Joachim Haas-Feldmann                                                    Hanau, im Februar 2005

 

Was sich hinter Islamisten verbirgt

 

 

Eine kurze Lagebeschreibung: Mehr Strenge gegen Islamisten

 

In der derzeitigen öffentlichen Debatte und in neuer Fachliteratur mehren sich die Stimmen von Autorinnen und Autoren muslimischer  Herkunft ebenso wie die deutscher Spezialisten, die einen kritischeren Umgang mit Islamisten in der bundesdeutschen Gesellschaft fordern. Grundlage ist dabei stets die Verteidigung der Grundrechte in der deutschen Verfassung. Interessanterweise richtet sich die Forderung meist nicht nur an die deutsche Mehrheitsgesellschaft, sondern auch an verfassungstreue Migranten türkischer Herkunft, endlich die Stimme zu erheben gegen wachsenden Fundamentalismus.

 

 

Quellenbelege für den Aufruf zur Verteidigung der Grundrechte

 

Necla Kelek: Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland, Köln 2005, 270 Seiten

Die aus der Türkei stammenden Volkswirtin und Soziologin mit deutschem Pass, Beraterin der Hamburger Justiz zu Fragen der Behandlung türkisch-muslimischer Gefangener und Angehörige des Vorbereitungs-Projektteams für den Evangelischen Kirchentag 2005, forscht zum Thema Parallelgesellschaften. Aus vielen Gesprächen mit türkischen „Importbräuten“ in Deutschland resultiert ihre Forderung, Zwangsheiraten unter Strafe zu stellen, weil es gegen das Grundrecht auf Selbstbestimmung ….verstößt und weil die dadurch programmierte Ghettoisierung dieser Türkinnen ohne jeglichen Bezug zur deutschen Gesellschaft Integration unmöglich mache.  Arrangierte Ehen haben für sie nichts mit Glaubensfreiheit zu tun, ebenso das Tragen des Kopftuchs – wodurch ihrer Überzeugung nach junge Musliminnen „den ganzen türkisch-muslimischen Common Sense von der Trennung der Gesellschaft“ übernehmen (S. 244).                                                                                                                                                                                                                                                      

Sie schreibt: „Wir Migranten haben eine doppelte Verantwortung – dem Land gegenüber, das uns aufgenommen hat, und unseren türkischen Landsleuten gegenüber, damit es nicht nur ein Nebeneinander, sondern ein Miteinander gibt.“ (Seite 11f.) Sie kritisiert: „Selbst demokratische und aufgeschlossene türkische Migranten, die sich dieses Problems (der „Importbräue“; jh) durchaus bewusst sind, tabuisieren es, weil es ihnen peinlich ist und weil sie eine öffentliche Rufschädigung für ‚die Türken’ befürchten. Die Umma, die Gemeinschaft, wird über die Rechte des Einzelnen gestellt.“ (S. 172). Und sie fordert auf: „Können die Migranten nicht selbst den Mund aufmachen, können die Muslime nicht selbst etwas für ihre Integration tun, so diese denn in ihrem Interesse liegt?“ (S.255f) 

 

Sie hält auch der Mehrheitsgesellschaft den Spiegel vor: „Integration ist keine wechselseitige Liebeserklärung, eher schon eine Art Vertragsverhältnis. Für beide Seiten gelten bestimmte Bedingungen, und die müssen eingehalten werden. Und daran hapert es. Auf beiden Seiten.“ An die um Abbau von Ausländerfeindlichkeit bemühten Deutschen appelliert sie: „Verschenkt euch und vor allem eure Verfassung nicht.“(S. 12f.) Sie warnt vor einem „Toleranzverständnis, das einer Selbstaufgabe gleichkommt“ (S. 253), und zitiert: „Tolerant, so hat Rudolf Wernstedt, Sozialdemokrat und niedersächsischer Landtagspräsident, es einmal ausgedrückt, könne letztlich nur der sein, der weiß, wer er ist. ‚Sonst führt Toleranz zur Übernahme des Anderen oder produziert Missverständnisse.“ (S. 256) 

Weiter: „…die Moscheen sind voll mit Frauen, die dort in Koranschulen den Koran auswendig lernen. Die deutsche Gesellschaft verliert mehr und mehr den Zugang und den Kontakt zu diesen Migranten.“ (S. 172)

