit. Sie ist begründet in der Distanz der großen Mehrheit der resignierten Gläubigen und der Begegnung des Bischofs mit der kleinen Zahl weitgehend traditionsorientierter Katholikinnen und Katholiken. Wir fordern ihn auf, seine Dialogverweigerung mit kritisch konstruktiven Christinnen und Christen zu beenden und gemeinsam mit ihnen über die Notwendigkeit von Reformen nachzudenken!

Walter Hürter


Info 14. November 2011

Prof. Dr. Böttigheimer am 8.11.2011 „Wie kann die Kirche glaubwürdiger werden?“
In einer gemeinsamen Veranstaltung von „Katholische Erwachsenenbildung Ingolstadt“ (KEB) und der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt sprach der Eichstätter Fundamentaltheologe Prof. Dr. Christoph Böttigheimer in Ingolstadt vor ca. 60 ZuhörerInnen über die Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche.

Foto Raymund Fobes. Von links: Walter Hürter, Wir sind Kirche, Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, Rudi Schmidt KEB Ingolstadt

Der Referent, Verfasser des 2011 im Herder-Verlag erschienen Buches „Glaubensnöte – Theologische Überlegungen zu bedrängenden Glaubensfragen und Kirchenerfahrungen“, ging auf die aktuelle Situation ein, in der vor allem Vertreter der Kirchenleitung häufig über einen Mangel an Glaubenswissen klagen und dabei außer Acht lassen, dass die Erfahrungen der Gläubigen mit Kirche zu einer schweren Glaubwürdigkeitskrise geführt haben. Insbesondere auf dem Gebiet der Ökumene fehle es auf der katholischen Seite an entschlossenem Handeln in der Amtsfrage und der Abendmahlslehre. Nach der Einigung in der Rechtfertigungslehre seien entgegen der Praxis in den Gemeinden keine ökumenischen Fortschritte zu verzeichnen. Böttigheimer wies auf Defizite in der Gleichberechtigung von Klerikern und Laien hin. Der Glaubenssinn der Gläubigen (sensus fidelium) werde entgegen der Auffassung der Konzilsväter nicht beachtet. Frauen seien in der katholischen Kirche immer noch benachteiligt. Die Voten der „Würzburger Synode“ vor fast 40 Jahren, z. B. in Hinblick auf den Diakonat der Frauen, seien zwar mit großer Mehrheit der Delegierten verabschiedet und der Kurie vorgelegt worden, jedoch habe diese die Vorschläge bisher ignoriert und nicht beantwortet.

In der abschließenden Diskussion wurde u. a. die Freude über die gemeinsame Veranstaltung von Erwachsenenbildung und der Reformgruppe Wir sind Kirche zum Ausdruck gebracht. Dabei erinnerten VertreterInnen der Reformgruppe daran, dass vor einigen Jahren, trotz einer Zusage der Hausherrin, diese zur Nutzung des Eck-Saals ohne Angabe von Gründen, zurückgezogen wurde. Die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt hofft auf eine weitere Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung.

Info 6. Oktober 2011

"kath.net" extremklerikalistisch!

Seit 1999 gibt es dieses in Österreich betriebene private Online-Magazin, das täglich Nachrichten aus der römisch-katholischen Kirche sowie eine Presseschau mit kirchlich relevanten Themen bringt und sich als unabhängig bezeichnet. Es orientiert sich nach eigenen Angaben am Lehramt der Kirche. Zu den Autoren gehören u. a. der Salzburger Weihbischof Andreas Laun und der Eichstätter Vizeoffizial Alexander Pytlik. Das Bischöfliche Seminar in Eichstätt führt kath.net bei seinen Links.

"kath.net" fällt seit Jahren durch seine einseitig konservativ reaktionäre Berichterstattung auf und versucht mit allen Mitteln reformorientierte Gläubige, auch Amtsträger zu diskreditieren. Das war wohl auch der Grund, weshalb die Österreichische Bischofskonferenz die finanzielle Unterstützung eingestellt hat. Der frühere Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, gehört offensichtlich weiterhin zu den Unterstützern.

Am 03.10.2011 erschien unter dem Titel "Es gab kein Entrinnen aus diesem deutschen Sonderweg" , Offizieller liturgischer Missbrauch während der Papstmesse in Freiburg? - Ein Gastkommentar von Valerie van Nes. Hier einige Auszüge:
"Nur wenige Meter entfernt fuhr das Papamobil an uns vorüber - diese Sekunden brannten sich in meine Seele ein: ich war ganz geblendet von der Schönheit des weißen, weichen Gewandes, in das der Heilige Vater gehüllt war. Dieses wunderschöne Gewand verwandelte meinen Hirten in einen unbeschreiblich edlen, feinen König. So und noch schöner muss es wohl bei der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor gewesen sein, so rein, so weiß, so heilig.
Abends konnte ich bei dem Gedanken an dieses wundersam weiße Gewand und die Schönheit des Heiligen Vaters gar nicht einschlafen. In dieser Nacht wurde mir bewusst, dass die Treue zum Papst die Gretchenfrage darstellt, weil der Nachfolger Petri der Stellvertreter Christi auf Erden ist. Wer den Heiligen Vater verleugnet, verleugnet Christus selbst, wer ihn verleumdet, verleumdet den Herrn persönlich. ….."

Was danach auf fast drei DIN-A4 Seiten folgt, ist an klerikalistischer Verzückung und abgrundtiefem Abscheu gegenüber Nichtklerikern, bzw. noch schlimmer, Nichtklerikerinnen, nicht zu übertreffen. Bei aller Liebe zu Andersdenken und Andersempfindenden ist hier eine Grenze an Peinlichkeit und religiösen Wahnvorstellungen überschritten, die "kath.net" nicht davon abhält, das als "Gastkommentar" zu veröffentlichen. Der volle Wortlaut ist unter http://kath.net/detail.php?id=33354&print=yes nachzulesen.

Die Schreiberin des "Gastkommentars" bezeichnet sich als Journalistin.

Info 5. Oktober 2011

"Kardinal Brandmüller: Papst hat Laienorganisationen kritisiert. - Organisationsstrukturen in Deutschland ersticken oft den christlichen Geist"

Unter dieser Überschrift steht die heutige Pressemitteilung der Katholischen Presseagentur Österreich, die sich auf Aussagen des aus Ansbach stammenden Kurienkardinals Walter Brandmüller in heutigen "Osservatore Romano" beziehen. Darin erklärt er, was der Papst bei seinem Besuch in Deutschland unter "Entweltlichung" versteht. Diese Forderung richte sich an die Adresse von "oft ideologisierten katholischen Laienorganisationen", die verweltlicht seien und mitunter im Gegensatz zum katholischen Lehramt stünden. Sie erhofften eine Demokratisierung der Kirche und stünden für das Priestertum der Frau, die Abschaffung des Zölibats und die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Der Papst habe erklärt, dass die kirchlichen Organisationsstrukturen den christlichen Geist erstickten.

Der 82-jährige Walter Brandmüller, dem erst vor kurzem wegen seiner Arbeit im Vatikan die Bischofs- und Kardinalswürde vom Papst verliehen wurde, kennt offensichtlich, ebenso wie der Papst, den Begriff des "sensus fidelium" (Glaubenssinn des ganzen Gottesvolks) nicht. Beide sind Mitglied einer geschlossenen Männergesellschaft, die die Zeichen der Zeit nicht erkennt oder nicht erkennen will. Die immer wieder aus dem Kirchenvolk angesprochenen Themen werden aus Gründen des eigenen Machterhalts nicht akzeptiert und mit Begriffen wie "Verweltlichung", "Beliebigkeit", "Profilverlust" oder "Zeitgeist" diffamiert. Dabei haben z. B. eine starke Mitwirkung und -entscheidung aller Gläubigen, die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Diensten, die Freistellung des Zölibats oder die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion sehr viel auch mit einer christlichen Spiritualität zu tun. Anstatt Kritik an Laienorganisationen zu üben, sollten Papst und Kurienkardinal sich einmal mit allem Ernst fragen, inwieweit die derzeitigen klerikalen Organisationsstrukturen den christlichen Geist ersticken und dringend geändert werden müssen!


Info 4. Oktober 2011

Vortrag "Wie kann die Kirche glaubwürdiger werden?" am 8.11.2011 in Ingolstadt

Nicht erst seit dem vorigen Jahr steckt die katholische Kirche in Deutschland in einer schweren Glaubwürdigkeitskrise, dem eigentlichen Problem einer Glaubensgemeinschaft. Das Vertrauen der Menschen in die Institution Kirche ist nicht nur durch das Bekanntwerden erschreckend vieler Missbrauchsfälle schwer erschüttert. Bei repräsentativen Meinungsumfragen äußern sich die Befragten im Hinblick auf Ehrlichkeit und Lebensnähe der katholischen Kirche nur zu ca. 30 % zufrieden. Selbst unter Katholiken vertrauen weniger als 50 % der Kirche.

Während die Kirchenleitung (Papst, Bischöfe) u. a. von der "Verdunstung des Glaubens" spricht und mit einer "Neuevangelisierung" glaubt, die Probleme lösen zu können, versuchen Reformbewegungen sich auf einem anderen Weg innerhalb der Kirche selbstkritisch mit den Ursachen mangelnder Glaubwürdigkeit auseinander zu setzen.

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt freut sich, dass der Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Herr Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, am 8. November 2011, um 19,30 Uhr, im Ecksaal des Canisiuskonvikts in Ingolstadt über das Thema "Wie kann die Kirche glaubwürdiger werden?" spricht und diskutiert. Prof. Böttigheimer ist Verfasser des in diesem Jahr beim Herder Verlag erschienen Buches "Glaubensnöte" - Theologische Überlegungen zu bedrängenden Glaubensfragen und Kirchenerfahrungen". Er ist Mitunterzeichner des Memorandums "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt.

In seinem Werk "Glaubensnöte" schreibt Prof. Böttigheimer u. a. auf Seite 128:
"Wenn das freie, kritische Wort als Ausdruck der Liebe zur Kirche in der Kirche keinen adäquaten Platz hat, wie soll sich dann die Kirche die ‚Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute' (Gaudium et spes 1) zu eigen machen und glaubwürdig für die Menschen da sein können? Gehört zur communio der Kirche nicht auch das Aufeinanderhören und, falls nötig, die gegenseitige Zurechtweisung (Mt 18,15-20)? Naiver Glaubensgehorsam ist kein Ausdruck von Kirchlichkeit. Weil allen Getauften ein Glaubenssinn gegeben ist (LG 12), haben alle Glaubenserfahrungen ihr je eigenes Gewicht. Alle sind daher angehalten, in der Kirche aufeinander zu hören und voneinander zu lernen. Kirchlichkeit schließt Kirchenkritik nicht aus, sondern ein, selbst wenn diese unangenehm und schmerzlich ausfallen sollte. In ihr drücken sich nicht selten Glaubensnöte und Glaubenszweifel aus, deren Ursache durchaus auch Missstände im kirchlichen Leben selbst sein können. Glaubensnöte ergeben sich nicht unbedingt nur aufgrund von Glaubensfragen, sondern können ebenso in der Glaubenspraxis ihre Wurzeln haben, weil sich diese keineswegs immer nur heilend, sondern ebenso verletzend auswirken kann.' Abschließend zitiert Prof. Böttigheimer W. Kasper aus seiner ‚Einführung in den Glauben' Mainz 1977, S. 118: ‚Dabei sollte man nicht in erster Linie an moralische Skandale denken, sondern an den Skandal mancher kirchlicher Strukturen, welche nach dem Eindruck vieler Menschen sowie der christlichen Freiheit im Wege stehen und der Unmündigkeit und autoritärem Denken und Verhalten Vorschub leisten.'


Info 26. September 2011

Papst Benedikt XVI. - Ein Mann mit menschlichen Schwächen

Nach seinem Besuch in Deutschland ist Papst Benedikt XVI. wieder nach Rom zurückgekehrt. Wie denken Reforminteressierte im Bistum Eichstätt über seine Wirkung auf die deutsche Kirche?

Sein Besuch, von langer Hand geplant und mit großem materiellen und personellem Aufwand organisiert, begeisterte viele PapstanhängerInnen, z. B. MinistrantInnen und Kardinäle. Die Medien berichteten ausführlich über diesen Event. PolitikerInnen, vor allem von CDU/CSU überboten sich in Ehrfurchtbezeugungen. Bis zu jeweils 100.000 Menschen verfolgten mit großenteils leuchtenden Augen die triumphalen Auftritte des Papstes. "Wo Gott ist, da ist Zukunft!" lautete das Motto seines Besuches.

In Umkehrung dieses Mottos könnte man das Auftreten des Papstes in den vergangenen Tagen mit den Worten beschreiben: "Wo dieser Papst ist, da ist Vergangenheit!". Hinzu kommt, dass zwischen seinen belehrenden Worten, der Wirklichkeit und seinen Taten häufig keine Übereinstimmung besteht. Er hat die Menschen, bis auf eine kleine Zahl von Fans, wie Matussek, der "Generation Benedikt" u. a. sowie Hauptamtliche der Kirche, wie Kardinal Meisner, Bischof Müller und Kollegen, nicht im Glauben bestärkt, wie es seine Absicht war. Hier ein paar Beispiele:
  • Der Papst fordert nicht nur von den Gläubigen, sondern auch von den nichtkatholischen Politikern, ein "hörendes Herz". Ist ihm eigentlich bewusst, wie sehr die meisten Gläubigen dieses "hörende Herz" bei seinem Handeln vermissen?
  • Der Papst fordert alle Menschen, vor allem die PolitikerInnen dazu auf, die Gleichheit aller Menschen und die Einhaltung des Rechts zu achten, schließt dieses aber für seine Religionsgemeinschaft (z. B. Stellung der Frauen und Laien) aus.
  • Der Papst prangert den "Zeitgeist" an und bedient sich zur gleichen Zeit (z. B. Starkult und mediale Events) seiner Techniken und Möglichkeiten.
  • Der Papst betont das Negative bzw. die Gefahren des "Zeitgeistes", von "Reformen" und "Strukturen", ohne die positiven Seiten zu sehen bzw. zu erwähnen.
  • Der Papst registriert eine "Glaubenskrise" ohne die Hauptursache "Glaubwürdigkeitskrise" zu sehen und zu benennen.
    " Der Papst fordert Rückkehr zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi, und übersieht, dass sein dogmatisches, klerikalautoritäres Verhalten dies behindert.
  • Der Papst verlangt eine "Ent-Weltlichung" der Kirche. Sie dürfe sich nicht "modernisieren" und der Gegenwart anpassen. Damit propagiert er das Gegenteil von "aggiornamento", das Papst Johannes XXIII. für notwendig gehalten hat.
  • Der Papst kritisierte ein institutionelles Kirchenverständnis: "Kirche sind nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften." Genau diese Auffassung vertritt die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" seit gut 16 Jahren und erfährt im Alltag Nichtanerkennung und Ausgrenzung durch Papst und die meisten Bischöfen.
Diese Beispiele, vor allem auch das letzte Beispiel, zeigen auf, welche Kluft zwischen päpstlichem Anspruch und der Wirklichkeit besteht. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt bedauert das Verhalten des Papstes und das unkritische Verhalten zu vieler Gläubigen, auch wenn diese nur eine kleine Minderheit in Deutschland repräsentieren. Der Papst hat sich ganz deutlich nicht mit den verschiedenen Reformforderungen (Memorandum der Theologieprofessoren, Aufruf der Pfarrerinitiative oder des KirchenVolksBegehrens) auseinandergesetzt, die zur Lösung der schweren Kirchenkrise beitragen sollen. Von "Güte, Lauterkeit und Freude" gegenüber der Veränderung fordernden Mehrheit der Gläubigen war nichts zu spüren.


Info 21. September 2011

„Bischof Hanke: Papst Mutmacher für Katholiken“

So lautet der Untertitel des „Donaukurier“ von heute, der sich auf Aussagen des Eichstätter Bischofs beim gestrigen Pressegespräch bezieht. Weiter heißt es: „Die katholische Kirche als ‚ältester Global Player’ im Gegensatz zur deutschen Nabelschau, der Papst als Repräsentant ‚gelebter Glaubensfreude’: Bischof Hanke ist gelassen ….“

Der Eichstätter Bischof spricht bei der Papstreise nicht von einer Schauveranstaltung, die sehr bewusst und aufwändig inszeniert ist, wohl aber von „deutscher Nabelschau“. „Nabelschau“ wird allgemein als eine sinnlose Selbstbeobachtung bezeichnet. Sie beinhaltet gleichzeitig die Aufforderung, man soll aufhören, um sich selbst zu kreisen und sich aktiv seiner Umwelt zuwenden. Das ist die Sichtweise eines Bischofs im 21. Jahrhundert, der versucht, vom eigenen Versagen und eigener Verantwortung für die schwere Kirchenkrise abzulenken. Er kann oder will wieder einmal nicht begreifen, dass die große Mehrheit der Gläubigen seit Jahren wichtige Reformen verlangt, die vom Papst und seinem Amtsapparat verhindert werden.

Im Vorfeld der Papstreise wird deutlich, dass allgemein in den Medien die PapstverehrerInnen, wie z. B. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis oder ihr Spezi, Prälat Wilhelm Imkamp, der Slogankreirer Andreas Englisch sowie Kirchenausgetretene oder erklärte Atheisten zu Wort kommen. Die Menschenmassen, die ins Olympiastadion in Berlin oder zu den anderen Großauftritten strömen, erwecken den Eindruck, als ob die Mehrheit der Gläubigen vom Papstbesuch begeistert ist.

Die große Mehrheit der Gläubigen schweigt bzw. verstummt angesichts der Realität, distanziert sich zunehmend innerlich und äußerlich von der Kirche. Das ignorante und ausgrenzende Verhalten der Kirchenleitung entspricht nicht dem Willen des Gründers. Die Kirchenspaltung hat längst begonnen. Ein Ende ist nicht in Sicht. An den Taten des Papstes und der Bischöfe werden wir sie erkennen und nicht an großen Reden und Kampagnen, wie der „Neuevangelisierung“!

Info 15. September 2011

Historiker Michael Hesemann: "Die Kirche muss wieder katholischer werden!"

Das Internetportal "kath.net". titelt am 13.09.2011 "Hesemann: Die Kirche muss wieder katholischer werden!" Toll, denkt man! Katholisch heißt ja "das Ganze betreffend" oder "allgemein". Wieso bringt dann dieses Internetportal, das durch seine einseitige Rechtslastigkeit bekannt ist, einen Beitrag mit diesem Titel?

Da ist gleich zu Beginn von dem Historiker Michael Hesemann die Rede, der am 11.09.11 auf dem Kongress ‚Freude am Glauben' des "Forums Deutscher Katholiken" einen Vortrag ‚Aufbruch im 21. Jahrhundert' gehalten hat. Im Vorspann heißt es u. a.: ‚Das Evangelium in seiner Reinheit und Klarheit ohne jede Relativierung zu vermitteln, darin liegt der Auftrag, darin liegt die Zukunft der Kirche.' - ‚bezeichnend (sei), dass es gerade deutsche Staatsbeamte mit dem Lehrfach katholische Theologie waren, aus deren Reihen die Forderungen des Memorandums laut wurden. Es ist eine bedauernswerte Tatsache, dass zumindest einige dieser Staatstheologen mehr zum Glaubensverlust beigetragen haben, als zur Stärkung der Kirche'.

Nach seiner ausführlichen Rückblende in die Zeit Konstantin des Großen (nächstes Jahr 1700. Jahrestag der Geburt des christlichen Europas!) preist er die christlichen Errungenschaften, u. a. ‚von der Rolle der Frau, die endlich Würde und Freiheit erlangte' und ‚der Heiligung der Arbeit bis zur Freiheit und Gerechtigkeit für alle'. Dabei bezieht er sich auf eine Veröffentlichung des Soziologen Alwin J. Schmidt. Breiten Raum nimmt in seinem Vortrag der "Kreuzzug für das Kreuz" ein um dann nach der Gefahr der Säkularisierung unserer Zivilisation vor der ‚noch größeren Gefahr … der Säkularisierung der Kirche' zu warnen. Wörtlich heißt es: "Denn wer die Kirche zerstört oder zumindest zur Unkenntlichkeit zurechtstutzt, der schneidet unseren Kontinent von seiner Kraftquelle ab. So nutzen die Feinde dieser Kirche, die schon Jesus Christus, unser Herr, mit den ‚Mächten der Unterwelt' gleichgesetzt hat (in Mt. 16,18) eine Kirche zu fordern, die nicht etwa moralische und ethische Maßstäbe setzt, sondern der laxen Moral und Ethik unserer Zeit unterworfen sein soll. Als Druckmittel werden dabei aufgeplusterte Skandale und massive Medienkampagnen benutzt. Ist die moralische Integrität der Kirche erst einmal kompromittiert, drohen ihr nach einer solchen Kampagne durch Mitgliederrückgang auch finanzielle Einbußen - die Lauesten lassen sich bekanntlich schnell abschrecken oder finden zumindest einen bequemen Vorwand, um sich fortan die ungeliebte Kirchensteuer zu sparen - dann, so glauben diese Kreise, ist es an der Zeit, an die Kirche Forderungen zu stellen, die natürlich sofort zu ‚Bedingungen für ihren Fortbestand' aufgebauscht werden. Da geht es dann bei dieser ‚Forderung nach Reformen' gleich um die Aufgabe der priesterlichen Nachfolge Christi und des ganzen Menschenbildes samt seiner biblisch und naturgesetzlich begründeten Definition von Ehe und Familie. So geschehen zu Anfang dieses Jahres in dem berühmt berüchtigten ‚Memorandum' theologischer Alt-1968er. Wie wenig diese Forderungen mit den Wünschen der treuen Kirchgänger, d.h. der ‚katholischen Basis', zu tun haben, beweist jedoch die Gegenreaktion: Fast 14.000 kirchentreue Christen - Priester wie Laien, Akademiker wie Handwerker, kurzum ein gesunder Querschnitt durch das nach wie vor gesunde Kirchenvolk…"

Diese ‚Kostprobe' dürfte ausreichen, um die ‚Qualifikation' des Vortragenden, der gerade in diesen Tagen mit dem Buch ‚Georg Ratzinger - mein Bruder der Papst' auf sich aufmerksam gemacht hat, deutlich werden zu lassen. Wie wissenschaftlich seine Ausführungen sind, kann man auch daran erkennen, dass er weiß, was z. B. ‚katholische Basis' und ‚gesunde Kirchenvolk' ist. Wenn er schon die knapp 14.000 ‚Petition pro Ecclesia'-Unterschriften erwähnt, wieso dann nicht die knapp 70.000 Unterschriften für das ‚Memorandum 2011'?
Wen wundert es, dass solche Redner als Referenten bei katholischen Bildungswerken und als Mitarbeiter von ‚kath.net' auftreten, ähnlich einseitig, wie der kath.net-Kollege und immer noch im Amt befindliche Vizeoffizial des Bistums Eichstätt, Michael Pytlik, der in wenigen Tagen seinen großen Förderer, den em. Bischof Mixa, zur Festpredigt nach Buchenhüll eingeladen hat?.

Wie sagte noch der Eichstätter Bischof Hanke in seinem Grußwort zum Kongress "Freude am Glauben" u. a.? "Freude am Glauben entstehe dort, wo echte Begegnung stattfindet: Begegnung mit Gott, Begegnung mit den Schwestern und Brüdern in Christus. … "Wo die Christusbeziehung aus den Augen verloren und nicht mehr Grundlage kirchlichen Lebens" sei, werde alles Handeln, ob verändernd oder bewahrend, Technokratie".

Es ist höchste Zeit, dass Bischof Hanke endlich zu seinem Wort steht und nicht weiterhin das Gespräch mit Gläubigen verweigert, die mit allem Ernst sich im Sinne Christi, wenn auch nicht immer im Sinne einer bisher reformunwilligen Kirchenleitung, für die Kirche einsetzen..


Info 8. September 2011

Kardinal Cordes beklagt anlässlich des Papstbesuchs „Klima der Spaltung“

Einer Pressemeldung der Katholischen Presseagentur Österreich vom 07.09.2011 ist u. a. zu entnehmen: „Der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes wirft Kritikern von Papst Benedikt XVI. vor, die Einheit der katholischen Kirche in Deutschland zu gefährden. ‚Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – auch solcher christlicher Provenienz – bünden wohlfeile Kirchenkritik zu einem schismatischen Klima’, sagte Cordes am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in Berlin zum bevorstehenden Papstbesuch.

Kritik übte Cordes auch an christdemokratischen Politikern, die Reformen in der Kirche angemahnt hatten: ‚Politiker maßen sich sogar – unter Missbrauch ihrer parlamentarischen Legitimation – Weisungen für das kirchliche Amt an.’“

Kardinal Cordes zeigt mit seinen Äußerungen, dass er spätestens nach über 30 Jahren in der Kurie eine gestörte Wahrnehmung bzw. Einäugigkeit gegenüber der kirchlichen Wirklichkeit hat. Wer trägt denn die Verantwortung dafür, dass er ein „Klima der Spaltung“ wahrnimmt? Wieso „maßen sich sogar Politiker – unter Missbrauch ihrer parlamentarischen Legitimation – Weisungen für das kirchliche Amt an“?

Kardinal Cordes gehört mit Papst und den übrigen Machthabern zu den Verantwortlichen, die die Menschen aus der Kirche bzw. zum Aufstand treiben. Sie erwarten bedingungslosen Gehorsam gegenüber der Kirchenleitung und die Förderung päpstlichen Personenkults. Was würde Christus zu den geplanten, inszenierten und mit riesigem finanziellen Aufwand versehenen Papst-Events sagen, bei denen es angeblich nicht um die Person des Papstes, sondern um ihn geht.

Es ist schade, dass die meisten Katholikinnen und Katholiken vor der Reformunwilligkeit der Kirchenleitung resigniert haben. Sie üben keine Kritik mehr und gehen nicht mehr auf die Barrikaden. So wird eine kleine Minderheit von Gläubigen Fähnchen schwenken und jubeln und einen falschen Eindruck erwecken, mit dem die derzeitige Kirchenlähmung überdeckt wird.

Info 13. Juni 2011 (Pfingstmontag)

Kann oder will Bischof Hanke nicht verstehen, warum Kirchenreformen notwendig sind?

Am 19.05.2011 erklärte Bischof Hanke während einer Diskussion nach dem Vortrag von Prof. Gerwing, dass Seelsorge heute nur noch im Dialog möglich sei. Erstaunlich daran ist, dass er als Bischof der Reformgruppe Wir sind Kirche aber weiterhin den Dialog verweigert. In dieser Diskussion äußerte er sich ebenfalls dazu, dass er bereit sei, ein Gespräch mit dem Sprecher der Gruppe zu führen. Auf die Forderung, dass er endlich einmal die Existenz der Reformgruppe zur Kenntnis nehmen und mit ihr in einen Dialog eintreten soll, schwieg er. Es ist ganz offensichtlich, dass er dazu nicht bereit ist und weiterhin falsche Behauptungen verbreitet, wie zuletzt bei den Predigten zur Priesterweihe am 14.05.2011 und Pfingstsonntag am 12.06.2011.

Bei der Priesterweihe sagte er u. a.: „Wir hören derzeit viel von der Krise der Katholischen Kirche in Deutschland. Wir hören vom so genannten Reformstau. Einige denken und sprechen darüber, wie von einer Partei in der Krise, die es wieder flott und attraktiv zu machen gilt durch Modernisierungen, durch Veränderungen des Programms. In diesem Zusammenhang ist auch die Rede von der Krise des Priestertums und vom Priestermangel, der behoben werden soll, damit jede Pfarrgemeinde Eucharistie feiern kann. Empfohlen wird, die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zu verändern. Zunächst einmal zielen die Forderungen auf die Aufhebung des so genannten Pflichtzölibats. .....“

In seiner Pfingstpredigt äußerte Bischof Hanke, dass von jedem Einzelnen das entschiedene Ja zum Willen Gottes gefordert sei, „selbst dort und dann, wenn das Ja des Menschen den gesellschaftlichen Verhältnissen, dem Mainstream, den Meinungsmachern zuwider läuft“. In einer Zeit, in der viele der Kirche kritische Wünsche auf den Weg mitgeben und eine Veränderung der Kirche fordern, lohne sich der Blick auf das Pfingstereignis in Jerusalem: „Der Pfingstgeist beginnt nicht als Bewegung von unten, als Meinungsführer eines Volkswillens, sondern als Bewegung vom Himmel her, als Kraft, die Christus, dem Haupt der Kirche zum Durchbruch verhilft.“ Die Kraft zur Verkündigung, welche die junge Kirche durch den Geist Gottes erfüllt hatte, schließe aber auch das Kreuz ein und damit verbunden „die Bereitschaft, das eigene Kreuz auf sich zu nehmen“. Daraus folgt für Bischof Hanke die Forderung nach „Prüfung der Geister“: „Lässt der Geist in uns und um uns herum die Liebe zu Gott wachsen?“. Die Kirche sei mehr als nur eine von Jesus Christus eingerichtete soziologische Gestalt.

Wie sich beispielhaft an Bischof Hankes Äußerungen zeigt, zeugen diese von einer tiefen Unkenntnis der Ziele der Reformbewegung Wir sind Kirche. Im Grunde könnte man dem Eichstätter Bischof den gleichen Brief schreiben, wie der Mitinitiator von Wir sind Kirche, Thomas Plankensteiner, vor genau 15 Jahren an die österreichischen Bischöfe Schönborn, Weber und Kapellari:

„Die Kernaussagen Ihrer Stellungnahmen lautet: „Wir sollten in der Kirche mehr vom Glauben, von Gott, vom Wesentlichen reden und weniger über ‚vorletzte Fragen’, wie Zölibat, Stellung der Frau oder Sexualmoral. Einverstanden: Reden wir von Gott und von unserem Glauben. Aber das Problem ist ja, dass führende Amtsträger der Kirche – ob sie es wollen oder nicht – immer auch von Gott erzählen, auch wenn sie über scheinbar nebensächliche, ‚vorletzte’ Fragen reden; und auch die kirchlichen Strukturen erzählen – ob es ihnen bewusst ist oder nicht – von Gott. Aber von welchem Gott erzählen führende Amtsträger und kirchliche Strukturen?

* Sie erzählen von einem Gott, der angeblich die Monarchie in der Kirche will und dem die Demokratie grundsätzlich suspekt ist; der seinen heiligen Geist vornehmlich auf geweihte Häupter ausgießt und die Nichtgeweihten weitgehend leer ausgehen lässt.
* Sie erzählen von einem Gott, der bei seiner Berufung in kirchliche Weiheämter angeblich auf das Geschlecht schaut und Menschen, die zum Dienst bereit, berufen und ausgebildet wären, ausschließt, nur weil sie Frauen sind.
* Sie erzählen von einem Gott, der den Menschen im priesterlichen Dienst angeblich die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, ja zur völligen sexuellen Enthaltsamkeit und damit eine schwere Last auferlegt und dem es angeblich lieber sein soll, die große Zahl an heimlichen Beziehungen von Priestern stillschweigend zu dulden, als eine offizielle Eheschließung zu erlauben.
* Sie erzählen von einem Gott, für den das sechste Gebot angeblich an erster Stelle steht, der Kondom und Pille in jedem Fall für Sünde hält und dem Lebensfreude und sexuelle Lust ein Dorn im Auge sind.
* Und sie erzählen von einem Gott, der Menschen in schwierigen Situationen angeblich Paragraphen des kirchlichen Gesetzbuches entgegenhält und ihnen damit zusätzliche Lasten auferlegt.

Ja liebe Bischöfe, Vertreter und Strukturen teilen – bewusst oder unbewusst – immer auch etwas von Gott und von unserem Glauben mit, wenn sie über Macht und Autorität in der Kirche, die Rolle der Frau, den Zölibat, die Sexualität oder das Scheitern von Menschen ‚sprechen’. Merken Sie denn nicht, dass Sie und ihre Amtsbrüder sich genau dadurch mitschuldig machen am Gottesverlust und an der Glaubenskrise unserer Zeit, weil viele Menschen an diesen verzerrten, entstellten Gott, als der er ihnen oft vor Augen geführt wird, nicht mehr glauben können?

Und glauben Sie uns: Auch wir reden von Gott und vom Wesen unseres Glaubens. Die Unterstellung, dies nicht zu tun und bei vordergründigen Nebensächlichkeiten stehen zu bleiben, tut uns weh und muss mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Aber wir sehen, wenn wir auf die Bibel und vor allem auf Jesus Christus schauen, einen anderen Gott und versuchen von ihm zu erzählen:

· Wir sehen einen Gott, der die Menschen, auch die geringsten und unscheinbarsten, aufrichtet und ermutigt. ‚Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde’ (Joh 15,15) Der Amts- und Machtausübung immer unter dem Aspekt des Dienens sieht ‚Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein’ (Mt 20,26). Wie sollte dieser Gott Anstoß nehmen an mehr Mitsprache und Mitverantwortung aller Gläubigen?
· Wir sehen einen Gott, der sich beherzt für die gleiche Würde von Mann und Frau einsetzt: ‚Es gibt nicht mehr … Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer’ in Christus Jesus’ (Gal 3,28) – Wie sollte dieser Gott Anstoß nehmen an Menschen weiblichen Geschlechtes im Diakonat oder im Priesteramt?
· Wir sehen einen Gott, der die Menschen zur Gemeinschaft sammelt und Gemeinden aufbaut und sich über jeden Menschen – ob Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet – freut, der zum priesterlichen Dienst in der Gemeinde bereit und befähigt. – Wie sollte dieser Gott Anstoß nehmen an verheirateten Männern und Frauen als Priester?
· Wir sehen einen Gott, der den Menschen mit seiner Körperlichkeit und Sexualität geschaffen und gutgeheißen hat und der die Verbindung zwischen Mann und Frau segnet. – Wie sollte dieser Gott Anstoß nehmen an der verantwortlich gelebten Lebensfreude und Liebeslust zweier Menschen, auch jenseits von Fruchtbarkeit und Zeugung?
· Und wir sehen schließlich einen Gott, dem Menschen in schwierigen Situationen, an den Rand Gedrängte und Schuldiggewordene ganz besonders am Herzen liegen. – Wie sollte dieser Gott daran Anstoß nehmen, wenn auch seine Kirche solchen Menschen verständnisvoll und einfühlsam begegnet?

Sie sehen also, sehr geehrte Bischöfe, auch wir reden von Gott und dem Wesen unseres Glaubens, aber wir möchten uns bemühen, in der Art von Gott zu erzählen, wie es die Bibel und Jesus Christus tun: von einem Gott, der ein Freund der Menschen ist, der sie liebevoll begleitet und will, dass ‚sie das Leben haben und es in Fülle haben.’ (Joh 10,10)

Denken wir doch gemeinsam darüber nach, wie wir diesen Gott durch unsere Rede, durch unser Tun, vor allem auch durch die beständig ‚sprechenden’ Strukturen der Kirche besser zur Sprache bringen können, damit auch die Menschen unserer Zeit wieder neuen Mut, neue Hoffnung und neuen Glauben schöpfen können.“


Diesen Brief richtet die Wir sind Kirche – Diözesangruppe Eichstätt, 15 Jahre nach seiner Entstehung, unverändert auch an ihren Bischof. und wartet auf eine Antwort bzw. auf den Dialog, den er vor vier Wochen bei der Veranstaltung am 19.04.2011 als unerlässlich für einen Seelsorger bezeichnet hat.

Info 27. Mai 2011

Prof. Dr. Joh. B. Metz: Vatikan trägt Mitschuld an „Gotteskrise“ und Glaubensnot
Das Münsteraner Forum für Theologie und Kirche hat am 12.03.2011 im Internet einen Leserbrief von Prof. Dr. Johann Baptist Metz zum Theologen-Memorandum veröffentlicht, der am 15.02.2011 von ihm an die die FAZ geschickt wurde. Es erfolgte keine Veröffentlichung. Hier der Wortlaut des Briefes:

„In seiner Stellungnahme zum „Memorandum katholischer Theologen zur Krise der Kirche“ ( 11.02.) kritisiert Kardinal Walter Kasper unter kurzer Berufung auf meine Aussagen zur gegenwärtigen „Gotteskrise“ die mangelnde theologische Substanz dieses Textes. Ich halte diese „Gotteskrise“ tatsächlich für eine epochale Krise, die man nicht dadurch kleinreden darf, dass man sie geschichtslos verallgemeinert, etwa im Stil von „Wo Glaube ist, gibt es auch Zweifel, wo von Gott geredet wird, gibt es auch Gotteskrisen …“ usw. Ich kenne „Glaubensverteidiger“ dieses Stils. Das Memorandum gehört nicht dazu. Es liegt vielmehr die Hand in eine Wunde der Kirche, die auch der von mir geschätzte Walter Kasper in seinem Verweis auf die „Gotteskrise“ nicht anspricht: die Frage nach den Ursachen dieser Krise. Ich bedauere sehr, dass der Vatikan seinerseits nicht auf den Gedanken kommt, er selbst könne durch sein eigenes Verhalten Mitschuld tragen an dieser „Gotteskrise“ und an der Glaubensnot so vieler Katholiken heute.“

Kirchenhistoriker Prof. Dr. Holzem: Warum ich das „Memorandum“ unterschrieben habe?
Der Tübinger Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Tübingen erklärte am 17.03.2011 in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, warum er das Memorandum „Ein notwendiger Aufbruch“ unterschrieben hat hier.

Neue Karikaturen von Annelie Hürter


Damit liegen insgesamt 17 verschiedene Karikaturkarten vor (siehe "Aufgespießt") zu den Themen:

Fürchtet Euch nicht vor Dialog ihr Bischöfe
Geschlossene Gesellschaft = ecclesia semper non reformanda est
Papst mahnt, Menschenwürde in Politik und Gesellschaft zu beachten!
Der Umgang mit dem Zölibatszwang
Zölibatsansichten
Der Geist des Konzils – Kann der Papst ihn wieder einfangen?
Aggiornamento und die Angst des Papstes
Die meisten Bischöfe wissen nicht, was in den Köpfen katholischer Frauen vor sich geht!
Benedikt XVI. – Brückenbauer oder Reform-Staumauerbauer?
Der etwas andere Papstbesuch im Heimatland
Klerikaler Freudentanz mit Brüsseler Spitze – Immer rechts im Kreis herum!
Römische Macht geht um!
Bischofsauftritte gemäß Treueeid
Homosexualität verstecken?
Unter einer Glasglocke – sichtbar und doch abgeschirmt
Zölibatsdilemma

Diese Karten können zum Preis von € 0,30 pro Karte zzgl. Porto bei der bundesweiten Kontaktadresse info@wir-sind-kirche.de bestellt werden.

Info 25. Mai 2011

"Der Rechtsruck in der katholischen Kirche"
- Vortrag von Peter Hertel am 22.05.2011

Trotz eines sehr sonnigen Sonntagnachmittags war der Vortrag von Peter Hertel am 22. Mai 2011 in Ingolstadt sehr gut besucht. Es zeigte sich, dass die ZuhörerInnen äußerst kritisch die kirchenpolitische Entwicklung der letzten Jahrzehnte verfolgen und an umfassenden Informationen interessiert sind. Zu dieser Veranstaltung hatte neben der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt auch die Leserinitiative Publik e. V. eingeladen

Fast unbemerkt von der kirchlichen Öffentlichkeit, nicht zuletzt vom Missbrauchskandal verdeckt, ist das umstrittene Engelwerk vom Vatikan rehabilitiert worden. Zu den prominenten Helfern des Engelwerkes zählt der Eichstätter Bischof, Gregor Maria Hanke.

Schon die beginnende Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft, einer antisemitischen Organisation, in die katholische Kirche hatte einen katholischen Wendepunkt markiert: Erstmals seit 40 Jahren wurden erklärte Gegner des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche amtlich hoffähig. Der Referent sieht die Rückkehr des katholischen Integralismus, der vor 100 Jahren in der katholischen Kirche tobte und den das Konzil zu beenden suchte. Mit Geheimhaltung und Verdächtigung, Fanatismus und Zensur wollte der Integralismus vor dem Konzil für die Wahrheit eintreten.

Die mächtigste integralistische Organisation in der konziliaren Kirche war für den international bekannten schweizerischen Theologen Hans Urs von Balthasar (+ 1988) die Geheimorganisation Opus Dei (Werk Gottes), die heute die umstrittenste katholische Organisation ist. Als zweite integralistische Erscheinung nannte er im selben Atemzug die Action francaise, die der Hintergrund der Pius-Brüder ist.

1991 hatte dann der Dogmatiker Wolfgang Beinert das Buch "'Katholischer' Fundamentalismus - Häretische Gruppen in der Kirche?" im Regensburger Pustet-Verlag herausgebracht. Darin waren die drei genannten Organisationen seine drei Fallbeispiele für den aktuellen katholischen Integralismus.

Die Katholische Akademie in Bayern und die Katholische Erwachsenenbildung in Bayern hatten damals ein umfangreiches Aufklärungsprogramm durchgeführt. In Kooperation mit der Erwachsenenbildung hat Peter Hertel das Thema zwischen 1992 und 1997 in zahlreichen Vorträgen innerhalb Bayerns behandelt. Im Jahre 2000 brachte er im Würzburger Echter-Verlag das Buch "Glaubenswächter - Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum" heraus. Die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Hildesheim hat ihm kürzlich für seine jahrzehntelange Aufdeckungsarbeit im Hinblick auf den katholischen Fundamentalismus ihren neugeschaffenen Preis verliehen.

Derzeit sieht Peter Hertel eine gezielte Übernahme der Fundamentalisten in der katholischen Kirche. Das alles kommt für ihn einem Rechtsruck gleich, der unter Papst Johannes Paul II. begann und unter Benedikt XVI. fortgesetzt wird. Die integralistische Ideologie mit den drei präsentierten Hauptzeugen ist laut Hertel auf eine absolutistische Kirche und die christliche Taufe der Gesellschaft gerichtet. Ergebnis wäre ein katholischer Gottesstaat, vergleichbar dem der Mullahs - eine Gefahr für unsere Demokratie. Hertel zeigte Möglichkeiten, dem Trend zu widerstehen und eine menschenfreundliche Kirche zu fördern.

Info 19. Mai 2011

Dialog „à la Prof. Dr. Dr. Gerwing”

Nachdem unbemerkt kurzfristig die Pressestelle des Bistums Eichstätt in ihrer Pressemitteilung vom 03.05.2011 “auch alle Interessierten” zu der Veranstaltung „Emotional abrüsten“ (Siehe unsere Info 7. Mai 2011) eingeladen hatte, konnten VertreterInnen der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe bei der Veranstaltung teilnehmen.

In Anwesenheit von Bischof Hanke und Generalvikar Vollnhals sowie ca. 120 ZuhörerInnen referierte der Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt, Prof. Dr. Dr. Manfred Gerwing, über Bedingungen und Ziele eines Dialogs in der Kirche. Es gelang ihm, in ca. einer Stunde die schlimmsten Befürchtungen der „Wir sind Kirche“-TeilnehmerInnen zu übertreffen.

Die Vermutung bestätigte sich, dass er im Auftrag der Bistumsleitung so viele dogmatische Hürden für einen Dialog aufzubauen hatte und davon offensichtlich persönlich überzeugt war, dass der Versuch eines echten Dialogs völlig aussichtslos erscheint.

Für Gerwing gibt es keine dogmatischen Zweifel. Er sieht in erster Linie eine Glaubenskrise. Die Kirche müsse wieder viel stärker Glauben vermitteln. Die Kirchenkrise bestehe nicht im Rückgang der Priesteramtskandidaten, sondern im dramatischen Rückgang der Gläubigen. Der Glaube verdunste. Er warnte vor dem Zeitgeist und forderte einen spirituellen Neubeginn. Kurz zuvor hatte er in diesem Zusammenhang bei anderer Gelegenheit gefordert, dass die Kirche mehr Christen brauche, die Christus nachfolgen, als immer wieder auf „Organisation“, „Gremienarbeit“ und „Strukturveränderungen“ zu setzen.

