Ordenszeitschrift stellt Pflichtzölibat zur Debatte

München, 4.4.2002 (KNA) Die katholische Zeitschrift "Wegbereiter" hat eine offene Debatte über den Pflichtzölibat gefordert. In der aktuellen Ausgabe des in München erscheinenden "Magazins für Berufe der Kirche" stellt der Verantwortliche Redakteur, Salvatorianerpater Konrad Werder, fest, das ehelose Leben der Priester werde von vielen Gemeinden und Christen nicht mehr mitgetragen. Diese an sich bedauerliche Entwicklung könne vielleicht aber auch "als ein Wehen des Geistes Gottes" verstanden werden. Möglicherweise bahne sich hier ein "Konsens der Glaubensgemeinschaft" an, "der schon immer eines der Kriterien dafür war, was in der Kirche gelten soll", meint Werder. - Der "Wegbereiter" erscheint in einer Auflage von 38.000 Exemplaren und hat den Auftrag, für geistliche Berufe zu werben.

In der Zeitschrift äußern sich verschiedene Geistliche über "priesterliche Lebenskultur". Außerdem wird eine in München existierende Wohngemeinschaft zweier Priester mit einem Pastoralreferenten und seiner Familie vorgestellt. Werder schreibt, dass solche und andere priesterliche Lebensgemeinschaften auch nach einem Wegfall der Zölibatspflicht an Bedeutung gewinnen würden. Der Regens des Paderborner Priesterseminars, Peter Klasvogt, ergreift Partei für den Zölibat, den Jesus selbst gelebt habe. Priester und Ordensleute seien in der Regel "keine verklemmten oder verknöcherten Typen, die sich vom Leben betrogen fühlen". Die meisten lebten überzeugend ihre Berufung "trotz oder gerade wegen des Zölibats". Nach den Worten Klasvogts wäre es "zu kurz gegriffen", diese "prophetische Gestalt des Amtes" abzuschaffen, bloß weil sie heute nicht mehr verstanden werde.

"Manche Priester verbrauchen sehr viel Energie"

Kritisch zur verpflichtenden Ehelosigkeit äußern sich der Münsterschwarzacher Missionsbenediktiner und Exerzitienmeister Anselm Grün und der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner. Grün, der nach eigenen Worten "das Charisma der Ehelosigkeit" sehr schätzt und seit 37 Jahren im Orden lebt, plädiert dafür, den Zölibat freizustellen. Für manche Priester wäre es seiner Ansicht nach sinnvoll zu heiraten. Bei einer Freistellung gäbe es keine heimlichen Beziehungen von Priestern zu Frauen mehr, die vor allem die Frauen sehr verletzten. "Manche Priester verbrauchen sehr viel Energie, um ihren Zölibat leben zu können", so Grüns Erkenntnis aus der Begleitung von Geistlichen in Lebenskrisen im Münsterschwarzacher Recollectio-Haus. Vor allem aber gäbe es nach Ansicht des Ordensmanns ohne den Pflichtzölibat mehr priesterliche Berufungen. "Viele gute Pastoralreferenten könnten zum Priester geweiht werden."

Zulehner hat vor zwei Jahren eine europaweite Priesterbefragung durchgeführt. Der Studie zufolge glaubt die große Mehrheit der Geistlichen, dass die Zölibatspflicht viele junge Männer vom Priesterberuf abhält. Die Mehrzahl der Geistlichen werde allerdings weniger durch die Lebensform selbst belastet als dadurch, dass sie auf diesem Weg vom Kirchenvolk und der modernen Kultur nicht unterstützt werden, betont Zulehner. Zugleich warnt er davor, angesichts des Priestermangels den verbleibenden Klerikern weitere Lasten aufzubürden. Statt die Arbeitsräume von Priestern ständig auszuweiten, sei es "dringend notwendig, dass es für die nach wie vor vorhandenen gläubigen Gemeinden mehr Priester gibt". Sollten Gebete und eine "zielsicherere Werbung" in absehbarer Zeit zu keiner Entspannung der Lage führen, "kann die Kirche gar nicht anders, als nach anderen Lösungen auszuschauen". - Am 21. April begeht die katholische Kirche den "Weltgebetstag für geistliche Berufe".

Hinweis: Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift lässt sich im Internet nachlesen unter

www.kath.de/magazin/wegbereiter

Quelle: http://www.kna.de/nvt/kwna-20020404t115042740.htm