Katholischer
Bischof Nowak auf der Lutherkanzel - Katholiken und Protestanten feiern
Reformationstag in Wittenberg gemeinsam
Wittenberg (ddp). In der Lutherstadt
Wittenberg haben am Sonntag Katholiken und Protestanten gemeinsam den
Reformationstag gefeiert. In der Stadt an der Elbe hatte der Theologe Martin
Luther am 31. Oktober 1517 mit seinen 95 an die Schlosskirche geschlagenen
Thesen einen Erneuerungsprozess, aber auch die Kirchenspaltung ausgelöst. Genau
487 Jahre nach Luthers Rebellion beteten am Sonntag etwa 1500 katholische und
evangelische Christen gemeinsam in der voll besetzten Stadtkirche «Sankt
Marien», in der Luther mehr als 2000 Mal gepredigt haben soll.
Am zentralen Festtag der
protestantischen Welt stand auf der einstigen Lutherkanzel erstmals während
eines evangelischen Gottesdienstes ein katholischer Bischof. Im roten Talar
unterstrich Altbischof Leo Nowak aus Magdeburg: «Die evangelische Tradition,
die Luther unter die Menschen gebracht hat, ist heute auch für die katholischen
Christen gültig.»
Nowak hob die Gemeinsamkeiten von
Protestanten und Katholiken hervor. Die ökumenische Bewegung sei «unumkehrbar».
Die Ökumene der Zukunft müsse die Menschen wieder zum Glauben an den Herrn
einladen. «Der christliche Glaube als solcher steht auf dem Prüfstand», mahnte
der Altbischof. Ob es Gott gebe, würden beide Kirchen gleichermaßen gefragt.
Deshalb sollten sich auch beide Kirchen gemeinsam auf den Weg zu einer
Missionarischen Kirche wagen.
Für den Pfarrer der Stadtkirche,
Andreas Volkmann, hatte die Festrede des Altbischofs eine Signalwirkung. So wie
vor fast 500 Jahren aus Wittenberg ein Zeichen der Erneuerung in die Welt
hinaus getragen worden sei, so sollte im Zuge des Einigungsprozesses der
Kirchen wiederholt ein Zeichen aus Wittenberg kommend gesetzt werden, sagte er
nach dem Festgottesdienst.
Mit einer Kreuz-Feier anlässlich des
1983 vom Papst gestifteten Weltjugendtagskreuzes setzte sich bei der
Mittagsandacht das Reformationsfest in der Stadtkirche unter der Idee der
Ökumene fort. Das schlichte Holzkreuz machte in der Predigtkirche Luthers, in
der noch heute der Geist der Reformation jährlich bis zu 100 000 Touristen aus
aller Welt anzieht, Station. Das Kreuz hat in den vergangenen 20 Jahren eine
Strecke von 220 000 Kilometer rund um die Welt zurückgelegt. Im August 2005
soll es den Weltjugendtag in Köln erreichen, wo auch der Papst erwartet wird.
31. Oktober 2004
Nach: http://de.news.yahoo.com/041031/336/49vwp.html