Gerwing distanzierte sich scharf von dem Memorandum, das geprägt sei von erschreckender Unkenntnis, kümmerlichen Rationalismus und Ignoranz darin, worin die Krise bestehe.

In der Diskussion äußerten einige TeilnehmerInnen deutliche Kritik an den Ausführungen des Dogmatikers. Vor allem reklamierten sie, dass strukturelle Reformen notwendig sind, um in der Kirche und außerhalb glaubwürdiger miteinander umzugehen. Es könne nicht darum gehen, Katechismuswissen zu mehren, sondern den „sensus fidelium“ (Glaubenssinn des Volkes) endlich einmal ernst zu nehmen. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass das Thema der Veranstaltung „Emotional abrüsten“ zwar von dem „Wort der deutschen Bischöfe an die Gemeinden“ übernommen worden ist, dieses aber beweise, dass die Realitäten in der Kirche nicht gesehen würden. Die Gläubigen haben weitgehend die Hoffnung auf Reformen verloren, treten aus der Kirche aus bzw. verharren im Zustand „innerer Kündigung“. Sie regen sich nicht mehr auf und entrüsten sich nicht mehr. Den Wenigen, die noch nicht aufgegeben haben, begegnen sie häufig mit einem mitleidigen Lächeln und fragen: Habt ihr das noch nicht kapiert? Da ändert sich nichts!

Diese Veranstaltung war der beste Beweis dafür, was das Kirchenvolk im Bistum Eichstätt zu erwarten hat: Nichts! Es sei denn, dass Bischof Hanke durch diesen Vortrag verstanden hat, wie es nicht gehen kann.

Info 7. Mai 2011

  • Nachruf auf Dr.Wolfgang Deinhart
  • Emotional abrüsten“ – Beginn eines Dialogprozesses?
  • Australischer Bischof Morris vom Papst enthoben
  • Kirchliches Berufsverbot für Dr. David Berger durch Kardinal Meisner


Nachruf auf Dr. Wolfgang Deinhart
Dr. Wolfgang Deinhart, Mann der ersten Stunde beim KirchenvolksBegehren 1995, ist am 2. Mai 2011 im Alter von 82 Jahren gestorben. Wir trauern mit seiner Ehefrau Johanna, seinen sechs Kindern und deren Familien um einen Menschen, der durch seine ausgeprägte Menschenfreundlichkeit, sein entschiedenes Engagement für Reformen in der Kirche weithin hohe Anerkennung im Bistum Eichstätt erworben hat.

Viele Jahre war er aktiv in der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt. In unzähligen Gesprächen und Diskussionen gab er der Gruppe wichtige Impulse und zeigte sich zusammen mit seiner Ehefrau Johanna häufig bereit, Referentinnen und Referenten Gastfreundschaft zu gewähren. In seiner uneitlen, positiven und kritischen Art mischte er sich häufig durch seine Beiträge in Rundfunk und Zeitungen im Interesse der Gemeinschaft ein. In den letzten Jahren befielen ihn starke Zweifel an der Reformfähigkeit bzw. Reformwilligkeit unserer Kirchenleitung.

„Emotional abrüsten“
Unter diesem Motto hat Generalvikar Isidor Vollnhals alle Priester, Diakone und hauptamtlichen Mitarbeiter in der Seelsorge sowie die Mitglieder des Diözesanrates und des Diözesanpastoralrates im Bistum Eichstätt zu einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Gerwing, Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Uni Eichstätt eingeladen, wie einer Pressemitteilung des Bistums zu entnehmen ist. Darin wird auch ein Satz aus dem Einladungsschreiben erwähnt: „Dialog kann nur gelingen, wenn in voller Klarheit die theologischen Grundlagen hinter manchen kirchenpolitischen Reformprogrammen sichtbar gemacht werden.“
Es ist schon bemerkenswert, wie „mutig und entschlossen“ nicht nur der Eichstätter Bischof, sondern auch seine Kollegen in der Bischofskonferenz den so genannten Dialog beginnen wollen, in dem sie Pflöcke einschlagen, um eigentlich notwendige Reformen aus dem Dialog heraus zu halten. Das geschieht z. B. mit den Hinweisen „Kein Sonderweg der deutschen Kirche“, Vor allem sollten manche ‚Kirchenvisionen’, die heute verbreitet werden, emotional ‚abgerüstet werden’. In dem Brief an die Gemeinden warnen die Bischöfe vor der Gefahr, ‚dass wir uns in unserer Kirche so zerstreiten, dass Brücken abgebrochen werden und bestehende Einheit aufgegeben wird. Auf Barrikaden lässt sich bekanntlich schlecht miteinander reden.’
Wissen die Bischöfe eigentlich nicht, wie durch ihr Verhalten die Einheit mit dem Kirchenvolk in unserer Kirche (vertikales Schisma!) weithin nicht mehr besteht bzw. nur noch auf dem Papier steht? Wissen sie nicht, dass der Auszug aus der Kirche ohne radikale Reformen zunehmen wird? Wissen sie nicht, dass die Gläubigen immer weniger „auf die Barrikaden gehen“ und sich emotional entrüsten, weil sie keine Hoffnung mehr auf Reformen haben? Wie kann ein Bischof, wie der Eichstätter, engagierten Christinnen und Christen, die nicht nur in der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ kirchlich aktiv sind, seit über einem Jahr anhaltend grundlos das Gespräch verweigern?
Das bisherige Verhalten des Eichstätter Bischofs lässt nicht darauf schließen, dass er die Notwendigkeit von Reformen sieht. Er glaubt wohl, mit den Gremien, die nicht repräsentativ sind, die Mehrheit der Gläubigen zu vertreten, Gespräche zu führen, die seinen Ambitionen entsprechen. Wenn ein Dialog erst gemeint ist, dann muss er sich an Leben und Wort Jesu Christi und demzufolge an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, nicht aber an den Erwartungen einer Amtskirche, die vor lauter Dogmatik und Kirchenrecht und einer Entmündigung des Kirchenvolks den Blick für die notwendigen Reformen verloren hat. In der Hierarchie darf nicht mehr, wie in den letzten Jahrzehnten, die Orientierung „nach oben“, sondern „nach unten“ gesehen werden. Wir haben im Bistum Eichstätt erlebt, wie Bischöfe, Pfarrer, Hauptamtliche und Gremienmitglieder sich zu sehr nach der Devise „Wie hätten Sie’s denn gern?“ gerichtet haben bzw. richten mussten, weil sie in beruflichen Abhängigkeiten waren bzw. noch sind. In den Gremien, wie Pfarrgemeinde- oder Diözesanrat, haben sich „eigenständige Köpfe“ meist verabschiedet, zumal diese Gremien keine wirklichen Rechte der Mitwirkung oder Mitbestimmung haben. Kritik in der Kirche bzw. an der Kirchenleitung ist offiziell unerwünscht. In diesem Zusammenhang wirken sich die so genannten Treueeide verheerend aus. Gefragt sind seit Jahren Bischöfe, Priester und Laien, die in erster Linie gehorsam sind. Beten für Reformen allein genügt nicht!

Australischer Bischof vom Papst enthoben
Der australische Bischof William M. Morris, der die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Diskussionen schon 2006 angestoßen hat, ist vom Papst nach einem undurchsichtigen Verfahren seines Amtes enthoben worden. Nähere Informationen dieser diktatorischen päpstlichen Entscheidung .

Kirchliches Berufsverbot für Dr. David Berger durch Kardinal Meisner
Der vor allem bis zu seinem homosexuellen Outing in sehr konservativen Kreisen hochangesehene Theologe Dr. David Berger, ist nicht nur voriges Jahr aus der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas von Aquin ausgeschlossen, sondern jetzt auch von Kardinal Meisner mit dem Entzug der Missio Canonica bestraft worden. In seinem, 2010 erschienen Buch „Der heilige Schein“ hatte der schwule Theologe als Insider über die hohe Zahl schwuler Kleriker und die Scheinheiligkeit der Amtskirche im Umgang mit dem Thema Homosexualität informiert.
Näheres

Info 28. April 2011

“Wir sind Kirche”-Eichstätt beteiligt sich am nachstehenden ökumenischen Aufruf zum 1. Mai 2011:

Ökumenischer Aufruf zum 1. Mai 2011: „Gedenkt der Heiligsprechung des Märtyrers San Oscar Romero durch die Armen dieser Erde“

Liebe Schwestern und Brüder in der Ökumene,

mit diesem Aufruf bitten wir Euch, am 1. Mai 2011 der Heiligsprechung des Märtyrers San Oscar Romero durch die Armen Lateinamerikas und durch Freundinnen und Freunde Jesu auf dem ganzen Erdkreis zu gedenken. Dieses Gedenken soll uns Ermutigung auf dem Weg des Evangeliums sein und zugleich als Umkehrruf in den Kirchen der Reichen gehört werden.

Sehr bald nach seiner Ernennung zum Erzbischof von San Salvador wurde der konservative Seelsorger Oscar Arnulfo Romero 1977 mit der blutigen Christenverfolgung in El Salvador konfrontiert. Die Tränen an den Särgen von ermordeten Katechetinnen, Messdienern und Priestern ließen ihn zum unerschrockenen Bischof an der Seite der Kleinen, Geschundenen und Verfolgten werden. Seit dieser Zeit hatte er das Regime seines Landes, den Sicherheits-berater des US-Präsidenten und mächtige Kardinäle der römischen Kurie gegen sich.

Im Frühjahr 1979 fand Bischof Romero bei Papst Johannes Paul II. weder Gehör noch Unterstützung in seinen Bedrängnissen. Mit tiefer Enttäuschung sagte er: „Ich glaube, ich werde nicht noch einmal nach Rom kommen. Der Papst versteht mich nicht.“ Johannes Paul II. hatte das Foto eines kurz zuvor ermordeten indigenen Priesters sowie andere Dokumente zur Christenverfolgung durch die Handlanger der Reichen gar nicht beachtet und stattdessen nur zur Harmonie mit der salvadorianischen Regierung ermahnt.

Im Wissen um die eigene Gefährdung hat San Romero de América seine Stimme gegen das Unrecht erhoben, Politiker des Regimes exkommuniziert und den Widerstand an die Gewaltlosigkeit Jesu von Nazareth erinnert. Nach einem der zahllosen Morde an Christen predigte er: „Fern sei uns Rache, lasst uns beten mit Jesus: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Da jeder Mensch ein Kind und lebendiges Gleichnis Gottes ist, war für San Oscar Romero Gottesdienst untrennbar verknüpft mit der unerschrockenen Verteidigung der menschlichen Würde. An die Auftragsmörder und Handlanger der Junta richtete er die Worte: „Ein Mörder ist auch der, der foltert ... Niemand darf Hand anlegen an einen anderen Menschen, denn der Mensch ist Ebenbild Gottes.“ Einen Tag vor seiner eigenen Ermordung am 24. März 1980 forderte er die Soldaten öffentlich zur Befehlsverweigerung auf: „Im Namen Gottes und im Namen dieses gepeinigten Volkes bitte ich Euch, befehle ich Euch: Hört auf mit der Unterdrückung!“ Die Kugel eines Auftragsmörders traf ihn während der Feier der Danksagung am Altar.

Die von unten erfolgte Heiligsprechung von San Oscar Romero ist keine Anmaßung. Wir wissen, dass nur Gott in das Herz eines Menschen schauen kann und es uns nur bruchstückhaft möglich ist, mit Gottes Augen neu sehen zu lernen. Doch diese „Beatifikation“ ohne ein teures Verfahren von Kirchenbehörden verbreitet eine frohe Kunde unter dem Wehen des Gottesgeistes: „Das Beispiel unseres Bruders San Oscar Romero zeigt uns, wie schön und mutig wir Menschen werden können, wenn wir beginnen, der Botschaft Jesu zuzuhören.“

Info 23. April 2011

„Wir sind Kirche“ im Gespräch mit Peter Hertel „Der Rechtsruck in der katholischen Kirche“ – Am Beispiel Engelwerk, Piusbrüder, Opus Dei am 22. Mai 2011

Gemeinsam mit der Leserinitiative Publik e. V. lädt die Wir sind Kirche – Diözesangruppe Eichstätt alle Christinnen und Christen zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender Diskussion am 22. Mai 2011, 15 Uhr, Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater in Ingolstadt ein. Peter Hertel aus Hannover, Publizist und Theologe, ist ausgewiesener Experte im Hinblick auf den katholischen Fundamentalismus. Nachfolgend eine Einführung in das Vortragsthema:

Fast unbemerkt von der kirchlichen Öffentlichkeit, nicht zuletzt vom Missbrauchskandal verdeckt, ist das umstrittene Engelwerk vom Vatikan rehabilitiert worden. Zu den prominenten Helfern des Engelwerkes zählt der Eichstätter Bischof, Gregor Maria Hanke.

Schon die beginnende Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft, einer antisemitischen Organisation, in die katholische Kirche hatte einen katholischen Wendepunkt markiert: Erstmals seit 40 Jahren wurden erklärte Gegner des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche amtlich hoffähig. Der Referent sieht die Rückkehr des katholischen Integralismus, der vor 100 Jahren in der katholischen Kirche tobte und den das Konzil zu beenden suchte. Mit Geheimhaltung und Verdächtigung, Fanatismus und Zensur wollte der Integralismus vor dem Konzil für die Wahrheit eintreten.

Die mächtigste integralistische Organisation in der konziliaren Kirche war für den international bekannten schweizerischen Theologen Hans Urs von Balthasar (+ 1988) die Geheimorganisation Opus Dei (Werk Gottes), die heute die umstrittenste katholische Organisation ist. Als zweite integralistische Erscheinung nannte er im selben Atemzug die Action francaise, die der Hintergrund der Pius-Brüder ist.

1991 hatte dann der Dogmatiker Wolfgang Beinert das Buch „’Katholischer’ Fundamentalismus – Häretische Gruppen in der Kirche?“ im Regensburger Pustet-Verlag herausgebracht. Darin waren die drei genannten Organisationen seine drei Fallbeispiele für den aktuellen katholischen Integralismus.

Die Katholische Akademie in Bayern und die Katholische Erwachsenenbildung in Bayern hatten damals ein umfangreiches Aufklärungsprogramm durchgeführt. In Kooperation mit der Erwachsenenbildung hat Peter Hertel das Thema zwischen 1992 und 1997 in zahlreichen Vorträgen innerhalb Bayerns behandelt. Im Jahre 2000 brachte er im Würzburger Echter-Verlag das Buch „Glaubenswächter – Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum“ heraus. Die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Hildesheim hat ihm kürzlich für seine jahrzehntelange Aufdeckungsarbeit im Hinblick auf den katholischen Fundamentalismus ihren neugeschaffenen Preis verliehen.

Derzeit sieht Peter Hertel eine gezielte Übernahme der Fundamentalisten in der katholischen Kirche. Das alles kommt für ihn einem Rechtsruck gleich, der unter Papst Johannes Paul II. begann und unter Benedikt XVI. fortgesetzt wird. Die integralistische Ideologie mit den drei präsentierten Hauptzeugen ist laut Hertel auf eine absolutistische Kirche und die christliche Taufe der Gesellschaft gerichtet. Ergebnis wäre ein katholischer Gottesstaat, vergleichbar dem der Mullahs – eine Gefahr für unsere Demokratie. Hertel zeigt Möglichkeiten, dem Trend zu widerstehen und eine menschenfreundliche Kirche zu fördern.

Info 31. März 2011

  • Vortrag von Peter Bürger: „Katholische Kirchenreform und Dialog – Warten auf den Sankt Nimmerleinstag?“ am 3. April 2011
  • Mitglieder der Eichstätter Gruppe bei der Bundesversammlung von „Wir sind Kirche“
  • Positive Reaktionen auf Karikatur-Postkarten der Eichstätter Gruppe
  • Pressemitteilung Bistum Eichstätt vom 20. März 2011: Glaubwürdig Christ sein: Diözesanrat befasst sich mit Kirchenaustritten
Vortrag von Peter Bürger am 3. April 2011 in Ingolstadt
Gemeinsam mit der Leserinitiative Publik e.V. lädt die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt noch einmal zum Vortrag von Peter Bürger aus Düsseldorf am kommenden Sonntag, 3. April 2011, 15 Uhr, Gasthof Anker, Tränktorstr. 1 nach Ingolstadt ein. Zu diesem hochaktuellen Thema sind auch die Pfarrer der Ingolstädter Innenstadtpfarreien eingeladen und gebeten worden, Veranstaltungshinweise auszuhängen. Bis heute haben sich diese leider offenbar geweigert, diese Hinweise auszuhängen. In der Franziskanerkirche wurde am Schwarzen Brett der vor Wochen aufgehängte Hinweis von Unbekannten entfernt, mit Sicherheit nicht vom dortigen Guardian. Es zeigt sich wieder einmal, wie wenig die Notwendigkeit des Dialogs und der Reformen von so genannten bischofs- oder romtreuen Katholikinnen und Katholiken verstanden wird. Hängt es damit zusammen, dass der Eichstätter Bischof sich bisher auch einem Dialog mit kritischen Katholikinnen und Katholiken verweigert? Am 29.03.2011 waren VertreterInnen der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt auf Einladung des „Treffpunkt Ökumene Pappenheim“ zu einer Informationsveranstaltung eingeladen worden. Trotz ausdrücklichen Wunsches der „Wir sind Kirche“-Gruppe blieb der katholische Ortspfarrer der Dialogveranstaltung fern.

Mitglieder der Eichstätter Gruppe bei der „Wir sind Kirche“-Bundesversammlung
Genau ein halbes Jahr vor dem Papstbesuch in Deutschland fand am letzten Wochenende im März 2011 die 29. Bundesversammlung von „Wir sind Kirche“ unter dem Motto „Bei euch soll das nicht so sein! Menschenrechte in der Kirche“ in Fulda statt. Hauptreferenten waren Prof. Dr. Heribert Franz Köck, em. Universitätsprofessor für Staats- und internationales Recht“ an der Universität Linz/Donau und Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl, em. Universitätsprofessor für Systematische Theologie.


Prof. Dr. Heribert Franz Köck, Linz/Donau


Magnus Lux vom Bundesteam beim Interview Bayerisches Fernsehen


Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl, Saarbrücken

Wenn auch im 19. Jahrhundert die katholische Kirche noch grundlegende Menschenrechte wie Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit oder politische Mitbestimmung als unsinnig abgetan hat, so hat es lange gedauert, diese Menschenrechte zu akzeptieren. Allerdings, so stellte der Rechtslehrer Köck fest, stelle der Pflichtzölibat gekoppelt mit der freien Berufswahl, die Verweigerung der Frauenordination oder die Diskriminierung homosexueller Menschen einen eindeutigen Verstoß gegen die Menschenrechte dar.

Positive Reaktionen auf Karikatur-Postkarten der Eichstätter Gruppe
Erstmals öffentlich wurden bei Bundesversammlung in Fulda von Mitgliedern der Eichstätter Gruppe die neue Serie von 10 Karikatur-Postkarten vorgestellt. Sie fanden, nicht zuletzt wegen ihrer permanenten Aktualität und Originalität starke Beachtung. Auf einer Karikatur wird der kommende Papstbesuch im Berliner Parlament vorweggenommen, in dem Bundestagspräsident Lammert Papst Benedikt nicht das Wort erteilt, wohl aber Nachhilfe in Sachen Zuhören, Dialog und Demokratie. Nicht wenige stellen sich die Frage, ob tatsächlich ein hörender Papst nicht besser „bei den Menschen im Heimatland ankommt“, als ein Redner, der große Worte an die Menschen richtet, ohne sich selbst vorbildhaft in seinem Handeln zu bemühen.

„Glaubwürdig Christ sein: Diözesanrat befasst sich mit Kirchenaustritten“ Laut Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 20. März 2011 befasste sich der Diözesanrat auf seiner Frühjahrsvollversammlung mit Kirchenaustritten, die verstärkt Thema bei kirchlichen Gemeinden, Gruppen und Gremien sein sollen. Der Diözesanratsvorsitzende Christian Gärtner äußerte u. a.: “Kirchenaustritte konfrontieren die, die Gemeinde sein und leben wollen, auch mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit ihres Christ- und Kircheseins“, vor den Anfragen, die jeder einzelne Ausgetretene an die Gläubigen stellt, könne man sich nicht verstecken. Mit einer intensiven Diskussion und der Vorstellung eines Arbeitsheftes erfolgte der Startschuss zu dieser Initiative.
Auf der gleichen Versammlung erklärte Bischof Hanke gemäß Pressemitteilung, „dass die gegenwärtige Krise innerhalb der Kirche sei nicht eine Folge struktureller Vorgegebenheiten, sondern habe tiefere Wurzeln. Die gesamte Gesellschaft sei in einer Umbruchsituation mit riesigen Fragen. … Es sei nicht damit getan, einfach nur Strukturen zu verändern, sondern die Kirche brauche vielmehr die geistliche Erneuerung.“
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt begrüßt, dass sich der Diözesanrat ernsthaft mit dem Thema „Kirchenaustritte“ auseinander setzen will, fragt sich allerdings, ob bei diesem Gremium und vor allem dem Bischof die Augen verschlossen bleiben gegenüber der kirchlichen Realität, dass ihre Taten bis jetzt gekennzeichnet sind von Dialogverweigerung, Ausgrenzung und Diffamierung kritischer Katholikinnen und Katholiken, z. B. der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche". In diesem Zusammenhang wird daran erinnert, wie am 28.09.2003 der Diözesanrat mit üblen Tricks des damaligen Vorstands die Aufnahme der „Wir sind Kirche“-Gruppe ablehnte, obschon diese sich gerade für die Interessen der kirchlich Distanzierten einsetzt. In diesem Zusammenhang wird von Diözesanrat und Bistumsleitung übersehen, welche Hoffnung kritisch denkende Gläubige in die Kirchenvolksbewegung setzen. Der Bischof ignoriert beharrlich Gespräche mit „Wir sind Kirche“ und kann oder will die schwerwiegenden aber lösbaren Probleme nicht sehen. Mit überzogenem Gehorsam, Machtgebaren und selbstgerechten Verhalten stößt die Amtskirche immer mehr Menschen ab. Bischof Hanke hat Recht mit seiner Äußerung: „Kirche muss sich als Heilszeichen verstehen, durch das ein anderes Licht in diese Welt fällt“. Das entbindet die Kirche aber in keiner Weise von strukturellen Reformen. Erst durch deren Verwirklichung, für die sich „Wir sind Kirche“ seit über 15 Jahren einsetzt, kann die Kirche glaubwürdig werden.
Kann oder will der Eichstätter Bischof diesen Zusammenhang nicht erkennen? Die von ihm zitierte "geistliche Erneuerung der Kirche" darf sich nicht an bestehender Dogmatik und Kirchenrecht orientieren, wohl aber an der Bibel und dem Geist der frühen Christengemeinden. Es geht um das Wohl des Kirchenvolks und nicht um das Wohl sich absolutistisch gebärdender Kirchenfürsten.

Info 27. Februar 2011

  • Bischof Hanke betont erneut seine Reformresistenz und verweigert sich weiterhin dem geforderten Dialog
  • 29. öffentliche Bundesversammlung vom 25. bis 27.03.2011 in Fulda
  • Karikatur-Postkarten aus der Reihe "Aufgespießt" der "Wir sind Kirche"-Gruppe Eichstätt
  • Eichstätter Theologieprofessorinnen und -professoren engagieren sich beim Memorandum "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch"
Bischof Hanke betont erneut seine Reformresistenz und verweigert sich weiterhin dem geforderten Dialog
"Kirche werde nicht durch ‚Umbaumaßnahmen' lebendiger, sondern durch das ‚Schöpfen aus den Quellen des Heils" erklärte Bischof Hanke in einer Festpredigt zum Walburgisfest am 26.02.2011 in Eichstätt. Er forderte die Gläubigen auf, "wo immer sie im Alltag, in der Familie, im Freundeskreis, in den Verbänden und Pfarreien" leben, daran zu bauen, dass "Quellorte des Glaubens" entstehen und dass Kirche als lebendige Kirche erfahren wird. Ein solcher "Quellort des Glaubens" lebt von Menschen, an deren Leben abzulesen ist, "wie Nachfolge Jesu geht". Dies ist der Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 26.02.2011 zu entnehmen.

Bischof Hanke ignoriert weiterhin, dass es den Reforminitiativen nicht um Äußerlichkeiten geht, sondern darum, dass durch Reformen die Kirche authentischer, glaubwürdiger und zeitgemäßer wird, "damit den Menschen der Zugang zum Kern der christlichen Botschaft und zur Kirche auch im kommenden Jahrtausend ermöglicht wird", wie es z. B. in der Präambel zum KirchenVolksBegehren heißt.

"Wie Nachfolge Jesu geht", so die Worte des Bischofs, können wir nicht an seinen Worten und vor allem nicht an seinen Taten erkennen. Es ist unlauter, die Gotteskrise gegen die Kirchenkrise auszuspielen und soll lediglich ablenken von der Reformnotwendigkeit und dem damit unverzichtbar verbundenen Dialog. Auf diesen wartet die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt immer noch.

29. öffentliche Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche vom 25. bis 27.03.2011 in Fulda
Die nächste Bundesversammlung findet unter dem Motto "Bei euch soll es nicht so sein - Menschenrechte in der Kirche" in Fulda statt. Hauptreferenten sind die beiden Universitätsprofessoren Heribert Franz Köck aus Linz/Donau und Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken. Nähere Einzelheiten können Teilnahmeinteressierte der Website des Bundesteams entnehmen.

Karikatur-Postkarten aus der Reihe "Aufgespießt"
Rechtzeitig zur Fastnachtszeit 2011 und zum Papstbesuch in Deutschland bietet die Eichstätter "Wir sind Kirche"-Gruppe die erste Serie Karikatur-Postkarten aus der Reihe "Aufgespießt" an. Annelie Hürter hat sich bildlich mit folgenden Themen auseinander gesetzt:
  1. Papst Benedikt XVI., Brückenbauer oder Reform-Staumauerbauer?
  2. Geschlossene Gesellschaft = ecclesia semper non reformanda est!
  3. Fürchtet Euch nicht vor Dialog ihr Bischöfe!
  4. Es lebe der Zölibat!!
  5. Papst mahnt, Menschenwürde in Politik und Gesellschaft zu beachten!
  6. Die meisten Bischöfe wissen nicht, was in den Köpfen katholischer Frauen vor sich geht!
  7. Der Umgang mit dem Zölibatszwang!
  8. Der etwas andere Papstbesuch im Heimatland!
  9. Aggiornamento und die Angst des Papstes
  10. Der Geist des Konzils - Kann der Papst ihn wieder einfangen?
Die Karten kosten 30 Cent pro Stück und werden vorwiegend bei Veranstaltungen von "Wir sind Kirche" angeboten. Es ist in Einzelfällen möglich, diese auf Anforderung unter Angabe der Karten-Nr., der Stückzahl und der Adresse zuzusenden. Der Erlös der Karten ist für die bundesweite Arbeit der KirchenVolksBewegung vorgesehen. Anstelle der Kartenzahlung ist auch eine steuerlich abzugsfähige Spende auf das angegebene Konto möglich. Kartenbestellung bitte unter awhuerter@t-online.de oder telefonisch unter 0841/33704.

Eichstätter Theologieprofessorinnen und -professoren engagieren sich beim Memorandum "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch"
Die Eichstätter "Wir sind Kirche"-Gruppe freut sich über die Teilnahme Eichstätter Theologieprofessorinnen und -professoren am Memorandum und dankt Ihnen für das deutliche Engagement.

Info 4. Februar 2011

Eichstätter Bischof verkennt Ursachen der Kirchenkrise und verweigert weiterhin Dialog

Der Pressemitteilung vom 02.02.2011 des Bistums Eichstätt ist zu entnehmen, dass Bischof Hanke den Priestermangel in einer Reihe mit vielen anderen Mangelerscheinungen, wie Glaubensmangel, Gläubigenmangel, Mangel an sakramentalen Eheschließungen, Mangel an christlichen Familien, Mangel an täglicher Gebetspraxis, Mangel an Glaubensfreude sieht. Gott und das Glaubensleben müssten wieder ein e größere Rolle spielen.

Was aber sind die eigentlichen Ursachen der beklagten Mangelerscheinungen? Diese Antwort vermisst die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt. Darüber will die Gruppe seit Jahren, ganz besonders seit einem Jahr mit ihrem Bischof reden. Diesem Gespräch verweigert sich der Bischof hartnäckig.

Nach Auffassung sehr vieler Katholikinnen und Katholiken liegt die Hauptursache in der Kirche selbst, die die Gläubigen zunehmend resignieren lässt, weil sich Papst und Bischöfe Reformen verweigern. In ihren Strukturen und im Handeln der meisten Amtsinhaber erfahren die Menschen, vor allem die Jugend und die Frauen, eine ungerechte und männlich autoritäre Gemeinschaft, die die Beziehung zu Gott nicht fördert, sondern behindert. Es geht um einen Mangel an Glaubwürdigkeit der Kirche.

Info 31. Januar 2011

  • „Wir sind Kirche“ im Gespräch mit Peter Bürger am 3. April 2011 in Ingolstadt
  • „Wir sind Kirche“ im Gespräch mit Peter Hertel am 22. Mai 2011 in Ingolstadt
  • „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt beim Int. Frauentag am 12. März 2011 in Ingolstadt
„Wir sind Kirche im Gespräch“ mit Peter Bürger am 3. April 2011

In Zusammenarbeit mit der Leserinitiative Publik e.V. haben wir den Theologen und Buchautor Peter Bürger aus Düsseldorf zum 03.04.2011, 15 Uhr, Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber dem Stadttheater in Ingolstadt eingeladen. Er spricht und diskutiert über „Katholische Kirchenreform und Dialog: Warten auf den St. Nimmerleinstag?“ Zu diesem Gespräch am Sonntagnachmittag laden wir alle Christinnen und Christen sehr herzlich ein.

„Wir sind Kirche im Gespräch“ mit Peter Hertel am 22. Mai 2011

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Leserinitiative Publik e.V. haben wir den Theologen, Publizist und Buchautor Peter Hertel aus Hannover zum 22.05.2011, 15 Uhr, Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber dem Stadttheater in Ingolstadt eingeladen. Er spricht und diskutiert über „Der Rechtsruck in der katholischen Kirche am Beispiel Engelwerk, Piusbrüder und Opus Dei“ Auch zu diesem Gespräch laden wir alle Christinnen und Christen sehr herzlich ein. Bei der unserer Veranstaltung vor genau drei Jahren mit Peter Hertel über das „Opus Dei“ waren über 100 Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend.

„Wir sind Kirche“ informiert beim Internationalen Frauentag am 12.03.2011 in Ingolstadt über Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche

Wie seit Jahren, wird die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt beim Internationalen Frauentag in Ingolstadt am Samstag, 12. März 2011, zwischen 11 und 14 Uhr im Foyer des Stadttheaters an einem Infostand über Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche informieren. Hierzu laden wir alle Christinnen und Christen ein, die sich über die Nichtzulassung von Frauen zum Dienst als Diakoninnen oder Priesterinnen informieren und gegen die anhaltende Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche protestieren wollen.

Info 25. Januar 2011

Vor und nach Himmelspforten –
Eindrücke anlässlich der Mahnwache am 24.01.2011


Das Kirchenvolk:
Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche hatte kurzfristig zu einer Mahnwache anlässlich der Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz am 24.01.2011 vor dem Tor des Würzburger Kloster Himmelspforten aufgerufen. Von 8,30 bis 10,30 Uhr standen ca. 20 ReformanhängerInnen mit Transparenten, wie „Reformdialog – Wovor habt ihr Bischöfe Angst?“, „Bischöfe, sprecht mit uns statt zu uns!“, „Zölibat: Problem los – problemlos!“, „Lasst uns nicht hängen! Gebt uns viri probati!!!“, „Fürchtet Euch nicht vor Dialog ihr Bischöfe!“.

Die Eminenzen und Exzellenzen:
Sie kommen, bis auf eine Ausnahme, einzeln im Fond ihrer, zum Teil mit abgedunkelten Fenstern ausgestatteten Oberklassenfahrzeugen herangerauscht ohne anzuhalten oder ein freundliches Wort zu verlieren.

Eindrücke:
Auf der Fahrt zur Mahnwache erfahren wir, dass von allen angeschriebenen deutschen Bischöfen in Sachen Dialogprozess bisher nur zwei bisher reagiert haben. Auffallend der Hinweis bei direkten oder indirekten Reaktionen der Bischöfe in der letzten Zeit, dass „Erneuerung beim Herrn der Kirche beginnen muss“ oder „Erstes Ziel und Kerninhalt des Kircheseins sei die Liebe zu Christus, die Christusbeziehung.“

Bei Temperaturen um 0 Grad stehen wir vor einer gewaltigen Bruchsteinmauer mit einem großen Tor, breit genug, dass knapp ein Oberklassenauto durchpasst. Wir stehen außen vor, wissen nicht, über was die „hohen Herren“ reden. Ist es der Papstbesuch in genau acht Monaten? Hat man deshalb keine Zeit, vorher z. B. über. Zölibat und Dialog zu reden? Liegt ein Missverständnis darin vor, dass als „Herr der Kirche“ nicht Christus, sondern der Papst angesehen wird? Haben die Bischöfe aus der schweren Kirchenkrise immer noch nichts gelernt und ignorieren die Anwesenheit und die Anliegen der Demonstranten? Verweigern Gespräche? Demonstrieren vermeintliche Geschlossenheit und Stärke? Übertreffen sich in Loyalitätsbekundungen und –verhalten gegenüber dem Papst und vernachlässigen ihre Loyalitätspflichten gegenüber dem Kirchenvolk?

Das Kirchenvolk ist längst erwachsen und lässt sich nicht mehr mit schönen Worten abspeisen, wie sie der Eichstätter Bischof Hanke am 7.11.2010 predigte: „Nur die Gemeinschaft mit Christus lässt den Glauben im Alltag lebendig sein.“ Wenn es an dieser Gemeinschaft mit Christus fehlt, werde der Glaube im Alltag leblos und nutzlos. Deshalb genüge es nicht, einmal die Woche zur Kirche zu gehen – „den Herrn auf fünfzig Minuten pro Woche zu reduzieren“ – wenn sich anschließend nichts im Leben verändert.

Wer so redet und seinen Mitmenschen gleichzeitig den Dialog verweigert, ist nicht nur unglaubwürdig; er handelt unchristlich.

Wir haben nicht nur vor Himmelspforten die unchristliche Arroganz der Macht erfahren!

Info 20. Januar 2011


Offener Brief - Forderung nach Dialog

Sehr geehrter Herr Bischof Hanke,

leider sind Sie im vergangenen Jahr auf unsere wiederholten Bitten um Dialog nicht eingegangen und haben diesbezüglich unsere Briefe nicht beantwortet. Stattdessen warnten Sie in einer Predigt am 7.11.2010 vor „Umbauplänen“, die das Ziel übersehen. Sie erklärten „Viele selbst ernannte Innenarchitekten stehen bereit für diesen Umbau“, bei dem die Abschaffung des Zölibats, das Diakonat der Frau, eine Kirche von unten und eine Umgestaltung der Strukturen propagiert werden. Sie unterstellten, dass es den Reformkräften nur um eine modernisierte Kirche geht, in der es letztlich nicht mehr um die tiefe und innige Gemeinschaft mit dem Herrn geht. Diese unwahren und diskriminierenden Äußerungen veranlassten unsere Bewegung zu einer öffentlichen Mahnwache „Reformdialog – Wovor habt ihr Bischöfe Angst?“ am 15.11.2010 in Eichstätt. Wir baten Sie an diesem Tag durch den Sprecher unserer Gruppe eindringlich, Gespräche miteinander zu führen. Dies bekräftigten wir in unserem Schreiben vom 17.11.2010 mit dem Hinweis, „als Glieder der Kirche Jesus Christi nicht mehr übereinander oder gegeneinander, sondern miteinander auf Augenhöhe über die Zukunft unserer Kirche zu reden.“

Am kommenden Montag trifft sich in Würzburg der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz, dem Sie angehören, um voraussichtlich über das Thema „Dialoginitiative der deutschen Bischöfe“ zu sprechen. Aus diesem Anlass wiederholen wir noch einmal mit Nachdruck unsere Bitte nach Dialog. Dabei beziehen wir uns als Gläubige auch gemäß Kirchenrecht (CIC, can. 212 § 3) auf „das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie … den Gläubigen kundzutun“. Dieses Recht fordern wir hiermit ausdrücklich ein!

Darüber hinaus erinnern wir Sie bei dieser Gelegenheit an Ihre im Bayerischen Fernsehen am 6. Januar 2011 geäußerten „Gedanken zum Dreikönigsfest“, bei denen Sie dazu eingeladen haben, „Veränderungen zuzulassen und einen neuen Aufbruch zu wagen“. Wenn dies nicht nur schöne Worte sind, müssen ihnen, nicht nur beim einzelnen Gläubigen, Taten folgen. In diesem Sinn erwarten wir ein neues Jahr, und zwar ein Jahr des Dialogs.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Hürter
im Auftrag der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt

Info 14. Dezember 2010

Weihnachtsbotschaft 2010

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt hat die Engel gebeten, den Hirten auf der Erde zu Weihnachten die Frohe Botschaft zu verkünden. Fest zusammengeschnürt mit einem roten Band, wie in einem römischen Korsett, verstehen die Hirten die Botschaft anfangs nicht als eine frohe, sondern als eine bedrohliche. Sie wenden sich ab, halten die Hände vor die Augen und überwinden schließlich Ihre Furcht.

„Weihnachtsbotschaft 2010“

Die Bischöfe fangen an zu begreifen, dass wir alle, Kirchenvolk und Bischöfe und Papst, dass wir ALLE KIRCHE SIND. Diese Weihnachtsbotschaft ist keine DROHbotschaft, sondern eine FROHbotschaft. Sie verstehen, dass es kein GEGENeinander, sondern nur ein MITeinander in der Kirche geben darf.
In diesem Sinn wünscht die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe frohe Weihnachten und ein von Furcht vor Veränderungen freies und gottgesegnetes Miteinander im neuen Jahr.

Info 12. Dezember 2010

„Die Kirche in ihrer schwersten Krise“
Neue Kultur des Miteinanders

Während unserer Mahnwache „Reformdialog! Wovor habt ihr Bischöfe Angst?“ am 15.11.2010 in Eichstätt kam u. a. Dr. Thomas von Mitschke-Collande, bis vor kurzem Seniordirektor bei Mc Kinsey, zu unserer Gruppe und zeigte Interesse an unseren Aktivitäten. Er hat in den vergangenen Jahren die Deutsche Bischofskonferenz und einige Bistümer beraten. In diesem Jahr hielt er bei der Katholischen Akademie in München einen bemerkenswerten Vortrag „Die Kirche in ihrer schwersten Krise“, der in der Zeitschrift „zur debatte“ 7/2010, Seiten 26-28, erschienen ist. Bei seinen „Leitgedanken zur Überwindung der Krise“ heißt es in Absatz 3:

„Neue Kultur des Miteinanders“
„Die Kirche braucht eine neue Kultur des Miteinanders, sie braucht eine neue Dialogfähigkeit. Das bedeutet Diskussion und Kontroverse auf Augenhöhe innerhalb der Amtskirche sowie mit Laien und Wissenschaft. Diese Diskussionen dürfen nicht nur auf Amtsträger beschränkt werden, die Kirche muss eine integrative Gesprächs- und Streitkultur fördern und nicht ausgrenzen.

Bei der innerkirchlichen Diskussion geht es nicht darum, Glaubenswahrheiten zu hinterfragen – diese stehen nicht zur Disposition. Aber es gibt zweifellos Strukturen, Prozesse und kirchliche Richtlinien, die hinterfragt werden müssen. Hier ist zu viel Ängstlichkeit und Verzagtheit, häufig aus falsch verstandenem Gehorsam, zu beobachten. Laien sollten stärker in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die Zusammenarbeit zwischen ZdK und Episkopat sollte grundsätzlich überdacht und intensiviert werden. Ebenso muss die Kirche sich weiterhin in gesellschaftlich relevante Themen einmischen und hier selbstbewusst das Heilige und das Evangelium vertreten.

Innerkirchliche Diskussionen und Auseinandersetzungen dürfen nicht als Angriff oder Infragestellen verstanden werden, sondern als das Wirken des Heiligen Geistes. In der 2000-jährigen Kirchengeschichte haben Theologen und Laien fortwährend miteinander um die Wahrheit und den richtigen Weg gerungen und sich auseinandergesetzt – das hat die Kirche weitergebracht, und wird die Kirche auch in Zukunft weiterbringen. Dialogfähig ist, wer sich seiner eigenen Positionen und Aussagen sicher ist. Ist er dies nicht, verweigert er sich der Auseinandersetzung.

Das „Gehorsamsprinzip“ darf nicht überhöht werden. Vielmehr ist auch eine loyale Verpflichtung zum Widerspruch, wo er angebracht erscheint, einzufordern. Die Grundlagen dazu sind vorhanden: Es gibt Laien, Wissenschaftler und Jugendlich, die hier genutzt werden können. In den 13.000 Gemeinden gibt es allein über 100.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sicher bereit wären mitzuwirken. Ähnliches gilt für Vertreter theologischer Fakultäten und Wissenschaftlicher. Das Ziel muss sein, einen positiv besetzten Dialog zu führen, konstruktive Mitwirkung zu ermöglichen und unnötige Frustration zu vermeiden. Dies setzt voraus, dass der Dialog auf Augenhöhe geführt wird – der Laie in der Diskussion also ebenso viel gilt wie der Geistliche. Daran fehlt es leider zu oft, und daran muss gearbeitet werden.“

Hier der volle Wortlaut des Vortrags.

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt fühlt sich in ihrer Forderung nach Dialog und Auseinandersetzung mit ihrem Bischof Gregor Maria Hanke bestätigt und erwartet, dass der Bischof nicht nur die Äußerungen Mitschke-Collandes kennt bzw. kennenlernen wird, sondern im neuen Jahr bereit ist, mit uns zu reden und sich mit uns und unseren Reformanliegen auseinander zu setzen. Diese werden, wie repräsentative Befragungen immer wieder ergeben haben, von der deutlichen Mehrheit der Gläubigen geteilt. Glaubenswahrheiten werden davon nicht berührt, es sei denn, man hält jede Meinung des Papstes oder Bischofs für eine Glaubenswahrheit, die nicht in Frage gestellt werden darf.

Info 3. Dezember 2010

„Mehr Verantwortung für Ehrenamtliche – eine Investition in die Zukunft der Kirche“

So titelte gestern die Pressestelle des Bistums Eichstätt einen Bericht über ein Begegnungswochenende für die Vorstände der Pfarrgemeinderäte des Bistums im Bistumshaus Schloss Hirschberg. An diesem Wochenende waren der neue Generalvikar des Bistums, Isidor Vollnhals, und der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Dr. Albert Schmid, als Hauptreferenten eingeladen worden.

Der Generalvikar betonte u. a. die Kirche sei nicht Weltkonzern, sondern eine bunte Gemeinschaft von Glaubenden. Er sei mit dem Zustand der Kirche von Eichstätt recht zufrieden. Die personelle Situation im Bistum sei gut, insbesondere was die Zahl der Priester im Gemeindedienst beträfe. Daher bestehe derzeit keine Notwendigkeit für priesterlose Wortgottesdienste am Sonntag, wohl aber brauche es vor Ort mehr gut qualifizierte, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pastoral. In deren Ausbildung soll in Zukunft verstärkt investiert werden.

Albert Schmid wies u. a. darauf hin, dass aus einer Volkskirche eine Entscheidungskirche geworden sei. „Immer wieder, ja fast täglich, müssen wir uns entscheiden!“ führte er aus und wies darauf hin, dass der Dialog zwischen Amt und Laien einen wechselseitigen Vertrauensvorschuss und auch geschützte Räume brauche, in denen er stattfinden könne. Der säkulare Staat sei Voraussetzung für die Religionsfreiheit, um so mehr komme es darauf an, dass die Christen im Staat „unverzagt und zuversichtlich“ Zeugnis ablegen für ihren Glauben. Das Christentum wäre „keine Beruhigungsveranstaltung“. Christen müssten geprägt sein von einer „christlichen Unruhe, gepaart mit gelassenem Gottvertrauen“.

