08.April 2003
Neue Studie facht Streit um Abendmahlsgemeinschaft an
Tübingen (dpa) - Sieben Wochen vor dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin hat eine neue Studie zur Abendmahlsgemeinschaft den Streit über das Reizthema angefacht. Drei Ökumene-Institute widersprechen darin dem Verbot einer gemeinsamen Eucharistiefeier von Katholiken und Protestanten. Die reformkatholischen Initiativen "Kirche von unten" und "Wir sind Kirche" begrüßten am Dienstag die Studie mit dem Titel "Abendmahlsgemeinschaft ist möglich". Gegen den Widerstand der Kirchentagsleitung wollen die Reformgruppen Ende Mai in Berlin zwei Gottesdienste mit "offener Kommunion" feiern.
"Nicht die Zulassung getaufter Christen zum gemeinsamen Abendmahl, sondern deren Verweigerung ist begründungsbedürftig", heißt es in der neuen Publikation. Herausgeber sind das Institut für Ökumenische Forschung der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen, das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim und das Institut für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbundes in Straßburg.
Die Autoren betonen die breite Übereinstimmung der Konfessionen in zentralen Glaubenswahrheiten. Die restriktive Haltung der katholischen Kirche zur "Interkommunion" sei daher nicht mehr gerechtfertigt. Nicht die Kirchen, sondern Jesus Christus selbst lade zum Abendmahl ein. Besondere Brisanz gewinnt die Studie dadurch, dass Papst Johannes Paul II. in der kommenden Woche eine neue Enzyklika zur Eucharistie veröffentlicht. Erwartet wird, dass der Vatikan darin seine konservative Position bekräftigen wird.
08.April 2003
Reformgruppen begrüßen Theologen-Appell für gemeinsames Abendmahl
Bonn (epd). Christliche Reformgruppen haben die Forderung von drei Ökumene-Instituten nach einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten begrüßt. Dies sei ein wichtiges Signal zwei Monate vor Beginn des ersten Ökumenischen Kirchentags in Berlin, erklärten das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten» und die katholische Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» am Dienstag in Bonn.
Am 4. April hatten die Institute in Tübingen, Straßburg und Bensheim den Text «Abendmahlsgemeinschaft ist möglich» vorgestellt. Die Erklärung wird unterstützt von der evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord in Berlin. Diese will gemeinsam mit der «Initiative Kirche von unten» und der Aktion «Wir sind Kirche» außerhalb des offiziellen Programms des Ökumenischen Kirchentages vom 28. Mai bis 1. Juni zwei umstrittene ökumenische Abendmahlsgottesdienste feiern. Geplant sind eine katholische Eucharistiefeier mit «offener Kommunion» und ein evangelischer Gottesdienst mit Abendmahl «für alle».
10. April 2003 (idea)
Wer darf an den „Tisch des Herrn"?
Umstritten: Das gemeinsame Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag
Benjamin Lassiwe
Gibt es beim Ökumenischen Kirchentag vom 28. Mai bis 1. Juni ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken? Kaum eine Frage hat die Christen in Deutschland bei der Vorbereitung des Berliner Großereignisses so bewegt wie diese. Viele hofften, während des Kirchentags das erste gemeinsame Abendmahl seit der Reformation zu feiern - doch schon auf der ersten Sitzung des gemeinsamen Kirchentagspräsidiums wurde klar, dass die katholische Kirche derzeit nicht in der Lage ist, mit den Protestanten die Eucharistie zu feiern. „Arbeitsgrundlage des Ökumenischen Kirchentags ist, dass nur getan wird, was nach den Regeln der beteiligten Kirchen erlaubt ist", betont Rüdiger Runge (Fulda), Pressesprecher des Ökumenischen Kirchentags. Im offiziellen Kirchentagsprogramm werden die Abendmahlsgottesdienste daher nach Konfessionen getrennt gefeiert. Bei evangelischen Gottesdiensten sind alle Getauften am „Tisch des Herrn" zugelassen, bei katholischen Eucharistiefeiern nur die Katholiken.
Ökumene-Institute unterstützen Abendmahlsgemeinschaft
Drei Ökumene-Institute sind unterdessen der Meinung, dass eine Abendmahlsgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten bereits jetzt möglich ist. Das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim, das Institut für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbundes (Straßburg) und das Institut für Ökumenische Forschung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen erklären in einer soeben veröffentlichten Studie, die Ergebnisse der ökumenischen Abendmahlsgespräche müssten einfach in die Praxis umgesetzt werden. Es gebe keine hinreichenden theologischen Gründe mehr für eine "Verweigerung eucharistischer Gastfreundschaft".
Abendmahl außerhalb des Programms
Einen Schritt weiter gehen die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg/Nord, die ökumenische "Initiative Kirche von Unten" und die katholische Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". Sie feiern außerhalb des offiziellen Programms einen evangelischen Abendmahlsgottesdienst, eine katholische Eucharistiefeier und ein Agapemahl, bei denen jeweils alle Getauften zum Abendmahl eingeladen werden. Die „eucharistische Gastfreundschaft", also die Einladung von Christen anderer Konfessionen zum eigenen Abendmahl, werde in Deutschland schon seit Jahren überall praktiziert, heißt es von den Initiatoren. Das gelte auch für viele katholische Pfarreien, wo der Priester eine protestantische Ehefrau nicht abweist, wenn sie mit ihrem katholischen Mann zum Altar geht.
Priestern drohen Strafen
Allerdings haben viele katholische Bischöfe den Priestern, die sich an diesen Gottesdiensten beteiligen, mit Strafen gedroht. Für Gründonnerstag (17. April) ist ein Lehrschreiben des Papstes angekündigt, das die katholische Position zum Abendmahl zementieren soll. Die Veranstalter des Kirchentags rufen dazu auf, bei Abendmahlsfeiern „die in den jeweiligen Kirchen gültigen Regeln zu beachten" und in "ökumenischer Sensibilität" miteinander umzugehen. Doch sie fordern auch zur Diskussion auf: So wird in der Podienreihe "Ökumene kontrovers" ein Nachmittag dem "Tisch des Herrn" gewidmet sein. Dabei diskutieren der lutherische Theologe Harding Meyer, der seit Jahren für ein gemeinsames Abendmahl plädiert, die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst.
16. April 2003 (dpa-Gespräch)
Reformbewegung «Wir sind Kirche» von Papst-Enzyklika enttäuscht
Hannover (dpa) - Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» hat sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über die Papst-Enzyklika zur Eucharistie gezeigt. «Der erste Eindruck ist der einer Abgrenzung Roms von den evangelischen Kirchen», sagte «Wir sind Kirche»-Mitinitiator Christian Weisner der dpa am Mittwoch in Hannover. Er habe auch die Befürchtung, dass das Dokument zur Disziplinierung in der katholischen Kirche dienen solle. Weisner betonte, dass beim ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin wie geplant, alle Gläubigen zu einem evangelischen Abendmahl und einer katholischen Eucharistiefeier eingeladen werden, auch wenn dies die Veranstalter des Kirchentags ausdrücklich nicht billigten.
Die Enzyklika mit dem Titel «Ecclesia de Eucharistia» (Die Kirche lebt von der Eucharistie) verbiete Katholiken die Teilnahme am evangelischen Abendmahl, zementiere die Unmöglichkeit der gegenseitigen eucharistischen Teilnahme, schließe die Konzelebration der Eucharistiefeier von katholischen und protestantischen Geistlichen aus und verlange bei schwerem sündigem Verhalten zunächst eine Beichte, bevor der Gläubige zur Kommunion gehen könne. «Dies sind zwar althergebrachte katholische Positionen, es wird aber kein neuer Weg aufgezeigt für das Ziel einer Abendmahlsgemeinschaft, und das ist besonders bedauerlich», sagte Weisner.
Er sei vor allem enttäuscht, dass gerade Papst Johannes Paul II., der sich sonst sehr für die Ökumene und den interreligiösen Dialog eingesetzt habe, eine solche Enzyklika vorlege. Weisner appellierte an die deutschen Bischöfe, wie schon bei der so genannten Pillen-Enzyklika «humanae vitae» (1968), in einer gesonderten Erklärung deutlich zu machen, dass Christen als letzter Instanz ihrem Gewissen zu folgen haben.
17. April 2003 Die Tageszeitung
"So verheerend wie die Pillen-Enzyklika"
Der Kirchenreformer Christian Weisner schätzt, dass das Papstwort viele Katholiken enttäuscht. Die deutschen Bischöfe sollten protestieren
taz: Herr Weisner, auf das Papier des Papstes ist lange gewartet worden. Sind Sie enttäuscht?
Christian Weisner: Ohne eine endgültige theologische Wertung: Das geht schon gegen den Ökumenischen Kirchentag. Der Papst widerspricht vielem, was nicht nur in Deutschland in der ökumenischen Praxis gefeiert wird und auch gut theologisch begründet ist.
taz: Ist das Wort des Papstes theologisch zweifelhaft?
Weisner: Es gibt zu denken, dass vor knapp zwei Wochen drei renommierte Ökumene-Institute zu ganz anderen Wertungen kamen: Eucharistische Gastfreundschaft zwischen Katholiken und Protestanten ist demnach trotz bestehender theologischer Unterschiede verantwortbar und oft seelsorgerisch geboten.
taz: Ist der Text in Bezug auf die Ökumene härter als erwartet?
Weisner: Er schmerzt. Er betont fast nur den Alleinvertretungsanspruch der römischen Kirche.
taz: Das kennt man ja.
Weisner: Ja, aber seit dem Aufbruch durch die Erklärung zur Rechtfertigungslehre vor vier Jahren haben wir in der Ökumene nur Rückschritte erlebt. Dabei hat sich der Papst sehr um die Ökumene und den interreligiösen Dialog verdient gemacht, kirchengeschichtlich gesehen. Das aber ist wieder ein Rückschritt.
taz: Ist die Enzyklika für die Ökumene ein so harter Schlag wie das Papstpapier "Dominus Iesus", das den lutherischen Kirchen ihr Kirchesein absprach?
Weisner: Ich befürchte, dass diese neue Enzyklika in ihrer Wirkung so verheerend sein kann wie "Humanae Vitae"
taz: die so genannte Pillen-Enzyklika von Paul VI. 1968.
