Familienbildungsstätte in Geldnot

Hanauer Einrichtung des Bistums Fulda fehlen Zuschüsse / Engagierte Katholiken protestieren

Ob die Katholische Familienbildungsstätte Hanau 2007 ihr 50-jähriges Bestehen feiern kann, ist fraglich. Dem Bistum Fulda fehlt es an Geld; für das Sekretariat herrscht seit März eine Stellenbesetzungssperre. Auch die Einrichtungen in Kassel und Fulda leiden unter der Finanznot.

Hanau - "Wir haben kein Geld mehr", räumt Egon Bott, Geschäftsführer des Trägervereins der Katholischen Familienbildungsstätten in der Diözese Fulda, ein. Der Staat kürze stetig die Zuschüsse, zudem nehme die Kirche weniger Steuern ein. Bott: "Wir haben ein Finanzproblem." Für das Jahr 2006 fehlen nach seinen Angaben rund 60 000 Euro Zuschuss für die Familienbildungsstätten in Hanau, Fulda und Kassel. Vor drei Jahren habe der Wegfall nur etwa 40 000 Euro betragen. Aktuell fehlten dadurch etwa zehn Prozent des Gesamthaushaltes: "Das ist viel - das können wir nicht mehr auffangen."

Für den Geschäftsführer sind keine Einfach-Lösungen in Sicht: "Wir können nicht die Gebühren für unsere Kurse und Angebote erhöhen, schließlich sind wir nur ein Verein und vor allem karitativ tätig." Man stehe vor einem "Dilemma". Bott hofft auf finanzielle Hilfe durch den Trägerverein und das höchste Entscheidungsgremium, den "Geistlichen Rat" rund um den Fuldaer Diözesanbischof Heinz Josef Algermissen.

 

"Leitung bleibt im Unklaren"


Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" (WSK) in Hanau erwartet ebenfalls eine Entscheidung und hat das Thema darum öffentlich gemacht. Laut WSK-Sprecher Joachim Haas-Feldmann "lassen die Verantwortlichen in Fulda die Pfarrer in Hanau und die Leitung der Familienbildungsstätte seit Wochen im Unklaren darüber, wie es personell im Sekretariat und finanziell weitergehen soll". In Zeiten zurück gehender Kirchenbindung bei gleichzeitig wachsender Konkurrenz anderer Glaubensgemeinschaften und Sekten sei es "unverantwortlich, die Familienbildungsstätte in ihrem Bestand zu gefährden".

Über fast 50 Jahre hätten jährlich mehrere tausend Teilnehmende, darunter vor allem Eltern und Kinder, von der Arbeit der Bildungsstätte profitiert. Diese stehe für eine "zeitgemäße Wertevermittlung in der Erziehung" und vermittele ein "positives Bild der katholischen Kirche". Das dürfe Fulda "nicht aufs Spiel setzen".

Hinzu komme, dass das Dechant-Diel-Haus der Stadtpfarrei Mariae Namen, in dem die Katholische Familienbildungsstätte als Mieter untergebracht ist, erst vor zwei Jahren aufwendig umgebaut und saniert wurde. Wenn nun der größte Mieter neben der Caritas wegfiele und ein adäquater Ersatz kaum zu finden wäre, so die WSK, "dann läuft die katholische Kirche in Hanau Gefahr, sich lächerlich zu machen".

 

Dom-Dechant macht Hoffnungen


Professor Werner Kathrein, Dom-Dechant im Bistum Fulda, Ordinarius für Kirchengeschichte und seit rund 20 Jahren stets wiedergewählter Vorsitzender des Trägervereins, bestätigt die "Finanzierungslücke" für die Familienbildungseinrichtungen in Fulda, Kassel und Hanau. Der Trägerverein habe "keine zusätzlichen Mittel" und die öffentlichen Zuschüsse "gehen nun einmal zurück". Dass gerade in Hanau eine Wiederbesetzungssperre erfolgte, sei jedoch ein "Zufall", weil dort zuvor eine Kündigung erfolgt sei. Er ist "sicher", dass nach Gesprächen mit "allen Beteiligten eine Wiederbesetzung erfolgt" und der Trägerverein eine für alle Seiten zufrieden stellende Lösung finden werde. Bis zum Jahresende sei mit "Deckungszusagen" zu rechnen. Ute Vetter

 

 

Hintergrund

 

Kurse als Lebenshilfe

Raum für Integration

Hanau - Die Katholische Familienbildungsstätte Hanau versteht sich als ein Zentrum für Menschen, in dem "Lebensfragen und vielfältige Lebenssituationen ihren Platz finden". Sie will positive Erfahrungen im kirchlichen Raum ermöglichen und die Suche des Einzelnen nach dem Lebenssinn unterstützen. Dazu gibt es Begegnungen für die verschiedensten Familienformen.

Vor dem Hintergrund des Evangeliums sollen die zahlreichen Kurse Menschen dazu befähigen, "ihre Rolle und Verantwortung in Familie, Gesellschaft und Kirche wahrzunehmen." Einflüsse von kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten werden berücksichtigt. Dazu gibt es vorbeugende Jugendhilfe und werden Fragen zu Integration, Nationalitäten und Religionen gestellt. es gibt darum keine Nationalitätenstatistik. Die Mitarbeiter wollen Kreativität fördern, das pragmatische, handlungsorientierte, emotionale, motorische und kognitive Lernen unterstützen, soziale und solidarische Verhaltensweisen beachten, Fähigkeiten wie Sprechen, Zuhören und Erzählen fördern und die religiöse Dimension bei Fragen nach dem "Woher" und "Wohin" des Lebens entdecken. Es gibt Sterbe- und Trauernden-Begleitung ebenso wie Gymnastik, Seminare, Gesprächkreise oder Kurse für mehr Erziehungskompetenz in Familien. ute

 

 

 

Frankfurter Rundschau 18.7.06, S. 29

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/hanau/?em_cnt=930503&