Der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt stellen sich nach dem Lesen des Berichts u.a. folgende Fragen:
  • Wie sieht die pastorale Situation im Bistum Eichstätt aus?
  • Wie wenige Gläubige beteiligen sich am Gemeindeleben?
  • Wie wenige Gläubige beteiligen sich an Pfarrgemeinderatswahlen?
  • Wie wenige wollen noch Priester werden und wie wenig sind die Wenigen dazu qualifiziert?
  • Wie wenig können Ehrenamtliche in der Kirche mitbestimmen?
  • Wie wenig traut man sogenannten Laien zu, dass sie trotz zunehmenden Priestermangels z. B. nicht Finanzdirektor, Seelsorgeamtsleiter oder Caritasdirektor werden können?
  • Wie offen sind Bischof und Pfarrer für konstruktive Kritik?
  • Wie wenig Dialogbereitschaft von Seiten der Kirchenleitung besteht gegenüber der Mehrheit der Gläubigen, die höchst unzufrieden ist und sich häufig von den Gremien nicht vertreten fühlt?
Der Titel „Mehr Verantwortung für Ehrenamtliche – eine Investition in die Zukunft der Kirche“ klingt gut, die geschilderten Ergebnisse werden aber dem Anliegen, „Zukunftsperspektiven für die Entwicklung der Kirche“ aufzuzeigen, nicht gerecht.

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt erwartet, dass nach der erneuten Bitte um Dialog mit Bischof Gregor Maria Hanke vom 17. November 2010 es in absehbarer Zeit zu konstruktiven Gesprächen kommen wird.

Info 16. November 2010

Mahnwache „Reformdialog! Wovor habt ihr Bischöfe Angst?“ am 15.11.2010 in Eichstätt

Die anhaltende Dialogverweigerung durch den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sowie seine haltlosen Äußerungen über Reformgruppen während einer Predigt am 7.11.2010, wir berichteten darüber, veranlasste die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt zu einer kurzfristig anberaumten Mahnwache vor der mächtigen Fassade der Schutzengelkirche in Eichstätt..
VertreterInnen der Eichstätter Gruppe freuten sich über die Verstärkung von Mitgliedern der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ aus den Nachbarbistümern Augsburg und Regensburg. An diesem Tag hielt sich der neue Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Erzbischof von München-Freising, Reinhard Marx, in Eichstätt auf . Er, ein Mann starker Worte, vermied den Kontakt zu den Mitgliedern der Mahnwache und begab sich vom Priesterseminar unmittelbar über einen Nebeneingang zur Vesper in die Schutzengelkirche.

Vor allem die weiblichen Mitglieder der Mahnwache „Reformdialog! Wovor habt ihr Bischöfe Angst?“, auf dem Foto von links nach rechts; Christiane Heuberger, Annelie Hürter, Christel Gottwald und Annemarie Mattern bedauerten, dass es nicht wenigstens zu einem kurzen Redewechsel mit dem ansonsten mediengewandten Kirchenmann gekommen ist. Dazu kam es aber zwischen dem Sprecher der Eichstätter „Wir sind Kirche“-Gruppe Walter Hürter und dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke auf seinem Weg vom Bischofspalais zur Vesper in der Schutzengelkirche. Dabei wies Walter Hürter den Bischof auf seine Dialog verweigernde Haltung und seine ausgrenzende Predigt hin. Er forderte ihn auf, unverzüglich miteinander ins Gespräch zu kommen. Bei einem ersten und bisher einzigen Gespräch im Mai 2007 hatte Hürter als Vertreter der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe dem Bischof zwei Bücher über die theologische Begründung der Reformforderungen von Thomas Plankensteiner und Norbert Scholl übergeben und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es in der Präambel des KirchenVolksBegehrens (KVB) u. a. heißt: „Wir hoffen auf eine intensive Diskussion und auf die schrittweise Umsetzung der Forderungen des KVB, damit den Menschen der Zugang zum Kern der christlichen Botschaft und zur Kirche auch im kommenden Jahrtausend ermöglicht wird.“

Nach der Mahnwache zeigten sich einige Mitwirkende zuversichtlich, dass endlich ein ernsthafter Reformdialog
1. nicht nur zwischen den Bischöfen,
2. den Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken,
3. sondern gleichzeitig auch auf allen Ebenen und mit allen Gruppierungen
ein Dialog über längst fällige Reformen zustande kommt. Zu einem kurzen Gespräch kam es auch zwischen den Mitgliedern der Mahnwache und Dr. Thomas Mitschke-Collande, der sich an der Mahnwache interessiert zeigte und seit Jahren Berater der Deutschen Bischofskonferenz und einzelner Bischöfe ist. Als McKinsey-Direktor der Studie „Perspektive Deutschland“ untersuchte er mit seinen Mitarbeitern die Kirchenbindung.

Während die meisten KirchgängerInnen wohlwollend der Mahnwache begegneten, versuchten offensichtlich einige Priesterseminaristen die Aktion zu stören.

Info 12. November 2010

„Wir sind Kirche“ fordert am 15.11.2010 Dialog in Eichstätt

Die anhaltende Dialogverweigerung durch den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ist Anlass für eine Demonstration der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt.

Am Montag, 15.11.2010, 15 bis 16 Uhr, wird die Gruppe vor der Schutzengelkirche in Eichstätt die Aufnahme eines ernsthaften Dialogs zwischen Bischof und Kirchenvolk fordern.

An diesem Tag hält sich auch der Vorsitzende der Bayerischen Bischofskonferenz, der neue Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Vorsitzender des Stiftungsrates der Katholischen Universität Erzbischof von München-Freising Reinhard Marx in Eichstätt auf.

Erzbischof Marx erklärte kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung u. a. auf die Bemerkung: Die Gläubigen fordern glaubhafte Reformen - „Reform heißt aber nicht: Wir nehmen es nicht so genau. Reform bedeutet für uns: Wir nehmen den Lebensstil Jesu ernst.“

Bischof Hanke erklärte in einer Predigt am 7.11.2010, u. a.: „Die Wandlung in der Messe geht in die Wandlung unseres Lebens über.“ Zur gleichen Zeit spricht er generell kirchlichen Reformkräften die Liebe zu Christus ab.

Nähere Information dazu unter den letzten Infos der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt!

Die Bischöfe sprechen zwar von Reform, verweigern aber bisher hartnäckig den unverzichtbaren Dialog mit dem Kirchenvolk, zu dem die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ gehört. Deren Reformziele werden seit 15 Jahren trotz theologischer Begründung bis heute verweigert.

Info 11.11.10

Brief von Gloria Romtreu an Bischof Hanke:

Seine Exzellenz, Hochwürdigster Herr Bischof Dr. Gregor Maria Hanke!

Als übereifrige kath.net-Leserin erlaube ich mir heute, Ihnen hochwürdigster Herr Bischof, für Ihren heldenhaften Kampf gegen die Modernisten in unserer Kirche ein herzliches Vergelt’s Gott zu sagen. Klarheit, Reinheit und Ausgrenzung gehören nun mal zu den christlichen Prinzipien, ob diese Modernisten das hören wollen oder nicht.

Wie der kath.net-Artikel überschrieben ist, so sollte es auch sein: „Bischof Hanke: Christusbeziehung wichtiger als Mordernität“. Geh ich fehl in der Annahme, dass Ihr überaus tüchtiger Mitarbeiter, Hochwürden Vizeoffizial Magister Magister Dr. Alexander Pytlik, der zugleich kath.net-Mitarbeiter ist, (der eigentlich als Militärkaplan der Reserve, der wo er auch noch ist und eigentlich von Ihrem verehrten Vorgänger im Bischofsamt ursprünglich nur ausgeliehen war!) Ihnen beratend zur Seite gestanden hat? Ihre Aussage: „Christusbeziehung wichtiger als Mordernität“ ist so was von überzeugend, wie „Nachts ist es kälter als draußen!“ Wer will denn da noch was sagen?

Ich darf Ihnen in aller Form versichern, dass ich mit meiner Meinung nicht allein innerhalb der kath.net-Fanschar stehe. Hier nur zwei Solidaritätsbekundungen:

Dismas: ja Bischof Hanke ist einer der besten, leider zu wenigen Bischöfen in D. Ich kenne ihn schon lange, ihm hätte der Kardinalspurpur eher zugestanden, als z. B. Ebf. Marx (Tradition her oder hin)

Agnus Dei: Bischof Gregor Maria Hanke bringt es unumwunden genau auf den Punkt, um was es bei Kirche-Sein geht! Das ist richtig Klartext gesprochen und unmissverständlich! Ein wahrer Genuss! Danken wir Gott für diesen wunderbaren echten Hirten und erbitten wir reichlichen Segen für ihn!

Diesen „selbst ernannten Innenarchitekten“ geht es doch nicht, wie sie richtig und mutig feststellen, „um die Liebe zu Christus, die Christusbeziehung“, die wir besitzen und auch nicht hergeben. Denen geht es nur um „Technokratie“ und Kirche als „soziologische Größe mit gruppendynamischen Prozessen“. Sie stellen auch überaus richtig fest, dass denen die „Gemeinschaft mit Christus fehlt“ und deren „Glaube im Alltag leblos und nutzlos“ werde. Sie haben auch richtig festgestellt, dass diese Modernisten „einmal die Woche zur Kirche gehen – ‚den Herrn auf fünfzig Minuten pro Woche zu reduzieren’ – und sich anschließend nichts im Leben verändert.

Übrigens noch eine Frage: Achten Sie ebenfalls so konsequent wie Ihr (in Eichstätt!) verehrter Vorgänger auf die Einhaltung der seinerzeit von ihm veranlassten Hausordnung im Priesterseminar?

Ich darf mich bei Ihnen, Exzellenz Hochwürdigster Herr Bischof, noch einmal für Ihre klaren und wahren Worte in alleruntertänigster Form bedanken und verbleibe

mit vorzüglichster Hochachtung, Ihre

Gloria Romtreu

Bad Schaumwein, den 11.11.10

Info 8. November 2010

Bischof Hanke beweist völliges Unverständnis für Kirchenreform, wie sie u. a. von „Wir sind Kirche“ gefordert wird.

Wie die Pressestelle des Bistums Eichstätt heute berichtet, hat gestern Bischof Hanke in Ingolstadt in einer Predigt vor „Umbauplänen“ gewarnt, die das Ziel übersehen. Der volle Wortlaut der Pressemitteilung siehe „Aufgelesen“!

Er erklärte u. a.: „Viele selbst ernannte Innenarchitekten stehen bereit für diesen Umbau“, bei dem die Abschaffung des Zölibats, das Diakonat für die Frau, eine Kirche von unten und eine Umgestaltung der Strukturen propagiert werden. Doch man müsse fragen: „Was nutzt eine nach gesellschaftlichen Kriterien veränderte und durchorganisierte Kirche, in der es letztlich nicht mehr um diese tiefe innige Gemeinschaft mit dem Herrn geht, in der sich die Kirche nicht mehr als Sakrament Christi versteht, sondern als soziologische Größe mit gruppendynamischen Prozessen, die es zu bewältigen gilt?“

In der Pressemeldung heißt es weiter: Ziel des Kircheseins sei nicht zuallererst, gut da zu stehen, modern zu sein. Erstes Ziel und Kerninhalt des Kircheseins sei die Liebe zu Christus, die Christusbeziehung. Er spricht den Reformkräften ab, dieses Ziel zu sehen und erklärt, dass alles Handeln Technokratie sei. Der Glaube werde leblos und nutzlos. „Die Wandlung in der Messe geht in die Wandlung unseres Lebens über.“ „Auf diese Wandlungskraft des Lebens sollen auch alle Reformbestrebungen setzen, so der Bischof von Eichstätt.“ heißt es am Ende der Pressemitteilung.

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt ist mehr als erstaunt über das Verhalten ihres Bischofs und weist die Vorwürfe als völlig unzutreffend in allen Punkten zurück. Bischof Hanke beweist damit, dass er die Reformanliegen nicht versteht oder nicht verstehen will. Seine Worte von den „selbst ernannten Innenarchitekten“ sind polemisch und polarisierend. Zur Erinnerung hier noch einmal die Präambel des KirchenVolksBegehrens: „Gemeinsam mit dem österreichischen KirchenVolksBegehren (KVB) und gleichgerichteten Initiativen in anderen Ländern, rufen wir das Kirchenvolk, alle Laien, Priester, Ordensleute und Bischöfe dazu auf, sich für längst fällige Reformen in der katholischen Kirche einzusetzen. Wir hoffen auf eine intensive Diskussion und auf die schrittweise Umsetzung der Forderungen des KVB, damit den Menschen der Zugang zum Kern der christlichen Botschaft und zur Kirche auch im kommenden Jahrtausend ermöglicht wird. Das KVB soll im Geist des 2. Vatikanischen Konzils und der „Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer“ die vorhandenen Dialogprozesse und Initiativen zusammenführen, unterstützen und voranbringen, damit die katholische Kirche ihre Aufgaben in der weltweiten Ökumene wahrnehmen kann.“ Die Eichstätter Diözesangruppe fordert den Eichstätter Bischof erneut auf, den Dialog mit „Wir sind Kirche“ nicht weiterhin zu verweigern, sondern ernsthaft aufzunehmen.

Die Reformziele „Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, volle Gleichberechtigung der Frauen, freie Wahl zwischen zölibatärer und nichtzölibatärer Lebensform, positive Bewertung der Sexualität und Frohbotschaft statt Drohbotschaft, haben nichts mit Technokratie zu tun, sondern damit, ob es der Kirche gelingt, wieder glaubwürdiger zu werden. Darauf machen auch die Zeichen der Zeit in der katholischen Kirche im Jahr 2010 überdeutlich aufmerksam. Bischöfe sind Diener und nicht Herrscher der Kirche. Sie werden ihrer Verantwortung immer weniger gerecht. Kirchenaustritte, Priestermangel, Wegfall von Eucharistiefeiern sind nur einige der Folgen fehlender Kirchenreformen. Geht „die Wandlung in der Messe“ wirklich in die „Wandlung unseres Lebens über“?

Info 6. November 2010

  • Impressionen vom „Reform-Aktions-Tag“ 31. Oktober 2010 in Hammelburg
  • Glückwünsche für Karl Graml zum 75.!
  • Papst Benedikt der Einäugige: „Unterstützt die Laien!“
  • „Im Visier des Vatikans“ – Rom überprüft alle Frauenorden in den USA
Impressionen vom „Reform-Aktions-Tag“ am 31. Oktober 2010 in Hammelburg
Im Oktober 2009 wurde der Hammelburger Pfarrer Michael Sell suspendiert,
weil er sich öffentlich zu seiner Freundin und seinem Kind bekannte. Die Suspendierung dieses beliebten und befähigten Pfarrers durch den Würzburger Bischof löste nicht nur eine Welle der Empörung aus, sondern auch eine Initiative von Gemeindemitgliedern, die sich zu „Kirche in Bewegung“ (KiB) zusammenschlossen. Seit über einem Jahr beten viele Gemeindemitglieder jeden Donnerstag in ihrer Pfarrkirche und hin und wieder öffentlich auf dem Marktplatz. Im Mittelpunkt steht das Segensgebet:

Du Gott der Liebe,
der du unseren Verstand und unser Herz segnest:
Setze uns in Bewegung, kreativ und vertrauensvoll,
damit wir Deinem Reich den Weg bereiten.
Begleite uns,
alle Menschen in unserem Herzen,
aber auch die, mit denen wir uns schwer tun.
Sei mit deinem Geist unter uns
und bewege die,
die Leitungsverantwortung tragen in unserer Kirche:
unsere Priester und unsere Bischöfe
und unseren Papst Benedikt.
Ermutige deine Kirche zu vertrauensvollem Vorwärtsgehen,
dass sie ihre Angst ablegt,
die Zeichen der Zeit erkennt und sich öffnet für neue Wege.
Lass Menschen deinem Ruf zu einem geistlichen Amt folgen,
Männer und Frauen, im Zölibat oder im Ehestand lebend.
So segne und bewege uns
Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist.
Amen.

„Kirche in Bewegung“ (KiB) Hammelburg betet nicht nur wöchentlich, sondern ist daran interessiert, dass alle Reformkräfte in der katholischen Kirche in ihren Gemeinden das Donnerstagsgebet sprechen und aktiv an Reformen arbeiten. Daher hatten sie ein Jahr nach der Suspendierung ihres Pfarrers am 31. Oktober 2010 zu einem ersten „Reform-Aktions-Tag“ eingeladen, um Kräfte zu bündeln und Kirche zu bewegen. Das ist ihnen auf professionelle Weise gelungen. Es haben sich sehr viele Frauen und Männer engagiert, die diesen Tag perfekt organisiert hatten. VertreterInnen 14 verschiedener Reformgruppen aus Österreich und Deutschland waren der Einladung nach Hammelburg gefolgt. „Wir sind Kirche“-Mitglieder aus dem Bistum Eichstätt staunten, welches Potential an dynamischen und kompetenten Gemeindemitgliedern in Hammelburg engagiert ist. Nach ihren Beobachtungen haben in anderen Pfarrgemeinden solche Menschen weitgehend resigniert, weil sie mit ihren Vorstellungen von Pfarrern nicht ernst genommen wurden. Erstaunlich auch die kluge, positive und integrierende Haltung des jetzigen Hammelburger Pfarrers Christian Müssig. Er erklärte, dass er sich freue, dass die Pfarrei mit ihren Räumlichkeiten Gastgeber des Reform-Aktions-Tags sein dürfe. Er war Teilnehmer der Veranstaltung, freute sich über das offene Gesprächsklima, wandte sich gegen Ausgrenzung und feierte zusammen mit der Gemeinde und den TeilnehmerInnen der Reformgruppen am Abend einen bewegenden Gottesdienst. Es bleibt zu hoffen, dass von Hammelburg aus sich der Reformgeist in der katholischen Kirche verbreitet. Der Hahn
auf der Turmspitze der Hammelburger Stadtpfarrkirche steht für die Wachsamkeit der Christen. In einer Abschlusserklärung schließen sich die in Hammelburg versammelten Delegierten dem „Essener Hahnenschrei 2010“ an, in der die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ alle Christinnen und Christen dazu aufruft, sich ihrer eigenen Charismen und Mündigkeit bewusst zu werden und das Geschick der Gemeinden in die eigene Hand zu nehmen. Die Reformgruppen fordern einen Dialog auf Augenhöhe mit den Bischöfen, eine Kultur des Zuhörens und der Anerkennung des Priestertums aller Gläubigen, Dies muss sich in ergebnisoffenen Gesprächen und dem völligen Verzicht auf Machtausübung gegenüber Laien und Priestern manifestieren. Die Reformgruppen wollen Priestern Mut machen, sich offen und ehrlich zu ihrer Lebens- und Arbeitssituation zu äußern und gemeinsam mit den Christinnen und Christen in den Gemeinden an einer Lösung der strukturellen Probleme der Kirche zu arbeiten.

Die Erdfunkanlage vor den Toren Hammelburgs

mit dem motorisierten Gleitschirmflieger soll darauf aufmerksam machen, dass Kommunikation in der katholischen Kirche technisch weltweit möglich ist. Die Frage ist, ob die Reformsignale aus Hammelburg in Rom und den anderen Bischofsorten ankommen und in der rechten Weise erwidert werden.

Der katholische Theologe und Buchautor Peter Bürger

referierte zu dem Thema „Wider die Angst – die Freiheit des Glaubens neu wagen“. Dabei betonte er, wie wichtig das Priestertum aller Gläubigen sei. Die jetzt erstellten Pastoralpläne seien lediglich „Priestermangel-Anpassungspläne“. Er forderte ein neues Konzil, und zwar „von unten“. Dialog mit den Laien dürfe keine unverbindliche Volksbefragung sein. Peter Bürger forderte frommen Ungehorsam von Gläubigen, ohne den es keine entscheidenden Änderungen in der Kirche gebe. Der Referent wurde von der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt für das Frühjahr 2011 zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit der „Leserinitiative Publik“ eingeladen. Der genaue Zeitpunkt dieser Veranstaltung, voraussichtlich 3.4., 27.3. oder 20.3. wird nach internen Abstimmungen rechtzeitig bekannt gegeben.

Glückwünsche für Karl Graml zum 75.!
Karl Graml aus Lenting feierte in diesen Tagen im engsten Familienkreis seinen 75. Geburtstag und seinen 10. Hochzeitstag.

Wir danken ihm für seine langjährige Mitarbeit in der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“, von 2001 bis 2007 als Mitglied des Bundesteams.
Als Mitinitiator und langjähriger Verantwortlicher der Jugendvesper im Kloster Plankstetten und Religionslehrer am Gymnasium in Hilpoltstein hat er es verstanden, tausende Jugendliche für die Kirche, auch über die Grenzen des Bistums hinaus, zu begeistern. „Trotz anfänglicher Kritik (aus der Diözese) an dieser Form des Gebetes trafen sich die Jugendlichen unter dem Schutz der Abtei immer wieder und regelmäßig.“, wie es in einer Pressemitteilung des Klosters heißt. 27 Jahre fuhr Karl Graml zu jedem Pfingstfest für eine Woche nach Taize, um dort mit der Brüdergemeinschaft und den vielen Jugendlichen zu leben.
Sein starkes Reformengagement beim „KirchenVolksBegehren“ missfiel der kirchlichen Obrigkeit. Das führte auch dazu, dass sich viele Priesterkollegen von ihm zurückzogen. Im Jahr 2000 entschloss sich Karl Graml, Martina Brunninger zu heiraten. Damit verbunden war die umgehende Suspendierung vom Priesteramt durch Bischof Walter Mixa.
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt hofft, dass Karl Graml noch viele Jahre aktiv an der Verwirklichung von Kirchenreformen mit seinen hervorragenden theologischen Kenntnissen mitwirken kann und wünscht ihm und seiner Familie Gesundheit und die Erfüllung unserer gemeinsamen „Kirchenträume“.

Papst Benedikt der Einäugige: „Unterstützt die Laien!“
Die Pressemeldung von Radio Vatikan am 4.11.2010 ist überschrieben: „Benedikt XVI.: Unterstützt die Laien!“ Der schreibende Laie reibt sich die Augen und liest die ganze Meldung. Da liest er u. a.: Papst Benedikt XVI. (hat) Kirchenvertreter dazu aufgerufen, Laien bei ihrem Engagement in Gesellschaft und Politik zu unterstützen. Christen müssten mit Hilfe der kirchlichen Soziallehre auf die wachsenden Herausforderungen der Globalisierung vorbereitet werden, …Die einzelnen Staaten koordinierten sich untereinander nur unzureichend, da sie auf Machtpositionen aus seien und nicht auf Solidarität. …warnt Benedikt vor der Vormacht einzelner Konzerne und Finanzunternehmen, die die politische Agenda „zum Schaden des Allgemeinwohls“ bestimmen und auch weiterhin diktieren wollen. Umso dringlicher sei die Bildung engagierter Laien, die sich als „freie und verantwortungsvolle Bürger“ für eine gerechte Gemeinschaft einsetzten.

Jetzt weiß der schreibende und sich die Augen reibende Laie mal wieder Bescheid: All diese Forderungen gelten nur für „außen“, nicht für „innen“. Subsidiarität und Solidarität, Gerechtigkeit, Freiheit und Eigenverantwortung soll außerhalb der Kirche verwirklicht werden, nicht innerhalb. Machtpositionen zum Schaden des Allgemeinwohls gibt es danach auch nur außerhalb der Kirche. Wie blind auf einem Auge muss ein Mensch sein, wenn er die nicht zu leugnenden Probleme nur in Gesellschaft und Politik sieht, nicht aber in seinem eigenen Verantwortungsbereich, der Kirche?

"Papst: Menschenwürde in Politik und Gesellschaft beachten!"

„Im Visier des Vatikans“ – Rom überprüft alle Nonnenorden in den USA
Norbert Sommer berichtet am 6.11.2010 auf der Internetseite von „Deutschlandradio Kultur“ von der Überprüfung von 341 US-Frauenorden. Dabei gehe es offensichtlich um eine interne Auseinandersetzung über die Umsetzung des Konzils, über Tradition und Reform. „Zwei Gruppen von Frauenordens-Gemeinschaften ringen miteinander. Da ist auf der einen Seite die 1959 vom Vatikan als offizielle Repräsentantin an anerkannte „Leitungskonferenz der Ordensfrauen“, der heute 95 % aller amerikanischen Nonnen angehören, und auf der anderen Seite der konservative kleine, erst 1995 von Rom anerkannte sogenannte „Rat der Oberinnen von Ordensfrauen“. Und von dieser kleinen Gruppe gingen die Attacken gegen die Mehrzahl der Reform-Nonnen aus. Schon vorher hatten einzelne Bischöfe darüber geklagt, dass Ordensfrauen in ihren Diözesen zu selbstständig handelten, den Gehorsam verweigerten und sich jeder Kontrolle entzögen.“
Bemerkenswert ist, das vor der apostolischen Visitation, die drei Jahre dauern soll, die beschuldigten Ordensfrauen nicht gehört wurden. Der ausführliche Bericht steht unter „Aufgelesen“.

Info 21. Oktober 2010

"Wer nichts ändern will, hat aufgehört zu leben" - Der neu ernannte Kardinal Reinhard Marx und "seine Sprüche"

Flotte Sprüche hat er drauf, der neu ernannte Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München. wie man z. B. dem unter der Überschrift "Wer nichts ändern will, hat aufgehört zu leben" bei Süddeutsche Zeitung online (SZ) am 22.04.2010 veröffentlichten Interview (hier in voller Länge zu lesen) entnehmen kann. Hier sechs Kostproben:

Nr. 1: SZ: Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller beklagt, dass wegen der Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu wenig geeignete Anwärter für das Priesteramt zur Verfügung stehen. - Marx: Da ist faktisch etwas dran. Wichtig ist aber doch, wie wir auswählen. Die Ehelosigkeit ist wie die Ehe, die ein Leben lang halten soll, eine herausfordernde Lebensform. Beide Lebensformen erfordern eine besondere Hingabe. Die Priester folgen mit der Ehelosigkeit dem Lebensbeispiel Jesu.

Nr. 2: SZ: Pädophile können die Kirche als Schutzraum betrachten. Wäre es deshalb nicht vernünftig, den Zwangszölibat abzuschaffen und so mehr Auswahl bei den Bewerbern zu haben? - Marx: Das ist eine Unterstellung! Wir holen uns doch nicht Männer, die von vornherein nichts anderes im Sinne haben, als Kinder zu missbrauchen. Wir Bischöfe sind verpflichtet, bei der Auswahl der angehenden Priester darauf zu achten, dass man nur Persönlichkeiten akzeptiert, die menschlich gereift sind.

Nr. 3: SZ: Warum nimmt die Kirche nicht "viri probate" auf (rechtschaffene verheiratete Männer), wie Alois Glück, der Präsident des ZdK, es vorgeschlagen hat? - Marx: Ich würde diese Frage ungern mit der Missbrauchsthematik verknüpfen. Die Kirche hat die Erfahrung gemacht, dass der Zölibat ein großer Schatz ist. Und nicht das große Problem der Kirche. ….

Nr. 4: SZ: Sie wollen also nichts ändern. Werden sich dann die Menschen nicht noch mehr von der Kirche abwenden? - Marx: Wer nichts mehr ändern will, hat aufgehört zu leben. Wir sind gerufen, immer wieder neu aufzubrechen. Es geht darum, den Kern der Botschaft Jesu in den Mittelpunkt zu stellen. Das Evangelium zu verkündigen und zu leben in einer Zeit, die reich ist an Krisen, Armut und Elend auf der ganzen Welt. Wer diese Debatte auf den Zölibat verkürzt, kapiert nicht wirklich, worum es geht.

Nr. 5: SZ: Die Gläubigen fordern glaubhafte Reformen. - Marx: Reform heißt aber nicht: Wir nehmen es nicht so genau. Reform bedeutet für uns: Wir nehmen den Lebensstil Jesu ernst.

Nr. 6: SZ: Der Mainzer Kardinal Lehmann sagt: Die hohen Ansprüche, die wir stellen, kommen jetzt als Bumerang auf uns zurück. Marx: Deswegen müssen wir den Mund auch nicht zu voll nehmen. Wir brauchen mehr Demut. …

Die Art und Weise, wie der zukünftige Kardinal auf Fragen reagiert, ist bezeichnend für sein Auftreten. Es ist erschreckend, wie wenig er wirklich auf gestellte Fragen zu Veränderungen in der Kirche eingeht und angemessene Antworten findet. Es reicht nicht aus, mediengewandt aufzutreten. Nicht auf die "Verpackung" kommt es an, auch wenn darauf in unserer Zeit besonderer Wert gelegt wird, sondern auf den Inhalt. Es ist zu hoffen, dass die Menschen sich nicht von flotten Sprüchen, sondern davon beeindrucken lassen, wie authentisch im Sinne Christi vor allem Bischöfe leben, reden und handeln. Wir erleben in unseren Tagen vor allem eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise unserer Kirche.

Info 18. Oktober 2010

„Einen neuen Aufbruch wagen“ - Erzbischof Zollitsch zur geplanten Dialoginitiative, die Realität im Bistum Eichstätt und Fragen an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz

In dem gestern bei „domradio“ veröffentlichten KNA-Interview (hier zu lesen) äußert sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch zur geplanten Dialoginitiative, die von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen worden ist. Auslöser dafür sind nicht nur die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle im kirchlichen Raum, sondern auch eine Vertrauenskrise der Kirche. Zollitsch erklärt u.a.: „Wir verstehen diesen Dialog als eine Weise wie wir Kirche der Pilgerschaft leben, besonders auch als eine hörende Kirche. Es geht um das Bezeugen, die Weitergabe und praktische Bekräftigung des Glaubens.“ Auf die Frage, wie die „zu große Distanz zwischen ‚normalen’ Gläubigen und den Bischöfen“ geändert werden soll und wer bei der Dialoginitiative mitreden darf und soll, äußert sich Zollitsch: „Wo die gefühlte Distanz zu groß ist, muss man versuchen, die Lebens- und Glaubenssituation der jeweils anderen Beteiligten besser zu verstehen.“

Auf die Frage: „Der Regensburger Bischof G.L. Müller schloss bereits öffentliche Gespräche über Fragen von Sexualmoral, Zölibat oder eine Weihe von Frauen als Diakoninnen aus. Lassen sich kritische Katholiken, die in ihrer Kirche etwas bewegen wollen, überhaupt auf einen Dialog ein, wenn sie nicht an der Auswahl der Themen und Zielsetzungen der Gespräche beteiligt sind?“ äußert sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz: „Wir bieten den Dialog an – alle können sich beteiligen und es gibt viele Themen, über die gesprochen werden kann. Zugleich ist klar, dass Glaubenswahrheiten keinen Raum für willkürliche Interpretationen bieten.“

Gegen Ende des Interviews erklärt Zollitsch u. a., dass 40 Jahre nach der Würzburger Synode das Jubiläum gefeiert werden soll, dass es aber keiner neuen Synode bedürfe. „Wir brauchen das konkrete und zügige Gespräch in einer horizontalen und vertikalen Kommunikation der katholischen Kirche in Deutschland. Ich erlebe übrigens ein insgesamt gutes Miteinander und lasse mich durch Einzelaktionen mancher Gruppen nicht beunruhigen.“

Die Bereitschaft zum Dialog um Reformen ist bisher im Bistum Eichstätt nicht erkennbar. Im Gegenteil: Der Bischof verweigert bisher den Dialog mit der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe, um den sie ihn gebeten hatte. Pfarrer weigern sich, persönlichen Einladungen zu Dialogveranstaltungen der Gruppe zu folgen und weigern sich, Einladungen an Gemeindemitglieder auszuhängen. Anfragen von Gemeindemitgliedern, „Wir sind Kirche“ vorzustellen, müssen zurückgezogen werden, weil Pfarrer „Wir sind Kirche“ in die „Nähe von Sekten“ rücken und „fundamentale Glaubensgrundsätze in Zweifel gezogen“ sehen. Seit 15 Jahren erlebt die innerkirchliche Reformbewegung ein vom Vatikan ausgehendes Ignorieren und Diffamieren, obschon diese Bewegung keine fundamentalen Glaubensgrundsätze in Zweifel zieht und nachweislich Reformideen vertritt, die von der überwältigenden Mehrheit der Kirchenmitglieder gefordert werden.

„Einen neuen Aufbruch wagen“, „Pädoyer für eine pilgernde, hörende und dienende Kirche“, „mangelnde Lernbereitschaft in der Kirche“, „offen und angstfrei miteinander reden“ oder „der neue Aufbruch, den wir suchen, beginnt bei uns (Bischöfen) selbst“ sind einige Ausschnitte aus dem Impulsreferat des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zur Eröffnung der Herbst-Vollversammlung in Fulda am 20.09.2010. Sie klingen gut. Es stellen sich einige Fragen, wie ernst es allen Bischöfen ist, „offen und angstfrei“ nicht nur mit sich selbst und den sehr angepassten Gläubigen umzugehen, sondern vor allem mit den kritischen, auf Veränderungen drängenden. Dazu bedarf es vor allem, dass diese Mehrheit in der Kirche endlich wahrgenommen wird und in einen Dialog einbezogen wird. Was ist eigentlich aus den Beschlüssen und Empfehlungen der „Würzburger Synode“ geworden? Wurden darin u. a. nicht die Zulassung von Frauen zum Diakonat empfohlen und in die bekannte „römische Schublade“ gelegt? Wieso weicht Zollitsch der Frage aus, ob Dialog möglich ist, wenn z. B. der Regensburger Bischof die Zulassung von Frauen als Diakoninnen, Zölibat oder Sexualmoral als Diskussionsthema ausschließt? Gehören diese Themen zu unverrückbaren Glaubenswahrheiten? Ist vor einem ernsthaften Dialog nicht eine ehrliche Bestandsaufnahme notwendig, die aufzeigt, wie und wo die Kirchenleitung in den letzten 40 Jahren Rückschritte statt Fortschritte gegen den Willen der übergroßen Mehrheit des Kirchenvolks erzwungen hat?

Info 30. September 2010

  • Bewegende 15-Jahr-Feier der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ am letzten Wochenende im September 2010 in Ingolstadt
  • Die Diözesangruppe wartet noch immer auf eine Antwort vom Bischofssekretär
  • Warum weigern sich einige Pfarrer in Ingolstadt, Hinweise auf Veranstaltungen der Diözesangruppe auszuhängen?
Bewegende 15-Jahr-Feier der KirchenVolksBewegung 25./26.9.2010 in Ingolstadt

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt hatte zu ihrer 15-Jahr-Feier Dr. Martha Heizer und ihren Ehemann Gert aus Innsbruck nach Ingolstadt eingeladen. Martha Heizer gehört zu den drei InitiatorInnen des Kirchenvolksbegehrens in Österreich und ist 2. Vorsitzende der österreichischen Plattform „Wir sind Kirche“. Trotz anhaltenden Regens stand das Ehepaar Heizer zusammen mit Aktiven der Eichstätter Gruppe am Samstag Rede und Antwort gegenüber InteressentInnen in der Ingolstädter Fußgängerzone. Auf dem Foto Martha und Gert Heizer rechts, links Annelie Hürter. Nicht auf dem Bild Christel Gottwald, Eva Birner, Karl Graml und Annemarie Mattern.
Am Nachmittag führte der ehemalige Ingolstädter Kulturreferent Dr. Siegfried Hofmann Martha und Gert Heizer durch die Ingolstädter Münsterkirche „Zur Schönen unserer lieben Frau“. Die Besucher zeigten sich beeindruckt von Bau und Ausstattung sowie der Geschichte dieses herausragenden Kirchenbaus.
Nach der Teilnahme an einem Gottesdienst in der Franziskanerkirche und dem Besuch eines Orgelkonzertes in der Asamkirche „Maria de Victoria“ fanden sich zahlreiche Menschen, unter ihnen etliche das erste Mal, zum Referat mit anschließender Aussprache zu dem Thema „Gehorsam und Widerstand – christliche Grundhaltungen heute“ im Gasthof Anker ein. Martha Heizer stellte die Frage nach dem Ziel unseres christlichen Lebens, nämlich dem Reich Gottes, in dem Gerechtigkeit und Liebe herrscht. Was brauchen wir, um auf Gottes Wort zu hören? Die Referentin ging ein auf die vier Kardinaltugenden Platons (Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung), die drei christlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) sowie auf die evangelischen Räte (Armut, Keuschheit und Gehorsam). Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen machte Martha Heizer deutlich, dass Gott gehorchen oft bedeutet, sich gegen das Gängige, das allseits Anerkannte und Akzeptierte zu stellen. Gottesfurcht mindere Menschenfurcht. Weisheit lässt erkennen, wo Gerechtigkeit fehlt. Fehlende Gerechtigkeit ruft zum Handeln auf. Widerstand gegen Ungerechtigkeit braucht Tapferkeit. Weisheit lässt maßvoll sein, auch im Engagement, schützt vor Ideologisierung. Unser Glaube an Gott, die Schöpferin der Liebe, an Jesus Christus als „Weg, Wahrheit und Leben“ und an die ruah, die gute Macht in unseren Beziehungen… gibt uns Hoffnung, dass unser Leben glücken kann, dass unsere Welt heil werden kann, dass unser Einsatz dafür nicht umsonst ist, weil die Liebe Gottes uns hält und uns gibt, was wir brauchen, unsere Liebe zu Gott uns festigt und glücklich und frei macht, sodass wir voller Liebe und Zuversicht uns für unsere Mitmenschen einsetzen können. Mit vielen Fragen wurden die Gruppe sowie die Einzelnen konfrontiert und sehr nachdenklich gestimmt. In einer lebhaften Aussprache wurden die Äußerungen der Referentin behandelt und eigene Gedanken und Erfahrungen mitgeteilt. Vor der Rückfahrt nach Innsbruck trafen Martha und Gert Heizer zusammen mit Aktiven der Gruppe zufällig auf Christian Weisner vom Bundesteam, der am Hauptbahnhof in Ingolstadt auf einen Anschlusszug nach Dresden wartete.

Die Diözesangruppe wartet noch immer auf eine Antwort des Bischofssekretärs
In einer Email vom 29.07.2010 fragte die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt nach einem Schreiben des Bischofssekretärs Bucher vom 28.7.2010, ob sein Antwortschreiben dem Bischof bekannt ist, warum das Schreiben nicht an die Gruppe sondern persönlich an den Unterzeichner gerichtet ist und ob die Aussagen als klare Absage an die Dialogbereitschaft des Bischofs gegenüber unserer Gruppe zu verstehen ist. Wiederum nach zwei Monaten wurde ein Schreiben der Diözesangruppe vom Bischof bzw. seinem Sekretär nicht beantwortet.

Warum weigern sich einige Ingolstädter Pfarrer, Hinweise auf Veranstaltungen der Diözesangruppe auszuhängen?
Seit einigen Jahren bemüht sich die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt sowohl alle Ingolstädter Pfarrer zu ihren Veranstaltungen einzuladen als auch um Aushang beigefügter Veranstaltungshinweise zu bitten. Mindestens die Hälfte der Pfarrer werfen die Einladung und die Aushänge in den Papierkorb, auch wenn ReferentInnen, wie Prof, Karl Schlemmer, Prof. Hermann Häring, oder Magdalena Bogner als ReferentInnen benannt sind. Ein kirchlicher Insider erklärte, dass diese Pfarrer eine „hoheitliche Aufgabe wahrnehmen“. Ein Pfarrer war der Auffassung, dass er nur Aushänge zulassen kann, hinter deren Veranstaltung er stehen kann. Der Hinweis, dass der Veranstalter hinter dem stehen muss, was er ankündigt und nicht der Pfarrer, erschien ihm nicht einsichtig. Ebenfalls wurde er darauf hingewiesen, dass er durch seine Verweigerung Zensur ausübt und interessierten Gemeindemitgliedern dadurch verwehrt, sich als mündige ChristInnen zu informieren und ihren Beitrag auf den Dialogveranstaltungen einzubringen. Es scheint immer noch so zu sein, dass die von Rom ausgehende und von Bischöfen wie Mixa und Müller willfährig betriebene Ausgrenzung kritischer und Reformen fordernder Gruppierungen seine unseligen Früchte trägt. Das konstruierte „Feinbild ‚Wir sind Kirche’“ zeigt, wie weit viele Amtsträger, Gott sei Dank nicht alle, ihrer Aufgabe als Seelsorger und Förderer eines Dialogs über Fragen, die alle Gläubigen etwas angehen, entfernt sind. Sie halten offensichtlich einzig als wahr, was „von oben“ (Rom oder Eichstätt) kommt.

Info 22. August 2010

  • Prof. Gindert (Vorsitzender des „Forum Deutscher Katholiken“) über die Bedeutung der Priesterkleidung
  • 45 Jahre Katakombenpakt „Für eine dienende und arme Kirche“
  • „Dieser Papst fährt die Kirche an die Wand“ – Öffentliche Kritik und ihre Folgen
  • Antwort des Apostolischen Nuntius auf die Bitte um Vermittlung
Prof. Gindert (Vorsitzender des „Forum Deutscher Katholiken“ über die Bedeutung der Priesterkleidung

In einem Gastkommentar für das Internetportal „kath net“ am 10.08.2010 „Das Tragen der Priesterkleidung kann zu unerwarteten Reaktionen führen“ (Siehe „Aufgelesen“!) äußert sich Prof. Hubert Gindert zur Bedeutung der Priesterkleidung. Gindert, der sich seit Jahren durch seine Romtreue von keinem anderen überbieten lassen will, offenbart Ansichten über das äußere Priesterbild, die Reaktionen zwischen Lachen und Kopfschütteln verursachen.
Da behauptet er z. B., dass die Berufung der Priester durch ihre Kleidung zum Ausdruck kommen muss, sich von der Art der Kleidung der Laien unterscheiden muss, die eindeutigen Rechtsvorschriften einzuhalten sind. Bei der Suche nach dem Grund, warum die Kleiderordnung nicht eingehalten wird, kommt für ihn das Identitätsproblem in Frage. „Wenn ein Priester das Bewusstsein seiner Bestimmung und Prägung verliert, wird er zum Spielball der Moden und der öffentlichen Meinung. Er wird zum Produkt falsch verstandener Anpassung.“ Einen weiteren Grund für das Nichttragen der priesterlichen Kleidung sieht er in der „Angst und Feigheit, in der Öffentlichkeit Zeugnis abzulegen und auch mit heute weit verbreiteten Ungehorsam“. „Dieser Ungehorsam ist eine der Ursachen, warum die Kirche in ihrem äußeren Erscheinungsbild diffus geworden ist und an Schlagkraft und Engagement eingebüßt hat.“
An zwei Beispielen beschreibt er, wie „ein groß gewachsener Mann in Priesterkleidung“ in München bzw. nahe dabei im Nebenraum einer Eisdiele vor allen versammelten Familienmitgliedern und Bedienungen, die sich hinknieten, um Segensspendung gebeten wurde bzw. nach einem Mittagessen in einem rustikalen Restaurant nicht bezahlen brauchte, weil es dem Inhaber des Lokals „eine große Ehre gewesen“ war, „einen Priester als Gast zu haben“..
Jetzt weiß also der Leser bzw. die Leserin Bescheid, worum es bei der Denke dieses sehr engagierten romtreuen Katholiken (Gründer des ersten „Initiativkreises katholischer Laien und Priester“, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Der Fels“, Mitbegründer, Vorsitzender und Sprecher des „Forums Deutscher Katholiken“) geht. Wen wundert es, dass an „seinen“ Veranstaltungen beim „Forum Deutscher Katholiken“ Bischöfe, wie Meisner, Müller, Mixa oder Hanke mitwirken, die keine Zeit oder Lust haben, sich im Dialog mit reformorientierten Christinnen und Christen auseinander zu setzen? Vom 27. bis 29. August 2010 findet in Fulda der 10. Kongress „Freude am Glauben“ des „Forums Deutscher Katholiken“ mit dem Leitthema „Die Kirche – Dienerin der Wahrheit und Zeichen des Widerspruchs“ u. a. mit den Bischöfen Algermissen und Tebartz-van Elst statt.