Weisner: ja. Damals haben die deutschen katholischen Bischöfe eine Erklärung zur Enzyklika veröffentlicht, dass die Gewissensentscheidung der Gläubigen Vorrang haben muss. Die deutschen Bischöfe sollten dies auch heute wieder tun und protestieren.
taz: Welche Folgen hat diese Schrift für den Kirchentag?
Weisner: Die Enttäuschung der Menschen, die zum Kirchentag fahren, wird dadurch noch größer.
taz: Will Ihre Initiative "Wir sind Kirche" dennoch mit einer evangelischen Gemeinde in Berlin zu Gottesdiensten am Rande des Ökumenischen Kirchentags einladen, bei der Katholiken und Protestanten jeweils zum Abendmahl der anderen Konfession gehen?
Weisner: Wir werden daran festhalten. Diese eucharistische Gastfreundschaft ist ein Modell, das uns den Streit auf dem Kirchentag erspart hätte.
taz: Sie haben keine Angst vor einer Exkommunizierung?
Weisner: Das ist ein Grundübel, dass der Papst in den vergangenen Jahren alles Leben der Kirche in kirchenrechtliche Paragrafen zwängt. In der Bibel heißt es: "Nehmet und esset alle davon", nicht: "Nehmet und esset nur alle Kirchensteuerzahler davon." Das Wort ist klar eine Disziplinierungsmaßnahme.
taz: Werden auf dem Kirchentag Katholiken nun erst recht zu evangelischen Abendmahlsfeiern gehen?
Weisner: Das ist eine Gewissensentscheidung des Einzelnen. Die kann man Gott sei Dank nicht kontrollieren. Wir rufen ausdrücklich dazu auf, die eucharistische Gastfreundschaft bei den evangelischen Abendmahlfeiern wahrzunehmen. Jesus lädt ein.
taz: Selbst in diesem Text profiliert sich der Papst als Globalisierungskritiker. Er fand viel Anerkennung als Warner vor dem Krieg im Irak - da dürfte Ihnen der Papst sehr nah sein.
Weisner: Ja.
taz: Kurz danach aber ist er Ihnen wohl mit dieser Enzyklika wieder sehr fremd. Ist es nicht ein Kreuz mit diesem Papst: Man ist stets hin- und hergerissen?
Weisner: Dieser Text ist seine erste Enzyklika zu einem Sakrament. Das hat etwas von einem Vermächtnis. Er glaubt, hier eine Notbremse ziehen zu müssen.
INTERVIEW: PHILIPP GESSLER
17. April 2003 Süddeutsche Zeitung
Vom Tisch
Papst verbietet Katholiken erneut das ökumenische Abendmahl
Noch nie ist ein Papst in einer Enzyklika, einem offiziellen kirchlichen Lehrschreiben also, so persönlich geworden wie Papst Johannes Paul II. in seinem Text über die Eucharistie. „Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind meine Augen jeden Tag auf die weiße Hostie gerichtet, in der Zeit und Raum in gewisser Weise zusammenfallen und in der das Drama von Golgotha lebendig gegenwärtig wird,“ schreibt er. In Ecclesia de Eucharistia („Kirche aus der Eucharistie heraus“) kann man viel über Karol Wojtyla, den Mystiker lesen, der sich versenkt ins Geheimnis des Glaubens, ins Mysterium fidei.
So ist die 14. Enzyklika literarisch formuliert und anrührend zu lesen: Da schreibt das greise Oberhaupt der katholischen Kirche, wie ihm das „Ostermysterium“ Kraft gegeben hat, wie „die heilige Gegenwart Christi“ auf dem „Altar der Welt“ spürbar wurde. Ein Lehrschreiben als persönliches Glaubenszeugnis – und auch als Testament.
Inhaltlich bietet das Schreiben aber nichts Neues. Es stellt das traditionelle Eucharistie-Verständnis der katholischen Kirche dar: In der Eucharistie wird die Kirche Wirklichkeit. Im Erlösungsopfer von Kreuzestod und Auferstehung hat Christus das Sakrament gestiftet; zum Gedächtnis an dieses Opfer ist der katholische Priester berufen, das Mahl zu feiern. Die Eucharistie steht im Mittelpunkt der Kirche, deshalb ist das Eucharistie- Verständnis nicht verhandelbar, auch nicht, um eine tiefere Einheit der Christen zu erreichen.
„Ecclesia de Eucharistia“ ist kein anti-ökumenisches Dokument; ihm fehlt die Schärfe des Schreibens Dominus Jesus aus der Glaubenskongregation. Doch obwohl Papst Johannes Paul II. Gott „für bedeutsame Fortschritte und Annäherungen“ dankt, stellt die Enzyklika klar: Für evangelische und katholische Christen ist es „nicht möglich, die eucharistische Liturgie gemeinsam zu feiern“, solange die Einheit der Kirchen „nicht völlig wiederhergestellt“ ist. Eine Konzelebration wäre „ein Hindernis für das Erreichen der vollen Gemeinschaft“. Also müssen sich die katholischen Gläubigen, bei allem Respekt für die evangelischen Brüder, „von der Teilnahme an einer Kommunion fern halten, die in ihren Feiern ausgeteilt wird“.
Im Klartext: Jede Form eucharistischer Gastfreundschaft ist verboten, außer wenn Christen „zwar noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, aber sehnlich den Empfang der Sakramente wünschen, von sich aus darum bitten und den Glauben bezeugen, den die katholische Kirche in diesen Sakramenten bekennt“. Für den ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin jedenfalls scheidet das aus; das gemeinsame Abendmahl wird es damit nicht geben.
Was wiederum keine Überraschung ist – auch die deutschen Bischöfe hatten sich gegen jede Form der Mahlgemeinschaft ausgesprochen; die evangelischen Vorbereiter hatten sich dem gebeugt, obwohl nach ihrem Abendmahlverständnis eine Einladung zum Tisch des Herrn über die Konfessionsgrenzen hinweg möglich ist. Nur die Reformgruppen „Wir sind Kirche“ und „Initiative Kirche von unten“ wollen zwei Gottesdienste feiern, zu denen die Christen aller Konfessionen eingeladen sind.
Wie weit sich die Katholiken auf dem ökumenischen Großereignis in Berlin an das päpstliche Veto halten, ist schwer vorherzusagen – schließlich sind keine Taufscheinkontrollen vorgesehen.
Matthias Drobinski
17. April 2003
Papst zieht Grenze zu Protestanten
Neue Enzyklika verbietet gemeinsames Abendmahl - Rom erwartet Gehorsam
Sechs Wochen vor dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin hat Papst Johannes Paul II. ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten kompromisslos abgelehnt. Eine für alle Christen offene Eucharistiefeier ohne volle Kirchengemeinschaft sei ein Hindernis für die Ökumene, heißt es in der am Gründonnerstag in Rom vorgestellten Enzyklika zur Eucharistie.
In Deutschland warnten die katholischen Bischöfe davor, das Papst-Schreiben als Absage an die Ökumene zu bewerten. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, eine Verständigung über eine Abendmahlsgemeinschaft erscheine danach gegenwärtig nicht möglich.
Papst fordert Gehorsam
In seiner 14. Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (Kirche über die Eucharistie) verurteilte Johannes Paul II. gemeinsame Abendmahlfeiern mit anderen Christen, wie sie am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin geplant sind. Der Papst fordert "Gehorsam" und erinnert die Katholiken an das Verbot der Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl.
Aus Sicht des römischen Lehramtes wird das Sakrament in der evangelischen Kirche nicht "gültig" gespendet. Dies können laut Vatikan dagegen in römisch-katholischer Tradition geweihte Priester.
Protestanten reagieren zurückhaltend
Die EKD nahm die Papst-Enzyklika mit Zurückhaltung auf. Sie bekräftigte ihren Standpunkt, dass nach evangelischem Verständnis dem evangelischen Abendmahl "nichts zur vollen Gültigkeit fehle". Sie halte daher an ihrer Einladung zum Abendmahl an alle getauften Christen fest, erklärte EKD-Sprecher Christof Vetter in Hannover.
Die dogmatische Dimension des Textes zeige sich in dem katholischen Beharren auf einem besonderen Weihepriestertum, das aus Sicht des Vatikans unabdingbare Voraussetzung der Eucharistie ist.
Katholische Bischöfe begrüßen Enzyklika
Die deutschen katholischen Bischöfe begrüßten die Enzyklika. Sie seien dankbar für dieses "Wort theologischer Klärung", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in Bonn.
Zum Thema gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten sagte der Mainzer Bischof, auch wenn der Papst die Zeit dafür noch nicht für reif halte, nehme er nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche. Johannes Paul II. vermeide in seiner Enzyklika "jede Schärfe".
Zentralkomitee zufrieden
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hob hervor, dass der Papst sich zur Ökumene bekannt und das Engagement der Laien bei sonntäglichen Wortgottesdiensten gewürdigt habe. Das von Johannes Paul II. sehr persönlich angelegte und in erster Linie auf innerkirchliche Spiritualität zielende Lehrschreiben sei damit eine Ermutigung für den kommenden Ökumenischen Kirchentag (ÖKT), erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer in Bonn.
Er räumte ein, dass viele Christen gehofft hatten, dass der Papst als höchste Instanz der katholischen Kirche auch "konkrete Wege eröffnet oder markiert, auf denen die nächsten Schritte" zu einer Einheit der Christen gegangen werden könnten.
Reformgruppen enttäuscht
Christliche Reformgruppen dagegen werteten die Enzyklika als "Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen". Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai sei das Papst-Schreiben als Warnung zu verstehen, erklärten in Bonn die katholische Laienorganisation "Wir sind Kirche" und das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten".
Beide Gruppen wollen beim Kirchentag gemeinsam mit einer evangelischen Gemeinde ökumenisch offene Gottesdienste feiern.
Papst beklagt "Missbräuche"
Der Papst beklagte in seiner 80-seitigen Enzyklika "Missbräuche" in der Praxis der Eucharistiefeiern. Wer bestehende Unterschiede im Glauben nicht beachte, reduziere das Abendmahl zum "brüderlichen Mahl".
Auch dürfe die Kirche nicht davor zurückschrecken, katholische Christen von der eucharistischen Kommunion auszuschließen, die "hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren".
Ausnahmen bei Sakramentenspendung
Dagegen bekräftigt Johannes Paul II., der im 25. Jahr seines Pontifikats steht, bereits mögliche Ausnahmen bei der Spendung der katholischen Eucharistie.
