Bonn/Regensburg (KNA)
Die Entlassung eines Katholikenratsmitglieds durch den Regensburger Bischof
Gerhard Ludwig Müller hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf
den Plan gerufen. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer bittet den Bischof in einem
am Mittwoch in Bonn bekannt gewordenen Brief "eindringlich", von
seiner rechtlich unhaltbaren Vorgehensweise Abstand zu nehmen und bei
Konflikten mit gewählten Laienrepräsentanten den Weg des Dialogs zu suchen".
Ansonsten sei eine Belastung der Beziehungen Müllers zu gewählten Laiengremien
zu befürchten.
Der ZdK-Chef wandte
sich gegen die Aussage des Bischofs, die Initiative "Wir sind
Kirche", zu der das abgesetzte Ratsmitglied gehört, richte sich
"gegen das zur göttlichen Verfassung der Kirche gehörende
Bischofsamt". Im ZdK seien keine Äußerungen von "Wir sind
Kirche" bekannt, die eine solche Darstellung rechtfertigten. Zugleich wies
Meyer darauf hin, dass das Verhältnis von ZdK zur Kirchenvolksbewegung
"nicht frei von kritischer Spannung" sei. Meyer äußerte die Hoffnung,
dass der Konflikt im Bistum Regensburg einvernehmlich gelöst werde.
Die von Müller vor
zwei Wochen verfügte Entfernung des Deggendorfer Mathematikers Johannes Grabmeier
aus katholischen Ratsgremien ist ein bisher einmaliger Vorgang in der deutschen
Kirche, der unter den Katholiken wie in der Presse einiges Aufsehen erregt hat.
Einwande gegen das Verfahren äußerten unter anderem die
Kirchenrechtsprofessoren Sabine Demel und Peter Kramer aus Regensburg und
Trier. Grabmeier will Einspruch gegen seine Absetzung einlegen, weil die Vorwürfe
gegen ihn bisher "in keiner Weise" belegt worden seien. Muller erklärte
sich am Mittwoch grundsätzlich zu einem Gespräch mit dem Betroffenen "
bereit, nannte aber mehrere Vorbedingungen.
ren/baj/hsr/cas
16.4.03
Quelle: Agentur: KIR/AFP Nr.:043