 

Viele Passagen in dem Buch belegen aus ihrer Binnensicht türkischer Familien den Eindruck einer jeglichen Aufklärungsgedanken widersprechenden Auffassung von Geschlechter-Gleichberechtigung. Etwa die: „Wie im Osmanischen Reich die ältere Generation der Sultansmutter das Sexualleben der jüngeren kontrolliert, bestimmt heute…die Schwiegermutter, wie der Sohn und seine angeheiratete Frau zu leben haben. Diese Sklavenhaltermentalität (!) der Schwiegermütter und die Sklavenmentalität der Kinder in den türkisch-muslimischen Familien, Willkür wie Fatalismus gegenüber dem eigenen Schicksal, sind in der islamischen Kultur durch Jahrhunderte lange Übung tief verwurzelt.“ (S. 47)

 

Die Autorin zitiert ausführlich die Aufbruchgedanken von Atatürk, dem Begründer des türkischen Laizismus, aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, gepaart mit nachhaltiger Kritik an den „Regeln und Theorien eines alten Araberscheichs (gemeint ist der Prophet Mohammed)“. So etwa: „Religion und Staat müssen voneinander getrennt werden. Wir müssen uns der östlichen Zivilisation entziehen und der westlichen zuwenden. Wir müssen die Unterschiede zwischen Mann und Frau aufheben…wir müssen uns in jeder Beziehung, bis hin zu unserer Kleidung, auf den Westen ausrichten.“ (S. 57)

 

Kelek beklagt weiter nicht aufzubrechende Traditionen, die einer Integration türkischer Migranten mit streng-gläubigem Hintergrund hierzulande entgegenstehen. So: „Wenn Töchter im Hause sind, dürfen die Jungen auch keine Freunde mitbringen. Es könnte ja zu einem Kontakt mit dem Mädchen kommen (und Heiratspläne vereiteln; jh). Kein Wunder, dass sich türkische Jungen immer auf der Straße herumtreiben und an den Ecken herumlungern – sie wissen nicht wohin.“ Und: „…die türkische Frau gehört nicht in die Öffentlichkeit. Sie hat die Orte zu meiden, an denen sie Männern begegnen könnte.“ (S. 127) Und: „Es gibt ja Bräute, die gehen ohne Erlaubnis ihrer Schwiegereltern oder ihres Mannes nicht auf die Straße oder zum Arzt.“ (S. 211) Sie spitzt zu: „Im Unterschied zu anderen Kulturen wird die Bindung zwischen Mutter und Sohn nie beendet, nicht einmal verändert. Im Gegenteil, die Hochzeit – in den meisten Gesellschaften eine Art Initiationsritual, das es dem Sohn ermöglicht, sich von der Mutter zu lösen – ist in der Tradition der islamischen Gesellschaft ein Ritual, das den Einfluss der Mutter auf den Sohn noch verstärkt…Die angeheiratete Frau bleibt dagegen ein Leben lang die Fremde…“ (S. 155)

 

Die Autorin hält den Islam für eindeutig frauenfeindlich und von „Patriarchenlogik“ (S. 215) durchsetzt: „Unter Mohammed wurde die Frau zur Gefangenen des Mannes…Wie wenig reformfreudig sich der Islam zurzeit präsentiert, lässt sich vielleicht am deutlichsten an seiner Haltung zu Frauen zeigen…Die Aussage einer Frau (vor Gericht; jh) hat nur den halben Wert der eines Mannes…Auch in Erbangelegenheiten zählt sie nur die Hälfte.“ (S. 163ff.)

