Wir sind Kirche-JUGEND enttäuscht über das Schweigen des Papstes beim Weltjugendtreffen zu den Missbrauchsskandalen.

Als sehr enttäuschend bezeichnen es Vertreter der Wir sind Kirche-JUGEND, dass der Papst beim Weltjugendtreffen in Toronto bis jetzt kein klares Wort gegen den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche gesprochen hat und nicht bereit war, mit Opfern zu sprechen.

"Das Schweigen des Papstes in dieser Sache ist um so unverzeihlicher, da gerade die Jugendlichen von diesen Skandalen und Gefahren unmittelbar betroffen sind", erklärt Tobias Raschke, Sprecher der Wir sind Kirche-JUGEND aus Deutschland.

So wichtig und bestärkend das gemeinsame Gebet mit dem Papst für die nach Toronto angereisten Jugendlichen ist, sie haben auch das Recht, entschiedenes Handeln vom Papst und von den Bischöfen zu fordern, um endlich den sexuellen Missbrauch in der Kirche zu beenden.

Wenn die Jugendlichen nach dem Motto dieses Weltjugendtreffens 'das Licht der Welt sein sollen', so dürfen sie erwarten, dass zuallererst auch Licht in die eigene Kirche gebracht wird. Denn wenn die Kirche nicht den Mut hat, ihre eigenen Strukturen zu reformieren, wird sie niemals die moralische Kraft haben, die Strukturen der Gesellschaft zu kritisieren, so Raschke.

"Die römisch-katholische Kirche kann nur dann ihre Glaubwürdigkeit zurück gewinnen, wenn sie endlich den Balken im eigenen Auge wahr nimmt und ihn auch entfernt", sagt Raschke. Je eher dies geschieht, um so eher kann die Kirche auch wieder ihre ganze Kraft für Gerechtigkeit, Frieden und die Weitergabe des Glaubens einsetzen.

Der dramatische Rückgang der Teilnehmenden - das Treffen in Toronto weist nur einen Bruchteil der 2 Millionen auf, die zum letzten Weltjugendtreffen im Jahr 2000 nach Rom gekommen sind - kann nicht allein durch die Ereignisse des 11. September erklärt werden, sagt Raschke. Die bis jetzt von den Bischöfen praktizierte Taktik des Vertuschens und Verschweigens hat viele Eltern zu Recht veranlasst, ihre Kinder nicht nach Toronto fahren zu lassen. Unverantwortlich ist es, dass für die Jugendlichen in Toronto keinerlei Präventionsmaßnahmen wie Verhaltensregeln, Not-Telefone und Ansprechstellen bereit gestellt wurden.

Für den nächsten Weltjugendtag 2005 in Köln (Deutschland) fordert Wir sind Kirche-JUGEND ein grundlegend neues Konzept, das Jugendliche und junge Erwachsene von Anfang in die Programmgestaltung einbezieht. Vor allem müssten offene Dialoge über aktuelle Fragen von Kirche und Gesellschaft ermöglicht werden, wie dies jetzt zum ersten Mal beim Alternativen Weltjugendtag in Toronto praktiziert wurde. Wir sind Kirche-JUGEND ist dazu zu einer Zusammenarbeit mit allen katholischen Jugendverbänden bereit.

Wenn der Vatikan vor sieben Jahren nach den Missbrauchs-Vorwürfen gegenüber dem Wiener Kardinal Groer sofort und entschieden gehandelt hätte, wäre die große Krise, vor der die katholische Kirche in den USA und vielen anderen Ländern jetzt steht, vermieden worden. Die Untätigkeit Roms angesichts des damaligen Missbrauchs-Skandals waren einer der Auslöser für das KirchenVolksBegehren 1995 in Österreich, aus dem die mittlerweile weltweite KirchenVolksBewegung entstanden ist.

Pressemitteilung Toronto 27. Juli 2002

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