45 Jahre Katakombenpakt „Für eine dienende und arme Kirche“

Kurz vor Abschluss des II. Vatikanischen Konzils trafen sich am 16.11.1962 außerhalb Roms 40 Bischöfe der ganzen Welt, denen sich später ca. 500 weitere Bischöfe anschlossen, zu einer besonderen Verpflichtung (Siehe unter „Aufgelesen“!). In dieser griffen sie das Leitwort Johannes XXIII. von einer „Kirche der Armen“ auf, aus denen Basisgemeinden und eine Theologie der Befreiung entstanden. Als Bischöfe wurde ihnen u a. bewusst,wie viel ihnen noch fehlt, um ein dem Evangelium entsprechendes Leben in Armut zu führen. „In Demut und der eigenen Schwachheit bewusst, aber auch mit aller Entschiedenheit und all der Kraft, die Gottes Gnade uns zukommen lassen will“ nahmen sie zahlreiche Verpflichtungen auf sich, u. a.
  • Zu leben, wie die Menschen um sie herum.
  • Sie verzichten darauf, reich zu sein oder als reich zu erscheinen, insbesondere in ihrer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in ihren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall gemacht sein dürfen.
  • Sie wollen keine Immobilien oder Mobiliar besitzen und über persönliche Bankkonten verfügen.
  • Sie wollen die Finanz- und Vermögensverwaltung ihrer Diözesen in die Hände einer Kommission von Laien legen, damit sie Apostel und Hirten statt Verwalter sein können.
  • Sie wollen schriftlich und mündlich nicht mit Titeln oder Bezeichnungen (Eminenz, Exzellenz, Monsignore usw.) angesprochen werden, in denen gesellschaftliche Bedeutung oder Macht zum Ausdruck kommt, sondern als „Padre“.
  • Sie wollen in ihrem Verhalten den Anschein vermeiden, Reiche und Mächtige würden von ihnen privilegiert, vorrangig oder bevorzugt behandelt.
  • Sie wollen vermeiden, irgendjemandes Eitelkeit zu schmeicheln oder Vorschub zu leisten, um für Spenden zu bitten und zu danken.
  • Sie wollen in jeder Weise die Armen unterstützen und ihr Leben mit den Armgehaltenen und Arbeitern teilen.
  • Sie wollen anstelle der „Wohltätigkeit“ für Gerechtigkeit und Liebe sorgen.
  • Sie wollen alles tun, dass die Verantwortlichen in Regierung und öffentlichem Dienst Gerechtigkeit und Gleichheit in Gesetzen, Strukturen und gesellschaftlichen Institutionen schaffen.
  • Sie wollen mit allen Priestern, Ordensleuten und Laien geschwisterlich leben und nach Rückkehr in ihre Diözesen diese Verpflichtungen bekannt machen.
„Dieser Papst fährt die Kirche an die Wand“ – Öffentliche Kritik und ihre Folgen

Der geistliche Leiter des „Instituts zur Förderung des Publizistischen Nachwuchses“ (ifp) in München, und langjähriger Sprecher des „Wort zum Sonntag“, Pfarrer Michael Broch, hat sehr offen in einem Interview mit der „Leonberger Kreiszeitung“ am 22.05.2010 (Siehe „Aufgelesen") Kritik an seiner Kirche geübt. Dabei erklärte er u. a.: „Das gefährliche an der katholischen Kirche ist das geschlossene System, die Männerwirtschaft. Das Priesteramt ist häufig für junge Neoklerikale interessant, die schon im Studium gerne mit dem römischen Kragen rum rennen würden. Den müsste ich gerade im Staatstheater im Kostümfundus holen. Wenn es so weitergeht, fährt Papst Benedikt die Kirche an die Wand!“(Siehe „Aufgespießt“!)
Im weiteren Verlauf des Interviews, in dem er sich mit Themen, wie Zölibat, Ökumene und Sexualmoral befasst, erklärt er: „Ich bin loyal, auch wenn ich motze“. „Vielleicht steigt in mir manchmal der Zorn der alten Männer hoch? Je älter ich werde, desto liberaler werde ich.“
Durch die Äußerungen sahen viele Bischöfe die Vertrauensbasis gestört und zwangen Michael Broch mit Wirkung 15. August 2010 zum Rücktritt von der geistlichen Leitung des „Instituts zur Förderung des Publizistischen Nachwuchses“. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, bedauert den Rücktritt und würdigte in einem Schreiben an Pfarrer Broch die langjährigen Verdienste in der kirchlichen Medienarbeit. Nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ vom 16.08.2010 „Offene Worte unerwünscht“ (Siehe „Aufgelesen“) geschah dies offensichtlich auf Betreiben von Kardinal Meisner gegen den Willen des Medienbischofs Gebhard Fürst nach „monatelangen Ränkespielen“. Der Kommentar "Kirche im Bunker" von Wolfgang Wagner in der "Frankfurter Rundschau" vom 16.8.2010 (Siehe „Aufgelesen“!).regte unsere Zeichnerin Annelie Hürter zu einer neuen Karikutur "Bischöfe im Bunker"(Siehe „Aufgespießt“!) an.

Die Kritik am Papst und die Sorge um die Kirche wird von sehr vielen Katholikinnen und Katholiken geteilt. Es ist gut, dass sie auch öffentlich geäußert werden, sei es gelegen oder nicht gelegen. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass die Kirchenverantwortlichen in der Regel innerkirchliche Kritik ignorieren. Es reicht nicht aus, seine Meinung nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern, wenn sie nicht im Einklang mit der Hierarchie steht, wohl aber im Einklang mit der übergroßen Mehrheit der Gläubigen. Letztlich geht es um die Glaubwürdigkeit einer Glaubensgemeinschaft.

Antwort des Apostolischen Nuntius auf die Bitte um Vermittlung

Nach dem bisher erfolglosen Bemühen der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt, mit ihrem Bischof Gregor Maria Hanke in einen Dialog um Reformfragen zu kommen, bat diese in einer E-Mail vom 4.08.2010 den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Perisset um Vermittlung. Dabei berief sich die Reformgruppe auf das Schreiben vom 23.08.2006 der Nuntiatur an der Sprecher von „Wir sind Kirche“, in dem u. a. darauf hingewiesen worden war: „Sie und die anderen Mitglieder können zu jeder Zeit mit den Bischöfen und Priestern der zuständigen Bistümer und Pfarreien einen konstruktiven Dialog über aktuelle Fragen und Probleme in der Kirche führen.“
Mit Schreiben vom 6.08.2010 an die Diözesangruppe erklärt Nuntius Perisset, dass er sich beim Ordinariat Eichstätt über die Angelegenheit erkundigen will, die unsere Gruppe ins Gespräch bringen will. Weiterhin schreibt er: „Sie wissen wohl auch, dass Gespräche über eine gewisse Problematik nicht endlos weitergehen können. Canon 127 des Kodex des kanonischen Rechts bestimmt die Regeln für bindende Gespräche seitens eines kirchlichen Oberen, überlässt aber die endgültige Entscheidung der Verantwortung des Oberen. Noch mehr gilt das für einen Bischof, wenn es sich um seine Leitungsverantwortung für die ganze Diözese nach Canon 394 handelt.“
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt ist für die schnelle Antwort des Apostolischen Nuntius dankbar, erwartet aber weiterhin den Beginn des erbetenen Dialogs um Reformen mit ihrem Diözesanbischof. Es kann ihrer Meinung nach nicht sein, dass gerade in diesem Jahr 2010 unter Hinweis auf das Kirchenrecht Gespräche über die Zukunft der Kirche als beendet erklärt werden, bevor sie überhaupt begonnen haben.

Info 3. August 2010

Bischof Bode auf den Zahn gefühlt von Peter Sutor

BiBo und seine BoBos

(Bischof Bode öffnet wieder einmal sein "Phrasen-Schatzkästlein" und kredenzt" Bode-Bonmots")

In einem auf „Frankfurter Rundschau online am 20.7.2010 unter „Macht in der katholischen Kirche …“ (unter „Aufgelesen“) veröffentlichten Streitgespräch zwischen der Theologin Heimbach-Steins und Bischof Bode kam es zu folgenden bemerkenswerten (?) Äußerungen des Bischofs, dem es wohl von Zeit zu Zeit sehr gefällt, sich im "Mäntelchen eines Reformers" zu präsentieren. Auf die Moderatoren- Frage, ob Frauen, die Staaten lenken können aber als Katholikin noch nicht einmal eine Landpfarrei leiten dürfen, eigentlich noch in derselben Welt leben, antwortet BiBo: "Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche bringen Frauen unglaublich viel ein. Ihren Beitrag für die Weitergabe des Glaubens und für die sozialen Dienste schätze ich nicht geringer als das Leitungsamt der Priester."
Dazu meint PS: Wieder einmal eine besonders schlimme Phraseologie. Und dann auch noch eine von mir als ekelhaft empfundene Gegenüberstellung wertvoller Leistungen, die Frauen erbringen mit dem katholischen Leitungsamt, das ihnen halt nun mal (aus welchem Grund eigentlich?) verwehrt bleibt.

Die nachgeschobene Mahnung von Frau H-S, dass sich die in der Kirche fehlende Gleichberechtigung der Frauen nicht mit Wertschätzung allein beschwichtigen lasse, beantwortet BiBo: "Ich weiß und es geht mir nahe, wie einhellig Katholikinnen aus verschiedensten Lebensbereichen den Ruf nach Reformen vortragen. Ich spüre auch, was wir uns als Kirche vorenthalten, wenn wir Frauen nicht noch stärker in Leitung und Entscheidung einbeziehen. Da ist allerdings auch schon viel passiert. Sie selbst sind Professorin der Theologie, undenkbar noch vor 50 Jahren. Oder nehmen Sie Osnabrück: Das Seelsorge-Amt wird hier von einer Frau geleitet. Also: Da wäre noch viel mehr Teilhabe möglich, ohne dass wir immer gleich die Frage nach der Priesterweihe für Frauen erörtern müssen."
Dazu meint PS: Diese Antwort ist bischof-phaenotypisch. Einigen Krokodilstränen lässt er die steile Behauptung folgen, es sei schon viel passiert. Na Klasse! Tatsächlich dürfen Frauen jetzt bereits auch Theologieprofessor sein und müssen nicht mehr nur hinterm Herd stehen. Und weiter spricht er in geradezu unverfroren- anmaßender Form an, was doch die "Männer der Kirche" den Frauen schon alles gestattet haben. Ei, freilich, die Priesterweihe nicht! Muss auch nicht sein, gelle!! Oder im BiBo-Sprech: "…müssen wir nicht immer gleich erörtern…!" Einfach nur widerlich, so ein Stil! Ein weiteres Mal hakt Frau H-S ein, und möchte wissen, wer denn hier mehr Teilhabe wolle außer den Frauen selbst. Darauf antwortet BiBo: "Ich zum Beispiel- genau wie andere Bischöfe auch". Wir sehen doch im Missbrauchsskandal…, wie wichtig die Kompetenz von Frauen ist und wie sehr eine geschlossene Männergesellschaft Abnormitäten begünstigt…"
Dazu meint PS: Nachdem der Bischof gerade noch die "Teilhabe Priesterweihe" klar auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben angedeutet hat, spricht er sich nun für mehr Teilhabe aus. In welcher Form denn dann? Ach ja, und "andere" Bischöfe sehn das auch so. Aha, wer denn? Und wenn die Einsicht über die verhängnisvolle "geschlossene Männergesellschaft" Einzug ins bischöfliche Denken gefunden hat, warum wird denn trotzdem wieder nichts geändert, sprich sogar nicht einmal eine Diskussion über Lockerungen beim Pflichtzölibat angeregt und zugelassen.

Die Frage an den Bischof, ob er es denn als unbotmäßig empfindet, wenn Frauen an den Gitterstäben kirchlicher Machtzentren rütteln, beantwortet BiBo: "Nein. Sie artikulieren damit ja etwas, was sie umtreibt und bewegt. Die Kirche muss dafür einen Resonanzraum bieten, auch wenn sie nicht allen Forderungen nachgeben kann. Ich erinnere daran, dass die kath. Kirche eine globale Organisation ist. Andere Teile der Welt hören den Ruf nach Frauen in den Ämtern mit großer Skepsis…"
Dazu meint PS: Diese Aussage ist so generös wie maliziös und unseriös. Also, freilich dürfen die Frauen meckern und eine "Spielwiese" steht ihnen dafür auch zu. Aber mehr doch wohl nicht! Jeder Forderung könne die Kirche schon gar nicht nachgeben. Ei, welcher Forderung hat sie denn schon nachgegeben? Zuletzt folgt das besonders bewährte "Totschlag-Argument" der globalisierten Kirche. Solange eben die Aufklärung noch nicht im letzten Winkel der Erde angekommen ist, machen die unbeweglichen Sakralfürsten immer wieder davon Gebrauch. Und wage es bloß irgend jemand zu behaupten, die Kirche sei in ihrer 2000jährigen Tradition immer nur in die Irre gelaufen. Eine solche Argumentation nenne ich einfach nur armselig und eines Bischofs unwürdig!

Nachdem der Moderator des Streitgesprächs darauf hinweist, Bischof Bode denke laut über die Diakonenweihe nach, was ja als Akt des Ungehorsams verstanden werden könnte, sagt BiBo: "Ich betrachte das römische Nein zum Priestertum der Frau als bindend. Ich verweise aber auch auf die Erfahrung der Kirche: Streitfragen, die über lange Zeit nicht zur Ruhe kommen, bekommen eine eigene theologische Qualität. Hier steckt in der Tradition selbst eine verändernde Kraft, die zu neuen Einsichten führen Kann. Den Diakon verstehe ich nicht bloß als Helfer des Priesters oder als Durch- Gangsstufe auf dem Weg zum Priestertum, sondern als Amtsträger mit eigenen Funktionen, speziell sozial-caritativen. Frauen erfüllen oft solche Aufgaben…."
Dazu meint PS: Das zeugt schon von niederschmetternder Feigheit, Entscheidungen, die man nicht treffen mag, irgendwie einer zufälligen Entwicklung zu überlassen, damit man dann vielleicht" endlich Ruhe" hat? Was ist denn das für eine Qualität. Erneut zeigt sich auch des Bischofs Denkweise für den Aufgabenbereich von Frauen: Sozial-caritativ! Na also, am Altare Gottes haben sie nichts zu suchen! Rom hat entschieden. In Ewigkeit! Amen.

Als Frau H-S. diese windelweichen Erklärung positiv aufnimmt und darauf hinweist," Frauen stünden ja längst bereit…." bremst BiBo in seiner unnachahmlichen Art: "Ja, aber da warne ich vor falschen Erwartungen. Wer glaubt, die Diakonenweihe stehe unmittelbar bevor, der kann nur enttäuscht werden. Zumal ein solcher Schritt…gesamtkirchlich gegangen werden müsste."
Dazu meint PS: BiBo wie er leibt und (bequem) lebt! Will andeuten, wie fortschritt- lich er doch eigentlich denkt, um dann sofort auf die Hindernisse zu verweisen, die er ja - ach, da sehen wir schon wieder die Krokodilstränchen fließen-alleine nicht wegräumen könne. Die Gesamtkirche, schluchz, schluchz! Erbärmlich!

Als der Moderator nun Frau H-S mit der Feststellung provoziert, dass der Bischof sagt "schnell wird es nicht gehen" und Rom vor die Frauen-Priesterweihe sowieso ein Stoppschild gestellt habe, und wissen will, ob sie das akzeptiere, kuscht Frau H-S zunächst artig: "Kann als Theologin eine Entscheidung des Lehramtes nicht ignorieren. Als Zeitgenössin stelle ich aber fest, dass die Diskussion keineswegs beendet ist und - jetzt schon kesser -dass es ein Begründungsdefizit gibt für den Ausschluss der Frauen von den kirchlichen Ämtern…Woher wissen wir, dass nur Männer diese Gaben empfangen können. Verteilt Gott sie geschlechtsspezifisch?" Darauf BiBo: "Wie auch immer ich antworte- allein Ihre Fragen zeigen, dass wir hier im Kernbereich hoher Theologie sind…."
Das kommentiert PS: Und offensichtlich auch im Kernbereich von Polyphrasie, die Bestandteil einer Hinhalte- und Verdummungsstrategie ist.

Merke: An ihren Worten und Taten wollen wir sie erkennen und messen.

Dazu hofft, einen kleinen Beitrag geleistet zu haben: Peter Sutor(PeterSutor@web.de), Sprecher für " Wir sind Kirche" im Bistum Hildesheim.
Hannover, 1.8.2010

Info 2. August 2010

Noch weniger wollen Priester werden

Nach einem Bericht von FOCUS Online 1.08.2010 (siehe „Aufgelesen“) wird über den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch vom 1.08.2010 berichtet. Er sieht den Rückgang der Bewerberzahlen hauptsächlich als Folge der Missbrauchsskandale. Man werde verstärkt Ministranten ansprechen, wie z. B. durch die Ministrantenwallfahrt nach Rom in diesen Tagen. Außerdem soll mit Informationsveranstaltungen, Berufungsgruppen und gemeinsamen Wallfahrten gezielt auf geistliche Berufe aufmerksam gemacht werden.

Offenbar sind die Bischöfe unfähig, die eigentlichen Ursachen des Priestermangels zu erkennen. Oder trauen sie sich nicht gegenüber dem Papst, ihrem Bischofskollegen aus Rom, diese deutlich auszusprechen? Mit welchem Aufwand hat die Kirchenleitung in den vergangenen Jahren mit Weltjugendtagen und sonstigen Events (siehe "Aufgespießt"), mit ihrer Berufungspastoral und einer Reklerikalisierung erfolglos versucht, dem sich beschleunigenden Priestermangel entgegenzuwirken? Die Neustrukturierung der Gemeindeseelsorge orientierte sich ausschließlich am Rückgang der Priesterzahlen und nicht an den Bedürfnissen der Gemeinden, auch wenn das, wie im Bistum Eichstätt, mit schönen Worten wie „Kooperative Pastoral“ versucht wurde, den Gläubigen zu verkaufen.

Immer weniger Menschen wollen sich mit einer Kirche identifizieren, wie sie sie seit einigen Jahren erleben. Das zeigen nicht nur die Austrittszahlen, sondern auch repräsentative Meinungsumfragen. Reform- und Dialogverweigerung, wie wir sie vor allem in diesen Tagen im Bistum Eichstätt erleben, sind die eigentlichen Ursachen für die „wohl tiefste Krise der katholischen Kirche in Deutschland seit 1945“, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zitiert wird. Wer weiterhin rückwärtsgewandt an dieser Krise herumdoktert, darf diese Krise nicht als Chance verstehen. Eine Radikalkur ist notwendig, ohne die Grundfragen des Glaubens in Frage zu stellen.

Die Kirche muss glaubwürdiger werden, in dem die Gläubigen, auch ohne Kleriker zu sein, mehr verantwortlich mitwirken und mitbestimmen können. Frauen dürfen nicht weiter ausgeschlossen werden von Diensten, die ohne bibeltheologische Begründung von Männern exklusiv für Männer vorbehalten sind. Ohne angemessene Beteiligung von Frauen bei kirchenpolitischen Entscheidungen und Freistellung des Zölibats wird die Kirche nicht das Vertrauen der Menschen gewinnen, das sie immer dringender braucht. Das sind nur einige Beispiele.

Die zunehmende Zentralisierung der Macht ist verhängnisvoll, wie die letzten Jahrzehnte gezeigt haben. Sie ging einher mit der zunehmenden Distanzierung der Familien von der Institution Kirche. Wen wundert es, dass unter diesen Umständen sich immer weniger geeignete junge Menschen für den Priesterberuf interessieren? Es besteht zu befürchten, dass viele von den wenigen Nachwuchspriestern sich zwar systemkonform verhalten, aber Zweifel an der persönlichen Qualifikation wecken. Die Erfahrungen im Bistum Eichstätt unter und nach Bischof Mixa sprechen Bände.

Info 31. Juli 2010

Bischof Hanke von Eichstätt lässt Bitte um Dialog abkanzeln!

Nach mehreren erfolglosen Versuchen der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt, mit ihrem Bischof Hanke in einen Dialog über Reformen zu kommen, erreichte diese ein Antwortschreiben vom 29.07.2010 des Bischöflichen Sekretärs „im Auftrag Seiner Exzellenz …“. Dieses steht in krassem Widerspruch zu einem Schreibens der Apostolischen Nuntiatur in Deutschland, dass am 23.08.2006 an den Sprecher der Internationalen Bewegung „Wir sind Kirche“ gerichtet wurde. Darin heißt es u.a., dass ein persönliches Gespräch mit dem Papst nicht möglich ist. Weiter heißt es: "Sie und die anderen Mitglieder können zu jeder Zeit mit den Bischöfen und Priestern der zuständigen Bistümer und Pfarreien einen konstruktiven Dialog über die aktuellen Fragen und Probleme in der Kirche führen."
Die Bitte um Dialog an den Eichstätter Bischof erfolgte schriftlich am 19.05.2010, siehe den Text unter Info 19. Juli 2010. Aufgrund telefonischer Nachfrage durch „Wir sind Kirche“ am 26.07.2010, dass die Gruppe nach über zwei Monaten noch auf eine Antwort wartet, sah sich Bischof Hanke durch seinen Sekretär, Domvikar Sebastian Bucher, zu folgender Stellungnahme veranlasst, die nicht an die Gruppe „Wir sind Kirche“, sondern persönlich an Walter Hürter adressiert ist.

DER BISCHOF VON EICHSTÄTT
Bischöfliches Sekretariat
28. Juli 2010

„Sehr geehrter Herr Hürter,
im Auftrag Seiner Exzellenz Bischof Gregor Maria Hanke OSB bestätige ich den Eingang Ihres Schreibens vom 19. Mai dieses Jahres. Sie bitten darin Herrn Bischof mit Ihnen in einen ‚Dialog um Reformen’ einzutreten.
Ihr Anliegen um die Erneuerung der Kirche ehrt Sie, zeigen Sie sich damit doch im Einklang mit dem kirchlichen Grundsatz ‚Ecclesia semper reformanda’. Dank der Gnade Gottes hat die Kirche immer die Kraft gehabt sich zu erneuern und dem Evangelium gemäß umzukehren. Echte Erneuerung – so zeigt ein Blick auf die Kirchengeschichte – ist immer in Einheit mit der Kirche und Hl. Vater geschehen. Am wirkmächtigsten war sie dort, wo es Menschen gab, die verstanden haben, dass die Erneuerung bei jedem persönlich anfängt. ‚Herr erneuere deine Kirche und fange bei mir an’ – so heißt es in einem bekannten Gebet.
In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Grüßen aus Eichstätt und bin mir sicher, dass Sie verstehen, warum Ihrer Bitte nach einem Gesprächstermin nicht stattgegeben werden kann.
Ihr
S.Bucher
Domvikar Sebastian Bucher
Bischöflicher Sekretär


Am gleichen Tag, 29.07.2010, richtete die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt in einer Email folgende Fragen an den Bischöflichen Sekretär:

  1. Ist Bischof Gregor Maria Hanke Ihr Antwortschreiben bekannt?
  2. Warum wenden Sie sich nicht an die Gruppe, in deren Auftrag das Schreiben verfasst worden ist?
  3. Verstehen wir Ihre Aussagen als klare Absage an die Dialogbereitschaft unseres Bischofs gegenüber unserer Gruppe richtig?
Wir warten auf die Antwort, um zu dem Schreiben endgültig Stellung zu nehmen.


Unsere Zeichnerin Annelie Hürter hat die Haltung des "Hohen Klerus" in dem sich leerenden Kirchenschiff, im Jahr 2010 nach Christi Geburt, auf der Seite "Aufgespießt" bildlich ausgedrückt:

Info 19. Juli 2010

  • "Gehorsam und Widerstand - Christliche Grundhaltungen heute" am 26.09.2010 in Ingolstadt
  • Infostand in der Ingolstädter Fußgängerzone (Ludwigstr. vor ehem. Woolworth) am 25.09.2010 von 10,30 bis 12,30 Uhr mit Dr. Martha Heizer "15 Jahre "Wir sind Kirche"
  • Bitte um Dialog mit Bischof Hanke von Eichstätt nach zwei Monaten noch unbeantwortet
  • Thomas von Mitschke-Collande hält angesichts der Kirchenkrise eine Kirchensynode in Deutschland für dringend nötig.
  • Augsburger Moraltheologe verlangt mehr Zivilcourage gegenüber kirchlicher Obrigkeit
  • Augsburger Dekan fordert Ende der "Gutsherrenart" von Priestern und verlangt manchmal auch zivilen Ungehorsam.
  • Fuldaer Bischof für Reformen oder dagegen?
"Gehorsam und Widerstand - Christliche Grundhaltungen heute"
26.09.2010


Genau 15 Jahre nach Beginn des "KirchenVolksBegehrens" in Deutschland spricht die Mitinitiatorin der Unterschriftenaktion und 2. Vorsitzende der österreichischen Plattform "Wir sind Kirche" Dr. Martha Heizer aus Innsbruck über das Thema "Gehorsam und Widerstand - Christliche Grundhaltungen heute" am Sonntag, 26. September 2010 in Ingolstadt. Zu dieser Veranstaltung mit Aussprache laden wir alle interessierten ChristInnen sehr herzlich ein. Die Referentin wird insbesondere darlegen, warum der Gehorsam gegenüber Gott zum Widerstand gegenüber Menschlichem - und Menschen - führt bzw. führen muss. Es ist notwendig, dass die ChristInnen im Bistum Eichstätt, vor allem in Gremien und Räten, nach den Erfahrungen unter Bischof Mixa sich darüber klar werden, wozu falsch verstandener Gehorsam geführt hat bzw. führt. Die Verantwortung als mündige ChristInnen ist gefragt. Die Veranstaltung findet statt im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, Ingolstadt, gegenüber dem Stadttheater von 15 bis 17,30 Uhr.

"Wir sind Kirche"-Infostand am Samstag, 25.09.2010 in der Fußgängerzone Ingolstadt

In der Zeit von 10,30 bis 12,30 Uhr hat die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt einen Infostand in Ingolstadt, Ludwigstr. 15, vor dem ehem. Kaufhaus Woolworth. Wir informieren über unsere Arbeit. Mit am Stand ist die Innsbrucker Theologin Dr. Martha Heizer, stellvertretende Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche" und Mitinitiatorin des Kirchenvolksbegehrens in Österreich.

Nach zwei Monaten noch keine Antwort von Bischof Hanke auf unsere Bitte um Dialog

Am 19.05.2010 wandte sich die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt mit folgendem Brief an Bischof Hanke von Eichstätt:
Bitte um Dialog
Sehr geehrter Herr Bischof Hanke,
seit fast 15 Jahren bemüht sich unsere Bewegung innerhalb der Kirche um Reformen im Sinne einer zeitgemäßen Kirche. Auslöser für das Kirchenvolksbegehren in Österreich war die tiefe Unzufriedenheit vieler Katholikinnen und Katholiken darüber, wie die Kirche mit den Missbrauchsvorwürfen gegenüber dem damaligen Wiener Kardinal Groer umgegangen ist. Die 1995 gegründete Bewegung "Wir sind Kirche" forderte bei der Unterschriftenaktion strukturelle Veränderungen, die diskutiert und schrittweise umgesetzt werden sollten. Wenige Monate später sprachen sich im Rahmen des Kirchenvolksbegehrens neben den über 500.000 österreichischen ca. 1.500.000 deutsche KatholikInnen für die gleichen Reformen aus. Leider kam es in diesen ca. 15 Jahren zu keinem ernsthaften Dialog und auch zu keiner Reform. Reformstau und Dialogverweigerung waren die Konsequenzen.
In den letzten Monaten zeigte sich, wieder im Zusammenhang mit verheerenden Missbrauchsvorwürfen gegenüber Klerikern, wie dringend grundlegende Reformen sind. Selbst wenig reformfreundliche Bischöfe und auch der Papst äußern sich öffentlich und verlangen Änderungen, z. B. bei Zölibat, Gleichberechtigung der Frauen, mehr Verantwortung durch Mitsprache und -entscheidung von Laien.
Wir sorgen uns sehr um Gegenwart und Zukunft der Kirche und bitten Sie, mit uns in einen Dialog um Reformen einzutreten. Bisher erfuhren wir Ausgrenzung und Diffamierung. Ihr Vorgänger im Bischofsamt erklärte sogar, dass wir mit unseren Anliegen nicht auf dem Boden der römisch-katholischen Kirche stünden. Anstatt intern miteinander zu sprechen, sprachen wir öffentlich über einander. Schlagen Sie bitte einen möglichst baldigen Gesprächstermin vor, bei dem wir uns persönlich kennen lernen, eine Bestandsaufnahme machen und Dialogziele formulieren können. Wir freuen uns auf eine positive Antwort und verbleiben mit freundlichen Grüßen
"Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt


Dieses Schreiben wurde bis heute nicht beantwortet. Es erfolgte auch kein Zwischenbescheid.

Thomas von Mitschke-Collande hält Kirchensynode für dringend notwendig

Laut einer KNA-Meldung erklärte der Münchener Unternehmensberater vor kurzem bei einer Tagung der Akademie Tutzing, dass er eine Verdreifachung der Kirchenaustrittszahlen auf jährlich 375.000 Katholiken für möglich hält. Er forderte die deutschen Bischöfe in einem energischen Appell zur Einberufung einer neuen Synode auf. Fast 40 Jahre nach der Würzburger Synode müssten bis auf unumstößliche Glaubenwahrheiten alle Themen von Amtsträgern und Laien auf Augenhöhe diskutiert werden, z. B. die Rolle der Frau, die Sexualmoral und die Legitimation von Macht und Kontrolle in der Kirche.

Augsburger Moraltheologe fordert mehr Zivilcourage gegenüber kirchlicher Obrigkeit

Die Presseagentur epd berichtet von einer Veranstaltung im "Augsburger Presseclub" am 10.06.2010, in der der Augsburger Professor für Moraltheologie Klaus Arntz erklärte, dass in der katholischen Kirche kaum einer den Mut habe, aufzustehen und seine Meinung zu sagen. Mit Blick auf Bischof Mixa sei es so möglich gewesen, dass Männer an die Spitze gelangen, die mit ihrem Amt überfordert seien.

Augsburger Dekan fordert Ende der Gutsherrenart von Priestern und verlangt manchmal auch zivilen Ungehorsam

Bei der gleichen Veranstaltung in Augsburg erklärte der Augsburger Dekan Helmut Haug: „Wir haben ein ganz massives Gehorsamsproblem in unserer Kirche.“ Deshalb hätten Kontrollmechanismen im Bistum Augsburg nichts gegen die Amtsführung von Bischof Mixa ausgerichtet. In diesem Zusammenhang sprach er davon: "Wir müssen manchmal auch zivilen Ungehorsam zeigen."

Fuldaer Bischof für Reformen oder dagegen?

Die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtete in ihrer Ausgabe vom 29.06.10 unter der Überschrift "Bischof Algermissen setzt auf Reformen", dass der Fuldaer Bischof zwar den Reformvorstoß des Kasseler Dechant Harald Fischer (Wegfall der Zölibatsverpflichtung, Frauenordination, gegen Stillstand der Ökumene, Änderung der Sexualmoral) zunächst als "wenig hilfreich" bezeichnet hatte, bei einer Priesterkonferenz im Dekanat Kassel-Hofgeismar sich aber weitgehend hinter die Reformvorschläge gestellt hatte. Am gleichen Tag, als der Artikel erschien, erfolgte durch den Bischof ein Dementi. Dies sei falsch. Die Berichterstattung verwässere das, was im Kreise anwesender Priester vertieft besprochen worden sei. Das Zulassen einer solchen Diskussion über strittige Fragen dürfe keineswegs dazu führen, dass das kirchliche Lehramt und die Grundfeste der Kirche infrage gestellt würden. Am 1.07.10, also einen Tag später, erschien in der HNA eine Dokumentation "Was der Bischof den Priestern sagte" (Für Reformen oder dagegen? Heinz Josef Algermissen sagt intern Anderes als extern.). Sie finden den Artikel unter "Aufgelesen"; er ist bezeichnend für die Situation in der katholischen Kirche. Nachfolgend dazu der Kommentar von Tibor Pezsa

"Kein Grund zur Panik - Nein, das kirchliche Lehramt und die grundfesten der Kirche sind von niemandem infrage gestellt worden. Nicht auf der Priesterkonferenz im Dekanat Kassel-Hofgeismar. Nicht vorher oder nachher. Und auch nicht in unserer Zeitung. Warum dann also die Aufregung? Meine Vermutung: Weil auch Bischof Algermissen sieht, dass die Kirche seit Langem höchsten Reformbedarf hat, ohne ihm Rechnung zu tragen. Das ist zweifellos eine bittere Erkenntnis. Dies umso mehr, je höher wir in die Kirchenhierarchie blicken. Aber dort liegt nun einmal die Verantwortung. Braucht es wirklich so viel Mut, die Krise beim Namen zu nennen? Und welche Gefahr liegt darin, wenn das Gespräch über Lösungsmöglichkeiten zumindest auch öffentlich geführt wird? Warum der Bischof heute anders spricht als auf der Priesterkonferenz, ist eine offene Frage." tpa@hna.de
Info 18. April 2010

Bischof Hanke spricht von offener Aggression gegen Papst und Kirche

Während eines Gottesdienstes zum 83. Geburtstag und 5. Jahrestag der Wahl von Benedikt XVI. sprach der Eichstätter Bischof im Zusammenhang mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs von einer zunehmenden Aggression gegen Papst und Kirche. Er frage sich, ob diese Haltung nicht einer „Kulturkampf-Mentalität vergangener Zeiten“ nahe kommt. Gewisse Medien- und Kirchenkreise wollten den klaren Standpunkt des Papstes und früheren Präfekten der Glaubenskongregation nicht wahrhaben. Die Gläubigen sollten sich nicht von Stellungnahmen „gewisser Meinungspäpste“ beirren lassen, die zum Ungehorsam gegen den Papst auffordern, ihre eigenen Meinungen und Analysen aber offensichtlich für unfehlbar hielten.

Bei allem Verständnis für Gehorsam dem Papst gegenüber: Die Worte von Bischof Hanke zeigen, dass er offensichtlich nicht unterscheiden kann oder will zwischen berechtigter und sogar dringend notwendiger Kritik am Fehlverhalten von Priestern, Bischöfen und Papst einerseits und vereinzelter medialer Übertreibungen andererseits.

Otto Wüst, der frühere Bischof von Basel, äußerte sich vor Jahren: „Kritik gehört zum Dasein der Kirche. Sie hat eine wichtige Aufgabe im Selbstreinigungsprozess der Kirche, die ja unablässig den Weg der inneren Erneuerung gehen muss. Kritik hat es darum in der Kirche immer gegeben. Schon die Apostelgeschichte berichtet davon: Paulus kritisiert das Verhalten des Petrus. … Jesus selbst war ein großer Kritiker. Denn was kann Kritik in der Kirche anderes sein als Aufforderung zur Buße, zum Umdenken, zur Erneuerung und Veränderung?“

Prof. Heinrich Fries erklärte einst zum gleichen Thema: „Anstelle des im Konzil empfohlenen Dialogs und der Kommunikation auch zwischen Lehramt und Theologie ist der Monolog und die Pflicht zum Gehorsam getreten. Als höchste Tugend des Katholiken wird die strikte Befolgung der lehramtlichen Weisungen angesehen, zugleich als Maß der Kirchlichkeit. … Es ist indes keineswegs so, dass die Autorität als solche heute generell abgelehnt wird. Sie wird akzeptiert und sogar dankbar angenommen, wenn sie argumentativ, aus Gründen und Einsichten des Glaubens überzeugt und sich als kompetent erweist. Wenn und wo aber die Autorität nur auf sich selbst pocht und beruft und weitere Fragen und Diskussionen verbietet, stoßen ihre Weisungen auf Widerspruch, sie werden nicht übernommen zum großen Schaden der Autorität selbst. Dadurch entsteht jene Polarisierung in der Kirche, die heute vielfach beklagt wird. Bernhard Häring sprach von einem heute manifest gewordenen psychologischen Schisma: auf der einen Seite der Triumphgesang der Unversöhnlichen, zu keinem Kompromiss Bereiten, auf der anderen Seite Zorn, Misstrauen, antirömischer Affekt und als Ergebnis die Distanzierung vieler von der Kirche und der Abschied von ihr. Zu all dem kommt ein Klima der Verketzerung, der Anfeindung und der Denunziation, das die noch vorhandenen Reste vollends zu zerstören droht. Das Ganze führt zur Selbstzerstörung der Autorität.“

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt distanziert sich klar von den bischöflichen Ansichten, besonders bei den Aussagen "Kulturkampf-Mentalität vergangener Zeiten" und „gewisser Meinungspäpste“, die „ihre eigenen Meinungen und Analysen offensichtlich für unfehlbar halten“. Sie fragt, ob seiner Meinung nach Kritik nur "von oben nach unten" erlaubt ist und empfiehlt Bischof Hanke endlich einen Dialog mit den Gläubigen zu führen, die Kritik aus Liebe zur Kirche üben. Wie hält es Bischof Hanke mit dem Glaubenssinn des Volkes (sensus fidelium)? Gehört der Eichstätter Bischof zu den Bischöfen, die sich oft wie Generalvikare des Papstes (Prof. Werner Böckenförde) verhalten


Info 14. März 2010
  • Missbrauch der Macht ist das GROSSE PROBLEM in der katholischen Kirche
  • Bischof Hanke: "Missbrauch und Gewalt sind nicht ein systemisches Problem der katholischen Kirche"
  • Verhalten von Bischof Mixa nach Missbrauch durch einen Pfarrer im Jahr 2003
  • Missbrauchsvorwürfe jetzt auch im Bistum Eichstätt
  • Wiener Kardinal, Hamburger Weihbischof und ZdK-Präsident stellen Zölibat infrage.
Missbrauch der Macht ist das GROSSE PROBLEM in der katholischen Kirche
Die katholische Kirche wird ausschließlich zentralistisch von Männern geleitet. Diese wiederum sind ausschließlich Kleriker. Sie betonen zwar immer wieder, wie wichtig Frauen und Laien in dieser Kirche sind, verhindern aber mit allen Mitteln eine gerechte Teilhabe an der Führung der Kirche. Es ist zu hoffen, dass die derzeitige Betroffenheit über die bekannt gewordenen und noch bekannt werdenden entsetzlichen Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen dazu führt, sich auch allgemein in der Kirche über den Missbrauch männlicher Macht bewusst zu werden.

Nur einige Beispiele: Gleichberechtigung für Frauen: In der frühen Kirche gab es Diakoninnen, Apostellinnen und Gemeindeleiterinnen trotz des damaligen gesellschaftlichen Patriarchats. Erst durch die Herausbildung des kirchlichen Patriarchats wurden Frauen von ihren bisherigen Diensten ausgeschlossen. Daran hat sich bis heute in der katholischen Kirche nichts geändert. Die Kirchenleitung verweigert ohne bibeltheologische Begründung die Berufung von Frauen in der gleichen Weise anzuerkennen wie bei Männern. - Der Zölibat: Erst Anfang des 2. Jahrtausends n. Chr. aus Gründen der kirchlichen Pfründensicherung verbindlich gemacht, führt nicht nur zu einer rapide abnehmenden Zahl von Priesteranwärtern, sondern auch zum Ausscheiden tausender, befähigter und menschlich anerkannter Seelsorger. Das Auswahlkriterium des Pflichtzölibat hält geeignete Bewerber häufig vom Priesterberuf ab und fördert die Aufnahme weniger geeigneter Kandidaten. Darüber hinaus gehen seriöse Schätzungen davon aus, dass ca. 30 % der Priester, zum Teil mit Wissen ihrer Bischöfe, in einem eheähnlichen Verhältnis haben. - Gleichberechtigung von Klerikern und Laien im Sinne einer geschwisterlichen Kirche: Sie wollen nicht mehr nur Mitarbeiter der Kleriker sein, sondern Mitverantwortliche am Sein und Wirken der Kirche, so wie es Papst Benedikt XVI. am 7. März 2010 auch gefordert und als "Mentalitätswechsel" bezeichnet hat.

Wie Macht ausgeübt wird, lässt sich an alltäglichen Entscheidungen erkennen. Der Pfarrer einer der größten Pfarreien im Bistum betonte vor kurzem, dass der Pfarrer nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe, Aushänge zu Veranstaltungen unserer innerkirchlichen Reformbewegung nur zuzulassen, wenn er "dahinter steht". Darauf hätten die Gläubigen einen Anspruch. Der Hinweis, dass die Veranstaltung in der Verantwortung der Veranstalter und nicht in seiner steht, konnte ihn nicht überzeugen. Auch das Argument, dass mündige Gläubige sich umfassend und ohne Zensur informieren wollen, bewirkte kein Umdenken, jedenfalls nicht kurzfristig. Wäre das nicht ein Grund für den vom Papst geforderten Mentalitätswechsel?

Bischof Hanke: "Missbrauch und Gewalt sind nicht ein systemisches Problem der katholischen Kirche"

Im Gegensatz zu Bischof Hanke sieht die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt bei dem seit Wochen die Schlagzeilen bestimmenden Problem des Kindesmissbrauchs durch Priester auch ein systemisches Problem der Kirche. Dieses liegt, wie weiter oben ausgeführt, darin, dass viele geeignete Bewerberinnen und Bewerber durch die Zugangsblockade des Zölibats und die Nichtzulassung von Frauen an der Ausübung des Priesterdienstes gehindert werden. Weiterhin begünstigen diese Hindernisse den Zugang von Priesterkandidaten, weil dadurch Kandidaten angezogen werden könnten, die eine "krankhafte Sexualität" haben, wie z. B. kürzlich der Hamburger Weihbischof Jaschke bemerkte.

Ein systemisches Problem ist neben der Priesterauswahl auch die bisherige Priesterausbildung, vor allem in der Zeit des ehemaligen Eichstätter Bischofs Mixa. Über die Köpfe der Seminarleitung hinweg und ohne Abstimmung mit den Verantwortlichen anderer Bistümer, sorgte er nicht nur für die Einstellung persönlich ungeeigneter Männer, sondern auch für den Verbleib im Priesterseminar, als die unmittelbar für die Priesterausbildung Verantwortlichen von der Nichteignung überzeugt waren. Das führte dazu, dass innerhalb der ersten sechs Jahre als Bischof drei Regenten des Priesterseminars resignierten, der langjährige Spiritual entlassen und kritische Pfarrer gemaßregelt worden sind. Weiterhin ließ er 2002 einführen, dass Seminaristen grundsätzlich nach 18 Uhr das Seminar nicht verlassen durften, auch nicht zu Veranstaltungen der Katholischen Universität. Internetanschlüsse auf den Zimmern und im Computerraum wurden täglich von 22 bis 7 Uhr gesperrt, ebenso das Privatfernsehen in den beiden Fernsehräumen. "Als Ausgleich für genommene Freiheiten", wie es hieß, sollte für die Alumnen ein Werkraum für Töpfer- und Buchbindearbeiten eingerichtet werden.

Verhalten von Bischof Mixa nach einem Missbrauch durch einen Pfarrer im Jahr 2003

Im Herbst 2002 erließ die Deutsche Bischofskonferenz die Leitlinien "Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz". Wenige Monate später am 21.02.2003 akzeptierte ein Eichstätter Pfarrer auf Anraten seines Anwalts und mit Einverständnis des Bischofs einen Strafbefehl mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zur Bewährung und eine Geldbuße. Grund war der Verdacht auf sexuellen Missbrauch einer 19-jährigen Frau. In der Pressemitteilung vom 6.5.2003 hieß es u. a., dass Pfarrer ... nach eigenen Aussagen Fehler gemacht hat. Es haben sich aber keine Verfehlungen ergeben, die nach kirchlichem Recht eine Suspendierung oder gar eine Entfernung aus dem priesterlichen Dienst notwendig gemacht hätten". In dem an die Priester und Diakone, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst gerichteten Brief heißt es auch: "Ich setze in Pfarrer ...weiterhin Vertrauen und werde ihm zu gegebener Zeit eine entsprechende Aufgabe zuweisen".

