Pressemitteilung

Hannover, 30. März 2004

Druckfreundliche Fassung 10-Punkte-Apell zur Finanz- und Vertrauenskrise den Kirchen

 

Einen 10-Punkte-Appell zur aktuellen Finanz- und Vertrauenskrise der Kirchen hat die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche auf ihrer Bundesversammlung am vergangenen Wochenende in Mainz an die Bischöfe und das Kirchenvolk gerichtet. In dem Appell „Die ‚Zeichen der Zeit' erkennen!“ heißt es:

Der jetzt stattfindende „Kirchenumbau“ darf nicht veraltete Strukturen stabilisieren, sondern muss an den wirklichen Herausforderungen der Zeit und den Bedürfnissen der Menschen Maß nehmen. Bei allen Sparmaßnahmen ist danach zu fragen, welche spirituellen und pastoralen Auswirkungen sie auf die Gläubigen haben. Kirche muss den Menschen nahe bleiben.

Unbedingte Offenheit und Transparenz sind unabdingbare Voraussetzungen, auf lange Sicht wieder das Vertrauen der Menschen innerhalb und außerhalb der Kirchen zurück zu gewinnen. Die Kirchenleitungen werden sich für Reformen öffnen müssen, die heute noch kaum vorstellbar sind, wie die Stärkung der Frauenpartizipation und eine neue Berufungstheologie.

Nur wenn die Kirchenmitglieder an den Entscheidungsprozessen mitwirken können, werden sie die notwendigen Änderungen auch mittragen und mitverantworten, getreu dem frühchristlichen Leitsatz „Was alle angeht, muss von allen besprochen und entschieden werden!“. Die gegenwärtige Finanzkrise kann neue christliche Phantasie frei setzen, die keineswegs einem realistischen und nüchternen Umgang mit Geld widerspricht.

Die Zeichen der Krise sind unübersehbar!
Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung sind die vorliegenden Fakten von prophetischer Klarheit und Deutlichkeit. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die christliche Kirche ein konkursbedrohter Sanierungsfall! In dieser Situation helfen weder Resignation, noch die Flucht in die Selbstberuhigung oder Spiritualisierung.

Der leichtfertige Umgang mehrerer Bischöfe mit den Finanzen der Bistümer – die ja zum Wesentlichen aus den Kirchensteueraufkommen der Kirchenmitglieder resultieren – ist nach Auffassung von Wir sind Kirche auch ein Zeichen einer schweren geistigen und geistlichen Krise. Mit elf Prozent rangiert die katholische Kirche in der Online-Umfrage „Perspektive Deutschland“ am untersten Ende der Vertrauensskala der deutschen Bevölkerung. Der riesige Schuldenberg im Erzbistum Berlin ist nur die Spitze eines Eisbergs, der nach und nach auch in den anderen Bistümern Deutschlands sichtbar wird.

Vor diesem Hintergrund haben die Forderungen der KirchenVolksBewegung nach mehr Beteiligung des Kirchenvolkes und nach weiteren Reformen eine ganz neue brennende Aktualität gewonnen. Gemeinden und diözesane Gremien wehren sich jetzt – und zu Recht – gegen die aufoktroyierten Sparpläne, die vor allem die Seelsorge treffen..

Wenn die deutschen Diözesen ihre Haushalte und Stellenpläne unter dem Druck zurückgehender Einnahmen durchforsten, geht es dabei auch um Grundsatzentscheidungen für den weiteren Weg der Kirche in unserer Gesellschaft. Die derzeitige Entwicklung führt zu einer schleichenden Reklerikalisierung des Kirchenbetriebes, sie ist ein weiterer Schritt in der Abkehr von den Prinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Seit 1991 geht die Zahl der Katholiken und Katholikinnen jährlich im Durchschnitt um knapp 0,6 Prozent zurück auf 26,5 Mio. im Jahr 2002. Langfristig kann dieser Trend zu einem Rückgang auf 19 Mio. bis 16,4 Mio. im Jahre 2050 führen. Die Steuerprognosen sind schlecht: Die Zahl der Rentner, die keine Kirchensteuer zahlen, wird steigen – mit dramatischen Folgen für die Kirchensteuereinnahmen.

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