Der Wechsel vom Islam zu Christentum kann mit dem Tod bestraft werden – auch in Europa
Warum Konvertiten schweigen: Der Schutz der Angehörigen und Helfer geht vor
Wie viele von ihnen in der Schweiz leben, ist nicht bekannt.
Weder die Kirchen noch die Behörden in Bern können Zahlen zu jenen Konvertiten
nennen, die vom Islam zum Christentum wechselten und in der Schweiz leben. Auch
hier halten sie ihre Konversion geheim. Sie leben inkognito, denn die
"Apostasie", der Wechsel der Glaubensgemeinschaft, kann im Islam mit
dem Tod bestraft werden.
Ibrahim lebt mit seiner Frau seit einem Jahr in
der Schweiz. Sie ist eine Konvertitin. Auch wenn sie es nicht sagt, wechselte
sie aus Liebe zu ihrem Mann zum Christentum. Die Bibellektüre erleichterte ihr
den Zugang zur neuen Glaubensgemeinschaft. Sie ist angetan von der Gestalt von
Jesu wie auch vom Gottesverständnis, welches das Christentum vermittelt.
"Häusliche
Unfälle" in Deutschland
Wie gefährlich Konversionen vom Islam zum Christentum sein
können, zeigen Zahlen auf. Bis zu fünf ehemalige Muslime, die zum christlichen
Glauben übergetreten sind, verlieren laut der Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte in Frankfurt vermutlich jedes Jahr allein in Deutschland auf
seltsame Weise ihr Leben. Die Menschenrechtsorganisation untersuchte
"rätselhafte Selbstmorde" und "häusliche Unfälle" bei
Ex-Muslimen.
Überraschend sei der Zeitpunkt des Todes
gewesen: Die Verstorbenen hätten kurz vor ihrem Hinschied ihre Konversion im
Familienkreis bekannt. Der Direktor des Zentralinstituts Islam-Archiv im
deutschen Soest schätzt die Zahl der Konvertiten in Deutschland auf rund 60 pro
Jahr. Aber wie in der Schweiz sind auch dort genaue Zahlen nicht erhältlich.
Gemäss Amnesty International wird die Konversion
vom Islam zum Christentum oder einer anderen Religion als Apostasie
("Abfall vom Glauben") angesehen und aufgrund der Scharia mit
schwerster Bestrafung sanktioniert. Nach islamischem Verständnis stellt
Apostasie einen hochverratsähnlichen Angriff auf das Staats - und
Gesellschaftssystem dar, der zum Beispiel im Iran mit der Todesstrafe bestraft
werden kann.
Ein
Asylgrund
In der Schweiz wird die Konversion vom Islam zum Christentum
in einzelnen Asylgesuchen geltend gemacht, erklärte das Bundesamt für Migration
in Bern auf Anfrage. Es konnte jedoch keine Angaben darüber machen, welchen
Konfessionen die Konvertiten beigetreten sind.
Ein Religionswechsel könne dann ein Grund für
die Gewährung von Asyl sein, wenn eine Person in ihrem Heimat- oder
Herkunftsstaat unter anderem wegen ihrer Religion ernsthaften Nachteilen
ausgesetzt sei. Asyl könne auch dann gewährt werden, heisst es beim Bundesamt,
wenn der Asylsuchende begründete Furcht habe, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden.
Wenn Zweifel bezüglich einer Konversion
angebracht seien, wendet sich das Bundesamt an die entsprechende Kirche, um
Abklärungen über die Wahrhaftigkeit der Konversion zu treffen. So viel kann
gesagt werden: Die Konvertiten wechseln meist zu einer christlichen Kirche, die
in ihrer Heimat präsent ist. In Ägypten ist es zum Beispiel die koptische
Kirche, in Syrien unter anderen die armenisch-apostolische Kirche.
Katholische
Organisationen helfen
Die katholische Kirche Schweiz führt keine Statistiken über
Konversionen zum Katholizismus. Angefragte Ordinariate erteilten eine
abschlägige Antwort. Ebenfalls die Kommission der Schweizer Bischofskonferenz
für Migration (migratio) und auch Caritas Schweiz.
Die Caritas aber hilft Ibrahim und seiner Frau
über die Runden. Ibrahim sagt: "Ohne Caritas gibt es für uns hier kein
Überleben“. Der junge Mann ist als technischer Zeichner ausgebildet. Er sucht
Arbeit. Die Aufenthaltsgenehmigung B schränkt ihn in seiner Bewegungsfreiheit
sehr stark ein. Gefragt, welche Stellung der Glaube in seinem Leben hat,
antwortet er: "Dass ich eine Arbeit finde, ist für mich wichtiger."
Er wäre mit einer Stelle als Pfleger zufrieden.
Seine Frau hofft, dass sie im kommenden Jahr eine dreijährige Ausbildung als Hilfskrankenschwester beim Roten Kreuz beginnen kann. Die Ausbildung ist aber teuer. Das junge Paar muss zudem erst noch mit einer Landessprache vertraut werden. Es hegt die Hoffnung, dass gute Sprachkenntnisse die Jobsuche in der Schweiz erleichtern.
Bearbeitung Livenet
Autor: Georges Scherrer
Quelle: Kipa
Datum: 15.07.2006