In einem Leserbrief aus dem Bekanntenkreis dazu, der von der Kirchenzeitung nicht veröffentlicht aber an den Bischof weitergeleitet worden ist, wurden schwere Vorwürfe gegen den Bischof wegen der Nichtbeachtung des Opfers erhoben. Da hieß es u. a.: Warum bekommt die junge Frau keine seelsorgliche Betreuung von Ihnen? Warum kümmern Sie sich nicht um die Familie? Wissen Sie, dass die junge Frau heute noch in psychotherapeutischer Behandlung ist? Warum ist von Ihnen und dem Täter kein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung oder des Trostes gekommen?

Aufgrund dieses Anstoßes kam es zumindest zu einem Gespräch mit den Eltern des Opfers und dem Bischof, der schließlich beim Bischof zu einem Sinneswandel führte. Entgegen der Pressemitteilung vom 6.5.2003, in der noch von keinen Verfehlungen nach kirchlichem Recht die Rede war, hieß es am 6.6.2003 u. a., dass neue Erkenntnisse, "die nicht zu Gunsten des Pfarrers sprechen, hätten eine Korrektur der früheren Beurteilung erforderlich gemacht". In einem Schreiben an seine Mitarbeiter legte der Bischof dar, dass der Geistliche zunächst einen geistlichen Prozess vollziehen müsse, "der ihm hilft, sein Leben und Wirken als Priester so zu gestalten, dass es der Ehre Gottes und dem Heil der Menschen dient". Das Bistum erklärte sich bereit, die Therapiekosten für das Missbrauchsopfer zu übernehmen.

Missbrauchsvorwürfe jetzt auch im Bistum Eichstätt

Mehrere Opfer von Missbrauch und Misshandlungen im Bistum Eichstätt haben sich in den letzten Tagen beim Donaukurier gemeldet, wie dieser ausführlich unter der Überschrift "Ich fühlte mich schmutzig" am 14.03.2010 berichtet. Das Bistum nehme die Vorfälle "sehr ernst" und werde sich um "ehrliche Aufklärung ohne falsche Rücksichtnahme" bemühen. In einem Brief an die Mitarbeiter des Bistums hatte Bischofe Hanke u. a. geschrieben: "Wir haben als Kirche einen hohen Anspruch an unser Handeln. Wenn wir Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und gemeinsam präventiv verhindern, sind wir auf einem guten Weg. Das gilt für das Thema sexueller Missbrauch ebenso wie für das Thema körperliche und psychische Gewalt, für den Umgang mit Tätern, vor allem aber in Bezug auf die Hilfe für die Opfer", so Hanke. Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe erwartet, dass alle Missbrauchsfälle, rückhaltlos aufgeklärt und Konsequenzen gezogen werden. Dazu gehört nicht nur eine Entschuldigung der Täter und des Bischofs bei den Opfern, sondern auch evtl. therapeutische Hilfen und die Zahlung von Entschädigungen.

Kardinal Schönborn, Weihbischof Jaschke und ZdK-Präsident Glück stellen Zölibat in Frage

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen muss nach Auffassung der Bischöfe und des "obersten Laien" ernsthaft bei der Ursachenforschung über die Rolle des Zölibats nachgedacht werden, wie aus Presseberichten der letzten Tage zu erfahren war.
Info 8. März 2010
  • WsK-Diözesangruppe Eichstätt beim Internationalen Frauentag
    am 6. März 2010
  • "Kirchenaustritte-Antwort auf Glaubens- oder Kirchenkrise?"
    am 21. März 2010
  • Pfarrgemeinderatswahl im Bistum Eichstätt spiegelt die kirchliche Realität wider
  • Papst am 7.3.10: "Mehr Verantwortung für Laien in der Kirche"
  • Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche und angebliche antikatholische Instrumentalisierung
Internationaler Frauentag am 6. März 2010

Wie in den Vorjahren war die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt wieder mit einem Infostand beim diesjährigen "Internationalen Frauentag" in Ingolstadt vertreten. Starkes Interesse bei den Besucherinnen des Standes

weckten die Fragen um die fehlende Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche. Ihnen fehlen alle Beteiligungsrechte an der Führung der Kirche, die ausschließlich in den Händen klerikaler Männer liegt. Bei der derzeitigen Verfassung bestimmen ausschließlich Männer nicht nur über die Zukunft der Kirche, sondern auch über die Zulassung von Frauen zum Dienst der Diakonin, Priesterin oder Bischöfin. Dabei berufen sie sich ohne bibeltheologische Begründung darauf, dass die Kirche nicht das Recht habe, Frauen zu weihen. Obschon es in der Frühzeit der Kirche Gemeindeleiterinnen, Diakoninnen oder Apostellinnen gegeben hat, habe Christus nur Männer zu Aposteln berufen. Die von den Männern verhängten Berufsverbote für Frauen werden von diesen als Missbrauch männlicher Macht und Geschlechterdiskriminierung empfunden.

"Kirchenaustritte - Antwort auf Glaubens- oder Kirchenkrise?"

Ende Februar 2010 wurden Bischof Gregor Maria Hanke, das Domkapitel und alle Ingolstädter Pfarrer, deren Gemeindemitglieder und ausgetretene Christinnen und Christen zu unserer nächsten Veranstaltung am 21.03.10 nach Ingolstadt eingeladen. Wir wollen uns an diesem Sonntag, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater in Ingolstadt, nach einem Referat von Alfred Gassner aus Regensburg mit der seit Jahren aktuellen Thematik der Kirchenaustritte befassen. Dazu laden wir hiermit noch einmal alle Interessierten sehr herzlich ein, die bisher noch nicht von diesem Termin erfahren haben. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Pfarrer unsere Bitten um Aushang oder Weitergabe von Handzetteln ignorierten. Auf Nachfrage gaben sie an, dass sie aus Sorge um ihre Gemeindemitglieder diese vor Veranstaltungen unserer kirchlich nicht anerkannten Bewegung schützen wollen.

Pfarrgemeinderatswahl und die kirchliche Realität

Die gestrige Pfarrgemeinderatswahl im Bistum Eichstätt ergab im Durchschnitt eine Wahlbeteiligung von 18,6 Prozent, so viel wie vor vier Jahren. Ca. 27 % waren Briefwähler. Der Geschäftsführer des Diözesanrates Richard Ulrich zeigt sich "zufrieden, aber nicht begeistert".Während "auf dem Lande" in der Regel die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich hoch war, lag sie in Ballungsräumen, wie Nürnberg und Ingolstadt erheblich unter dem Durchschnitt. In Ingolstadt lag sie bei 9,3 %, in einzelnen großen Pfarreien zwischen 1,9 % und 6,5 %. In einer Pfarrei mit fast 3.000 Wahlberechtigten fanden sich keine Kandidatinnen und Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl.

Das insgesamt geringe Interesse an der Arbeit des Pfarrgemeinderates wertet die "Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt" als Ergebnis einer Kirchenpolitik, die bestimmt ist davon, dass Gemeinden immer größer und anonymer werden. Die Laienarbeit wird zwar häufig verbal geschätzt, aber wenn es darauf ankommt, Entscheidungen zu treffen, erleben Laien mehr oder weniger ihre Ohnmacht. Diese treffen Kleriker in den verschiedenen Funktionen vom Pfarrer angefangen bis zum Bischof.

Papst wünscht sich einen "Mentalitätswechsel" - "Mehr Verantwortung für Laien in der Kirche"

Nach einer Pressemitteilung von Radio Vatikan vom 7. März 2010 wünscht sich der Papst mehr Verantwortung für Laien in der Kirche. Er sprach an diesem Tag bei dem Besuch in einer römischen Pfarrei u. a. davon: Alle "Mitglieder des Volkes Gottes", ob sie nun geweiht seien oder Laien, teilten eine "gemeinsame Verantwortung".

Wörtlich heißt es "Wir brauchen einen Mentalitätswechsel, vor allem mit Blick auf die Laien. Man sollte diese nicht mehr nur als Mitarbeiter des Klerus ansehen, sondern sie wirklich als Mitverantwortliche am Sein und Handeln der Kirche anerkennen."

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt freut sich über solche Aussagen und ist gespannt darauf, wie nicht nur die Verantwortung, sondern auch die entsprechenden Befugnisse für die Laien verändert werden. Der Papst kann seinen Wunsch und den fast aller Laien erfüllen. Er muss zusammen mit den Bischöfen demnach handeln. In seiner Amtszeit hat die Klerikerzentrierung, siehe auch seine Äußerungen zum Priesterjahr, nicht ab-, sondern wieder zugenommen.

Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche und seine angebliche antikatholische Instrumentalisierung

Das Ausmaß von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche wächst nach den Enthüllungen z. B. in den USA und Irland nun auch in Deutschland von Tag zu Tag. Während einige Verantwortliche den beklemmenden Ernst der Lage begriffen haben und ohne Rücksicht auf das Erscheinungsbild der Institution Kirche aufklären und den Opfern helfen wollen, versuchen andere darüber hinaus durch die angebliche antikatholische Instrumentalisierung und Medienschelte Stimmung zu machen. So äußerte sich der aus dem Bistum Eichstätt stammende Staatsminister Siegfried Schneider am 6. März 2010 bei der Frühjahrsvollversammlung des Landeskomitee der Katholiken in Bayern u. a. "Die Verantwortlichen müssen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden, aber es darf kein Generalverdacht entstehen. Wir dürfen nicht denen nachgeben, die die Kirche in Misskredit ziehen wollen."

Der Regensburger Bischof Ludwig Müller spricht in diesem Zusammenhang in seiner Pressemitteilung vom 03.03.2010 von antikatholischen Kampagnen. Dem "SPIEGEL" wirft er vor, "wieder einmal eine antikatholische Medienlawine losgetreten" zu haben. Ziel sei "einzig und allein, die gesamte katholische Kirche und ihre Sexualmoral als ein "Biotop" hinzustellen, in dem Kindesmissbrauch geradezu gedeihen "muss"." Der Spiegel mache "sich der Verletzung der Menschenwürde (vgl. dazu Art. 1 GG) aller katholischen Priester und Ordensleute schuldig."

Es ist festzustellen: Jahrzehnte hat die katholische Kirche versucht, Verfehlungen ihrer Amtsträger zu verheimlichen und "intern" zu regeln mit schlimmen Folgen für die Opfer. Erst unter dem Druck einer geschockten und empörten Öffentlichkeit, die über die Medien informiert werden, ist die Kirchenleitung zu einer Änderung ihres Verhaltens bereit.
Info 4. März 2010
  • Erzbischof Schick und die Frauenrechte

  • Bischof Hanke und das Ehrenamt
Erzbischof Schick und die Frauenrechte

Das Bistum Eichstätt gehört mit den Bistümern Speyer und Würzburg zur Kirchenprovinz des Erzbistums Bamberg. Erzbischof ist Ludwig Schick. Vorgestern ließ er über die Pressestelle unter der Überschrift: Frauen leisten "viel und Entscheidendes" am 1. März 2010 eine Nachricht publizieren, in der er eine Stärkung der Frauenrechte fordert. Da heißt es u.a. "Ohne die Frauen und ihre aktive Teilnahme könnten weder Kirche noch Gesellschaft leben. Dazu müssten vor allem die Partizipationsrechte der Frauen gestärkt werden. Es sollte aber auch anerkannt werden, was Frauen schon derzeit und seit langem leisteten. 'Frauen leisten sehr viel und ganz Entscheidendes'. Sehnsucht nach Frühling - in der Natur und in der Kirche. Bei einem Treffen in Dietfurt am 30.Januar 2010 kamen die Sorgen um das gegenwärtige Erscheinungsbild der katholischen Kirche zur Sprache.

In Bezug auf Individualrechte wie Freiheit, Selbstbestimmung, Arbeit, Wohnen oder Bildung hätten Frauen mittlerweile die Gleichberechtigung erreicht, sagte Schick. Anders sähe es bei den Partizipationsrechten aus, die am gesellschaftlichen Leben, an Prozessen, Entwicklungen und Entscheidungen teilhaben ließen. Hier müssten Frauen für ihren Einsatz mehr Anerkennung und Freiraum bekommen. Dies gelte auch für kirchliche Entscheidungsgremien, wo Frauen nach Ansicht von Schick noch mehr eingebunden werden sollten.

Die Stärkung der Frauenrechte ist für Schick nicht "von heute auf morgen zu machen. Aber wir müssen heute beginnen, damit wir morgen oder übermorgen diese Aufgabe für Gesellschaft und Kirche erfüllt haben."

Diese Äußerungen erscheinen uns bemerkenswert. In den Medien war darüber bisher nichts zu erfahren. Die Frage ist, wie konsequent der Erzbischof sich mit diesen benannten Defiziten auseinandersetzt? Wie stark engagiert er sich nicht nur in seinem Erzbistum, um die Partizipationsverweigerung gegenüber Frauen in der Kirche zu beseitigen? Wie sehr kümmert er sich in seiner Kirchenprovinz, in der Deutschen Bischofskonferenz und auch im Vatikan darum, dass Frauen zunehmend Gemeinden leiten können, sondern auch ihre Berufung als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen leben können? Es fällt zwar auf, dass auch der Papst in letzter Zeit auf die Mitwirkung von Frauen im Vatikan hinweist. Diese üben aber keinen direkten Einfluss auf Entscheidungen der römischen Kirchenleitung aus.

Es ist höchste Zeit, dass die absolute und absolutistische Männerdominanz in der katholischen Kirche abgelöst wird von einer geschwisterlichen Führung, an der Frauen entsprechend ihren Fähigkeiten und ihres Engagements ohne von Männern verordnete Tabus wirken können. Erzbischof Schick zeigt in seiner Diagnose richtige Ansätze. Wir warten auf sein konsequentes Verhalten in der Kirchenleitung und auf Reformänderungen.

Bischof Hanke und das Ehrenamt

In einem Interview mit dem "Donaukurier" vom 4. März 2010 äußert sich Bischof Hanke von Eichstätt u. a. über die Zukunft der Kirche: "Die Kirche der Zukunft wird in der Fläche weit mehr auf dem Ehrenamt ruhen, wird eine stärker basisgetragene Bewegung sein." "Wir werden eine 'kreative Minderheit' sein - ein Ausdruck, den Papst Benedikt mal gebraucht hat." Dazu hat sich unsere Karikaturistin ein paar Gedanken gemacht: "Aufgespießt"

Offensichtlich sind Bischöfe schon so abgehoben, dass sie nicht merken, dass
  • jetzt schon zunehmend Ehrenamtliche in der Kirche fehlen
  • siehe oben, schöne Worte ohne Konsequenzen (Gleichberechtigung von Frauen und "Laien" mit Klerikern, Geschwisterlichkeit, Mitwirkung, -entscheidung und -verantwortung im Geiste des II. Vatikanischen Konzils) nichts als Wunschdenken sind.
Die in wenigen Tagen durchzuführenden Pfarrgemeinderatswahlen werden zeigen, wie gering das Interesse am Ehrenamt ohne Kompetenzen tatsächlich ist. Wer sich in Laiengremien engagiert hat, weiß wie wenig Laien in ihrer Gemeinde mitzubestimmen haben. Die Wahlbeteiligung wird wegen zunehmender Verdrossenheit der Wahlberechtigten entsprechend gering sein. Wir werden in unserer nächsten Info darüber berichten. Auch hier scheinen die Bischöfe sich nicht für die Ursachen zu interessieren.


Info 8. Februar 2010
  • 30. Januar 2010: Aktion "Frühling in die Kirche"

  • Bischof Hanke spricht von "schmerzlicher Erfahrung" angesichts der Kirchenaustritte - 9 % Rückgang der Kirchensteuereinnahmen 2009 im Bistum

  • Diözesanratsvorsitzender erklärt beim Neujahrsempfang: "die Verantwortung der Pfarrgemeinderäte dafür, die Kirche im Dorf zu lassen".

  • Vortrag von Alfred Gassner "Kirchenaustritte - Antwort auf Glaubens- oder Kirchenkrise?"

  • 15 Jahre "Wir sind Kirche" - Vortrag von Dr. Martha Heizer, Innsbruck, Mitiniatorin des Kirchenvolksbegehrens und 2. Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche" in Österreich

  • Internationaler Frauentag am 6. März 2010: Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche
Aktion "Frühling in die Kirche!"

Sehnsucht nach Frühling - in der Natur und in der Kirche. Bei einem Treffen in Dietfurt am 30.Januar 2010 kamen die Sorgen um das gegenwärtige Erscheinungsbild der katholischen Kirche zur Sprache.

Bischof Hanke zum Thema "Kirchenaustritte"
Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt hat sich sowohl in seiner Silvesterpredigt 2009 als auch beim Medienempfang am 28.01.2010 ausführlich mit der hohen Zahl an Kirchenaustritten befasst. Ausschlaggebend war wohl der 10 %-ige Rückgang der Kirchensteuer (4,3 Millionen Euro) im vorigen Jahr sowie geschätzte Mindereinnahmen in 2010 von ca. 7 Millionen Euro, die den Bischof zur Ankündigung von Sparmaßnahmen, vor allem im sozialen Bereich, veranlasste. Diese gelten nicht z. B. bei der unverhältnismäßig aufwändigen Priesterausbildung in Eichstätt. Hier ist eine mehr als 125- %ige Steigerung gegenüber den Vorjahren geplant! Bei den sozialen Diensten (Diakonie) sollen die Ausgaben 2010 gleich bleiben und auf Sicht reduziert werden. Der Bischof erklärte, das soziale Engagement sei nicht Hauptaufgabe der Kirche, sondern eine Folge der Botschaft Christi, "die wir zu verkündigen haben". In diesem Zusammenhang erinnert "Wir sind Kirche" daran, dass zu den drei Grundsäulen einer jeden christlichen Gemeinde die Diakonia (gelebter Glaube), die Liturgia (gefeierter Glaube) und die Matyria (bezeugter Glaube) zählen. Es ist sehr bedenklich, dass die Diakonie aus finanziellen Gründen als erstes infrage gestellt wird, obschon sie wesentlich zum Christsein dazu gehört. Im übrigen weist "Wir sind Kirche" darauf hin, dass die diakonischen Aufgaben der Kirche mit außerkirchliichen Mitteln weitgehend finanziert werden. Der Eichstätter Bischof will in diesem Zusammenhang ehrenamtliches Engagement fördern. Fragt sich nur wie, wo doch dieses seit Jahren ebenfalls stark rückläufig ist.

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt erwartet von ihrem Bischof, dass er sich in erster Linie mit den Austrittsgründen auseinandersetzt. Die Ursachen sind vielschichtig. Ein wesentlicher Grund für die Abkehr von der Kirchengemeinschaft ist die zunehmende Entfremdung. Sie hängt vor allem damit zusammen, dass die Menschen sich immer weniger mit dieser zentralistischen Organisation identifizieren wollen. Sie wollen mit ihren Bedürfnissen ernster genommen werden und eine glaubwürdige Gemeinschaft erleben, die weniger von Dogmatik und Kirchenrecht beherrscht wird. Pfarrer haben immer weniger Zeit für die einzelnen Menschen, weil sie den "Mangel verwalten" und bei öffentlichen Anlässen Präsenz zeigen. Anstatt eines Dialogs erleben die Menschen eine Kirchenleitung, die durch Verteidigung von Macht und Besitzständen sowie Reform- und Dialogverweigerung auftritt, z. B. in der Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene, bei den Themen Zölibat, mehr Mitsprache und Mitentscheidung für Nichtkleriker, Gleichberechtigung von Frauen und Zulassung zu allen Ämtern, Schwangerenkonfliktberatung. Das Kirchenvolk erfährt ihre Diözesanbischöfe mehr als Befehlsempfänger des Papstes und der Kurie und weniger als eigenständige und eigenverantwortliche Seelsorger. Sie sollten stärker das Prinzip der Kollegialität bei ihrem Kollegen in Rom einfordern. Ihrer eigentlichen Aufgabe, durch Rat, Zuspruch und Beispiel das Bistum zu leiten, kommen sie kaum nach.

Diözesanratsvorsitzender Gärtner erklärt beim Neujahrsempfang im Januar 2010 "die Verantwortung der Pfarrgemeinderäte dafür, die Kirche im Dorf zu lassen".
Bei Neujahrsempfängen werden häufig Sonntagsreden gehalten. Anstatt die wirklichen Ursachen für die seit Jahren hohe Zahl an Kirchenaustritten zu thematisieren, verliert der Diözesanratsvorsitzende Gärtner darüber kein Wort. Als "oberster" Laie im Bistum Eichstätt erklärt er vor den Honoratioren, wie Bischof und Domkapitel, dass die Pfarrgemeinderäte die Verantwortung dafür haben, dass die Kirche im Dorf bleibt. Die ausschließlich aus Klerikern bestehende Kirchenleitung, die den Dialog mit den Laien verhindert, sich notwendigen Reformen hartnäckig verschließt und den Laien innerkirchlich keine Mitsprache- und Mitentscheidungsmöglichkeit abgibt, ist verantwortlich für die Misere. Offensichtlich ist er sich mit Bischof Hanke einig, dass Laien zukünftig noch mehr ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden und Gremien leisten sollen, ohne die notwendigen Handlungsspielräume zu bekommen. Das Beispiel, dass in Eichstätt trotz zunehmenden Priestermangels ein 58-jähriger Kleriker ohne Fachkenntnisse zum Finanzdirektor ernannt wird, spricht in diesem Zusammenhang Bände.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat bereits 1993 in seiner Erklärung "Dialog statt Dialogverweigerung. Wie in der Kirche miteinander umgehen?" auf ein Kernproblem der katholischen Kirche hingewiesen. Seitdem und vor allem nach dem KirchenVolksBegehren 1995 hat sich die Dialog- und Reformverweigerung durch die Kirchenleitung sogar noch verstärkt.

21. März 2010: Wir sind Kirche im Gespräch mit Alfred Gassner, Regensburg zum Thema "Kirchenaustritte - Antwort auf Glaubens- oder Kirchenkrise?"

Zu unserer nächsten Veranstaltung ("Kirchenaustritte - Antwort auf Glaubens- oder Kirchenkrise?") laden wir hiermit herzlich alle Interessierten nach Ingolstadt ein. Alfred Gassner aus Regensburg wird am Sonntag, 21. März 2010, 15 Uhr, Im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber dem Stadttheater in Ingolstadt referieren und mit uns diskutieren.

Martha Heizer kommt am 26. September 2010 zum "15-Jährigen" nach Ingolstadt

Dr. Martha Heizer, Dozentin für Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, kommt auf Einladung der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe am letzten Septemberwochenende nach Ingolstadt. Anlass ist die 15-Jahr-Feier des KirchenVolksBegehrens. Martha Heizer, Thomas Plankensteiner und Bernadette Wagnleitner waren die IntitiatorInnen der inzwischen weltweiten KirchenVolksBewegung. Bei der Unterschriftenaktion 1995 haben allein in Österreich und Deutschland weit mehr als 2.000.000 KatholikInnen die 5 Forderungen nach Geschwisterlichkeit, gleichen Rechten und Pflichten für Mann und Frau in der Kirche, Aufhebung des Pflichtzölibats, positive Bewertung der Sexualität und Frohbotschaft statt Drohbotschaft unterstützt.

Neben der 15-Jahr-Feier am 26.09.10, 15 Uhr im Gasthof Anker in Ingolstadt wird die Diözesangruppe zusammen mit Martha Heizer, die auch 2. Vorsitzende der Plattform Wir sind Kirche Österreich ist , am Samstag, 25.09.10, von 10 bis 13 Uhr an einem Infostand in der Ludwigstr. (Fußgängerzone!) ins Gespräch kommen.

Info über Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche beim Internationalen Frauentag am 6. März 2010 in Ingolstadt

Wie in den vergangenen Jahren informiert die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt anlässlich des Internationalen Frauentags 2010 von 11 bis 13 Uhr über Berufsverbote für Frauen in der katholischen Kirche.

Info 24. September 2009
  • Bischofskonferenz will angesichts Austrittswelle Ursachen erforschen.
  • 58-jähriger Domkapitular in Eichstätt soll sich ein Jahr als Finanzdirektor des Bistums einarbeiten.
  • 26. öffentliche Bundesversammlung von WsK vom 23. bis 25.10.09 in München
  • 8.11.09: "Im Jahr vor dem 2. ÖKT - in der Spannung von Realität und Visionen" mit Magdalena Bogner, Vizepräsidentin des ZdK und ehem. langjährige Präsidentin des kfd
Bischofskonferenz will angesichts Austrittswelle Ursachen erforschen
Am 21.09.09 erklärte Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, dass angesichts der Welle von 120.000 Austritten aus der katholischen Kirche im Jahr 2008 die Ursachen erforscht werden müssen. Nach Auffassung der Wir sind Kirche - Diözesangruppe Eichstätt liegen die Ursachen dafür in erster Linie in der Reformunwilligkeit und Dialogverweigerung der beiden letzten Päpste. Anstelle einer aufwändigen Ursachenforschung müssten die deutschen Bischöfe, zusammen mit ihren Bischofskollegen in aller Welt, sich sowohl mit ihrem deutschen Bischofskollegen in Rom als auch mit ihren Gemeinden zusammensetzen und die Fragen an eine zeitgemäße Kirche stellen, diskutieren und gemeinsam entscheiden. In ihrer großenteils einseitigen Orientierung "nach oben" sind die deutschen Bischöfe ihrer Verantwortung für die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht gerecht geworden. Die meisten Katholikinnen und Katholiken, die ausgetreten sind, wurden zu wenig in die Seelsorge und die sie betreffenden Entscheidungen einbezogen und stimmten mit den Füßen ab. Sie wollen sich nicht mehr mit einer Glaubensgemeinschaft identifizieren, die immer zentralistischer und rückwärtsgewandter versucht, die Macht der Kirchenleitung zu stärken und dabei die Bedürfnisse der Menschen missachtet. Als vor genau 14 Jahren allein im deutschsprachigen Raum über 2.000.000 Gläubige sich für Reformen im Sinne einer zeitgemäßen Kirche aussprachen und sich anschließend mit den Kirchenoberen um einen Dialog bemühten, mussten sie erfahren, dass sie von den Bischöfen allgemein ignoriert und in Einzelfällen als Kirchengegner und Kirchenfeinde diffamiert wurden. Anstatt die Eigenverantwortung der Christinnen und Christen zu stärken, erfolgte wieder eine zunehmende Klerikalisierung trotz des unübersehbaren Priestermangels. Dahinter steckte und steckt bei den zunehmend konservativen Bischöfen die Hoffnung, dass damit dem Nachwuchsmangel bei Priestern besser begegnet werden kann.
58-jähriger Eichstätter Domkapitular wurde vom Bischof für ein Jahr freigestellt, um sich auf den Posten als Finanzdirektor vorzubereiten
Die Wir sind Kirche - Diözesangruppe Eichstätt nimmt mit Erstaunen zur Kenntnis, dass die Nachfolge des bisherigen Finanzdirektors Karg der 58-jährige Domkapitular Harrer übernehmen soll. Aus diesem Grund wird er ein Jahr zur Vorbereitung auf diesen Posten freigestellt. Die Gruppe stellt dazu u. a. folgende Fragen: Gibt es im Bistum keinen Priestermangel? Warum muss ein Kleriker ohne Fachkenntnisse den Posten des Finanzdirektors übernehmen? Wäre nicht eine erfahrene Finanzfachfrau oder ein erfahrender Finanzmann besser als Finanzdirektor geeignet? Wer zahlt das Gehalt während der Freistellung und wer zahlt das Domkapitel? Entspricht die Tätigkeit eines Finanzdirektors der Berufung als Priester? Bischof Hanke zeigt mit seiner Personalentscheidung, wie wenig er Laien zutraut, auch wenn sie durch Ausbildung und Berufserfahrung über eine höhere Qualifikation verfügen und auf diesem Gebiet der Finanzen eben keine "Laien", sondern Fachleute sind. Diese Personalentscheidung wird weithin mit Unverständnis aufgenommen und offenbart einen Mangel für die Notwendigkeiten der Seelsorge und einen lockeren Umgang mit den Geldern der Steuerzahler und der Kirchensteuerzahler. Einsparungen erfolgen dann eher an Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, auch wenn die Kirche nur einen Bruchteil dieser Kosten zu tragen hat. Wen wundert es, dass viele Christinnen und Christen auch deshalb der katholischen Kirche den Rücken kehren?
26. öffentliche Bundesversammlung von Wir sind Kirche vom 23. - 25.10.09 in München
Die nächste Bundesversammlung steht ganz im Zeichen der Vorbereitung auf den 2. Ökumenischen Kirchentag, der vom 12. - 16.05.2010 in München stattfindet. Zusammen mit Prof. Johanna Haberer und Prof. Urs Baumann befassen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der nächsten Bundesversammlung mit dem Thema "Ökumene ohne Hoffnung? - Perspektiven vor und nach dem 2. Ökumenischen Kirchentag" in München. Einladung, Tagesordnung und Anmeldung sind auf der Startseite von www.wir-sind-kirche.de zu finden.
Magdalena Bogner am 8.11.09 in Ingolstadt
Ebenfalls als Vorbereitung auf den 2. ÖKT in München veranstaltet die Wir sind Kirche - Diözesangruppe Eichstätt zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt und dem Evangelischen Bildungswerk Ingolstadt (angefragt) ein Gespräch mit der ehemaligen langjährigen Präsdidentin des kfd (Katholische Frauen Gemeinschaft Deutschland) und stellv. Vorsitzende des ZdK Magdalena Bogner zum Thema "Im Jahr vor dem 2. ÖKT - in der Spannung von Realität und Visionen". Die Veranstaltung findet statt: 8.11.09, 15 Uhr, Gasthof Anker, gegenüber Stadttheater, Tränktorstr. 1, Ingolstadt. Hierzu sind alle Ökumene-Interessierten sehr herzlich eingeladen.
Info 1. Juni 2009 (Pfingstmontag)
"Die Kirche bin ich, ich, ich!" –
Bischof G. L. Müller und „Wir sind Kirche“
Wie aktuell die Mahnwache vor dem Regensburger Dom am Pfingstsamstag, 30.05.09 (Foto), war, zeigt das am Pfingstmontag, 01.06.09, von Radio Vatikan veröffentlichte Interview mit Bischof G. L. Müller. Darin bestätigt er sein ausgrenzendes absolutistisches Denken, das wir mit dem Spruchband „Die Kirche bin ich, ich, ich!“ zum Ausdruck bringen wollten.

Im Interview von heute sagt er u. a. „Die sich selbst anmaßend als ‚Wir sind Kirche’ bezeichnende Gruppierung hat eigentlich real im religiösen und karitativen Leben in Deutschland überhaupt keine Bedeutung … Bei uns sind sie völlig bedeutungslos und bringen keinen einzigen positiven, aufbauenden Beitrag für das Leben der Kirche … Es ist ja mehrmals vom Lehramt deutlich gemacht worden, dass viele dieser so genannten Positionen der ‚Wir sind Kirche’-Grüppchen im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen, und man kann es diesen Gruppen nicht erlauben, dass sie sich selbst als Kirche definieren und – vielleicht auch wie die entgegengesetzten extremen Gruppen – der Kirche vorschreiben wollen, in welche Richtung sie ihre Lehre und sakramentales Leben zu richten hat. Auch hier muss man sagen: Wer das Lehramt des Papstes und der Bischöfe nicht anerkennt, der muss damit rechnen, dass er von den Bischöfen, vom Papst oder den entsprechenden römischen Stellen zur Verantwortung gezogen wird.“ ….. „Aber bei uns im Bistum Regensburg gilt seit langem aufgrund dieser üblen Erfahrung, die ich mit dieser Gruppierung machen musste, dass solche Leute, die sich in dieser unchristlichen Weise verhalten, nicht in unseren Räten sein können…Unter anderem hat er (der Bischof!) dafür zu sorgen, dass spalterische Tendenzen zurückgewiesen werden bzw. bestimmte Lehren oder Aktionen von Gruppen, die ihre eigene Kirche gründen wollen. Diese Leute müssen zur Rechenschaft gezogen werden, in dem man ihnen sagt: ‚Ihr bekommt hier keine Auftrittsfläche für Eure falschen Sichtweisen.’ Da wird offziziell davon geredet, dass sie das Bischofsamt respektieren, aber die konkreten Vertreter des Bischofsamtes werden dann mit einer menschlichen Abschätzigkeit und Häme bedacht, dass es wirklich menschlich wie christlich unerträglich ist. Es geht keineswegs darum, dass diese Leute andere Meinungen haben, sondern es geht um ihr konkretes Verhalten, dass zerstörerisch und verleumderisch ist und das in dieser Weise nicht akzeptiert werden kann, weil es nicht aufbauend für die Kirche ist.“

Bischof Müller beweist mit seinen Äußerungen, dass er die Präambel des KirchenVolksBegehrens (KVB) und die Ziele und Forderungen nicht kennt oder nicht zur Kenntnis nehmen will. In diesem Aufruf, der von ca. 1,8 Millionen Christen und Christinnen, davon ca. 1,5 Millionen Katholikinnen und Katholiken unterschrieben worden ist, heißt es in der Präambel u. a. „rufen wir das Kirchenvolk, alle Laien, Priester, Ordensleute und Bischöfe dazu auf, sich für längst überfällige Reformen in der katholischen Kirche einzusetzen. Wir hoffen auf eine intensive Diskussion und auf die schrittweise Umsetzung der Forderungen des KVBs, damit den Menschen der Zugang zum Kern der christlichen Botschaft und zur Kirche auch im kommenden Jahrtausend ermöglicht wird. Das KVB soll im Geiste des II. Vat. Konzils und der „Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer“ die vorhandenen Dialogprozesse und Initiativen zusammenführen, unterstützen und voranbringen, damit die katholische Kirche ihre Aufgaben in der weltweiten Ökumene wahrnehmen kann.“ Danach schließen sich fünf Ziele an, die allesamt keine Kernfragen des Glaubens betreffen, und zwar 1. Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, 2. Volle Gleichberechtigung der Frauen, 3. Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform, 4. Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen und 5. Frohbotschaft statt Drohbotschaft.

Es stellen sich u. a. folgende Fragen an Bischof G. L. Müller:

  • Wieso behauptet er, dass „Wir sind Kirche“ ihre eigene Kirche gründen will?
  • Wieso definiert sich „Wir sind Kirche“ selbst als Kirche, wenn sie in Anlehnung an „Wir sind das Volk“ sich diesen Namen, der keine Exklusivität beansprucht und zugleich Appell an alle Gläubigen ist, ihre Eigenverantwortung in der Kirche nicht aus den Augen zu verlieren, gegeben hat?
  • Weshalb sind die Forderungen nach Reformen gegen die Kirche oder das Lehramt gerichtet? Nur weil sie überwiegend vom Kirchenvolk kommen?
  • Wenn „Wir sind Kirche“, dahinter „stehen“ Millionen Gläubige, in seinen Augen keine Bedeutung hat, warum diffamiert und diskreditiert er deren Anhänger und Anhängerinnen als „Kirchengegner, -schädlinge, ja sogar als Kirchenfeinde?
  • Wieso verleumdet er unbequeme und kritische Gläubige, die eine eigene, von ihm abweichende Meinung haben, mit Worten wie „seit langem aufgrund dieser üblen Erfahrung, die ich mit dieser Gruppierung machen musste..“, „die sich in dieser unchristlichen Weise verhalten, …“, „spalterische Tendenzen …“, „mit einer menschlichen Abschätzigkeit und Häme …“, „ihr konkretes Verhalten, das zerstörerisch und verleumderisch ist ..“?
  • Wann und wie oft hat er als Bischof und Seelsorger seine Verantwortung wahrgenommen, sich mit den Anhängerinnen und Anhängern von „Wir sind Kirche“ an einen Tisch zu setzen, Ihnen zuzuhören und mit ihnen einen Dialog zu beginnen?
Das bisherige Verhalten des Regensburger Bischofs empfinden wir als das eines absolutistischen Kirchenfürsten, der nach dem Motto „Die Kirche bin ich, ich, ich!“ handelt und die Einsicht in die Notwendigkeit dialogischen Umgangs vermissen lässt. Das gilt auch für seinen Umgang z. B. mit Professorinnen und Professoren der katholischen Fakultät der Universität Regensburg, von denen einigen für Veranstaltungen kein kirchlicher Raum zur Verfügung gestellt werden darf!

Info 18. Februar 2009
  • Petition „Für die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils“ unterschreiben!
  • Disziplinierungsversuche gegenüber Theologieprofessoren von Bischof G.L. Müller
  • Hirtenwort „Identität und Kontinuität“ vom Bischof Hanke zu den aktuellen Ereignissen in Rom
  • Wir sind Kirche – Diözesangruppe Eichstätt lädt zum Gespräch mit Prof. Hermann Häring am 19. April 2009 in Ingolstadt „Identität und Kontinuität, aber wie? Wohin führt Benedikt XVI. die Kirche?“ ein.
  • Bischofsernennung in Linz wird nach Protesten zurückgezogen
  • Bundesversammlung von Wir sind Kirche vom 27.-29. März 2009 in Magdeburg zum Thema „Spiritualität – (k)ein überflüssiger Luxus für kirchenpolitisch Aktive“
Petition „Für die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils“ unterschreiben!
Wir laden alle im Sinne des II. Vat. Konzils reformorientierten Christinnen und Christen ein, sich der Petition anzuschließen, um damit sehr deutlich „die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils“ zu fordern.
Hirtenwort „Identität und Kontinuität“ des Eichstätter Bischofs
Am 15.02.09 ließ Bischof Gregor Maria Hanke ein Hirtenwort in den Gemeinden seines Bistums verlesen, um der starken Unruhe bei vielen Gläubigen, die durch die bedingungslose Aufhebung der Exkommunikation von Bischöfen der traditionalistischen Bruderschaft Pius X. entstanden ist, entgegenzuwirken. Während diese unverändert wesentliche Punkte des II. Vatikanischen Konzils eindeutig ablehnen, erklärt der Eichstätter Bischof, „Befürchtungen, es könnte zu einer ‚Rückwärtswendung’ hinter das Zweite Vatikanische Konzil kommen, sind nicht angebracht.“ Weiterhin fordert er „Wir selbst sollten uns wieder verstärkt den Texten des II. Vatikanums zuwenden und nicht zulassen, dass über das Konzil nur in Schlagworten gesprochen wird.“ Diesem Wunsch entspricht die Wir sind Kirche-Diözesangruppe Eichstätt sehr gern u.a. mit einer Veranstaltung mit dem bekannten Theologen Hermann Häring am 19.04.09 in Ingolstadt, zu der auch Bischof Hanke und die Bistumsleitung herzlich eingeladen werden. Wir hoffen, dass bei diesem Gespräch offen und ernsthaft die Ansichten und Sorgen über den Kurs der Kirche zur Sprache kommen.
Disziplinierungsversuche von Bischof G.L. Müller gegenüber TheologieprofessorInnen
Der Regensburger Bischof Müller „fordert auch von Theologie-Professoren Anerkennung des II. Vatikanums“, so die Überschrift in einer Mitteilung der Bischöflichen Pressestelle vom 17.02.09. Merkwürdig nur, dass er diese Forderung gegen drei ProfessorInnen seines Bistums erhebt, die die Petition für die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vat. Konzils“ mitunterzeichnet haben. Ebenfalls merkwürdig sein Vorwurf „Noch bevor die Professoren den Kontakt mit dem Bischof gesucht haben, wurde dieser persönliche Brief an die Medien weitergegeben, …“ Warum hat Müller erst einen Brief an die Professoren geschrieben, zudem gleich mit Kopien an den Präfekten der Glaubenskongregation, den Vorsitzenden der Bildungskongregation, den Nuntius, den Dekan der Fakultät und einen Trierer Weihbischof? Warum hat der Bischof als erstes nicht selbst das Gespräch gesucht? Wieso verlangt er in seinem Schreiben, dass sich die TheologInnen von der Petition distanzieren, „beim H. Vater schriftlich entschuldigen (zur Weiterleitung über mich)“, „das Glaubensbekenntnis und den Treueeid gem. der beigefügten Formel vor mir persönlich abzulegen.“? Im Falle, dass diese ProfessorInnen sich nicht unterwerfen, droht er weitere Schritte an.
Hier demonstriert Bischof Müller in bekannter Manier, wie unfähig er zum Gespräch ist. In seiner devoten Haltung dem Papst gegenüber, der offensichtlich in seinen Augen unfehlbar in allen Belangen ist und Kritik nur als Majestätsbeleidigung erkennt, verlangt er das gleiche devote Verhalten bei den ProfessorInnen, die berechtigterweise durch das Handeln des Papstes und der Kurie gegenüber erklärten Gegnern des II. Vat. Konzils die Glaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche gefährdet sehen.
„Identität und Kontinuität, aber wie? Wohin führt Benedikt XVI. die Kirche?“
Der emeritierte Lehrstuhlinhaber für „Dogmatische Theologie“ an der Universität Nijmwegen,Prof. Dr. Hermann Häring, kommt am Sonntag, 19. April 2009, 15 Uhr, Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, zu uns, um mit uns über das Hirtenwort von Bischof Hanke und die Zusammenhänge zwischen II. Vat. Konzil und derzeitigen Ereignisse in der Kirche zu reden. Hiermit laden wir alle ChristInnen sehr herzlich zu diesem Gespräch ein.
Bischofsernennung wird nach Protesten zurückgezogen
Nach starken Protesten aus dem Kirchenvolk, Dechanten- und Bischofskreis hat der zum Weihbischof von Linz ernannte erzkonservative G.M. Wagner um Rücknahme der Bischofsernennung gebeten. In einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ vom 18.02.09 erklärte er u.a.: „Als mir klar geworden ist, dass der Boden weg ist, wusste ich, ich will nicht mehr Bischof sein. Ich brauche die gemeinsame Basis.“ Diese Einsicht ist bemerkenswert und sollte von einigen Bischöfen im Amt, denen ebenfalls die Basis fehlt, beachtet werden. Die Umsetzung der Forderung von Wir sind Kirche nach Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirche bei Bischofsernennungen (Bischof soll werden, wer das Vertrauen des Volkes genießt.), 1995 im KirchenVolksBegehren formuliert, erweist sich als unverändert notwendig.
Bundesversammlung vom 27.03. bis 29.03.09 in Magdeburg
Wir sind Kirche lädt alle Interessierten und Engagierten der KirchenVolksBewegung für das letzte März-Wochenende zur Bundesversammlung nach Magdeburg ein, die unter dem Motto „Spiritualität – (k)ein überflüssiger Luxus für kirchenpolitisch Aktive“ steht. Nähere Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Programm auf der Startseite von www.wir-sind-kirche.de.


Info 18. Oktober 2008
  • 9.11.08 „Die Liebenswürdigkeit des Christentums erlebbar machen“ – Nächste Veranstaltung um 15 Uhr im Gasthof Anker, Träktorstr. 1, in Ingolstadt

  • 7. bis 9.11.08 „Wir sind Kirche“-Bundesversammlung in Würzburg

  • Erneute Präsidentenwahl an der Katholischen Universität Eichstätt erst Mitte 2009
„Die Liebenswürdigkeit des Christentum erlebbar machen“
Die ursprünglich für den 9.11.08 geplante Veranstaltung zu dem Thema „Mystik – mehr als eine Modeerscheinung?“ mit Prof. Dr. Karl Schlemmer findet nicht statt. Dafür haben die Veranstalter mit dem Referenten sich auf das Thema „Die Liebenswürdigkeit des Christentums erlebbar machen“ verständigt. Dazu laden wir alle interessierten Christinnen und Christen herzlich ein und hoffen auf eine gute Resonanz und eine angeregte Diskussion.
Wir treffen uns am Sonntag, 9. November 2008, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber dem Stadttheater in Ingolstadt. Veranstaltungsende gegen 17.30 Uhr.

