Was
ist Dialog ?

Die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt ein Dialogprojekt mit iranischen Partnern / Von Martina und Johannes F. Hartkemeyer
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Das Verhältnis des
Westens zu der islamischen Welt ist derzeit von steigendem Misstrauen und
scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen geprägt. Vor allem Iran ist in jüngster
Zeit durch den Atomstreit und die neue Präsidentschaft kein Kandidat für
positive Nachrichten. Zeitgleich mit der bildgerecht inszenierten Verbrennung
der deutschen Flagge vor der Deutschen Botschaft in Teheran gibt es in Iran
auch eine andere Welt, die mangels explosiver Bildhaftigkeit nur selten Eingang
in die westliche Wahrnehmungswelt findet. Die dort stattfindenden
Veränderungsprozesse, wie auch das derzeit angelaufene Dialogprojekt, werden
allerdings im Inneren der islamischen Gesellschaft - und von der nationalen
Presse - interessiert wahrgenommen. ..........
Eine iranische Zeitungsrezension
des Buches "Miteinander
denken" von Hartkemeyer und Dhority, entfaltete ungeahnte Wirkung.
...........Eine Anfrage aus Teheran, den
Dialogansatz in der Praxis kennen zu lernen und für Multiplikatoren aus
verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft zu trainieren, erreichte die
Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Berlin. Ohne Unterstützung der FES, wäre die
praktische Umsetzung der Arbeit in Iran nicht möglich geworden.
Was ist Dialog?
Grundlegende
dialogische Fähigkeiten - wie das Unterscheiden von Beobachtung und Bewertung,
das Suspendieren festgefahrener Meinungen, Wechseln von Positionen in
Konfliktfällen oder die Analyse misslungener Gespräche - sind Gegenstand der
gemeinsamen Übungen. Durchgeführt wurde das Seminar im symbolträchtigen Imam-
Ali- Museum, das dem Gründer der schiitischen Religionsgemeinschaft gewidmet
ist. Die Stadt Teheran stellte es kostenlos zur Verfügung. Mehr als 20 Frauen
und Männer aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft, bildeten sich in
diesem Kommunikationsverfahren fort. Darunter auch die Gründerin der
Frauenpartei Irans, die Enkeltochter von Revolutionsführer Khomeiny, Fereshte
Tabatabai.
Hohe
Lernbereitschaft
Das Engagement der
Teheraner Teilnehmer ist groß. Intensiv wird in den Übungssequenzen gearbeitet,
in den Gesprächsrunden werden auch brisante Themen nicht ausgespart. Die in
Teheran gemachten Erfahrungen mit dem Dialogansatz zeigen, wie groß die
Lernbereitschaft der Teilnehmenden ist. Zugleich bleibt es unverzichtbar, auch
die eigenen Bilder der fremden Kultur immer wieder zu überprüfen. ...............
Es bleibt zu hoffen,
dass der Eishauch der internationalen Atom- und Ölinteressen diese zarten
Pflänzchen überleben lässt.
Die Autoren
verfassten zwei praxisnahe Standardwerke: "Miteinander denken - das
Geheimnis des Dialogs"; J.F. & M. Hartkemeyer und L.F. Dhority, Klett
Cotta, Stuttgart, 3. Aufl. 2001.
"Die Kunst
des Dialogs. Kreative Kommunikation entdecken. Anregungen, Erfahrungen,
Übungen". J.F. & M. Hartkemeyer, Klett Cotta, Stuttgart, 2005.
Internet: www.dialogprojekt.de
Nach: Frankfurter Rundschau, 28.3.06, S. 7
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=835108&