Die römische Trennung beim Abendmahl manifestiert
den Stillstand in der Ökumene.
Die neue Enzyklika "Ecclesia
de Eucharistia" kennzeichnet sechs Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag
in Berlin einen neuen Tiefstand im ökumenischen Prozeß der Kirchen. Zum
wiederholten Mal macht Rom deutlich, daß "Ökumene" - unter diesem
Papst - nur nach römischen Spielregeln zu haben ist.
1.
Die Enzyklika wiederholt im wesentlichen die
bekannten dogmatischen Positionen der römischen Kirche, sagt also nichts Neues.
Kurz vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin und im Zusammenhang der
Verschlechterung der ökumenischen Atmosphäre ist sie jedoch eine Warnung:
Ungeachtet aller theologischen Fortschritte, ungeachtet aller pastoralen Nöte
in den Gemeinden hält Rom am eucharistischen Leitbild des priesterzentrierten
Gottesdienstes fest - nur unter dieser Bedingung soll Ökumene möglich sein.
Durch diesen Absolutheitsanspruch werden jedoch ökumenische Fortschritte, die
das frühkirchliche Glaubensbekenntnis zu der "einen Kirche"
ernstnehmen würden, unmöglich.
2.
Nach der Lehre des II. Vatikanischen Konzils ist
die "katholische", also die "eine Kirche" im Sinne des
Glaubensbekenntnisses jedoch keineswegs mit der römisch-katholischen Kirche
identisch. Es ist deshalb nicht einsichtig, aus dem Glaubensbekenntnis
unmittelbar die Forderung abzuleiten, den liturgischen Normen der römischen Kirche
gehorchen zu müssen (52). Das frühkirchliche Glaubensbekenntnis zur "einen
Kirche" ist die gemeinsame Grundlage, auf der wir beim Ökumenischen
Kirchentag in Berlin mit der evangelischen Gemeinde am Prenzlauer Berg-Nord in
der Gethsemane-Kirche ökumenische Gottesdienste mit eucharistischer
Gastfreundschaft feiern werden.
3.
Auf die drängendsten Probleme in den Gemeinden
geht die Enzyklika nur am Rande ein:
Wegen des Priestermangels können viele Gemeinden
am Sonntag die Eucharistie überhaupt nicht in der Form feiern, die der
Enzyklika entsprechen würde. Anstelle konstruktiver Lösungsversuche - etwa in
der Frage nach der Legitimität des Zölibates - wird den Gemeinden vom Papst nun
der "Hunger" nach der Eucharistie empfohlen (33) - eine Vertröstung,
über die die Aktiven in den Gemeinden nur gequält lächeln können. Das Gebet um
Priesterberufe allein und ein Loblied auf die den Amtspriestern vorbehaltene
Eucharistiefeier sind kein Ausweg: Der Zusammenbruch der Seelsorge steht an
vielen Orten in Deutschland unmittelbar bevor. Da den deutschen Bistümern von
Rom aus die Hände gebunden sind, können sie auf diese pastorale Krise nur mit
kosmetischen Korrekturen reagieren. Die neue Enzyklika schreibt diese
defizitäre Strategie fest.
4.
Die Enzyklika untersagt katholischen Christinnen
und Christen die Teilnahme am evangelischen Abendmahl (30). Demgegenüber
stellte jedoch die Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer 1975 ausdrücklich
fest, daß katholische Christinnen und Christen, die auf Grund eigener
Gewissensentscheidung am evangelischen Abendmahl teilnehmen, sich damit nicht
von ihrer Kirche abwenden (Gottesdienst 5.5). Folglich stellt diese
Entscheidung nicht die Zugehörigkeit zur eigenen Kirche in Frage, wie auch die
deutschen Bischöfe damals anerkannten. Die Anerkennung des hohen Gutes der
Gewissensentscheidung muß auch in Zukunft außer Frage stehen,
5.
Ausdrücklich begrüßen wir den Hinweis, daß durch
die Eucharistiefeier die Verantwortung in der globalisierten Welt wachgerufen
wird (20): "Was soll man von den tausend Widersprüchen einer
,globalisierten' Welt halten, in der die Schwächsten, die Kleinsten und die
Ärmsten scheinbar wenig zu erhoffen haben?" - Doch das Einschärfen der
scheinbar theologisch begründeten Grenzen konterkariert diesen guten Gedanken -
Die Alleingänge der römischen Kirche führen in die falsche Richtung.
Nicht Trennung,
sondern ein kommunikatives Handeln im respektvollen Miteinander ist das
christliche Gebot der Stunde, das der kriegs- und notgeplagten Welt Hoffnung
gäbe - der Papst hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
17. April
03
Quelle: http://www.wir-sind-kirche.de/wsk/presse/p2003/index.htm