Resolution zur Eucharistischer Gastfreundschaft auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003
"Alle eins in Christus Jesus" (Gal. 3, 28)
Die Katholische Studentinnen- und Studentengemeinde St. Thomas Morus Berlin
begrüßt Initiativen, die sich für die eucharistische Gastfreundschaft unter den großen christlichen Konfessionen einsetzen.
Unsere Gemeinde wünschen wir uns als offenen Ort für katholische wie evangelische Studentinnen und Studenten, und auch die zur Zeit diskutierte Rahmenordnung für Studierendengemeinden im Erzbistum Berlin betont diese ökumenische Ausrichtung.
Daher bedauern wir die Tatsache, dass die Gottesdienste, die von der "Initiative Kirche von unten", der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" und der Berliner evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord gemeinsam geplant wurden und in denen die eucharistische Gastfreundschaft praktiziert werden soll, nicht in das offizielle Kirchentags-Programm aufgenommen worden sind, und kritisieren insbesondere die Form, in der dies geschehen ist.
Als Grund für den Programmausschluss wurde kein einziger inhaltlicher Grund angeführt. Damit soll offensichtlich eine inhaltliche Diskussion um den besonderen Charakter dieser Gottesdienste von vorneherein vermieden werden. Diese ist aber unerlässlich, um in den Kirchen das jeweils eigene Verständnis von Abendmahl bzw. Eucharistie dem Gegenüber zu vermitteln und so eine breitere Grundlage für die Auseinandersetzung um eine gegenseitige Anerkennung und Einladung zu schaffen.
Trotz unseres Bemühens, Verständnis für die kirchenpolitischen Gründe aufzubringen, die zu der Entscheidung der Kirchentagsleitung geführt haben mögen, wehren wir uns dagegen, den strittigen Auffassungen von Kirche und Amt in dieser Weise theologische Priorität einzuräumen vor der Bedeutung der Eucharistie und ihrer wesentlichen Intention zu Gemeinschaftlichkeit und Versöhnung.
Jesus Christus selbst lädt die Getauften zu seinem Mahl ein. Die Kirche, einschließlich der Träger ihres Leitungsamtes, muss in diesem Zusammenhang als Vermittlerin der Einladung des Herrn verstanden werden, der es nicht zusteht, sich selbst zur Herrin über die Eucharistie zu machen.
Die Intention der Eucharistie- bzw. Abendmahlsfeier ist wesentlich auf die Gemeinschaft aller Teilnehmenden hin ausgerichtet (vgl. etwa 1 Kor 10,17: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brote.“) Diese Gemeinschaft in Christus bildet die Grundlage der Kirchengemeinschaft.
Von der Sache her gesehen bedarf daher die Verweigerung eucharistischer Gastfreundschaft der Begründung – und dies erst recht im Kontext eines so wichtigen ökumenischen Ereignisses, wie es der erste Ökumenische Kirchentag in Deutschland darstellt.
Wir erinnern an die Grundlagen, Aufgaben und Ziele des ÖKT, beschlossen von den Präsidien des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des Deutschen Evangelischen Kirchentages am 12. Februar 2000, in denen es heißt: „Der Ökumenische Kirchentag wird sichtbar machen, was bereits heute an gemeinsamen Gottesdiensten, liturgischen Feiern und geistlichen Erfahrungen möglich ist. Darüber hinaus ist der Ökumenische Kirchentag mit der Hoffnung auf Fortschritte beim gemeinsamen Abendmahl untrennbar verbunden.“
Wir sehen mit Sorge, dass diese Einladung an alle Getauften durch den Ausschluss der oben genannten ökumenischen Gottesdienste aus dem offiziellen Kirchentagsprogramm nun eingeschränkt wird.
Wir unterstützen alle Gruppen und Einzelpersonen, die darauf hinarbeiten, dass eine wechselseitige eucharistische Gastfreundschaft bzw. in naher Zukunft sogar eine gemeinsame Feier des Abendmahles möglich wird. Wir leben in der Hoffnung, dass der Geist Gottes unsere Kirchen immer wieder neu durchweht und auch in der Eucharistiefeier endgültig sichtbar werden lässt, was wir schon sind: "Alle eins in Christus" (Gal. 3, 28).
Berlin, am 24. April 2003
gez. Theresa Tangerding
(Sprecherin)
gez. P. Thomas Treutler (OP)
(Studentenpfarrer)
gez. Hary Soerijanto
(Sprecher)