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Das abwiegelnde Verhalten von Bischof Kurt Krenn und das Zögern
Roms angesichts des seit Ende vergangenen Jahrs bekannten Skandals im
Priesterseminar St. Pölten haben dem Ansehen der gesamten römisch-katholischen
Kirche, besonders aber dem Bischofs- und dem Priesteramt einen unermesslichen
Schaden zugefügt. Solange es der Kirchenleitung nicht gelingt, in
ihrem eigenen Verantwortungsbereich saubere Verhältnisse zu schaffen,
hat sie jedes Recht auf moralische Bewertungen verloren.
Die KirchenVolksBewegung sieht in der beständigen Verdrängung
und Verhinderung dringend notwendiger struktureller Reformen in der römisch-katholischen
Kirche eine wesentliche Ursache für die kirchenschädigenden
Ereignisse im Priesterseminar der Diözese St. Pölten. Die Untersuchung
aller Vorfälle sowie die Außerdienststellung Krenns allein
jedoch genügt nicht. Vielmehr sind eine grundsätzliche und
damit in der gesamten Weltkirche gültige Revision der Bischofsernennungsverfahren
und der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt erforderlich, um auf lange
Sicht wieder das Vertrauen des Kirchenvolkes und der Öffentlichkeit
gewinnen zu können
Die öffentlich gewordenen Vorgänge in St. Pölten machen
in erschreckender Weise deutlich, dass mit dem quantitativen Priestermangel
auch ein qualitativer Priestermangel einher geht. Angesichts dieser pastoralen
Notsituation gewinnen die von zahlreichen Synoden und von der KirchenVolksBewegung
seit langem erhobenen Forderungen nach Aufhebung des Pflichtzölibats
sowie einer Öffnung der Zulassungsmöglichkeiten zum Priesteramt
für verheiratete Männer ("viri probati") und Frauen eine brennende
Aktualität.
Es sind nicht die Medien, die das Bild der Kirche beschädigt haben:
es ist die Kirchenleitung allein, die durch ihr beharrliches Verschweigen,
Vertuschen, Verleugnen und Verschleppen der Vorgänge für das
schlechte Bild der Kirche verantwortlich ist. Wenn angesichts dieser
Glaubwürdigkeitskrise die Zahl der Kirchenaustritte jetzt wieder
rapide zunimmt, so ist dies eine bedauerliche, aber nur allzu verständliche
Reaktion.
Intransparente Verfahren bei Bischofsernennungen
Die
nach wie vor intransparenten Ernennungsverfahren für Bischöfe,
bei denen der Klerus der Ortskirchen wie das Kirchenvolk so gut wie keine
Mitwirkungsmöglichkeiten haben, führen immer wieder zu Fehlbesetzungen
von Bischofsstühlen. Umso größer ist die Verantwortung
des Papstes, dem einzigen, dem Krenn kirchenrechtlich verpflichtet ist.
Das Jurisdiktionsprimat des Papstes bietet in solchen Fällen sogar über
das Kirchenrecht Möglichkeiten, einen Bischofsstuhl für vakant
zu erklären.
Es steht in einem völligen Missverhältnis, wenn ein Priester
wie Gotthold Hasenhüttl umgehend von seinem Amt suspendiert wird,
weil er evangelische Christen zur Kommunion eingeladen hat, beispielsweise
aber der Bostoner Kardinal Bernard Francis Law, der Jahrezehnte lang
den sexuellen Missbrauch durch Priester seiner Diözese gedeckt hat,
sogar nach Rom befördert wird.
Die KirchenVolksBewegung warnt vor jedem Pauschalverdacht gegen Priester
und Priesteramtskandidaten. Besondere Vorsicht erscheint jedoch bei den
Priesterseminaren geboten, die - wie in St. Pölten - viele Priesteramtskandidaten
aus anderen Diözesen aufnehmen, die dort möglicherweise als
nicht geeignet abgewiesen worden sind.
Aus Causa Groer nichts gelernt
Die deutsche KirchenVolksBewegung
unterstützt die Forderungen der österreichischen
Plattform "Wir sind Kirche" nach sofortiger Außerdienststellung Bischof
Krenns, nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorfälle und
der pastoralen Situation in der Diözese St. Pölten sowie nach
Umsetzung der Reformen des Kirchenvolks-Begehrens. Hätte sich der
Vatikan nach den Vorwürfen gegenüber dem Wiener Kardinal Groër
vor neun Jahren grundlegend mit dem sexuellen Missbrauch in der Kirche
befasst und entschieden gehandelt, hätte die große Krise, vor
der die römisch-katholische Kirche heute in vielen Ländern steht,
vermieden werden können. Die Untätigkeit der Kirchenhierarchie
angesichts dieses Missbrauch-Skandals waren einer der Auslöser für
das KirchenVolksBegehren 1995 in Österreich, aus dem die mittlerweile
weltweite KirchenVolksBewegung entstanden ist.
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