Katholische Priester können danach in bestimmten, gut begründeten Einzelfällen die Sakramente der Eucharistie, der Buße und der Krankensalbung anderen Christen spenden, auch wenn diese nicht der römisch katholischen Kirche angehören. Dies dürfe jedoch nicht mit einer gemeinsamen Mahlfeier verwechselt werden.
17.April 2003
In Deutschland geteiltes Echo auf Papstschreiben
Bonn (KNA) Das neue Lehrschreiben des Papstes zur Eucharistie ist in Deutschland auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die katholischen
Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten am Donnerstag die Enzyklika und betonten, der Papst habe das ökumenische Engagement der katholischen Kirche bekräftigt. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte distanziert und sprach von ökumenischem Stillstand. Kirchenkritische Gruppierungen beklagten dagegen einen Rückschritt, da das Papstschreiben im Vorfeld des bundesweit ersten Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) die katholische Position zementiere.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte, mit der Enzyklika nehme der Papst nichts vom ökumenischen Engagement der Kirche zurück, sondern verstärke es.
Ziel des Kirchenoberhauptes sei es, in der eigenen Kirche, aber auch zwischen den Kirchen Klarheit über das katholische Verständnis des Abendmahls zu schaffen und Missbräuche, Zweideutigkeiten und Instrumentalisierungen zu verhindern. Dabei vermeide Johannes Paul II. jede Schärfe. Lehmann betont, der Papst warne vor übereiltem Vorgehen bei der Eucharistiegemeinschaft. "Größte Zurückhaltung" zeige Johannes Paul II. gegenüber jeglicher Form von Interkommunion, so lange die Gemeinschaft zwischen den Kirchen nicht vollständig erreicht sei. Dennoch bitte der Papst die Christen, bei ihren Bemühungen um die Einheit nicht nachzulassen.
Lehmann wertete das Lehrschreiben auch als Signal für den ÖKT, der Ende Mai in Berlin stattfindet. Durch die klärenden Worte könnten sich die Christen auf das konzentrieren, was sie schon heute gemeinsam tun könnten: gemeinsames Lesen der Bibel, gemeinsames Zeugnis in der Gesellschaft, Sorge um die Armen und Neu-Evangelisierung vor allem Europas.
Meisner: Nur Katholiken dürfen kommunizieren
Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner begrüßte die Enzyklika. Wer nicht zur katholischen Kirche gehöre, könne - bis auf wenige Ausnahmen - nicht in der katholischen Messe kommunizieren, sagte er am Donnerstag in Köln. In der Kommunion werde der Katholik der Kirche buchstäblich einverleibt. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter erklärte, bei der Eucharistie handle sich immer um eine Feier der Kirche in Gemeinschaft mit dem Papst und dem Bischof der Ortskirche. In dieser nach katholischer Auffassung wesentlichen Frage über die Grundgestalt der Kirche gebe es auch aus evangelischer Sicht keine Übereinstimmung mit den Kirchen der Reformation.
Das ZdK hob hervor, dass der Papst sich zur Ökumene bekannt und das Engagement der Laien bei sonntäglichen Wortgottesdiensten gewürdigt habe. Das von Johannes Paul II. sehr persönlich angelegte und in erster Linie auf innerkirchliche Spiritualität zielende Lehrschreiben sei damit eine Ermutigung für den Kirchentag, erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer in Bonn. Er räumte ein, dass viele Christen gehofft hatten, dass der Papst auch "konkrete Wege eröffnet oder markiert, auf denen die "nächsten Schritte" zu einer Einheit der Christen gegangen werden könnten.
Die evangelische Kirche reagierte mit deutlicher Distanz. In weiten Teilen sei die Enzyklika durch "eine strenge und pointiert katholische Abendmahlstheologie" geprägt, die auf der Linie früherer Veröffentlichungen verbleibe, erklärte das Kirchenamt der EKD in Hannover. Die Enzyklika sei "eine testamentarische Äußerung eines - wenn auch sehr besonderen - Priesters, der immer wieder und an herausgehobenen Orten in tiefer innerer Bewegung Eucharistie gefeiert hat", heißt es weiter. Es müsse daher nüchtern festgestellt werden, dass gegenwärtig eine Verständigung über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlsfeier nicht möglich erscheint. Nach evangelischem Verständnis fehle dem Abendmahl, wie es in den evangelischen Kirchen gefeiert werde, nichts zur Gültigkeit. Die evangelische Kirche sehe deshalb auch keine Möglichkeit, getauften Christen die eucharistischen Gastfreundschaft vorzuenthalten, sofern sie in ihren eigenen Kirchen zum Abendmahl eingeladen seien.
"Enzyklika ist ein Rückschritt"
Kirchenkritische Organisationen werteten die Enzyklika als neuen Tiefstand in der Ökumene. Die "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" unterstrichen in Bonn, sie hielten an den beim Kirchentag geplanten ökumenischen Gottesdiensten mit wechselseitiger Gastfreundschaft beim Abendmahl fest. Zum wiederholten Mal mache Rom deutlich, dass "Ökumene" unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei, heißt es in der Erklärung. Inhaltlich wiederhole die Enzyklika die bekannten dogmatischen Positionen; der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung kurz vor dem Kirchentag bedeute eine Verschlechterung der ökumenischen Atmosphäre. Die Reformgruppen halten dem Papst gleichzeitig vor, auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden keine Antwort zu geben. Wegen des Priestermangels könnten viele Gemeinden am Sonntag die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der Enzyklika entsprechen würde.
Auch das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim äußerte die Befürchtung, dass die "ökumenischen Uhren zurückgestellt werden". Es beklagte insbesondere eine Verschärfung der Zulassungsregeln zum Abendmahl. Das Rundschreiben sei deshalb vor allem für evangelisch-katholisch gemischte Ehen "enttäuschend". Die Enzyklika lasse "keine ökumenische Öffnung in absehbarer Zeit" erwarten.
17.April 2003
(Zweite Zusammenfassung - neu: Zdk, Kock und Ökumene-Institut)
Papst-Enzyklika: Nein zum gemeinsamen Abendmahl - Lehmann: Klärendes theologisches Wort - EKD reagiert zurückhaltend
Vatikanstadt (epd). Sechs Wochen vor dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin hat Papst Johannes Paul II. ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten kompromisslos abgelehnt. Die Unterschiede im Glauben zwischen beiden Konfessionen seien noch zu groß, heißt es in der am Gründonnerstag in Rom vorgestellten Enzyklika zur Eucharistie. In Deutschland begrüßten die katholischen Bischöfe das Papier, die evangelische Kirche reagierte zurückhaltend. Theologen und Reformgruppen werten es als Rückschlag für die Ökumene. In seiner 14. Enzyklika «Ecclesia de Eucharistia» (Kirche über die Eucharistie) verurteilte Johannes Paul II. gemeinsame Abendmahlfeiern mit anderen Christen, wie sie am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin geplant sind. Der Papst fordert «Gehorsam» und erinnert die Katholiken an das Verbot der Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl. Aus Sicht des römischen Lehramtes wird das Sakrament in der evangelischen Kirche nicht «gültig» gespendet. Dies können laut Vatikan dagegen in römisch-katholischer Tradition geweihte Priester.
Papst Johannes Paul II., der im 25. Jahr seines Pontifikats steht, mahnte alle katholischen Christen an ihre Pflicht, jeden Sonntag zur Eucharistie zu gehen. Ausnahmen gelten den Angaben zufolge nur aus «schwerwiegenden Gründen», denn die «Kirche lebt von der Eucharistie». Priester sind angehalten, täglich Eucharistie zu feiern.
Der Papst beklagte in seiner 80-seitigen Abendmahls-Enzyklika «Missbräuche» in der Praxis der Eucharistiefeiern. Wer bestehende Unterschiede im Glauben nicht beachte, reduziere das Abendmahl zum «brüderlichen Mahl». Auch dürfe die Kirche nicht davor zurückschrecken, katholische Christen von der eucharistischen Kommunion auszuschließen, die «hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren». Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) warnten davor, das Papst-Schreiben als Absage an die Ökumene zu verstehen. Kardinal Karl Lehmann, ist nach eigenen Worten dankbar für dieses «Wort theologischer Klärung». Zum Thema gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten sagte der Mainzer Bischof, auch wenn der Papst die Zeit dafür noch nicht für reif halte, nehme er nichts zurück vom ökumenischen Engagement.
Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, bezeichnete die Absage des Papstes an eine gemeinsame Abendmahlsfeier nicht als Rückschlag für die Ökumene.
Es sei vielmehr die Feststellung eins Zustandes, den man nüchtern auch vorher hätte einschätzen können, sagte Kock am Donnerstag im WDR. «Wir leben seit Jahrhunderten im Dissens, und wenn man vergleicht, was noch vor fünfzig Jahren nicht möglich war, dann hat sich doch Erhebliches geändert.» Zdk-Präsident Hans Joachim Meyer sagte, der Papst habe zwar erwartungsgemäß das gemeinsam gefeierte Abendmahl katholischer und evangelischer Christen abgelehnt. Er erkenne aber das Verlangen vieler Christen nach Einheit an, so Meyer.
Die Enzyklika lasse «keine ökumenische Öffnung in absehbarer Zeit» erwarten, erklärte dagegen das evangelische Konfessionskundliche Institut im hessischen Bensheim. Der Papst beschränke die Zulassung einzelner nicht-katholischer Christen zur katholischen Eucharistie auf Situationen, die nur noch mit Todesgefahr zu umschreiben seien. Das gehe am Bedürfnis konfessionsverschiedener Familien oder auch ökumenisch verbundener Christen vorbei. Reformgruppen werteten die Enzyklika als «Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen». Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai sei das Papst-Schreiben als Warnung zu verstehen, erklärten in Bonn die katholische Laienorganisation «Wir sind Kirche» und das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten». Beide wollen in Berlin mit Protestanten ökumenisch offene Gottesdienste feiern.
