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Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche sieht den 95. Deutschen
Katholikentag in Ulm als Signal, dass die seit langem anstehenden innerkirchlichen
Reformen jetzt auf den Weg gebracht werden müssen. Kein Bischof
kann und darf den Katholikentag ignorieren, damit der lähmende Stillstand
in der Ökumene und in kirchenpolitischen Fragen endlich beendet
wird. Dies gilt für die drängenden pastoralen Probleme wie
den akuten Priestermangel und den Ausschluss der Frauen von allen Weiheämtern
wie auch für die Bewältigung der aktuellen Finanzkrise in vielen
deutschen Bistümern. Solange sich die Bischöfe nicht für
innerkirchliche Reformen einsetzen, wird die katholische Kirche auch
nicht die moralische Kraft haben, die Strukturen der Gesellschaft zu
kritisieren.
Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung hat dieser Katholikentag
wieder in eindrucksvoller Weise gezeigt, dass die große Mehrheit
des Kirchenvolks die Reformanliegen unterstützt, die auf der Communio-Theologie
des Zweiten Vatikanischen Konzils basieren. Die übergroße
Zustimmung zu Reformen ist nicht zuletzt bei dem kirchenpolitisch sehr
bedeutsamen öffentlichen Dialog zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, dem kirchenkritischen Theologen
Hans Küng und Hanna-Renate Laurien als Mitglied des Zentralkomitees
der deutschen Katholiken deutlich geworden. Wie auch religionssoziologische
Studien immer wieder zeigen, unterstützt nicht nur in Deutschland
die große Mehrheit der praktizierenden Katholiken und Katholikinnen
die Forderung nach Reformen wie die Aufhebung des Pflichtzölibats
und die Frauen-Ordination.
In der Ökumene ist und bleibt die Frage der Eucharistischen Gastfreundschaft
Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der christlichen Kirchen.
Die Eucharistische Gastfreundschaft, die bei den beiden von der KirchenVolksBewegung
mitinitiierten ökumenischen Gottesdienste am Rande des Ökumenischen
Kirchentages 2003 in der Berliner Gethsemane-Kirche praktiziert wurde,
hat die Diskussionen auch auf diesem Katholikentag bestimmt. Die theologisch
fundierte und vielerorts geübte Eucharistische Gastfreundschaft
ist nicht mehr zu stoppen. In dieser Frage muss sich die römisch-katholische
Kirche bewegen, damit die Eiszeit in der Ökumene ein Ende findet
- allerspätestens bis zum nächsten Ökumenischen Kirchentag,
der im Zeitraum 2008 bis 2010 veranstaltet wird.
Während des Ulmer Katholikentages ermutigte die KirchenVolksBewegung
alle Teilnehmenden, nach ihrem Gewissen der Einladung zum Tisch des Herrn
zu folgen, auch wenn die katholische Kirche offiziell noch keine Eucharistische
Gastfreundschaft gewährt. Mit einem priesterlosen Gottesdienst mit
Mahlfeier und der Veranstaltung „Gemeinden ohne Priester – eine Chance?!“ hat
die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche konkrete Lösungswege
für eine zukunftsfähige Pastoral aufgezeigt. |