Erinnerung an einen Heiligen unserer Tage
Gedenken an Oscar Romero

Am 24. März 1980 wurde Oscar Arnulfo Romero als Erzbischof von San Salvador in Mittelamerika während eines Gottesdienstes erschossen. Durch sein Einstehen für Gerechtigkeit und seine Zivilcourage ist Erzbischof Romero ein Heiliger unserer Tage, der für viele namenlose Märtyrer und Märtyrerinnen steht. Dafür, dass Romero und viele andere mit ihm der Christenverfolgung durch die Rechten in Südamerika zum Opfer fielen, trägt die kritische Einstellung des Vatikans zur Befreiungstheologie eine wesentliche Mitverantwortung.

Wenige Wochen vor seinem Tod hatte Erzbischof Romero den US-Präsidenten aufgefordert, die Militärhilfe für sein Land zu stoppen. Einen Tag bevor ihn die Kugel tötete, hatte er Mitglieder von Militär und Sicherheitskräften zur Befehlsverweigerung aufgefordert.

"Das Kreuz Jesu erklärt auch das Schicksal Romeros," hat Jon Sobrino, salvadorianischer Theologe und ehemaliger Mitarbeiter von Bischof Romero, einmal gesagt. Die Ermordung Romeros könnte uns aber auch helfen, besser zu verstehen, warum Jesus umgebracht wurde. Beide seien umgebracht worden, weil sie an der Seite der Armen den Mächtigen zu gefährlich geworden seien. Heute geht es, so Sobrino, darum, die gekreuzigten Völker, die durch Hunger und Gewalt bedrohten Menschen, vom Kreuz herunterzunehmen.

Der Lebensweg des 1917 geborenen Oscar Romero verlief vom streng konservativen Priester aus Ciudad Barrios über den bürokratisch-ängstlichen Weihbischof in San Miguel bis hin zum Erzbischof von San Salvador, der sich unter dem Eindruck der salvadorianischen Wirklichkeit zum unermüdlichen Verteidiger der Menschenrechte und zum Fürsprecher der Armen wandelt. Nach seinem Tod wurde Romero schnell zum "Märtyrer" der Armen. Die Erinnerung an seine Person und sein Handeln war und ist zugleich immer auch Anklage des weiterhin herrschenden Unrechts von Armut, Unterdrückung und vorzeitigem Tod.

Die folgenden Zitate geben einen kleinen Einblick in Romeros Denken und Handeln.

Transzendenz bedeutet nicht, zum Himmel zu gehen, an das Ewige Leben zu denken und über die Probleme der Erde hinwegzusehen. [...] Es handelt sich vielmehr um eine Transzendenz, die für das menschliche Herz gilt. Sie bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen zu teilen. Transzendenz bedeutet, aus der Mitte des Elends selbst diese Lage zu überschreiten, den Menschen zu erheben, ihn voranzubringen und ihm zu sagen: "Du bist kein Abfall, du gehörst nicht an den Rand. Vielmehr das Gegenteil: Du hast eine große Bedeutung." (23. Sept. 1979, Bd. VII S. 286)

Der Geist ist kein Monopol einer christlichen Bewegung, der Hierarchie, des Priestertums, oder einer Ordensgemeinschaft. Der Geist macht frei und bringt die Menschen dazu, wo immer sie leben, dem Ruf zur Christusbegegnung zu folgen, zur Begegnung mit jenem Christus, der Fleisch annahm, um alles menschliche Fleisch zu retten. ...
Ich weiß, dass hier in der Kathedrale auch Menschen sind, die ihren Glauben verloren haben oder keine Christen sind: Seid herzlich willkommen! Wie Christus möchte ich Euch sagen: Das Reich Gottes ist nicht fern von dir, es ist in deinem Herzen. Suche, und du wirst es finden. (17. Dez. 1978, d. VI S. 46/47)

Die Kirche ist nicht das Reich Gottes. Das Reich Gottes ist vielmehr außerhalb der Grenzen der Kirche. Deshalb hat die Kirche eine Hochschätzung für alles, was ihr Bemühen, das Reich Gottes auszudehnen, unterstützt. Eine Kirche, die sich selbst nur rein und makellos erhalten will, stünde nicht im Dienste Gottes an den Menschen. (3. Dez. 1978, Bd. VI S. 13)

Die Zitate wurden den Reden und Schriften von Bischof Oscar Romero entnommen, der einleitende Text stammt aus der Wir sind Kirche - Pressemitteilung. Weitere Informationen erhalten Sie bei:

CIR, Christliche Initiative Romero
Frauenstraße 3-7 • D-48143 Münster
Tel: 0251-89503 • Fax: 0251-82541
Internet: www.ci-romero.de

Diese Seite wurde zuletzt am 02.12.2000 geändert