Pressemitteilung

Hannover, 16.Dezember 2004

Wir sind Kirche erinnert an den Entzug der Lehrbefugnis für Prof. Druckfreundliche Fassung DDr. Hans Küng vor 25 Jahren

 

Zum 25. Mal jährt sich am 18. Dezember 2004 der Tag, an dem Prof. DDr. Hans Küng durch die römische Glaubenskongregation die kirchliche Lehrbefugnis entzogen wurde. Küng, 1962 von Papst Johannes XXIII. zum offiziellen Konzilsberater ernannt, war damals Professor der dogmatischen und ökumenischen Theologie und Direktor des Instituts für ökumenische Forschung an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und aus Anlass der Enzyklika "Humanae Vitae" zur Geburtenregelung hatte Küng in seinem 1970 erschienenen Buch "Unfehlbar? Eine Anfrage" die 1870 zum Dogma erhobene Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes thematisiert.

Damit hat Hans Küng wie kein anderer in unserer Zeit die verkündeten Wahrheiten in der Kirche hinterfragt. 1968 hatte er mit anderen Theologen die Erklärung "Für die Freiheit der Theologie" entworfen, die schließlich von 1360 katholischen Theologinnen und Theologen aus aller Welt - darunter auch Joseph Ratzinger, dem jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation - unterschrieben wurde. 1989 war Küng Mitunterzeichner der "Kölner Erklärung".

Nach dem Entzug seiner Lehrbefugnis im Jahr 1979 erhielt Küng einen außerhalb der katholischen Fakultät geschaffenen Lehrstuhl für ökumenische Theologie, den er bis 1997 innehatte. Mit seinem 1990 vorgestellten "Projekt Weltethos" schuf Küng die Grundlage für die "Stiftung Weltethos" (www.weltethos.org), deren Präsident der 76-jährige heute ist.

Dass Küngs Anfragen an das Papsttum in seiner gegenwärtigen Form keineswegs erledigt sind, zeigen die zunehmenden Konflikte zwischen Rom und den Ortskirchen sowie die Paralysierung der Bischofssynoden. Überaus große Zustimmung erhielt Küng bei der Großveranstaltung des diesjährigen Ulmer Katholikentags "Die Zukunft der Kirche 40 Jahre nach der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium" mit Kardinal Karl Lehmann und Dr. Hanna-Renate Laurien - die erste öffentliche Begegnung mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz seit dem Entzug der Lehrbefugnis.

Nach Ansicht der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche schadet es dem Ansehen der Kirche wie dem Ansehen der wissenschaftlichen Theologie, wenn der Vatikan immer wieder ein dialogisches Zusammenwirken von kirchlichem und akademischem Lehramt durch Lehrentzugsverfahren oder durch die Verweigerung des "Nihil obstat" stört.

Zum 1. Oktober 2004 wurde Prof. Dr. August Jilek , Inhaber des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft an der Katholischen Fakultät der Universität Regensburg, durch den Regensburger Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller im Auftrag des Vatikan die Lehrerlaubnis entzogen. Jilek war als Berater für den durch Bischof Müller des Amtes enthobenen Pfarrer Hans Trimpl und andere Pfarrer dieses Bistums in Konfliktsituationen tätig.

Prof. Dr. Michael Bongardt wurde 2003 die kirchliche Lehrerlaubnis als Professor für Systematische Katholische Theologie und Dogmatik entzogen, nachdem er sein Priesteramt niedergelegt hatte.

Der Tübinger Moraltheologin und Privatdozentin Dr. Regina Ammicht-Quinn hatte der zuständige Trierer Bischof Reinhard Marx Anfang August 2003 das "Nihil obstat" verweigert und damit ihre Berufung auf einen Lehrstuhl an die Universität in Saarbrücken verhindert.

Außerhalb der Universitäten wird die Reihe derer, die Rom ins Abseits verwiesen hat, von Jahr zu Jahr noch größer. Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche bedauert es sehr, dass die römisch-katholische Kirche es sich immer noch leistet, wertvolle Charismen verloren gehen zu lassen, und fordert die Kirchenleitung auf, den Dialog auch mit kritischen Christen und Christinnen - für die die folgenden Personen exemplarisch stehen - wieder aufzunehmen.

Am 13. Januar 1995 wurde Bischof Jacques Gaillot , seit 1982 Bischof von Evreux (Normandie, Frankreich), vom Vatikan seines Amtes enthoben und zum Titularbischof von Partenia ernannt, einer seit dem 5. Jahrhundert im Wüstensand Nordafrikas versunkenen Diözese. Sein unermüdliches Engagement galt und gilt vor allem den "Sans-papiers" (den Ausländern "ohne Papiere").

Der Benediktinermönch Williges Jäger , einer der bedeutendsten Zen-Meister der Gegenwart, musste sich im Jahr 2002 von seinem Kloster "beurlauben" lassen, nachdem ihm die Glaubenskongregation in Rom aufgefordert hatte, seine Haltung zum christlichen Glauben zu revidieren.

Am 4. Dezember 2004 wurde von Rom die endgültige Suspension gegenüber Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl ausgesprochen, weil er beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin in der Gethsemane-Kirche die evangelischen Mitchristen zur Teilnahme am eucharistischen Mahl eingeladen hat.

Der wegen seiner Teilnahme am evangelischen Abendmahl bei einem anderen ökumenischen Gottesdienst während des Ökumenischen Kirchentages in Berlin schwer gemaßregelte katholische Priester Bernhard Kroll musste auf Drängen von Bischof Dr. Walter Mixa auf sein Gemeindepfarramt verzichten und eine andere Ausbildung beginnen, ist jedoch weiterhin Priester der Diözese Eichstätt.

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