17.April 2003
Papst unterstreicht Verbot der Interkommunion
Vatikanstadt (KNA) Papst Johannes Paul II. hat das Verbot einer Abendmahlgemeinschaft von Katholiken mit Christen anderer Konfessionen unterstrichen. So wünschenswert der gemeinsame Empfang der Sakramente auch sei, setze er eine Kirchen- und Glaubensgemeinschaft voraus, die bislang noch nicht bestehe, betonte der Papst in seiner am Donnerstag veröffentlichten Enzyklika zum Thema Eucharistie. Darin wird allerdings die Möglichkeit der Eucharistie-Spendung an Mitglieder anderer Kirchen "unter besonderen Umständen" und in Einzelfällen eingeräumt. Das Lehrschreiben des Papstes stieß in Deutschland auf ein geteiltes Echo.
Mit Nachdruck stellte Johannes Paul II. auch klar, dass nur ein geweihter Priester die Messe feiern dürfe und mahnte zur strengen Beachtung der liturgischen Vorschriften zur Eucharistiefeier. Er warnte vor Missbräuchen, die von einer falschen Auffassung von Kreativität und Anpassung herrührten. Das Mysterium der Eucharistie sei "zu groß, als dass sich irgendjemand erlauben könnte, nach persönlichem Gutdünken damit umzugehen". Schließlich bekräftigte der Papst, dass Menschen vom Kommunionempfang ausgeschlossen seien, die "hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren".
Mehrfach forderte Johannes Paul II. in der Enzyklika zur Förderung der Ökumene auf und äußerte seine Hoffnung auf die christliche Einheit. Interkommunion sei jedoch nicht möglich.
Eine derartige Öffnung wäre "kein sinnvoller Weg und könnte sich vielmehr als ein Hindernis für das Erreichen der vollen Gemeinschaft erweisen". Gleichzeitig stellte der Papst klar, dass ökumenische Wortgottesdienste oder gemeinsame Gebetstreffen die sonntägliche heilige Messe nicht ersetzen könnten.
In Deutschland geteiltes Echo auf Papstschreiben Die katholischen Bischöfe in Deutschland und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten die Enzyklika und betonten, Johannes Paul II. habe das ökumenische Engagement der katholischen Kirche bekräftigt. Die Evangelische Kirche (EKD) reagierte distanziert und sprach von ökumenischem Stillstand. Kirchenkritische Gruppierungen beklagten dagegen einen Rückschritt, da das Papstschreiben im Vorfeld des bundesweit ersten Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) die katholische Position zementiere.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte, mit der Enzyklika nehme der Papst nichts vom ökumenischen Engagement der Kirche zurück, sondern verstärke es. Ziel des Kirchenoberhauptes sei es, in der eigenen Kirche, aber auch zwischen den Kirchen Klarheit über das katholische Verständnis des Abendmahls zu schaffen und Missbräuche, Zweideutigkeiten und Instrumentalisierungen zu verhindern. Lehmann wertete das Lehrschreiben auch als Signal für den ÖKT, der Ende Mai in Berlin stattfindet. Jetzt könnten sich die Christen auf das konzentrieren, was sie schon heute gemeinsam tun könnten: gemeinsames Lesen der Bibel, gemeinsames Zeugnis in der Gesellschaft, Sorge um die Armen und Neu-Evangelisierung vor allem Europas.
Das ZdK hob hervor, dass der Papst sich zur Ökumene bekannt und das Engagement der Laien bei sonntäglichen Wortgottesdiensten gewürdigt habe. Das von Johannes Paul II. sehr persönlich angelegte und in erster Linie auf innerkirchliche Spiritualität zielende Lehrschreiben sei damit eine Ermutigung für den Kirchentag, erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer in Bonn. Er räumte ein, dass viele Christen gehofft hatten, dass der Papst auch "konkrete Wege eröffnet oder markiert, auf denen die
"nächsten Schritte" zu einer Einheit der Christen gegangen werden könnten. Distanz der evangelischen Kirche
Die EKD erklärte, es müsse nüchtern festgestellt werden, dass gegenwärtig eine Verständigung über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlsfeier nicht möglich erscheint. Nach evangelischem Verständnis fehle dem Abendmahl, wie es in den evangelischen Kirchen gefeiert werde, nichts zur Gültigkeit. Deshalb halte sie getauften Christen die eucharistischen Gastfreundschaft auch nicht vor.
Kirchenkritische Organisationen werteten die Enzyklika als neuen Tiefstand in der Ökumene. Die "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" unterstrichen in Bonn, sie hielten an den beim Kirchentag geplanten ökumenischen Gottesdiensten mit wechselseitiger Gastfreundschaft beim Abendmahl fest.
17. April 2003
In Deutschland geteiltes Echo auf Papstschreiben
Bonn (KNA) Das neue Lehrschreiben des Papstes zur Eucharistie ist in Deutschland auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)
begrüßten am Donnerstag die Enzyklika und betonten, der Papst habe das ökumenische Engagement der katholischen Kirche bekräftigt. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte distanziert und sprach von ökumenischem Stillstand. Kirchenkritische Gruppierungen beklagten dagegen einen
Rückschritt, da das Papstschreiben im Vorfeld des bundesweit ersten Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) die katholische Position zementiere.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, betonte, mit der Enzyklika nehme der Papst nichts vom ökumenischen Engagement der Kirche zurück, sondern verstärke es.
Ziel des Kirchenoberhauptes sei es, in der eigenen Kirche, aber auch zwischen den Kirchen Klarheit über das katholische Verständnis des Abendmahls zu schaffen und Missbräuche, Zweideutigkeiten und Instrumentalisierungen zu verhindern. Dabei vermeide Johannes Paul II. jede Schärfe. Lehmann betont, der Papst warne vor übereiltem Vorgehen bei der Eucharistiegemeinschaft. "Größte Zurückhaltung"
zeige Johannes Paul II. gegenüber jeglicher Form von Interkommunion, so lange die Gemeinschaft zwischen den Kirchen nicht vollständig erreicht sei. Dennoch bitte der Papst die Christen, bei ihren Bemühungen um die Einheit nicht nachzulassen. Lehmann wertete das Lehrschreiben auch als Signal für den ÖKT, der Ende Mai in Berlin stattfindet. Durch die klärenden Worte könnten sich die Christen auf das konzentrieren, was sie schon heute gemeinsam tun könnten: gemeinsames Lesen der Bibel, gemeinsames Zeugnis in der Gesellschaft, Sorge um die Armen und Neu-Evangelisierung vor allem Europas.
Meisner: Nur Katholiken dürfen kommunizieren
Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner begrüßte die Enzyklika. Wer nicht zur katholischen Kirche gehöre, könne - bis auf wenige Ausnahmen - nicht in der katholischen Messe kommunizieren, sagte
er am Donnerstag in Köln. In der Kommunion werde der Katholik der Kirche buchstäblich einverleibt. Das ZdK hob hervor, dass der Papst sich zur Ökumene bekannt und das Engagement der Laien bei sonntäglichen Wortgottesdiensten gewürdigt habe. Das von Johannes Paul II. sehr persönlich angelegte und in erster Linie auf innerkirchliche Spiritualität zielende Lehrschreiben sei damit eine Ermutigung für den Kirchentag, erklärte ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer in Bonn. Er räumte ein, dass viele Christen gehofft hatten, dass der Papst auch "konkrete Wege eröffnet oder markiert, auf denen die "nächsten Schritte" zu einer Einheit der Christen gegangen werden könnten. Die evangelische Kirche reagierte mit deutlicher Distanz. In weiten Teilen sei die Enzyklika durch "eine strenge und pointiert katholische Abendmahlstheologie" geprägt, die auf der Linie früherer Veröffentlichungen verbleibe, erklärte das Kirchenamt der EKD in Hannover. Die Enzyklika sei "eine testamentarische Äußerung eines - wenn auch sehr besonderen - Priesters, der immer wieder und an herausgehobenen Orten in tiefer innerer Bewegung Eucharistie gefeiert hat", heißt es weiter. Es müsse daher nüchtern festgestellt werden, dass gegenwärtig eine Verständigung über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlsfeier nicht möglich erscheint.
Nach evangelischem Verständnis fehle dem Abendmahl, wie es in den evangelischen Kirchen gefeiert werde, nichts zur Gültigkeit. Die evangelische Kirche sehe deshalb auch keine Möglichkeit, getauften Christen die eucharistischen Gastfreundschaft vorzuenthalten, sofern sie in ihren eigenen Kirchen zum Abendmahl eingeladen seien. "Enzyklika ist ein Rückschritt" Kirchenkritische Organisationen werteten die Enzyklika als neuen Tiefstand in der Ökumene. Die "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" unterstrichen in Bonn, sie hielten an den beim Kirchentag
geplanten ökumenischen Gottesdiensten mit wechselseitiger Gastfreundschaft beim Abendmahl fest. Zum wiederholten Mal mache Rom deutlich, dass "Ökumene" unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei, heißt es in der Erklärung. Inhaltlich wiederhole die Enzyklika die bekannten dogmatischen Positionen; der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung kurz vor dem Kirchentag bedeute eine Verschlechterung der ökumenischen Atmosphäre. Die Reformgruppen halten dem Papst gleichzeitig
vor, auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden keine Antwort zu geben. Wegen des Priestermangels könnten viele Gemeinden am Sonntag die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die
der Enzyklika entsprechen würde.
17. April 2003
Papst-Enzyklika: Nein zum gemeinsamen Abendmahl - Protestanten widersprechen Vatikan - Lehmann: Keine Absage an Ökumene
Vatikanstadt (epd). Sechs Wochen vor dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin hat Papst Johannes Paul II. ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten kompromisslos abgelehnt.
Eine für alle Christen offene Eucharistiefeier ohne volle Kirchengemeinschaft sei ein Hindernis für die Ökumene, heißt es in der am Gründonnerstag in Rom vorgestellten Enzyklika zur Eucharistie.
In Deutschland warnten die katholischen Bischöfe davor, das Papst-Schreiben als Absage an die Ökumene zu bewerten. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, eine Verständigung über eine Abendmahlsgemeinschaft erscheine danach gegenwärtig nicht möglich.
