27.10.2017 - Neue Westfälische

Kommentar: Noch mehr Mut bitte

von Peter Hasenbein zum Stand der Ökumene
 
Das Ereignis 500 Jahre Reformation wird auch in Paderborn kräftig gefeiert und diskutiert. Doch bei der Erinnerung an die Leistung Luthers ist es nicht geblieben. Auch die Ökumene rückte besonders in den Blickpunkt. Und das ist gut so. Immerhin beschäftigt die Ökumene beide Konfessionen – die katholische und die evangelische – gleichermaßen. Dass beide Seiten dabei schon viel erreicht haben, auch das will keiner bestreiten.

Der nebenstehende Artikel belegt die positive Entwicklung vor Ort ganz besonders. Dazu kommen die beiden jüngsten Erklärungen von hoher Stelle: Erzbischof Hans-Josef Becker und Präses Annette Kurschus haben den Aufruf „Ökumenisch Zukunft gestalten" gemeinsam unterzeichnet, ebenso wie die Zukunft im Religionsunterricht. Ab dem Schuljahr 2018/2019 darf gemeinsamer Religionsunterricht stattfinden. Das sind zwei fundamentale Entwicklungen, die manche Beobachter vor Jahren noch für unmöglich gehalten haben.

Trotzdem gibt es nicht nur Grund zum Jubeln. Wenn streitbare Laien gern schnellere Erfolge wünschen und dabei die Basis mehr eingebunden wissen möchten, wie zum Beispiel Manfred Dümmer von der Wir-sind-Kirche-Gruppe, dann sollte man auch diesen Stimmen mehr Gehör schenken als das bisher geschehen ist. Doch auf diesem Ohr ist die Kirchenleitung eher taub. Bisher hat sie alle Schreiben der Wir-sind-Kirche-Gruppe unbeantwortet gelassen. Das ist kein guter Stil. Auch wenn die Forderungen der Kritiker – z.B. nach der Aufhebung des Zölibats und der Zulassung von Frauen zum Priesteramt der offiziellen Amtskirche viel zu weit gehen – sollte der Kirchenleitung klar sein, dass es sich bei den Kirchenkritikern um integere Gläubige handelt, die sich ernsthaft mit den aktuellen Problemen in der katholischen Kirche auseinandersetzen. Und dann haben sie auch Gehör verdient.

Hier möchte man der Kirchenleitung mit Erzbischof Hans-Josef Becker an der Spitze ebenso noch mehr Mut und Offenheit wünschen, wie bei konkreten Ereignissen auf ökumenischer Ebene. Wenn die Abtei Königsmünster in Meschede die westfälische Präses Annette Kurschus eingeladen hat, um beim Benediktinerfest in der Messe zu predigen, dann sollte die Amtskirche über ihren Schatten springen und die höchste Vertreterin der evangelischen Kirche in Westfalen nicht wieder ausladen. Auch wenn das gegen grundsätzliche Prinzipien der katholischen Kirche verstößt, weil in einer Eucharistiefeier nur geweihte Priester oder Diakone predigen dürfen – dann hätte es doch Wege geben müssen, die Ausladung zu umgehen.

An diesem Beispiel zeigt sich eben doch, dass die Ökumene noch einen weiten Weg vor sich hat. Dass kurz darauf doch beide weitreichenden Verträge wieder von allen Beteiligten unterschrieben wurden, gibt Hoffnung, dass keine Narben geblieben sind und die Zukunft noch Optionen offen lässt. Im Verhältnis zur evangelischen Kirche. In der Auseinandersetzung mit den Kritikern innerhalb der katholischen Kirche ist der Weg offenbar noch viel weiter. Denn da gibt es nicht einmal einen Dialog.

http://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/paderborn/21960926_Kommentar-Noch-mehr-Mut-bitte.html

Zuletzt ge√§ndert am 12­.11.2017