Weltbischofssynode in Rom

 

Der Papst eröffnet Debatte

 

Rom (dpa) - Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt der Weltbischofssynode in Rom zum offenen Dialog und Kritik in der Kirche aufgerufen. Bei einer Rede vor über 250 Delegierten aus aller Welt betonte er am Montag mehrfach das Prinzip der «Kollegialität» unter den Bischöfen.

 

«Eine Aufgabe der Kollegialität ist es, uns zu helfen, unsere eigenen Mängel zu erkennen, die wir selbst nicht sehen wollen.» Bei der dreiwöchigen Synode beraten die Bischöfe über die Lage der katholischen Kirche in der Welt. Dabei kommen auch Konfliktthemen wie Zölibat, gemeinsames Abendmahl mit anderen Kirchen sowie die Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion zur Sprache.

 

Bei einer Messe am Sonntag rief der deutsche Papst dazu auf, den Glauben nicht aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Es gebe im Westen und in Europa Tendenzen, Glauben und Religion als reine Privatangelegenheit anzusehen. Dies sei aber keine echte Toleranz, «sondern Heuchelei». Wenn Gott «aber aus dem öffentlichen Leben verbannt wird, verliert er jede Bedeutung». Eindringlich warnte Joseph Ratzinger vor unbegrenztem Machtanspruch des modernen Menschen: «Wo der Mensch sich zum alleinigen Herrn der Welt und seiner selbst macht, kann es keine Gerechtigkeit geben. Dort kann lediglich Willkür der Macht und der Interessen herrschen.»

 

Bei der Messe wurde auch des Todes von Papst Johannes Paul II. vor sechs Monaten gedacht. Johannes Paul hatte noch vor seinem Tod am 2. April die Weltkonferenz der Bischöfe einberufen. Die Versammlung steht unter dem Motto «Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche». Ratzinger hatte ausdrücklich angeordnet, dass es diesmal mehr Zeit für freie Diskussion gibt als bei früheren Veranstaltungen.

 

Nach offiziellen Angaben des Vatikans nehmen 256 Bischöfe aus 118 Ländern an der Synode teil. Aus Deutschland kommen die Bischöfe Karl Lehmann (Mainz), Joachim Meisner (Köln), Gerhard Ludwig Müller (Regensburg) und Karl-Heinz Wiesemann (Paderborn). Vier chinesische Bischöfe, die der Vatikan eingeladen hatte, bekamen von Peking keine Erlaubnis zur Teilnahme. Die Regierung begründete dies offiziell mit der diplomatischen Anerkennung Taiwans durch den Vatikan sowie mit Gesundheitsproblemen der Bischöfe.

 

Inhaltlich werden die Synodenteilnehmer in Rom über ein Arbeitspapier «Instrumentum laboris» diskutieren. Darin heißt es, im kirchlichen Alltag gebe es auch «Schatten bei der Eucharistiefeier». Unter anderem wendet sich das Papier ausdrücklich gegen eine gemeinsame Eucharistie- bzw. Abendmahlfeier von Protestanten und Katholiken, wie sie vor allem in Deutschland und anderen europäischen Ländern von Gläubigen gewünscht wird. Besorgt äußert sich das Papier über den Besucherrückgang bei der Sonntagsmesse. Bereits vor einem Jahr hatte der Vatikan in einem offiziellen Dokument über allzu freizügige Gestaltung der Eucharistiefeier und der Messe geklagt. Priester dürften nicht aus Gutdünken biblische Lesungen streichen oder die Eucharistie an Gläubige anderer christlicher Kirchen austeilen.

 

3. Oktober 2005

Quelle: http://de.news.yahoo.com/051003/3/4pmnq.html