Wagner verzichtet auf Ernennung zum Linzer Weihbischof

Wien (AP) Der umstrittene österreichische Geistliche Gerhard Maria Wagner hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag überraschend darum gebeten, seine Ernennung zum neuen Weihbischof von Linz zurückzunehmen. Wagners Berufung hatte zu Protesten im Kirchenvolk geführt. Der 54 Jahre alte Geistliche hatte mehrfach öffentliche Kontroversen ausgelöst. So bezeichnete er die «Harry-Potter»-Romane als Ausdruck des Satanismus. Nach dem Hurrikan «Katrina» in New Orleans erklärte er, Grund dafür sei möglicherweise die Sündhaftigkeit der Menschen dort.

Die Berufung Wagners war die zweite umstrittene Entscheidung Benedikts in den vergangenen Wochen. Ende Januar hatte der Papst die Exkommunizierung des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson aufgehoben.

Schon für neues Amt eingekleidet

«Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten», heißt es in einer vom Linzer Bischof Ludwig Schwarz verbreiteten Erklärung Wagners. Weitere Kommentare lehnte der Bischof ab und verwies auf die am Montag in Wien angesetzte Sondersitzung der Österreichischen Bischofskonferenz.

Wagner hatte sich nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA bereits in Rom für sein neues Amt eingekleidet. Doch kurz vor seinem Rücktritt war der Widerstand gegen ihn immer größer geworden. So lehnten die Dechanten der Diözese Linz den designierten Weihbischof APA zufolge mit überwältigender Mehrheit ab. Kritische Worte seien auch vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser gekommen, noch deutlichere von seinem Eisenstädter Kollegen Paul Iby. Und zuletzt kündigten auch noch liberale Pfarrer der Diözese Linz eine Art «Volksbegehren» gegen die Weihe an, die für den 22. März geplant war, wie APA berichtet.

«Da ist Satanismus am Werk»

Überregional bekannt wurde Wagner 2001 durch seine Äußerung zu der Romanserie Harry Potter. «Da ist Satanismus am Werk», zitierte APA den Geistlichen. Lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirkten, beängstigten Wagner. «Da bedient man sich einer Sprache, die niemand versteht, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott.»

Das nächste Mal sorgte Wagner den Angaben zufolge für Aufsehen, als er seltsame Theorien zur Hurrikan-»Katrina»-Katastrophe in den USA über das Pfarrblatt verkündete: «Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden.»

Der Verfasser fragt sich in dem Schreiben auch: «Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer 'geistigen Umweltverschmutzung.'»

In die gleiche Stoßrichtung gehen seine Theorien zur Tsunami-Katastrophe. Es sei vermutlich kein Zufall, dass die Flutwelle zu Weihnachten aufgetreten sei, wenn die Leute aus dem reichen Westen ins arme Thailand flüchteten, um dort die Welt zu genießen, erklärte der Pfarrer APA zufolge.

15.2.09

Quelle: http://de.news.yahoo.com/1/20090215/tpl-wagner-verzichtet-auf-ernennung-zum-cfb2994_1.html

  

Krisentreffen nach Rückzug von Linzer Weihbischof

Wien (dpa) - Nach dem überraschenden Amtsverzicht des vom Papst zum Linzer Weihbischof ernannten Priesters Gerhard Maria Wagner ist die österreichische Bischofskonferenz am Montag zu einer Sondersitzung zusammengetreten.

Der Wiener Kardinal und Erzbischof Christoph Schönborn hatte das Krisentreffen in Wien einberufen, nachdem die Ernennung Wagners zu einer Welle von Kirchenaustritten geführt hatte. Die meisten der insgesamt zehn Bischöfe hatten sich mehr oder weniger deutlich gegen die Ernennung des als ultrakonservativ geltenden Wagners ausgesprochen. Schönborn selbst nannte die Klausur im Vorfeld öffentlich «Schadensbegrenzung».