In seiner 14. Enzyklika «Ecclesia de Eucharistia» (Kirche über die Eucharistie) verurteilte Johannes Paul II. gemeinsame Abendmahlfeiern mit anderen Christen, wie sie am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin geplant sind. Der Papst fordert «Gehorsam» und erinnert die Katholiken an das Verbot der Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl. Aus Sicht des römischen Lehramtes wird das Sakrament in der evangelischen Kirche nicht «gültig» gespendet. Dies können laut Vatikan dagegen in römisch-katholischer Tradition geweihte Priester. Die EKD nahm die Papst-Enzyklika mit Zurückhaltung auf. Sie bekräftigte ihren Standpunkt, dass nach evangelischem Verständnis dem evangelischen Abendmahl «nichts zur vollen Gültigkeit fehle». Sie halte daher an ihrer Einladung zum Abendmahl an alle getauften Christen fest, erklärte EKD-Sprecher Christof Vetter in Hannover. Die dogmatische Dimension des Textes zeige sich in dem katholischen Beharren auf einem besonderen Weihepriestertum, das aus Sicht des Vatikans unabdingbare Voraussetzung der Eucharistie ist.
Die deutschen katholischen Bischöfe begrüßten die Enzyklika. Sie seien dankbar für dieses «Wort theologischer Klärung», erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in Bonn. Zum Thema gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten sagte der Mainzer Bischof, auch wenn der Papst die Zeit dafür noch nicht für reif halte, nehme er nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche. Johannes Paul II. vermeide in seiner Enzyklika «jede Schärfe». Christliche Reformgruppen dagegen werteten die Enzyklika als «Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen». Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai sei das Papst-Schreiben als Warnung zu verstehen, erklärten in Bonn die katholische Laienorganisation «Wir sind Kirche» und das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten». Beide Gruppen wollen beim Kirchentag gemeinsam mit einer evangelischen Gemeinde ökumenisch offene Gottesdienste feiern.
Der Papst beklagte in seiner 80-seitigen Abendmahls-Enzyklika «Missbräuche» in der Praxis der Eucharistiefeiern. Wer bestehende Unterschiede im Glauben nicht beachte, reduziere das Abendmahl zum
«brüderlichen Mahl». Auch dürfe die Kirche nicht davor zurückschrecken, katholische Christen von der
eucharistischen Kommunion auszuschließen, die «hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren». Dagegen bekräftigt Johannes Paul II., der im 25. Jahr seines Pontifikats steht, bereits mögliche Ausnahmen bei der Spendung der katholischen Eucharistie. Katholische Priester können danach in bestimmten, gut begründeten Einzelfällen die Sakramente der Eucharistie, der Buße und der Krankensalbung anderen Christen spenden, auch wenn diese nicht der römisch katholischen Kirche angehören. Dies dürfe jedoch nicht mit einer gemeinsamen Mahlfeier verwechselt werden.
17. April 2003
"Enzyklika ist ein Rückschritt"
Kirchenkritische Organisationen werteten die Enzyklika als deutlichen Rückschritt und neuen Tiefstand in der Ökumene.
Die "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und die katholische KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" unterstrichen in Bonn, sie hielten an den beim Ökumenischen Kirchentag geplanten ökumenischen Gottesdiensten mit wechselseitiger Gastfreundschaft beim Abendmahl fest.
Zum wiederholten Mal mache Rom deutlich, dass "Ökumene" unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei, heißt es in der Erklärung. Inhaltlich wiederhole die Enzyklika die bekannten dogmatischen Positionen; der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung kurz vor dem Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) bedeute eine Verschlechterung der ökumenischen Atmosphäre. Die Reformgruppen halten dem Papst gleichzeitig vor, auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden keine Antwort zu geben. Wegen des Priestermangels könnten viele Gemeinden am Sonntag die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der Enzyklika entsprechen würde. Der Zusammenbruch der Seelsorge stehe in vielen Orten Deutschlands unmittelbar bevor.
17.April 2003
Kirchliche Laien werten Papst-Enzyklika als Warnung für Kirchentag
Berlin/Bonn (epd). Christliche Reformgruppen haben die Enzyklika des Papstes zur Eucharistie als «Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen» bewertet. Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag in Berlin Ende Mai sei das Papst-Schreiben als Warnung zu verstehen, erklärten am Donnerstag in Bonn die katholische Laienorganisation «Wir sind Kirche» und das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten». Ungeachtet aller theologischen Fortschritte und pastoralen Nöte in den Gemeinden halte der Vatikan am «eucharistischen Leitbild des priesterzentrierten Gottesdienstes» fest, kritisieren die beiden Reformgruppen. Dieser Absolutheitsanspruch mache ökumenische Fortschritte unmöglich. Die beiden Gruppen wollen beim Ökumenischen Kirchentag gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Prenzlauer Berg-Nord ökumenisch offene Gottesdienste mit «eucharistischer Gastfreundschaft» feiern. Da die katholische Kirche dies schon im Vorfeld abgelehnt hat, finden die beiden Gottesdienste außerhalb des offiziellen Kirchentagsprogramms statt.
17. April 2003
Die römische Trennung beim Abendmahl manifestiert den Stillstand in der Ökumene. Reformgruppen halten an Ökumenischen Gottesdiensten beim Kirchentag fest. Zur Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" nehmen das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und die katholische KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche", vertreten durch ihren gemeinsamen Arbeitskreis Ökumene, wie folgt Stellung:
Die neue Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" kennzeichnet sechs Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin einen neuen Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen. Zum wiederholten Mal macht Rom deutlich, dass "Ökumene" - unter diesem Papst - nur nach römischen Spielregeln zu haben ist. 1. Die Enzyklika wiederholt im wesentlichen die bekannten dogmatischen Positionen der römischen Kirche, sagt also nichts Neues. Kurz vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin und im Zusammenhang der Verschlechterung der ökumenischen Atmosphäre ist sie jedoch eine Warnung: Ungeachtet aller theologischen Fortschritte, ungeachtet aller pastoralen Nöte in den Gemeinden hält Rom am eucharistischen Leitbild des priesterzentrierten Gottesdienstes fest - nur unter dieser Bedingung soll Ökumene möglich sein. Durch diesen Absolutheitsanspruch werden jedoch ökumenische Fortschritte, die das frühkirchliche Glaubensbekenntnis zu der "einen Kirche" ernstnehmen würden, unmöglich. 2. Nach der Lehre des II. Vatikanischen Konzils ist die "katholische", also die "eine Kirche" im Sinne des Glaubensbekenntnisses jedoch keineswegs mit der römisch-katholischen Kirche identisch. Es ist deshalb nicht einsichtig, aus dem Glaubensbekenntnis unmittelbar die Forderung abzuleiten, den liturgischen Normen der römischen Kirche gehorchen zu müssen (52). Das frühkirchliche Glaubensbekenntnis zur "einen Kirche" ist die gemeinsame Grundlage, auf der wir beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin mit der evangelischen Gemeinde am Prenzlauer Berg-Nord in der Gethsemane-Kirche ökumenische Gottesdienste mit eucharistischer Gastfreundschaft feiern werden. 3. Auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden geht die Enzyklika nur am Rande ein: Wegen des Priestermangels können viele Gemeinden am Sonntag die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der Enzyklika entsprechen würde. Anstelle konstruktiver Lösungsversuche - etwa in der Frage nach der Legitimität des Zölibates - wird den Gemeinden vom Papst nun der "Hunger" nach der Eucharistie empfohlen (33) - eine Vertröstung, über die die Aktiven in den Gemeinden nur gequält lächeln können. Das Gebet um Priesterberufe allein und ein Loblied auf die den Amtspriestern vorbehaltene Eucharistiefeier sind kein Ausweg: Der Zusammenbruch der Seelsorge steht an vielen Orten in Deutschland unmittelbar bevor.
Da den deutschen Bistümern von Rom aus die Hände gebunden sind, können sie auf diese pastorale Krise nur mit kosmetischen Korrekturen reagieren. Die neue Enzyklika schreibt diese defizitäre Strategie fest. 4. Die Enzyklika untersagt katholischen Christinnen und Christen die Teilnahme am evangelischen Abendmahl (30). Demgegenüber stellte jedoch die Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer 1975 ausdrücklich fest, dass katholische Christinnen und Christen, die auf Grund eigener Gewissensentscheidung am evangelischen Abendmahl teilnehmen, sich damit nicht von ihrer Kirche abwenden (Gottesdienst 5.5). Folglich stellt diese Entscheidung nicht die Zugehörigkeit zur eigenen Kirche in Frage, wie auch die deutschen Bischöfe damals anerkannten. Die Anerkennung des hohen Gutes der Gewissensentscheidung muss auch in Zukunft außer Frage stehen, 5. Ausdrücklich begrüßen wir den Hinweis, dass durch die Eucharistiefeier die Verantwortung in der globalisierten Welt wachgerufen wird (20): "Was soll man von den tausend Widersprüchen einer ,globalisierten' Welt halten, in der die Schwächsten, die Kleinsten und die Ärmsten scheinbar wenig zu erhoffen haben?" - Doch das Einschärfen der scheinbar theologisch begründeten Grenzen konterkariert diesen guten Gedanken - Die Alleingänge der römischen Kirche führen in die falsche Richtung. Nicht Trennung, sondern ein kommunikatives Handeln im respektvollen Miteinander ist das christliche Gebot der Stunde, das der kriegs- und notgeplagten Welt Hoffnung gäbe - der Papst hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Wie bereits lange angekündigt, werden die Initiative Kirche von unten (IKvu) und die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord während des Ökumenischen Kirchentages in Berlin ökumenische Gottesdienste feiern, in denen nach intensiver theologischer Vorarbeit ausdrücklich zur wechselseitigen Gastfreundschaft eingeladen wird: einen ökumenischen Gottesdienst mit Eucharistie nach katholischem Ritus und "offener Kommunion", einen ökumenischen Gottesdienst mit Abendmahl in evangelischer Tradition "für alle". Außerdem werden die beiden Reformgruppen die Teilnehmenden des Ökumenischen Kirchentages dazu aufrufen, bei allen Gottesdiensten der Einladung zum Tisch des Herrn zu folgen, auch wenn diese Einladung in Berlin von den Kirchentagsleitungen nicht ausgesprochen wird. Die in der Enzyklika erfolgte Verurteilung der interkonfessionellen Konzelebration (44) und der Interkommunion (45) durch den Papst trifft hierfür nicht zu. Ermutigt sehen wir uns auch durch die renommierten ökumenischen Institute in Bensheim, Straßburg und Tübingen, die jüngst ausführlich begründet haben, dass eucharistische Gastfreundschaft trotz der noch bestehenden Unterschiede im theologischen Verständnis und in der Praxis der Kirchen theologisch verantwortbar und in vielen Fällen pastoral sogar geboten ist. Die Institute plädieren für eine offene Praxis eucharistischer Gastfreundschaft als Normalfall im Leben ökumenisch verbundener Gemeinden, da die ökumenische Arbeit einen Stand erreicht hat, der nicht nur für einzelne Christen Konsequenzen hat, sondern gebietet, von einer reinen "Notstandsseelsorge" zu einer offiziellen Praxis eucharistischer Gastfreundschaft voranzuschreiten.
