UN-Bericht beklagt anhaltende Unterdrückung von Frauen in

islamischer Welt

Zaghafte Reformen

 

Trotz einiger Fortschritte im Kampf um die Chancengleichheit im öffentlichen Leben

liegen die Frauen in den arabischen Ländern weit hinter ihren Geschlechtsgenossinnen

 in anderen Erdteilen zurück. Dies stellt der Jahresbericht über die menschliche

Entwicklung in der arabischen Welt fest.

Genf - Zwar sei in einigen arabischen Ländern die Zahl der Frauen in den Parlamenten durch

die Einführung eines Quotensystems gestiegen, aber ihr Einfluss bleibe "symbolisch", heißt es in

dem Bericht, der am gestrigen Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde.

 

In keiner Regierung nehmen Frauen mehr als zwei nebensächliche Ministerposten ein. "In der

 gesamten arabischen Welt werden alle echten Entscheidungen auf allen Ebenen von Männern

gefällt", heißt es in dem Rapport.

 

Wahlrecht in Kuwait erst 2005

Im irakischen Parlament sitzen derzeit 25,5 Prozent Frauen, im tunesischen 11,5 und im

marokkanischen elf Prozent. In Ägypten haben die Frauen nur zwei Prozent der Sitze im

Parlament. In Omar und in Katar erhielten die Frauen erst im Jahr 2003 das Wahlrecht, in

Kuwait 2005. Seither können die Frauen in allen arabischen Staaten wählen außer in Saudi-

Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo es keine Wahlen gibt.

 

Der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) unterstützte, aber von

arabischen Experten erstellte Bericht sieht in den zaghaften Reformen eine Ermutigung der

arabischen Gesellschaft zu einer stärkeren Dynamik.

 

Nicht nur die Globalisierung und der Druck des Westens stoßen Reformen in der arabischen

Welt an, schreiben die Autoren des Berichts. Sie erinnern daran, dass die "Ägyptische

Feministische Union" bereits 1923 gegründet wurde und ähnliche Organisationen in Tunesien,

Marokko, dem Libanon, im Irak, Sudan und in Jordanien um 1940 entstanden.

 

Trotzdem nehmen auch heute erst ein Drittel der arabischen Frauen an wirtschaftlichen

Tätigkeiten teil - das ist der niedrigste Prozentsatz weltweit.

 

In Ostasien sind 69 Prozent, in Lateinamerika 40 Prozent der Frauen am Erwerbsleben

beteiligt. Das gleiche Bild spiegelt das Bildungswesen wider: Noch immer sind die Hälfte

der Frauen der arabischen Region Analphabeten (gegenüber einem Drittel der Männer).

 

Zwischen den einzelnen Ländern existieren aber große Unterschiede. In Tunesien und im

Libanon etwa besuchen mehr Mädchen als Jungen eine Schule. Zwölf arabische Länder haben

einen Gleichstand zwischen den Geschlechtern in ihren Oberschulen erreicht.

 

Internet ein Silberstreif

In allen untersuchten Staaten außer Marokko, Jemen und den Komoren entfallen bei den

Einschreibungen in den Grundschulen auf zehn Jungen mindestens neun Mädchen.

 

Die Autoren des Berichts sehen einen Silberstreifen am Horizont: "Neuzeitliche Medienformen

wie Internet, Chat-Rooms und Satellitenfernsehkanäle öffnen den Frauen eine neue Straße der

Befreiung, die ihnen die herkömmlichen Druckerzeugnisse nicht bieten konnten."

Pierre Simonitsch

Webseite: www.undp.org/arabstates

Frankfurter Rundschau, 8.12.06, 8

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1027594&