Wagner hatte am Sonntagabend seinen Amtsverzicht bekanntgegeben. Der Vatikan habe seinem Wunsch entsprochen, berichtete die amtliche katholische Nachrichtenagentur Kathpress. Seine Ernennung durch Papst Benedikt XVI. war von großen Teilen der Priesterschaft in der Diözese Linz öffentlich abgelehnt worden. Am Sonntag wurde bekannt, dass eine Gruppe Geistlicher sogar eine Art Volksbegehren gegen Wagner einleiten wollte.

Wagner selbst bezeichnet unter anderem Homosexualität als Krankheit und sieht in Naturkatastrophen eine Strafe Gottes. Der Rückzug Wagners wurde am Montag von seinen Kritikern einhellig begrüßt.

16.2.09

Quelle: http://de.news.yahoo.com/26/20090216/twl-krisentreffen-nach-rckzug-von-linzer-7fe18c8_1.html

  

Kirche in der Krise

"Schallende Ohrfeige" für den Papst aus Österreich: Wenige Wochen vor der Amtseinführung scheitert Benedikts konservativer Wunschkandidat für das Amt des Weihbischofs von Linz. Nun reagiert die Österreichische Bischofskonferenz.

 Nach dem Rücktritt des designierten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner am Sonntag und der andauernden Krise der katholischen Kirche, reagiert die Österreichische Bischofskonferenz nun mit einem Hirtenbrief. Darin fordert sie die Gläubigen auf, auch weiterhin Vertrauen in die Kirche zu haben - obwohl die Gläubigen "manche Kritik, auch Spott und Ablehnung erfahren mussten, die zum Teil durch Fehler in der Kirche verursacht waren". Die Bischöfe sehen noch immer mit Sorge nach Oberösterreich und räumen ein, dass die Gläubigen selbst bei der Wahl ihrer geistlichen Vertreter angehört werden müssen. Die Ernennung des als äußerst konservativ geltende Wagner hatte in der Alpenrepublik einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

 Einen klaren Eintritt in eine kircheninterne Diskussion hätte sich Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche", die für mehr Reformen in der Kirche kämpft, gewünscht: "Es müssen die Grundsatzfragen diskutiert werden um die Kirche zu erneuern. Zum Beispiel: Dürfen Frauen ebenfalls Priester werden oder wie kann man das Pflichtzölibat abschaffen?" In das gleiche Horn stößt die "Laieninitiative" Österreichs, die sich ebenfalls für eine neue katholische Kirche einsetzt. Außerdem sieht der Sprecher der Initiative, Hermann Bahr, im Rücktritt von Gerhard Wagner die "beste Lösung".

 Pornos im Priesterseminar

 Vatikanexperte Thomas Seiterich beurteilt die Ablehnung des Bischofsamtes von Wagner als "schallende Ohrfeige für Papst Benedikt XVI." Der habe durch die Krise stark an Autorität eingebüßt und sein Image ramponiert. Vor allem das vatikantreue Österreich dürfe man nicht so schlecht behandeln und einen Weihbischof gegen den Willen der Bevölkerung einsetzen, sagt Seiterich.

 Schon in früheren Zeiten hatte Österreich wenig Glück mit seinen Bischöfen: So wurde im Jahr 1995 mit dem früheren Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer der erste Skandal in der katholischen Alpenrepublik bekannt. Groer wurde damals vorgeworfen, während seiner Zeit als Religionslehrer im niederösterreichischen Knabeninternat Hollabrunn, minderjährige Junge sexuell missbraucht zu haben. Geäußert hat sich Groer bis zuletzt nicht zu diesen Vorwürfen - er starb am 24. März 2003 in St. Pölten. Dort kam es schließlich auch zum nächsten Eklat der österreichischen Bischöfe. Erzbischof Kurt Krenn musste seine Ämter niederlegen, weil unter seiner Leitung im bischöflichen Priesterseminar Kinderpornos auf Computer geladen und homosexuelle Handlungen vollzogen wurden. Für den jüngsten Aufreger schließlich sorgte der Vorarlberger Bischof Elmar Fischer, der Homosexualität "als heilbare Krankheit, wie Alkoholismus" bezeichnete und sich für seine Aussagen später entschuldigte.

Von Bianca Blei

 16.2.2009

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Oesterreich-Kirchenkrise;art123,2732236