Weniger Anmeldungen zum Weltjugendtag als erwartet

«Wir brauchen eure Betten nicht»

Düsseldorf (AP) «Jeder Gast ist ein Segen», sagt der Essener Weltjugendtags-Beauftragte Dirk Tänzler, doch eine gewisse Enttäuschung kann er nicht verbergen. 29.000 Schlafplätze sollte das Ruhrbistum nach dem Willen des Kölner Weltjugendtagsbüros bereitstellen. «Und wir hätten das geschafft. Doch die Krux ist, dass wir wesentlich weniger Anmeldungen haben.»

42 Tage vor Beginn sind für den Weltjugendtag in Köln rund 380.000 Anmeldungen eingegangen. Doch während sich die Organisatoren «mehr als zufrieden» zeigen, gibt es in Essen und anderen Bistümern lange Gesichter. Denn in der Woche vor den Veranstaltungen in Köln sollten eigentlich zwischen 250.000 und 350.000 junge Pilger aus aller Welt auf die Bistümer verteilt und mit einem Rahmenprogramm auf die Tage von Köln eingestimmt werden. Da nur 160.000 zugesagt haben, steht nun manch eine Gemeinde ohne Gäste da.

«Der Frust bei uns am Telefon und in den katholischen Jugendämtern ist riesengroß. Viele hatten wegen der erwarteten Gäste ihren Urlaub verlegt - und nun kommt am Ende vielleicht gar keiner», klagte Weltjugendtags-Referentin Ulrike Kumpmann-Landers vor einigen Tagen in der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». Wie in Essen, so hört man auch in anderen Bistümern: Was das Rahmenprogramm angeht, seien die Veranstalter ganz offenbar von zu hohen Besucherzahlen ausgegangen.

Zwtl.: Visa-Probleme und Ebbe in der Reisekasse

Mit Sätzen wie «Sei es auf dem Flokati oder im Gästezimmer - Platz ist in der kleinsten Hütte» warb das Bistum Essen auf der Internetseite «Ich-habe-Platz.de», um dem erwarteten Pilgeransturm Herr werden zu können. «Die Bereitschaft, Gäste aufzunehmen, war unglaublich», berichtet der Weltjugendtags-Beauftragte Tänzler. Ruhrbischof Felix Genn ging mit gutem Beispiel voran, und bis Ende Juni stieg das «Bettenbarometer» auf 16.940.

«Es hätten sich noch mehr gemeldet», ist Tänzler überzeugt und berichtet von den Schwierigkeiten, die viele Pilger bei ihrer Reiseplanung gehabt hätten: «Wir haben von Fällen gehört, in denen selbst Ordensleuten das Visum verweigert wurde.» So schmolz manch eine Reisegruppe, die 50 Pilger gemeldet hatte, auf 20 oder weniger Teilnehmer zusammen. Inzwischen geht das Ruhrbistum nur noch von gut 5.000 Besuchern aus. «Einigen müssen wir jetzt sagen: Wir brauchen eure Betten nicht - aber euer Handeln ist trotzdem gefragt», sagt Tänzler. Gastgeber zu sein bedeute schließlich mehr, als nur einen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen.

Ein weiterer Grund für die geringere Resonanz dürfte sein, dass viele junge Katholiken ihr Reisebudget bereits ausgeschöpft haben: «Schließlich hatten wir ja gerade erst inoffizielle Weltjugendtage - in Rom, beim Sterben des alten Papstes und bei der Wahl des neuen», sagt Tänzler. «Gerade aus Polen hört man: Zwei Reisen in einem Jahr können wir uns nicht leisten», berichtet Weltjugendtagssprecher Matthias Kopp. 50.000 polnische Jugendliche strömten vor fünf Jahren zum Weltjugendtag nach Rom - für das Treffen in Köln liegen dagegen 17.000 Anmeldungen aus Polen vor.

Zwtl.: Tröstende Worte vom Erzbischof

Auch im Erzbistum Paderborn hat die Vorfreude auf den Weltjugendtag einen Dämpfer bekommen: Statt der ursprünglich angepeilten 40.000 kommen 9.000 Pilger. Jetzt ruht die Hoffnung auf weiteren 6.000 jungen Leuten, die vor einiger Zeit Interesse am Weltjugendtag bekundet hatten. Sie sollen nun einzeln angerufen und zu einer Reise nach Deutschland ermuntert werden. «Wir hoffen immer noch auf weitere Anmeldungen, aber die Signale aus Köln sind nicht gerade ermutigend», sagt Markus Freckmann von der erzbischöflichen Pressestelle.

Erzbischof Hans-Josef Becker selbst schickt tröstende Worte an die privaten Gastgeber. «Natürlich ist diese Entwicklung gerade für solche Gemeinden enttäuschend, denen keine Gäste zugeteilt werden können», schreibt Becker in einem Brief an die über 500 Vorbereitungsteams, von denen nun einige mit einem fertigen Besuchsprogramm, aber ohne Besucher dastehen.

Von bis zu zwei Millionen Besuchern hatte die KölnTourismus GmbH im vergangenen Jahr geträumt - damit wäre der fünf Jahre alte Weltjugendtagsrekord aus Rom angekratzt worden. Die Veranstalter kalkulieren vorsichtiger und sprechen von 800.000 Pilgern aus dem In- und Ausland. Wie viele Gläubige zur Abschlussmesse mit Benedikt XVI. zum nahe Köln gelegenen Marienfeld pilgern werden, kann dagegen niemand vorhersagen.

5. Juli 2005

Quelle: http://de.news.yahoo.com/050705/12/4lrup.html