Oktober 2022 – Kirche In

Ein steiniger Synodaler Weg

Die Erwartungen waren groß: Würde die vierte Synodalversammlung vom 8. bis 10. September 2022 in Frankfurt den Kurs der dritten Vollversammlung fortsetzen, die den Synodalen Weg in allen vier Themenbereichen entscheidend vorangebracht hat? Auf dem Katholikentag Ende Mai in Stuttgart waren die Reformthemen sehr viel präsenter als bei früheren Katholikentagen. Der Erwartungsdruck an die Bischöfe und an den Vatikan ist angestiegen, dass über Reformen nicht nur geredet, sondern endlich auch gehandelt wird. Von Christian Weisner

Der erste Tag in Frankfurt fing so gut an. Der angesagte Regen fiel aus. Die Reformkräfte der Frauenverbände kfd und KDFB, Maria 2.0, die Jugendverbände BDKJ und KJG, dazu #OutInChurch und natürlich auch Wir sind Kirche begrüßten die Synodalen in erwartungsfroh guter Stimmung. Dann aber am ersten Abend die unerwartete und auch schlecht vorbereitete Endabstimmung über den Grundtext des Sexualitätspapiers. Das war kein Ruhmesblatt für die Bischöfe, dass eine Sperrminorität auch jetzt noch der Zäsur verweigerte, die sie im Frühjahr 2019 in Lingen selber versprochen hatten. Wenn nach dem höchst enttäuschenden Abstimmungsverhalten einer Minderheit der Bischöfe auch der Grundtext des Frauenforums nicht die laut Satzung erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe erhalten hätte, hätte dies das Scheitern des gesamten Synodalen Weg bedeutet. Was sich bei der vierten Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt abspielte und auch online verfolgt werden konnte, ist leider immer noch das realistische Abbild der dramatischen innerkirchlichen Situation. Um genau zu sein, der Krise des Bischofsamtes.

Erschreckend waren die insgesamt teils schlichte Argumentation und die nicht zu übersehende Polarisierung innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz wie auch die Verweigerung vieler Bischöfe und Weihbischöfe, sich vor der Synodalversammlung wie auch hier in Frankfurt an der inhaltlichen Debatte zu beteiligen. Nicht einmal nach ihrem Veto hatten manche den Mut, sich aus ihrer Anonymität herauszuwagen.

Die deutschen Bischöfe müssen sich jetzt endlich positionieren, denn auf ihre Zweidrittel-Mehrheit für Reformen wird es letztendlich ankommen. Je geschlossener sie sich und das gemeinsam mit den Bischofskonferenzen anderer Länder in Rom für die dringend anstehenden Reformen einsetzen, umso weniger wird dies ignoriert werden können. Wichtig bleibt: Es geht dabei nicht um einen „Wunschkatalog“ von Reformen, sondern um die Behebung von Missständen, die im krassen Widerspruch zur christlichen Botschaften stehen.

Unbestritten ist, dass bei grundlegenden Fragen – wie z.B. der Frauenordination, der Zölibatspflicht, der kirchlichen Zwei-Stände-Ordnung und bestimmter Fragen der Sexualmoral – der Synodale Weg in Deutschland keine Vorgaben für die Weltkirche machen kann. Aber er hat zu Recht fundamentale Fragen gestellt und er zeigt Reformwege auf, die für eine ernsthafte theologische Debatte weltweit von Relevanz sein können. Denn die Skandale, die den Synodalen Weg in Deutschland notwendig machten, wurden zuletzt ja auch in Polen, Frankreich, Spanien und Italien offenbar und es gibt sie weltweit. Bemerkenswert ist, dass jetzt bei dem weltweiten Beteiligungsprozess im Vorfeld der Weltbischofssynode 2023 in vielen Ländern ähnliche Reformpunkte geäußert werden wie beim Synodalen Weg in Deutschland.

In der akuten Krisenlage der Weltkirche bedrohen also nicht die Reformvorschläge aus Deutschland oder anderen Ländern die kirchliche Einheit, sondern die aktuellen Reformblockaden. Die rückwärtsgewandten Kreise, von denen auch Papst Franziskus spricht, haben keine Antwort auf die geistliche und sexualisierte Gewalt, die zu einem dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche geführt haben, und sind nicht bereit, sich mit den systemischen Ursachen zu befassen. Und noch viel weniger, zuvor über die wirklich konfliktreichen Fragen der Theologie zu sprechen: über den Glauben, das Menschen-, Christus- und Gottesbild.

Nach dem höchst ambivalenten Brief des Papstes „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" vom 29. Juni 2019 hat es jedoch viel zu lange gedauert, bis am 19. Mai 2022 Kardinal Mario Grech, der Beauftragte des Vatikans für die Weltsynode 2023, erklärte, dass ihn der deutsche Synodale Weg nicht beunruhige und er die Furcht vieler Kritiker nicht teile.

Aber konkret: Der Vatikan muss endlich die in den vergangenen Monaten mehrfach angekündigten Gespräche zwischen dem Präsidium des Synodalen Weges in Deutschland und dem römischen Synodalbüro in Gang zu bringen. Für die für 2023 einberufene Bischofssynode braucht es eine umfassende Partizipation von gleichberechtigten Männern und Frauen, wenn diese weltweite Synode ihren erklärten Zielen gerecht  werden soll. Die Glaubwürdigkeit, Reformwilligkeit und letztlich die Existenz der katholischen Weltkirche steht auf dem Spiel.

Weitere informationen:

www.synodaler-weg.de
www.wir-sind-kirche.de/synodalerweg
www.kvk2022.de

 

 


 

Zuletzt geändert am 19­.10.2022