„Wir sind Kirche“-Bundesversammlung
Am gleichen Wochenende findet in Würzburg die Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ statt. Am Samstag, 8.11.08, 9 Uhr, spricht der Konzilsbeobachter und langjährige Herausgeber der „Stimmen der Zeit“, Pater Dr. Wolfgang Seibel SJ über das Thema „Der Anfang vom Anfang – oder das Ende vom neuen Lied? Das II. Vatikanische Konzil und die weitere Entwicklung“ mit anschließender Diskussion.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Lesung mit Pfarrer Roland Breitenbach aus Schweinfurt, der für viele Christinnen und Christen zusammen mit seiner sehr lebendigen Gemeinde ein Hoffnungszeichen weit über seine Gemeinde ist.

Präsidentenwahl an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt erst am 8.06.08
Nachdem Bischof Gregor Maria Hanke in einer außerordentlichen Vorgehensweise im Frühjahr 2008 die Ernennung des ordnungsgemäß vom Hochschulrat gewählten Kandidaten verhindert hat, ist auf seine Veranlassung das Wahlverfahren geändert worden. Danach müssen offensichtlich zukünftig die Bewerbungen dem Bischof als Vorsitzenden des Stiftungsrates vorgelegt werden, der damit die Möglichkeit hat, eine Vorauswahl zu treffen. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, ist ein Mitglied im Stiftungsvorstand Drahtzieher von Intrigen, die letztlich zur Nichtberufung von Prof. Hemel als Präsident geführt haben.
Info 8. Juni 2008

Bischof Hanke und die Kirchenpolitik

In seinem Schreiben vom 11.06.2008 bemüht sich Bischof Hanke, das eigentlich entstandene Problem mit der Katholischen Universität umzuinterpretieren. Die von ihm kritisierte Grundordnung der Universität vom 25.06.2007 (!) ist von ihm als Vorsitzenden des Stiftungsrats und Großkanzler ebenso akzeptiert worden wie die Wahl von Prof. Hemel. Zur Erinnerung: In der Presseinformation der Uni vom 30.01.08 heißt es u.a., dass der Hochschulrat mit 12 gegen 4 Stimmen Prof. Hemel zum Präsidenten gewählt hat. „Offiziell ernannt wird der Präsident der KU durch den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB. … „Bischof Hanke begrüßte als Magnus Cancellarius und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Katholische Universität Eichstätt in einer Presseerklärung, dass die Wahl erfolgreich verlaufen ist. Er wünscht dem Gewählten Gottes Segen. Bis zu einer offiziellen Ernennung durch den Bischof als dem Vorsitzenden des Stiftungsrates wird noch etwas Zeit verstreichen, da das Nihil obstat der römischen Kongregation für das Katholische Bildungswesen einzuholen ist.“

Womit der Eichstätter Bischof nicht rechnete, war die römische Kirchenpolitik. Diese interessiert offensichtlich weder die bestmögliche persönliche als auch fachliche Qualifikation des neuen Präsidenten und die Auffassung des universitären Wahlgremiums, wenn der Kandidat ihr politisch nicht genehm ist. Es ist zu vermuten, dass Bischöfe, wie Marx, Mixa und Müller auf diesem Posten einen Opus-Dei-Mann oder dem Opus Dei Nahestehenden sehen wollen und dabei vom Papst unterstützt werden. Damit hatte wohl Bischof Hanke nicht gerechnet. Wenn es so ist, wie anzunehmen ist, kann er dies nicht öffentlich beklagen und er gerät in die Gefahr, seine persönliche Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Kirchenleitung muss sich fragen, wie oft sie durch den Entzug oder die Verweigerung des Nihil obstat bei hochqualifizierten Professorinnen und Professoren der Freiheit der Wissenschaft und der Glaubwürdigkeit der Kirche geschadet hat.

Hier finden Sie ein Interview mit Prof. Hemel aus imprimatur 4/2008
Info 20. März 2008
  • Hehre Worte von Bischof Hanke zum Zölibat bei der Chrisam-Messe in Eichstätt
  • „Wir sind Kirche“ Bundesversammlung 28. – 30.03.08 in Bielefeld
Hehre Worte von Bischof Hanke zum Zölibat
Während der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, den Zölibat als „theologisch nicht notwendig“ bezeichnete und sich auch in diesem Zusammenhang gegen „kirchliche Denkverbote“ aussprach, betonte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke in seiner Predigt bei der Chrisam-Messe im Dom am 17.03.08 seine besondere Wertschätzung für den Zölibat. Dabei machte er den „sexualisierten Zeitgeist“ und die „Anpassung an den Mainstream der Gesellschaft“ dafür verantwortlich, dass die Lebensform des Zölibats gering erachtet werde. Dieser Auffassung muss mit aller Entschiedenheit widersprochen werden.
Wenn in den letzten Jahrzehnten Zigtausende Priester ihr Amt, zu dem Gott sie berufen hat, wegen des Zwangszölibats aufgeben mussten, dann hängt das nicht mit einem „sexualisierten Zeitgeist“ oder „Mainstream“ zusammen. Wenn weiterhin die Bischöfe die zölibatäre Scheinwelt ihrer Priester und das Schicksal deren Frauen und sogar Kinder nicht erkennen bzw. nicht erkennen wollen, haben sie ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem der Kirche zu verantworten.
Bei allem Respekt vor jedem Menschen, der sich freiwillig für ein zölibatäres Leben entschieden hat und auch immer wieder dazu entscheidet, der Zölibat ist und bleibt so lange ein Problem, wie er an den Priesterberuf gekoppelt bleibt. Der Eichstätter Bischof erklärt in seiner Predigt u. a. „Die Haltung des bloßen Rechtsgehorsams, ohne sich an der Existenzform Jesu entzünden zu lassen, wäre keine ausreichende Basis für die zölibatäre Lebensweise.“ Warum tritt er dann nicht vehement gegen eine Zölibatsverpflichtung und für eine Freistellung des Zölibats ein? Wie oft haben Kirchengemeinden erfolglos dafür gekämpft, ihren Pfarrer behalten zu können, wenn dieser sich zu seiner Frau bzw. Familie öffentlich bekannt hat? Ihnen muss der Wegfall bzw. die Dispenz von der Zölibatsverpflichtung nicht vermittelt werden! Sie können auch nicht verstehen, dass verheiratete ehemalige evangelische Pfarrer, wie im vorigen Jahr in Eichstätt, von der Zölibatsverpflichtung befreit werden, nicht aber bewährte katholische Pfarrer!

“Wir sind Kirche“-Bundesversammlung vom 28. bis 30.03.2008 in Bielefeld
Bei der 23. öffentlichen Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ in Bielefeld stehen die Referate von Prof. Dr. theol. AgnesWuckelt „Wie schön, wie wohltuend bist du, Liebe voller Lust (Hld 7,7) – Sexualität in christlicher Verantwortung“ und Dr. Eugen Drewermann „Jesus von Nazareth – Befreiung zum Frieden“ sowie ein öffentlicher Gottesdienst zum Weltgebetstag für Frauenordination vor dem Dom in Paderborn im Vordergrund. Nähere Einzelheiten auf der HP des Bundesteams.
Info 15. Februar 2008
  • "Wir sind Kirche"-Eichstätt drückt Verbundenheit mit Ernesto Cardenal aus.
  • Glückwunsch für Erzbischof Robert Zollitsch, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
"Wir sind Kirche"-Eichstätt drückt Verbundenheit mit Ernesto Cardenal aus
Mitglieder der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt nutzten die Gelegenheit, Ernesto Cardenal am 13.02.2008 in St. Augustin in Ingolstadt anlässlich seiner Konzertlesereise mit der "grupo sal" ihre Wertschätzung dem 83-jährigen bedeutenden Befreiungstheologen, Dichter und Politiker auszudrücken.


Annelie Hürter und Karl Graml übergeben Ernesto Cardenal eine "Wir sind Kirche"-Tragetasche.

Der erste Diözesanratsvorsitzende im Bistum Eichstätt, Anhänger der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" und frühere Kulturreferent der Stadt Ingolstadt, Dr. Siegfried Hofmann, übergibt Ernesto Cardenal, dem früheren Bildungsminister von Nicaragua ein Buch zum Signieren.

Vor vielen ZuhörerInnen beeindruckte Ernesto Cardenal durch seine Lesung, die sein politisches Denken, seine Mystik, seine Begeisterung für die Revolution und seine Liebe zu Gott und den Menschen in seinem Lebenswerk wiederspiegelte. In welch krassem Widerspruch handelte vor genau 25 Jahren der damalige Papst Johannes Paul II. unmittelbar nach seiner Landung in Nicaragua, als er dem damaligen Bildungsminister Ernesto Cardenal die Hand verweigerte und ihn mit dem Schimpffinger der gleichen Hand demütigte, als dieser beim Empfang vor ihm niederkniete und den Petrusring küssen wollte.

Glückwunsch für den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz
Mit großer Freude hat die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt die Wahl von Robert Zollitsch zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz aufgenommen. Mit dieser Entscheidung verbindet die Gruppe die Hoffnung, dass mit diesem Kirchenmann, der sich nicht selbst gerne ins Rampenlicht stellt, der Dialog um Reformen in der Kirche verstärkt wird.
Info 8. Februar 2008
  • Wir sind Kirche und Reinhard Marx, der neue Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz
  • Nächste Veranstaltung mit Professor Karl Schlemmer am 09.11.08
  • Intern. Kongress des "Päpstlichen Rates für die Laien" befasst sich vom 7.-9.02.08 in Rom mit dem Thema "Frau und Mann, der Mensch in seiner Ganzheit"
  • Diözesanratsvorsitzender Gärtner im Interview mit dem "Donaukurier" 31.01.08 zu "Wir sind Kirche"
"Wir sind Kirche" und Erzbischof Reinhard Marx
Bei der "Einholung" des neuen Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx, waren auch Vertreter der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt auf dem Marienplatz in München anwesend und verteilten mit VertreterInnen aus München und Augsburg Karten an Gläubige, auf denen diese ihre Fragen, Bitten, Wünsche und Gebete an den neuen Oberhirten formulieren sollten.

Bei seiner Ansprache auf dem Marienplatz sprach der mediengewandte Erzbischof Marx zwar von einem notwendigen "Dialog auf Augenhöhe", doch bestehen bei nicht wenigen KatholikInnen Zweifel an diesem Verhalten im Alltag. Diesen ist z. B. bekannt, daß Reinhard Marx als Bischof von Trier den "Strukturplan 2020" im betont autoritären Stil durchgesetzt hat, ohne den notwendigen Dialog mit den Gemeinden zu praktizieren und seelsorgliche Erfordernisse ausreichend zu berücksichtigen. Anstatt an Symptomen zu kurieren, sollte auch dieser Bischof nach den Ursachen z. B. des Priestermangels fragen und danach handeln. Es wundert daher nicht, dass viele Gläubige im Bistum Trier froh sind über den Wechsel des Bischofs nach München. Davon war, bis auf Ausnahmen, in der Presse kaum etwas zu erfahren. So hat am 31.01.08 Joachim Käppner in seinem Kommentar "Selbstbewusste Herde" in der Süddeutschen Zeitung im Hinblick auf die Nachfolge von Kardinal Lehmann als Vorsitzender der DBK bemerkt: "Aber für eine Öffnung seiner Kirche steht er nicht." Der frühere bayerische Kultusminister Prof. Maier erklärte in einer Diskussionsrunde im Bayerischen Fernsehen: "Es hätte noch schlimmer kommen können!". Damit meinte er offensichtlich den vom Papst geplanten Wechsel des Bischofs Gerhard Ludwig Müller von Regensburg nach München.

Nächste Veranstaltung am 9. November 2008 mit Prof. Karl Schlemmer
"Mystik - mehr als eine Modeerscheinung?" heißt das Thema unserer nächsten Veranstaltung in der Reihe "Wir sind Kirche im Gespräch mit Prof. Karl Schlemmer, Nürnberg/Passau. Zu dieser Dialogveranstaltung laden wir alle Interessierten für den 9.11.08, 15 Uhr, in den Gasthof Anker, Tränktorstr.1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt ein. Prof. Schlemmer hat sich u.a. eingehend mit der Mystik von Helfta befasst und referiert am 12./13.04.08 bei einer Veranstaltung des NikolausKollegs zusammen mit der Äbtissin Assumpta Schenkel OCist, Kloster Helfta (Lutherstadt Eisleben).

Kongress "Frau und Mann, der Mensch in seiner Gesamtheit"
vom 7.-9.02.08 in Rom

Wir weisen ausdrücklich auf die Pressemitteilung von "Wir sind Kirche" vom 06.02.08 (Link) hin, die sich mit dem vom "Päpstlichen Rat für die Laien" veranstalteten Kongress befasst. Dabei sollen Themen wie "Reflexion über die Veränderungen in der Frauenfrage seit 1988 (Apostolische Schreiben "Mulieris Dignitatem")", Maria und die Rolle der Frauen in der frühen Bibel", Bedeutung von Mann und Frau als Ebenbild Gottes (Gen 1,27), "Verantwortung der Frauen für Kirche und Gesellschaft", "Gesellschaftliche Situation von Frauen der verschiedenen Kulturen aus unterschiedlichen Ländern" behandelt werden. Die Pressemitteilung von WsK ist überschrieben mit: "Konsequentes Umdenken in der Frauenfrage oder Alibi-Veranstaltung des Vatikans?" Über die bekannt gewordenen Ergebnissse dieses Kongresses berichten wir am Informationsstand zum Internationalen Frauentag 2008 am 8. März 2008 im Stadttheater Ingolstadt.

Diözesanratsvorsitzender Gärtner äußert sich zu "Wir sind Kirche"
Auf die Frage des "Donaukurier": "Sie sind der Vorsitzende des höchsten Laiengremiums im Bistum. Sehen Sie sich auch als Ansprechpartner jener Gruppen, die nicht im Diözesanrat sind und der so genannten Amtskirche sehr kritisch gegenüberstehen, etwa der Vereinigung "Wir sind Kirche" äußerte sich Christian Gärtner am 31.01.08: "Wir waren und sind offen für den Dialog mit allen Gruppen, die sich als Laien in der Kirche und für die Kirche engagieren wollen. Wir hatten über lange Jahre auch regelmäßigen Kontakt zu "Wir sind Kirche". Dieser Kontakt ist abgerissen, nachdem der Diözesanrat eine formelle Mitgliedschaft von "Wir sind Kirche" mehrheitlich abgelehnt hat. Zur Mitgliedschaft im Diözesanrat, der ja ein offizielles Gremium des Bistums ist, gehört unter anderem, dass eine Gruppe auch bischöflich anerkannt ist." - In einem noch nicht vom "Donaukurier" veröffentlichen Leserbrief vom 31.01.08 hat die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Stellung bezogen, auf das ausgrenzende Verhalten des Bischofs Walter Mixa und der anwesenden Mitglieder des Diözesanratsvorstands hingewiesen und die Hoffnung ausgedrückt, dass eine Zusammenarbeit zwischen Diözesanrat und der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe durch den neuen Bischof Gregor Maria Hanke gefördert wird.

Info 17. Januar 2008
  • Starkes Interesse an Veranstaltungen über Opus Dei
  • Rücktritt Kardinal Lehmanns als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
  • „Wir sind Kirche“ informiert beim Intern. Frauentag über Frauendiskriminierung in der römisch katholischen Kirche
Starkes Interesse an Veranstaltungen über Opus Dei
Innerhalb weniger Tage fanden in München, Ingolstadt und Regensburg zum Thema „Schleichende Übernahme – Das Opus Dei unter Papst Benedikt XVI“ Veranstaltungen mit Peter Hertel statt. Jeweils ca. 100 BesucherInnen in diesen drei Städten bewiesen, wie stark das Interesse an dieser kirchlichen Gruppierung ist, die das Licht der Öffentlichkeit scheut. Der Theologe, Journalist und Buchautor Peter Hertel, der sich seit ca. 25 Jahren intensiv und kritisch mit dieser immer einflussreicheren Organisation auseinandersetzt, überzeugte seine ZuhörerInnen durch seine sachlichen und differenzierten Darlegungen. Er war am 13.01.08 auf Einladung der Leserinitiave Publik e.V. und der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt in Ingolstadt. Thema der Veranstaltung war der Titel seines vor wenigen Monaten erschienenen Buches.

Der Referent zeigte u. a. auf, wie stark sich der personelle und finanzielle Einfluss des Opus Dei, vor allem nach der umstrittenen Selig- und Heiligsprechung des Ordensgründers, auf die Kirchenführung entwickelt hat. Der jetzige Papst, obschon früher einmal skeptisch gegenüber dem Opus Dei eingestellt, fördere diese päpstliche Personalprälatur in besonderer Weise. Er besetze viele Schaltstellen im Kirchenapparat mit Mitgliedern bzw. Anhängern des Opus Dei. Der blinde Gehorsam gegenüber Vorgesetzten und der Kirchenhierarchie und die starke Betonung des hierarchischen Kirchenbilds und die finanzielle Unterstützung des Vatikans seien wohl dafür maßgeblich. In der deutschen Übersetzung der Ordensregeln sei zwar das Wort „blind“ gegen „vertrauensvoll“ ausgetauscht worden, im spanischen Originaltext sei aber nach wie vor von „blindem Gehorsam“ die Rede. Bezeichnend für das Opus Dei sei die Betonung der eigenen Hierarchie und die Tatsache, dass alle leitenden Stellen dieser „Laienorganisation“ mit Priestern besetzt seien. Hertel schätzt die Mitgliederzahl weltweit auf ca. 90.000. Wer den Orden verlassen will, erhält keinerlei finanzielle Unterstützung, obschon die Mitglieder ihr persönliches Vermögen und ihr Einkommen in den Orden einbringen müssen. Das Opus Dei setzt sich für einen vorkonziliaren Katholizismus mit autoritär-militanten Methoden in „einer bösen Welt von Feinden, Postkommunisten, Liberalen und und Befreiungstheologen ein“. Besonders stark sei der Einfluss in der Kirche von Lateinamerika.

Rücktritt von Kardinal Lehmann vom Vorsitz der DBK
Mit großen Bedauern nimmt die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt zur Kenntnis, dass Kardinal Lehmann aus gesundheitlichen Gründen vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zurücktritt. Offensichtlich hat ihn der Spagat zwischen den Erwartungen der sich immer zentralistischer und rückwärts gewandteren vatikanischen Kirchenpolitik und den Erwartungen der ChristInnen an ein zeitgemäßeres Kirchenbild nach ca. 20 Jahren gesundheitlich überfordert. Die Tatsache, dass Bischof Karl Lehmann erst 14 Jahre nach Übernahme des Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zum Kardinal ernannt worden ist, zeigt die geringe Anerkennung des vom II. Vatikanischen Konzils geprägten und herausragenden Theologen und seiner enormen Integrationsleistung durch den konservativen Papst Johannes Paul II.

„Wir sind Kirche“ informiert beim Intern. Frauentag über die Frauendiskriminierung in der römisch-katholischen Kirche
Am Samstag, 8. März 2008, informiert die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt in Ingolstadt, Stadttheater, zwischen 10 und 15 Uhr, im Rahmen des weltweiten Internationalen Frauentags 2008 über die Missachtung der Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Frauen sind von der Kirchenführung in Rom ausgeschlossen und dürfen ohne bibeltheologische Begründung keine Ämter als Diakonin, Priesterin oder Bischöfin ausüben. BesucherInnen unseres Informationsstandes sind herzlich willkommen.
Info 24. Dezember 2007
  • Veranstaltung über „Opus Dei“ am 13.01.08 in Ingolstadt
  • Eichstätt Vorreiter bei der Ausweitung der außerordentlichen Form der lateinischen Liturgie?
  • Weihnachts- und Neujahrsgrüße der Wir sind Kirche-Diözesangruppe
13.01.2008 Veranstaltung mit Peter Hertel zu „Opus Dei“
Wir weisen noch einmal auf unsere nächste Veranstaltung mit dem Titel „Schleichende Übernahme – Das „Opus Dei“ unter Benedikt XVI.“ am 13. Januar 2008, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt hin und laden alle Interessierten sehr herzlich ein. Mitveranstalter ist die Leserinitiative Publik e.V..

Eichstätt Vorreiter bei der Ausweitung der außerordentlichen Form der lateinischen Liturgie?
Das Internetportal kath. net. berichtete am 19.12.2007, dass Papst Benedikt XVI. der Petrusbruderschaft in Rom die erste Personalpfarrei für die außerordentliche Form des Römischen Ritus nach dem Missale von 1962 übertragen hat. In der gleichen Meldung heißt es, dass Eichstätt Rom folgt. Der Bischof habe dem Vizeoffizial Dr. Alexander Pytlik die Verantwortung für die außerordentliche Form der lateinischen Liturgie übertragen und den Spiritual des Bischöflichen Priesterseminars, Dr. Lorenz Gadient, zum Stellvertreter bestellt. Außerdem habe der Bischof für diese Personalpfarrei geregelt, dass auch andere Sakramente und Sakramentalien in der außerordentlichen Form gefeiert werden.

Es ist bemerkenswert, dass die Pressestelle des Bistums Eichstätt die Öffentlichkeit bisher noch nicht informiert hat. Wenn die Information von kath. net. zutrifft, verstärkt sich der Eindruck, dass der Eichstätter Bischof Hanke die Zulassung von Personalgemeinden fördert und damit einem vorkonziliaren Priester- und Gemeindebild Vorschub leistet. Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt bedauert die große Gefahr einer Instrumentalisierung der Liturgie für kirchenpolitische Weichenstellungen. Es entsteht der Eindruck, dass es nur vordergründung um die „alte Messe“ geht und in der katholischen Kirche, insbesondere im Bistum Eichstätt, konservative und traditionalistische Minderheiten verstärkt gefördert werden.

Weihnachts- und Neujahrsgrüße
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe wünscht allen AnhängerInnen der Reformbewegung frohe Weihnachten und ein segensreiches Neues Jahr. Sie verbindet damit den Dank für die Mitarbeit, für Anregungen und Kritik sowie für finanzielle und ideelle Unterstützung. In der Überzeugung, dass vor allem gelenkte Präsenz von Papst und Bischöfen in den Medien über die wahren Verhältnisse in der römisch-katholischen Kirche hinwegtäuscht, fordert sie die Kirchenleitung in Eichstätt und Rom zum Dialog mit der KirchenVolksBewegung und der Mehrheit der Gläubigen auf, die eine Rückkehr zum Geist des II. Vatikanischen Konzils fordern. Unter Benedikt XVI. ist die Abwendung vom Dialog und die Hinwendung zum Monolog in der Kirche verstärkt worden. Nicht nachvollziehbarer Gehorsam gegenüber Hierarchen, häufig auch gegen eigene Überzeugungen, eine gezielte Personalpolitik bei der Besetzung von Bischofsämtern und eine anhaltende Reformverweigerung kennzeichnen die derzeitige kirchliche Situation. Immer mehr Gläubige resignieren und ziehen sich zurück. Die Menschen werden im Hinblick auf die Kirche müde und interessenlos; sie distanzieren sich. Die vielen positiven Rückmeldungen, gerade in diesem Jahr, bestärken uns in der Hoffnung auf das vor uns stehende Jahr 2008.


Info 26. November 2007

  • Bericht über „Wir sind Kirche im Gespräch“ am 18.11.2007
  • Terminhinweis 13.01.2007 mit Peter Hertel „Schleichende Übernahme - Das Opus Dei unter Benedikt XVI.
  • Mahnwache in Regensburg am 24.11.2007 um 5 vor 12 Uhr
„ Wir sind Kirche im Gespräch“ mit Bischofsvikar Georg Härteis, Eichstätt, und Ernst Sillmann, Aschaffenburg, Vorsitzender der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen am 18.11.2007, Thema „Das Zölibatsgesetz – Anspruch und Wirklichkeit“

Den Gesprächnachmittag eröffnete Ernst Sillmann mit dem Hinweis, dass er sich bei seinen Ausführungen weitgehend auf die Innensicht dieses Themas beschränke. Der genaue Wortlaut seines Referates ist auf unserer Homepage unter „Aufgelesen“ ( Das Zölibatsgesetz – Anspruch und Wirklichkeit) veröffentlicht.

Bischofsvikar Georg Härteis vermied es, sich mit den Argumenten des Referates auseinanderzusetzen und wies darauf hin, dass er sich auf seine befristete Aufgabe konzentriere, die Situation der Priester im Bistum Eichstätt kennen zu lernen und diese zu unterstützen. Er erklärte, etliche Anregungen für seine Arbeit mitzunehmen.

In der sehr lebhaften Aussprache wurde von persönlich Betroffenen des Zölibatsgesetzes und auch nicht unmittelbar davon Betroffenen sehr deutlich auf die entstandenen und entstehenden Probleme hingewiesen. Besonders betont wurde das in den letzten Jahrzehnten durch den Pflichtzölibat erzwungene Ausscheiden zigtausender hervorragender Priester, deren Gemeinden sehr häufig sich für einen Verbleib einsetzten, ohne dass die Kirchenleitung deren Argumente und Sorgen berücksichtigte. Unverständnis herrschte bei den DiskussionsteilnehmerInnen darüber, dass Laisierungen kaum noch möglich seien und die Kirchenleitung keinerlei Bemühen zeige, diese aus dem Amt entlassenen Priester weiterhin in der Seelsorge einzusetzen. Die Tatsache, dass viele Priester mit Wissen der Bischöfe „nach außen“ den Zölibat leben und öffentlich nicht zu ihren Frauen und sogar Kindern stehen, wurde mehrfach thematisiert. Der immer dramatischere Priestermangel in den Gemeinden und der quantitativ und qualitativ unzureichende Priesternachwuchs erfordern sehr bald neue Wege, z. B. Freistellung des Zölibats, der als eine der Hauptursachen angesehen wurde.

13. Januar 2008 in Ingolstadt „Schleichende Übernahme – Das Opus Die unter Benedikt XVI“

Auf Einladung der Leserinitiative Publik e. V. und der WsK-Diözesangruppe Eichstätt spricht und diskutiert am Sonntag, 13. Januar 2008, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater der bekannte Theologe und Publizist Peter Hertel aus Hannover unter dem o. g. Titel über die päpstliche Personalprälatur des Opus Dei. Peter Hertel befasst sich seit vielen Jahren kritisch mit dieser fundamentalistischen Organisation und hat darüber einige Bücher veröffentlich. Sein letztes Buch mit dem gleichnamigen Titel, unter der auch unsere Veranstaltung steht, ist im Herbst d. J. erschienen. Hiermit laden wir alle Interessierten sehr herzlich zu dem Gesprächsnachmittag mit Peter Hertel ein.

Mahnwache „5 vor 12 Uhr“ am 24.11.2008 in Regensburg

Ca. 50 TeilnehmerInnen, darunter auch DemonstrantInnen aus Nachbarbistümern, gedachten am Samstag, 24.11.08 auf dem Domvorplatz in Regensburg der 5-jährigen Amtszeit von Bischof Gerhard Ludwig Müller und äußerten mit zahlreichen Spruchbändern und –tafeln ihre Kritik an Inhalt und Stil seiner Amtsführung. Organisator der Veranstaltung war die „Laienverantwortung Regensburg e. V. www.laienverantwortung-regensburg.de . Unter dem Motto „Es ist genug! Zwei Jahre Zerschlagung der Katholikenräte – Fünf Jahre Bischof Dr. Gerhard Müller“ beklagte der Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Johannes Grabmeier die vom Bischof zu verantwortenden Missstände im Bistum Regensburg. Nachfolgend einige Fotoimpressionen von der Mahnwache, beginnend mit einem Plakat des Bistums Regensburg im Schaukasten der benachbarten Stiftskirche St. Johann am Dom mit dem Bild des Papstes und seiner Aussage „Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe.“. Die übrigen fünf Fotos von der Mahnwache sprechen für sich. Weitere Informationen in Wort und Bild auf der Startseite www.wir-sind-kirche.de














Info 28. September 2007
  • Stellungnahme der Diözesangruppe zum Statement 26.09.2007 von Kardinal Lehmann zu "Mehr als Strukturen…' - Neuorientierung der Pastoral in den Diözesen"
  • 26. bis 28.10.07 22. öffentliche Bundesversammlung in Schwarzach
  • 18.11.07 "Das Zölibatsgesetz - Anspruch und Wirklichkeit"
  • Veranstaltung zu "Opus Dei" mit Peter Hertel im kommenden Jahr
Stellungnahme der Diözesangruppe zu "Mehr als Strukturen …' - Neuorientierung der Pastoral in den Diözesen"
Bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat deren Vorsitzender Karl Kardinal Lehmann eine Statement abgegeben, zu dem die WsK-Diözesangruppe Eichstätt wie folgt Stellung nimmt:
Schöne Worte statt notwendiger Konsequenzen - Mangelverwaltung statt Reformen!
Die Bischöfe leugnen zwar nicht den Geld- und Priestermangel in der Kirche, erwecken aber den Eindruck, durch "pastorale Neuordnungen" "Kirche dort einladend sichtbar zu machen, wo die Menschen leben und arbeiten". Sie wollen sich damit auch auf "die gesamtgesellschaftliche Entwicklung und die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen" einstellen. Sie sprechen von "Konzentration auf pastorale Zentren" ohne sich "aus der Fläche zurückziehen" zu wollen. Sie wollen "auf vielfältige Weise den Menschen seelsorglich, räumlich und zeitlich nahe sein". Sie weisen auf die "Überfülle von Aufgaben" bei den pastoralen Berufen hin, die die Gefahr mit sich bringe, "dass das Einladende und Schöne eines geistlichen Berufes nicht mehr hinreichend in den Blick kommt." Die Neuordnungen seien "menschennah und pastoraltheologisch verantwortbar durchzuführen". Es sei "eine vom Glauben her begründete Zuversicht bei allen Zukunftsplanungen notwendig, um das heute Aufgetragene zu gestalten". In den kommenden Jahren werde "der besondere Dienst der ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer besondere Aufmerksamkeit erfahren", damit "unsere Kirche eine sichtbare Gestalt für die Menschen hat".
Seelsorge braucht Nähe und Zeit für die Menschen. Sie muss wieder vielmehr auf die Menschen hören und vor allem auf sie eingehen. Dazu bedarf es nicht noch größerer Verwaltungseinheiten in einem zunehmend zentralistisch orientierten und auf eine römische Befehlszentrale bezogenen Apperat. Vielmehr ist eine grundlegende Reform in den pastoralen Strukturen längst überfällig, die die Hinwendung zum einzelnen Gläubigen in kleinen Gemeinschaften zum Ziel hat.
Die geplanten pastoralen Neuordnungen der Bischöfe tragen den Bedürfnissen der Gläubigen in keiner Weise Rechnung. Sie täuschen einen pastoralen Fortschritt vor. Das spüren die Menschen heute schon deutlich in den sogenannten Seelsorgeeinheiten, in denen vor allem überforderte Priester sich mehr oder weniger erfolglos abmühen. Die Zahl der Ehrenamtlichen, denen keine wirkliche Veantwortung und Kompetenz übertragen wird, nimmt rapide ab. Sie sind immer weniger bereit, als Lückenbüßer tätig zu werden. Es ist bezeichnend, dass in den Papieren der Bischöfe das Wort "Reform" nicht vorkommt! Ohne Reform und ohne Dialog ist die Kirche nicht zukunftsfähig. Wir fordern deshalb, wie vor 12 Jahren beim KirchenVolksBegehren, die Bischöfe eindringlich auf, endlich in einen Dialog mit dem Kirchenvolk einzutreten und den Reformstau aufzulösen. Wenn die Kluft zwischen Klerus und Laien überwunden wird, das Kirchenvolk bei der Ernennung von Bischöfen mitentscheiden kann, Frauen gleichberechtigt werden, der Zölibat freigestellt wird und Menschen mehr helfende und ermutigende Begleitung anstelle von angstmachenden einengenden Normen (z. B. wiederverheirate Geschiedene und verheiratete Priester ohne Amt) erfahren, wird Seelsorge erfahrbarer. Die Menschen fühlen sich stärker als Subjekte und weniger als Objekte der Seelsorge. Sie können sich besser mit der Kirche identifizieren, wenn sie auch etwas zu sagen und mitzuentscheiden haben. Wir haben dann zwar nicht den Himmel auf Erden, aber die Kirche geht auch nicht unter! Lassen wir die Kirche im Dorf und schaffen wir dafür die Voraussetzungen! Der Mangel an Geld und an Priestern spielt dann keine Rolle mehr.

26. bis 28. Oktober 2007 öffentliche Bundesversammlung in Schwarzach
Diese Bundesversammlung in der Nähe von Würzburg steht unter dem Motto "Gelebte Freiheit - Befreiung aus dem Zwang der Rechtfertigung". Dazu spricht am 27.10.07 der Schweizer Theologe, Journalist und Vizepräsident der "Herbert-Haag-Stiftung". Weitere Einzelheiten bitten wir dem Programm auf der Homepage des Bundesteams zu entnehmen. Für diesen Samstag besteht von Ingolstadt aus eine Mitfahrgelegenheit. Näheres dazu unter whuerter@web.de oder telefonisch 0841/33704.

18. November 2007 Veranstaltung "Das Zölibatsgesetz - Anspruch und Wirklichkeit"
Das starke Interesse der Öffentlichkeit an dem Thema "Zölibat" anlässlich der Priesterweihe verheirateter ehemaliger evangelischern Pfarrer in Eichstätt und Wien in diesem Jahr hat uns veranlasst, dazu eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Wir sind Kirche im Gespräch" am 18.11.07, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber dem Stadttheater, durchzuführen. Wir freuen uns, dass mit Bischofsvikar Georg Härteis, dem Vorsitzenden des "Verein katholischer Priester und ihrer Frauen" Ernst Sillmann und dessen Ehefrau Sabine Sillmann kompetente GesprächspartnerIn zugesagt haben. Zu dieser öffentlichen Veranstaltung laden wir alle interessierten ChristInnen herzlich ein und bitten alle, die kommen wollen, in ihrem Bekanntenkreis auf diesen Gesprächsnachmittag aufmerksam zu machen.

"Wir sind Kirche im Gespräch" mit Peter Hertel über "Opus Dei"
Im nächsten Jahr wollen wir ein Gespräch mit Peter Hertel, Theologe und Journalist, ehemaliger Leiter des Kirchenfunks beim NDR, zum Thema "Opus Dei" führen. Er ist ausgezeichneter Kenner dieser päpstlichen Personalprälatur und bekannt durch zahlreiche Buchveröffentlichungen zu diesem Thema. Sein Hauptwerk ist "'Ich verspreche euch den Himmel' - Geistlicher Anspruch, gesellschaftliche Ziele und kirchliche Bedeutung des Opus Dei" (bisher vier Auflagen, derzeit vergriffen). Zeitpunkt und Veranstaltungsort sind noch nicht festgelegt.
Info 9. Juli 2007

Pressemitteilung der Diözesangruppe „Wir sind Kirche“ zur Freigabe des tridentinischen Ritus durch den Papst und die Stellungnahme von Bischof Hanke

Der tridentinische Messritus widerspricht gravierend dem Communio-Gedanken des Konzils (Laien und Kleriker bilden gemeinsam das Volk Gottes) und baut auf einem völlig anderen vorkonziliaren Priester- und Gemeindebild auf. Er wurzelt in der Gegenreformation, bedeutet Abkehr von der Landessprache und belastet die Ökumene mit Protestanten. Anhänger dieser priesterzentrierten, vorkonziliaren Liturgie sind vorwiegend traditionell fundamentalistisch orientierte Gruppen, die die Reformen des II. Vatikanischen Konzils im Kern ablehnen.

Daher bewertet die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt das Motu Propio „Summorum Pontificum“ und die Stellungnahme von Bischof Gregor Maria Hanke, trotz aller Beteuerungen, als einen Rückschritt, auch wenn beide sich bemühen, diese Entscheidung als „Tür der Versöhnung“ zu den abgespaltetenen Traditionalisten darzustellen.

Mit der einseitigen Kritik des Eichstätter Bischofs Hanke an der nachkonziliaren Liturgie, z.B. „willkürlich inszenierte Kreativität in der Liturgie und Deformationen bis an die Grenze des Erträglichen“ bedient er sich des Vokabulars von Traditionalisten. Diese zeichnen oft ein Idealbild der „alten“ gegenüber einem Zerrbild der „neuen“ Liturgie. Mit Bemerkungen, wie z. B. „Der im kirchlichen Alltag da und dort geübte Zynismus gegenüber der alten liturgischen Form von 1962 wirkte manchmal wie ein liturgischer Ödipuskomplex, besonders wenn die aggressive Ablehnung von Priestern kam, die noch nach der sog. tridentinischen Form geweiht worden sind.“ schafft der Eichstätter Bischof eher Verhärtung statt Versöhnung.

Nach Auffassung der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt geht es den Traditionalisten nur vordergründig um die „alte“ Messe. Alles deutet bisher darauf hin, dass sie ihrem wirklichen Ziel, die katholische Kirche wieder auf einen alten Kurs zu bringen, ein Stück näher sind.
Info 29. Juni 2007

"Wir sind Kirche"-Diözesangruppe äußert Unverständnis über amtskirchliche Begründung für Zölibatsdispens ehemaliger evangelischer Pfarrer

Wie berechtigt die Forderung nach einem Ende des Zwangszölibats für katholische Priester ist, ergibt sich aus der Begründung des Bistums Eichstätt vom 21. Juni 2007, warum der ehemalige Pfarrer Hans-Tilman Golde ohne Zölibatsverpflichtung am 30. Juni 2007 von Bischof Hanke zum katholischen Priester geweiht wird.

Die Begründung lautet:
  • "dass er als evangelischer Pfarrer Aufgaben der Seelsorge als persönliche Berufung gelebt habe."
  • "Sie gliederten durch die Taufe Kinder in Christus ein, sie verkündeten das Leben spendende Wort Gottes, sie versammelten Menschen zum Gedächtnis Christi, sie führten Menschen zum Gebet."
  • "Da Golde das katholische Amtsverständnis voll und ganz bejaht, sollen seine pastoralen Erfahrungen und Fähigkeiten der Diözese zugute kommen."
Deshalb ermöglicht die katholische Kirche - wie in einer Reihe von Vergleichsfällen - dem ehemaligen evangelischen Pfarrer im Blick auf seine zurückliegende Tätigkeit und seinen persönlichen Werdegang die Zulassung zur Priesterweihe."

Fragen an Papst Benedikt XVI. und Bischof Gregor Maria Hanke:

Warum legen Sie nicht den gleichen Maßstab bei katholischen Priestern an, die heiraten wollen oder geheiratet haben? Haben denn katholische Priester, die vorher keine evangelischen Pfarrer waren, Aufgaben der Seelsorge
  • nicht als persönliche Berufung gelebt,
  • nicht Kinder getauft,
  • nicht das Wort Gottes verkündet,
  • nicht die Menschen zum Gedächtnis Christi versammelt,
  • nicht Menschen zum Gebet geführt,
  • nicht das katholische Amtsverständnis voll und ganz bejaht?
Wie können Sie noch länger verantworten, dass immer mehr befähigte Menschen durch den Zwang zum Zölibat an ihrer persönlichen Berufung als Seelsorger gehindert werden und sich dadurch die pastorale Not in den Gemeinden vergrößert?
Info 21. Juni 2007

Pressemitteilung: "Wir sind Kirche" fordert Wegfall des Priesterzölibats!

Die Priesterweihe von Hans-Tilman Golde (44) am 30. Juni 2007 in Eichstätt nimmt die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt zum Anlass, von Papst und Bischöfen allgemein ein Ende der Zölibatsverpflichtung für Priester zu fordern. Hans-Tilman Golde ist verheiratet und hat drei Kinder. Er war mehrere Jahre evangelischer Pfarrer. Nach seinem Übertritt zur römisch-katholischen Kirche wurde die Zölibatsbefreiung vom Eichstätter Bischof beantragt und vom Papst genehmigt.

Der Pflichtzölibat hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass über 10.000 Priester in Deutschland, weltweit ca. 100.000, ihren Dienst quittieren mussten. Er ist nach Auffassung von "Wir sind Kirche" einer der wichtigen Gründe für die zunehmende pastorale Notlage in den Gemeinden. Darüber hinaus bleibt den Menschen das Glaubwürdigkeitsproblem der Kirche durch eine oft zölibatäre Scheinwelt nicht verborgen, unter der nicht nur die Priester, sondern auch deren "inoffzielle" Frauen und Kinder leiden.

Die häufigen Ausnahmen vom Pflichtzölibat, wie beim ehemaligen evangelischen Pfarrer Golde, und die Tradition der Kirche bis ins 12. Jahrhundert beweisen, dass dieses nicht mehr vertretbare Kirchengesetz geändert werden kann. Das Recht der Gemeinden auf Eucharistiefeier und Leitung ist wichtiger als die jetzige kirchenrechtliche Regelung.

Info 18. Juni 2007

Starkes Interesse bei „Wir sind Kirche“
auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln


Mitglieder der Eichstätter „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe beteiligten sich an den „Gesprächen am Jakobsbrunnen“ auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln . Wie stark das Interesse an den verschiedenen Themen und GesprächspartnerInnen war, zeigte sich am regen Besuch. Schwerpunkt der Themen war die Ökumene.
Karl Graml moderierte u. a. das Gespräch mit Dr. Christoph Quarch, Chefredakteur bei Publik-Forum für Religion und Kirchen, zum Thema „Glaube und Eros“

Ein weiterer Gesprächspartner war der aus dem Bistum Eichstätt stammende em. Prof. Dr. Josef Wohlmuth aus Bonn zum Thema „Zum Dialog zwischen Juden und Christen“.

Der bekannte Mystiker Pierre Stutz sprach über „Mystik, Spiritualität und Menschenrechte“

Über „Ökumene und Abendmahl – Gemeinsames Nachdenken ist gemeinsamer Auftrag“ äußerte sich Landesbischof Dr. Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der VELKD

Die Liturgiewissenschaftlerin Dr. Lioba sprach über das Thema „Taufbewusstsein als Grundlage christlicher Verantwortung in der säkularen Gesellschaft“

Weitere GesprächspartnerInnen am Jakobsbrunnen waren u. a. Prof. Dr. Fulbert Steffensky, Pfarrer Chistian Führer, Dr. Ulrich Harbecke, Dr. Hans-Georg Link, Barbara Rudoph, Rabeya Müller, Luise Metzler, Dr. Angelika Zahrnt, Sabine Henke, Christoph Fleischmann, Dr. Eric Leis und Dr. Brigitte Enzner-Probst.

Prof. Dr. Johannes Brosseder, Systematische Theologie Universität Köln, referierte zum Thema „Hand auf Herz?! – Auf dem Weg zum 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München“. Dabei forderte er energisch, dass die Amtsebene der römisch-katholischen Kirche endlich die theologischen Fortschritte in der Ökumene zur Kenntnis nehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen soll. Es gäbe zu viel Rücksichtnahme auf diejenigen, die sich nicht auf den ökumenischen Prozess eingelassen haben bzw. nicht einlassen wollen. Er erklärte, dass das Dokument „Dominus Jesus“ tiefe Verletzungen bei der evangelischen Kirche verursacht hat. Darüber müsse auch im Vorfeld des ÖKT 2010 gesprochen werden. Seiner Meinung nach muss das Papier zurückgenommen werden.

