Wir sind Kirche: Priesterweihe von Frauen
Signal gegen das erstarrte Amtsverständnis
Als Signal gegen das erstarrte, tradidionalistische Amtsverständnis der römisch-katholischen Kirche werten die deutsche KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche und die österreichische Plattform Wir sind Kirche die so genannte "Priesterinnenweihe" am 29. Juni 2002 in der Nähe von Passau. Auch wenn dieses Ereignis in vieler Hinsicht zu hinterfragen ist und die Weihe nicht nach römischem Kirchenrecht erfolgte: Der eigentliche Skandal ist darin zu sehen, dass die römisch-katholische Amtskirche den Frauen eine Ordination für den Leitungsdienst immer noch vorenthält, obwohl sich biblisch-theologisch dafür keine stichhaltigen Gründe ins Feld führen lassen.
Da es über den Weg zum kirchlichen Leitungsdienst der Frau und das Amt als solches auch unter reformorientierten Katholiken und Katholikinnen unterschiedliche Vorstellungen gibt, sollte der Vorstoß der Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA genutzt werden, die Diskussion um die Frauenordination neu zu beleben.
Gemeinsam mit der österreichischen Plattform Wir sind Kirche ruft die deutsche KirchenVolksBewegung deshalb dazu auf, die Diskussion über die Erneuerung des Leitungsdienstes und seine Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen jetzt qualifiziert weiter zu führen und noch zu intensivieren. Nur dann besteht die Hoffnung, dass kommende Ordinationen von Frauen innerhalb der kirchlichen Ordnung stattfinden können.
Die weltweite Auseinandersetzung mit der Frage der Frauenordination beweist, dass das vom Papst 1994 in seinem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" ausgesprochene Diskussionsverbot genau das Gegenteil bewirkt hat. Immer mehr kirchentreue Menschen können die Haltung der Kirchenleitung in dieser Frage nicht mehr verstehen und möchten die Berufung von Frauen zur Priesterin oder Diakonin durch eine Weihe bestätigt wissen. In Deutschland befürworten 71% der praktizierenden Katholiken und Katholikinnen die Frauenordination, wie die US-amerikanischen Religionssoziologen Prof. Andrew Greely und Prof. Michael Hout in einer internationalen Studie 1996 festgestellt haben.
Das KirchenVolksBegehren 1995, das u.a. den Zugang von Frauen zum Priesteramt forderte, ist allein im deutschsprachigen Raum von 2,3 Millionen Menschen unterschrieben worden.
Pressemitteilung Hannover/Passau, 30. Juni 2002