ZdK zur Kritik Kardinal Meisners am Ulmer Katholikentag

Zu der Kritik von Kardinal Meisner in der Kirchenzeitung Köln vom 02. Juli
2004 erklärt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken
(ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer:

Soll dies zu einem neuen Ritual werden? 35 000 Katholiken versammeln sich in
Ulm zur Glaubensfeier und zum nachdenklichen Gespräch über die deutsche
Gesellschaft und über die Situation ihrer Kirche in Deutschland. Der Heilige
Vater sendet ein ermunterndes Grußwort, Kardinal Lehmann und über 50 andere
Bischöfe prägen das Programm durch Gottesdienste, Bibelarbeiten und
dialogische Veranstaltungen mit, und Kardinal Kasper hält einen
richtungsweisenden und ermutigenden Vortrag zur Ökumene. Dank der
geschwisterlichen Zusammenarbeit mit evangelischen und orthodoxen Christen
wird dieser Katholikentag zugleich zu einem ökumenischen Ereignis.

Die weithin kritischen Medien, die nach dem überwältigenden Ökumenischen
Kirchentag 2003 in Berlin ein solches Ereignis nicht erwartet hatten, lassen
sich in ihrer großen Mehrheit von der Lebenskraft des Katholikentages
überzeugen. Aus nah und fern wird dem ZdK und unserem Gastgeber, Bischof
Gebhard Fürst, zu diesem großartigen Ereignis gratuliert. In der Tat war der
Ulmer Katholikentag eine Erfahrung, die der großen Mehrheit der katholischen
Christen in der gegenwärtig oft bedrückten Stimmung unserer Kirche in
Deutschland dringend Not tat. Aber wie schon beim Ökumenischen Kirchentag
2003 in Berlin, so lassen auch jetzt nach Ulm Angriffe und Vorwürfe von
Kardinal Meisner nicht auf sich warten.

Nach seinem Programm und in der Wirklichkeit war dieser Katholikentag
zugleich fromm und den Herausforderungen des Lebens zugewandt. Seine
Höhepunkte waren die Gottesdienste. Und sein Leitwort "Leben aus Gottes
Kraft" griff mitten hinein in die Auseinandersetzung der Gegenwart über die
Würde des menschlichen Lebens und über die gesellschaftliche Bedeutung der
Familie. Gewiss lässt sich dennoch auch Kritisches über diesen Katholikentag
sagen. Wenn aber sein klares Profil einfach geleugnet und ihm sein
dialogischer Charakter zum Vorwurf gemacht wird, dann brauchen Kardinal
Lehmann und ich darüber keine Nacht zu schlafen, um dies als realitätsfern
zurückzuweisen.

Zum dialogischen Charakter des Katholikentages gehörte nicht zuletzt das
freimütige Gespräch zwischen Kardinal Karl Lehmann, Hanna-Renate Laurien und
Hans Küng. Kardinal Meisner scheint von fern nur Hans Küng wahrgenommen zu
haben. Jedenfalls ist ihm offenbar völlig die geistige Souveränität seines
Amtsbruders Karl Lehmann in dieser Diskussion entgangen und das überzeugende
Engagement Hanna-Renate Lauriens für ein Leben mit der Kirche. In Wahrheit
war dieses Gespräch ein überzeugender Ausdruck der Vitalität der Kirche in
Deutschland.

Im Unterschied zu diesem von der Katholikentagsleitung geplanten Gespräch
war das Podium mit Bischof Jacques Gaillot und Eugen Drewermann von einer
sich am Katholikentag beteiligenden Gruppe vorgeschlagen worden. Aus zwei
Gründen haben wir diesem Vorschlag zugestimmt. Erstens ist Jacques Gaillot
zwar von der Leitung seiner Diözese entbunden worden, aber er ist nach wie
vor katholischer Bischof. Mit welcher Begründung hätten wir ihn also nicht
einladen sollen? Zweitens ist die kritische Haltung des ZdK gegenüber Eugen
Drewermann seit dem Karlsruher Katholikentag 1992 bekannt, als sich
Hanna-Renate Laurien auf einem öffentlichen Podium publikumswirksam mit
dessen Positionen auseinander setzte. Schon damals vertrauten wir auf die
Kraft der Argumente und auf die Fähigkeit unserer Mitchristen zum eigenen
Urteil. Es gibt keinen Schatten über diesem Katholikentag, es sei denn,
Kardinal Meisners neues Ritual solle einen solchen Schatten werfen.

Quelle: http://www.zdk.de/pressemeldungen/meldung.php?id=218