Erste Stellungnahme zu den Ergebnissen des Runden Tisches sexueller Missbrauch am 30. September 2010 in Berlin
Die KirchenVolksBewegung
Wir sind Kirche hält die heute von der
Bischofskonferenz und den Orden erstmals vorgelegten Überlegungen noch für
zu vage, als dass sie als wirkliches Modell für die weitere Arbeit des
Runden Tisches dienen können. Dass noch nicht einmal mögliche
Größenordnungen für finanzielle Entschädigungen genannt wurden, wird nach
Ansicht der katholischen Reformbewegung die von sexualisierter Gewalt
Betroffenen, die am Runden Tisch ohnehin unterrepräsentiert waren,
keinesfalls zufriedenstellen können.
Es geht nicht um die Fixierung auf
Zahlen, aber nach wie vor stellt sich die Frage, warum sich die deutsche
Bischofskonferenz nicht an den sehr viel konkreteren und weitreicherenden
Vorschlägen des Jesuitenordens oder der Österreichischen Bischofskonferenz
orientiert haben, die sich sehr deutlich und konkret auch zu
Entschädigungszahlungen geäußert haben.
Es geht auch nicht darum die römisch-katholische Kirche an den Pranger zu
stellen. Aber über alle Maßnahmen und Hilfen wie z.B. die Erstattung von
Therapien hinaus müssen sich die Bistümer und Orden auch ihrer
institutionellen Verantwortung stellen, denn allzu oft sind Vergehen erst
durch das vertuschende Versetzen von straffällig gewordenen Priestern
möglich geworden.
Zu begrüßen ist die klare Ausage der Bischofskonferenz, dass alle Leistungen
nicht aus Kirchensteuermitteln beglichen werden sollen und damit nicht die
Gläubigen für die individuellen und strukturellen Vergehen zu zahlen hätten.
Wir sind Kirche unterstützt auch die vom Runden Tisch geplante deutliche
Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährung, da dies der Tatsache Rechnung
trägt, dass die Betroffenen sich oft erst nach Jahrzehnten mit der ihnen
zugefügten sexualisierten Gewalt auseinandersetzen und erst dann z.B.
Forderungen an die Täter stellen können. Aus den gleichen Gründen ist es
dagegen enttäuschend, dass bisher nicht auch eine Verlängerung der
straftrechtlichen Verjährung ins Auge gefasst wird.
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Christian Weisner
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