Freie Presse 18.4.2003
Papst untersagt Katholiken ökumenisches Abendmahl
Bischöfe begrüßen Enzyklika / Kritik von Basisbewegungen
Die deutschen katholischen Bischöfe haben die Papst-Enzyklika über das christliche Abendmahl begrüßt. Papst Johannes Paul II. verbietet in der am Gründonnerstag veröffentlichten "Ecclesia de Eucharistia" den Katholiken, am Abendmahl protestantischer Kirchen teilzunehmen. Kardinal Karl Lehmann sagte, der Papst nehme "nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche, ja er verstärkt es". Das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" und die katholische Bewegung "Wir sind Kirche" kritisierten dagegen die Enzyklika.
Wenn der Papst vor einem übereilten Vorgehen beim gemeinsamen Abendmahl warne, wolle er damit "das Feuer der ökumenischen Hoffnung auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche nicht mindern", sagte Lehmann. Immer wieder werde in der Enzyklika deutlich gemacht, dass es "zur Zeit" keine Anerkennung der Ämter in den reformatorischen Kirchen gehen könne. "Der Papst weiß um den Schmerz, der deswegen unter den Christen vorherrscht", erklärte Lehmann. "Aber er bittet inständig, deswegen in der Hoffnung auf die Einheit der Kirche nicht nachzulassen."
Die Kirchenkritiker erklärten dagegen, sechs Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin kennzeichne die Enzyklika einen neuen Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen. Auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden gehe die Enzyklika nur am Rande ein. So könnten wegen des Priestermangels viele Gemeinden die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der Enzyklika entsprechen würde. Anstelle konstruktiver Lösungsversuche - etwa in der Frage nach der Legitimität des Zölibates - werde den Gemeinden vom Papst nun der "Hunger" nach der Eucharistie empfohlen. "Eine Vertröstung, über die die Aktiven in den Gemeinden nur gequält lächeln können", hieß es in der Erklärung.
Nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, ist die Absage des Papstes an das gemeinsame Abendmahl kein Rückschlag für die Ökumene. "Es ist die Feststellung eines Zustandes, den man nüchtern auch vorher hatte einschätzen können", sagte Kock im WDR. Es gebe "so viel anderes, was wir gemeinsam tun können".
18. April 2003 Publik-Forum Nr. 8
Gastfreundschaft, was denn sonst!
Warum drei renommierte Ökumenische Institute das gemeinsame Abendmahl für geboten halten. Von Hartmut Meesmann
Wenn drei renommierte Ökumenische Institute gemeinsam erklären, dass eine Abendmahlsgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten schon jetzt möglich ist und es keine hinreichenden theologischen Gründe mehr gibt, diese zu verweigern, dann hat das Gewicht. Denn hier sind Fachleute am Werk, die die Feinheiten der ökumenischen Diskussion bis in ihre kaum mehr nachzuvollziehenden Verästelungen hinein kennen. Man kann die Beteiligten nicht einfach ins theologische Abseits stellen.
Mit ihren sieben »Thesen zur eucharistischen Gastfreundschaft« haben das Institut für Ökumenische Forschung in Tübingen, das evangelische Konfessionskundliche Institut in Bensheim und das Ökumenische Forschungsinstitut des Lutherischen Weltbundes in Straßburg zugleich einen Kontrapunkt gesetzt zum Lehrscheiben des Papstes über die Eucharistie, das zum Gründonnerstag veröffentlicht werden soll und in dem Johannes Paul II. Eingeweihten zufolge die römische Position unterstreichen wird, nach der die eucharistische Gastfreundschaft die volle Einheit im Glauben voraussetze.
Demgegenüber betonen die drei Institute, dass die ökumenischen Dialoge zu einer »weit reichenden Übereinstimmung in den traditionell kontroversen Themen im Verständnis des Abendmahls« geführt hätten und weiter bestehende Unterschiede eine gemeinsame Feier des Abendmahls nicht verhinderten. Es sei heute selbst in der Ämterfrage aus kirchenoffizieller Sicht das Haupthindernis für die Kircheneinheit eine Annäherung im Grundsätzlichen erreicht, die eine eucharistische Gastfreundschaft möglich mache.
Ja, die drei Institute gehen so gar noch einen Schritt weiter, wenn sie erklären, dass eine eucharistische Gastfreundschaft im Sinne einer offenen Einladung an Christen anderer Konfessionen, an der Mahlgemeinschaft mit Christus teilzunehmen, sogar »in vielen Fällen geboten« sei. Im Blick auf ?Paare unterschiedlicher Konfessionszugehörigkeit und das Engagement ökumenischer Arbeitskreise heißt es klipp und klar: »Christen und Christinnen, denen es auf Grund ihres schon gelebten ökumenischen Miteinanders ein geistliches Bedürfnis ist, mit Gläubigen anderer Kirchen Mahlgemeinschaft am Tisch des Herrn zu halten, darf diese offene Gastfreundschaft nicht verwehrt werden.« Jochen Hilberath, Direktor des Tübinger Forschungsinstituts, das einst Hans Küng gegründet hatte, ergänzte in einem Interview, der Einzelne könne sich in seinem Gewissen zu etwas verpflichtet fühlen, das offiziell anders geregelt sei eine Position, für die auch die Kirchenvolksbewegung »Wir sind Kirche« wirbt und mit der sie unter anderem auch ihre beiden offenen Abendmahlsgottesdienste auf dem Berliner Ökumenischen Kirchentag begründet.
Für die drei Ökumenischen Institute ist nicht die Zulassung getaufter Christen begründungsbedürftig und die Taufe ist ja immerhin zwischen den Kirchen voll anerkannt, sondern deren Verweigerung. Denn zahlreiche offizielle Ausnahmeregelungen zeigten schon heute, dass von einem absoluten Junktim zwischen Abendmahls- und Kirchengemeinschaft nicht die Rede sein könne. Theologisch sei mehr möglich. Deshalb könne man »von einer reinen Notstandsseelsorge zu einer offiziellen Praxis eucharistischer Gastfreundschaft« kommen zumal, so ein weiteres theologisches Argument, die Eucharistie »Zeichen und Instrument der Einheit sowohl der lokalen wie der universalen Kirche« sei.
In der fünften These wird ein gewichtiges theologisches Argument angeführt, das bislang vor allem von evangelischer Seite vorgebracht wird: Es sei Jesus Christus, der zum Abendmahl einlade. »Er ist Geber und Gabe. Allein in seinem Namen und Auftrag spricht die Kirche die Einladung aus.« Die Kirche verfüge nicht über das Herrenmahl, sondern stehe in der Verantwortung, das eucharistische Gedächtnis tatsächlich auch dem Willen Jesu gemäß zu feiern, heißt es in der Erklärung der Institute.
An deren Ende wird darauf verwiesen, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche sei, für die Versöhnung der Menschen untereinander einzutreten. »Orientierung und Beweggrund für diesen versöhnenden Dienst ist für Christen und Kirchen die Versöhnung des Menschen mit Gott, wie sie in Abendmahl und Eucharistie je neu geschieht.« Von daher, so die drei Institute, würde ein gegenseitiges Gastrecht bei diesem Versöhnungszeugnis »nicht schwächend, sondern stärkend sein für mehr Gemeinschaft«.
Indem die drei Ökumenischen Institute die Kirchen am Ende ihrer bedeutsamen Stellungnahme dazu aufrufen, endlich die längst vorliegenden Ergebnisse der ökumenischen Dialogkommissionen anzuerkennen und »unter den Bedingungen gelebter ökumenischer Gemeinschaft die öffentliche Einladung an den Tisch des Herrn nicht nur zu dulden, sondern auszusprechen«, gehen die beteiligten Theologinnen und Theologen in die Offensive. Schließlich gehört es ja auch zu den Aufgaben der Theologen, das, was sie für richtig halten, in die öffentliche Diskussion einzubringen, den zögerlichen Kirchenleitungen ins Gewissen zu reden und sie zugleich zu neuen Wegen, so sie denn vertretbar oder wünschenswert erscheinen, zu ermutigen.
Buchhinweis: Abendmahlsgemeinschaft ist möglich - Thesen zur eucharistischen Gastfreundschaft, Verlag Otto Lembeck, 80 Seiten, 6,50 EUR.
18. April 2003 Schleswig-Holsteinischer
Enttäuschung über Abendmahl-Enzyklika des Papstes
Rom/Mainz (dpa) - Das klare Nein des Papstes zum gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken hat in den deutschen Kirchen überwiegend Enttäuschung ausgelöst. Die Enzyklika «Ecclesia de Eucharistia» (Die Kirche lebt von der Eucharistie) zeichne sich durch eine «fast schroffe Klarheit» aus, meinte Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. «Die Konsequenz ist nicht zu resignieren, sondern das (ökumenische) Gespräch noch intensiver werden zu lassen.»
Johannes Paul II. unterzeichnete die Enzyklika bei einer Messe am Gründonnerstagabend im Petersdom in Rom. Unter den Kardinälen und Bischöfen sowie den anwesenden Pilgern und Touristen brandete Beifall auf. Es ist die 14. Enzyklika seit Beginn seiner Amtszeit vor fast 25 Jahren.
Lehmann machte klar, dass es beim ersten Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin entgegen dem Willen vieler Gläubiger kein gemeinsames Abendmahl geben dürfe. «Ich hoffe, dass die Klugheit der Leute groß genug ist...» Bei einer gemeinsamen Feier drohe Exkommunikation. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, meinte: «Wir haben in der Tat einen Dissens.» Man solle den Berliner Kirchentag nicht mit dem Thema gemeinsames Abendmahl belasten, sagte er ihn einem Interview des Westdeutschen Rundfunks. Reformorientierte Katholiken und Protestanten wollen dennoch in Berlin ein Abendmahl in evangelischer Tradition und einen Gottesdienst mit katholischer Eucharistie gemeinsam feiern.
