an die Süddeutsche Zeitung
zu "Risse im schwarzen Block" vom 18.2.2008
Es ist nicht verwunderlich, dass sich gerade in der Zölibatsfrage die
Gegensätze innerhalb des Bischofskollegiums offenbaren und die lange
unter der Einigkeitsdecke gehaltenen Konflikte aufbrechen. Die nach
außen demonstrierte, aber nie wirklich vorhandene Einigkeit der
Bischofskonferenz war für mich als kritische Katholikin schon immer
äußerst fragwürdig, denn "so" kann die Kirche die Herausforderungen und
Konflikte der Gegenwart und Zukunft nicht bewältigen.
Persönlich finde ich das Fernbleiben der angesäuerten
Kirchenherren Mixa, Müller und Schraml bei der Verabschiedung Kardinal
Wetters kleinlich und eines Bischofs unwürdig, denn es zeigt, dass sie
sich als Verlierer im kirchenpolitischen Machtspiel begreifen, das es ja
angeblich gar nicht geben darf unter "Brüdern".
Warum aber löst die Zölibatsfrage soviel Turbulenzen aus, zumal sie so
vorsichtig gestellt wurde? Nun, mit demselben Argument, dass keine
theologisch stichhaltigen Gründe für die Beibehaltung (des
Zölibats) sprechen, könnte auch der Ausschluss der Frau vom geweihten
Amt in dieser Kirche angegriffen werden. Und da würde es dann wirklich
brenzlich für die Kirchenherren und ihr Amts- und Machtverständnis. Denn
dann ginge es auf einmal darum, Frauen die gerechte und volle Teilhabe
in allen Bereichen der Kirche zu geben. Zölibat und Kirchenrecht halten
bis heute Frauen gänzlich aus der Amtshierarchie der Kirche heraus,
beschränken ihre Einflussmöglichkeiten auf das den Kirchenherren genehme
und jederzeit steuerbare Maß, da sie ihre Amtsautorität gegenüber Laien
jederzeit ausspielen können.
Hoffentlich, kann ich nur sagen, beginnen die Bischöfe endlich, sich
über die Frage des Zölibats und der Weihe für Frauen öffentlich
auseinanderzusetzen. Es wird höchste Zeit, den offenen Diskurs in der
Kirche zu wagen, die sich immer mehr einzementiert in ihren für
gottgegeben, heilig und damit unantastbar gehaltenen Traditionen und
Gesetzen. Wenn Kirche sich so der Erstarrung verschreibt, weil sie aus
Angst vor der Veränderung nicht einmal mit Diskussionen "Präzedenzfälle"
schaffen will, hat sie den Weg Jesu und der Urkirche endgültig
verlassen. Jesus selbst hat durch seinen Umgang mit Männern und Frauen
unzählige Präzedenzfälle in seiner Zeit geschaffen, die Menschen und
besonders Frauen aus seelischer und körperlicher Krankheit, Vorurteilen,
Isolation, Diskriminierung u. v. m. befreiten. Die frühen Christen
hatten die Sprengkraft seiner Botschaft und seines Lebens verstanden und
lebten danach - unter Bedrohung ihres Lebens. Nicht von ungefähr
waren viele Frauen im Urchristentum tragende Kräfte in den Gemeinden als
Apostelinnen, Hauskirchenleiterinnen, Diakoninnen und Presbyterinnen
(Priesterinnen), ja sogar Bischöfinnen. Die Bischöfe würden heute nicht
einmal ihr Leben riskieren, wenn sie es wagten, offen über Veränderungen
in der Kirche nachzudenken. Aber dazu fehlt ihnen die persönliche
Courage. Und wenn einer öffentlich vorprescht, wie der neue Vorsitzende
der Bischofskonferenz, wird er gleich von seinen kirchenpolitischen
Gegnern abgestraft. "Kindergarten", wie Kardinal Lehmann es
formulierte, ist ein viel zu schwaches Wort dafür!
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