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Mit großer Dankbarkeit und Respekt gedenkt die KirchenVolksBewegung
Wir sind Kirche in diesen Tagen Karl Rahners, einem der größten
Theologen des 20. Jahrhunderts, der vor 100 Jahren geboren wurde. Durch sein Denken der
Theologie vom Menschen her hat er das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65)
wesentlich beeinflusst, bei dem er persönlicher Berater des Wiener Kardinals
Franz König war. Das Lebenswerk Karl Rahners ist und bleibt auch für
kommende Generationen wegweisend. Für die KirchenVolksBewegung sind Person
und Werk Rahners inspirierend, ermutigend und herausfordernd zugleich.
Sein entscheidender Beitrag für die Theologie ist die "anthropozentrische
Wende". Wie kein anderer stellte Rahner die Frage nach Gott konsequent
vom
Menschen, nicht vom rechtgläubig auftretenden Glaubenssystem her.
Er hat
sich nicht im elfenbeinernen Turm der Wissenschaft versteckt, sondern
in die "Niederungen" der Seelsorge eingelassen. "Ich
habe immer Theologie betrieben
um der Verkündigung, um der Predigt, um der Seelsorge willen",
wie er selber
sagte. Nach Rahners Überzeugung sind es die existenziellen Fragen,
die den
Menschen über sich hinausführen und ihm eine Ahnung vom Ewigen
vermitteln,
dem er sich verdankt.
Mit ganzem Herzen in ihrer Tradition beheimatet, kritisierte er aber
auch
die katholische Kirche aus Liebe zu ihr. In seinen letzten Lebensjahren
wurde Rahner immer mehr zum Kämpfer. Mit immensem Sachverstand stritt
er
gegen römischen Zentralismus und vorkonziliare theologische Ansichten,
verteidigte die lateinamerikanische Befreiungstheologie. Er beklagte
das
paternalistische Verhalten der Mehrheit der Bischöfe genauso wie
das
Insistieren auf formaler Autorität in der Sexualmoral. Rahner forderte
das
freie Wort und den aufrechten Gang in der Kirche.
Hellsichtig warnte er vor der Versuchung, dass diese Kirche ihre zur
Zeit
des Konzils weit geöffneten Pforten wieder zusperrt, nicht mehr
einladend
und gesprächsbereit auf die Menschen zugeht. Als er den Elan der
Konzilskirche verblassen sah, sprach er traurig von einer "Winterkirche",
die nur noch ängstlich abwehrend über die korrekte Lehre wacht.
Zu seinem 10. Todestag schrieb der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Karl Lehmann, der von 1964 bis 1967 Rahners Assistent
in
München war, dass "einer fehlt, der für viele ein Meister
des Denkens und
ein ungewöhnlicher Seelsorger war. Das Ausbleiben seiner Wegweisungen
und
Zwischenrufe, die für ein halbes Jahrhundert nicht wegzudenken waren,
hat
eine Lücke hinterlassen, die nicht geschlossen werden kann." -
Sein
unglaublich fruchtbares theologisches Lebenswerk umfasst über 4.000
Veröffentlichungen. Sein Schüler Johann Baptist Metz nannte
ihn einen "Vater
des Glaubens".
Am 5. März 1904 in Freiburg am Breisgau geboren, trat Karl Rahner
1922 in
den Jesuitenorden ein, wurde am 26. Juli 1932 in München zum Priester
geweiht. Während des Krieges musste er in Wien im Geheimen Vorlesungen
halten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1949 Professor für Dogmatik
in
Innsbruck, wechselte 1964 auf den Romano-Guardini-Lehrstuhl in München
und
wurde 1967 nach Münster berufen. Kurz nach seinem 80. Geburtstag
starb er am
30. März 1984 in Innsbruck. |