Er empfiehlt Kardinal Kasper an seine 1970 vor dem Augsburger Pfingsttreffen gemachten öffentlichen Äußerungen zu erinnern: „Vor allem muss man das Einheitssekretariat in Rom bitten, die restriktiven Interpretationen des Ökumenismusdekretes, welche die offene Kommunion ja zulässt, zu erweitern. Von solchen, in die Zukunft weisenden Initiativen hat man bislang in dieser Frage jedoch kaum etwas gehört. Sollte man amtlicherseits statt verantwortliche Pionierarbeit wacher Gruppen von Christen beider Konfessionen zu verdächtigen und zu behindern, diesen nicht vielmehr Erfolg wünschen. Sie ermuntern und unterstützen, damit mit Hilfe ihrer Experimente Erfahrungen gesammelt werden, die in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit den Kirchen allgemein zugute kommen. Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und die gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer vor Augen führen.“ Das sei der Geist des Aufbruchs unmittelbar nach dem II. Vatikanischen Konzil gewesen. Dieses sei nicht der Endpunkt der Erneuerung der Kirche, sondern, wie es Karl Rahner ausdrückte, der „Anfang des Anfangs“ der Erneuerung. Brosseder forderte darüber einen offenen Disput mit dem ZdK und der Bischofskonferenz. Im Ursprungsland der Reformation sollte man wesentlich mehr tun, um den Bruch der Kirchen zu heilen, in dem wir versuchen, versöhnte Gemeinschaft zu leben in den Kirchen.

Brosseder wandte sich in Bezug auf Gehorsam gegen das „römisch übernommene preußische Gehorsamsverständnis“. Gehorsam habe etwas mit dem „Wir hören aufeinander, aber bitte nicht nur einseitig!“ – „Wir haben dem Wort Gottes zu gehorchen. Das ist in der apostolischen Überlieferung der Heiligen Schrift uns zugänglich und wir haben im Hören darauf zu bleiben. Das müssen wir gelegentlich auch in kirchenkritischen Äußerungen zustande bringen. Es ist immerhin Karl Rahner, der geschrieben hat, dass auch Kirchenkritik eine besondere Form der Loyalität zur Kirche ist.“

Wenn in Deutschland Kirchen aufeinander zugehen, herrsche bei manchen KatholikInnen offenkundig Angst, jedes Profil zu verlieren. Es entstehe eine „Profilneurose“. Der Begriff „spezifisch katholisch“ in diesem Zusammenhang sei ein sprachlicher Unsinn, denn katholisch heiße allgemein. Das spezifisch Allgemeine gebe es nicht. Wir müssten in unseren Konfessionen lernen, das Christliche zu lernen. Die Kirchen seien Einübungsstätten des christlichen Glaubens. Der sei identisch, hüben wie drüben. Es habe in unserem Land eine zu starke Gegenreformation gegeben. Die wirke in vielen Köpfen noch nach. Dabei sei häufig zu Unrecht von der Protestantisierung der katholischen Kirche die Rede.

Info 15. Mai 2007

  • 12.05.07: „Solidarität mit den Opfern bischöflicher Willkür“
  • 13.05.07: Prof. Hermann Häring „Die kirchliche Situation unter dem gegenwärtigen Pontifikat“
  • 7.-9.06.07: „Wir sind Kirche“ auf dem Ev. Kirchentag 2007 in Köln
„Solidarität mir den Opfern bischöflicher Willkür“
AnhängerInnen der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppen Augsburg und Eichstätt unterstützen am 12.05.2007 die TeilnehmerInnen der Mahnwache in Regensburg. Neben den Spruchbändern „Bischof Müller – es reicht!“ und „Christen-Mut gegen Bischofs-Wut“ war das Spruchband „Solidarität mit den Opfern bischöflicher Willkür“ zu sehen.

Dazu unterzeichneten zahlreiche PassantInnen eine Erklärung mit dem Wortlaut „Solidarität mit den Opfern bischöflicher Willkür: mit Siegfried Felber, Wilhelm Götz, Johannes Grabmeier, August Jilek, Andreas Schlagenhaufer, Hans Trimpl, Fritz Wallner, Paul Winkler und vielen anderen. – Wir fordern vom Regensburger Bischof G. L. Müller die Rehabilitierung der Betroffenen, ein Ende seiner ausgrenzenden bischöflichen Willkür und den Willen zum Dialog, vor allem mit kritischen und engagierten Gläubigen!“

„Die kirchliche Situation unter dem gegenwärtigen Pontifikat“
Der bekannte Prof. em. Dr. Hermann Häring aus Tübingen, langjähriger Mitarbeiter von Prof. Hans Küng und von 1980 bis 2005 Lehrstuhlinhaber für Dogmatische Theologie an der Universität Nijmwegen, referierte am 13.05.2007 auf Einladung des Aktionskreises Regensburg über „Die kirchliche Situation unter dem gegenwärtigen Pontifikat“ Dabei betonte er u.a. die Bedeutung der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“, der es gelungen sei, durch das mit einer Unterschriftenaktion (KirchenVolksBegehren 1995), zuerst in Österreich und anschließend in Deutschland abgegebene Votum (ca. 2 Millionen KatholikInnen!), mit der Konzentration auf einige zentrale Fragen, einen wichtigen Anstoß gegeben zu haben. Wenn auch die kirchliche Hierarchie bisher dieses Votum ignoriert und eine notwendige Auseinandersetzung darüber verhindert hat, so sei mit viel langem Atem die Existenz dieser KirchenVolksBewegung von großer Bedeutung. Am Ende der Veranstaltung überreichte ein Vertreter des Aktionskreises Regensburg dem aus Baden stammenden und dort wieder wohnenden Referenten eine Flasche Wein mit dem Geburtsjahrgang von Karl Rahner. Zwischen dieser Flasche badischen Weins und einer Flasche bayerischen Biers liegt das neue Buch von Joesph Ratzinger und Benedikt XVI. „Jesus von Nazareth“, mit dem sich der Referent - im Foto links , daneben der Moderator Pfarrer Andreas Schlagenhaufer - kritisch auseiandersetzte.


„Wir sind Kirche“ auf dem Evangelischen Kirchentag 2007 in Köln
Die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ wird vom 7. bis zum 9. Juni 2007 am 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln teilnehmen. Beim Pressegespräch am 6.6.07 sind Sr. Dr. Lea Ackermann (SOLWODI) und Prof. Dr. Johannes Brosseder (Uni Köln) anwesend. Am Infostand und bei den stündlichen „Gesprächen am Jakobsbrunnen“ (Halle 5.1, Stand A01 im Themenbereich 2 „Ökumenisches Dorf“ werden, wie beim letzten Ev. Kirchentag in Hannover zahlreiche kompetente GesprächsparterInnen erwartet. Nähere Infos auf der Homepage des Bundesteams!

Info 28. März 2007
  • Gespräch mit drei Ingolstädter Pfarrern zur Ökumene
  • Bischof Hanke setzt auf „engagierte und mündige Laien“
  • Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung in Dresden
  • Aktion „Wo sind die Frauen?“ am 28.04.07 in Eichstätt
Gespräch mit drei Ingolstädter Pfarrern zur Ökumene
Bei der Veranstaltung Wir sind Kirche im Gespräch am 18.03.2007 in Ingolstadt zu dem Thema „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“ waren viele Besucherinnen und Besucher erschienen, obschon die meisten katholischen Ingolstädter Pfarreien es abgelehnt bzw. für nicht notwendig befunden haben, den rechtzeitig zugegangenen Veranstaltungshinweis auszuhängen. Offensichtlich ist einigen Pfarrern nicht bewusst, dass ihr Bischof Anfang des Jahres die Pfarreien, Verbände und Räte um ihr Engagement in der Ökumene gebeten hatte. „Dies gelte besonders in einem Bistum mit seiner Diasporasituation, in dem viele Gläubige in ihren Familien hautnah die schmerzliche Seite der Trennung der Kirchen erfahren;“ so die Kirchenzeitung des Bistum Eichstätt am 28.01.2007.

Im ersten Teil der Veranstaltung sprachen Frieder Boller (Mennonitengemeinde), Christoph Drescher (ev.luth. Gemeinde St. Johannes) und Bernhard Oswald (röm.-kath. Gemeinde St. Pius) über freikirchliche Gemeinden, Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft und die jeweiligen Vorstellungen ihrer Kirchen zur Einheit im Glauben. Unter der Moderation von Katharina Wagner (Mitglied der bischöflichen Ökumenekommission) schloss sich eine sehr rege Aussprache zwischen den Mitgliedern des Podiums und der mehr als 40 VeranstaltungsteilnehmerInnen an. Es wurde an diesem Sonntagnachmittag deutlich, wie es schon wenige Wochen zuvor Bischof Kurt Koch, Bischof von Basel und Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, formulierte: „Die Hauptursache für die schwierige Situation der Ökumene heute liegt darin, dass über das Ziel der Ökumene bisher keine tragfähige Verständigung erzielt werden konnte, dass dieses vielmehr stets undeutlicher geworden ist.“

Bischof Hanke setzt auf „engagierte und mündige Laien“.
Nach einem Bericht der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt vom 25.03.2007 sprach Bischof Hanke in seinem Grußwort bei der Vollversammlung des Diözesanrates davon „Ein Glaube, der sich der Tat verweigert, wäre ein leerer Glaube.“ Er setze auf engagierte und mündige Laien, die Zeugnis für den Glauben ablegen und an der Gestaltung und Veränderung der Welt mitarbeiten. „Hören Sie hinein in die Zeit, erspüren Sie die Themen, die die Menschen bewegen und die Kirche aufgreifen muss!“

21. öffentliche Bundesversammlung in Dresden
Unter dem Leitwort „Gott begegnen vor den Kirchentüren – Geschwisterlichkeit mit Nichtglaubenden“ fand die „Wir sind Kirche“-Bundesversammlung vom 23. bis 25. März 2007 in Dresden statt, an der auch Mitglieder der Diözesangruppe Eichstätt teilnahmen. Es ging vor allem darum, wie ChristInnen in einer säkularen Welt, in der die Mehrzahl keine Christen sind, der Kirche ein glaubwürdiges Gesicht geben können. Neben einem Protest gegen die Maßregelung des weltweit anerkannten Befreieungstheologen P. Jon Sobrino SJ forderte die Bundesversammlung die ideelle und finanzielle Unterstützung katholischer Beraterinnen und Vereinsmitglieder bei „Donum Vitae“, „Frauen beraten“ und „Frauenwürde“ auf und missbilligte das Verhalten des Vatikans und einiger Bischöfe. Eine Zusammenfassung des Wochenendes befindet sich auf der Homepage des Bundesteams. Nachfolgend geben wir in Fotos Höhepunkte vom Wochenende wieder, mit der die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ Akzente gegen römische Bevormundung und Grenzziehung gegenüber mündigen ChristInnen setzte:
Wie wichtig der Einsatz für das Leben ist, machten die TeilnehmerInnen am Podium unter der Moderation von Eva-Maria Kiklas (Bundesteam WsK) deutlich. Von links Eckart König, Leiter der ökumenischen Telefonseelsorge in Dresden, Cornelia Schmidt, Dipl.-Psychologin und Beraterin bei „Donum Vitae“, sowie Dr. Barbara Schubert, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst des Landes Sachsen und Oberärztin auf der Palliativststation eines Dresdners Krankenhauses.

Am Abend eines anstrengenden Versammlungstags nahm das bekannte Kirchenkabarett „Die Dekana(h)tlosen“ Kirchentypisches auf die Schippe, übte mit dem anwesenden Kirchenvölkchen den „aufrechten Gang“

und verschoss Liebespfeile.
Herzerfrischendes Lachen und lang anhaltender Beifall zeigten, dass die Laiendarsteller in Profimanier ins Ziel getroffen haben.


 
 

Sonntag, 12 Uhr, vor der Hofkirche (Bischofskirche), fand ein Gottesdienst zum Weltgebetstag für Frauenordination unter Leitung von Angelika Fromm von der Arbeitsgruppe „Aktion Lila Stola“ (oberes Bild rechts, links Dietgard Heine) statt. Auf dem mittleren Bild links Eva-Maria Kiklas, daneben Annegret Laakmann. Mit dem Gottesdienst (unteres Bild) erinnerten die Frauen und Männer daran, dass in der römisch-katholischen Kirche Frauen noch immer der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern verwehrt ist.

Aktion „Wo sind die Frauen?“ am 28. April in Eichstätt
Mitglieder der Diözesangruppe wollen nach der Priesterweihe im Eichstätter Dom gegen 11 Uhr mit dem Transparent „Wo sind die Frauen?“ für die Zulassung von Frauen zum Dienst als Diakonin und Priesterin demonstrieren. Wer die Aktion unterstützen will, wird um Telefonkontakt unter 0841/33704 gebeten!
Info 12. März 2007

  • 18.03.07: „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“
  • Berufsverbote für Frauen in der Kirche – WsK beim Intern. Frauentag
  • Bundesversammlung in Dresden
18.03.07: „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“
Am Sonntag, 18.03.2007, 15 Uhr, bietet die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Ingolstadt eine Veranstaltung zum Thema „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“ an. Unter der Moderation von Katharina Wagner aus Hilpoltstein (Mitglied der Ökumenekommission im Bistum Eichstätt) sprechen die Ingolstädter Pfarrer Frieder Boller (Mennoniten), Christoph Drescher (ev.luth.) und Bernhard Oswald (röm.kath.). Die Veranstaltung findet im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt statt. Drei Jahre vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München sind alle Christinnen und Christen sehr herzlich zu der Dialogveranstaltung eingeladen.

Berufsverbote für Frauen in der Kirche – WsK beim Internationalen Frauentag 2007
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt informierte auch in diesem Jahr im Rahmen des Weltfrauentags 2007 mit einem eigenen Stand über die immer noch bestehenden Berufsverbote für Frauen. Obschon es in der frühen Kirche Apostelinnen und Diakoninen gegeben hat, verweigert die römisch-katholische Kirche immer noch Frauen, die sich zu Diakoninnen oder Priesterinnen berufen fühlen, die Berufsausübung. Die VertreterInnen der KirchenVolksBewegung am Infostand wiesen nicht nur auf die fehlende Gleichberechtigung der Frauen hin, sondern vor allem auf den eklatanten Mangel von Frauen in der Kirchenleitung, der sich häufig in ausschließlich männlich orientierten Entscheidungen bzw. Verhaltensweisen (männlicher Führungsstil) ausdrückt. Immerhin hat Papst Benedikt XVI. mit der Bemerkung „berechtigte Frage, ob man Frauen nicht auch im Leitungsdienst der Kirche mehr Raum und mehr verantwortliche Positionen bieten“ könne, einen Frauenmangel in „verantwortlichen Positionen“ zu erkennen gegeben. Wie sehr Männer sich für den Einsatz von Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen interessieren, zeigte sich in diesem Jahr ganz besonders an dem Infostand auf der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds zum Internationalen Frauentag. Annelie Hürter ( Foto 1 ) und Karl Graml ( Foto 2 ) führten darüber anregende Gespräche nicht nur mit Frauen, sondern auch mit Männern verschiedener Altersgruppen.

Bundesversammlung in Dresden
TeilnehmerInnen aus dem Bistum Eichstätt nehmen an der vom 23. bis 25. März 2007 in Dresden stattfindenden Bundesversammlung teil. Thema der Versammlung ist: „Gott begegnen vor den Kirchentüren – Geschwisterlichkeit mit Nichtglaubenden“. Nähere Einzelheiten unter www.wir-sind-kirche.de!
Info 13. Februar 2007

Mahnwache „Bischof Müller – es reicht!“ am 10.02.2007

Der liebe Gott meinte es gut am vergangenen Samstag, als Mitglieder des Aktionskreis Regensburg und des Aktionsbündnis Laienapostolat vor dem Regensburger Dom zum wiederholten Mal eine Mahnwache abhielten. Bundesweit waren einige Gleichgesinnte zu dieser Demonstration angereist. Die von der Polizei gezählten 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stießen während der ca. einstündigen Mahnwache auf sehr starkes Interesse der zahlreichen Passanten, die ihre Empörung über die seit vier Jahren herrschende bischöfliche Willkür im Bistum Regensburg zum Ausdruck brachten. Sie erinnerten u. a. an den ehemaligen Diözesanratsvorsitzenden Fritz Wallner, Oberstudienrat Paul Winkler, die Pfarrer Siegfried Felber, Hans Trimpl und Andreas Schlagenhaufer, Schulamtsdirektor Willi Götz und die Professoren Johannes Grabmeier und Anton Jilek.

Auf großes Unverständnis stieß auch die nicht nachvollziehbare Dialogverweigerung von Seiten des Diözesanbischofs und der Versuch, alle Mitglieder kirchenkritischer Gruppierungen als „Kirchengegner“ und „Kirchenfeinde“ zu stigmatisieren. Es wird erwartet, dass Gerhard Ludwig Müller sich für sein Fehlverhalten bei den Betroffenen entschuldigt und sich seiner besonderen Aufgabe als Bischof, Brücken zu bauen, entsinnt.

Die Transparente trugen die Aufschrift: „Bischof Müller – es reicht!“, „Berufen zum Mitentscheiden und nicht zum Abnicken!“ und „Christen-Mut gegen Bischofs-Wut!“. Auf dem Foto sind eine Teilnehmerin aus dem Bistum Münster, zwei Teilnehmer aus dem Bistum Regensburg und je ein Teilnehmer aus den Bistümern Augsburg und Eichstätt zu sehen.

Faschingsinfo 2007

Und es schallt wie aus einem Chor: „Müller vor – noch ein Tor!“ - Regensburger Bischof schießt eigene Tore, so genannte Eigentore

Der Papstbesuch ist vorbei. Der Regensburger Bischof G. L. Müller, humorvoller, schussfreudiger und schussgewaltiger Rechtsaußen der deutschen Bischofsmannschaft, ist wieder so richtig gut drauf. Er schießt ein Eigentor nach dem anderen; und er merkt es nicht. Siehe 'Einsame Spitze!' .Angelo Amato, auf Deutsch: Geliebter Engel, Glaubensverteidiger und Dogmatikkollege in Rom, und Prof. Gero Himmelsbach, Müllers Jurist aus München, haben die Verteidigerrolle übernommen.

Amato lobt den tüchtigen Bischof für seine „Reform, um die diözesanen Regelungen voll und ganz mit den Anforderungen der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils und den Bestimmungen des Codex Iuris Canonici von 1983 in Einklang zu bringen“. War wohl dringend nötig!!!

Neben Äußerungen großer Dankbarkeit bittet Amato den klerikalen Stürmer: „Ihre Erfahrungen auf Ebene der bischöflichen Gremien in einer Weise in die Diskussion einzubringen, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Sakramentalität der Kirche und den daraus sich ergebenden pastoralen Konsequenzen fördert, gerade auch im Blick auf das traditionsreiche System des deutschen Laienkatholizismus.“

Himmelsbach erzielt, als des stürmischen Bischofs Prozessbevollmächtigen, gegen den vom Platz gestellten Oberlaien Fritz Wallner im nächst gelegenen Gerichtsstand Hamburg einen Vergleich.

Das gemeine Kirchenvolk im Bistum Regensburg und außerhalb davon wartet ungeduldig auf die nächsten (Eigen-)Tore, auch wenn einige humorlose „Kirchengegner“ meinen: „Bischof Müller – Es reicht!“

Hinweis: Die vatikanischen Zitate entstammen dem Schreiben des Sekretärs der Glaubenskongregation vom 27.01.2007, wie sie die bischöfliche Pressestelle am 5.02.2007 veröffentlicht hat!

Info 5. Februar 2007
  • Worte und Taten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller
  • Mahnwache „Bischof Müller - es reicht“ am 10.2.07, 5 vor 12 Uhr
Worte und Taten des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller
Einen besonders krassen Widerspruch zwischen dem, was einer sagt oder schreibt und wie er persönlich handelt, erleben wir zurzeit wieder im Bistum Regensburg.

Nach unserer Kenntnis, wohl einmalig in Deutschland und weltweit, hat Bischof Müller am 11.11.2003 ein „Bischöfliches Verbot der Anrufung eines weltlichen Gerichts“ (Der vollständige Text ist unter „Aufgelesen“ auf unserer Homepage nachzulesen!) erlassen. Darin untersagt er mit sofortiger Wirkung „den katholischen Christen der Diözese Regensburg, insbesondere Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern, bei Streitigkeiten, die im Rahmen ihrer kirchlichen Ämter und Aufgaben entstehen, weltliche Gerichte anzugehen. Bei Zuwiderhandlungen droht er Disziplinarmaßnahmen an.

Gerade dieser Bischof begründet dieses Verbot mit Textstellen aus der Heiligen Schrift und dem Kirchenrecht. Streit untereinander sei zu vermeiden, dennoch entstandene Streitigkeiten unter Christen seien schnellstens beizulegen, „möglichst ohne dafür kirchliche, geschweige denn weltliche Gerichte in Anspruch zu nehmen: ‚Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist’ (Mt 5,25)“. Weiterhin verweist er auf can. 1446 § 1: „Alle Gläubigen, vor allem aber die Bischöfe, sollen eifrig bemüht sein, dass Rechtsstreitigkeiten im Gottesvolk ohne Beeinträchtigung der Gerechtigkeit nach Möglichkeit vermieden werden und baldmöglichst friedlich beigelegt werden.“ Siehe "Exzellent Exzellenz!"

Wie sieht nun seine Praxis aus? Er stellt sein eigenes Verbot auf den Kopf, ignoriert zahlreiche Gesprächsangebote und Vergleichsvorschläge und lässt seinen bisherigen Diözesanratsvorsitzenden Fritz Wallner beim Landgericht in Hamburg (!!!) verklagen. Nachdem er mehrere Vergleichsvorschläge des Gerichts und ein schriftliches Angebot Wallners vor über einem Jahr abgelehnt hatte, kam es am 30.01.2007 zu einem Vergleich auf der Basis des schriftlichen Angebots von Herrn Wallner. Die dadurch entstandenen Kosten für Herrn Wallner betragen allein über 4.000 €. Die Kosten des Bistums dürften noch viel höher liegen.

Wenn man bedenkt, in welchem Stil Bischof Müller den Diözesanrat, ohne vorherige Konsultation und Diskussion mit seinen Bischofskollegen und den Mitgliedern des höchsten Laiengremiums, aufgelöst hat (ebenfalls einmalig in Deutschland!), dann wundert man sich nicht, mit welchen Methoden er versucht, kritische Stimmen in seinem Bistum mundtot zu machen. Dabei scheut er sich nicht, sein eigenes Verbot der Anrufung eines weltlichen Gerichts, ad absurdum zu führen. Hatte er nicht in seiner Sylvesterpredigt vor einigen Wochen gesagt: „Es ist doch gar nicht so schwer, zu glauben und als Christ zu leben“? (Siehe dazu auch unsere Info 8.1.07)

Mahnwache „Bischof Müller – es reicht“ am 10.02.07, 5 vor 12 Uhr
Der Aktionskreis Regensburg und das Aktionsbündnis Laienapostolat Regensburg rufen weiterhin zu Mahnwachen „Bischof Müller – es reicht!“ vor dem Regensburger Dom auf. Die beiden nächsten findet statt am Samstag, 10. Februar 2007 und am Samstag, 10. März 2007, jeweils 5 vor 12 Uhr vor dem Westportal des Doms. In einer Erklärung des AKR heißt es dazu: „Mahnwache gegen die unerträglichen Zustände im Bistum Regensburg. Wir wollen verhindern, dass Gras über die vielen unchristlichen Entscheidungen unseres Bischofs wächst. Niemand soll behaupten, die Menschen im Bistum Regensburg seien mit Bischof G. L. Müller und seiner Art der Seelsorge zufrieden. Im Gegenteil: Wir leben in einer Diözese des Misstrauens, der Angst, der Abkehr vom II. Vatikanum.“ Wer dagegen demonstrieren will, ist zur Teilnahme an den Mahnwachen herzlich eingeladen.
Info 25. Januar 2007
  • Zita Treffer gestorben
  • 18. März 2007 „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“
  • Bischof Hanke betont Bedeutung der Ökumene
  • Gesprächseinladung an Eichstätter Bischof
  • WsK-Infostand beim Intern. Frauentag 2007 in Ingolstadt
Zitta Treffer gestorben
Zita Treffer ist am 21.01.07 nach langem Leiden gestorben. Requiem und Verabschiedung finden am 26.01.07, 14 Uhr, in der Kapelle Salesianum Rosental in Eichstätt statt. Mit Zita verliert die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt eine engagierte Anhängerin, vor allem um die Gleichberechtigung der Frauen in unserer Kirche. Wir trauern mit den Angehörigen um ihren frühzeitigen Tod.

18. März 2007 „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“
Im Rahmen unserer Reihe „Wir sind Kirche im Gespräch“ mit Pfarrer Bernhard Oswald (kath. Pfarrei St. Pius in Ingolstadt) und Pfarrer Christoph Drescher (ev. Pfarrei St. Johannes in Ingolstadt) befassen wir uns mit dem Thema „Ökumene – welche Einheit suchen wir überhaupt?“. Die Veranstaltung wird von Katharina Wagner, Mitglied der Ökumenekommission des Bistums Eichstätt, moderiert und findet am Sonntag, 18.03.07, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt statt. Zu dieser Veranstaltung sind alle Christinnen und Christen sehr herzlich eingeladen.
Drei Jahre vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München sollen vor allem die Ziele der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche vorgestellt werden.

Bischof Hanke betont Bedeutung der Ökumene
Beim Neujahrsempfang des Diözesanrats im Bistum Eichstätt betonte Bischof Gregor Maria Hanke, wie sehr er sich dem Auftrag Christi zur Einheit im Glauben verpflichtet sehe. In einer Presseerklärung hieß es: „Zugleich bat er die Christen in den Pfarreien, Verbänden und Räten um ihr Engagement in der Ökumene. Dies gelte besonders in einem Bistum mit seiner Diasporasituation, in dem viele Gläubige in ihren Familien hautnah die schmerzliche Seite der Trennung der Kirchen erfahren.“

Gesprächseinladung an Eichstätter Bischof
Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt hat in einem Schreiben vom 15.01.2007 Bischof Hanke zu einem Gespräch eingeladen. Darin weist sie auf die Hoffnung zu einem Dialog hin. Sie wünscht sich, durch persönliches Kennen- und Verstehenlernen einen Fortschritt in ihren Reformbemühungen.

WsK-Infostand beim Intern. Frauentag 2007 in Ingolstadt
Wie in den vergangenen Jahren informiert die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt mit einem Infostand beim Internationalen Frauentag 2007 über Berufsverbote für Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Der Frauentag in Ingolstadt wird am Samstag, 10. März 2007, von 10 bis 13 Uhr im Foyer des Stadttheaters veranstaltet. Alle Interessentinnen und Interessenten sind herzlich zu Gespräch und Information eingeladen.
Info 8. Januar 2007

„Es ist doch gar nicht so schwer, zu glauben und als Christ zu leben.“
Worte des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller in seiner Sylvesterpredigt 2006


Mit diesem Satz wiederholt Bischof Müller in seiner Predigt zum Sylvestertag eine Aussage von Papst Benedikt XVI. Wer die gesamte, vom Bischöflichen Ordinariat veröffentlichte Predigt nachliest, dem fallen in einem Maße verächtliche Formulierungen auf, die diese Aussage in Frage stellen.

Während der Bischof seinen Verantwortungsbereich (z. B. „höchster sonntäglicher Kirchenbesuch unter allen deutschen Bistümern“, „Bei den Austrittserklärungen aus der Kirche vor dem Standesamt stehen wir im Vergleich an letzter Stelle“, „Das katholische Regensburg leuchtet.“) in höchsten Tönen lobt, äußert er sich über unzufriedene und kritische Gläubige in höchstem Maße verächtlich. Wer ihn kennt, weiß, wen er damit seit seinem Amtsantritt als Bischof meint. Es sind vor allem die Anhänger(innen) des Aktionskreis Regensburg und „Wir sind Kirche“-Regensburg. Er erklärt u. a. „Die Störmanöver von bekannter Seite waren wieder einmal ein Flop.“, „Von einer tragfähigen Antwort auf die jeden Menschen bewegenden Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden, nach Leiden und Tod ist dieses spießige Neuheidentum weiter entfernt denn je.“, „Die gesteuerte Propaganda bestimmter Medien will ein Bild von einer zerstrittenen Diözese verbreiten. Manche hätten das gerne und tun alles dafür, dass sich der Eindruck festsetzt. Diese Fiktion von den ‚Vorgängen und Zuständen in Regensburg’ ist meilenweit entfernt von der pastoralen Realität des Bistums. Aber Ideologen sind stets erfahrungsresistent.“, „Statt sich von notorischen Unruhestiftern in endlose Streitereien verwickeln zu lassen, konzentrieren wir uns auf unsere Sendung: Christus zu verkünden. Seelsorge und Verkündigung haben in Regensburg Vorrang.“

Die Sprache ist verräterisch. Müller war schon als Theologieprofessor nicht fähig, z. B. anderen Meinungen als seiner mit Respekt und Achtung zu begegnen; als Bischof ist er es auch nicht. Wer nicht seiner Meinung ist, den erklärt er zum Kirchenfeind. Dabei geht es diesen, von ihm so bezeichneten „Kirchenfeinden“ um kirchliche Reformen, die keine zentralen Glaubensfragen in Frage stellen. Sie setzen sich für Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, volle Gleichberechtigung der Frauen, freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform, positive Bewertung der Sexualität und Frohbotschaft statt Drohbotschaft ein. Sie tun dies, weil sie und mit ihnen über 2 Millionen Katholikinnen und Katholiken in Österreich und Deutschland bei der Unterschriftenaktion „KirchenVolksBegehren“ sich für Veränderungen ausgesprochen haben, die die Kirche glaubwürdiger machen und das Glauben erleichtern. Ist es im Bistum Regensburg derzeit wirklich „gar nicht so schwer, zu glauben und als Christ zu leben“? Bischof Müller beweist durch seine Äußerungen und sein Verhalten, wie notwendig Reformen im Sinne des KirchenVolksBegehrens sind.
Info 18. Dezember 2006

Weihnachtsgrüße und Neujahrswünsche der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt

Die Diözesangruppe der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ wünscht allen Anhängerinnen und Anhängern der Bewegung, allen Zweiflerinnen und Zweiflern, Kritikerinnen und Kritikern sowie den Gegnerinnen und Gegnern Freude und Friede zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Helmut Reuter, vielen Menschen im Bistum Eichstätt nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Kalendermacher (reuter.helmut@gmx.de) bekannt, hat für das Dezemberblatt das Foto eines Feuers mit dem Spruch von Jean Jaures gewählt: „Tradition heißt nicht Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen halten.“

Dieser Aussage fühlen wir uns als Gläubige in einer Kirchengemeinschaft verpflichtet, die seit 2.000 Jahren trotz mancher Erstarrung und Reform lebt. Im Bistum Eichstätt erhoffen wir uns durch den Bischofswechsel eine stärkere Orientierung an einer Tradition, die sich mehr auf die Zeit und den Geist Jesu, der frühen Christen und des II. Vatikanischen Konzils konzentriert. Wir sehen in der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, dass die Flamme des Glaubens und Vertrauens in unserer Kirche durch Ausuferung des Zentralismus, der Dogmatik und des Kirchenrechts gefährdet ist.

Für das neue Jahr wünschen wir uns allgemein, besonders aber im Bistum Eichstätt, dass die Kirche den Dialog offen und mutig führt, wie es vor wenigen Tagen der scheidende Wiener Weihbischof Dr. Dr. Helmut Krätzl in einem Interview gegenüber der „Wiener Zeitung“ geäußert hat (bei uns unter „Aufgelesen“ nachzulesen!). Wir freuen uns, dass unser neuer Bischof, Dr. Gregor Maria Hanke, ein hörender Bischof sein will und hoffen, dass wir bald Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen und Hören haben.

Info 21. November 2006
  • „Wachsende Nähe zur Bewegung ‚Wir sind Kirche'“ als ein Ausschlussgrund bei der Kirchenverwaltungswahl im Bistum Regensburg
  • Wir sind Kirche-Diözesangruppe im Gespräch mit dem Eichstätter Regens Dr. Josef Gehr über die Priesterausbildung
„Wachsende Nähe zur Bewegung ‚Wir sind Kirche'“

Ein Jahr nach der willkürlichen Auflösung von Laiengremien im Bistum Regensburg versucht die Bistumsleitung den langjährigen ehemaligen Vorsitzenden des Diözesanrats, Fritz Wallner, als Kandidat von der Kirchenverwaltungswahl in Schierling auszuschließen. In einer Pressemitteilung vom 18.l1.06 wird das mit den Worten begründet: „Offener Gegensatz zu den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche, näherhin wegen schwer kirchenschädigenden Verhaltens vor allem im Zusammenhang mit der Regensburger Rätereform, wegen einer wachsenden Nähe zur Bewegung ‚Wir sind Kirche’ und wegen fortgesetzter, öffentlicher Falschbehauptungen über Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller“. Fritz Wallner weist die Anschuldigungen als unbegründet zurück.

Wie lange noch müssen verdienstvolle, engagierte und kritische Laien, die noch nicht resigniert haben, sich dieser fortgesetzten bischöflichen Willkür aussetzen? Wie lange noch kann der Papst dem Schalten und Walten dieses Bischofs zusehen, der eine Reformbewegung, wie Wir sind Kirche, im kirchlichen Sinn kriminalisiert und Gläubigen „wegen einer wachsenden Nähe“ zu dieser Reformbewegung „schwer kirchenschädigendes Verhalten“ vorwirft?

„Wir sind Kirche“ im Gespräch mit dem Eichstätter Regens am 19.11.2006

Nachdem der Eichstätter Regens Dr. Josef Gehr im April d. J. einer Einladung der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt zu einem Gesprächsnachmittag mit Dr. Ulrich Harbecke zum Thema „Beredtes Schweigen – Der Dialog in der Kirche“ gefolgt war, informierte er am 19.11.06 im Rahmen der Reihe Wir sind Kirche im Gespräch über die Priesterausbildung im Bistum Eichstätt. Mit von der Partie war Karl Graml, Mitinitiator und langjähriger Leiter der Jugendvesper im Kloster Plankstetten und Mitglied des Bundesteams der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche. Er ist Cousin von Dr. Josef Gehr. ( Foto 1 ) Zur Zeit kommen von den insgesamt 48 Seminaristen ein Drittel aus dem eigenen Bistum, zwei Drittel aus anderen Bistümern. 5 Diakone werden voraussichtlich 2007 zu Priestern geweiht. Im gleichen Jahr empfangen voraussichtlich 10 Männer die Diakonenweihe. Der Anteil der Spätberufenen beträgt zwei Drittel.

An die ausführliche Information über die Ausbildung von Priestern schloss sich eine lebhafte Diskussion an, die sich auch mit den Themen Zölibat und Frauenordination befassten. Bei einigen TeilnehmerInnen entstand der Eindruck, dass bei Hinweisen auf die Kirche in der Regel die Amtskirche gemeint sei. Die Meinung des Kirchenvolks werde zu wenig beachtet. Die zum Teil kontroversen Ansichten wurden in einer freundlichen und sachlichen Atmosphäre vorgetragen. Im Namen der Diözesangruppe dankte Annelie Hürter dem gelernten Bäcker und Konditor, promovierten Kirchenrechtler und jetzigen Regens mit einem Buchpräsent („Gottes heimliche Kinder“, Töchter und Söhne von Priestern erzählen ihr Schicksal) und drei selbst gebackenen Weckmännern aus Hefeteig ( Foto 2 )

Info 11. Oktober 2006

Pressemitteilung zur Ernennung des neuen Bischofs von Eichstätt

Wir begrüßen die Ernennung von Abt Gregor Hanke zum neuen Bischof von Eichstätt und wünschen ihm in seiner verantwortungsvollen Aufgabe Gottes Segen, Mut und die Fähigkeit, auf Menschen zu hören, Verständnis zu zeigen, Brücken zu bauen, Fernstehende anzusprechen und offenen/ehrlichen Dialog mit allen Christinnen und Christen in seinem Bistum zu führen.

Als Diözesangruppe der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ bieten wir dem neuen Bischof unsere konstruktive Mitarbeit an und hoffen darauf, dass er unsere Sorge um die Zukunft der Kirche sieht (als ein echtes Mitsorgen annimmt). Unsere Reformanliegen im Geiste des II. Vatikanischen Konzils und der darauf aufbauenden Theologie und pastoralen Praxis werden von vielen Frauen und Männern vertreten. Diesen Menschen, die seit über zehn Jahren eine Amtskirche in Abwehrhaltung gegenüber Reformerwartungen erlebt haben, wieder Hoffnung und Zuversicht auf eine zeitgemäßere Kirche zu geben, ist unser besonderer Wunsch.

Als mündige Christinnen und Christen wollen wir uns wieder auf eine gestärkte Glaubensgemeinschaft freuen, in der jede und jeder sich ernst genommen fühlt und sich mit der katholischen (allgemeinen) Kirche identifizieren kann.

So wichtig ein vertrauensvolles Verhältnis des neuen Bischofs zu Papst und Bischofskollegen ist, entscheidend wird die Sorge und die Beziehung zu allen Gläubigen in seinem Bistum sein. Er ist in erster Linie für sie da und sollte im Sinne des Apostels Paulus „nicht als Herr über den Glauben, sondern als Diener unserer Freude“ handeln (2 Kor 1,24).


Info 1. Oktober 2006

  • „Zwischen Papstbegeisterung und Reformdruck“
  • 19.11. 2006: „Wir sind Kirche“ im Gespräch mit dem Eichstätter Regens

„Zwischen Papstbegeisterung und Reformdruck“

Bei „Perspektive Deutschland“, einer Initiative von Mc Kinsey, Stern, ZDF und WEB.DE ist im Juli 2006 eine Sonderauswertung zur katholischen Kirche mit dem Titel „Zwischen Papstbegeisterung und Reformdruck“ erschienen. Sie beruht auf einer Befragung von mehr als 620.000 Deutschen, darunter 149.000 KatholikInnen, in der Zeit von Oktober 2005 bis Januar 2006und ist bei uns in voller Länge unter „Aufgelesen“ zu finden. Hartmut Meesmann hat in Publik-Forum Nr. 18/2006 unter der Überschrift „Besseres Image, doch wenig Vertrauen“ zu den repräsentativen Umfrageergebnissen Stellung genommen.

Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt weist besonders auf folgende Ergebnisse hin:
Die katholische Kirche steckt in einer Vertrauenskrise
Die Hauptherausforderung der katholischen Kirche scheint demnach das fehlende Vertrauen in die Institution Kirche zu sein. Während in den letzten Jahren die katholische Kirche, vor allem wegen der Ereignisse um den Papst, Imagegewinne verzeichnen konnte, steckt die Institution katholische Kirche in einer schweren Vertrauenskrise. Fast jeder zweite Deutsche hat weiterhin kein Vertrauen in die katholische Kirche als Institution (45 %). (Hohes) Vertrauen haben nur 11 % der Befragten. Lediglich 6 % der Nichtkatholiken schenken der katholischen Kirche (hohes) Vertrauen. 52 % der Nicht-Katholiken haben kein Vertrauen in die katholische Kirche. 26 % der Katholiken haben (hohes) Vertrauen und 23 % kein Vertrauen in ihre Kirche. Bei den „aktiven Katholiken“ ist das (hohe) Vertrauen in die Kirche gegenüber 2002 um 4 % auf 56 % zurückgegangen. Von ihnen haben 5 % kein Vertrauen in die Institution Kirche. Bei der Aufteilung nach Regionen ergibt sich ein Nord-Süd-Gefälle. Im Norden haben 31 % der Katholiken (hohes) Vertrauen, 19 % kein Vertrauen. In Bayern sind 25 % mit (hohem) Vertrauen und 24 % mit keinem Vertrauen in ihre Kirche.

Die Vertrauenskrise erzeugt Handlungsbedarf
Der Autor der Studie, Dr. Thomas von Mitschke-Collande, schreibt: „Welche Gründe auch immer für das individuelle Vertrauen eines Menschen in eine Institution den Ausschlag geben mögen: Ohne eine solide Vertrauensbasis kommt die Institution nicht aus. Der offenkundige Vertrauensmangel erzeugt dringenden Handlungsbedarf.

Ohne Vertrauen entsteht unter Mitarbeitern und Kirchenmitgliedern keine Bereitschaft, sich zu engagieren. Gleichzeitig macht eine solide Vertrauensbasis die Kirche attraktiv für Menschen, die auf der Suche nach Gemeinschaft, Glauben und Halt sind. Schließlich braucht die Kirche einen soliden Rückhalt in der Bevölkerung, um ihren gesellschaftlichen und politischen Einfluss geltend zu machen. Und letztlich schafft nur Vertrauen die Voraussetzung dafür, dass die Gläubigen einen Umbau der kircheneigenen Strukturen auf breiter Basis akzeptieren.“

Ein besseres Image allein reicht nicht aus
„Allerdings zeigen die Ergebnisse von Perspektive-Deutschland 2005/6 auch, dass der Vertrauensaufbau mehr erfordert als eine Imagekorrektur. Die von den Befragten verlangten Veränderungen greifen tiefer: Sie müssen die Kirche in die Lage versetzen, Antworten auf die aktuellen Lebensfragen der Menschen und der Gesellschaft zu geben. Dabei ist die katholische Kirche gehalten, eine Sprache zu finden, die auch diejenigen Menschen erreicht, die ihr heute fern stehen. Denn während die Zahl der Bürger ohne Bezug zur Kirche wächst, schrumpft die Zahl der Katholiken in Deutschland: Seit 1990 hat sie sich um 2,27 Millionen bzw. um 8 % verringert. Heute machen die knapp 26 Millionen Katholiken nur noch ein knappes Drittel der deutschen Bevölkerung aus (31,5 % gegenüber 42,7 % im Jahr 1989 im früheren Bundesgebiet).

Befragung bestätigt die Reformforderungen von „Wir sind Kirche“
Wer die Meinung des Kirchenvolks in Deutschland 1995 beim KirchenVolksBegehren kennen gelernt hat, wundert sich nicht, dass 10 Jahre danach bei einer repräsentativen Umfrage, wie die vorgenannte, ein wachsender Reformbedarf in der römisch-katholischen Kirche festgestellt wird. Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer Umfragen, z. B. Sinusstudie 2006, Eurobarometer 61 in 2004, Gallup-Umfrage zu „Vertrauen in Institutionen“ in 2002.

Die Reformverweigerung der katholischen Kirchenleitung in Verbindung mit einer andauernden Dialogverweigerung, z. B. über jede Reformforderung der KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ ernsthaft und angstfrei zu sprechen, wird das Vertrauen in die Institution weiter schwächen. Konstruktive und geduldige Kritik wird immer noch nicht ernst genommen, sondern als Angriff auf das Lehramt abgewehrt. Dabei bedienen sich einige Bischöfe, wie der Regensburger, eines bezeichnenden Vokabulars, in dem von Kirchengegnern, sogar Kirchenfeinden die Rede ist. Sie erwarten von „ihren Schafen“ bedingungslose Anpassung. Sie glauben durch eine sogenannte Neuevangelisierung überfällige Strukturveränderungen in der römisch-katholischen Kirche ersetzen zu können.

Die Unterschriftenaktion „KirchenVolksBegehren“ (über 2 Millionen KatholikInnen in Österreich und Deutschland) und Meinungsumfragen, wie die von „Perspektive-Deutschland“, konnten noch die KatholikInnen erreichen, die auf Distanz zur Kirche gegangen sind und die Hoffnung auf Umsetzung von Reformen aufgegeben haben. Sie äußern sich nicht mehr in der Institution Kirche und engagieren sich nicht mehr.

Wird die Kirchenleitung weiterhin die Ergebnisse von Befragungen, Voten und Fakten ignorieren oder die Augen durch eine ungefärbte Brille öffnen und die richtigen Konsequenzen ziehen? Es geht bei der Kirche in erster Linie um Glaubwürdigkeit. Sie zu verbessern hilft, den Glauben an Gott in der Kirchengemeinschaft zu beflügeln.


