7. Mai

"Kirche von unten" bietet "Abendmahl für alle" auf Kirchentag an

 

   Berlin (dpa) - Beim Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin wird es ein "Abendmahl für alle" geben. Der ökumenische Gottesdienst nach evangelischer Tradition wird am 31. Mai in der Gethsemane-Kirche von der "Initiative Kirche von unten" und der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Prenzlauer Berg-Nord gefeiert. Wegen Einwänden der katholischen Kirche ist das Abendmahl aber nicht offizieller Programmpunkt des Kirchentags, wie Vertreter der Initiative am Mittwoch betonten. Der Gottesdienst unter dem Leitwort "In die Welt gesandt - nur gemeinsam glaubhaft!" war zwar als Programmpunkt vorgeschlagen worden, sei aber ohne konkrete Begründung abgelehnt worden, hieß es.

 

   Bereits am 29. Mai (Himmelfahrt) findet ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Leitwort "Was schaut ihr nach oben – Ökumene lebt von unten!" mit Eucharistie nach katholischem Ritus und "offener Kommunion" statt. Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass sich die evangelische Seite bei gemeinsamen Veranstaltungen an das katholische Kirchenrecht halten müsse, sonst wäre der Kirchentag überhaupt nicht zu Stande gekommen. Die im Programm des Kirchentages angekündigten evangelischen Abendmahlsfeiern unterlägen dieser Einschränkung jedoch nicht, so dass dort Katholiken willkommen seien.

 

 

 

Aus: Obermain-Tagblatt, 20.5.2003

Zeit reif für ökumenische Mahlgemeinschaft Privatdozent Dr. Johannes Rehm referiert bei Evangelischem Bildungswerk "Ein ökumenischer Skandal" 

 

LICHTENFELS, 20.5.2003. Das ökumenische Abendmahl ist wieder in aller Munde, insbesondere mit Blick auf den mit Spannung erwarteten Ökumenischen Kirchentag, der in einer Woche in Berlin beginnt. Dass mit diesem Ereignis die Hoffnung vieler verbunden ist, die Grenzziehung zwischen den großen Kirchen könnte fallen und die Tür zu ökumenischer Abendmahlsgemeinschaft täte sich auf, verdeutliche Privatdozent Dr. Johannes Rehm bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerks im großen Saal der Kreissparkasse. 

 

Doch je näher der Kirchentag rücke, umso deutlicher würden von den Kirchenleitungen beider Konfessionen diesbezügliche Erwartungen gedämpft. Nach den Worten des Bamberger Studentenpfarrers wird in dieser Haltung die Sorge sichtbar, dass sich die ökumenische Entwicklung verselbständigen könnte. 

 

Der Referent ging der Frage nach, woher das neu erwachte Interesse am Thema kommt. An eine Verschwörung der "Kirche von unten "wollte er nicht so recht glauben. Vielmehr konstatierte er, dass nicht nur innerkirchlich engagierte Menschen, sondern auch zahlreiche säkulare und glaubensferne Zeitgenossen in sich eine tiefe Sehnsucht nach Orten und Gesten der Versöhnung verspüren. In einer Zeit, in der Kriege wieder selbstverständlicher sind, in einer Gesellschaft, in der tausendfach Ehen und Beziehungen auseinander brechen, Arbeitsverhältnisse gelöst und Interessengruppen unversöhnlich aufeinander prallen, gebe es eine aufrichtige Erwartung an die Kirche Jesu Christi. 

 

Amt der Versöhnung Vermutlich erhofften die Menschen, dass die Kirchen das Amt der Versöhnung endlich wahrnehmen, wie es im Korintherbrief gefordert wird. Und daraus folgend müsse man die Frage stellen, ob die Grenzen kirchlicher Versöhnungsbereitschaft wirklich beim Abendmahl besonders schmerzlich sichtbar werden müssten. Der Referent machte deutlich, dass bislang als trennend erachtete Positionen in der Eucharistieauffassung durch Dialoge überwunden werden konnten, ebenso in der liturgischen Gestaltung. 

 

Insofern könne er, Rehm, die Naherwartung ökumenische Engagierten verstehen, wenn sie der Meinung sind: Es ist längst an der Zeit für eine ökumenische Mahlgemeinschaft, wie sie in vielen Basis- und Hochschulgemeinschaften sowie bei besonderen Anlässen wie ökumenischen Trauungen längst praktiziert wird. Insofern gehe es für viele jetzt darum, das geltende katholische Kirchenrecht mit der kirchlichen Realität zu versöhnen, verdeutlichte der Referent. 