In dem 60 Seiten Dokument mahnt der Papst die Katholiken auch, nicht am Abendmahl in einer protestantischen Kirche teilzunehmen. Das würde die Unterschiede zwischen dem protestantischen Abendmahl und der katholischen Eucharistiefeier verwischen. Hintergrund des Konflikts sind verschiedene theologische Auffassungen. Nach katholischer Lehre verwandelt der Priester durch seine Worte bei der Eucharistiefeier Hostie und Wein tatsächlich in den Leib und das Blut Jesu («Transsubstantiation»). Protestanten betonen dagegen eher den symbolischen Charakter.
Der fast 83 Jahre alte Papst machte zu Beginn der Osterfeiern einen gesundheitlich gefestigten Eindruck. Er hatte aber wegen seiner Parkinson-Krankheit erneut eine undeutliche Aussprache. Erster Höhepunkt der Osterfeiern ist der Kreuzweg am Kolosseum in Rom am Karfreitag.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken begrüßten das Papst-Dokument. Die Eucharistiefeier lasse sich nicht zur Erlangung der Gemeinschaft zwischen den Kirchen instrumentalisieren. Die Reform-Initiative «Kirche von unten» sprach von einem «Tiefstand im ökumenischen Prozess». Zum wiederholten Male mache Rom deutlich, dass Ökumene unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei. Die «Alleingänge Roms» führten in die falsche Richtung.
(erschienen auch in: Heilbronner Stimme 18.4.2003; Harke (Nienburg) 18.4.2003; Märkische Allgemeine 17.4.2003; wortgleiche Meldung in über 30 deutschen Tageszeitungen 17.-19.04.2003)
18 April 2003
Enttäuschung über Abendmahl-Enzyklika - Warnung vor Exkommunikation
Rom/Mainz (dpa) - Die scharfe Absage des Papstes an ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken hat in den deutschen Kirchen überwiegend Enttäuschung und Kritik ausgelöst. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, erinnerte an das katholische Kirchenrecht, das bei Verstößen Strafen bis hin zur Exkommunikation vorsehe.
Beim ersten Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin wollen Reformkräfte gegen den Willen der Veranstalter ein Abendmahl in evangelischer Tradition und einen katholischen Gottesdienst mit Eucharistie für alle Gläubige feiern. Reform-Initiativen bewerteten die Enzyklika als einen Rückschlag für die Ökumene. Eher konservative Priester hingegen begrüßten das Schreiben.
Johannes Paul II. unterschrieb die Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (Die Kirche lebt von der Eucharistie) bei einer Messe am Gründonnerstagabend im Petersdom in Rom. In dem Lehrschreiben bekräftigt er auch das Verbot für Katholiken, in evangelischen Kirchen zum Abendmahl zu gehen.
Lehmann meinte, das 60-Seiten-Dokument zeichne sich durch eine "fast schroffe Klarheit" aus. Er fügte aber hinzu: "Die Konsequenz ist nicht zu resignieren, sondern das (ökumenische) Gespräch noch intensiver werden zu lassen." Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, mahnte, den Kirchentag nicht mit dem Thema gemeinsames Abendmahl zu belasten. In einem Interview des Westdeutschen Rundfunks (WDR) meinte er: "Wir haben in der Tat einen Dissens."
Kern der Papstargumentation ist es, der Unterschied zwischen evangelischen Abendmahl und der katholischen Eucharistiefeier dürfe nicht verwischt werden. Hintergrund sind verschiedene theologische Auffassungen: Nach katholischer Lehre verwandelt der Priester durch seine Worte bei der Eucharistiefeier Hostie und Wein tatsächlich in den Leib und das Blut Jesu ("Transsubstantiation"). Protestanten betonen dagegen stärker den symbolischen Charakter.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten das Papst-Dokument. Die Eucharistiefeier lasse sich nicht zur Erlangung der Gemeinschaft zwischen den Kirchen instrumentalisieren. Meyer sagte: "Wir fühlen uns ermutigt durch die Worte Papst Johannes Paul II. über die katholische Spiritualität und über die Notwendigkeit weiterer ökumenischer Bemühungen."
Die Reform-Initiative "Kirche von unten" sprach dagegen von einem "Tiefstand im ökumenischen Prozess". Der Vatikan mache wieder einmal klar, dass Ökumene unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei. Die "Alleingänge Roms" führten in die falsche Richtung.
18. April 2003
Papst erneuert Verbot des gemeinsamen Abendmahls - Lehmann: Klärendes theologisches Wort - EKD reagiert zurückhaltend auf Enzyklika
Vatikanstadt (epd). Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Sechs Wochen vor dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnete Papst Johannes Paul II. am Gründonnerstag in Rom eine Enzyklika zur Eurcharistie, in der er ein gemeinsames Abendmahl kompromisslos ablehnt. Die Unterschiede im Glauben zwischen beiden Konfessionen seien noch zu groß, heißt es in dem Lehrschreiben. Während katholische Bischöfe und Laien das Papier begrüßten, regierte die evangelische Kirche zurückhaltend. Theologen und Reformgruppen werten es als Rückschlag für die Ökumene.
In seiner 14. Enzyklika «Ecclesia de Eucharistia» (Kirche über die Eucharistie) verurteilt Johannes Paul II. gemeinsame Abendmahlfeiern mit anderen Christen, wie sie am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin geplant sind. Der Papst fordert «Gehorsam» und erinnert die Katholiken an das Verbot der Teilnahme an einem evangelischen Abendmahl. Aus Sicht des römischen Lehramtes wird das Sakrament in der evangelischen Kirche nicht «gültig» gespendet. Dies können laut Vatikan dagegen in römisch-katholischer Tradition geweihte Priester. Papst Johannes Paul II., der im 25. Jahr seines Pontifikats steht, mahnte alle katholischen Christen an ihre Pflicht, jeden Sonntag zur Eucharistie zu gehen. Ausnahmen gelten den Angaben zufolge nur aus «schwerwiegenden Gründen», denn die «Kirche lebt von der Eucharistie». Der Papst beklagte in seiner 80-seitigen Abendmahls-Enzyklika «Missbräuche» in der Praxis der Eucharistiefeiern. Wer bestehende Unterschiede im Glauben nicht beachte, reduziere das Abendmahl zum «brüderlichen Mahl». Auch dürfe die Kirche nicht davor zurückschrecken, katholische Christen von der eucharistischen Kommunion auszuschließen, die «hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren».
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) warnten davor, das Papst-Schreiben als Absage an die Ökumene zu verstehen. Kardinal Karl Lehmann, ist nach eigenen Worten dankbar für dieses «Wort theologischer Klärung». Zum Thema gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten sagte der Mainzer Bischof, auch wenn der Papst die Zeit dafür noch nicht für reif halte, nehme er nichts zurück vom ökumenischen Engagement. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, bezeichnete die Absage des Papstes an eine gemeinsame Abendmahlsfeier nicht als Rückschlag für die Ökumene.
Es sei vielmehr die Feststellung eins Zustandes, den man nüchtern auch vorher hätte einschätzen können, sagte Kock. «Wir leben seit Jahrhunderten im Dissens, und wenn man vergleicht, was noch vor
fünfzig Jahren nicht möglich war, dann hat sich doch Erhebliches geändert.» Die Enzyklika lasse «keine ökumenische Öffnung in absehbarer Zeit» erwarten, erklärte dagegen das evangelische Konfessionskundliche Institut im hessischen Bensheim. Der Papst beschränke die Zulassung einzelner nicht-katholischer Christen zur katholischen Eucharistie auf Situationen, die nur noch mit Todesgefahr zu umschreiben seien. Das gehe am Bedürfnis konfessionsverschiedener Familien oder auch ökumenisch verbundener Christen vorbei. Reformgruppen werteten die Enzyklika als «Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen».
Mit Blick auf den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai sei das Papst-Schreiben als Warnung zu verstehen, erklärten in Bonn die katholische Laienorganisation «Wir sind Kirche» und das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten». Beide wollen in Berlin mit Protestanten ökumenisch offene Gottesdienste feiern. Enttäuscht zeigte sich auch die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Christa Nickels. Das Dokument trage zur Selbstvergewisserung der katholischen Position bei, gehe aber an der Lebenswirklichkeit vieler Christen vorbei, sagte sie dem epd in Berlin. Die FPD-Politikerin Marita Sehn betonte, der Papst lege durch seine klärenden Worte ein Fundament für die Ökumene, positive Signale in der Enzyklika sollten nicht übersehen werden.
19.April 2003 Frankfurter Rundschau
Selbst Katholiken sprechen von "neuem Tiefstand" in der Ökumene
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Papst-Lehrschreiben zum gemeinsamen Abendmahl löst kurz vor dem Kirchentag überwiegend Enttäuschung aus. Auf dem Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin darf es offiziell keine ökumenischen Mahlfeiern geben. Die jüngste Enzyklika von Papst Johannes Paul II. lässt einen anderen Schluss nicht zu. Von Hartmut Meesmann (Frankfurt)
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Die Reaktionen auf das Gründonnerstag veröffentlichte Lehrscheiben mit dem Titel "Ecclesia de Eucharistia" sind kontrovers, doch die Enttäuschung überwiegt. Während katholische Bischöfe die Klarheit des päpstlichen Schreibens würdigen und keine Absage an die Ökumene erkennen können, urteilt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nüchtern: Gegenwärtig erscheine eine Verständigung über das Amtsverständnis und damit eine gemeinsame Abendmahlfeier von Katholiken und Protestanten nicht möglich.
Die katholischen Oppositionsgruppen "Wir sind Kirche" und "Initiative Kirche von unten" sprechen von einem "neuen Tiefstand" in der Ökumene. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken vermisst im Papstschreiben konkrete Wege, wie es in der Ökumene nun weitergehen solle.
Papst Johannes Paul II. bekräftigt in seiner Enzyklika, dass eine Abendmahlsgemeinschaft eine Kirchen- und Glaubensgemeinschaft voraussetze, die noch nicht gegeben sei. Die Eucharistie sei nicht nur ein "In-Erinnerung-Rufen", sondern eine "Wieder-Vergegenwärtigung" des Kreuzesopfers Jesu, betont der Papst in Anspielung auf das eher symbolische Abendmahlverständnis anderer Konfessionen.