 

Kelek fordert den deutschen Staat auf  Zwangsheiraten aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht länger zu dulden: „Eine demokratische Gesellschaft beruht auf der Freiheit des Einzelnen. Das bedeutet, dass alle jungen Menschen, gleich welcher ethnischer Herkunft, das Recht haben sollen, einen Partner ihrer Wahl auszuwählen.“ (S. 221) Provokant fragt sie: „Gelten für Türken und Muslime…andere Gesetze als für die Mehrheitsgesellschaft?“ (S. 223) Und: „Warum sollten wir eine rückständige Tradition akzeptieren, die gegen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen gerichtet ist?...Bei den Zwangsehen und den arrangierten Ehen sind Erpressung und Nötigung im Spiel, die bestraft werden müssen.“ (S. 224). Sie begrüßt Initiativen der baden-württembergischen Landesregierung und der Bündnisgrünen, Zwangsheirat als besonders schweren Fall der Nötigung ins Strafgesetzbuch aufzunehmen. (S. 226f)

 

Die Autorin bemüht sich um einen konstruktiven Ausblick: „Denn die Integration könnte eine Chance für den Islam sein, sich der Krankheit des Fundamentalismus zu entledigen. Aber auch die westlichen Demokraten dürfen sie nicht verspielen. Deshalb dürfen sie auch nicht einen Fußbreit von der Wahrung der Grundrechte abweichen. Das wäre schädlich für die Muslime, die sich integrieren wollen, und schlecht für unsere Gesellschaft. Und zugleich müssen alle Versuche abgewehrt werden, dass sich die organisierten Muslime des Rechtsstaates für ihre Zwecke bedienen.“ Das Grundgesetz sei  Islamisten nützlich, weil es Freiheiten gewährt, „die sie in keinem einzigen islamischen Land haben können.“ (S. 247f)

 

Kelek ruft dazu auf, insbesondere die Schule mehr für die Integration zu nutzen, denn die sei „für viele muslimische Mädchen der Ort, an dem sie Respekt und Gleichbehandlung erfahren. Die Schule ist der einzige Freiraum, der ihnen offen steht. Dort haben sie die Chance, Alternativen zu der traditionellen und religiösen Weltsicht ihres Elternhauses kennen zu lernen, in der ihnen eine feste Rolle zugeschrieben wird…Deshalb hat… das Kopftuch an der Schule nichts zu suchen.“ (S. 249)

Freilich zieht Kelek ein ernüchterndes Fazit: „Die Integration der Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken ist gescheitert.“ (S. 260)

 

 

Ömer Erzeren: Eisbein in Alanya. Erfahrungen in der Vielfalt deutsch-türkischen Lebens, Hamburg 2004, 225 Seiten (Edition Körber-Stiftung)

Darin: Thomas Schmid: Vielfalt als Chance. Strategische Eckpunkte zu einer aktuellen Debatte, S. 203ff.

 „Zu einer Politik der Vielfalt gehört …der Impuls, …unnachgiebig darauf zu achten, dass die Normen der bürgerlichen Zivilgesellschaft unbedingt verbindlich sein müssen. Es geht nicht an, dass unter Berufung auf kulturelle Traditionen…die rechtsstaatlichen Normen ausgedünnt werden. Hier gilt es für die Gesellschaften Europas, dass sie wehrhaft ihre in schwierigen Entwicklungen durchgesetzten Normen verteidigen. Es hat gute Gründe, dass in Europa die Menschenrechte als etwas gelten, das keine Abstriche duldet…alle gelungenen Prozesse von Integration zeigen jedoch.., dass nicht einfach aus der Vielheit etwas gänzlich Neues entsteht, sondern eine Mehrheitsgesellschaft am längeren Hebel sitzt und von ihren Werten mehr durchsetzt als die Minderheiten.

Es ist gewiss nicht Teil einer wünschenswerten Vielfalt, wenn unter dem Schutzmantel der Religion eine Propaganda betrieben wird, die auf die Zersetzung und Zerstörung des Rechtsstaats zielt. Wie von der christlichen Mehrheitsgesellschaft die – nicht immer einfache – Toleranz gegenüber dem Islam verlangt werden muss, so dürfen die Muslime in Europa das Ansinnen nicht empört von sich weisen, ihrer Religion ein Gehäuse zu verpassen, das mit den Institutionen der zivilen Gesellschaft und des Rechtsstaats kompatibel ist. Jedenfalls ist es nicht gut, wenn sich radikale Strömungen des Islam auf das Recht auf freie Religionsausübung berufen und, von der Öffentlichkeit uneinsehbar, Intoleranz und Gewalt predigen. Solche Strömungen zu marginalisieren: Das muss im Interesse der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland sein.

