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Einen 10-Punkte-Appell zur aktuellen Finanz- und Vertrauenskrise der
Kirchen hat die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche auf ihrer
Bundesversammlung am vergangenen Wochenende in Mainz an die Bischöfe
und das Kirchenvolk gerichtet. In dem Appell „Die ‚Zeichen der Zeit'
erkennen!“ heißt es:
Der jetzt stattfindende „Kirchenumbau“ darf nicht veraltete Strukturen
stabilisieren, sondern muss an den wirklichen Herausforderungen der Zeit
und den Bedürfnissen der Menschen Maß nehmen. Bei allen Sparmaßnahmen
ist danach zu fragen, welche spirituellen und pastoralen Auswirkungen
sie auf die Gläubigen haben. Kirche muss den Menschen nahe bleiben.
Unbedingte Offenheit und Transparenz sind unabdingbare Voraussetzungen,
auf lange Sicht wieder das Vertrauen der Menschen innerhalb und außerhalb
der Kirchen zurück zu gewinnen. Die Kirchenleitungen werden sich
für Reformen öffnen müssen, die heute noch kaum vorstellbar
sind, wie die Stärkung der Frauenpartizipation und eine neue Berufungstheologie.
Nur wenn die Kirchenmitglieder an den Entscheidungsprozessen mitwirken
können, werden sie die notwendigen Änderungen auch mittragen
und mitverantworten, getreu dem frühchristlichen Leitsatz „Was alle
angeht, muss von allen besprochen und entschieden werden!“. Die gegenwärtige
Finanzkrise kann neue christliche Phantasie frei setzen, die keineswegs
einem realistischen und nüchternen Umgang mit Geld widerspricht.
Die Zeichen der Krise sind unübersehbar!
Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung sind die vorliegenden Fakten
von prophetischer Klarheit und Deutlichkeit. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten
ist die christliche Kirche ein konkursbedrohter Sanierungsfall! In dieser
Situation helfen weder Resignation, noch die Flucht in die Selbstberuhigung
oder Spiritualisierung.
Der leichtfertige Umgang mehrerer Bischöfe mit den Finanzen der
Bistümer – die ja zum Wesentlichen aus den Kirchensteueraufkommen
der Kirchenmitglieder resultieren – ist nach Auffassung von Wir
sind Kirche auch ein Zeichen einer schweren geistigen und geistlichen
Krise. Mit elf Prozent rangiert die katholische Kirche in der Online-Umfrage „Perspektive
Deutschland“ am untersten Ende der Vertrauensskala der deutschen Bevölkerung.
Der riesige Schuldenberg im Erzbistum Berlin ist nur die Spitze eines
Eisbergs, der nach und nach auch in den anderen Bistümern Deutschlands
sichtbar wird.
Vor diesem Hintergrund haben die Forderungen der KirchenVolksBewegung
nach mehr Beteiligung des Kirchenvolkes und nach weiteren Reformen eine
ganz neue brennende Aktualität gewonnen. Gemeinden und diözesane
Gremien wehren sich jetzt – und zu Recht – gegen die aufoktroyierten
Sparpläne, die vor allem die Seelsorge treffen..
Wenn die deutschen Diözesen ihre Haushalte und Stellenpläne
unter dem Druck zurückgehender Einnahmen durchforsten, geht es dabei
auch um Grundsatzentscheidungen für den weiteren Weg der Kirche
in unserer Gesellschaft. Die derzeitige Entwicklung führt zu einer
schleichenden Reklerikalisierung des Kirchenbetriebes, sie ist ein weiterer
Schritt in der Abkehr von den Prinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Seit 1991 geht die Zahl der Katholiken und Katholikinnen jährlich
im Durchschnitt um knapp 0,6 Prozent zurück auf 26,5 Mio. im Jahr
2002. Langfristig kann dieser Trend zu einem Rückgang auf 19 Mio.
bis 16,4 Mio. im Jahre 2050 führen. Die Steuerprognosen sind schlecht:
Die Zahl der Rentner, die keine Kirchensteuer zahlen, wird steigen – mit
dramatischen Folgen für die Kirchensteuereinnahmen. |