Weltjugendtag in Köln: Taizé-Gründer Frère Roger erstochen

 

Taizé (AP) Frère Roger, der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, ist während eines Gottesdienstes vor 2.500 Anhängern ermordet worden. Eine Frau griff den 90-jährigen Geistlichen am Dienstagabend mit einem Messer an und verletzte ihn so schwer, dass er binnen einer Viertelstunde verblutete. Die Motive der rumänischen Täterin blieben am Mittwoch noch unklar. Kirchenvertreter und Politiker reagierten bestürzt auf die Bluttat. Zu Rogers Nachfolger wurde der Deutsche Bruder Alois, ein Katholik, bestimmt.

Staatsanwalt Jean-Louis Coste erklärte am Nachmittag, die Täterin habe das Messer erst einen Tag vor dem Angriff gekauft. «Es scheint jetzt, dass dies geplant war, und es ist offensichtlich vorsätzlicher Totschlag», sagte er auf einer Pressekonferenz. Zunächst hatte es geheißen, die 36 Jahre alte Frau sei geistig verwirrt. Nach einem Verhör erklärte die Staatsanwaltschaft eine Unterbringung in der Psychiatrie jedoch für unnötig.

Evangelische und katholische Kirche zeigten sich am Mittwoch fassungslos und würdigten ebenso wie Bundesregierung und Bundespräsident die Verdienste des protestantischen Taizé-Gründers um die Versöhnung zwischen den Menschen. Die Deutsche Bischofskonferenz stellte den 90-Jährigen auf eine Stufe mit Martin Luther King.

Auf dem Weltjugendtag in Köln soll mit einer zentralen Liturgie im Beisein von Papst Benedikt XVI. des Ermordeten gedacht werden. Benedikt bezeichnete Rogers Tod am Mittwoch als schrecklich und erklärte: «In diesem Augenblick der Trauer bleibt uns nur, dem Willen des Herrn die Seele seines treuen Dieners anzuvertrauen.»

Bundespräsident Horst Köhler schrieb in einem Beileidsbrief an die Gemeinschaft von Taizé, der Anschlag habe einen Menschen getroffen, der zeitlebens für Brüderlichkeit, für Verständigung zwischen den Kirchen und Nationen und vor allem für Gewaltlosigkeit eingetreten sei. Er habe über Jahrzehnte wichtige Impulse für die Ökumene gegeben. Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte den Verstorbenen eine der großen religiösen Persönlichkeiten der Gegenwart: «Sein Vorbild und seine Ziele werden unvergessen bleiben und weiter wirken.» Ähnlich äußerte sich der französische Staatspräsident Jacques Chirac.

Bruder Roger gründete die ökumenische Gemeinschaft in den burgundischen Dorf Taizé bei Mâcon im Jahr 1940. Ihre Mitglieder verschrieben sich der Brüderlichkeit und der Versöhnung zwischen den Nationen, Konfessionen und Klassen. 1969 trat der erste Katholik bei, heute gehören der Gemeinschaft etwa 100 Brüder aus mehr als 25 Nationen an. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. besuchte Taizé 1986. Zu den jährlichen Jugendtreffen der Gemeinschaft in Europa strömen Zehntausende. Das ganze Jahr über kommen Jugendgruppen nach Taizé.

Der neue Prior Alois trat gleich am Mittwochmorgen sein Amt an, wie die Gemeinschaft mitteilte. Der gebürtige Stuttgarter ist seit 32 Jahren Mitglied von Taizé. Schon vor acht Jahren bestimmte Roger den heute 51-Jährigen zu seinem Nachfolger.

Roger Louis Schütz-Marsauche wurde am 12. Mai 1915 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in der Schweiz geboren, seine Mutter stammte aus Burgund. Er studierte Theologie in Lausanne und Straßburg und wurde als Pastor ordiniert.

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17. August 2005

Quelle: http://de.news.yahoo.com/050817/12/4nig0.html