Die Tatsache,  dass Einwandrer in Europa oft zu einer marginalisierten Existenz verurteilt gewesen sind, hat auch dazu geführt, dass sich unter ihnen eine Opfermentalität entwickelt hat, die inzwischen recht tief sitzt. Weil man ausgegrenzt ist oder war, sind immer die anderen schuld. So wird nicht bewusst, dass die Einwanderer nicht nur an der Integration gehindert wurden, sondern oft – aus Bequemlichkeit, aus Desinteresse an der neuen Gesellschaft, auch aus Geringschätzung ihr gegenüber – selbst nicht viel für ihre Integration getan haben. Viele haben sich in ihren communities, haben sich allzu selbstgenügsam in ihren kleinen ökonomischen und kulturellen Gegenwelten eingeschlossen.“  

  

 

Hans Küng: Der Islam.  München/Zürich 2004, 891 Seiten

Der Begründer des Projekts Weltethos, keineswegs ein Gegner des Islam, sieht folgende islamische Lehren „im Widerspruch zu den Menschenrechten stehen, wie sie in der UN-Erklärung von 1948 artikuliert sind“:

Verbote von Mischehen: Wenn ein Muslim eine oder mehrere Nichtmusliminnen, aber umgekehrt eine Muslimin  keinen Nichtmuslim heiraten darf, soll damit garantiert sein, dass die Kinder als Muslime erzogen werden und somit die muslimische Gemeinschaft nicht geschwächt wird…

 

 

Wilhelm Heitmeyer: Die gespaltene Gesellschaft, Die Zeit 50/2004, Seite 12

(Zusammenfassung einer Studie der Universität Bielefeld „Deutsche Zustände)

„Vor allem aber ändert sich das Verhältnis zur muslimischen Minderheit. Die Islamophobie nimmt zu. Es wachsen die Überfremdungsängste. Inzwischen können sich fast 58 Prozent nicht vorstellen, in einem Stadtviertel zu wohnen, in dem viele Muslime leben. Soziale Desintegration, insbesondere Ausgrenzung und Selbstethnisierung, also Rückzug von Migranten in abgeschlossene eigene Welten, wirken riskant zusammen…Die feindseligen Mentalitäten in der Mehrheitsgesellschaft sowie verlockender Fundamentalismus; beides zusammen verweist auf eine ethnisch-kulturell gespaltene Gesellschaft. Wir nehmen an, dass sich dieser Gegensatz weiter unkalkulierbar aufschaukeln kann, weil selbstkritische Debatten in der Mehrheitsgesellschaft nicht ausreichen und in der muslimischen Minderheit fehlen.“

 

Heitmeyer hatte in seiner wichtigen empirischen Untersuchung „Verlockender Fundamentalismus“ über die vermeintliche Radikalisierung türkischer Jugendlicher hierzulande bereits 1997 vor einer Eskalation gewarnt: „Die Ergebnisse dieser Untersuchung weisen darauf hin, dass das Zusammenleben vor schweren Belastungen stehen wird, wenn zum  einen keine weit reichenden politischen Initiativen zur sozialen Integration und zum anderen keine ebenso deutlichen Markierungen universal geltender demokratischer Wertvorstellungen erfolgen.“ (Seite 191).     

 

 

„Auch Einwanderer fördern EU-Vorbehalte“ – Interview mit dem SPD-Europaabgeordneten Vural Öger, Frankfurter Rundschau Nr. 234/2004

„…Der Durchschnitts-Deutsche nimmt die Türkei über das Prisma seiner Erfahrung mit den türkischen Einwanderern wahr. Man muss offen sagen, dass deshalb auch gewisse Vorurteile entstanden sind, besonders wegen Türken, die sich in den Ballungsgebieten in ghettoartigen Gegenden isoliert haben…Die Integration erfolgt über den Arbeitsprozess, und dafür ist es nötig, dass die Leute die Sprache können und den Beruf erlernen. Nur der soziale Aufstieg wird den Menschen ermöglichen, Bestandteil der deutschen  Gesellschaft zu werden…Die Deutsch-Türken…müssen endlich verstehen, was Europäer sein bedeutet. Sie müssen Europa als eine Wertegemeinschaft begreifen. Das fängt mit der Gleichberechtigung der Frauen und den Menschenrechten an. Die Menschen müssen sich mehr anstrengen, an der Wertegemeinschaft teilzuhaben. Sie müssen besser Deutsch lernen. Und sie müssen sich als Teil dieser Gesellschaft begreifen und ihr nicht ablehnend gegenüberstehen….“

