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Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche fordert Kardinal Meisner auf, den
unhaltbaren Vorwurf gegenüber Bischof Gaillot, dieser weiche von der
kirchlichen Lehre ab, unverzüglich zurückzunehmen und sich bei ihm
zu
entschuldigen. In einem weltweit verbreiteten Serienbrief und per Email
diffamiert der Kölner Kardinal in diesen Tagen seinen Bruder im Bischofsamt
mit der Aussage: "Als Bischof Gaillot 1995 seines Dienstes in Evreux
enthoben wurde, geschah dies nicht aufgrund seines Einsatzes für Bedrängte
und Notleidende, sondern weil er von der kirchlichen Lehre abwich."
Die katholische Reformbewegung sieht in dem Handeln von Kardinal Meisner,
der zuletzt einen Auftritt von Bischof Gaillot am 28. Oktober 2004 in
der
Bonner Beethovenhalle verhindert hat, kein gutes Omen für den katholischen
Weltjugendtag im kommenden Jahr im Erzbistum Köln. Auch wenn die
Intervention des Kardinals als "Bitte" formuliert wurde, widerspricht
sie
dem Dialogansatz des Zweiten Vatikanischen Konzils und wird von vielen
als
Zeichen der Unfreiheit in der römisch-katholischen Kirche gedeutet.
Müssen
alle Teilnehmenden des Weltjugendtages damit rechnen, sich einer Zensur
unterwerfen zu müssen und ggf. des Platzes verwiesen zu werden?
Jacques Gaillot wurde am 13. Januar 1995 als Bischof von Evreux abgesetzt
und gleichzeitig zum Titular-Erzbischof von Partenia ernannt, einer Diözese,
die seit dem 5. Jahrhundert unter dem Sand der Sahara verschwunden ist.
Ausschlaggebend für das Vorgehen des Vatikans waren aber nicht Fragen
der
kirchlichen Lehre sondern Gaillots Einsatz für die am Rande der
Gesellschaft
Stehenden. Besonders zahlreiche Proteste und Aktionen gegen die restriktiven
Einwanderungsgesetze des damaligen französischen Innenministers
Charles
Pasqua gaben den Anstoß zur Intervention der französischen
Regierung beim
Vatikan und zur späteren Absetzung Gaillots.
Bischof Gaillot gehört nach wie vor - auch wenn er seine Amt auf
andere Art
ausübt - zur Gemeinschaft der französischen Bischöfe und
hat in dieser
Eigenschaft auch offiziell beim Papstbesuch am 15. August 2004 in Lourdes
teilgenommen. Durch viele Reisen und über das Internet (www.partenia.org)
ist Gaillot seit fast zehn Jahren Bischof einer virtuellen Diözese,
die
vielen Menschen auf der ganzen Welt eine spirituelle Heimat gibt.
Bischof Gaillot ist nicht der erste, den der Bannstrahl des Kölner
Kardinals
getroffen hat. Auch gegenüber dem Wiener Pastoraltheologen Prof.
DDr. Paul
Michael Zulehner, dem Wiener Weihbischof DDr. Helmut Krätzl und
dem
Paderborner Theologen Dr. Eugen Drewermann hat Kardinal Meisner in den
letzten Jahren versucht, Auftritte innerhalb "seiner" Diözese
zu verhindern.
Dies ist ihm jedoch nur teilweise gelungen.
Die KirchenVolksBewegung hofft, dass trotz der Vorkommnisse in der
gastgebenden Diözese das in den Einladungsprospekten zum Weltjugendtag
2005
zitierte Wort des Papstes ernst genommen wird: "Die Kirche hat der
Jugend
viel zu sagen, und die Jugend hat der Kirche viel zu sagen. Dieser
gegenseitige Dialog muss offenherzig, klar und mutig sein." (Apostolisches
Schreiben Christifideles Laici 1988)
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