 

Dr. Rehm verwies auf eine Umfrage, wonach die überwältigende Mehrheit der Katholiken und der Protestanten die Möglichkeiten eines gemeinsamen Abendmahls begrüßen. Das Problem seien nicht die Kirchenchristen beiden Konfessionen, sondern die katholischen Bischöfe, die nicht einen Konsens untereinander in dieser Frage und vor allem nicht die Übereinstimmung mit dem Vatikan gefährden wollten. Den Studentenpfarrer störte es, wenn sich, je näher der Ökumenische Kirchentag rückt, evangelische Kirchenobere anhören wie katholische. 

 

Weiter ging Dr. Rehm auf die Bedeutung der "Enzyklika Ecclesia De Eucharistia" für die Ökumene ein. Nach dieser Verlautbarung des Papstes werde es beim Berliner Ökumenischen Kirchentag endgültig kein offizielles ökumenisches Abendmahl geben. Aber --- und das bezeichnete Dr. Rehm als die eigentliche Enttäuschung --- nicht mal die "Vorstufe" eucharistischer Gastfreundschaft", also die offene Einladung an Angehörige anderer Konfessionen zu den eigenen Mahlfeiern, wie dies in der evangelischen Kirche seit 1975 üblich ist, soll es nach dem Willen des Papstes geben. Eine Zuwiderhandlung durch einen progressiven Priester bedeute damit einen Verstoß gegen geltendes römisches Kirchenrecht. 

 

Wenn einerseits der jahrzehntelange offizielle ökumenische Dialog gezeigt hat, dass sich die Kirchen über die Gegenwart Christi im Abendmahl im Wesentlichen einig sind und dass der Schritt eucharistischer Gastfreundschaft" verweigert werde, sei dies ein ökumenischer Skandal, meinte Dr. Johannes Rehm. Auch die vom Papst als Vorbedingung geforderte Kirchengemeinschaft rechtfertige diese Haltung nicht. 

 

Um Toleranz gebeten Den Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an. Dabei wurde deutlich, dass dieses Thema insbesondere bei konfessionsverbindenden Ehen viele Wunden geschlagen hat. Für die katholische Seite verdeutliche Dekan Gerhard Hellgeth, dass dieses Thema insbesondere die konservativen katholischen Christen herausfordert. Wenn hier zu schnell vorangeschritten werde, sei dies ein schlechter Dienst für die Ökumene. Zudem sei das Thema gemeinsames Abendmahl nicht allein ein kirchenrechtliches Problem, denn die Eucharistie sei für katholische Christen ein Zeichen für die Kirchenzugehörigkeit. Schließlich werde der, der von der Kirchenmitgliedschaft ausgeschlossen wird, exkommuniziert. Der katholische Dekan erbat Toleranz für die unterschiedlichen Sichtweisen. Abschließend zeigte sich Dr. Johannes Rehm überzeugt, dass auch die jüngste Enzyklika die Tür zum Dialog nicht zuschlägt. (-we-) 

 

 

Aus: Weser-Kurier, 21.5.2003

       "Kirchentag wird wenig verändern" Theologe kritisiert Organisatoren 

 

Tübingen, 21.5.2003 (dpa). Der Tübinger Theologe Hans Küng rechnet nicht damit, dass der erste Ökumenische Kirchentag Ende Mai in Berlin einen großen Reformschub auslösen wird. "Die katholischen Bischöfe werden wieder viele Reformforderungen diskutieren lassen, aber alles beim Alten lassen", sagte er. "Noch nie hat ein katholischer Bischof in Sachen Zölibat, Empfängnisverhütung oder Abendmahlsgemeinschaft etwas gefordert, das nicht der römischen Linie entsprach." 

 

Kritik übte Küng auch am Zentralkomitee der deutschen Katholiken und am Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags. "Ich hätte erwartet, dass die Kirchentagsleitung deutlich die Freiheit zu gemeinsamen Abendmahlsfeiern fordert", sagte der Theologe. "Wenn selbst Laienverbände so etwas nicht mehr zu sagen wagen, dann erwecken sie den Eindruck, nur ausführende Organe der Amtskirche zu sein." 

 

Ökumenische Kirchentage sollten künftig die Regel sein, forderte Küng. "Nur so können katholische und evangelische Kirche gemeinsam stärker wahrgenommen werden." Er glaubt nicht, dass das Christentreffen in Berlin bei der Amtskirche viel verändert - bei den einzelnen Teilnehmern allerdings könne die Veranstaltung viel bewegen. Das Hauptproblem der Ökumene, das unterschiedliche Verständnis des kirchlichen Amts, lässt sich Küngs Ansicht nach nur unter einem neuen Papst lösen. "Dieser muss auch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes neu interpretieren." Der zunehmende Priestermangel und der dramatische Vertrauensschwund der Kirche in der Öffentlichkeit drängten zum Handeln.