 

 

„Mittendrin – statt nur dabei“ – Interview mit Prof. Bassam Tibi, Frankfurter Rundschau Nr. 275/2004 vom 24. November 2004, S. 25

„…Bei uns in Deutschland trauen sich die Politiker nicht so recht, Forderungen an die Muslime zu stellen. Ich habe noch zu selten von einem Politiker eindeutig als Forderung gehört, das Grundgesetz müsse Bestandteil der Einstellung der Muslime sein. In Frankreich verlangt man das ganz selbstverständlich…“

 

 

Ursula Spuler-Stegemann: „Wider die Blauäugigkeit“, taz vom 8.6.2000

„Kein Mensch mit klarem Verstand wird daran zweifeln, dass der Dialog mit Muslimen unabdingbar ist und einen Beitrag leisten soll und kann, um zu einem förderlichen Miteinander zu kommen…Zweifellos sind alle am Dialog Beteiligten daran interessiert, dass endlich Bewegung in die erstarrten Fronten kommt. Entscheidend ist aber, welche Richtung sie nimmt… Der Dialog sollte keine Einbahnstraße sein. Er sollte sich nicht lediglich um die Belange der Muslime drehen, sondern gleichermaßen das Gemeinwohl im Auge haben. Ein gedeihliches Zusammenleben gelingt am ehesten durch das Angehen gemeinsamer Ziele und Aktivitäten, sei es in der Kinderbetreuung oder der Vermittlung von Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen für Jugendliche. Die besondere Schwierigkeit der Kontaktaufnahme zur überwiegenden Mehrheit der kaum oder gar nicht organisierten Muslime könnte durch solche gemeinsamen Aktivitäten überwunden werden. Dann fiele es sicherlich trotz der immer noch bestehenden Berührungsängste auf beiden Seiten nicht schwer, eine Partnerschaft im Sinne eines eigenständigen Miteinanders aufzubauen, mit Geduld und viel Verständnis für den anderen.“

(Die Autorin lehrt Türkisch und Religionsgeschichte an der Universität Marburg)         

 

 

Was bezwecken Islamisten?

 

Ewa zehn bis  20 Prozent der hier lebenden Muslime versuchen nach der orthodoxen Auslegung des Islam zu leben. Sie propagieren die Einheit von Religion und Staat. Nur ein islamischer Staat kann demnach ein guter Staat sein. Islamisten verfolgen die Absicht, in einem islamischen Ghetto einen nach deutschem Verständnis rechtsfreien Raum zu bilden, in dem nur die Scharia gilt. Loyalität gilt der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, und nicht dem Aufnahmeland.

Scharia und deutsche Gesetze schließen sich aber gegenseitig aus: So werden so genannte Moschee- oder Imam-Ehen ohne Standesamt mit bis zu 4 Frauen befürwortet, obschon Bigamie gemäß § 5 Eherecht verboten und  gemäß § 171 StGB eine Straftat ist. Weitere Probleme in diesem Zusammenhang:

·        die Rechtsunsicherheit für die Zweitfrau und ihre Kinder sind groß

·        Probleme mit Kranken-, Rentenversicherung,

·        Probleme beim Erbrecht

·        Probleme bei der Bedarfsgemeinschaft gemäß SGB II und SGB XII

 

 

Islamistische Gefahren durch Moscheen in Hanau

 

In Hanau sind nach jetzigem Kenntnisstand folgende islamischen Richtungen vertreten:

1. Türkisch Islamische Union (DITIP) – Leipziger Straße

2. Islamischer Verein (Milli Görus) – Gärtnerstraße

3. Ümmet Moschee (Kaplanisten) – von Staats wegen im Kinzigheimer Weg aufgelöst, doch im Lamboy  wieder eröffnet

