Frühjahrsvollversammlung der DBK (2)

„Die Bischöfe sind an ihrem Wort ‚Gemeinsam Kirche sein‘ zu messen“

Wir sind Kirche zur Frühjahrsvollversammlung der DBK 19.-22. Februar 2018 in Ingolstadt

Pressemitteilung München/Ingolstadt, 19. Februar 2018

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland braucht dringend wieder eine Gemeinsame Synode für ganz Deutschland, bei der Frauen und Männer aus dem Kirchenvolk über die Zukunftsfragen der Kirche mitberaten und auch mitentscheiden können! Angesichts der dramatischen innerkirchlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen sind die Bischofsversammlungen hinter verschlossenen Türen nicht mehr zeitgemäß und widersprechen dem Dialoggebot des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Dies fordert die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vom 19. bis 22. Februar 2018. Die Gesprächsprozesse nach der Aufdeckung sexualisierter Gewalt im Jahr 2010 waren nur Beschwichtigung und blieben wegen ihrer Unverbindlichkeit folgenlos.

Die deutschen Bischöfe dürfen sich der von verschiedenen Seiten vorgetragenen Forderung nach einer neuen gesamtdeutschen Synode nicht mehr länger verschließen, wenn sie ihr am 1. August 2015 veröffentlichtes Wort „Gemeinsam Kirche sein“ wirklich ernst nehmen. Ohne Beteiligung des Kirchenvolkes wird die Stimme der Kirche in Politik und Gesellschaft immer weniger wahrgenommen. – Auch in den 27 deutschen Bistümern müssten wieder Synoden einberufen werden, die über die zukünftigen Aufgaben von Kirche beraten und entscheiden. In jüngster Zeit hat nur das Bistum Trier zwischen 2013 und 2016 eine Diözesansynode durchgeführt, bei der jedoch wichtige Fragen wie die Frauenfrage ausgespart waren. Ein Rückzug auf gegenwärtige kirchenrechtliche Festlegungen verschließt der Kirche die Zukunft.

Papst Franziskus, der vor fünf Jahren (am 13. März 2013) in Rom gewählt wurde, hat sich – wie auch schon der Konzilspapst Papst Paul VI. (1963 bis 1978) – mehrfach für eine synodale Kirche auf allen Ebenen ausgesprochen. Die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland erwarten von den deutschen Bischöfen, dass sie Papst Franziskus und seinen Reformkurs noch sehr viel stärker als bisher unterstützen; denn er liegt auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils. (in Kürze: HerderKorrespondenz Heft 3/2018 "Franziskanische Wende")

Besonders dringende pastorale und strukturelle Aufgaben:

  • Ortsnahe Seelsorge:  Wann endlich werden die von oben herab verordneten Zusammenlegungen und Schließungen von Pfarreien gestoppt, die wesentlich zum Verlust der kirchlichen und auch der persönlichen Beheimatung vieler Menschen beitragen? Kirche ist nicht dort, wo der Priester ist, Kirche ist dort, wo Gemeinde ist.
    > Eckpunkte für eine neue Kirchenzukunft durch Gemeindeerneuerung (PDF)  
    > "Priester im Dialog" Initiative verheirateter Priester (PDF)

  • Gemeindeleitung und Eucharistiefeier: Werden die deutschen Bischöfe endlich der Aufforderung von Papst Franziskus nachkommen, „mutige Vorschläge“ zu entwickeln und neue Möglichkeiten der Gemeindeleitung erproben, damit auch in Zukunft in überschaubaren Gemeinden Eucharistie gefeiert werden kann? Hier kann die römische Kirche von den mit Rom unierten Kirchen lernen, die nicht zwingend am Zölibat festhalten – wie übrigens auch nicht das Zweite Vatikanische Konzil.
    > Vatikan denkt über Lockerung des Zölibat nach (17.2.2018)

  • Frauenfrage: Wieweit werden die Bischöfe die Ergebnisse des Wissenschaftlichen Ökumenischen Kongresses „Frauen in kirchlichen Ämtern“ (6.-9. Dezember 2017 an der Universität Osnabrück) zur Kenntnis nehmen und als Grundlage für weitere konkrete Schritte für die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen in allen Bereichen des kirchlichen Lebens nehmen?
    > Thesen und Berichte des Wissenschaftlichen Kongresses
  • Ökumene: Wird die Vollversammlung der DBK – wie schon vor einem Jahr angekündigt – sich auf Regelungen für die gemeinsame Teilnahme konfessionsverbindender Ehepaare an der Eucharistie einigen? Zu Beginn des Reformationsgedenkjahres 2017 hatte der frühere Ökumene-Kardinal Walter Kasper die Bereitschaft des Vatikans für entsprechende Regelungen signalisiert, wenn die deutschen Bischöfe sich hierfür einsetzen würden. Und welche weiteren konkreten Aufgaben der Ökumene werden die Bischöfe angehen? Es genügt nicht, von „versöhnter Verschiedenheit“ nur zu reden, es müssen endlich Zeichen gesetzt werden.
    > "Franziskus ermuntert Kirchen zu Fortschritten in der Ökumene" (kathpress 18.2.2018)  
  • Segnung homosexueller Ehepaare: Wird die Vollversammlung der DBK den Anstoß ihres stellvertretenden Vorsitzenden, des Osnabrücker Bischofs Dr. Franz-Josef Bode, aufgreifen und unterstützen, der sich für eine Debatte zur Segnung homosexueller Ehen ausgesprochen hat? Der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx hat mittlerweile eine Segnung homosexueller Paare im Einzelfall in Aussicht gestellt.  
    > Wir sind Kirche-PM vom 12.1.2018
  • Finanzen: Sind die Bischöfe angesichts der jüngsten Finanzskandale in Hamburg und Eichstätt bereit, die nach dem Skandal um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zugesagte schnelle und weitgehende Offenlegung ihrer Finanzen in allen Bistümern in vergleichbarer Weise zu gewährleisten? Die aktuellen Fälle zeigen die Dringlichkeit einer grundlegenden Debatte über Transparenz und Partizipation. Wir sind Kirche schließt sich der Forderung verschiedener katholischer Verbände an, die überdiözesanen Aufgaben der katholischen Kirche in Deutschland besser zu finanzieren und nicht weiter zu reduzieren.
    > "Katholische Laien fordern klare Regeln für Kirchen-Finanzgeschäfte" (DPA 18.2.2018)  
    > Wir sind Kirche-PM vom 26.1.2018

 

Pressekontakte während der Bischofskonferenz in Ingolstadt:

Christian Weisner, Tel. 0172-5 18 40 82, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Bei rechtzeitiger vorheriger Anfrage steht Wir sind Kirche Ihnen vom 19. bis 22. Februar 2018 für O-Töne auch vor Ort in Ingolstadt gerne zur Verfügung.

Zuletzt geändert am 17­.09.2018