Pressemitteilung

Hannover, 1. August 2004

Druckfreundliche Fassung Wir sind Kirche: Anti-Feminismus-Schreiben der Glaubenskongregation ist widersinnig und in sich widersprüchlich

 

Das von der Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger mit Approbation des Papstes veröffentlichte Schreiben "Über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt" zeugt von einer peinlichen Unkenntnis des Vatikans vom Verhältnis der Geschlechter und einem schablonenhaften Zerrbild der Genderfrage wie der Frauenfrage. Damit demonstriert die römisch-katholische Kirchenleitung einmal mehr ihre Dialogunfähigkeit.

Nach Ansicht der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche ist es ein großes Ärgernis, dass die Chance vertan wurde, ernstzunehmende Impulse für das ohne Frage wichtige Problemfeld der Gestaltung des Zusammenleben der Geschlechter zu geben. Die in diesem Schreiben als gottgewollt und unabänderlich dargestellte biblische Anthropologie, die letztlich doch einen simplen Biologismus vertritt, hält keiner zeitgemäßen Exegese stand.

Das litaneienhafte Wiederholen von Denkweisen aus dem 25-jährigen Pontifikat des jetzigen Papstes trägt mehr zu Polarisierung zwischen den Geschlechtern bei, als dass es dem eigenen Anspruch gerecht wird, "Wege zur Heilung" aufzuzeigen. Viel mehr wäre es an der Zeit gewesen, ein "mea culpa" gegenüber den Frauen auszusprechen, da die Kirche in ihrer 2000-jährigen Geschichte selbst erheblich dazu beigetragen hat, die Rolle der Frau als abhängig vom Mann oder gar als ihm unterworfen zu definieren.

Auch wenn manche der gesellschaftspolitischen Forderungen z.B. nach Aufhebung der Benachteilung von Frauen, die versuchen, Familie und Beruf zu vereinbaren, durchaus unterstützenswert sind, ist das Papier als ganzes durch viele widersinnige und in sich widersprüchliche Aussagen gekennzeichnet:

- Widersprüchlich ist, dass sich - trotz Betonung der Verschiedenartigkeit der Geschlechter - die von Männern dominierte römisch-katholische Kirche die Beurteilung darüber anmaßt, inwieweit "Denkströmungen ... mit den genuinen Zielsetzungen der Förderung der Frauen übereinstimmen", ohne die Frauen selbst zu befragen oder sie gar selbst zu Wort kommen zu lassen.

- Widersprüchlich ist, dass dieses Papier die Zusammenarbeit von Mann und Frau behandeln will, sich aber fast ausschließlich mit der Rolle der Frau und ihrer Mutterschaft" beschäftigt und keine Aussagen zur Rolle des Mannes und seiner aktiven Vaterschaft enthält.

- Widersprüchlich ist, den Frauen zu attestieren, dass sie eine "tiefgründige Intuition", sich für das Wohl des anderen einzusetzen, sowie viele andere seelsorgerliche Fähigkeiten besitzen, ihnen jedoch die Zulassung zum Priesteramt wie zum Diakonatsamt zu verweigern.

- Widersprüchlich ist, wenn die größte christliche Religionsgemeinschaft immer
wieder Appelle und Ermahnungen an die Gesellschaft und Politik richtet, sich jedoch in ihrem eigenen Verantwortungsbereich nicht danach richtet.

Form und Inhalt des Schreibens sind Ausdruck der verzweifelten Angst der römischen Kirchenleitung vor der unaufhaltsamen Emanzipation der Frauen und vor den sich damit wandelnden Beziehungen zwischen den Geschlechtern in Kirche und Gesellschaft.

Mehr Informationen:
Annegret Laakmann
Referentin der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
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