4. Islamisches Kulturzentrum (Verband der islamischen Kulturzentren),

5. Alevitisches Kulturzentrum – auf der Suche nach Räumen!

6. Türkisch Deutscher Freundschaftsverein – auf der Suche nach Räumen!

7. Moschee der Bosnier - Sandeldamm

8. Islamischer Arbeiter Verein (Moschee der Marokkaner) – Dettinger Straße.

 

Von den acht Hanauer Moscheen gehören fünf mehrheitlich dem türkischen Kulturkreis an. Vier der Hanauer Moscheen haben einen Islamischen Arbeitskreis gebildet. Dem Arbeitskreis gehören an: die Türkisch Islamische Union (DITIP), der Islamische Verein (Milli Görus), islamisches Kulturzentrum (Verband der islamischen Kulturzentren), Islamischer Arbeiter Verein (Moschee der Marokkaner).

 

  1. Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) ist abhängig vom Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkischen Republik (DIB). Bei der DIB handelt es sich um eine dem türkischen Ministerpräsident unterstellte Behörde zur Verwaltung des islamischen Glaubens und seiner Ausübung. Diese Behörde ist zuständig für die Einrichtung und Verwaltung von Moscheen, die Ernennung und Besoldung des dafür erforderlichen Personals, die Herausgabe und Zensur religiösen Schrifttums, die Organisation von Korankursen, die Klärung theologischer Fragen durch verbindliche Rechtsgutachten, die Organisation der Wallfahrten nach Mekka und vieles mehr. Ausdrücklich gehört auch die religiöse Betreuung der Türken im Ausland zu den Aufgaben der Behörde. Die DIB bildet Imame an türkischen Hochschulen bzw. Fachhochschulen aus.

 

Vorsitzender der DITIB ist stets ein Angehöriger der türkischen Botschaft in Deutschland. Damit ist DITIB zwar eine nach deutschem Vereinsrecht eigenständige Organisation, die aber unmittelbar an die Auslandsvertretung des türkischen Staates gebunden ist. Die Vorbeter für die einzelnen Moscheen in Deutschland werden von DIB direkt aus der Türkei entsandt. Sie beherrschen die deutsche Sprache meist nicht. Nach vier bis fünf Jahren werden sie wieder in die Türkei zurückgerufen. DITIB betreibt in Deutschland rund 750 Moscheen.

 

In der Literatur wird die Vermutung geäußert, dass DITIB gelegentlich mit dem türkischen Geheimdienst zusammenarbeitet.

 (Quelle: Thomas Lemmen, Türkisch-islamische Organisationen in Deutschland, Altenberg 1998, S. 26;  Lutherisches Kirchenamt und EKD, Was jeder vom Islam wissen muss, S. 118)

 

  1. Der Islamischer Verein ist der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG) zuzurechnen. Milli Görüs versteht sich als Weltanschauung, um auf der Grundlage der Souveränität Gottes zur Errichtung einer „Gerechten Ordnung“ zu gelangen. Milli Görüs ist somit eigentlich ein religiöses Konzept. Nach Einschätzung von Autoren versucht Milli Görus über die Methode des Marschs durch die Institutionen die Macht im türkischen Staat zu erlangen.

 

Sie ist laut Verfassungsschutz in Deutschland die mit Abstand mitgliederstärkste islamistische Organisation, zudem sehr einflussreich und finanzkräftig. In einer politischen Doppelstrategie spricht sie nach außen von Integration, Religionsfreiheit,  Bereitschaft zum Dialog und gibt verbale Bekenntnisse zum Grundgesetz ab. Intern aber agitiert sie gegen westlich-demokratische Werte. Sie agitiert im politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Raum, wobei sie sich als seriöse Ansprechpartnerin präsentiert und versucht, sich durch ihre Gesprächspartner aufzuwerten. Sie indoktriniert gezielt Kinder beispielsweise durch Sommerschulen. Das Kopftuch für muslimische Mädchen sieht sie als Muss an. Islamunterricht an deutschen Schulen gewähre nicht die reine Lehre, heißt es im oft ebenso antijüdischen wie antichristlichen IGMG-Organ „Milli Gazete“.  Muslimen rät sie unbedingt dazu in der Nähe von Moscheen zu leben – ein kaum verhüllter Aufruf zu einer islamistischen Parallelgesellschaft.  Sie propagiert den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft, um mehr Einfluss auf die deutsche Politik zu gewinnen. 

