Pressemitteilung

Ulm, 20. Juni 2004

Druckfreundliche Fassung Wir sind Kirche: Kein Bischof kann und darf den Katholikentag ignorieren

 

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche sieht den 95. Deutschen Katholikentag in Ulm als Signal, dass die seit langem anstehenden innerkirchlichen Reformen jetzt auf den Weg gebracht werden müssen. Kein Bischof kann und darf den Katholikentag ignorieren, damit der lähmende Stillstand in der Ökumene und in kirchenpolitischen Fragen endlich beendet wird. Dies gilt für die drängenden pastoralen Probleme wie den akuten Priestermangel und den Ausschluss der Frauen von allen Weiheämtern wie auch für die Bewältigung der aktuellen Finanzkrise in vielen deutschen Bistümern. Solange sich die Bischöfe nicht für innerkirchliche Reformen einsetzen, wird die katholische Kirche auch nicht die moralische Kraft haben, die Strukturen der Gesellschaft zu kritisieren.

Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung hat dieser Katholikentag wieder in eindrucksvoller Weise gezeigt, dass die große Mehrheit des Kirchenvolks die Reformanliegen unterstützt, die auf der Communio-Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils basieren. Die übergroße Zustimmung zu Reformen ist nicht zuletzt bei dem kirchenpolitisch sehr bedeutsamen öffentlichen Dialog zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, dem kirchenkritischen Theologen Hans Küng und Hanna-Renate Laurien als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken deutlich geworden. Wie auch religionssoziologische Studien immer wieder zeigen, unterstützt nicht nur in Deutschland die große Mehrheit der praktizierenden Katholiken und Katholikinnen die Forderung nach Reformen wie die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Frauen-Ordination.

In der Ökumene ist und bleibt die Frage der Eucharistischen Gastfreundschaft Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der christlichen Kirchen. Die Eucharistische Gastfreundschaft, die bei den beiden von der KirchenVolksBewegung mitinitiierten ökumenischen Gottesdienste am Rande des Ökumenischen Kirchentages 2003 in der Berliner Gethsemane-Kirche praktiziert wurde, hat die Diskussionen auch auf diesem Katholikentag bestimmt. Die theologisch fundierte und vielerorts geübte Eucharistische Gastfreundschaft ist nicht mehr zu stoppen. In dieser Frage muss sich die römisch-katholische Kirche bewegen, damit die Eiszeit in der Ökumene ein Ende findet - allerspätestens bis zum nächsten Ökumenischen Kirchentag, der im Zeitraum 2008 bis 2010 veranstaltet wird.

Während des Ulmer Katholikentages ermutigte die KirchenVolksBewegung alle Teilnehmenden, nach ihrem Gewissen der Einladung zum Tisch des Herrn zu folgen, auch wenn die katholische Kirche offiziell noch keine Eucharistische Gastfreundschaft gewährt. Mit einem priesterlosen Gottesdienst mit Mahlfeier und der Veranstaltung „Gemeinden ohne Priester – eine Chance?!“ hat die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche konkrete Lösungswege für eine zukunftsfähige Pastoral aufgezeigt.

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