„Wir sind Kirche“ am 19.11.2006 im Gespräch mit dem Eichstätter Regens

Wir weisen auf unsere nächste Veranstaltung am 19.11.2006, 15 Uhr, im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater in Ingolstadt hin und laden alle ChristInnen, die sich für die Priesterausbildung im Bistum Eichstätt interessieren, sehr herzlich ein. Nach dem Referat von Regens Dr. Josef Gehr besteht eine gute Möglichkeit, viele Fragen anzusprechen und zu klären. Der Gesprächsnachmittag endet spätestens an diesem Sonntagnachmittag um 18 Uhr.
Info 20. September 2006
  • Rückblick auf den Papstbesuch in Bayern
  • Bundesversammlung „Wir sind Kirche“ vom 27. bis 29.10.06 in Augsburg
Rückblick auf den Papstbesuch in Bayern
In einer freudigen und friedlichen Atmosphäre verlief der Besuch des Papstes in seiner alten Heimat. Der Papst ist als freundlicher, bescheidener, sympathischer Mensch aufgetreten. Wer allerdings konkrete Antworten auf die Fragen von heute und morgen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Von Papst Benedikt XVI. gingen keine neuen Impulse z. B. zu den Themen wiederverheiratete Geschiedene, Ökumene, Zölibat, Stärkung der Laien oder Diakonat der Frauen aus. Er beklagte z. B. die Schwerhörigkeit der Gläubigen Gott gegenüber. Wir hätten uns gewünscht, dass er bei dieser Frage nach den Ursachen selbstkritisch die zu geringe Glaubwürdigkeit der Amtskirche angesprochen hätte. Auch der von ihm beklagte Priestermangel hängt unserer Überzeugung weniger von Glauben und Gebet ab, als vielmehr davon, dass der Papst und seine Bischofskollegen sich beharrlich weigern, notwendige Reformen anzupacken ( z. B. Frauen zum Priesterdienst zulassen und den Zwangszölibat aufzuheben). Die (Wieder)Zulassung von verheirateten Priestern und Priesterinnen, DiakonInnnen und PastoralreferentInnen oder „viri probati“ könnte kurzfristig die pastorale Situation verbessern. Zur Kritik am Papstbesuch weisen wir auf die Äußerungen von Prof. Paul Zulehner und Prof. Hans Küng hin, die wir unter „Aufgelesen“ veröffentlichen.

Prof. Wolfgang Beinert äußerte in einem Telefonat mit dem Bayerischen Rundfunk, das am 17.9.06 in B5 aktuell ausgestrahlt worden ist, dass man vom Papst auf dieser Reise nichts Revolutionäres hätte erwarten dürfen. Der Papst habe in seine Predigten oder Ansprachen versucht, von innen die Dinge aufzusprengen. Wenn man das alles ernst nehme, was er gesagt habe, könne vieles in der Kirche nicht so bleiben, müsse sich sehr vieles ändern.

„Wir sind Kirche“-Bundesversammlung am letzten Oktoberwochenende in Augsburg
Die 20. Bundesversammlung von „Wir sind Kirche“ findet vom 27. bis 29. Oktober 2006 in Augsburg statt. Schwerpunkt wird am Samstag das Referat des Pastoraltheologen Prof. Hanspeter Hein „Gemeinde – die uneingelöste Vision“ und die anschließende Podiumsdiskussion sowie die Gruppenarbeit zu dem Thema „Gemeindevisionen“ sein. Näheres ist auf der Homepage des Bundesteams veröffentlicht.

Wer an einer Mitfahrgelegenheit am 28.10.06 ab Ingolstadt interessiert ist, wird gebeten, sich bis 20.10.06 mit Walter Hürter, Telefon und Telefax 0841/33704 oder E-Mail whuerter@web.de in Verbindung zu setzen.

Info 30. August 2006

Der Chef kommt! – Papstbesuch in Bayern etwas anders betrachtet - Besucher mit Herz und Hirn empfangen

Wenn der Chef kommt wird versucht, ihn freudig zu empfangen und ihm einen maximal guten Eindruck von den Besuchten und vom Besuchsort zu vermitteln. Es wird gewienert und poliert. Eine Gastfreundlichkeit wird an den Tag gelegt, wie sie sonst keiner erfährt. Festlich gekleidet genießen die Besucher- und Besucherinnen die Gnade des hohen Besuchs. Jeder kann dieses Verhalten der „Untergebenen“ gegenüber der „Obrigkeit“ in fast allen gesellschaftlichen Bereichen beobachten: Bei Behörden, bei Wirtschaftsbetrieben, in der Politik, in der Kirche oder bei Militär, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wer wollte auch etwas gegenüber ausgeprägter Gastfreundschaft haben, zumal einer von uns aus Bayern, der immer wieder seine Heimatliebe zum Ausdruck gebracht hat, als Papst nach Hause kommt? Er verdient einen herzlichen Empfang.

Neben einer herzlichen Begrüßung sollten aber auch Fragen an den Besucher gestellt werden, der als langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation und seit über einem Jahr als Papst maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass notwendige Kirchenreformen verhindert worden sind. Diese waren von einem seiner Vorgänger, Johannes XXIII., und dem II. Vatikanischen Konzil, in dem er beratend tätig war, begonnen worden. Johannes XXIII. hatte die Fenster der Kirche weit geöffnet, die Johannes Paul II. weitgehend wieder verschlossen hat. Anstelle eines frischen Windes wurde aus Angst vor Veränderungen die Luft wieder dünn, vor allem für neue Ideen. Der Machtanspruch des Papstes wurde betont. Die so genannte Neuevangelisierung führte wieder zu verstärkter Klerikalisierung und Entmündigung der so genannten Laien. Statt Dialog erlebten die Gläubigen wieder Monolog, wie vor dem Konzil.

Die Folgen dieser autoritären Kirchenpolitik:
  • Kirchenaustritte
  • weitgehende Resignation bei den Menschen
  • Polarisierung
  • Niedergang des kirchlichen Gemeindelebens
  • Priestermangel
  • Behinderung der Ökumene vor Ort
um nur einige zu nennen.

Hoffnungsvolle Aktionen, wie das KirchenVolksBegehren 1995, in dem sich allein in Österreich und Deutschland innerhalb weniger Wochen über 2 Millionen Gläubige für Reformen (z.B. geschwisterliche Kirche, volle Gleichberechtigung der Frauen, Freiwilligkeit des Zölibats, Froh- statt Drohbotschaft) ausgesprochen haben, ignorierte, störte und sogar bekämpfte die Kirchenhierarchie. Wurde während des Konzils offen diskutiert und gestritten, so setzte in den letzten 20 Jahren zunehmend eine Erstarrung ein. Die Ausübung der Zentralgewalt durch Rom zwang z. B. die überwältigende Mehrheit der deutschen Bischöfe trotz besserer Einsicht zum Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung. Bei der Ernennung von Bischöfen wurde mehr auf Romtreue als auf die persönliche Qualifikation für das Bischofsamt geachtet. Die Folgen dieser verfehlten Personalpolitik führten z. B. in Eichstätt, Köln, St. Pölten und Regensburg zu schweren Vertrauenskrisen. Während in St. Pölten schließlich durch Rom die Notbremse gezogen worden ist, verbreitet Bischof Müller von Regensburg weiterhin Unheil. So kann er offensichtlich mit Duldung oder sogar Unterstützung durch den Papst Anhänger und Anhängerinnen des Aktionskreis Regensburg (AKR) und der KirchenVolksBewegung (Wir sind Kirche) als Kirchengegner, ja als Kirchenfeinde diffamieren. Das ist nicht hinnehmbar.

Die sehr engagierten Mitglieder dieser Reformgruppen und die Mehrzahl der Gläubigen im Bistum Regensburg erwarten vom Papst Benedikt XVI. aus Bayern ein deutliches Zeichen für eine Wende vom Monolog zum Dialog, von der Einschüchterung zur Freiheit, vom Gehorsamsanspruch des Lehr- und Leitungsamts zur Rückbesinnung auf die Worte und Taten Jesu Christi, auf seinen Geist und seine Barmherzigkeit. Dann wird die Kirche wieder glaubwürdig.

Papst Benedikt XVI. ist klug und persönlich bescheiden. Das sind gute Voraussetzungen, auch in seinem Amt diese Tugenden zu praktizieren. Wir wünschen ihm dazu Gottes Segen und die Fähigkeit zu Integration.

Wie auch in anderen Institutionen werden in der Kirche Missstände beklagt, Personalentscheidungen kritisiert und Unzufriedenheit ausgedrückt gegenüber denjenigen, die dafür meistens nicht verantwortlich sind, z. B. ReferentInnen in der Bildungsarbeit, PfarrgemeinderätInnen, Pastoral- oder GemeindereferentInnen, Kapläne oder Pfarrer, MitarbeiterInnen in den Bistumsverwaltungen. Derjenige, wie der Papst, der die Hauptverantwortung, auch für Missstände trägt, wird bei seinem persönlichen Auftreten in der Regel nur Artigkeiten erfahren. Das ist zu wenig. Es ist zu hoffen, dass seine Reise durch Bayern eine wirkliche Pastoralreise ist und nicht nur eine gut organisierte und aufwändige Jubelreise. Wie heißt es doch schon in der Bibel: „Die Wahrheit wird Euch frei machen!“. Seelsorge heißt: Suche vor allem das Gespräch mit den Menschen, mit allen, nicht nur mit den Jubelnden, auch mit den Kritikern. Höre zu und versuche zu verstehen. Alle wollen beachtet und ernst genommen werden.
Info 12. Juli 2006
  • „Durchblick“ in Regensburg
  • Papstbesuch in Regensburg und Hinweis auf die „Pipeline“
„Durchblick“ in Regensburg
Ludwig Gerhard Müller, Bischof von Regensburg, gewährt auf „seiner“ Homepage für alle Interessentinnen und Interessenten einen „Durchblick“. Das scheint nötig zu sein! Blicken doch in seinem Bistum und darüber hinaus unzählige Gläubige nicht mehr durch, inwieweit sein autoritäres Auftreten als allgewaltiger Bischof noch mit den Anforderungen an einen katholischen Bischof, der dem Dialog verpflichtet ist, übereinstimmt. Er glaubt offenbar, dass er mit dem „Durchblick“ zu einer „Versachlichung“ beiträgt. Angebliche „unzutreffende Behauptungen“ werden mit angeblichen „Tatsachen“ konfrontiert. Dazu bemüht er „interessante Zuschriften“, die zu einem beachtlichen Teil Leserbriefe an die „Die Tagespost“ sind. Alle Briefe zeichnen sich durch eine sehr einseitige und bischofskonforme Sichtweise aus. Diese Einseitigkeit kennzeichnet ebenfalls die Darlegung der „unzutreffenden Behauptungen“ und „Tatsachen“. Wer in seriöser Weise den „Durchblick“ verschaffen will, engt nicht ein und bedient sich nicht wertender Formulierungen, wie z.B. „kirchenferner Gruppierungen“, wenn er die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ oder den „Aktionskreis Regensburg“ erwähnt. Sein „Durchblick“ vermittelt ein „schräges Bild“, dass die Wirklichkeit verzeichnet und offensichtlich nur dazu dient, ihn ins „rechte Licht zu rücken“. Wir empfehlen allen, den „Durchblick“ als angeblichen Beitrag zur „Versachlichung“ zu lesen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie finden ihn unter www.bistum-regensburg.de . Darüber hinaus empfehlen wir, um nicht einäugig zu sein bzw. zu werden, die Homepage des Aktionskreis Regensburg http://www.akr-aktionskreis-regensburg.de und http://www.wsk-regensburg.de zu besuchen. Wer noch nicht oder unvollkommen über die Zustände im Bistum Regensburg informiert ist, dem werden die Augen aufgehen, und zwar beide.

Papstbesuch in Regensburg und Hinweis auf die „Pipeline“
Bevor in genau zwei Monaten der Papst Regensburg besucht, empfehlen wir die Gedanken von Alfred Heuberger (AKR) mit dem Titel „Papstbesuch – ein Fest des Glaubens für Bischof Müller“ zu lesen. Sie sind den Seiten 34 und 35 der gerade erschienenen „Pipeline“ entnommen und auf unserer Homepage unter dem gleichen Titel unter „Aufgelesen“ veröffentlicht. Die „Pipeline“, Mitteilungsblatt des AKR, hat seit der kurzen Amtszeit von Gerhard Ludwig Müller eine Auflagensteigerung um über 30 % erfahren. Das seit über 40 Jahren erscheinende Heft hat derzeit eine Auflage von 800 Exemplaren. Es erscheint zweimal im Jahr und kostet 7 €/Jahr. Es informiert ausführlich und kritisch und kann unter der Internetadresse http://www.josef-bayer.de/akr/pipeline/index.htm bestellt werden.

Info 20. Mai 2006
  • „Wir sind Kirche“ beim Katholikentag
  • Namhafte KirchenvertreterInnen im Bistum Linz/Donau sprechen sich für Frauenordination aus.
„Wir sind Kirche“ beim Katholikentag

Während des Katholikentags (24.-28.5.06) in Saarbrücken veranstaltet die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ vier Großveranstaltungen, von denen sie bei einer außerhalb des Katholikentag-Programms als Mitveranstalterin auftritt. Unter der Moderation von Britta Baas von Publik-Forum diskutieren die Professorin Johanna Haberer und die Professoren Fulbert Steffensky und Gotthold Hasenhüttl über das Thema ‚„ Wo kämen wir hin…?“ Nicht nur beim Abendmahl: Der Skandal der Trennung’. Die drei anderen Veranstaltungen mit namhaften ReferentInnen befassen sich mit den Themen „Braucht Mutter Kirche nur breave Kinder? Den Christinnen und Christen die Freiheit“, „Sind die Gemeinden noch zu retten?“ und „Kirche wird ökumenisch sein – oder sie wird gar nicht sein“. Näheres dazu auf der Homepage des Bundesteams.

Auch diesmal finden wieder die „Gespräche am Jakobsbrunnen“ statt, die in der Vergangenheit sehr gefragt waren, weil die Gelegenheit besteht, in einem kleinen Kreis Gespräche mit bekannten VertreterInnen der christlichen Kirchen zu führen. U. a. dabei: Prof’in Irmtraud Fischer (Graz), Magdalene Bogner, kfd (Düsseldorf), Pierre Stutz (Lausanne), Prof. Fulbert Steffensky (Hamburg), Prof. Peter Neuner (München), Prof. Hanspeter Heinz (Augsburg) Prof. Lüdicke (Münster). Weitere Infos beim Aushang am Stand auf der Kirchenmeile B. 103, Sechseck-Zelt, Bahnhofstr./Ecke Viktoriastr. oder auf der Homepage des Bundesteams.

Namhafte KirchenverteterInnen im Bistum Linz sprechen sich für Frauenordination aus.

Nach Pressemeldungen von „kath.net“ und „kreuz.net“ hat die Interessengemeinschaft der Linzer Laientheologen bei einer Versammlung von ihrem Bischof die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern (weil im Licht der theologischen Forschung das Amt als Ereignis der Kirche zu sehen sei und nicht als unmittelbar vom historischen Jesus eingesetzt) gefordert. Außerdem sprach sich Altbischof Aichern für die Zulassung von Frauen zum Diakonat aus. Der Linzer Regens und ehemalige Generalvikar Mittendorfer vertritt die Auffassung, dass die Öffnung von Weiheämtern für Frauen möglich sei. Die Vorsitzende der Frauenkommission im Bistum Linz Schwarzbauer-Haupt und die Frauenbeauftragte des Bistums betonten: „In der frühen Kirche hat es Diakoninnen gegeben. Nur wird in den Bibelübersetzungen dasselbe Wort bei Männern mit Diakon, bei Frauen aber mit Dienerin wieder gegeben.“ Der Linzer Diözesanbischof Schwarz bat darum, man müsse die Entscheidungen der Weltkirche respektieren. Es stelle sich die Frage, „ob man nach den klaren Entscheidungen Roms dieses Anliegen immer wieder zur Sprache bringen soll“. Der ehemalige Weihbischof von Wien, Helmut Krätzl, hatte im Mai 2003 erklärt: „Die Frauenfrage war schon von Johannes XXIII. 1963 als wichtigstes ‚Zeichen der Zeit’ erkannt. Die Frauenfrage wird schließlich zur Schicksalsfrage der Kirche werden.“


Info 7. Mai 2006

  • Heute ist der Weltgebetstag für geistliche Berufe – „Wir sind Kirche“ forderte gestern in Eichstätt erneut die Zulassung von Frauen zum Dienst der Diakonin und Priesterin
  • „Die Kirche muss erstmal wieder bei sich selbst anfangen …“
Weltgebetstag für geistliche Berufe – „Wir sind Kirche“ forderte gestern erneut die Zulassung von Frauen zum Dienst der Diakonin und Priesterin

Erzbischof Schick von Bamberg war als Metropolit der nordbayerischen Kirchenprovinz am Samstag, 6.5.06 nach Eichstätt gekommen, um im Dom 10 Diakone, von denen 8 aus anderen Bistümern stammen, zu Priestern zu weihen. Nach der Feier passierte die Prozession mit Neupriestern, Alumnen, Klerikern, Ministrantinnen und Ministranten und anderen sowie Erzbischof Ludwig Schick den Residenzplatz. Unterhalb der Mariensäule konfrontierten Mitglieder der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt die Vorbeiziehenden mit der Forderung „Frühling in die Kirche!“ und der Frage „Wo sind die Frauen?“ (Foto 1) . Sehr unterschiedlich waren die Reaktionen. Während viele Gläubige freundlich und zugewandt grüßten, schienen einige irritiert bis verärgert. Ein junger Pfarrer rief den Demonstrierenden auf die Frage „Wo sind die Frauen?“ zu, dass eine auf der hohen Säule steht. Ihm wurde von den Angesprochenen entgegnet: „Das reicht uns nicht!“ Schärfer war die Tonart von zwei jungen Männern, die fragten, ob die Demonstrantinnen und Demonstranten Christen seien. Mit einigen Bibelzitaten, Beschimpfungen und dem Vorwurf, zu stören, ließen sie ihrem Unmut in aggressiver Weise freien Lauf und entfernten sich.

Es ist schon auffallend, dass der Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche, der zwar dogmatisch nicht gewollt, aber pastoral notwendig und theologisch begründet ist, von manchen Katholiken als Missachtung der Männer empfunden wird. Wie viel lockerer und unverkrampfter verhielten sich an diesem Tag die vorbeiziehenden Ministrantinnen (Foto 2) ? Ihnen ist wohl nicht bewusst, wie lange es in der römisch-katholischen Kirche gedauert hat, bis Mädchen und Frauen zum Altardienst zugelassen worden sind. Erst der Mangel an Ministranten hat auf breiter Front dazu geführt, dass sie nicht mehr länger ausgeschlossen werden. Wer will heute allen Ernstes behaupten, Ministrantinnen seien für den Dienst am Altar nicht geeignet?

Die Mitglieder von „Wir sind Kirche fordern nicht nur am heutigen Weltgebetstag für geistliche Berufe die Zulassung von Frauen zu allen geistlichen Berufen, sondern sie beten trotz aller Widerstände weiterhin dafür. Der gestrige Frühlingstag in Eichstätt bei Sonnenschein und kräftigem Wind und aufbrechender Natur passte sehr gut zu dem Motto von „Wir sind Kirche“: „Frühling in die Kirche! Der Aufbruch zu Reformen im Sinne des KirchenVolksBegehrens soll endlich beginnen, wie es allein im deutschsprachigen Raum vor mehr als 10 Jahren mehr als 2 Millionen Katholikinnen und Katholiken gefordert haben.

„Die Kirche muss erstmal wieder bei sich selbst anfangen …“

Mit diesen Worten erklärt der Prior Pater Rufus den Rückzug von der Kirche und in seinem Gefolge die Schließung des weltbekannten Dominikanerkloster Walberberg bei Köln. Er erklärte u. a.: „1963 waren wir noch 120 Dominikaner hier im Kloster. Heute sind es noch 10.“ Der fehlende Nachwuchs sei nicht die einzige Ursache für die gegenwärtige Situation. Sie werde durch ein schrumpfendes Vertrauen in die Kirche verstärkt. Die Kirche als Institution werde in Frage gestellt und Spiritualität nicht mehr im Kontext der Kirche gesucht. Daran würde auch der Kölner Weltjugendtag nichts ändern, sagte Pater Rufus: „Die Leute, die das meinen, lügen sich in die Tasche – der Alltag in den Gemeinden sieht anders aus.“ Der Weltjugendtag sei für ihn einfach nur ein Event gewesen. Die ausführliche Pressemeldung ist unter „Aufgelesen“ auf unserer Homepage nachzulesen.


Info 2. Mai 2006

  • Priesterweihe und Aktion „Wo sind die Frauen?“ am 06.05.06 in Eichstätt
  • Verfolgung von „Wir sind Kirche“-Anhängern im Bistum Regensburg hält an
Priesterweihe und Aktion „Wo sind die Frauen?“ am 06.05.06 in Eichstätt
Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg wird am 6. Mai 2006 in Eichstätt 10 Neupriester weihen, von denen 2 aus dem eigenen Bistum stammen. Wir wünschen allen Männern Gottes Segen und die Fähigkeit, ihre zukünftige seelsorgliche Arbeit als Dienst an den Menschen zu verstehen.

An diesem Tag werden Mitglieder der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt mit dem Transparent „Wo sind die Frauen?“ auf dem Weg vom Dom zum Bischofspalais von 11 bis 12 Uhr auf die fehlende Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche aufmerksam machen. Noch immer werden Frauen, ohne bibeltheologische Begründung, daran gehindert, ihre Berufung zur Diakonin oder Priesterin zu leben. Die Kirchenleitung hat das Recht und die Pflicht, diese Berufungen anzuerkennen. Die Kirche braucht dringend, nicht nur wegen des unverantwortlichen Priestermangels, Frauen als Seelsorgerinnen und Gemeindeleiterinnen im Dienst der Verkündigung und der Diakonie.

Verfolgung von „Wir sind Kirche“-Anhängern im Bistum Regensburg hält an.

Paul Winkler, Vorsitzender von „Wir sind Kirche“ im Bistum Regensburg, wurde von Bischof Müller vor einiger Zeit wegen seiner Aktivitäten in der Reformbewegung die „Missio canonica“ als Religionslehrer entzogen. Den Entzug bestätigte vor kurzem die Kleruskongregation in Rom als rechtmäßig. Unter der Überschrift „Entzugserscheinungen im Vatikan“ verfasste Norbert Sommer in „Publik-Forum“ Nr. 8/2006 einen Artikel, den wir unter „Aufgelesen“ veröffentlichen.

In seiner Pressemitteilung vom 4.4.06 weist das bischöfliche Ordinariat ausdrücklich darauf hin: „… den Verlust der Missio canonica zu vermeiden, in dem er (Winkler) auf eine künftige Kandidatur als Vorsitzender von „Wir sind Kirche“ verzichte.

Damit ist Paul Winkler nicht das erste Opfer einer bischöflichen Ausgrenzungspolitik im Bistum Regensburg. Es wird höchste Zeit, dass der frühere Präfekt der Glaubenskongregation und jetzige Papst Benedikt XVI. noch vor seiner Reise in seine alte Heimat Regensburg klarstellt, dass „Wir sind Kirche“ nicht nur durch seine Teilnahme am „Dialog für Österreich“, sondern auch als Dialogpartner im Bistum Regensburg ernst genommen und nicht diffamiert wird. Wie lauten doch die Reformforderungen von „Wir sind Kirche“ noch einmal? - Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, volle Gleichberechtigung der Frauen, freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform, positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen, Frohbotschaft statt Drohbotschaft – Sind das die zentralen Glaubensfragen der Kirche oder Fragen, durch die die Kirche an Glaubwürdigkeit gewinnen wird?


Info 4. April 2006
  • Veranstaltung zum Dialog in der Kirche am 2.04.06 stieß auf reges Interesse
  • Aktion "Wo sind die Frauen?" am 6.05.06 nach der Priesterweihe in Eichstätt
  • Nächste Veranstaltung "Im Gespräch mit Regens Gehr: Priesterausbildung in Eichstätt" 19.11.06, 15 Uhr
Veranstaltung zum Dialog in der Kirche am 2.04.06

Die "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt hatte Dr. Ulrich Harbecke aus Erftstadt eingeladen, um mit ihm und zahlreichen Gästen üder den Dialog in der Kirche zu reden. Als Gäste konnte Sie u.a. den Eichstätter Diözesanrats-vorsitzenden Dieter Salomon, den Eichstätter Regens Dr. Josef Gehr und die "Wir sind Kirche"-Bundesteammitglieder Sigrid Grabmeier, Karl Graml und Christian Weisner und die Ruhestandseelsorger Pater Dasch und Paul Hauber begrüßen. Sehr überzeugend legte Dr. Harbecke dar, dass nicht Monolog, sondern Dialog die unverzichtbare Sprachform der Kirche ist. Trotz der bisher ausgrenzenden Erfahrung sieht sich die Diözesangruppe durch die Veranstaltung und die Äußerungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern in ihrem Ziel bestätigt, diesen Weg weiter zu beschreiten. Dabei will sie selbstbewusst und deutlich im Gespräch die Themen der Zeit ansprechen und verfolgen, die viele Vertreter der Amtskirche zum Tabu erklären. Auf dem Foto von links: Christian Weisner, Dieter Salomon und Sigrid Grabmeier.

Aktion "Wo sind die Frauen?" am 06.05.06 in Eichstätt

Nach der Priesterweihe in Eichstätt, die Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg vornehmen wird, wollen Mitglieder der "Wir sind Kirche"-Diözesangruppe Eichstätt wie in früheren Jahren, die Frage "Wo sind die Frauen?" stellen. Damit soll daran erinnert werden, dass Frauen, die sich zum Priesterdienst berufen fühlen, ohne bibeltheologische Gründe diskriminiert werden. Auch diese Aktion ist nicht gegen die geweihten Neupriester gerichtet, wie es manche Gläubige in der Vergangenheit empfanden und diese Demonstration als Störung angesehen haben.

"Priesterausbildung in Eichstätt"

In der Reihe "Wir sind Kirche im Gespräch" wollen wir uns mit Regens Dr. Josef Gehr am 19.11.06 im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt treffen. Zu dieser Veranstaltung laden wir schon jetzt alle Interessierten sehr herzlich ein.


Info 19. März 2006
  • 02. 03. 2006: Dr. Ulrich Harbecke kommt nach Ingolstadt
  • 11.03. 2006: „Wir sind Kirche“ beim Int. Frauentag in Ingolstadt
  • 18.03. 2006: Magdalena Bogner zu „Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ in Ingolstadt
Dr. Ulrich Harbecke am 02.03.06 in Ingolstadt

Nachdem die Ingolstädter Pfarrer, Mitglieder des Diözesanrates und des Domkapitels von uns persönlich zu der am 02.03.06 in Ingolstadt stattfindenden Veranstaltung „Beredtes Schweigen – Der Dialog in der Kirche“ persönlich eingeladen worden sind, weisen wir auch an dieser Stelle noch einmal darauf hin. Referat und Aussprache mit Dr. Ulrich Harbecke, Erftstadt, finden im Gasthof Anker, Tränktorstr. 1, gegenüber Stadttheater, in Ingolstadt statt. Beginn: 15 Uhr, Ende 18 Uhr. Wir freuen uns über jede und jeden am Dialog in der Kirche Interessierten.

„Wir sind Kirche“ am 11.03.06 beim Int. Frauentag in Ingolstadt

Reges Interesse zeigten Besucherinnen der DGB-Veranstaltung am Infostand von „Wir sind Kirche“ und drückten ihre Empörung vor allem darüber aus, dass Frauen in der römisch-katholischen Kirche immer noch nicht gleichberechtigt sind. Vor allem die Verweigerung, Frauen als Diakoninnen und Priesterinnen zuzulassen wird als unerträglich angesehen. Bibeltheologisch sei diese Diskriminierung der Frauen nicht begründet. In Anspielung auf die „Regensburger Verhältnisse“ wurde Bischof Gerhard Ludwig Müller als Vorreiter gegen die Frauenordination ( Foto ) bezeichnet. Hatte dieser noch als Dogmatikprofessor Befürworter und Befürworterinnen in seinem „Die Tagespost“-Artikel vom 23.03.02 „Wer hat das letzte Wort?“ (Siehe auch unter Info 7.03.06!) auf höchst unwissenschaftliche Art abgekanzelt. Ihn interessiert es auch nicht, dass alle deutschen Bischöfe vor fast 25 Jahren, nämlich am 21.09.1981, in ihrem Wort „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ u.a. äußerten: „Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der BRD hat die Zulassung von Frauen zum Diakonat eingehend erörtert (Beschluß: ‚Die pastoralen Dienste in der Gemeinde’ 4.2). Sie empfiehlt, an die in Teilen der alten Kirche geübte Praxis der Weihe von Diakoninnen wieder anzuknüpfen.“

Am Infostand mit vielen Fotos unserer Aktionen „Wo sind die Frauen“ aus den vergangenen Jahren verteilten wir Schriftmaterial und führten Gespräche zum Thema „Wo sind die Frauen? Sie tragen Kirche, aber leiten sie nicht, weil Gott es so will?“ ( Foto mit Annelie Hürter)

Magdalena Bogner am 18.03.06 in Ingolstadt

Die Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd), Magdalena Bogner (im Foto rechts im Gespräch mit der Kirchenzeitungs-Redakteurin Gabi Gess), war als Hauptrednerin vom Diözesanrat Eichstätt zur Frühjahrsvollversammlung nach Ingolstadt eingeladen worden. Die Bundesvorsitzende des mit ca. 650 000 Mitgliedern größten deutschen Frauenverbandes referierte über das Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ (1981) und legte umfassend dar, was sich in diesen 25 Jahren verändert hat, aber auch, wie viele Aspekte dieses Bischofspapiers noch keine Realisierung erfahren haben. Im Anschluss an Referat und Diskussion setzten sich die Mitglieder Diözesanrates über den Entwurf zu einem eigenen Papier „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ auseinander und verabschiedeten es anschließend.


Info 7. März 2006

  • „Wir sind Kirche“-Eichstätt informiert über Berufsverbote für Frauen in der r. k. Kirche bei Veranstaltung zum Intern. Frauentag 2006 in Ingolstadt
  • „Die letzte Bastion“ – Die katholische Kirche und die Frauen
  • Papst will mehr Frauen in der Kirchenleitung
  • „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft
  • Aussagen des ehem. Dogmatikprofessors Gerhard Ludwig Müller zur Frauenordination
  • Bischofskonferenz „tut etwas“ beim Regensburger Streit mit dem ZdK
„Wir sind Kirche“-Eichstätt informiert über kirchliche Berufsverbote für Frauen in der Kirche beim Intern. Frauentag 2006 in Ingolstadt
Am 11. März 2006 informieren Mitglieder der „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt mit einem Stand über Berufsverbote für Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Sie fordern, dass Frauen gleichberechtigt mit Männern von der Kirchenleitung für die Berufe als Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen zugelassen werden. Die Information findet statt auf der Veranstaltung des DGB Ingolstadt am 11.3.06, zwischen 11 und 15 Uhr im Foyer des Stadttheaters Ingolstadt.

„Die letzte Bastion“ – Die katholische Kirche und die Frauen
In einer Filmdokumentation bei 3sat am 7. März 2006, 15 Uhr, einer des Schweiz. Fernsehens, berichten die Gemeindeleiterin Monika Schmid aus Effretikon und die Theologin Li Hangartner aus Luzern über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen als Seelsorgerinnen. Eindrucksvoll wird dabei spürbar, welche Einschränkungen durch das letzte Berufsverbot für Frauen nicht nur die Theologinnen hinnehmen müssen, sondern vor allem die Gemeindemitglieder. Offen spricht ein pensionierter Geistlicher darüber, wie peinlich ihn sein „Noteinsatz“ gegenüber der Gemeindeleiterin und der Gemeinde berührt.

Papst will mehr Frauen in der Kirchenleitung
Nach einer Meldung der Katholische Presseagentur Österreich vom 03.03.06 hält Papst Benedikt XVI. eine stärkere Beteiligung von Frauen an kirchlichen Leitungsaufgaben für denkbar. Frauen sollten in der Kirchenführung sichtbarer sein. Die Priesterweihe für Frauen schloss der Papst hingegen aus. Diesen Dienst habe Christus Männern vorbehalten.

„Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“
Auf seiner Frühjahrsvollversammlung am 18. März 2006 um 9 Uhr im Pfarrheim der Gemeinde St. Pius befasst sich vormittags der Diözesanrat Eichstätt mit dem obigen Thema. Dazu wurde als Referentin Magdalena Bogner, Bundesvorsitzende der kfd (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands) eingeladen. Die „Wir sind Kirche“-Diözesangruppe Eichstätt weist darauf hin, dass diese Versammlung öffentlich ist und von allen Interessierten besucht werden kann.

Aussagen des ehem. Dogmatikprofessors Gerhard Ludwig Müller zur Frauenordination
Bischof Gerhard Ludwig Müller war schon als Dogmatikprofessor „unwiderstehlich“. Wer Inhalt und Stil seiner Veröffentlichung in „Die Tagespost“ vom 23.03.2002, S. 12-13, mit dem Titel „Wer hat das letzte Wort? – Eine Strategie und ihre Tücken: Zu der endlosen Forderung nach Einführung der Frauenweihe“ gelesen hat oder noch liest, wundert sich nicht über Inhalt und Stil, wie Gerhard Ludwig Müller sein Bischofsamt in Regensburg ausübt. Der vollständige Aufsatz ist im Internet unter http://www.stjosef.at/artikel/frauenpriestertum_mueller_dt.htm nachzulesen. Die Einleitung dieses Zeitungsartikels drucken wir nachfolgend ab. Achten Sie bitte auf die Wortwahl, die unserer Meinung nicht der eines seriösen und sachlich argumentierenden Wissenschaftlers entspricht. Vielmehr meinen wir, dass ein solches Maß an Hohn und Spott, Verdrehung und Verleumdung, Arroganz und Menschenverachtung anzutreffen ist, dass wir uns mehr als wundern, dass Gerhard Ludwig Müller ca. ein halbes Jahr nach Erscheinen dieses Zeitungsartikels zum Bischof ernannt worden ist. Worte und Taten des Dogmatikprofessors bzw. Bischofs zeigen, dass ihm eine für das Bischofsamt entscheidende Eignung fehlt: Respekt vor der Meinung von Menschen, auch wenn er sie für falsch hält. Wie geht dieser Mensch mit anderen Menschen um? Woher nimmt er Verständnis für Menschen? Wie kann er „Brücken bauen“?

Wer hat das letzte Wort? Eine Strategie und ihre Tücken: Zu der endlosen Forderung nach Einführung der Frauenweihe" Von Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller ("Die Tagespost", 23.03.2002 - einleitender Auszug)

„Manchmal hat man den Eindruck, dass es auch in der Kirche einige gibt, die wie garstige Kinder so lange auf dem Boden herumtrampeln und schreien wollen, bis die Mutter endlich ihren Willen erfüllt – nicht aus Überzeugung, sondern um das peinliche Hinschauen der Passanten zu beenden. Mit allen Registern der veröffentlichten Meinung und einer nicht müde werdenden Medienkampagne wird ein Klima der Hysterie erzeugt, das die Bischöfe und die wissenschaftlich seriösen Theologen einschüchtern soll, um im Widerspruch zur verbindlichen Lehre der Kirche die Weihe von Frauen zum Diakonen- und Priesteramt zu erzwingen. Ob dabei gerade die Frauen von Ex-Priestern und Mönchen, die ihr Ordensgelübde aufgegeben haben, die überzeugenden Schrittmacher sind, ist eine Geschmacksfrage und vielleicht noch ein bisschen mehr. Ungetrübt von Sachkenntnis behauptet da jemand vom Bundesteam „Wir sind Kirche“ forschfröhlich, dass alle Argumente gegen die Frauenweihe widerlegt seien (DT vom 19. März). Eine solche Behauptung gedeiht dann prächtig in dem auf Selbstbestätigung angelegten System der so genannten Frauenordinationsbefürworter. Der einzig wissenschaftlich ernst zu nehmende Beitrag auf dem Stuttgarter Kongress zum Frauendiakonat (1997) legte dar, dass nach den objektiven Kriterien der katholischen Theologie eine Weihe der Frau zum Diakonenamt nicht möglich sei. Doch Peter Hünermann war es, der als Übervater der Frauenweihe bei der Publikation der Akten genau dieses Kongresses die wissenschaftliche Diskussion als beendet dekretierte. Auf der jüngsten Regensburger Tagung der Kirchenrechtler durfte dann Dorothea Reininger, ohne auf fachliche Rückfragen zu stoßen, ihre These wiederholen, dass ihre Doktorarbeit über den Frauendiakonat, in der sie zugegebenermaßen die historisch und dogmatisch entscheidenden Fragen ungeklärt lässt, die endgültige Entscheidung gebracht habe. Das dort gefallene Bonmot, wenn in der theologischen Fakultät eine Frau schon Dekanin sei, könne sie auch bald Diakonin werden, bedarf keines Kommentars. Um den grundlegenden Mangel ihrer Doktorarbeit zu verschleiern, greift Reininger zu der Unterstellung, die Studie der Internationalen Theologischen Kommission zur Sakramentalität des Diakonats, die den Weg zur Weihe von Frauen zum Diakonat nicht nahe legt, beruhe nur auf einem bloßen Machtanspruch gegen alle Evidenz der wissenschaftlichen Forschung. Man ist so von sich überzeugt, dass man nicht nur die lehramtliche, sondern auch die wissenschaftliche Letztkompetenz beansprucht. Unwidersprochen durfte sie vor einer wissenschaftlichen Versammlung die intellektuelle und moralische Integrität der Mitglieder der Internationalen Kommission in Zweifel ziehen.“


Bischofskonferenz „tut etwas“ beim Regensburger Streit mit dem ZdK
Nach einer Meldung der Katholischen Nachrichten Agentur (KNA) vom 07.03.06 will sich die Deutsche Bischofskonferenz mit der andauernden Kontroverse zwischen dem Bistum Regensburg und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) befassen, wie Kardinal Lehmann berichtete



Info 1. März 2006 (Aschermittwoch)

Viele Gläubige im Bistum machen sich Sorgen, dass der Vatikan ihnen einen neuen, kompromisslos traditionsorientierten Bischof vorsetzt.

Im Bistum Eichstätt wächst die Sorge, dass nach der Versetzung des stark traditions- und klerikerzentrierten sowie polarisierenden Bischofs Dr. Walter Mixa ein Mann mit gutem Draht nach Rom zum Nachfolger bestimmt wird, der dem vorkonziliaren Denken noch stärker verbunden ist.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Monsignore Dr. Wilhelm Imkamp, promovierter Dogmenhistoriker, Mitglied der Päpstlichen Theologenakademie in Rom und wissenschaftlicher Berater der Heiligsprechungskongregation Mixas Nachfolger werden könnte. Seit 1988 ist Imkamp (Jg. 1951) Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild im Bistum Augsburg. Dort macht er nicht nur durch wortgewaltige Predigten mit erhobenem Zeigefinger („katholischer Klartext“) von der Kanzel auf sich aufmerksam, sondern auch durch Messfeiern ohne Volksaltar aber mit Mundkommunion und Kommunionpatene.

Aus einigen wenigen Presseberichten wird etwas von der Persönlichkeit dieses Kirchenmannes erkennbar:

Die rechtsradikale Zeitung „Junge Freiheit“ (09.04.04) würdigt ihn u. a. mit den Worten: „ Wer in der Mahlfeier ein Gemeinschaftserlebnis sucht, wer liturgische Selbstdarstellung von Priestern und Laien erleben oder eine aufgeweichte Bibelauslegung hören will, ist in Maria Vesperbild fehl am Platz. Der Gottesdienst wird in Ehrfurcht und Würde gefeiert, wobei der traditionellen Volksfrömmigkeit großer Raum zugestanden wird. Die Predigten von Monsignore Imkamp sind realitätsnah, anschaulich und wortgewaltig. Vor allem aber bringen sie die Lehre der Kirche ungekürzt zum Ausdruck.“

Im Münchener Merkur vom 28.12.03 wird Imkamps „gewiefte Wallfahrtsvermarktung“ und seine „wortgewaltige und geschickte“ Kanzelsprache erwähnt. Weiter heißt es u.a. „So modern und attraktiv die Verpackung, beim Inhalt kennt Monsignore keine Kompromisse. „Katholischer Klartext“ heißt sein Programm. So verweist er auf die segensreichen Wirkungen eines Ablasses und empfiehlt immer wieder Beichte und Gebet.“

Die Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) Nr. 7/1999 weist in einer Buchbesprechung zur „Konziliengeschichte“ darauf hin: „Die Beiträge zeichnen sich durch seriöse und emotionslose Darlegung der Themen aus." Im Hinblick auf einen Artikel Imkamps heißt es dann weiter: "Man wäre dankbar, wenn man das auch vom Beitrag von Wilhelm Imkamp über den ‚Modernismus in Bayern’ sagen könnte. Imkamp situiert die heutige Forschung über den Modernismus irgendwo zwischen ‚unkritischer Lehramtsapologetik’ und ‚simpler Rehabilitationshistoriographie’. Man darf Imkamp bescheinigen, dass er keineswegs der Versuchung erlegen ist, die Modernisten in Bayern zu ‚rehabilitieren’. Man hat den Eindruck, er empfinde besondere Lust daran, diesen Theologen vor allem nachzuweisen, dass sie irgendwann einmal geheiratet hätten. Es wäre aber ebenso aussagekräftig, wenn Imkamp sich der Frage gestellt hätte, warum diese von der Kirche nicht immer sehr sanft behandelten Theologen diesen Weg gegangen sind.“

Die in Würzburg erscheinende „Die Tagespost“ hebt in der Ausgabe vom 24.12.03 die Predigten mit dem „erhobenen Zeigefinger“ als eine „Intensivkur gegen Kirchenverdrossenheit“ hervor. „Imkamps Predigten sind ein theologisch schlüssiges Kontrastprogramm zur Selbstfixiertheit progressiver Theologen, denn sie zielen auf die Prärogative des Herrn im Leben der Gläubigen ab – ein heikles und seltenes Gut im Mutterland der Reformation“. In „Die Tagespost“ vom 03.01.06 äußerte sich Imkamp kritisch zum Religionsunterricht: "Wenn die Schüler nach mehreren tausend Religionsstunden über nichtchristliche Religionen sehr viel wissen, die eigenen sieben Sakramente aber nicht kennen, dann muss man sich fragen, ob nicht ein ernstes Defizit vorliegt.“ In einer Stellungnahme erklärte der Leiter der Hauptabteilung Schulischer Religionsunterricht, dass nur Gymnasiasten in 13 Schuljahren auf knapp 1000 Stunden kommen und Imkamp Behauptungen aufstellt, die er nicht belegen kann. Statt sich zu informieren, diffamiert er die Bemühungen tausender, sich mühender ReligionslehrerInnen.

Das Bistum Eichstätt braucht einen Bischof, der die Zeichen der Zeit und nicht die von vorgestern erkennt. Nicht starke Worte (Imkamp: "Klartext“) sind gefragt, sondern Verständnis suchen, den Menschen zuhören und den Dialog praktizieren, nicht abkanzeln. Die Menschen suchen weiterhin Orientierung an Vorbildern, die von christlichen Tugenden, wie Barmherzigkeit, Bescheidenheit, Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit reden und persönlich danach handeln. Der Bischof soll im Sinne des Wortes Diener sein, der Brücken baut und nicht als Herrscher polarisiert. Die oft zitierte Glaubenskrise der Kirche ist vor allem eine Glaubwürdigkeitskrise. Wie ein Blick ins Nachbarbistum Regensburg beweist, ist ein bekannter Dogmatiker mit guten Beziehungen nach Rom nicht deshalb schon als Bischof geeignet, genau so wenig ist es ein Dogmenhistoriker und bekannter Wallfahrtsdirektor mit guten Beziehungen nach Rom.

Die personelle Fehlentscheidung im Bistum Regensburg veranlasst uns zu diesem ungewöhnlichen Schritt, offen auf ein personelles Gerücht im Hinblick auf die Bischofsnachfolge zu reagieren.



Kontakte zur Diözesangruppe:

Postanschrift: Walter Hürter, Humboldtstraße 3, 85049 Ingolstadt,
Tel. 0841/33704, Email: awhuerter@t-online.de

Zur Deckung der Kosten sind wir auf freiwillige Spenden angewiesen.
Kto-Nr. 622 214, BLZ 700 905 00, Sparda Bank München