 

In der Literatur wird Milli Görus Kontakte zur Scientology Bewegung nachgesagt.

 

Im Mai 2001 fand in der August-Schärttner-Halle in Hanau eine Veranstaltung des IGMG-Landesverbandes Hessen mit rund 2500 Teilnehmenden statt. Bejubelte und herausgehobene Rednerin war eine ehemalige türkische Parlamentsabgeordnete, die wegen des Kopftuchtragens im türkischen Parlament, was dort verboten ist, eine Symbolfigur der Islamisten ist. Sie trat offensiv für das Kopftuchtragen ein.

(Quelle: Hessischer Verfassungsschutzbericht für 2001 und 2003; Thomas Lemmen, Türkisch-islamische Organisationen in Deutschland, Altenberg 1998, S. 22f u. 30f;  Lutherisches Kirchenamt und EKD, Was jeder vom Islam wissen muss, S. 118)

 

  1. Die Ümmet Moschee ist dem Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) zuzurechnen, gegründet vom 1995 verstorbenen Cemaldeddin Kaplan in Köln. Die ICCB hat sich 1984 von den Vorgängerorganisationen der IGMG abgespalten. In der Literatur wird die ICCB als extrem islamistisch eingeschätzt. Das Ziel der ICCB ist die Abschaffung der Türkischen Republik und die Wiedereinführung des Kalifats in der Türkei. Dies beinhaltet die Abschaffung der nominellen Trennung von Religion und Staat. Für den antidemokratischen Kalifatsstaat sei der „Heilige Krieg“ Muslimenpflicht.

 

Die Hanauer Moschee wurde wegen der mutmaßlichen Beteiligung am vereitelten Anschlag auf das Atatük-Mausoleum in Ankara und der angeblichen Verwicklung in die Ermordung eines abtrünnigen Mitglieds im Auftrag der Bundesanwaltschaft 1999 durchsucht. Das BMI verbot den Kalifatsstaat im Dezember 2001 und im September 2002 entsprechende Vereine, darunter den in Hanau. Im August 2002 demonstrierten bis zu 40 Anhänger auf dem Marktplatz dagegen, dass das Bauamt eine als Moschee genutzte Lagerhalle wegen fehlender Rettungswege geschlossen hatte. Im Dezember 2002 wurde bei Durchsuchungen versucht Nachfolgeaktivitäten zu unterbinden.

(Quelle: Verfassungsschutzbericht Hessen für 2003; Lemmen,  S. 34f;  Lutherisches Kirchenamt und EKD,  S. 118; Hanauer Anzeiger, 12.3.99).

 

  1. Die Moschee in der Lamboystraße wird der Vereinigung Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) zugerechnet. Der Verband wurde 1973 als Islamisches Kulturzentrum in Köln gegründet. Er gilt als Ableger des Süleymanci Ordens. Ziel der Süleymanci Bewegung in der Türkei ist nicht die abrupte Islamisierung, sondern vielmehr eine allmähliche Rückkehr des Islam in das öffentliche Leben im Rahmen der bestehenden politischen Verhältnisse.

 

Der in der BRD wirkende Verband ist nicht an das staatliche Präsidium für Religionsangelegenheiten gebunden. Negative Schlagzeilen machte der Verband in den 80er Jahren, unter anderem weil sich VIZK-Hodcas antisemitisch äußerten.

 

VIZK-Anhänger nehmen seit langem an interreligiösen Veranstaltungen und Begegnungen teil und sind sehr daran interessiert, nicht-muslimische Besucher in ihren Gemeinde zu empfangen. Das Deutsche Orientinstitut Hamburg stellt in Frage, ob der VIZK tatsächlich – wie er vorgibt – offen und dialogbereit ist.

 

Der VIZK gilt als straff organisiert und zentralistisch geführt.

 

Der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Volker Homuth, kam 2003  zu der Einschätzung: „Der VIKZ ist zwar nicht als islamistisch-extremistisch zu bezeichnen, wegen seiner fundamentalistischen Ausrichtung und Abschottungstendenz wirkt er insgesamt aber integrationsfeindlich“. Zum Konzept gehören in erster Linie Schülerwohnheime. Niedersachsens Verfassungsschutz  beobachtete VIKZ in den vergangenen Jahren nicht.

