|
Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche trauert gemeinsam mit der österreichischen Plattform Wir
sind Kirche um Kardinal Franz König,
der in
den frühen Morgenstunden des 13. März 2004 im Alter von 98
Jahren friedlich
entschlief.
Kardinal König hat mit seinen Bemühungen um eine Aussöhnung
der katholischen
Kirche mit moderner Wissenschaft und Kunst, mit unterschiedlichen Strömungen
der Politik und mit allen Gruppen und Schichten der modernen Gesellschaft
Geschichte geschrieben und der Kirche in einer Zeit der beginnenden
Glaubensauszehrung noch einmal Ansehen und Glaubwürdigkeit verschafft.
Niemals hat er es an Loyalität gegenüber Päpsten und
Entscheidungen des
kirchlichen Lehramtes fehlen lassen, obwohl ihm diese Loyalität
nicht immer
gelohnt worden ist. Immer aber hat er das Schicksal konkreter Menschen
höher
bewertet als abstrakte Prinzipien und Gebote. Zweifelnden ist er ein
verständnisvoller Begleiter, Kritikern ein kritischer Freund, Verunsicherten
stets ein Herold der Hoffnung gewesen.
Wenn alle Amtsträger der katholischen Kirche die Gesinnung Kardinal
Königs
hätten, gäbe es nirgendwo die Mutlosigkeit und Resignation,
die heute weite
Teile der Kirche erfasst haben. Seine Offenheit war niemals
Grundsatzlosigkeit. Er hat sich nie angebiedert und doch immer glaubhaft
zum
Ausdruck gebracht, dass er auch abweichende Standpunkte versteht und
respektiert.
Kardinal König war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man
durchaus nicht
allen in allem Recht geben muss, um als Kirchenoberer geachtet und geliebt
zu werden. Mit seinem Tod ist die katholische Kirche, mehr noch: ist
die
Gemeinschaft der christlichen Kirchen weit über Österreich
hinaus ärmer
geworden.
Zur Causa Groer, eines der Auslöser für das 1995 in Österreich
gestartete
KirchenVolksBegehren, sagte Kardinal König 1995: "Das kommt
davon, wenn man
Bischofsernennungen nicht von beiden Polen her, von unten aus der Basis
und
von oben aus dem römischen Zentrum, betreibt."
König kam am 3. August 1905 im niederösterreichischen Warth
als Sohn einer
Bauernfamilie zur Welt. Ihm unterstand 29 Jahre lang - von 1956 bis 1985
-
die Erzdiözese Wien, eine der größten Diözesen der
Welt. Viele Jahre war er
Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz. Von 1965 bis
1980
leitete er zudem das päpstliche Sekretariat für die Nichtglaubenden.
Unter
Papst Johannes XXIII. war er einer der führenden Kräfte des
II.
Vatikanischen Konzils. Zwei Mal wurde er auch als einer der Kandidaten
in
der engeren Wahl für das Amt des Papstes genannt.
Mit Kardinal König starb der letzte von Papst Johannes XXIII. in
das
Kollegium berufene Kardinal. Die Zahl der katholischen Kardinäle
verringert
sich damit auf 191. Von ihnen sind 126 jünger als 80 Jahre und damit
zur
Papstwahl berechtigt. |