Für die katholische Kirche ist der geweihte Priester als Leiter der Eucharistiefeier unerlässlich. Die evangelischen Kirchen kennen dagegen keine geweihten Amtsträger. Deshalb sei es Katholiken nicht erlaubt, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, schreibt der Papst. Aber er lässt eng umgrenzte Ausnahmen zu, wie sie auch im Kirchenrecht vorgesehen sind. So dürfe ein Katholik dann am evangelischen Abendmahl teilnehmen, wenn er ein "schwer wiegendes geistliches Bedürfnis" dazu verspüre. Das gelte umgekehrt auch für evangelische Christen.
Innerhalb der katholischen Kirche offenbart die Enzyklika einen neuen Konflikt zwischen päpstlichem Lehramt und der Theologie. Kürzlich hatten drei renommierte ökumenische Institute (Tübingen, Straßburg und Bensheim) in einer gemeinsamen Stellungnahme ausdrücklich erklärt, eine Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten sei möglich, da die ökumenischen Gespräche der vergangenen Jahrzehnte zu einer weit reichenden Übereinstimmung in den kontroversen Themen geführt hätten. Die Institute halten eine gegenseitige offene Einladung zum Abendmahl sogar "in vielen Fällen für geboten", um den christlichen Auftrag zur Versöhnung auszudrücken.
Mit dieser Position stehen die beteiligten katholischen Theologen im Widerspruch zum Papst. In einem Interview bedauerte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, diese Thesen brächten viele Katholiken in einen "inneren Zwiespalt". Kasper wirft den Theologen vor, die ökumenische Situation zu verharmlosen.
Jochen Hilberath, Direktor des Instituts für ökumenische Forschung in Tübingen, hält dem entgegen: Der Einzelne könne sich in seinem Gewissen zu etwas verpflichtet fühlen, das offiziell anders geregelt sei. So sehen es auch "Wir sind Kirche" und "Initiative Kirche von unten". Beide Organisationen halten daran fest, gemeinsam mit einer Berliner evangelischen Gemeinde am Kirchentag zwei ökumenische Gottesdienste zu feiern, zu denen jeweils wechselseitig Christen der anderen Konfession eingeladen werden sollen - dem Papst zum Trotz.
20. April 2003 DPA
Zeitung: Berliner Christen wollen sich Papstwort widersetzen
Berlin (dpa) - Trotz des Verbots von Papst Johannes Paul II. wollen Katholiken und Protestanten aus Berlin im Rahmen des Kirchentags zwei Gottesdienste mit gemeinsamem Abendmahl abhalten. Wie die "Berliner Morgenpost" in ihrer Sonntagausgabe berichtet, sollen die beiden Veranstaltungen in der Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg stattfinden. Wegen der drohenden Konsequenzen solle der Name des teilnehmenden katholischen Geistlichen aber noch geheim bleiben.
Vom 28. Mai bis zum 1. Juni findet in Berlin erstmals ein ökumenischer Kirchentag statt. In einer Enzyklika hatte der Papst vor wenigen Tagen dem Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl allerdings eine scharfe Absage erteilt. Bei Verstößen gegen diese Vorgabe drohen nach dem katholische Kirchenrecht Strafen bis hin zur Exkommunikation.
Die Berliner Gethsemane-Kirche war 1989 über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt geworden. Von den dortigen Treffen Oppositioneller gingen immer wieder Impulse für die Umwälzungen in der DDR aus.
21. April 2003 Freie Presse
Papst untersagt Katholiken ökumenisches Abendmahl
Bischöfe begrüßen Enzyklika / Kritik von Basisbewegungen
Die deutschen katholischen Bischöfe haben die Papst-Enzyklika über das christliche Abendmahl begrüßt. Papst Johannes Paul II. verbietet in der am Gründonnerstag veröffentlichten "Ecclesia de Eucharistia" den Katholiken, am Abendmahl protestantischer Kirchen teilzunehmen. Kardinal Karl Lehmann sagte, der Papst nehme "nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche, ja er verstärkt es". Das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" und die katholische Bewegung "Wir sind Kirche" kritisierten dagegen die Enzyklika. Wenn der Papst vor einem übereilten Vorgehen beim gemeinsamen Abendmahl warne, wolle er damit "das Feuer der ökumenischen Hoffnung auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche nicht mindern", sagte Lehmann. Immer wieder werde in der Enzyklika deutlich gemacht, dass es "zur Zeit" keine Anerkennung der Ämter in den reformatorischen Kirchen gehen könne. "Der Papst weiß um den Schmerz, der deswegen unter den Christen vorherrscht", erklärte Lehmann. "Aber er bittet inständig, deswegen in der Hoffnung auf die Einheit der Kirche nicht nachzulassen."
Die Kirchenkritiker erklärten dagegen, sechs Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin kennzeichne die Enzyklika einen neuen Tiefstand im ökumenischen Prozess der Kirchen. Auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden gehe die Enzyklika nur am Rande ein. So könnten wegen des Priestermangels viele Gemeinden die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der Enzyklika entsprechen würde. Anstelle konstruktiver Lösungsversuche - etwa in der Frage nach der Legitimität des Zölibates - werde den Gemeinden vom Papst nun der "Hunger" nach der Eucharistie empfohlen. "Eine Vertröstung, über die die Aktiven in den Gemeinden nur gequält lächeln können", hieß es in der Erklärung.
Nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, ist die Absage des Papstes an das gemeinsame Abendmahl kein Rückschlag für die Ökumene. "Es ist die Feststellung eines Zustandes, den man nüchtern auch vorher hatte einschätzen können", sagte Kock im WDR. Es gebe "so viel anderes, was wir gemeinsam tun können".
29.April 2003
Von Quartier- und anderen Sorgen - In vier Wochen beginnt der Ökumenische Kirchentag in Berlin (von KNA-Redakteur Norbert Zonker)
Berlin (KNA) Aus Spaß ist längst schon Ernst geworden. Vier Wochen vor dem ersten bundesweiten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Berlin haben die Veranstalter erst die Hälfte der benötigten 20.000 Privatquartiere gefunden. "Der aktuelle Stand liegt bei 10.300", sagte Pressesprecher Martin Wittschorek am Dienstag. Auch in den Gemeinschaftsquartieren in den Schulen dürfte es eng werden, denn die Zahl der Anmeldungen übertrifft alle Erwartungen. Nach Einschätzung Wittschoreks wird sie " weit über 150.000" hinausgehen - auf eine genauere Zahl will er sich nicht festlegen. Am Ende könnte die Werbeagentur Scholz und Friends, die auf ihren Plakaten Models auf Bügelbrettern, in Schrankwänden und Hundekörbchen platzierte, ungewollt Recht behalten. Die "ausgeschlafene Kampagne", wie Agentur-Geschäftsführer Martin Pross die Ideen seiner Mitarbeiter im Januar selbst lobte, ist zwar inzwischen preisgekrönt, doch muss nach einer alten Werbungs-Weisheit "der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler". Der "Fisch" - also der gemeine Berliner - will aber offenbar nicht so recht anbeißen, schmunzelt vielleicht über die Einfälle, ruft aber zu selten bei der Telefonnummer (030) 23 45 52 00 an, um eine Unterkunft anzubieten. Am Dienstag warb Schauspieler Jochen Senf, bekannt als "Tatort"-Kommissar Palü, für die Quartierkampagne. Wie viele Betten der TV-Ermittler fand, ist noch offen. Zu einem Fototermin besuchte er Schauspielschülerin Anja Decke, die im Rahmen der Kampagne den ganzen Tag in einem Schaufenster der Mercedes-Benz-Niederlassung am Potsdamer Platz verbrachte - ein guter Ort, um von Touristen gesehen zu werden. Aber der Berliner als solcher kommt eher selten dort hin. Muss er auch nicht, relativierte Wittschorek die Kritik, denn es gehe vor allem darum, "das Thema über die Medien bekannt zu machen", die eigentliche Quartiersuche laufe in den Kirchengemeinden. Inhaltlich ist in den vergangenen Tagen wieder ein Aspekt in den Focus der Diskussion gekommen, den die Veranstalter lieber tiefer hängen wollten: die Frage der Abendmahls- oder Eucharistiegemeinschaft. Papst Johannes Paul II. bekräftigte in seiner am Gründonnerstag veröffentlichten Enzyklika den katholischen Standpunkt, dass derzeit eine "gegenseitige eucharistische Teilnahme" noch nicht möglich sei. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) setzte eine Woche später ebenso deutlich dagegen, dass "zum evangelischen Abendmahl alle getauften Christen eingeladen sind, die nach der Ordnung ihrer eigenen Kirche zum Abendmahl zugelassen sind".
Nun ist im ÖKT-Programm - anders als bei der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" und der Initiative "Kirche von unten" sowie ihren evangelischen Partnern - kein Gottesdienst vorgesehen, der aus Sicht der katholischen Seite bedenklich wäre. Und die Präsidenten Elisabeth Raiser und Hans Joachim Meyer appellieren im Programmheft ausdrücklich an die Teilnehmer, "die in den Kirchen geltenden Regeln zu achten und in Bezug auf Eucharistiefeier und Abendmahl in ökumenischer Sensibilität miteinander umzugehen". Doch dürfte, anders als beabsichtigt, hier das Kirchentrennende doch wieder stärker in den Blick kommen als das Gemeinsame.
Im Blick auf die Situation im Irak trägt das Ende des "heißen" Krieges sicher dazu bei, dass die friedensethische Debatte den ÖKT nicht so dominieren wird, wie es zwischenzeitlich zu erwarten war. Das ÖKT-Präsidium, das im März bei seiner letzten Sitzung vor dem Kirchentag dem Drängen derer nicht nachgab, die am liebsten schon Ort und Zeit für eine "spontane Demonstration" festgelegt hätten, wird dies mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Eine Stimme, die sich in jedem Fall dazu geäußert hätte, wird ohnehin beim ÖKT fehlen: Der Tod Dorothee Sölles am vergangenen Sonntag hat viele überrascht und erschüttert. Ebenso wie der katholische Befreiungstheologe Horst Goldstein, der am Osterdienstag bei einem Autounfall ums Leben kam, war sie im Programm fest eingeplant. Was aus diesen Veranstaltungen jetzt wird, ist noch offen, so ein Sprecher. "Einen direkten Ersatz für Dorothee Sölle kann es sowieso nicht geben."