(Quelle: Lemmen,  S. 36f; Frankfurter Rundschau, 6.2.99, S. 24; Selbstdarstellung des VIKZ e.V. Köln, September 1997; Pressedienst des Niedersächsischen Innenministeriums)

 

  1. Das Alevitische Kulturzentrum wird der Föderation der Aleviten-Gemeinden in Europa e. V. (AABF) zugerechnet. Als Aleviten werden seit dem 19 Jahrhundert die schiitische Gruppe der Qizilbas in Anatolien, ursprünglich mit der Zwölfer-Schia verwandt, bezeichnet. Die Aleviten haben eine eigenständige anatolische  kultische Form entwickelt.

 

Nach alevitischer Auffassung ignoriert der türkische Staat die Existenz der Aleviten. Außer dem sunnitischen Islam werde keine anderen islamischen Richtungen in der Türkei anerkannt. Die Aleviten erklären, dass sie in der Türkei keine Religionsfreiheit genießen, sondern durch staatliche Schritte gezielt sunnitisiert werden sollen und Unterdrückungen ausgesetzt seinen. Aufgrund der Unterdrückung gab es bisher kaum Aufzeichnungen über die Lehre der Aleviten.

 

Der Vereinszweck hierzulande besteht in der Wahrung und Förderung der religiösen und kulturellen Identität der Aleviten. In der Türkei gelten die Aleviten als Verfechter des staatlich garantierten Laizismus. Die Säkularisierung der Türkei unter Atatürk hatte für sie eine Befreiung von Jahrhunderte langer Vorherrschaft und Unterdrückung durch den sunnitischen Islam bedeutet. Die Politisierung des türkischen Islam wird daher von den Aleviten mit großer Sorge beobachtet. Die Aleviten betonen in Deutschland ihre religiöse Eigenständigkeit. Sie vertreten die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Verschleierung der Frauen ist ihnen fremd.

(R. Schulze, Geschichte der Islamischen Welt im 20. Jahrhundert, München 1994, S. 417; Lemmen, S. 42f; Das Alevitentum, Eine Handreichung über die religiösen und kulturellen Grundlagen der Aleviten aus der Türkei, AABF Köln, Juni 1997)

 

  1. Die Moschee des Türkisch Deutscher Freundschaftsverein  kann dem Spektrum der Gruppen ADÜTDF / ATIB / ANF zugerechnet werden. (ADÜTDF – Föderation der Türkisch - Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V., ATIB – Türkisch Islamische Union in Europa, ANF – Europäische Weltordnungsföderation). Als Logo des Vereins dient das auch für die türkischen Nationalisten bekannte Symbol des Grauen Wolfs. In Form des so genannten Türkisch-Islamischen Synthese kam es zu einer Verbindung nationaler mit religiösen Anschauungen. Laut Erkenntnissen des Verfassungsschutzes NRW kann die ADÜTDF als extremistisch eingeschätzt werden. Der Verfassungsschutz Niedersachsens schrieb im Jahresbericht 2003: „Ihre politische Zielsetzung richtet sich auf die Verbreitung extremistischen Gedankenguts, das geeignet ist, das friedliche Zusammenleben von verschiedenen Teilen der Bevölkerung zu stören.“

 

Im hessischen Verfassungsschutzbericht finden die „Grauen Wölfe“  keine Erwähnung.

 

Von der ADÜTDF spalteten sich 1988 eine Reihe von Vereinen ab und schlossen sich zu einem neuen Verband namens ATIB zusammen. Diese Neuorganisation wird mit einer Abkehr vom extremen türkischen Nationalismus und einer stärkeren Hinwendung zum Islam erklärt. 

(Lemmen,  S. 40f)

 

  1. Angaben über die religiöse Ausrichtung der Moschee der Bosnier und über die Zugehörigkeit zu Verbänden liegen derzeit nicht vor.

 

  1. Angaben über die religiöse Ausrichtung des Islamischen Arbeiter-Verein (Verein der Arbeiter aus Marokko) und über die Zugehörigkeit zu Verbänden liegen derzeit nicht vor.